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Ozean Love

von Kazume
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Trafalgar Law
10.03.2020
17.05.2022
61
82.226
60
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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06.03.2022 3.990
 
Zum Glück hatte Uni noch einige Reste vom Frühstück über, die Majikku gerade gleichzeitig mitsamt eines riesigen Potts Kaffee vertilgte. Sie war wirklich ausgehungert. Und mehr als nur ein bisschen verkatert. Und die fehlende Erinnerung an den Vorabend beunruhigte sie zunehmend.
„Majikku?!“, fuhr Shachi sie an.
„Waff?“, antwortete sie mit einem halben Brötchen im Mund. Sie hatte das gesamte Gespräch ausgeblendet und fieberhaft ihr Gedächtnis durchforstet, aber der Alkohol hatte ihr nichts übrig gelassen.
„Wie war es?“
„SHACHI! Das willst du jetzt nicht wirklich wissen!“, Penguins Wangen waren knallrot, als er ihm gegen den Oberarm schlug.

„Sicher will ich das. Der Käpt’n sah heute Morgen aus, als hätte er kein Auge zugetan. Aber dafür war seine Laune beim Check-Up beinahe rekordverdächtig.“
Und ein gut gelaunter Chirurg des Todes war generell eine Seltenheit. Aber dann auch noch ein unausgeschlafener, am frühen Morgen, während der Arbeit…das war unmöglich. Shachi spürte sich selbst grinsen. Es sei denn, man bezieht eine nackte Frau in diese Überlegung mit ein.
„Das kann ich mir vorstellen.“, antwortete Majikku und unterbrach damit die Gedankengänge des Rothaarigen, „Der Käpt’n war bei deiner Untersuchung nämlich sicher noch nicht nüchtern. Wundert mich eigentlich, dass er überhaupt deine Ader gefunden hat.“, sie schmunzelte dabei.
„Jetzt lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!“, brummte Shachi.
Und die anderen hätten ihn für seine Neugierde wohl gerne getadelt, aber waren selbst zu sehr am Bericht der Blauhaarigen interessiert.
Majikku leerte ihren Kaffee bevor sie leise seufzte.

„Es ist weitaus weniger spannend, als ihr denkt. Law und ich haben uns gestern Abend an einer kleinen Kneipe an der Küste einfach böse einen reingestellt.“
Dabei zuckte sie mit den Schultern, was das Gesagte deutlich beiläufiger erscheinen ließ als Shachi gehofft hatte.
“Und wie war es? So ganz alleine mit dem Käpt’n?”, bohrte er weiter. Penguin und Uni lehnten noch immer neugierig über dem Tisch. So hingen drei Augenpaare an der Blauhaarigen, die sich ihrer verhör-ähnlichen Situation nun bewusst zu werden schien.
“Wie soll es denn gewesen sein? Nicht anders als damals auf Izakaya. Da haben wir wochenlang nichts anderes gemacht.“, antwortete sie verwirrt.
Uni spürte wie sein Unterkiefer nach unten klappte und seinen Kameraden schien es ähnlich zu gehen. Wochenlang?! Völlig sprachlos starrten sie Majikku an. Ihm kamen Bildern in den Kopf, die ihn erröten ließen. Penguin zog sich neben ihm seine Mütze tiefer ins Gesicht, dessen Farbe sich ebenfalls schlagartig geändert hatte.

„Dann schläfst du ab jetzt wohl immer beim Käpt’n, was?“, Shachi hatte zuerst seine Sprache wiedergefunden.
„Den Vorschlag mache ich ihm mal, wird er sicher begeistert sein.“, witzelte Majikku, der die Vorstellung von Law im Gemeinschaftssaal gefiel. Vor allem, wenn er sich wegen Bepos Schnarchen ein Kissen über den Kopf legen müsste, während sie seelenruhig in seinem Bett schlummerte.
„Denkst du nicht?“, reagierte Uni auf den offensichtlichen Sarkasmus in ihrer Stimme.
Die Blauhaarige lachte. „Sicher doch. Der freut sich bestimmt, wenn ich ihn aus seinem eigenen Zimmer werfe.“
Verwirrt sahen sich die Männer an. Wieso sollte sie ihn denn rauswerfen? Das ja war unsinnig, wenn man-

