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Von den Gefahren der Zukunft

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Anakin Skywalker / Darth Vader Count Dooku / Darth Tyranus Obi-Wan Kenobi Sheev Palpatine / Darth Sidious Siri Tachi Yoda
10.03.2020
03.12.2021
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25.11.2021 4.527
 
Kapitel 15




In seinem ersten Leben war der Saal der tausend Quellen Anakins Lieblingsraum im Jedi-Tempel gewesen. Dieses Mal war es nicht anders, aber sein zweitliebster Ort war (zumindest für jemanden, der ihn genauer beobachtete) der schwarze Trainingssaal. Ein Raum der speziell dafür kreiert worden war, in vollkommener Dunkelheit zu trainieren. Die meisten Jünglinge durften ihn nicht einmal betreten, ohne wenigstens die Erlaubnis eines Ritters zu haben, aber Anakin Skywalker gehörte nicht zu den meisten Jünglingen.



Es wurde in letzter Zeit so ziemlich zur Gewohnheit, den Raum in Nächten zu besuchen, in denen er auch welch Gründen auch immer nicht schlafen konnte. Er versuchte immer noch so viel zu schlafen, wie er konnte, aber nach alledem, was in den letzten paar Wochen passiert war und seinen dummen Träumen (und er wusste, es waren Visionen, aber er konnte sich ums Verrecken nicht an sie erinnern!), gab es immer und immer mehr Gründe, die Luft abzulassen.



Zum Glück war es für ihn kein wirkliches Problem, in den Raum zu schleichen und ein Lichtschwert zu finden, dass in etwa denen glich, die er sich selbst gebaut hatte (sowohl als Sith, als auch als Jedi). Dann ließ er seine wachsenden Frustrationen einfach an den Trainingsdroiden aus. Er musste zugeben, dass sich seine Fähigkeiten mit dem Lichtwert seit seinem kleinen Trip in die Vergangenheit ziemlich verbessert hatten.



Ein Zwicken in der Macht brachte ihn dazu, sich zu ducken und in der Dunkelheit auf dem Boden zu rollen, während er gleichzeitig den verstreuten Trümmerteilen und den Blasterschüssen der Droiden auswich – dem einzigen Licht in dem Raum neben seinem Lichtschwert. Er spürte, wie ihn die Macht durchfloss, umgab und alles einhüllte – jedes kleinste Molekül der verschiedenen Dinge in dem Raum. Er wusste instinktiv, wie jede der Substanzen reagierte, wenn er auf sie einwirkte. Er wusste, wo er auftreten konnte, ohne an scharfe Kanten oder andere gefährliche Flächen zu stoßen. Er wusste, wie hoch er springen konnte, egal wo im Raum er stand, bevor ihn etwas am Kopf traf. Seine Schritte waren jedes Mal fest und sicher. Hier gehörte er hin.



Eine weitere Warnung in der Macht. Er nutzte eine Hand, um vom Boden abzuspringen und landete auf einem großen Stück Duraplast. Er wusste genau, wann er aufhören und wann er hochspringen musste, und wich den zwei Droiden aus, in denen er zwischen sie sprang. Sie fielen als rauchende Haufen zu Boden. Er war froh, dass die Droiden eine Herausforderung waren – auch wenn sie den Droiden, die er als Vader in Auftrag gegeben hatte, nicht ansatzweise nahekamen. Und noch besser: Keiner würde sie vermissen. Die Säuberungsdroiden würden den Raum durchfegen, sobald Anakin fertig war, auf der Suche nach den Resten der zerstörten Droiden, um damit entweder neue solcher Droiden zu bauen oder die Reste davon zu schmelzen und der Fabrik zuzuschicken, mit denen der Tempel im Vertrag stand. Diese würde dann neue Droiden preisgünstig zurückschicken, während die Jedi ihnen ihre Reste gaben. Der Tempel hatte so anscheinend ziemlich viel Geld gespart, aber noch wichtiger, es erlaubte Anakin, den Raum praktisch unentdeckt zu nutzen.



