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This One

von Selace22
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Daryl Dixon
11.03.2020
25.01.2023
21
75.766
20
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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25.01.2023 3.029
 
Kapitel 20
                                                                                 Claire

Ich spüre Daryls Berührung noch lange, nachdem das Essen vorbei ist. Selbst am nächsten Tag, als ich wieder auf den Feldern arbeite, kann ich noch immer die Wärme seiner Hand spüren, die durch den Stoff meiner Hose ein aufgeregtes Kribbeln auf meinem Bein verursacht.
Die ganze Zeit über dachte ich, es gäbe kein Zurück für uns. Dass zu viel passiert wäre. Aber jedes Mal, wenn ich ihn ansehe, erhöht sich mein Herzschlag. Jedes Mal überfällt mich das Gefühl der Sehnsucht.
Man kann Schmerz überwinden, das weiß ich. Denn ich musste viel Schmerz in meinem Leben ertragen, aber ich bin immer daran gewachsen. Daryl hat mir wehgetan, indem er sich von mir abwendete, obwohl es keinen handfesten Grund dafür gab. Aber ebenso, wie man Schmerz überwinden kann, kann man verzeihen.
»Woran denkst du?« Maggies Stimme reißt mich schließlich aus meinen Gedanken, als sie grinsend vor mir stehen bleibt. Einen Moment lange mustere ich sie.
»Du wirkst blass.«, antworte ich besorgt und umgehe somit ihre Frage. Maggie jedoch winkt nur kopfschüttelnd ab.
»Wassereinlagerungen machen mir seit Wochen zu schaffen und aus irgendeinem Grund ist mir plötzlich auch wieder ständig übel. Ich freue mich auf das Baby, aber Himmel, eine Schwangerschaft ist verdammt anstrengend.« Wir lachen gemeinsam, während sie mit einer Hand über ihren kugelrunden Bauch streichelt.
»Sei beruhigt, wenn das Kind erst einmal da ist, wird es ganz einfach. Da wäre dann nur noch Schlafmangel, Schmerzen, Geschrei und vollgemachte Windeln. Mutterfreuden.«, schmunzele ich spielerisch.
»Oh vielen Dank, Claire. Du hast mir all meine Sorgen genommen.«
»Gern geschehen.« Ich lächle verschmitzt.
Doch dann, in dem Moment, als ich ihr von Daryl erzählen will, keucht Maggie schmerzerfüllt auf. »Maggie!« Alarmiert strecke ich meine Arme nach ihr aus, um sie zu stützen. »Was ist los?« Panik erfasst mich, als ich in ihr vor Schmerz verzerrtes Gesicht sehe.
»Ich weiß nicht. Es-¬¬«, stöhnend bricht sie ab.
»Okay, du musst zu Enid. Sofort.« Hektisch lasse ich meinen Blick über die Felder schweifen, bis ich schließlich Coles Blondschopf entdecke. »Cole!«, rufe ich, woraufhin sich mehrere Köpfe, einschließlich seinem, zu mir drehen. Für eine Sekunde mustert er mich, wie ich Maggie stütze, dann erkennt er sofort, dass etwas nicht stimmt und kommt zu uns.
»Hilf mir sie zu Enid zu bringen.«, bitte ich ihn, als er, wenige Momente später, vor uns zum Stehen kommt. Mit einem Nicken greift er Maggie in die Kniekehle und hebt sie kurzerhand hoch.
Auf dem Weg zur Krankenstation begegnen wir Rick, der verspricht, sich auf die Suche nach Glenn zu machen, um ihm Bescheid zu geben. In der Krankenstation ist Enid sofort da und wir legen Maggie, die noch immer starke Schmerzen hat, auf eine der Liegen.
»Bitte wartet draußen, während ich sie untersuche.« Widerwillig verlassen Cole und ich das Zimmer um auf der kleinen Veranda draußen zu warten.
Die Ungewissheit droht mich einzunehmen, solange wir warten. Cole sitzt schweigend auf der Bank, den Kopf in die Hände gestützt. Ich hingegen kann gar nicht daran denken, still zu sitzen. Immer wieder laufe ich in die eine Richtung, nur um dann wieder umzukehren und in die andere Richtung zu gehen.
Als ich eilige Schritte höre, hebe ich den Blick, um Glenns besorgten Augen zu begegnen.
»Wo ist sie? Was ist passiert?« Ich zeige in die Krankenstation, in der Maggie nach wie vor untersucht wird. Ohne weitere Worte hastet Glenn hinein, danach ist es wieder still.
