Die Starks - eine Familien-Saga

GeschichteRomanze, Familie / P18 Slash
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Loki Thor Virginia "Pepper" Potts Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
12.03.2020
27.09.2020
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16.09.2020 5.707
 
„Etwas, das mehr ist als leben. Ich liebe.“



“Lass dich drücken, kleiner Bruder! Wen nennst du jetzt einen Spießer? Du bist redlich verheiratet und ich lebe in wilder Ehe.“ „Ich werde mir alle Mühe geben, meine Ehe auch ein bisschen wild zu gestalten.“ „Das hoffe ich. Was hat dir meine Tochter ins Ohr geflüstert?“ „Du willst mich über die Geheimnisse, die mein süßer Engel mit ihrem Onkel teilt, aushorchen? Pfui, Thor, schäm dich.“ Loki war ein heiteres Bild des Glücks. Er strahlte, nahm huldvoll Gratulationen entgegen (darin hatte er Übung) und lachte und scherzte mit der Familie. Der letzte, der ihnen gratulieren gekommen war, war Bucky. „Loki sagt, das alles hast du geschaffen?“ Er übte sich gar nicht in Bescheidenheit. „Ist mir gelungen, oder?“ „Es ist wunderschön! Wo nimmst du diese Ideen her und warum ist das nicht dein Beruf?“ „Würde man ihn dafür bezahlen, müsste er sich viel zu sehr an die Wünsche seiner Kunden halten. Zum Beispiel, respektieren, was jemand, der heiratet, anziehen möchte.“ Bucky zwinkerte Will zu: „Das hör ich mein Leben lang, schätze ich.“ „Loki, Liebster, sei nicht so ungnädig. Du siehst süß aus und die Wohnhalle ist nicht wieder zu erkennen – ein Traum! Sag doch mal etwas Nettes. Mir zuliebe. „Vergebene Liebesmüh, mein lieber Schwager, das bringt er nicht fertig. Ich hab ihn zu sehr genervt. Wie gefällt dir eigentlich die musikalische Untermalung?“, er lächelte honigsüß in Richtung Loki.

Eines hatte sein gestrenger, nicht zahlender 'Kunde' Bucky strikt verboten: Alles, was irgend geartet mit Disney zu tun hatte. Aber er war ja schlau und da er wusste, dass William in seiner Jugend ein großer Harry-Potter-Fan war, hatte er einen Medley aus Hogwarts-Weihnachts-Zauber und Hogsmeade-Winterromantik sowie ein bisschen Yule Ball-Atmosphäre zusammengeschnitten, der im Hintergrund dudelte. Will strahlte: „Ich finds toll.“ Loki seufzte schwer: „Ich überrasche euch jetzt einfach mal beide: Ich bin geradezu überwältigt, was du in der kurzen Zeit hier geschaffen hast, Bucky, und... ich bin dir dankbar. Du hast für mich getan, was ich mir gewünscht habe. Will findet es bezaubernd – tust du doch, Liebling?“ „Unbedingt, es ist himmlisch!“ „Siehst du? Danke. Ohne dich wäre es nicht dasselbe. Und ich meine damit nicht nur den heutigen Tag.“ Bucky lächelte ihn etwas verhalten an „M-meinst du damit... was ich denke?“ „Mach daraus, was du willst. Ich finde, ich war deutlich genug. Mit diesem Pullover hast du dir eine Menge Schmoren im eigenen Saft verdient.“ Damit wandte sich sein frisch verheirateter Schwager seiner Mutter zu. „Mutter, ich habe noch keinen einzigen Schluck Champagner gehabt. Mein Typ wird hier dauerverlangt!“

Will und Bucky grinsten einander an. „Er ist ätzend.“, entschuldigte sich der Bräutigam. Bucky kicherte: „Ich glaube nicht, dass du das wirklich findest.“ „Nicht so oft. Aber Champagner ist eine gute Idee, oder?“ „Der Champagner unserer Schwiegermutter ist ein Grund für sich, zu heiraten. Dumm, dass das so schnell nicht wieder passiert. Ich könnt natürlich Steve verlassen, mich wieder mit ihm versöhnen und ihn einfach nochmal heiraten. Aber Pepper würde mir danach wahrscheinlich nur noch billigen Walmart-Tütenwein servieren.“, er zwinkerte und machte sich auf, an der Tafel für das Wedding Breakfast ein paar Gläser und Kerzen perfekter als perfekt auszurichten. Das Wedding Breakfast war eine englische Tradition, das seit jeher zu jeder Tageszeit als Frühstück bezeichnet wurde. Man konnte es – wie man wollte - als Drei-Gänge-Menü ausrichten oder als handfestes Vesper oder als Fünf-Uhr-Tee, egal wie viel Uhr es wirklich war... Für eine Familienfeier war es das beste Hochzeitsmahl, das man sich vorstellen konnte. Es gab viel Fingerfood und einfache handfeste Speisen. So konnten die Kinder es sich, wenn sie nicht am Tisch sitzen wollten, an dem sicher noch mehr große Worte in ausgeklügelten (langatmigen und -weiligen) Reden fallen würden, mit einem vollgepackten Teller auf einer Picknickdecke bequem machen.