Anakin zerteilte drei weitere der Schwebedroiden mit zwei Schlägen und lenkte mehrere Blasterbolzen um. Seine Muskeln bebten und schmerzten, aber Anakin machte weiter. Er musste besser, stärker, schneller, flexibler werden … und das schon gestern. Er gewöhnte sich immer mehr und mehr an seinen viel kleineren Körper und hatte das Gefühl, dass er es definitiv mit den meisten Jedi im Orden aufnehmen konnte, besonders mit den paar Ataru-Bewegungen, die er in beide der Formen des V-Stils eingebaut hatte, die er nutzte. Er wechselte zwischen beiden Formen, sobald die Situation danach verlangte. Er war sogar ziemlich stolz auf seinen weiterentwickelten Stil.



Er wich erneut aus und bewegte seinen Körper so, dass er mit Schwung den Trainingsdroiden entgegenspringen konnte, die von rechts kamen. Ein befriedigender Schnitt und das klappernde Geräusch der Teile war zu hören, als diese auf den Boden fielen, aber Anakin stoppte nicht, sondern drehte sich um und blockte mehrere Bolzen ab. Er konnte bereits jetzt sagen, dass nicht einmal ansatzweise so viele Droiden übrig waren wie vor wenigen Minuten. Gut. Er hatte die meisten Droiden, die er aktiviert hatte, inzwischen ausgeschaltet. Noch fünf bis zehn Minuten und er wäre mit allen durch. Er würde sich davor keine Pause erlauben, egal wie sehr die Muskeln in seinen Beinen danach verlangten. Indem er alles von sich abverlangte bis er nicht mehr konnte, verfeinerte er seine Schlachtreflexe und baute Muskelmasse auf. Er wusste, dass er morgen dafür bezahlen würde, aber das war bedeutungslos. Der Schmerz war gut, gesunder Schmerz, der wie ein einzelner Tropfen im Ozean schien, verglichen mit all den brennenden Schmerzen, die er empfunden hatte, jedes Mal, wenn er sich als Vader auch nur bewegt hatte.



Acht Minuten später erstarrte er in der Mitte des Raums. Seine Klinge hinter sich in der letzten Haltung. Er konnte schnell reagieren, wenn nötig, aber er hörte nichts und spürte auch nichts in der Macht. Nach einem Moment richtete er sich auf und deaktivierte sein Lichtschwert, bevor er nach Licht rief. Der Raum füllte sich auf sein Kommando mit Licht, erst schwach und dann immer heller und heller, sodass sich die Augen der Person ohne Schmerzen an das Licht gewöhnen konnten. Droidenteile waren auf dem Boden verstreut und er konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Er wollte im Moment vielleicht zusammenklappen, aber er hatte erfolgreich die Menge an Droiden seit Ende letzten Monats verdoppelt. Er war noch nicht so stark wie er es sein musste, aber seine Entwicklung in solch einer signifikanten, messbaren Art zu sehen, half ihm, seine Ängste zu mildern und machte das Warten erträglicher.



Mit einem zufriedenen Seufzen deaktivierte er das Lichtschwert und packte es wieder zurück in die Kammer. Dann schloss er die Tür ab und machte sich auf den Weg zu seinem Zimmer. Morgen stand wieder ein Rennen an und am Tag darauf hatte er seine Sitzung mit Girth. Er nahm seine Comeinheit und öffnete den holographischen Kalender. Morgen war sein Tag also voll. Es war der B-Stundenplan, also kamen morgen wieder Machttechniken ran. Er hatte noch von keinem Meister gehört, der ihm mit dem Fach helfen würde (und ein Teil von ihm wollte sich nicht eingestehen, dass er Hilfe brauchte), aber er hoffe, irgendjemand würde ihn bald kontaktieren. Dann konnte er mit der Person wenigstens darüber sprechen, aus dieser dummen Albernheit herauszukommen, in der Botenjunge für die Senatoren spielen sollte.



Er mied die meisten nachtaktiven Jedi, die in den Fluren herumwanderten, war aber nicht allzu besorgt, auf jemanden zu treffen. Er würde ihnen einfach die Wahrheit sagen: Er konnte nicht schlafen und hatte ein wenig trainiert, um müde zu werden. Er hatte nicht wirklich vor, andere aktiv zu meiden, aber als er um die Ecke bog und eine bekannte Gestalt die Hauptmensa verlassen sah, musste er sich fragen, was die Macht ihm damit sagen wollte, dass sie sich immer auf diese Art trafen.