Das kraftvolle Öffnen der Tür unterbrach das Gespräch, in dem alle erfolgreich aneinander vorbeigeredet hatten.
„Majikku. Du sollst ins Untersuchungszimmer.“, sagte Haru und grinste sie dabei verschmitzt an. Wie der Großteil der Hearts. Das Spektakel hatten schließlich alle mitbekommen. Nun alle bis auf Ikkaku wahrscheinlich.
„Verdammt. Ich hatte wirklich gehofft, er würde mich vergessen.“, die Blauhaarige erhob sich langsam.
„Danke nochmal für das verspätete Frühstück, Uni. Rettest mir wirklich den Tag!“
Und mit den Worten verschwand sie aus der Küche und hinterließ ihre drei Kameraden, die sich völlig verwirrt ansahen.


Auf dem Weg durch die Korridore sortierte Majikku ihre Gedanken. Aufgrund der Uhrzeit war sie wohl mitunter die letzte, die zur Untersuchung zitiert wurde. Wahrscheinlich wollte Law sichergehen, dass sie bei der Blutentnahme nüchtern war. Oder er wollte sie nicht sehen, bis er es nicht zwingend musste. Sie spürte ein Ziehen in der Magengegend. Verdammt, wieso erinnerte sie sich nicht daran, wie sie auseinandergegangen waren?! Und wieso trank sie immer so viel? Ok, für eine Piratin war das eigentlich ein löbliches Laster, aber gerade in Laws Gegenwart sollte sie künftig wohl etwas vorsichtiger sein.

~

Law hatte mit Harus Akte mit Abstand am längsten Zeit verbracht, drifteten seine Gedanken doch unentwegt ab. Und der Grund dafür hatte soeben ohne vorheriges Klopfen die Tür zum Behandlungszimmer aufgerissen. Genervt hob er den Blick. Majikku sah aus wie immer. Sie trug seinen gelben Pullover mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, obwohl sie sich längst etwas anderes hätte besorgen können. Und er hätte sie längst in einen der Overalls stecken können. Wenn er es denn gewollt hätte. Aber sie gefiel ihm so und das nervte ihn noch mehr als ihre Unfähigkeit, vorm Eintreten gegen eine Tür zu klopfen.
„Du siehst wirklich scheiße aus.“, kommentierte er ihre blasse Gesichtsfarbe. Es erfüllte ihn mit Genugtuung, das nicht nur er einen Kater zu haben schien.

„Komisch. Dasselbe wollte ich gerade zu dir sagen.“, brummte Majikku und streckte dem Piratenkaiser ihren Mittelfinger entgegen.
Sie hasste diesen Raum. Die weiß gefliesten Wände, die kühle und beinahe schmerzhaft helle Deckenbeleuchtung sowie der penetrante Geruch nach Desinfektionsmittel verursachten Gänsehaut bei ihr. Sie hasste die ganzen Geräte auf den Arbeitsflächen, die metallischen Rolltische mit den sterilen Instrumenten und die Liege mit der Papierunterlage darauf. Unkontrolliert zuckten die Erinnerungen ihrer Kindheit durch ihren Geist. Die Experimente. Die Schmerzen. Majikku musste sich regelrecht zwingen, sich nicht diesen Erinnerungen hinzugeben und stattdessen den ehemaligen Samurai zu betrachten, der ihr gegenüber saß und sie zur Begrüßung erst einmal beleidigt hatte.
„Setz dich dahin. Krempel den Ärmel hoch und lass mich anschließend ausversehen vier Mal daneben stechen für dein loses Mundwerk.“, raunte Law ihr im Befehlston zu. Unter seinen Augen erkannte sie die tiefen Schatten der schlaflosen Nacht, wodurch sein Blick noch tiefer wirkte. Und sie hätte ihn als missmutig beschrieben, wenn da nicht dieses schiefe Grinsen wäre…
„Der Chirurg des Todes sollte es wohl schaffen, mir nicht den Arm zu zerlöchern.“, mit den Worten setzte sie sich auf den kleinen Metallstuhl und schoppte den Stoff nach oben, sodass ihre Armbeuge frei lag. Aufmerksam beobachtete sie der neue Piratenkaiser dabei.
Routiniert legte er anschließend den Gurt an, desinfizierte die Einstichstelle und griff dann nach der Kanüle und der Ampulle.