Ein weiterer Grund für dieses wenig opulente Hochzeitsmenü war die schiere Uhrzeit der Trauung. Erstens nahm man Rücksicht auf die Kinder der Familie und feierte schon seit längerem Feste eher am Nachmittag als am Abend. Der zweite Grund war: Loki hatte schon früh deutlichst zu verstehen gegeben, dass er seine Hochzeitsnacht ganz sicher nicht in seinem Kinderzimmer verbringen würde. („Ich werde diesem verkommenen Kreis nicht beitreten – nein, zivilisiert wie ich bin, werde ich der einzige dieser Brut bleiben, der nie in seinem alten Kinderzimmer Sex hatte.“) Für dieses besondere Ereignis war eine Suite im The Pierre, a Taj Hotel, einem äußerst romantischen Haus mit Blick auf den Central Park, gebucht. Und dort wollte Loki mit seinem frisch angetrauten Ehemann nicht erst in der Nacht auflaufen. Ihr Gepäck für die Hochzeitsreise war bereits zum Flughafen gebracht und sie sollten nach einem ausgedehnten Frühstück in der Suite einen Flieger nach Europa nehmen.


Pepper schenkte ihrem Sohn ein großzügiges Glas ein und fragte: „Was hat Hela zu dir gesagt? Sie hat bezaubernd ausgesehen und ihr habt wie Verschwörer gewirkt. Ich finde es schön, dass sie so einen Draht zu dir hat.“ „Das ist kein Wunder, ich habe viel Zeit mit ihr verbracht.“ „Liebling, sei nicht so bescheiden. Du gehst großartig mit ihr um, scheinst immer zu wissen, was sie gerade braucht. Sie ist sehr scheu.“ Er sah seine Mutter mit seinem kleinen Lächeln an. „Du tust aber nicht wirklich gerade so, als würde sie dich nicht an mich erinnern, gerade du. Warum so unschuldig, Mutter?“ Pepper Stark lachte hell auf. „Dich kann man nicht narren. Ich bekenne mich schuldig. Thor hat mich auf dich angesetzt. Er möchte es so gern wissen und... nun, ich auch. Was hat sie gesagt? Es ist ganz schön egoistisch von dir, es für dich zu behalten!“

Loki hob eine Augenbraue, sein Trademark-Look. „Mutter, das ist schamlos. Als würdest du mir am heutigen Tag einen so schwerwiegenden Vorwurf machen. Du willst mich austricksen. Thor sollte sich auch was schämen. Hängt sich an seiner Mutter Rockzipfel, weil er keine bessere Idee hat, ein Geheimnis aus mir herauszuquetschen... Als würde ich darauf hereinfallen. Ich bin verliebt, nicht verblödet.“ Seine Mutter lachte schallend. Ein paar Augenblicke später sah sie ihn mit funkelnden Augen an: „Vor allem bist du überglücklich. Ich bin so froh.“ Damit ging sie auf die Zehenspitzen, küsste seine Wange und... ließ ihn stehen. Er schaute ihr verdutzt nach. Eigentlich gefiel es ihm einfach, ein bisschen gebeten zu werden. Er hatte gar nicht vor, ihnen vorzuenthalten, was die Nichte ihm zugeflüstert hatte. Es war zu süß gewesen! Jetzt fühlte er sich ausgetrickst. Na ja, aber zu einem Spiel gehörten immer zwei. Er würde sich noch einige Male bitten lassen!


Bucky war an einem Ende der 'Frühstückstafel' und prüfte zum dutzenden Male mit verengten Augen die Wirkung und erschrak, als er angesprochen wurde. „Das sieht nach einer Menge Arbeit aus. Brauchst du eine helfende Hand?“ „Michelle! Ich hab dich noch gar nicht gesprochen. Wie geht es dir?“ „Ein weiteres Semester, angefüllt mit Ackerei liegt hinter mir. Es geht mir gut.“ „Schön. War ne anstrengende Zeit am College, aber ich denke gern dran zurück. Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie ich so viel Energie aufbringen konnte.“ „Einen Rest Energie scheinst du ja noch zu haben. Das hier...“, sie machte eine, den Raum umfassende, Geste, „ist sicher enorme Arbeit gewesen. Und es sieht fantastisch aus.“ Er zwinkerte.

„Für Freunde und Familie stehe ich – sozusagen rabattiert, na ja, eher umsonst - zur Verfügung.“ Sie lachte auf: „Heißt dass, ich sollte Peter lieber schnell fragen, damit er nicht in Fußstapfen tritt und auch noch einen Kerl heiratet?“ Bucky lachte mit ihr. „Wenn dus tust und er sagt ja, ich bin offenbar großartig mit Motto-Hochzeiten!“ „Was wäre das wohl für eine Hochzeit, bei Peter und mir?“ Er sah sie nachdenklich an. „Ich denke an Protest. Ich denke an Rebellion. Ich denke an Chemie. Das passt nicht. Ich denke an Menschenrechte, Gleichberechtigung und den kleinen Mann. Schwarzes Schneewittchen und die aufständischen Zwerge?“ Michelle 'MJ' Jones brach in lautes Lachen aus.