Genau in dem Moment drehte sich die Gestalt um und sah Anakin. Und dann – und dass schockierte Anakin ungemein – lächelte der Mann und Anakin fragte sich, ob die Gestalt wirklich Obi-Wan war. Sein Gesichtsausdruck war nicht aufgezwungen oder nur dazu da, ihn bei Laune zu halten. Es war auch nicht dieses bittere Lächeln, dass Anakin meistens zu Gesicht bekam. Er war ein ehrliches aufrichtiges Lächeln.



„Anakin“, sagte der Mann und sah dann auf seine Chrono. „Solltest du nicht im Bett sein?“



Wenn er sich jetzt umdrehte und zurückging, würde das nur mehr Probleme aufbringen, als es das wert war. Darum ging Anakin mit einem unterdrückten Seufzen auf ihn zu und zuckte mit den Schultern.



„Ich konnte nicht schlafen.“



Obi-Wan zog eine Augenbraue hoch und musterte Anakin von oben nach unten. „Du siehst aus, als ob du gleich von den Füßen kippst.“ Anakin entspannte sich umgehend. Das war der Obi-Wan, den Anakin kannte.



„Ich habe in den Übungsräumen ein wenig trainiert.“



Der ältere Jedi nickte nachdenklich. „Ja, mir hilft eine Trainingseinheit auch immer beim Einschlafen.“ Er hielt inne und Anakin wusste, dass der ältere Jedi darüber nachdachte, ob er ihn etwas fragen oder vorschlagen sollte oder lieber nicht. So wie er Obi-Wan kannte, würde dieser irgendwann den Schluss ziehen, dass ihn das alles nichts anging und sich dann auf den Weg machen.



Doch der Jedi überraschte ihn. „Was mir noch hilft, ist ein warmes Glas Milch. Komm mit.“



Anakin starrte Obi-Wan hinterher. Dieser hatte sich umgedreht und lief zur Cafeteria zurück, die er gerade verlassen hatte, während der Junge versuchte, herauszufinden, was gerade passiert war. Obi-Wan war immer jemand gewesen, der einen in Ruhe gelassen hatte, wenn er dachte, die Person käme damit allein klar. Das war tatsächlich eines der Dinge gewesen, die Anakin immer auf die Palme gebracht hatten, da der ehemalige Sith schon immer ein Mann der Taten gewesen war. Obi-Wan strengte sich selten an, wenn er dachte, etwas war unnötig (seine Definition von „unnötig“ variierte aber). Er musste wirklich gut gelaunt sein.



Es war eine Mischung aus kranker Neugier und Überraschung, die ihn dazu bewegte, dem Mann in die Cafeteria zu folgen. Obi-Wan visierte einen kleinen, abgenutzten Tisch an und deutete Anakin an, sich hinzusetzen. Anakin tat das auch. Dann fragte er sich, warum er das tat. Er starrte auf die alte, aber saubere Tischplatte vor ihm und ließ Erinnerungen seinen Verstand überfluten. Er erinnerte sich daran, wie Obi-Wan ihn aus demselben Grund als Padawan hier hergebracht hatte. Nicht oft, aber Anakin hatte die Geste geschätzt. Naja, vor Mustafar. Er erinnerte sich sogar daran, dass er dasselbe mit Ahsoka mit getan hatte, als sie im Jedi-Tempel waren, bevor er herausgefunden hatte, dass sie eine leichte Intoleranz gegenüber Milch hatte. Danach waren sie auf chandrilianischen Apfelsatz umgestiegen.



Er sollte einfach gehen, bevor noch weitere Erinnerungen aufkamen, die lieber begruben blieben. Er hatte sich gerade dazu entschieden, die Cafeteria zu verlassen, als Obi-Wan ein Tablett mit zwei großen Tassen heißer Milch absetzte. So wie es roch, hatte er eine angenehme Mischung hinzugefügt, so wie etwas Schlagsahne.



„Bitte sehr“, sagte Obi-Wan mit einem aufmunternden Lächeln, setzte sich Anakin gegenüber und griff nach seinem eigenen Becher. Er nahm einen Schluck und seufzte zufrieden, bevor er bemerkte, dass Anakin seine Tasse nicht angefasst hatte.