»Claire!« Ich drehe mich zu Daryl, der mit Rick auf uns zugestürmt kommt. Wenige Zentimeter vor mir kommt er zum Stehen, umgreift mein Gesicht mit seinen Händen und mustert mich eingehend.
»Geht es dir gut?« Mit gerunzelter Stirn sehe ich ihn, während seine sanfte Berührung durch meinen Körper zieht.
»Ja, ja natürlich. Maggie sie¬-« Er lässt mich nicht aussprechen, sondern zieht mich ruckartig in seine Arme. Ich bekomme nur nebenbei mit, wie er Rick einen vorwurfsvollen Blick zu wirft, woraufhin dieser nur etwas von „du hast mich ja nicht aussprechen lassen“ murmelt.
»Was ist passiert?«, fragt Daryl schließlich, nachdem er mich noch einmal von oben bis unten abgescannt hat. Ich seufze zitternd.
»Maggie, sie hat plötzlich Schmerzen bekommen, also haben wir sie direkt hergebracht. Ich…ich hoffe, es geht ihr und dem Baby gut.« Und dann erschüttert ein Schluchzen meinen Körper. Brummend zieht mich Daryl wieder in die Arme und dieses Mal lasse ich mich gegen ihn fallen. Lasse mich halten. Mich beruhigen.
»Alles wird gut, Liebling. Maggie schafft das. Und das Baby ist mindestens so zäh wie sie.«, flüstert Daryl liebevoll in mein Ohr, während er seine Hand in sanften Bewegungen über meinen Rücken gleiten lässt. Ich verliere mich in der Umarmung, atme seinen Geruch ein und spüre seine Wärme in meinem Körper.
Gerade, als ich ihm antworten möchte, geht die Tür auf.
»Es geht ihr gut.«, sagt Glenn schnell und wir alle atmen erleichtert aus. »Sie hat Übungswehen, das ist zwar normal, aber sie muss sich trotzdem mehr ausruhen.«
»Und dem Baby geht es wirklich gut?«, frage ich heiser. Glenn nickt erleichtert, dann verabschiedet er sich und kehrt zu Maggie zurück. Und bevor ich wirklich realisiere, dass alles gut ist, zieht mich Cole in eine lange Umarmung. Ich halte ihn, während stille Tränen über seine Wangen laufen.
»Es ist alles gut.«, wispere ich und werfe einen vorsichtigen Blick zu Daryl, dieser jedoch spricht mit Rick. Überrascht stelle ich fest, dass es ihn überhaupt nicht zu stören scheint, dass Cole und ich uns so nah sind. Dann löst dieser sich schließlich schniefend von mir und wischt sich kurz über sein Gesicht.
»Ich bin so froh, dass es den beiden gut geht.« Mit einem erleichterten Nicken stimme ich ihm zu.
»Wir sollten zurück und unsere Arbeit für heute zu Ende bringen.«
»Das mache ich.«, wirft plötzlich Daryl, der uns von der Seite aus beobachtet, ein. »Ich meine, damit ihr euch ausruhen könnt. Ich habe heute ohnehin nichts mehr vor.« Ein Runzeln bildet sich auf meiner Stirn, als ich seine Miene studiere. Ich kann nicht genau sagen was, aber irgendetwas ist heute anders. Als ich nicht reagiere, spricht Cole für uns.
»Das wäre sehr lieb von dir.«
Nach einem letzten langen Blick auf mich, geht Daryl, gemeinsam mit Rick, in Richtung der Felder.


Als die Dunkelheit langsam über Alexandria einbricht, sitzen Cole und ich auf der Couch, jeder eine Tasse Tee in der Hand. Wir haben nicht viel gesprochen, seit wir zuhause sind. Vielmehr hängt jeder von uns seinen Gedanken nach. Die Stille ist beruhigend und langsam realisiere ich, dass es Maggie gut geht. Und allem voran natürlich, dass es dem Baby gut geht. Seit ich Rachel verloren habe, fürchte ich mich umso mehr vor Verlusten.
»Früher wäre so etwas nicht möglich gewesen.«, ergreift Cole dann doch das Wort. »Die alte Welt war schnelllebig, machthaberisch und böse. Damals wäre es unvorstellbar gewesen, dass einem wildfremde Leute derart wichtig werden können. Maggie, Glenn, Carol, Daryl, Rick. Keiner von uns ist verbunden durch Blut und doch sind wir alle eine Familie.« Schweigend stelle ich meine Tasse auf den kleinen Tisch vor uns, während ich Coles Worten lausche. »Es mag makaber klingen, aber ich bin froh, dass die Welt untergegangen ist. Sonst hätte ich euch nie kennengelernt.«, flüstert er, woraufhin ich meinen Arm sanft um seine Schultern lege. »Weißt du, davor, war mein Leben alles andere als einfach. Ich habe mein Leben lang mit mir selbst gehadert. Mit dem, was ich will, mit dem, was ich sein will. Mit dem, was ich bin. Und all das, weiß ich erst, seitdem ich hier bin. Selbst in Hilltop wollte ich noch jemand sein, der ich nicht bin. Doch hier, in Alexandria, sind mir einige Dinge klar geworden.«
»Das scheint eine Wirkung zu sein, die Alexandria auf viele hat.«, scherze ich und entlocke ihm damit ein kleines Lächeln.