„Worüber lacht ihr?“, Peter kam neugierig näher. „Über den kleinen Mann, also über dich.“ „Bucky, womit hab ich das verdient?“ „Mit Recht. Du hättest jedes süße, liebe, dich wie ein Mondkalb anbetende – und gnadenlos langweilige – Mädchen auf dem ganzen Planeten haben können. Der Erbe von Stark Industries, ich bitte dich. Du hast es so gewollt und das ist gut so. Wir planen gerade eure Hochzeit.“ Peter musste husten und bekam Augen wie Untertassen. „Michelle befürchtet, Stark-Männer dieser Generation heiraten keine Frauen.“ „Äh...“, machte Peter. „Hör schon auf!“, lachte MJ, „diese Hochzeit braucht keine Tragödie wie die eines Herzinfarkts des jüngsten Bruders.“ „Ich...“, Peter räusperte sich nochmal, „verspreche hiermit ganz hoch feierlich, dass ich keinen Mann heiraten werde.“ „Pff“, schnaubte Bucky, „natürlich nicht. Ich bin ja schon vergeben.“ Peter zog ihm ein Gesicht. „Ich verstehe jetzt, warum Steve dich seit 100 Jahren 'Trottel' nennt.“ „Sagt der, dessen Spitzname – einer von vielen – der einer Unterwäschemarke für Kinder ist.“


Loki hatte seinen Ehemann unauffällig aus der Menge gelotst und nach draußen gezogen. Ein paar Heizpilze waren aufgestellt und auch die Terrasse war weihnachtlich geschmückt; mit Lichterketten und (Kunst-)schneebedeckten Bäumchen. „Bist du glücklich?“ „Was für eine Frage...“ „Du hast schließlich schon einmal festgestellt; was dieses Thema hier – Heiraten – angeht, sind meine Fragen von unpassender Natur.“, schmunzelte Loki. „Du hast mich schockiert. Ich habe dieses Thema von dir dort auf dem See zum ersten mal in einem Kontext mit mir vernommen.“ „Ist das so...“ „Und da ich dich und deine Gedankengänge ganz gut kenne, war es für mich sehr ungewöhnlich, dass du damit so… herausgeplatzt bist. Es war auch das erste Mal, dass du ans Heiraten im Kontext mit mir gedacht hast. Ist es nicht so?“ „Mein kluger Liebling...“, er legte seine Hand an Wills Wange. „Ich habe dich eine ganze Weile angesehen und dachte, ich habe noch nie zuvor erlebt, wie jemand tief empfundene wahre, reine Liebe zur Vollkommenheit in seinen Gesichtszügen ausdrückt. Aber dann wurde mir bewusst, dass das nicht stimmte. Ich habe es zuvor schon erlebt. Nicht überraschend auch an dir. Du hast mich manches mal so angesehen. Ich habe diese Verknüpfung nur nie zuvor gemacht, weil... du weißt ja.“, er sah zur Seite.

William nahm ihn mit Daumen und Zeigefinger am Kinn und zwang ihn mit sanfter Gewalt, ihn wieder anzusehen: „Du wirst mir nie glauben, dass ich dich vollkommen finde. Ich weiß, dass du es nicht bist und dennoch erscheinst du mir so. Für mich ist das mehr als ich mir je von einem Mann erträumt habe.“ „Ich bin kein Traum, Geliebter, und die Wirklichkeit ist nunmal unvollkommen.“, er tat einen Schritt auf seinen Mann zu, schlang einen Arm um seine Taille. „In jenem Moment wusste ich allerdings, du meintest jedes einzige Mal, da du mich so besonders angesehen hast, wahrlich ehrlich, weil du mich so sehen willst – aus Liebe. Und da wollte ich auf einmal nichts mehr, als ewig dein sein, in dem durch Menschengedenken und archaischer Tradition geschaffenen heiligem Bund der Ehe. Es passiert nicht oft, dass ich schneller rede als denke. Aber da ist es passiert.“ Will schluckte ergriffen, schmiegte sich nach Nähe hungernd enger an ihn und flüsterte: „Ich hatte eine nur Sekunden dauernde Vision, nur kurz und irgendwie flackernd. Ich sah uns, älter, in einem mir unbekannten Schlafzimmer. Mit unseren Büchern. Die Nacht brach gerade herein. Wir lagen warm und beieinander und ließen kühle, süße Luft von draußen ein. Und die Sterne funkelten.“

Loki streifte seine Stirn mit seinen Lippen. „Und hat dich diese Vision glücklich gemacht?“, wisperte er. „Nur ganz kurz, leider, aber trotzdem sehr. Allerdings nahm die Unterhaltung schnell einen skurrilen Verlauf.“ „Wie glücklich William Arthur Harrington?“, beharrte Loki. „Überglücklich.“, hauchte Will. „Was ließ dich zögern?“ „Zuallererst: Deine merkwürdige Art, eine solche Frage zu stellen.“ Loki gluckste. „Aber...“, er zögerte, „eben auch die Zerbrechlichkeit unserer Liebe. Ich lüge dich nicht an und du willst es wissen: Was geschehen ist, hat mich in den Grundfesten meiner Geborgenheit in dir erschüttert.“ „Es tut m...“ „Ich weiß.“ „Du konntest mir nicht mehr trauen und das ist nur menschlich und allzu verständlich.“ „In seiner Gesamtheit ist jetzt alles viel leichter zu verstehen für mich, aber meine Gefühle am Premierenabend, mein gebrochenes Herz... ich... Es tut mir auch so l...“ „Nein!“, rief Loki verzweifelt, „Du musst dich für nichts entschuldigen. Was ich dir angetan habe, wie unmenschlich und grausam und monströs ich war... ich... weiß, du wirst es nie vergessen können, das ist klar. Aber: ich liebe dich dafür, dass du mir verzeihst. Und sei gewiss: Mit deinem habe ich mein eigenes Herz auch gebrochen“