„Majikku?“
Erst jetzt bemerkte sie, dass sie die Augen fest zusammengekniffen und Laws kurz geraunten Anweisungen einfach blind Folge geleistet hatte. Vorsichtig sah sie ihn an. Er saß bewegungslos vor ihr und grinste weiterhin schief.
„Was ist?“, fragte sie.
„Du bist fertig.“
Verwirrt senkte sie ihren Blick und betrachtete das Pflaster auf der Einstichstelle. Es war rosa und mit einem kleinen Einhorn bedruckt.
„Du willst mich doch komplett verarschen!“, sie sprang auf und schlug dem ehemaligen Samurai fest gegen den Oberarm.
„Hör gefälligst auf so blöd zu grinsen, Law!“, rief sie, als er sich von ihrem Schlag sichtlich unbeeindruckt zeigte. Ihre Stimme war schriller als sonst, das hörte sie selbst.
Und Law kommentierte ihren Totalausfall mit einem rauen Lachen. Oh, sie liebte dieses Geräusch. Wie schade, dass es eine Seltenheit war.

„Du bist wirklich unausstehlich, Pirat!“, knurrte sie, aber auch auf ihre Lippen hatte sich mittlerweile ein Lächeln geschlichen. Sie stand vor ihm und sah ihn direkt an, die Hände in die Hüften gestemmt. Er ließ seinen Blick über ihr amüsiertes aber gleichzeitig zorniges Gesicht wandern, an dem er bisher keinen Makel hatte entdecken können. Generell war es schwierig an dieser Frau etwas auszusetzen, wenngleich ihre offensichtliche Zuneigung zu ihm ein deutliches Zeichen für eine psychische Störung war. Er spürte seinen Mundwinkel zucken, als er an den Vorabend dachte. Seltenst genoss er die Gesellschaft einer anderen Person so sehr wie die ihre. Auch wenn sie ihm regelmäßig den letzten Nerv raubte.

Law war zu lange still.
Er stand einfach vor ihr und betrachtete sie. Ihrer Meinung nach viel zu intensiv. Ein schiefes Grinsen auf seinen Lippen verblieb auch als er ihr plötzlich tief in die Augen sah, wodurch ihr Puls sofort Geschwindigkeit aufnahm.
„W-was ist?“, fragte sie.
„Mir gefällt die Vorstellung, wie du heute in meinem Bett geschlafen hast. Zwischen den Untersuchungen hätte ich dich gerne dort besucht.“, seine Stimme war dabei ruhig und rau, sein Blickkontakt unverändert.
Allein diese Andeutung ließ ihre Wangen glühen. ‚Reiß dich zusammen, Majikku!‘
„Wieso hast du es nicht getan?“, hauchte sie ihm entgegen, erwiderte unter größter Anstrengung seinen intensiven Blick.
„Du hast das sehr deutlich abgelehnt, mein Herz.", knurrte er beinahe bedrohlich. Was in Anbetracht des Kosenamens völlig widersprüchlich war.
„Ich hätte dich ja für hartnäckiger gehalten, Chirurg des Todes.“, flüsterte sie und bemerkte im gleichen Augenblick, wie sehr ihr Gespräch eigentlich abgedriftet war. Und als sie nun das Funkeln in seinen Augen erkannte, bereute sie ihre letzten Worte. Sie hatte den Piratenkaiser gerade unbeabsichtigt ins Jagdfieber versetzt. Sie schluckte.

„Forderst du mich gerade heraus?“, er trat ein Stück näher, intensivierte so die Spannung zwischen ihnen.
„Finde es heraus.“, hauchte sie und versuchte sich dabei ihren erhöhten Puls nicht anmerken zu lassen.
„Oh das werde ich. Morgen Nachmittag. In Raum dreizehn.“, sein Blick wanderte schmerzhaft langsam über ihr Gesicht, ihre Lippen, ihren Körper. „Dort wäre ich dann gerne ein paar Stunden alleine mit dir.“
Er hob den Blick und fesselte sie mit seinen sturmgrauen Augen so sehr, dass das Gesagte erst nach mehreren Augenblicken zu ihr durchdrang.
Fieberhaft überlegte sie sich eine Antwort aber sein ,,Bepo wartet oben auf dich. " schnitt ihren Gedankengang ab.
Er rückte von ihr ab und zog sich lässig seine Plüschmütze auf, bevor er seinen Arztkittel über den Stuhl warf.