„Was ist los?“, fragte der ältere Jedi. Anakin traute sich keine Antwort zu. Obi-Wan beobachtete ihn einige Sekunden lang, bevor er sich umsah. Dann leuchteten seine Augen plötzlich auf. „Es ist die Cafeteria, oder? Du bist es nicht gewöhnt, hier zu essen, stimmts? Weil du ein Jüngling bist.“ Sein Lächeln wurde sogar noch sanfter und nahm eine einfühlsame Note ein, die Anakin momentan nicht sehen wollte. „Keine Sorge. Da du mit mir hier bist, ist es erlaubt. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sie dich sonst auch wirklich rauswerfen würden.“



Definitiv Obi-Wan. Anakin entschied, dass es am besten war, den verdammten Becher einfach auszutrinken, wenn auch nur, um seinen ehemaligen Meister schneller loszuwerden. Er griff danach und nahm einen Schluck. In diesem Moment kamen die konkreten Erinnerungen zurück. Wie Obi-Wan über den Jedi-Orden sprach und was man von ihm als Padawan erwarten würde. Wie er erklärte, warum Milch auf anderen Welten nicht blau war. Oder sogar, wie er einfach nur ein elektronisches Spiel erwähnte, dass beliebt war und das Anakin vielleicht mal versuchen wollte, wenn er sich von allgegenwärtigen stressigen Dingen ablenken wollte.



Es wurde sehr schwer, die Tasse nicht einfach fallen zu lassen und wegzurennen. Stattdessen saß er da, umklammerte die Tasse fest und starrte mit leerer Miene nach vorne. Das schlimmste daran war, dass es wirklich gut schmeckte und … er hatte das hier vermisst.





Obi-Wan musste sein Unbehagen aufgefallen sein, da er sein Getränk abstellte und Anakin besorgt musterte. „Was ist los? Bist allergisch gegen Milch? Magst du den Geschmack nicht? Ich kann ihnen sagen, dass sie dir etwas anderes machen sollen, wenn du willst.“ Verdammt, konnte Obi-Wan sprechen, wenn er nicht gerade vor sich hin grübelte oder versuchte, den perfekten Jedi-Meister vor seinem Padawan zu spielen.



„Mir geht’s gut“, antwortete Anakin kurz. „Und … es schmeckt gut.“ Das tat es wirklich.



Der ältere Jedi wirkte einen Moment lang ziemlich erleichtert, bevor er sein Kinn auf seiner Hand abstützte und Anakin erneut musterte. „Du wirst mir nicht sagen, was nicht stimmt, oder?“



Anakin zuckte mit den Schultern und sah herab zu seiner Milch. Er wollte Obi-Wans Blick nicht entgegnen.



„Du solltest es jemanden sagen, weißt du.“



Anakin wollte schnauben. Mit wem konnte er darüber sprechen? Siri war die einzige, die von allem wusste und er würde sie so lange meiden, wie er es wagen konnte (also leider höchstens ein paar Tage, weil er wirklich dringend mit ihr sprechen musste). Selbst wenn er sie endlich aufsuchte, bezweifelte er, dass er wirklich irgendetwas sagen konnte. Sie hasste ihn viel zu sehr und er konnte ihr nur ein wenig mehr vertrauen als den anderen Jedi.



Und war das nicht ein wenig heuchlerisch, wenn Obi-Wan es sagte? Mister „Ich mache daraus eine Kunst, jede Emotion in die Macht zu entlassen und mir würde es niemals in den Sinn kommen, jemand anderen mit meinen Problemen zu belasten“.



Sie saßen einige weitere Sekunden so da, bevor der Ritter in klassischer Obi-Wan-Manier entschied, dass er genug herumgeschnüffelt hatte und das Thema wechselte.



„Ich bin froh, dass ich dich angetroffen hab“, sagte der ältere Jedi, nachdem er einen weiteren großen Schluck auf dennoch höfliche Weise nahm. „Ich muss dir noch danken.“



Anakin runzelte die Stirn. „Wofür?“



Obi-Wans Lächeln besaß diesmal eine warme, aber doch wehmütige Spur. Es war unglaublich, wie viele verschiedene Arten eines Lächelns der Mann besaß. Anakin fiel es schwer, sie in Kategorien einzuteilen, da Obi-Wan sie in der ehemaligen Zeitlinie selten benutzt hatte.