„Loki...“, seine Stimme war warm, voller Zärtlichkeit, seine Arme schlangen sich noch fester um den Geliebten, er presste seine Stirn gegen Lokis Hals, gerade unter dem Ohr, „wer behauptet, lieben zu können, muss erst beweisen, dass er verzeihen kann.“ Sein Mann schluckte, hob wiederum nun Wills Kinn mit Daumen und Zeigefinger an, sah ihm fest in die Augen: „Und wenn dich diese Momente schinden, wenn du dich fürchtest, meiner Liebe zu trauen. Erinner den Ozean voll Einsamkeit, den rauen, den ich durchquerte, dich zu finden. Meines ist kein leichtes Herz. Doch ist es gestärkt, gestählt durch Lieb' und Schmerz.“ Will lächelte verträumt: „Liebster... und sei dir gewiss: Dies Herz trag ich bei mir – Ich trage es in meinem Herzen. Und niemals bin ich ohne dich – wohin ich auch geh, du auch gehst. Und alles was ich tu, tust du auch, mein Liebling! Ich fürchte kein Schicksal – denn du bist mein Schicksal – süße Liebe, du. Ich will nicht die Welt – sie ist schön, doch meine wahre Welt bist du. Und du bist, was immer ein Mond bedeutet hat und was immer eine Sonne in ihrem Strahlen singt. Das alles bist du!“ „Ich...“, Loki war ganz heiser, musste sich räuspern, „ich würd jetzt gern unseren Vermählungskuss nachholen.“ William wisperte: „Ich hab ein bisschen Zeit.“

Schwer atmend lösten sie sich eine gefühlte Ewigkeit später voneinander. Loki legte den Kopf in den Nacken. „Na, sieh mal an... was ist denn das?“ Will sah auch nach oben. Es war... ein Mistelzweig, in den Streben der Verandaüberdachung angebracht. „Loki...“, wisperte er atemlos. „Das habe ich nicht Bucky überlassen. Ein Mistelzweig! Wir müssen uns küssen, das bringt Glück.“ „Wer wäre ich, es herauszufordern?“ Der Kuss war lang und tief. Danach legte Will den Kopf schief: „Vielleicht...“, er räusperte sich, „müssen wir Morgan sogar dankbar sein. Ich glaube nicht, der Kuss vor aller Augen wäre so schön geworden und wir hätten keinen Grund gehabt, ihn nachzuholen.“ „Das Ausmaß an Dankbarkeit, das dieser Familienzweig heute noch von mir erwartet, reicht mir jetzt schon vollkommen.“ Er schlug ihm mit der Oberseite seiner Finger leicht gegen die Brust.

„Und das mit recht. Sei ein bisschen netter zu Bucky, einmal.“ „Ich bin sehr nett zu Bucky, viele Male. Und wenn du wüsstest welche Ideen ich alle im Keim erstickt habe, würdest du dich wundern, dass ich ihn nicht schon nach wenigen Tagen gefeuert habe“ „Du kannst niemanden feuern, den du nicht bezahlst.“ „Ist das so? Buckys Lohn ist immerwährendes Lob und Bewunderung der Familie sowie dein Strahlen, an dem er sich allerdings, wie er hoffentlich weiß, besser nur diskret erfreut.“ Will kicherte auf: „Du warst schon überzeugender.“ „Und da dachte ich, ein bisschen wohldosierte Eifersucht unterstreiche meine Freude daran, dass ich es bin, der dich in den Hafen der Ehe führte.“ Jetzt gluckste Will: „Nun, Bucky war ja auch schon verheiratet.“ Loki spielte den Gekränkten. „Du machst dich lustig über mich.“ „Nur ein bisschen. Schmetterlinge im Bauch machen mich immer etwas mutwillig.“ „Mutwillig? Klingt aufregend.“ Er senkte wieder den Kopf und Will fand auch, sie hatten genug geredet zwischen innigen Küssen...


„Wo sind denn Will und Loki?“, Steve sah sich suchend um. Peter rief: „Ich habe sie auf die Terrasse gehen sehen und bewache sozusagen die Tür. Ich glaube, sie möchten ein bisschen allein sein.“ Steve rümpfte amüsiert die Nase. „Na, hoffentlich sind sie zum Wedding Breakfast zurück. Ich hätte an seiner Stelle ja das alte Kinderzimmer der Terrasse vorgezogen, aber er muss sich ja in Anstand und Zartgefühl von seinen minderwertigen Brüdern abheben.“ „Junior!“, rief Tony und trat näher aber seine Stimme senkte er nicht, „habe ich dir je erzählt, dass Jarvis mich vor nunmehr fast genau 20 Jahren informierte, dass Mr Steven offensichtlich nicht bewusst ist, dass nur die Kinderzimmer und angegliederten Bäder vom Kamera-Überwachungssystem ausgenommen sind?“ Steve sah ihn verwirrt und fragend an, während Peters Grinsen in ungeahnte Breite vordrang – es reichte schon fast bis zu den Ohren. Bucky kam dazu: „Worüber redet ihr?“

„Bucky, mein Junge. Zu schade, dass wir kein Kind mehr im Haus haben, bei dem du und Steve in der Silvesternacht babysitten könntet. Ich hätte es mir nett für euch vorgestellt, ein besonderes 20-jähriges Jubiläum auf der Terrasse zu feiern.“ Bucky, hatte schon den ganzen Tag mit all dem Weihnachtszauber um ihn herum an sein erstes Weihnachtsfest als Steves Freund im Haus der Starks denken müssen und wie linkisch und prüde er sich vorgekommen war bei all den unverblümten Erwachsenen um sie herum (und Pietro!). Seine Synapsen schalteten sehr viel schneller als die seines Mannes. Er wurde über und über rot. Zum ersten Mal wieder seit vielen Jahren. „Woher..?“ „Jarvis. Aber keine Sorge er hat mich nur von der Tatsache an sich unterrichtet, und mir rein gar nichts gezeigt.“ Jetzt begriff auch Steve und der wurde zwar auch rot, lachte aber schallend. „Du liebe Güte, gibt es noch Kamera-Feed-Kopien im Archiv? Würd ich mir gern mal ansehen. Aus nostalgischen Gründen, versteht sich.“ „Nur über meine Leiche.“, knurrte Bucky, lachte dann aber mit. Es war lustig...