Fragend legte Majikku den Kopf schief, schien sie mit seinem schnellen Themenwechsel doch wenig anfangen zu können.
„Heute ist dein erster Tag in deiner offiziellen Funktion. Verkack es nicht gleich.”, er bemühte sich zu einem strengen Ton, was ihm wahrscheinlich misslang. Wie so oft bei ihr. Vor allem jetzt, wo er sich gerade an dem deutlichen Rotschimmer auf ihren Wangen erfreute, den er zu verschulden hatte.
,,Du meinst meine Funktion als absolut unqualifizierte Navigator-Gehilfin?”, der Sarkasmus war nicht zu überhören. Diese Frau würde ihn irgendwann wohl ins Grab diskutieren.
,,Ich meine-”, er atmete tief durch, ,,-dass du dich wirklich bewegen solltest, wenn ich dir keinen weiteren Grund zum rennen geben soll.”
Mordlustig funkelte er sie dabei an. Majikku schluckte schwer. Sie konnte diesen Mann ähnlich gut durchschauen wie eine Betonwand, hatte keinen Schimmer ob er sie wieder aufzog oder sie tatsächlich ihre Beine in die Hand nehmen sollte.

Zum Glück wurde ihr die Entscheidung abgenommen.
,,Hey Käpt’n!”, das war Jean, der den Kopf in das Behandlungszimmer steckte. ,,Ikkaku schickt mich. Du sollst in den Maschinenraum kommen.” Der Riese hatte sich im Hinblick auf seine Größe nahezu geräuschlos bewegt.
Law quittierte diese Nachricht mit einem kurzen Kopfnicken und schlenderte dann entspannt an Majikku vorbei in Richtung Flur.
Sie seufzte. Na dann ging es für sie wohl jetzt zum Bücher wälzen.

~

Bepo spürte, wie sanft das Fell auf seinem Kopf gestreichelt wurde. So geweckt zu werden, war himmlisch. Vor allem wenn es gleichzeitig so schmackhaft duftete. Kaffee…
Langsam öffnete er die Augen und blickte in Majikkus lächelndes Gesicht.
Sie hatten gestern stundenlang über den Büchern gehangen und bis tief in die Nacht die Strömungen der Grandline studiert. Und während sie sich gegenseitig die wichtigsten Passagen aus ihren jeweiligen Texten vorgetragen hatten, war Majikku mit der Bürste durch sein Fell gefahren. Sie war ihm wirklich ans Herz gewachsen.
Freudig nahm er den Kaffee entgegen, der genau die richtige Menge Milch beinhaltete und setzte sich langsam auf.

,,Was hälst du davon, wenn wir heute die Strömungen beenden, wenn wir uns beeilen schaffen wir das sicher. Und dann endlich mit den Sternen beginnen?”, fragte Majikku, wobei ihre Augen aufgeregt strahlten.
,,Es tut mir leid, aber die Sternbilder studiere ich besser, wenn ich sie auch wirklich sehen kann. Also warten wir bis zur nächsten Insel und -”
,,Oder wir tauchen einfach auf.”, warf sie ein und grinste dabei breit.
,,’Tschuldige, aber das würde Law ganz und garnicht gefallen.”, der Käpt’n wurde bei spontanen Änderungen meistens fuchsteufelswild.
,,Das wird ihn sicher nicht stören.”, sie legte den Kopf schief, “Aber ich kann mit ihm reden, wenn dir das lieber ist.”
,,Ja! Also wenn es keine Umstände macht.”, er versuchte sich weitere entschuldigende Worte zu verkneifen, Majikku tadelte ihn deswegen bereits genauso wie der Käpt’n.
,,Sobald wir das hier durchhaben, geh ich zu ihm.”, sagte sie und wedelte dabei mit dem dicksten aller Papierstapel herum.
,,Ay, Käpt’n!”, rief Bepo. Und hielt sich sofort die Pfote vor den Mund, als er seinen Fehler erkannte. ,,Entschuldige!”