»Ich liebe Jesus.« Zögerlich dreht Cole sich, nach seiner Offenbarung, zu mir, bis wir uns in die Augen sehen. »Scheiße, ich stehe auf Jesus, seit ich ihn das erste Mal gesehen habe.« Ich halte inne, während die Worte langsam ihren Weg in meinen Verstand finden.
Cole und Jesus?
»Ich mag Männer schon immer.«, fährt er fort, als ich nicht reagiere. »Das missfiel meinen Eltern, als sie es bemerkten und so tat ich alles dafür, diese Gefühle zu unterdrücken. Selbst, nachdem alles verloren war. Selbst, nachdem ich meine Eltern starben sah. Selbst, nachdem Josh und ich getrennte Wege gingen.«
»Aber du…ich meine, in Hilltop.«, murmle ich vorsichtig. Cole lächelt verhalten.
»Ja, da habe ich gesagt, ich wäre in dich verliebt. Das war, nachdem ich Jesus heimlich beim Trainieren beobachtet und mich ihm am liebsten an den Hals geworfen hätte. Gott, ich habe mich so lächerlich aufgerührt. Wie ein verdammtes Kleinkind.«
»Nein, Cole. Du dachtest nur, du müsstest dich verstecken. Weil du es offensichtlich dein Leben lang musstest.«
»Es tut mir leid, wenn ich dir und Daryl damit Probleme bereitet habe. Ich weiß nicht, warum ich nicht von Anfang an ehrlich war.« Seufzend schüttelt er den Kopf.
»Das spielt doch keine Rolle. Wichtig ist nur, dass du jetzt du selbst bist. Dass du zu dir und deinen Gefühlen stehst. Und ganz ehrlich, du und Jesus, ihr passt einfach perfekt zusammen.« Mit schüchternem Blick mustert Cole mein Gesicht.
»Wirklich?«, fragt er unsicher, woraufhin ich ihn lachend in meine Arme ziehe.
»Aber natürlich.«
Der Moment wird von einem zögerlichen Klopfen an der Haustür unterbrochen. Verwirrt sehen Cole und ich uns an.
»Erwartest du jemanden?«, fragen wir gleichzeitig. Mit zuckenden Schultern erhebt sich Cole und geht zur Tür. Da ich vom Sofa aus die Tür nicht erkennen kann, lausche ich gespannt auf die leisen Stimmen. Nach wenigen Minuten kehrt Cole zurück, mit einer vollgepackten Tüte in der Hand.
»Was ist das? Und wer war es?« Grinsend stellt er die Tüte auf dem Küchentresen ab.
»Das war Daryl. Er hat uns Abendessen vorbeigebracht.«
»Daryl?«, frage ich, während ich ruckartig von dem Sofa aufstehe. Noch immer grinsend, nickt Cole.
»Ist ‘ne riesen Portion, reicht sicherlich auch für drei.« Mehr muss er nicht sagen und schon steuere ich die Tür an. Als ich sie aufreiße, sehe ich Daryl, der sich vom Haus entfernt, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben.
»Daryl, warte.«, rufe ich leise, woraufhin er sich überrascht umdreht. Er lässt seine Augen über meinen Körper wandern, während ich auf ihn zu laufe.
»Hey.«, murmle ich zurückhaltend, als ich vor ihm stehen bleibe.
»Hey.« Seine Antwort ebenso leise, wie meine. Meine nervösen Finger verfangen sich im Saum meines Oberteils, während ich nach den richtigen Worten suche. »Möchtest du zum Essen bleiben?« Ich beobachte das Lächeln, welches sich auf seinen Lippen ausbreitet und kleine Falten neben seinen Augen verursacht. Daryl nimmt seinen Blick nicht von mir, als er nach meinen zittrigen Händen greift und sie somit aus dem Stoff meines Oberteils löst.