„Noch Champagner, Mrs O'Mara?“ „Nennen Sie mich doch bitte Liz.“ Er nickte lächelnd: „Ich bin Thor.“ Sie lachte: „Nun, das weiß ich natürlich. Sie sind keine kleine Familie, aber der Überblick ist für einen Menschen mit normalen Verstandesfähigkeiten durchaus zu behalten. Und ja, schenken Sie mir doch nach. Der Champagner ist ausgezeichnet.“ „Ich halte es eher mit einem guten altmodischen simplen Lager.“, er hob seine Bierflasche. „Wie geht es Ihnen?“ „Ausgezeichnet.“ „So sehen Sie auch aus. Sie haben sich gut erholt?“ „Ich hatte viel Unterstützung. Und ausreichend Gründe, mein Bestes zu geben.“ Sein Blick wanderte zu Frau und Kindern, Hela war natürlich nah bei ihrer Mutter und zupfte an einer Stoffpuppe herum, Fandral und Erik spielten mit Thors alten Murmel-Katapulten. „Ihre Kinder sind reizend. Die Kleine sieht aus wie ein Engel.“ Er lächelte und neigte dankend den Kopf. „Sie haben eine bezaubernde Mutter.“ Liz legte den Kopf schief. „Mir scheint, Sie haben alle Bescheidenheit geerbt, bevor ihr jüngerer Bruder sich an dem Genpool zu schaffen machte.“ Thor schmunzelte.

„Loki sagt immer, ich sollte nicht nur an meinen Muskeln trainieren, sondern endlich auch wieder ein paar meiner charmanten Ecken und Kanten zurückgewinnen. Wie Großspurigkeit und polternder Leichtsinn. Was soll ich sagen? Er hat vermutlich recht. Aber... Manche Dinge verändern einen.“ Sie sah ihn mitfühlend an: „Sie werden, wenn Sie das wollen, schon wieder der Alte. Geben Sie sich ein bisschen mehr Zeit.“ „Sie haben sicher recht.“, er seufzte und wechselte das Thema: „Ein großer Tag. Wir sind alle sehr glücklich, Will in unsere Familie aufnehmen zu dürfen. Er ist ein prachtvoller Mensch.“ „Das ist er in der Tat! Sie hören das bestimmt nicht gern: Ihr Bruder hat mich eine Menge Nerven gekostet und Loki sieht sich besser vor. Ich kann ungemütlich werden, wenn es um meine Freunde geht und William ist mir der wertvollste von allen.“ Thor spitzte ein wenig die Lippen und ein seltener harter Zug erschien um seinen Mund. „Wissen Sie, natürlich respektiere ich Ihre Sicht auf die Sache, Sie sind Wills Freundin. Aber erlauben Sie mir, Ihnen eine Anregung zu geben: Mein Bruder wurde auch verletzt.“ Liz Augen weiteten sich, sie holte tief Luft, wurde aber von einer bittend erhobenen Hand aufgehalten.

„So voreingenommen – und das mit Recht – Sie sind, was das betrifft, so sehr müssen Sie mir dieses Recht bei meinem Bruder einräumen. Loki ist...“, er dachte kurz nach, schmunzelte dann, „er ist jedenfalls viel besser darin als ich, diese Dinge auszudrücken. Ein wahrer Wort-Akrobat. Aber wissen Sie? Er hat seinen Schmerz, seine Einsamkeit und seine Verletztheit nie zum Ausdruck gebracht. Ich kann also auch nicht auf seine üblicherweise erklärenden und doch schönen Worte zurückgreifen. Er befand sich in einer Situation, die für ihn dem Inferno glich, über das er ein so bewegendes Theaterstück erschaffen hat. Seine Hilflosigkeit und Verzweiflung hat ihn entfernt von allem – entrückt fast. Und niemand hat eine Hand weit genug nach ihm ausgestreckt, so dass er in der Lage gewesen wäre, danach zu greifen. Er hatte Angst, war überfordert, von Kummer und Sorge erfüllt und er war...“, Thor schluckte, „ganz allein. Der einsamste Mensch der Welt. Wir, seine Familie, müssen mit diesem Versäumnis leben und können es hoffentlich irgendwann wieder gutmachen. Aber nicht nur wir haben an ihm versagt. Das meinte ich: Auch mein Bruder wurde verletzt.“ Liz starrte ihn mit leicht geöffneten Lippen an. „Hat er Ihnen das gesagt?“ Er schüttelt ernst den Kopf. „Das musste er nicht.“ „Dann können Sie nicht wissen, ob...“ Er ließ sie nicht ausreden. Was er zu sagen hatte, war ihm zu wichtig, um darüber zu diskutieren. „Ich weiß es.“