„Bei meiner letzten Mission musste ich eine Entscheidung treffen und deine Worte haben mir geholfen, die richtige zu treffen. Ich weiß, es war einfach, die Worte zu sagen, aber du hast mir genau das gesagt, was ich hören musste und ich weiß das zu schätzen.“



Anakin starrte Obi-Wan nun offen an. Obi-Wan hatte Anakin selten gedankt, und wenn, dann war das meistens ein „Danke, dass du mir den Hintern gerettet hast“ (nur höflicher) und dann würden sie darüber streiten, wie viel Anakins Hilfe im Nachhinein gebracht hatte. Anakin starrte Obi-Wan weiter an und bemerkte die Unterschiede und Veränderungen im Leben des Anderen, nun da Anakin nicht sein Padawan war.



Er schien glücklicher und zufriedener, als er es in Anakins ehemaligen Leben je hatte. Es tat irgendwie weh, zu sehen, wie sehr das Leben einer Person ruiniert hatte, um die er sich vor seinem Fall gesorgt hatte. Dennoch hatte Obi-Wan gesagt, dass Anakins Ermahnung (wahrscheinlich die Bemerkung darüber, dass der Ritter vorsichtiger mit seinem eigenen Leben umgehen sollte) ihm geholfen hatte und das … das beruhigte ihn.



„Gern geschehen“, antwortete er und es überraschte ihn, wie sehr es auch meinte.



Obi-Wan lächelte und nahm einen weiteren Schluck von seinem Getränk.



„Oh“, sagte er und setzte seine Tasse wieder ab. „Ich habe gute Nachrichten. Erinnerst du dich an Siri Tachi?“



Anakin erstarrte ungewollt. Er musste wirklich wieder an seiner Kontrolle arbeiten. Warum verlor er sie immer? Er war stolz, dass seine Stimme wenigstens ruhig genug schien.



„Die Jedi, die Ihr mir vorgestellt habt? Die im Koma?“



Obi-Wans breites Lächeln erhellte sein ganzes Gesicht. „Ja, sie. Sie hat sich dazu entschieden, wieder unter den Lebenden zu weilen.“



Anakin konnte nicht anders, als seine Augenbraue nach oben zu ziehen, als er Obi-Wans Wortwahl bemerkte. „Ihr meint, sie ist aufgewacht?“, fragte er, überrascht, dass er immer noch so gut darin war, „Obi-Wan-Jargon“ in Basic zu übersetzen.



„Genau“, antwortete Obi-Wan. „Sie hat noch eine schwere Zeit vor sich, aber die Heiler sind guten Mutes, dass sie sich wieder ganz erholen wird.“



Der ehemalige Sith runzelte die Stirn. „Ihr meint, sie sind sich nicht sicher?“



Obi-Wans Lächeln verlor ein wenig an Intensität. „Nein. Sie wissen immer noch nicht, warum sie überhaupt ins Koma gefallen ist, und anscheinend hat es ihr Nervensystem auf den Kopf gestellt. Sie muss viele Sachen wieder erlernen, und sie hatte ein paar ziemlich … besorgniserregende Träume, aber sie erholt sich schnell.“ Plötzlich lächelte er Anakin wieder an. „Ich würde euch gern einander vorstellen. Wenn sie grad wach ist, meine ich.“



Anakins spürte, wie er einen trockenen Mund bekam. „Das würde mich freuen“, zwang er sich mit einem Lächeln zu sagen.



„Wie wäre es mit morgen nach deinem Unterricht?“, fragte Obi-Wan.



Anakin verbarg seine schiefe Miene. „Ich habe da bereits einen Termin.“



Man musste Obi-Wan anrechnen, dass er nicht ansatzweise enttäuscht schien. „Wenn du nach deinem Termin morgen nicht mitkommen kannst, wie wäre es einen Tag später? Ich denke, ich muss ziemlich bald wieder zu einer Mission aufbrechen, daher haben wir nicht so viel Zeit.“



„Ich werde … sehen, was ich tun kann“, antwortete Anakin ausweichend.



Obi-Wan nickte und setzte sein leeres Glas auf dem Tablett ab. „Ich freue mich darauf.“ Er sah sich Anakins Getränk mit einem leichten Stirnrunzeln an. Er hatte nicht einmal ein Viertel davon getrunken. Mit einem innerlichen seufzen, setzte sich der Jüngling das Glas an die Lippen und schlag die immer noch warme Flüssigkeit in einem Zug herunter. Es wäre wirklich ein wundervolles Getränk gewesen, wenn damit nicht so viele Erinnerungen einherkommen würden.