~

Ununterbrochen hatte sie in Kauerstellung und mit mehr Koffein als Blut im Körper über den Feinheiten der Navigation gebrütet. Majikku bereute es, diesem Bereich der Seefahrt früher so wenig Interesse bekundet zu haben. Gerade auch weil die orangehaarige Strohhutpiratin diese Rolle innehatte, hätte sie niemals gedacht, dass es so kompliziert war, bei der Fahrt über die Grandline den Kurs zu halten.
Ihr Kopf war randvoll mit dem frisch Gelernten und das bereits nach einem Tag. Sie unterdrückte die aufkommende Verzweiflung und versuchte sich mit anderen Gedanken abzulenken. Raum dreizehn. `Da wäre ich gerne ein paar Stunden alleine mit dir.`, hatte Law ihr gestern überaus zweideutig ins Ohr gehaucht. Sie spürte ihre Magengegend kribbeln. Das war definitiv eine erfolgreiche Ablenkung.
Majikku lief den Korridor entlang. ‚Raum dreizehn, wo bist du?‘

Was Law dort wohl mit ihr vorhatte? So wie es klang sollte sie wohl besser passende Wäsche tragen. Sie schüttelte den Kopf. ‚Keine Liebschaften mit der Crew‘. Außerdem flirtete er nur von Zeit zu Zeit mit ihr, wirklich passiert war bisher nichts. Auch wenn es ein paar Mal sehr knapp gewesen war…und da waren sie wieder, diese unanständigen Gedanken von ihm und-
„Das glaube ich jetzt nicht!“, entkam es ihr entnervt.
Sie stand vor einer etwas verbeulten Metalltür und stemmte die Arme in die Hüfte.
Ein kleines Schildchen hing neben der Tür an der Wand. Raum 013.
„Hätte auch einfach Trainingsraum sagen können, der Affe!“


~

Law war genervt. Majikku war zu spät. Bereits fünf Minuten stand er hier und wartete, dass sich die Dame in den Trainingsraum bequemte. Wie gut, dass er gleich die Möglichkeit hatte, seiner miesen Laune etwas Abhilfe zu verschaffen. Er grinste diabolisch, als die Tür sich öffnete. Das würde spaßig werden.
,,Entschuldige die Verspätung. Musste mir noch etwas Passendes zum anziehen besorgen.”, sagte Majikku und kam vor ihm zum stehen.
,,Wirklich passend würde ich das jetzt nicht bezeichnen.”, brummte er und betrachtete das enge Top, das oberhalb ihres Bauchnabels endete. Es gefiel ihm. Aber in seinem Pullover gefiel sie ihm mehr. Zeigte es doch deutlich wem sie gehörte. ‘zu wem’, korrigierte er gedanklich.

Sie versuchte seinen Blick zu ignorieren, der ungeniert über ihren Körper gewandert war und verschränkte die Arme vor der Brust.
,,Erzähl du mir nichts von passender Kleidung, wenigsten habe ich überhaupt etwas an.”
Wie sollte sie sich bitte auf das Training konzentrieren, wenn der Käpt’n lediglich seine Hose trug.
Und seine Mütze.‘Ja wirklich? Das Oberteil war ihm zu viel, aber die Mütze blieb?’, fragte sie sich gedanklich. Ärgerte sich gleichzeitig, dass ihr das jetzt erst auffiel. Hatte sie zuvor doch ausgiebig seinen trainierten Oberkörper betrachtet. Dieses Spiel aus Muskeln und seiner tätowierten Haut war überaus anziehend, weckten den Drang ihn zu berühren. Sie schüttelte den Kopf. Der musste sich in einer Bar wohl nur entblößen und könnte dann aus all den Frauen auswählen, die zu sabbern begonnen hatten.
,,Und mal ehrlich, wieso lässt du deine Mütze auf?”, fragte sie, lenkte sich selbst von diesen unangebrachten Gedanken ab.
,,Versuch doch sie mir abzunehmen.”, knurrte er und ging in Kampfhaltung über. Dabei traten seine Muskeln noch stärker hervor. ‘Komm schon, Majikku! Du tust beinahe so als hättest du noch nie einen heißen Mann gesehen. Blende es doch einfach aus, verdammt.’
,,Das ist doch mal ein Ansporn.”, sie ging ebenfalls in die Knie und in der nächsten Sekunde begann das Training.