Sie war sprachlos. Bei Thor Stark hatte Sie es also auch – was Sie zuerst gar nicht gedacht hatte – mit einem ausgesprochen willensstarken und in seinen Überzeugungen sehr gefestigten Menschen zu tun. Er war keiner, den man gegen sich wissen wollte, das spürte sie hinter all der Freundlichkeit und Harmlosigkeit, die er ausstrahlte. 'Ihr' William hatte da in eine verdammt gruselige Familie eingeheiratet. Thor gluckste: „Sie sehen ganz ängstlich drein, das wollte ich nicht.“ Nach einem Hüsteln fragte sie so trocken sie es fertigbrachte: „Warum sagen Sie mir dann all das? Es erscheint mir gewissermaßen doch recht persönlich und ich kann keinerlei Absicht oder Beweggründe dahinter vermuten.“ Er lachte leise:

„Ich sage Ihnen all das, damit Sie sich zurücklehnen können, das schöne Fest genießen und sich ihrer unterschwelligen Sorgen entledigen können.“ „Sorgen? Ich weiß nicht, was sie meinen. Ich bin sehr glücklich für Will.“ „Natürlich, das kann man deutlich sehen. Und doch trauen Sie meinem Bruder nicht. Aber Will tut es und vielleicht sehen Sie zu, dass das auch für Sie reicht. William weiß, was er tut und Loki, er... Nun ich kann Ihnen versichern, er wird ihm bis zu seinem letzten Atemzug nicht mehr von der Seite weichen. Er liebt ihn und ihm seine Hand für die Ehe zu schenken, das ist für ihn bindend für immer. So ist er.“ Die Schlichtheit und die Überzeugung in seinen Worten machten Elizabeth O'Mara sprachlos. Dann sah sie schräg hinter ihrem freundlich lächelnden Gesprächspartner die nahende Rettung!

„Will!“, rief sie fast atemlos. Er kam gerade mit Loki zurück, der mit seinem jüngsten Bruder über 'Schmierestehen' oder so etwas scherzte, aber Will kam lächelnd zu ihr. Loki, der ihm gleich drauf folgte, erfasste die Situation mit einem Blick. Ihre Verstörtheit, Thors entschlossene Haltung. Er sah den älteren Bruder streng an. „Was hat er zu dir gesagt? Liz! Hör nicht auf ihn, er ist als Baby vom Wickeltisch gefallen.“, dabei ließ er den gleichmütig lächelnden Bruder nicht aus den Augen. Thor lachte: „Lass das Mom nicht hören. Nie im Leben ist ihr etwas derartiges passiert.“ „Thor...“ „Loki“, meldete Liz sich dazwischen. Mit einem Seitenblick auf Thor Stark log sie ihn schamlos an: „Dein Bruder war so nett, mir von seiner Erkrankung zu erzählen. Ich hab ihn ein wenig ausgefragt. Ich weiß, völlig unpassend, aber eine Cousine von mir hat die Diagnose letzte Woche bekommen.“ „Oh, das tut mir leid. Ich wünsche der Familie alles Gute.“ Will, der ahnte, dass sie log, ihm hatte sie nichts von einer kranken Cousine – oder überhaupt von irgendeiner Cousine – erzählt, sah stirnrunzelnd von einem zum andern.

Aber bevor er etwas zu dem Thema sagen konnte, bimmelten Glöckchen aus den Lautsprechern. Das Wedding Breakfast wurde aufgetragen! Loki sah seinen Bruder ein letztes Mal prüfend an,bot dann aber seinem Mann den Arm, um ihn zur Tafel zu begleiten. Liz blieb ein wenig zurück. Thor raunte: „Danke. Ihm stehe ich nicht gern Rede und Antwort.“ „Das kann ich mir vorstellen. Ist kein Spaziergang, was? Und gern geschehen. Sie haben übrigens sicher recht. Ich bin eine Gans.“ „In der Gestalt eines Schwans.“, antwortete er galant lächelnd und eilte zu seiner Frau (einer sehr glücklichen Astrophysikerin mit dem Kichern eines Schulmädchens), um bei den Kindern zur Hand zu gehen. Zum Kuckuck, Stark-Männer waren etwas! Und sie hatte immer noch kaum zwei Worte mit Steven Stark gewechselt. War sie nicht die Brautjungfer? War man denn nicht sozusagen verpflichtet, mit ihr zu flirten? Sie beschloss, ab sofort endlich mal so richtig Spaß an dieser Sache hier zu entwickeln!


Die Tafel, ein langer Tisch, zu dessen beiden Seiten lehnenfreie Holzbänke standen, war der Länge nach mit knorrigen, blätterlosen, pittoresk geformten Bäumchen geschmückt, in deren verworrenen Ästen kerzengefüllte Gläschen hingen. Farblich war alles winterlich grau und eisblau gehalten. Der Caterer und seine Mitarbeiter hatten auf dem ganzen langen Tisch Servierpyramiden aufgestellt. Darauf fand sich alles, was je auf einer englischen Teeparty serviert und für gut befunden worden war: Die verschiedensten Scones, Avocado-Toast, Teekuchen, Muffins, winzige Sandwichs mit Kräuterbutter, Marmeladen und Chutneys, Cheddar und Munster, Madeleines, Plumpudding natürlich und Fischstäbchen sowie Pommes Frites für die weniger experimentierfreudigen Kinder.