»Nein, ich habe keinen Hunger. Das Essen ist für euch, ihr hattet einen anstrengenden Tag.« Mein Blick fällt auf unsere miteinander verschlungenen Finger. »Auf den Feldern ist soweit alles erledigt.«
»Danke, das war sehr aufmerksam von dir. Beides, meine ich.« Unsere Augen verfangen sich ineinander, als ich den Griff um seine Hände verstärke. Einen Wimpernschlag lang, kann ich beobachten, wie sich seine Augen auf eine Art verdunkeln, die ich nur allzu gut kenne. Doch dann lese ich Zurückhaltung in seinem Gesicht.
»Jetzt geh rein und iss etwas, Baby. Wir sehen uns morgen.«, raunt Daryl, nachdem er einmal geräuschvoll geräuspert hat und als sein Gesicht sich meinem nähert, halte ich die Luft an.
Küss mich, flehe ich schweigend.
Schlussendlich landen seine Lippen auf meiner Wange. Hauchzart berührt er mich, doch das allein reicht, um die tiefsitzende Lust in mir zu wecken. Bevor ich jedoch reagieren kann, hat er sich bereits wieder von mir entfernt.
»Gute Nacht, Claire.« Mit diesen Worten dreht er sich um und verschwindet in der Dunkelheit.
»Gute Nacht.«, hauche ich, während er schon lange aus meinem Blickfeld verschwunden ist.


Der Wind ist durch die nicht weit entfernte Küste feucht und schmeckt hauchzart nach Salz. Aber Rachel und ich tragen trotzdem unsere Lieblingskleider. Meines ist so grün, wie das Gras unter unseren Füßen, während Rachels Kleid die Farbe der Sonne hat. Es gibt keine Farbe, die besser zu ihr passen würde, denn für mich ist Rachel eine Sonne. Sie ist die Sonne in meinem eigenen, kleinen Universum.
Meine Schwester, meine Seelenverwandte.
»Claire!« Ihre Stimme klingt so vertraut, dass es mir die Tränen in die Augen treibt. Ich beobachte ihr dunkles, fast schwarzes Haar, welches vom Wind zerzaust wird. Studiere ihr Lächeln, die kleine Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen, für die sie sich immer geschämt hat. »Claire!« Sie ruft erneut meinen Namen. Ich öffne den Mund um ihr zu antworten, aber kein Ton verlässt meine Kehle. Ich will nach ihr rufen, ihr sagen, dass alles gut ist, aber ich kann nicht. Egal, wie sehr ich mich anstrenge, die Worte kommen einfach nicht aus meinem Mund.
»Claire, wo bist du?«
Ich bin hier! Rachel, ich bin doch hier!
»Wieso hast du mich zurückgelassen?«

Keuchend schrecke ich nach oben, streiche mir das Haar aus meiner verschwitzten Stirn. Als ich mich im Wohnzimmer umsehe, wo ich offensichtlich auf dem Sofa eingeschlafen bin, kann ich noch immer ihre Stimme hören. Wie sie nach mir ruft.
»Rachel«, wispere ich mit heiserer Stimme. Dann laufen die Tränen in Bächen über mein Gesicht.

»Du siehst schrecklich aus.« Mit diesen Worten begrüßt mich Maggie, als ich das geräumige Wohnzimmer betrete, wo sie es sich mit einer dicken Decke auf dem Sofa bequem gemacht hat.
»Dir auch einen schönen guten Morgen.«, brumme ich sarkastisch und lasse mich neben sie plumpsen. »Wie geht es dir?«, frage ich nun etwas ernster und nicke auf sie und ihre Kugel.
»Es ist alles gut. Übungswehen sind total normal. Ihr macht alle eine viel zu große Sache draus.« Kopfschüttelnd seufzt sie.
»Wir sind nur besorgt. Dieses Baby bedeutet uns allen sehr viel«
»Das weiß ich.«, murmelt sie einsichtig und lächelt berührt. »Aber jetzt sagst du mir erstmal, wieso du so aussiehst, als hätte man dich einmal durch den Fleischwolf gezogen und danach wieder ausgekotzt.« Ich gebe einen Ton von mir, der zwischen Lachen und Empörtheit schwankt.
»Du bist wirklich eine Meisterin der Komplimente.«
»Du bist nicht die Erste, die das sagt.«, sagt Maggie mit einem schiefen Grinsen.
»Ich hatte einen schlechten Traum, mehr nicht.«
»Wovon?« Kälte überzieht meinen Körper, als ich an den Traum zurückdenke.
»Meiner Schwester.«, antworte ich flüsternd. Maggie verzieht das Gesicht und legt mir liebevoll eine Hand auf die Schulter.
