Geschwindigkeit

GeschichteHumor, Romanze / P16
James "Krone" Potter Lily Potter OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
10.03.2020
30.06.2020
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30.06.2020 1.506
 
Peona O’Connor stand vor den beiden verlegenen Gryffindors und sah nicht aus, als würde sie die Vorstellung, beseitigt zu werden, gutheißen.
Sie trat vor Sandy. „Ich hab dich gestern mit Lily trainieren sehen. Du bist echt gut. Aber was ist das hier für ein Unsinn? Wenn du sie vorbereiten willst und es mir nicht sagen kannst-“
„Nein, darum geht’s nicht!“ Sirius übernahm. „Wir planen die Mission Jilymonade.“
„Die was?!“
Nach einer kurzen Erklärung begann Peona zu lachen. „Ihr wolltet mich…“, sie hielt sich kichernd die Seiten, „…ihr wolltet mich erpressen? Entführen?! Mensch, ihr zwei seid ja verrückt.“
„Es war Sandys Idee.“
Du hast sie aufgeschrieben!
„Ja, ja.“ Peona winkte ab. „Ich bin nicht so leicht zu beseitigen. Wieso habt ihr mich nicht einfach darum gebeten?“
Völlig baff tauschten Sandy und Sirius einen Blick. Peona darum bitten, Lilys Training an James abzugeben?! Darauf war keiner von ihnen gekommen.
„Dachte ich’s mir. Gryffindors…“ Peonas Zwinkern machte deutlich, dass sie es nicht ernst meinte. „Okay, Mission Jilymonade. Wo kann ich mitmachen?“
„M…mmmitmachen?“
„Na klar. Was glaubt ihr, wie lange es gedauert hat, bis Jayme und ich zusammen gekommen sind? Das wäre bei Jily doch echt schade. Die passen wirklich gut zueinander, alle Achtung. Ich war schon überrascht, dass er sie nicht trainieren wollte.“
„Wollen schon, nur ausdrücken konnte er’s nicht“, erklärte Sandy augenverdrehend.

Mit Peonas Einverständnis klappte die Mission reibungslos. Sie erklärte Lily ganz simpel, mit ihrem eigenen Team trainieren zu wollen, und die rothaarige Hexe zeigte Verständnis. Sogar dafür, dass sie sich unter James‘ Kommando stellen sollte. Ihr Individualtraining sei abgeschlossen, so Peona, und sie beweise gute Besenbeherrschung. Lily war stolz.
Von diesen ganzen Ereignissen erfuhr ich erst um halb drei. Alice schaute nämlich in die Bibliothek, um mir als postillon d’amour alles zu berichten. Und sie fragte, ob ich mich gar nicht dafür interessierte.
„Doch, klar!“, erwiderte ich, umgeben von Zauberkunstbüchern und Pergamentrollen. „Ich find’s super, dass James das Gryffindorteam vorbereitet.“
„Zu dem du gehörst.“
Seit wann kam Alice so schnell auf den Punkt? Und ich hatte ihr noch gar nicht von meinen Rechercheergebnissen zu Wingardium Leviosa erzählt. Offenbar gab es bis heute keine Testreihen zur Stärke und zum Potential des Zaubers…
„Valentina!“, fuhr meine Freundin dazwischen, als ich mich gerade in einen harmlosen Monolog hineinmanövriert hatte. „Du gehörst zum Gryffindorteam! Du solltest mit ihnen trainieren!“
„Aber ich bin nur Sucherin.“
„Na und? Umso wichtiger! Du fängst den Schnatz, du entscheidest das Spiel!“
Weil Alice keine Ruhe gab, marschierte ich schließlich in Sportklamotten hinunter aufs Spielfeld. Diese Freundinnen! Aber irgendwie war ich ihr ja dankbar. Sie hatte Recht; ich konnte mich nicht länger vor Quidditch verstecken.
Sogar Sirius war schon mit von der Partie. Hatte er seine kleine Mission mit Sandy abgeschlossen und war nun bereit für eine Fortsetzung in der Luft? – Wow, ich wusste gar nicht, dass selbst meine Gedanken so angriffslustig klingen konnten.
„Na, da kommt sie ja endlich!“, hieß James mich willkommen. „Soll ich dir noch eine kleine Einführung geben? Wir haben Manöver geübt.“
„Hm.“ Ich betrachtete den Besen in meiner Hand misstrauisch und ließ ihn zaghaft los, wie Sandy es mir beigebracht hatte.
„Mehr Konzentration!“, rief Sirius dazwischen und prompt landete der Besen im Gras. Ich schickte einen giftigen Blick in beide Richtungen (Sirius‘ und die des Besens), hob das Fluggerät auf und stellte mich mental darauf ein.
Kon-zen-tra-tion. Hey, das funktionierte sogar. Der Besen schwebte, ich schwang ein Bein hinüber und ließ mich vorsichtig in den Sattel sinken. Die Füße stemmte ich gegen die Haltestangen am unteren Ende.
„Mehr Tempo!“ Das war James. Ich erkannte gerade so sein aufmunterndes Lächeln, bevor er durch mein Sichtfeld zischte, ein einziger roter Blitz.
Und weil ich Valentina Sutherland, sechzehn Jahre alt und moderat durcheinander war, lehnte ich mich nach vorne und sauste James hinterher.