Er trank mit einem lauten Keuchen aus und Obi-Wan starrte ihn mit hochgezogener Augenbraue an.



„Was?“, fragte Anakin.



„Das musstest du nicht tun, weißt du. Wenn es dir nicht gefällt, musst du es nicht austrinken.“



Anakin sah herab. „Ich … mag es. Es ist nur … jemand, den ich mal kannte, hat mir früher manchmal etwas Ähnliches gegeben.“



„Oh“, antwortete Obi-Wan. „Ich verstehe. Na ja, ich hoffe, es hat geholfen, aber wir können in der Zukunft nach Alternativen suchen, wenn du willst.“



Was Anakin anging, würden sie so etwas in der Zukunft nicht wiederholen. Er nickte dennoch und zwang sich zu lächeln.



„Danke, Obi-Wan.“



Der altere Jedi lächelte und stand auf. „Du solltest jetzt vermutlich ins Bett gehen.“



Anakin nicket und stand ebenfalls auf. Dann griff er nach dem Tablett, um es ins Abstellfenster zu stellen, wo die Droiden es aufnehmen und säubern würden. Bevor er das jedoch konnte, griff Obi-Wan es sich mit einem Lächeln.



„Wenn du erlaubst, Kleiner. Geh ruhig. Wir sehen uns bald wieder.“



Das war komisch. Obi-Wan hatte Anakin immer darum gebeten, das Tablett wegzubringen. Er wusste nicht, was den Anderen zu dieser kleineren Veränderung bewegt hatte, aber er würde sich nicht beschweren.



„Danke“, wiederholte er sicherheitshalber, bevor er sich abwandte und so schnell wie möglich aus der Cafeteria eilte, ohne es aussehen zu lassen, als würde er flüchten.



Trotz der belastenden Begegnung zahlten sich seine und Obi-Wans Mühen aus, da er beinahe sofort einschlief, als sein Kopf das Kissen berührte.



xXx



Am nächsten Abend



Anakin hatte sich dazu entschieden, an einem weiteren Rennen teilzunehmen. Es fanden wohl sogar drei oder vier mehr statt diese Nacht, aber er brauchte seine Ruhe … und das musste er sich immer und immer wieder sagen, weil es später anscheinend sehr große Wetteinsätze gab (und das hieß größere Preise). Es wäre ein erheblicher Zuwachs seiner immer noch viel zu eingeschränkten Anlagen, aber er hatte morgen seine zweite größere Sitzung mit Girth und … na ja, irgendwas sagte ihm, dass er vorbereitet sein musste.



Er vertrieb den Gedanken aus seinem Kopf, seufzte und checkte abermals seine Web-Mail … wie er es in den letzten fünfzehn Minuten bereits ein dutzend Mal und mehr getan hatte. Man! Er hasste die freie Zeit zwischen den Rennen. Und er hasste es besonders, wenn niemand in dieser Zeit in die Nähe der Speeder durfte, um Sabotage zu vermeiden. Sonst hätte er die Manövrierfähigkeit seines Pods für heute Nacht boosten können. Wenigsten ließen sie jeden Rennpiloten seine eigenen Motoren und Systeme kontrollieren vor einem Rennen.



Keine neuen Nachrichten. Er schüttelte seinen Kopf und überflog die Nachrichten, die er bereits gelesen hatte. Glücklicherweise hatte er einige Zusagen von den wenigen Söldnern erhalten, die er zuvor kontaktiert hatte, aber er hatte schon vor langer Zeit entschieden, dass keiner dieser richtig für den Job war. Er brauchte jemanden, dem er zutraute, seinen Auftrag richtig auszuführen … und er wusste, wen er wollte. Anakin runzelte die Stirn. Er war schon immer ein Perfektionist gewesen und hasste es, sich mit etwas abfinden zu müssen. Natürlich war das Teil des Problems, aber dennoch musste es halt erledigt werden, und zwar richtig.



Ein Schatten zeichnete sich über ihm auf und lenkte ihn von seinen Gedanken ab. Er schaltete das Holo-Com ab und sah auf in das Gesicht von Bleersh.