»Tut mir leid, Claire. Wenn du-«
»Nein.«, unterbreche ich sie schnell, was sie schweigend hinnimmt. »Habt ihr schon einen Namen?« Auch den abrupten Themenwechsel nimmt Maggie hin, jedoch nicht, ohne mich weiter besorgt zu mustern.
»Ja, der stand von Anfang an fest.«
»Und wollt ihr ihn verraten oder erst nach der Geburt?« Maggie winkt lächelnd ab.
»Es wird ein Junge und er wird Hershel heißen, genau, wie mein Vater.«
»Das ist so schön.« Gemeinsam lachen wir, als sich Tränen in unseren Augen sammeln.
»Er wäre so stolz auf dich, auf euch.«, wispere ich mit tränenerstickter Stimme.
»Ich hätte ihn so gern hier. Ich wünschte, er könnte seinen Enkel kennenlernen und ihm beibringen, wie man ein Feld anlegt oder Pflanzen richtig in die Erde setzt. Meine Schwester und ich, wir haben alles von unserem Dad gelernt. Beth…sie war seine Prinzessin weißt du? Und das war sie auch. Sie war sanft und gutmütig, aber auch mutig, wenn es sein musste.« Ihre Hand zittert, als sie sich die Tränen von ihrer Wange wischt. »Wäre es ein Mädchen geworden, würde sie ihren Namen tragen.«, schmunzelt sie, während sie ihren kugelrunden Bauch streichelt.
»Früher habe ich oft darüber nachgedacht, wie ich meine Kinder nennen würde.«, murmle ich leise mit einem wehmütigen Lächeln. »Als ich noch naiv war und dachte, sie werden vom Storch gebracht.« Lachend schütteln wir den Kopf. »Ich finde es schön, dass dein Sohn diesen Namen tragen wird. Somit lebt dein Vater in ihm, weißt du?« Mit tränenüberströmtem Gesicht nickt Maggie, während sie nach meiner Hand greift und sie sanft drückt.
Plötzlich hören wir Glenns Stimme, sodass unsere Blicke zur Tür schweifen.
Er kommt, gemeinsam mit Daryl, ins Wohnzimmer spaziert.
»Hallo, meine Schöne. Alles okay?«, fragt er, während er Maggie einen liebevollen Kuss auf die Wange haucht. Mein Blick jedoch bleibt an Daryl hängen, der unentschlossen im Türrahmen steht. Ein schüchternes Lächeln schleicht sich auf meine Lippen.
Ich nehme seinen Anblick in mich auf. Das schwarze Hemd, welches seine sanften Muskeln umschmeichelt, darüber die dünne Lederweste. Kräftige Hände, von denen ich nur allzu gut weiß, was sie mit einem anstellen können, baumeln an der Seite seines Körpers. Dunkle Strähnen, die seine noch dunkleren Augen verdecken.
Grundgütiger, ich werde niemals genug von ihm bekommen.
»Daryl und ich waren gerade auf dem Weg zur Ratssitzung und da dachte ich, schaue ich vorher noch bei dir vorbei.«, erklärt Glenn, während Daryl und ich uns noch immer ansehen.
»Du bist ein Kontrollfreak.«, brummt Maggie, woraufhin Glenn ihr nur einen weiteren Kuss gibt.
»Ich sehe, dir geht es gut.« Grinsend geht er zur Tür, wo Daryl schweigend auf ihn wartet.
»Wir sind dann mal wieder weg. Claire, du passt auf meine Frau auf.« Mit trockener Kehle nicke ich, während Glenn seiner Frau einen verschwörerischen Blick schenkt. Als Daryl sich abwendet, ohne etwas zu sagen, finde ich meine Stimme wieder.
»Daryl« Etwas zu laut rufe ich seinen Namen aus, sodass er sich erschrocken zu mir wendet. »Ich ähm…ich wünsche dir einen schönen Tag.«, sage ich verlegen und komme mir dabei total bescheuert vor. Doch Daryl lächelt zaghaft, bedankt sich und verschwindet dann gemeinsam mit Glenn. Sobald die Tür zufällt, verlässt Maggies Kehle ein lautes Lachen.
»Gott, war das peinlich.« Brummend vergrabe ich mein Gesicht in meinen Händen, während Maggie scheinbar gar nicht mehr aufhören kann, zu lachen.



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Da ist es, endlich!
Ich hoffe, euch gefällt das Kapitel. Es ist nicht so lang, wie die anderen und vielleicht auch nicht mein bestes, aber ich wünsche euch trotzdem viel Spaß beim Lesen.
Lasst mir gern eure Meinung dazu da, ich freue mich über jedes Review.
Eure Selace <3
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