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Ozean Love

von Kazume
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Trafalgar Law
10.03.2020
17.05.2022
61
82.226
60
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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17.05.2022 1.277
 
Gesichtslose Menschen starrten entsetzt durch ihn hindurch, ihre Haut überzogen mit weißen Flecken. Im Hintergrund ertönten Schüsse. Verzweifelt versuchte er zu rennen, aber er bewegte sich keinen Zentimeter von der Stelle. Er schrie, tonlos. Um ihn herum starben die Menschen wie Fliegen und er wurde unter ihren warmen, leblosen Körpern vergraben, bis sie ihm durch ihr Gewicht die Fähigkeit zu atmen raubten. Er würde ersticken. Panisch sog er die Luft ein, aber es war als hätte man ihm eine Tüte über den Kopf gezogen. Strampelnd und um sich schlagend rang er nach Atem. Er würde sterben! Er-


Und wieder saß Law senkrecht in seinem Bett. Schweißgebadet schlug er die Decke zurück und schaltete die kleine Öllampe auf seinem Nachttisch ein. Lange saß er einfach auf der Kante seines Bettes und konzentrierte sich auf seine Atmung, dabei waren die Ellbogen auf den Beinen abgestützt und die Finger in seinen schwarzen Haaren vergraben. Dunkle Gedanken zogen durch seinen Geist. Es waren die Erinnerungen an die Tragödie von Frevance und all die darauffolgenden Grausamkeiten, die ihn heimsuchten. Er zahlte beinahe jede Nacht den Preis dafür, all das überlebt und sich fortan der Rache verschrieben zu haben.

Law würde heute keinen Schlaf mehr finden. Sein Blick huschte zur Uhr. 02:57. Da das war doch genau die richtige Zeit, um sich seinem neuesten Medizinbuch über Bluttransfusionen zu widmen.
In dem Moment, in dem er sich erhob, klopfte es an der Tür. Das überraschte ihn. Die Crew kannte die Regel, wenn er in seinem Zimmer war. Ihn hier zu stören brachte regelmäßig eine Tracht Prügel mit sich. Also musste wohl etwas passiert sein.
„Ja.“, quittierte er das Klopfen mit rauer Stimme.

Das Türblatt schwang daraufhin unnötig zögerlich auf, weshalb er sich geistig bereits eine Standpauke für seinen Navigator zurechtlegte. Bepo bräuchte definitiv mehr Eier.
Umso überraschter war er, als der schwache Lichtschein der Öllampe auf porzellanfarbene tätowierte Haut traf, die teilweise mit diesem albernen kurzen Papageienschlafanzug bedeckt war.
„I-ich habe Licht unterm Türspalt gesehen und dachte…“, Majikku sprach leise. Ihre Stimme war ebenso rau wie seine eigene.
„Soll ich dich untersuchen?“, fragte Law. Womöglich fühlte sie sich krank oder das verstauchte Handgelenk schmerzte stärker als gedacht.
„Was? Oh, nein nein!“, sie schüttelte den Kopf.

„Ich konnte einfach nicht mehr schlafen.“, sagte sie nach einer Weile und erinnerte Law damit an ihre Zeit auf Izakaya. Oft hatte er sie nachts schreien gehört wegen ihrer Albträume. Und auch wenn sie es ihm gegenüber als Nichtigkeit abgetan hatte, wusste er doch sehr gut, wie es ihr ging. Und dass es dafür keine Hilfe gab.
„Geht mir ähnlich. Aber ich verzichte auf Gesellschaft.“, brummte er.
„Ja klar, sorry.“, sagte Majikku bemüht beiläufig, aber ihr Blick war traurig. „Ich verschwinde dann besser. Viel Glück beim Einschlafen.“

Sie machte auf dem Absatz kehrt. Genaugenommen auf kuscheligen Socken mit …PAPAGEIEN! Law widerstand nur knapp dem Drang sich mit der Hand vor die Stirn zu schlagen. Was hätte es denn auch sonst sein sollen?
Langsam schlurfte die Blauhaarige in den dunklen Korridor.
„Wohin gehst du?“, fragte Law.
„In die Küche.“, rief sie über die Schulter.
„Bring mir einen Kaffee mit.“
Überrascht aber eindeutig freudig drehte sich Majikku um und sah ihn an. Strahlte ihn an, traf es wohl besser, wie er widerwillig feststellen musste. Im dunklen Flur schimmerten ihre Augen unnatürlich türkis.
„Schwarz wie deine Seele?“, ihre Frage war definitiv rhetorisch. Sie wusste schließlich, wie er seinen Kaffee trank.
„Ich hasse dich.“, knurrte er.
„Mit Spucke also. Gute Wahl.“, witzelte sie und verschwand endgültig aus seinem Sichtbereich.