„Du verlierst mit Absicht.“



Anakin unterdrückte ein Seufzen und stand auf. Darauf hatte er schon eine ganze Weile gewartet. „Ja.“



„Warum?“



Der Jedi sah dem quallenartigen Wesen fest in die Augen. „Ich wurde vor einigen Wochen verfolgt und angegriffen.“ Bleersh runzelte die Stirn. Anscheinend hatte er das erwartet, wollte aber immer noch mehr Information, also fuhr Anakin fort. „Ich wollte die Aufmerksamkeit nicht auf mich lenken.“



Bleershs Runzeln vertiefte sich. „Dann lass mich einen Geleitschutz für dich organisieren.“



Anakin schüttelte den Kopf. „Das geht nicht.“



„Warum nicht? Weil du ein Jedi bist?“



Stille legte sich über die beiden, und Anakin kniff die Augen zusammen. Er konnte spüren, dass das andere Wesen sich nicht hundertprozentig sicher war, sich aber Anakins Identität ziemlich sicher fühlte. „Woher wusstest du das?“, fragte er schließlich, entschlossen, zu sehen, was sein Vermittler davon hielt.



Bleersh rieb sich eine schleimige Hand über sein gelatineartiges Gesicht. „Dann stimmt es also. Das hab‘ ich mir schon gedacht.“



„Verkompliziert das die Dinge?“, fragte Anakin vorsichtig. „Darf ich jetzt keine Rennen mehr fliegen?“



Bleersh zuckte mit den Schultern (ein sehr verstörendes Bild, da die Bewegung für eine unschöne Welle durch dessen ganzen Körper sorgte) und schüttelte den Kopf. „Es gibt keine Regeln, die besagen, dass man als Jedi nicht teilnehmen darf. Ich glaube aber, wir sollten das trotzdem für uns behalten.“



Anakin hätte dem nicht mehr zustimmen können, aber weder bestätigte, noch lehnte er die Bitte ab, denn er spürte, dass Bleersh noch mehr zu sagen hatte. Dieser beäugte Anakin vorsichtig, wirkte dabei aber nur geringfügig besorgt.



„Was tut ein Jedi überhaupt hier unten?“



Anakin spürte ein Ziehen in seinen Mundwinkeln. „Ich bin ein Jüngling und kam später in den Tempel als die meisten dort. Und da es keine Garantie dafür gibt, dass ich ein Padawan werde, habe ich entschieden, dass ich für meine Zukunft vorplanen muss.“



Bleersh starrte Anakin eine Weile lang an, bevor er wieder sprach. „Nicht jeder Jüngling wird ein Jedi?“



Anakin schüttelte den Kopf. „Nein.“ Außer in Kriegszeiten.



„Und wo kommen die dann hin?“, fragte Bleersh.



„Hast du schon mal von den Jedi Service Corps gehört?“



„Ja.“

„Die meisten Jedi, die dort arbeiten, waren einmal Jünglinge, die von keinem Meister erwählt worden sind, aus welchen Gründen auch immer“, erklärte Anakin mit einem Schulterzucken. Das hatte es ihm als Vader nach der Order 66 tatsächlich einfacher gemacht, Jedi und andere Macht-Sensitive zu verfolgen. Darum sollte er sich mal kümmern …



„Und du denkst, das wird dir auch passieren?“, fragte Bleersh.



Nein. Er war sich sicher, dass der Rat ihn nicht unbeaufsichtigt lassen würde, wenn nicht wenigstens ein Ritter anwesend war. Das musste Bleersh aber nicht wissen.



„Wie gesagt, ich kam sehr spät in den Tempel“, wiederholte Anakin mit einem weiteren Schulterzucken.



Als er das hörte, zog Bleersh eine Delle in seinem Gesicht hoch, die man als das Äquivalent der menschlichen Augenbraue deuten konnte. „Und du dachtest dir, dass illegale Rennen zweimal die Woche der beste Weg sind, um dir einen … Notgroschen anzulegen?“



Erneut zuckte Anakin mit den Schultern. „So haben mich die Jedi gefunden. Ich nehme an Rennen teil seit ich alt genug bin, um an den Lenker zu kommen.“



„Du bist sehr gut“, räumte Bleersh mit einem Nicken seines knollenförmigen Kopfes ein. Keiner sprach fürs erste ein weiteres Wort, beide in Gedanken an ihre Konversation und die Situation im Allgemeinen.