Dieses Mal war es anders.
Es war viel anstrengender als damals, wo sie ihre Kräfte trainiert hatten. Da war er so überlegen gewesen, dass es die reine Ausdauer im Erzeugen seiner Rooms war, die ihn angestrengt hatte. Aber jetzt hatte niemand eine Waffe, es ging nur um die Schnelligkeit im Nahkampf. Und Majikku war verdammt schnell. Ihre Schläge hatten wenig Kraft, aber dafür landeten sie zahlreich auf ihm, während er sie regelmäßig verfehlte.
Und wenn er sie doch einmal traf, blockte sie effektiv. Kein Schlag erreichte sie ungefiltert. Das war gut. Dann musste er sich nicht zurücknehmen. Und konnte sich auf andere Dinge konzentrieren. Sie zu erwischen, zum Beispiel.

Majikku hatte knapp zehn Minuten lang ein Grinsen auf ihren Lippen getragen als ihr aufgefallen war, dass sie tatsächlich schneller war als Law. Die kleinen, flinken Bewegungen waren schon immer ihr Steckenpferd gewesen. Im Nahkampf genau das Richtige.
Aber lange hielt ihre Freude nicht an. Laws Schläge wurden fester, rohe Gewalt lag dahinter. Und er wurde dabei nicht langsamer. Er hatte sich also vorher zurückgenommen. Sie schluckte. Einer dieser Schläge würde ihr den Kopf sauber vom Rumpf trennen, wenn sie nur eine Sekunde unaufmerksam war. Angestrengt beobachtete sie seine Bewegungen, versuchte vorauszusehen, was er als nächstes tat. Das war absolute Höchstleistung.

Majikku duckte sich geschmeidig unter einem seiner Schläge hindurch und rammte ihm dann die Faust in die Magengegend. Doch anstatt sich vorne überzubeugen und schmerzerfüllt zu erbrechen, wie wohl ihr Plan gewesen war, grinste er sie nur von oben herab an. Und ihr Blick war völlig entgeistert. Hatte sie doch gerade herausgefunden, dass ihre Schlagkraft nicht einmal zum Durchdringen seiner Bauchmuskeln genügte.
„Richtige Stelle. Aber viel zu wenig Wumms.“, raunte Law und ließ seinen Ellbogen auf sie niederfallen. Sofort stieß sie sich von ihm ab und wich mit einer Rolle zur Seite aus. Sie atmete schwer. Wie er. Diese Art zu kämpfen war mit Abstand die anstrengenste.
„Ich brauche eine Pause.“, sagte sie, als er gerade erneut auf sie losgehen wollte. Sie stützte ihre Hände auf den Knien ab und sah ihn von unten her an. Schweiß glitzerte auf ihrer tätowierten Haut.

„Was du brauchst, ist eine bessere Schlagtechnik.”, er verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und sah auf sie herab. Einige Stellen seiner Haut waren gerötet, aber das würde schnell vergehen. Hatte er doch Recht mit dem was er sagte.
,,Die Technik ist nicht mein Problem. Eher die Tatsache, dass deine Arme dreimal so dick sind wie meine.”, brummte sie genervt und richtete sich auf.
,,Das kommt noch erschwerend hinzu.”, er lehnte sich näher. ,,Aber deine Technik ist auch Mist.”
,,Du bist ein überhebliches Arschloch.”
Wieder lieferten sie sich ein Blickduell vom Feinsten. Er lachte leise, ein wenig sadistisch womöglich.
,,Das mag sein. Dennoch…”, jetzt griff er ihren rechten Unterarm, schob gleichzeitig ihren Fuß mit seinem zur Seite und legte seine freie Hand auf ihre Schulter. ,,.. wenn du so schlägst…”, er zog ihren Arm zu sich, imitierte ihre Bewegung von vorher. ,,..kommt die Kraft nur aus dem Arm.”