Law rollte mit den Augen. Diese Frau raubte ihm irgendwann noch den letzten Nerv.
Er beschloss  sich etwas passender zu kleiden, um die nächste Unterredung nicht erneut in Boxershorts zu führen und begab sich anschließend in sein Büro. Verwirrt stellte er fest, dass er dabei lächelte.
Keine zehn Minuten später tauchte Majikku mit zwei Tassen in der Hand vor seiner Bürotür auf.
„Darf ich reinkommen?“
„Tu doch nicht so, als würde dich das normalerweise interessieren.“
„Wow, deine Laune ist ja wirklich überragend.“, nuschelte sie und schob die Tür mit ihrem Papageien-Fuß hinter sich ins Schloss. Sie überreichte Law eine Tasse und setzte sich dann auf einen der beiden Ledersitze, die vorm Schreibtisch standen.
„Hab ich irgendwann gesagt, dass du bleiben sollst?“


Majikku hob ihren Mittelfinger und hoffte, dass Law das weniger ernst meinte, als sich das gerade angehört hatte.
Das letzte Mal hatte sie Law vor zwei Tagen beim Training gesehen. Seitdem trug sie einen perfekt sitzenden Verband am Handgelenk und hatte ‚bis auf weiteres‘ Sportverbot vom Käpt’n. Und der schien ihr seitdem aus dem Weg zu gehen. Aber sie wusste nicht wieso.
„Berichte mir ab jetzt regelmäßig, wie es mit Bepo und dem Navigieren läuft.“, damit unterbrach der Piratenkaiser ihre Gedanken, die sich ansonsten nur noch um das Bild von trainierten Käpt'n in Unterwäsche gedreht hätten, das sich vor wenigen Minuten in ihren Geist gebrannt hatte. Sie nickte.
„Wir müssen zeitnah den Kurs ändern, ich habe eine Einladung vom schwarzen Ring erhalten. Damit habe ich nicht gerechnet.“

Majikku hatte keine Ahnung, wovon er sprach. Und das sah man ihr wohl an, denn Law antwortete auf ihren fragenden Blick.
„Der schwarze Ring umfasst diejenigen, die der Meinung des Gründers nach die Fäden in der Hand halten, was das Weltgeschehen angeht. Wer das ist und worum es dabei geht, weiß ich selber nicht. Habe mit den Recherchen gestern erst begonnen als die Einladung kam.“, erklärte der Schwarzhaarige ruhig.
„Wann findet dieses Treffen statt?“
„In acht Tagen. Und zwar hier.“, Law zog die Karte aus der Schublade und überreichte sie Majikku. Schnell hatte sie das sehr förmliche Schreiben überflogen und die kleine Karte auf der Rückseite gefunden. Mit zusammengekniffenen Augen starrte sie darauf und zählte gleichzeitig mit ihren Fingern irgendetwas ab. Dann hob sie den Blick, grinste breit und sagte: „Ich weiß, wo das ist!“
„Das ist schön.“, antwortete Law und versuchte den Spott aus seiner Stimme zu verbannen. Er hatte tatsächlich jemandem die Weiterbildung seines Navigators anvertraut, der geradeso eine einfache Strömungskarte lesen konnte. Den Fehler müsste er also bei sich selbst suchen.

Irgendwann breitete sich ein angenehmes Schweigen aus und Law begann sein Medizinbuch durchzuarbeiten. Er dachte, Majikku wäre irgendwann einfach wortlos gegangen, aber sie war kurz darauf mit neuem Kaffee und einem Buch über die Sternbilder wiedergekommen und saß ihm seitdem still gegenüber. Er beschloss dies zu dulden und sie rauszuwerfen, sobald sie ihm auf die Nerven ging.

~

‚Verdammt, verdammt, verdammt!‘, dachte er panisch und entließ ein Stoßgebet gen Himmel, bevor er gegen die Bürotür des Käpt’ns klopfte.
Das „Herein“ ertönte sofort. Und dabei hatte er so gehofft, der ehemalige Samurai wäre im Schiff unterwegs und ein anderer dürfte ihm die frohe Kundschaft überbringen.
Uni öffnete die Tür und hätte es für völlig normal gehalten, den Käpt’n in den frühen Morgenstunden an seinem Schreibtisch über einem Medizinbuch gebeugt zu erblicken, wenn da nicht noch jemand mit im Raum gewesen wäre. Majikku lümmelte sich im Schlafanzug  auf einem der Ledersessel ihm gegenüber und hatte ebenfalls ein Buch in der Hand. Sie sah Uni interessiert an, während Laws Blick weniger schmeichelhaft auf ihm lag.

„Was gibt es, Uni?“, fragte der ehemalige Samurai , weil der Smutje ihm anscheinend zu lange stumm im Raum gestanden hatte.
„Ja also-“, begann er, wurde jedoch von schnellen Schritten unterbrochen, die durch den Flur hallten.
Shachi rannte um die Ecke und streckte seinen Kopf ins Büro.
„Oh scheiße.“, murmelte der Rothaarige und sah Uni mitleidig an.
Der Smutje seufzte. „Käpt’n…die Muscheln, die wir auf der letzten Insel gekauft und gestern gegessen haben…“
In dem Moment erbrach sich der Rothaarige direkt neben der Tür.
„…waren wohl verdorben.“
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