Hilfe, hätte ich an Alice‘ Stelle gedacht; Warum so langsam?, an Sandys und Wenn ich jetzt in James hineinfliege, wäre das eine Ausrede für legitimen Körperkontakt, an Lilys.
Doch ich hörte nicht mal die Rufe meiner Freundinnen. Meine Sinne konzentrierten sich einzig auf die Luft. Etwas trudelnd gewann der Besen an Höhe und passenderweise nieste ich.
Als ich den Kopf wieder hob, saß ich immer noch aufrecht, aber diesmal deutlich höher über dem Boden. Wo waren wir? Sicher schon außerhalb des Stadions. Vorsichtshalber lenkte ich etwas nach unten.
James‘ Besen kam in Sichtweite. Er (also James, nicht der Besen!) drehte sich kurz um und flog dann urplötzlich eine scharfe Kurve. Hm? Ich sah gerade noch rechtzeitig nach vorne und zog meinen Besen gleichfalls nach rechts.
Mein Herz hämmerte. Blöde Tribüne, wer hatte die da hingebaut?!
Ich lehnte mich zurück. Wenigstens schien ich den Besen zu beherrschen: Er folgte meinen intuitiven Kommandos und der Gewichtsverlagerung. Sonderlich viel Auswahl zwischen Abstürzen und Fliegen gab es ja nicht, dachte ich amüsiert. Ich hatte vorgestern bei Jaymes Klatscherattacke mehr Angst um Lily gehabt als jetzt gerade um mich selbst.
„Gute Reaktion“, lobte James, als ich wieder zur Mannschaft stieß.
Er flog sogar zu mir herüber, um einen anerkennenden Schulterklopfer abzuliefern. Mittlerweile war ich vollkommen wach und aktiv. Das Adrenalin hatte alle Gedanken an Lernen verscheucht.
James und ich grinsten uns an, beide mit geröteten Wangen und beschleunigtem Atem. Von irgendwo aus der Gruppe kam ein mäßig getarntes Luftholen – und zwar nicht von Sirius.