Niemand war überrascht, dass Morgan, von ihrem Papa von klein auf abwechslungsreich und experimentierfreudig bekocht, von allem versuchen wollte. Erik und Fandral hielten es mit Fish and Chips und für Hela hatten ihre Eltern ein Döschen Spinatnudeln mitgebracht. Zur Zeit mochte sie nur und ausschließlich Spinatnudeln. Pepper und Tony kannten auch das zur Genüge von Loki in dem Alter und beruhigten die besorgten Eltern. Der Körper sagte dem Kind schon, was er brauchte und wenn die Kohlenhydrat-Gemüse-Phase vorbei war, kam sicher eine Eiweiß-Mineralstoff-Phase. Wie lange sie selbst damals gebraucht hatten, die Tatsache anzunehmen, verschwiegen sie allerdings. Den Zirkus, den sie seinerzeit veranstaltet hatten, Nahrung in Loki zu bekommen, endete glücklicherweise nicht in einer Essstörung. Der Junge hatte mit drei und Eintritt in die Nursery School von einem Tag auf den andern alles gegessen, was die anderen Kinder aßen. Es war, wie heute alle annahmen, sein Anpassen an die erste soziale Gruppe seines Lebens gewesen. In seiner Familie hatte er das nicht nötig gefunden...

Es war ein lustiges ungezwungenes Mahl. Häppchen wurden getauscht, englische Küche mehr als einmal erstaunt gelobt (zumindest die Teekultur ist in England außerordentlich deliziös) und man sprach durcheinander, witzelte, lachte und alle hatten eine gute Zeit. Nach einer vergnüglichen guten Stunde klopfte Loki mit dem Messer an sein Glas. Die Gespräche verebbten und alle sahen ihn an. „Wahrscheinlich erwartet jeder von euch eine von sprachlicher Eloquenz, sprühendem Geiste und feinem Wortwitz geprägte Rede von mir. Allerdings ist mit durchaus bewusst, wie wenige von euch die Schönheit und Erhabenheit des Wortes zu schätzen wissen. Also hebe ich mir das für später auf. Für meinen Ehemann.“ Steve rief ausgelassen: „Klingt nach einer Bombenhochzeitsnacht!“ Loki schnaubte: „Sei dir dessen versichert, Bruder: letztendlich wird sich meine nicht von deiner unterscheiden. Ich bin auch von der – bin wirklich ich es, der das sagt? - bombigen Qualität dieses Ereignisses überzeugt. Ist wie mit meinen Theaterstücken – durchweg gute Kritiken.“ Er sah sehr zufrieden mit sich aus und erntete Gekicher. Man musste sich nicht sorgen, dass die Kinder hier etwas hörten, was nicht für ihre Ohren bestimmt war. Nach Lokis ersten opulenten Worten waren alle Kinderohren schon auf Durchzug geschaltet.

„Außerdem“, sprach er weiter, „wäre es mir ein Kummer, meine geschätzte Nichte schon wieder zu langweilen.“ Morgan 'flüsterte' weithin hörbar: „Meint er mich, Peter?“ Sie saß bei ihm und MJ. „Also fasse ich mich kurz: Am heutigen Tage mit euch allen hier zu sein ist das normalste der Welt für mich seit ich denken kann. Wichtige Feste gemeinsam zu begehen waren schon immer die glanzvollen Höhepunkte im Jahreslauf. Ich weiß, ich habe nie den Eindruck gemacht, ich würde mich wie jeder andere amüsieren und nehme diesen Moment nun zum Anlass, euch allen tief empfunden auszudrücken, dass ich es doch habe. Auf meine Art. Immer und ernsthaft beglückt war ich. In eurem Kreise aufzuwachsen, die verrückten Jahre der Jugend und Adoleszenz zu überstehen und als Mann wieder und wieder in diesen Kreis zurückzukehren wie in einen Hafen, einer Mutter Schoß, eines Vaters Arme, es hat mir immer Kraft, Halt und Stärke gegeben und mich immer – ehrlich und aufrichtig glücklich gemacht. Danke.“, er pausierte kurz, um sich zu sammeln, bewegt wie er war. Es war abgesehen von dem ein oder andern unterdrückten Räuspern, schnüffeln oder Schniefen ganz still am Tisch. Alle hingen an seinen Lippen, lauschten seiner schönen Stimme, der ausdrucksstarken Sprechweise.

„Aber“, hob er wieder an, „so sehr ich all die Jahre jedes Fest still genossen habe. Das heutige ist der glanzvolle Höhepunkt nicht eines Jahres oder Lebensabschnitt oder eines Jahrzehnt. Es ist der Höhepunkt eines ganzen Menschenlebens, dass ohne einen bestimmten Menschen sicher nicht schlecht wäre, mit stiller Freude an Familienfesten, erfüllender Arbeit, guten Gespräche mit Gleichgesinnten. Auch vergnügliche Stunden mit Neffen und Nichten erhellten immer wieder und wieder den Alltag... Es war kein schlechtes Leben. Es war sogar ein gutes Leben.“ Er lächelte in die Runde und seine Lieben nickten. Seine Mutter hauchte ihm einen Kuss zu. „Doch... Wer gekostet hat vom Himmel, gibt sich nie wieder zufrieden mit der guten soliden Erde. Versteht mich nicht falsch: Diese gute, solide Erde ist ein friedlicher ruhiger Ort. Es droht nur wenig Gefahr. Aber ich habe vom Himmel gekostet und will niemals im Leben wieder weniger. Sollen Gefahren lauern, soll mein Herz, mein Heil doch bedroht sein! Ich habe etwas gefunden, das mehr ist als leben. Ich liebe. Und das ist simpel und gleichzeitig großartig und alles. Und niemals gebe ich es wieder her.“, damit musste er sich abwenden, seine Stimme hatte schon geschwankt, er verbarg das Gesicht an der Schulter seines Ehemannes, der sich schnell ein paar Tränen abwischte, einen Arm um Loki legte, sein Glas hob und rief „Hört hört!“ Es echote von allen Seiten.