„Ich bin neugierig“, sagte der junge Jedi als er sich aufsetzte und den Blick auf seinen Manager richtete. „Woher wusstest du, dass ich ein Jedi bin?“



Das Wesen verzog eine Miene. „Bitte. Wir sind nur einige Klicks vom Jedi-Tempel entfernt und kein Mensch, geschweige denn ein Kind deines Alters, könnte so ein Rennen fliegen ohne irgendwelche Unterstützung. Es hat ne Weile gedauert, bis ich‘s raushatte, und ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin, aber keiner hat Beweise, also ist alles gut. Ich kann dir sogar dabei helfen, sie in die Irre zu führen.“



„Ich verstehe“, erwiderte Anakin und fragte sich, ob er schon beim ersten Mal so durchschaubar gewesen war. Wahrscheinlich sogar noch mehr. Erneut verfiel das Paar einer nachdenklichen Stille.



Schließlich winkte Bleersh mit seiner großen Hand. „Na schön, wie du willst. Das hält sowieso die Quoten oben, aber vergiss nicht, dass du hier nicht der einzige bist, der um hohe Einsätze spielt.“



„Richtig“, erwiderte Anakin mit einem trockenen Nicken.



„Das Rennen fängt in fünf Minuten an. Du solltest deinen Speeder besser an die Startposition bringen.“



Anakin konnte sich eines schmalen Grinsen nicht erwehren, als er bestätigend nickte und davoneilte.



xXx



Die Rennen zu verlassen, fiel ihm diese Nacht um einiges schwerer, aber wenn ihn die Zeit als Vader etwas beigebracht hatte, dann war es Selbstdisziplin … oder zumindest die Fähigkeit, seinen eigenen Regeln Folge zu leisten. Sich ein Ziel zu setzen und dieses dann auch bis zum Schluss zu verfolgen war eine Sache, die erst richtig gelernt hatte, als die Klonkriege vorbei gewesen waren. Als General und Jedi hatten ihn immer so viele Dinge abgelenkt. Und als Vader hatte er es ins andere Extremum getrieben im Versuch, seine Vergangenheit als Anakin Skywalker zu vergessen.



Dennoch hatte er seinem Konto einen ziemlich großen Betrag beisteuern können und auch wenn er (schon wieder) durch die Luftschächte kriechen musste – und trotz der Tatsache, dass er sich wirklich wünschte, er hätte im Finale noch mitmischen können – war er ziemlich zufrieden mit seinem Fortschritt diesen Abend.



Er hatte schon fast den Ort erreicht, wo er den Tempel betreten würde, als seine Com-Einheit piepte. Es klang ziemlich laut in der relativ ruhigen Umgebung, sodass er beinahe schon zusammenzuckte. Beinahe. Nach einem Moment der inneren Debatte, entschied er, kurz Halt zu machen und seine Nachrichten zu checken. Es war eine Benachrichtigung seiner Web-Mail und würde somit auch nur eine Sekunde dauern.



Der Holoscreen schien unscharf an den Rändern und das ganze Bild wirkte irgendwie verschwommen, was wohl an seiner Position im Innersten von Coruscant lag. Es glich einem Wunder, das er überhaupt ein Signal erhielt. Daraus könnte man bestimmt eine Werbekampagne machen.



Sein Augen wanderten an die Spitze des holographischen Bildschirms und entdeckten die neue Nachricht. Als er den Absender erkannte, weiteten sich seine Augen vor Überraschung. Diese hielt jedoch nur kurz an, bevor er schmunzelte. Es gab keinen Betreff und in der Mail stand auch nur ein einziges Wort: „Treffen“, gefolgt von einer Uhrzeit und einem Ort. Die Koordinaten entsprachen denen von Coruscant, wie er verlangt hatte.



Anakin konnte sich eines verschwörerischen Grinsens nicht erwehren als er die Holo-Web-Verbindung deaktivierte. Dann fuhr er mit seinem Aufstieg am Tempel fort. Er hatte die Antwort, die er wollte. Nun musste er nur noch sicherstellen, dass er die Begegnung überlebte.
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