Das Training lief bis auf meinen Frühstart total durchgeplant ab. Ich wurde direkt mit eingebunden – das hieß, ich kreiste suchend (haha, erklärte sich eigentlich) über den quaffeljonglierenden Spielern hin und her. Ab und zu rief James Anweisungen über den Platz, doch er hielt sich bemerkenswert zurück.
Lily hatte ebenfalls einen guten Tag erwischt. Die Jäger flogen in einer Dreiecksformation: James natürlich an der Spitze, Lily links und Sandy rechts. Da mein Job sowieso leuchtturmwärterartiges Herumspähen bedeutete, schaute ich eine Weile zu.
Sie spielten noch ohne Gegner. Trotzdem gab Lily ihr Bestes, schnellte bei jedem Manöver nach vorne und blieb stets dicht bei James. Missy und Edgar, die Treiber, hatten keine Chance. Allerdings bewegten sich alle zu wenig, stellte ich fest. Am Dritten musste das schneller laufen!
„James!“, brüllte Lily, die sich den Quaffel geschnappt hatte.
„Ja?“
Er sah über das ganze Feld und schien sich einen Überblick verschaffen zu wollen. Ich hätte ihm eine Echtzeitkommentierung liefern können…
„Zu mir!“, rief Sandy, die unter James hindurch getaucht war. Sie hatte von den drei eindeutig die besten Manöver.
Lily hörte überhaupt nicht zu. Ihr Blick war einzig auf James fokussiert.
Und dessen Augen fanden gerade – mich. Mist. „Valentina, wo ist der Schnatz?“
„Keine Ahnung!“, rief ich zurück. Ich war Sucherin, nicht Finderin! (Obwohl Letzteres das Ziel war…)
„Dann such ihn!“ James verlangsamte, während Sandy und Lily das Tor anvisierten. „Sogar Pad bewegt sich mehr als du – und der ist Hüter!“ Dann sauste er davon.
Pad…ich meine Sirius… Selbst meterweit über ihm beobachtete ich, wie freudig-angespannt er auf dem Besen saß.
„Val! Beweg dich vom Tor weg! Und Lily, beweg dich zum Tor!“
Ich flog etwas tiefer. Hatte in unserem ersten Jahr nicht irgendeine wahnwitzige Sucherin den Schnatz durchs ganze Spiel gejagt und letztendlich beim Fangen den Hüter k.o. gehauen?
Gut, k.o. musste nicht sein, aber treffen würde ich Sirius schon gerne…mitten ins Gesicht…mit meinen Lippen…
Dieser Plan ließ sich zwar vorerst nicht realisieren, dafür entdeckte ich nach einigem Umheräugen etwas golden Funkelndes auf elf Uhr.
Der Schnatz vibrierte derart unmotiviert in der Luft, dass ich sofort Auftrieb tankte. Ich würde nicht als die Sucherin in die Quidditchgeschichte eingehen, die den Goldenen Schnatz gelangweilt hatte!
Zwei Minuten, etwas Taxieren und ein improvisiertes Täuschungsmanöver später schlossen sich meine Finger um die leise flatternden Flügel. Adrenalin durchfuhr mich. Ich hatte ihn!
„Ja!“, jubelte ich, wirbelte herum und das restliche Team kam zu mir geflogen, um zu feiern.

James nannte es Manöverkritik, wir nannten es unnötig fachsprachliche Bemerkungen. Auf jeden Fall gab es danach Kuchen.
„Mir tut der Po weh“, gab Lily zu Protokoll.
„Und mir die Arme.“
„Und die Beine.“
„Und der Kopf.“ Sirius korrigierte sich: „Das Gehirn, meine ich.“
Schwungvoll landeten ein Teller und ein Werwolf neben mir. Remus schwang seine Beine über die Bank: „Das ist kein Geheimnis, Pad.“
Während ich den Dunkelhaarigen mir gegenüber musterte und mein Herz einige Verbesserungsvorschläge zur Sitzordnung anbrachte, begann Remus ganz entspannt, seinen Marmorkuchen zu essen. Mein Lieblingskuchen. Von dem ganzen Gefliege und Gesuche knurrte mein Magen hörbar.
„Ist noch was da?“
Seine Gabel bremste. „Wenn du schnell bist.“
Remus hatte mir damit das letzte Stück gesichert – gerade noch vor Jayme. Sie nahm es ganz cool auf und schnappte sich stattdessen ein Zitronenbaiser.
Vom Tisch wehte Lachen zu mir herüber. Peona und James hatten ihre Gabeln verhext, sodass diese ein luftiges Duell hoch über den Köpfen fochten. Drei Plätze weiter amüsierten sich Padfoot und Moony darüber. Gemeinsam und völlig entspannt.
Als ich mich wieder setzte, hörte ich ihrem angeregten Gespräch über Marmorkuchen und dessen Etymologie zu. Essen verband tatsächlich!


A/N: Nächste Woche steigt endlich das Ferien-Quidditchspiel und damit auch das letzte Kapitel dieser Geschichte :) Liebe Grüße und eine schöne Woche!
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