„Hast du auch wieder kein Wort verstanden, Papa?“ Morgans Bemerkung löste die gerührte Anspannung. Es wurde gelacht. Bucky sah Steve an, als würde er ihm tausend Pickel an den Hals wünschen, der griente ihn nur an. Ihre Tochter machte ein komisches Gesicht. „Hast du alles verstanden, Peter?“ „Aber nein“, gluckste ihr Patenonkel, „Eins aber schon: Loki ist glücklich und freut sich, dass wir mit ihm seine Hochzeit feiern.“ Morgan überlegte kurz und kam auf mit: „Das Essen ist gut.“ „O-ho, kleine Lady Morgan“, rief ihr jüngst verheirateter Onkel amüsiert, „ist diese Lustbarkeit nicht nach eurem Geschmacke?“ Morgan verstand zwar nicht genau, was Loki meinte, aber hatte tatsächlich etwas auf dem Herzen: „Es wird nicht getanzt und nicht gespielt. Was ist das denn für eine Party?“ Bucky grinste: „Deine ersten schlechten Kritiken, Schwager!“ Loki räusperte sich: „Meine? Wer hat die Hochzeit geplant?“ „Wer hat die coolen Ideen im Keim erstickt? Und im Übrigen: Das nennst du dich kurz fassen? Na, das wird ne Bombenhochzeitsnacht – Noch mehr davon.“ Loki lächelte süffisant: „Ich hatte meine Gründe, so früh am Tag zu heiraten. Alles muss seine Zeit haben.“ William schaltete sich ein:

„Ich möchte auch etwas sagen. Und ich meine es so, wenn ich sage, ich fasse mich kurz. Na ja, eher nur kürzer.“ Alle verstummten und sahen ihn erwartungsvoll an. „Liebe Liz, mit dir fange ich an: Du bist mir eine treue Freundin und hast mich immer unterstützt und mir Verständnis, Zuneigung und Halt geschenkt. Als Hochzeitsplanerin warst du zwar eine Niete, aber die Prosecco-Abende waren große Klasse. Danke dafür. Und danke, dass du meine Freundin bist.“ Sie lächelten sich an. Liz musste eine Träne aus dem Augenwinkel wischen. Guter alter Will! Er fuhr fort: „Pepper und Tony. Niemand kann sich an liebevollem Aufgenommensein als neues Familienmitglied mehr wünschen, als ihr gebt. Das Willkommen, das ihr mir bereitet habt, umgibt mich wie eine warme Decke an einem rauen Winterabend. Ich sehe mich weniger als euer Schwiegersohn denn als euer Freund und dennoch ist es mir, als hätte ich – spät, aber das spielt keine Rolle – wahrhaft neue Eltern bekommen. Na ja, heute ist ja auch Weihnachten.“

„Steven, Peter und vor allem Thor. Ihr seid Lokis Brüder. Jeder von euch könnte nicht verschiedener von ihm sein. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich ihr alle seid. Aber ihr seid euch alle auch gleich in einem: Euer Familiensinn und eure Liebe für und Zuwendung zu Gutem – Liebe, Zusammenhalt, Fürsorge und nicht zuletzt: Spaß und Lebensfreude. Im Besonderen möchte ich mich abschließend an dich wenden, Thor: Nichts könnte mich glücklicher machen, als deinen Bruder kennengelernt zu haben, lieben zu dürfen und – krönend – von ihm wiedergeliebt zu werden. Aber es gibt einen gar nicht unerheblichen zweiten Platz: Ich bin glücklich über den Ausgang der dunklen Episode deines Lebens. Mehr als glücklich. Überglücklich. Und ich hoffe, ich kann dir ein weiterer Bruder sein. Mit dir wäre ein Strahlen auf dieser Welt erloschen.“ Er senkte den Kopf, gab allen einen Augenblick, sich zu sammeln, auch sich selbst. Als er wieder aufsah, sah er Loki an. „Jetzt zu dir. Das beste zum Schluss. Loki, du bist mir ein wahres Wunder. Es heißt zwar immer der Mensch könne Wunder nicht enträtseln, noch verstehen. Doch dich zu enträtseln ist mir ein immerwährender Quell der Freude und ich verstehe dich und das macht das Wunder, mein Wunder – dich noch so viel kostbarer. Liebe meines Lebens, die du bist... Ich kann nur sagen: Ich liebe dich und ich liebe dich und ich liebe dich. Mehr gibt es nicht.“

*

Zum Abschied verriet Loki seiner Mutter und seinem Lieblingsbruder natürlich noch, was Hela ihm zugeflüstert hatte:

(„Na, Sweetie, was hast du denn da? Etwa ein Geschenk?“

„Deine Ringe, Onkel Loki.“, sagte das Mädchen schüchtern.

„Ein Ring ist aber für Onkel Will, Goldilocks.“

„Onkel Will hat schon sooo einen großen Ring, da brauchst du zwei für dich.“

„Aber Sweetie, Onkel Will mag den gar nicht so gern. Ich ziehe ihn ab und dann braucht er wieder einen.“ Die Kleine sah ihn an, überlegte kurz und nickte dann ernst.

„Ja, das stimmt, Onkel Loki.“ Sie sah zu Will hoch und zeigte auf das Päckchen, das ihr Onkel in den Händen hielt.

„Da ist auch ein Ring für dich, Onkel Will.“ Er lächelte und strich ihr über den Kopf.

„Danke, mein Liebes.“)


Hochzeit auf Stark Manor
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