Ein schiefes Grinsen bildete sich auf seinen Lippen aus.
“Außerdem fehlt dir so der Halt.”, er zog etwas kräftiger an ihrem Arm, sodass sie nach vorne taumelte. Sie stieß gegen seinen Oberkörper. Sein Geruch traf sie wie eine Ohrfeige. Verdammt roch dieser Mann gut! Sie versuchte ihn trotzig anzusehen, aber dafür fehlte ihr die Hirnleistung. Sein Gesicht war schließlich genau vor ihrem, sehr dicht vor ihrem. Und er hielt noch immer ihren Arm und ihre Schulter fest.
Und während sie durch seine Nähe jedes Mal völlig aus der Bahn geworfen wurde, schien es ihn völlig kalt zu lassen. Er besaß sogar die Frechheit seinen Blick langsam über ihr Gesicht wandern zu lassen und dann beinahe hungrig ihre Lippen zu betrachten.

„D-Du bist zu nah.“, murmelte sie weniger vorwurfsvoll als sie geplant hatte. Mit einem Puls jenseits der zweihundert war es aber auch schwierig.
„Ich weiß.“, antwortete Law ruhig und hob seinen Blick. Als würde es das besser machen, wenn er sie nun intensiv mit seinen sturmgrauen Augen ansah.

Er müsste sie loslassen, möglichst viel Abstand zwischen sie bringen und dafür sorgen, dass es dabei blieb. Sonst endete es immer wieder gleich. So wie jetzt. Er studierte das einzigartige Farbspiel ihrer leuchtenden Augen, versuchte sich jede Facette genau einzuprägen und dann schob er sie an ihren Fixpunkten von sich weg. Er drehte ihren Fuß mit seinem zur Seite und schob ihn weiter nach hinten. Dann griff er ihre andere Schulter und drückte sie ebenfalls von sich weg. “Du musst aus der Drehung schlagen. Dann nimmst du die Kraft aus dem ganzen Körper.” Zweimal zwang er ihrem Körper den Bewegungsablauf auf, damit sie ihn sich einprägen konnte.

Majikku nickte stumm. Mehr wäre ich auch nicht eingefallen. Er tat so als wäre das gerade nicht verdammt nah gewesen! Und da er plötzlich so emotionslos wirkte, musste er auch nicht wissen, dass ihr gerade nichts fernerlag, als dieses Training fortzusetzen.
Aber es ging nun mal nicht nach ihrem Willen. Und so waren sie keine fünf Minuten später wieder damit beschäftigt aufeinander loszugehen. Und Majikku versuchte erfolglos ihre neue Schlagtechnik einzusetzen. Sie erwischte Law nicht mehr.
“Du bist unkonzentriert.”, bemerkte Law, als er einen potentiell tödlichen Schlag direkt vor ihrem Gesicht stoppte.
Sie knirschte mit den Zähnen. Was dachte er eigentlich? Dass sie das völlig kalt lassen würde? Er wollte es wohl von ihr hören. Dass er sie abgelenkt hatte. Dieser Sadist. Sie ging in Kampfhaltung über. ‘Ich bin wütend. Und ich habe die offizielle Erlaubnis den Grund dafür zu vermöbeln’, das war ein ganz neuer Ansporn.

Mordlust blitzte aus Majikkus Augen. Dann ging sie auf ihn los. So präzise waren ihre Bewegungen vorher nicht gewesen. Law blockte ihre weichen Schläge nicht mal, versuchte stattdessen einen Treffer zu landen. Das wäre effektiver. Ein einziger Treffer und das Training wäre vorbei, wäre sie doch nicht mehr kampffähig. Dann würde sie endlich gehen und er hätte Zeit zu verarbeiten, was eben passiert war.
Wie dicht er davor gewesen war, seine wichtigste Regel zu brechen.

Ein Schlag traf ihn an der Seite, er verfehlte sie. Er sollte sich von dieser Frau fernhalten, wenn auch nur für ein paar Tage. Bis dieser Reiz endlich vergangen war. Wieder ein Schlag ins Leere. Dann müssten sie aber auch das Training unterbrechen, offensichtlich konnte er sich dabei nämlich ebenso wenig zurückhalten. Er schlug zu, sie blockte. Oder er lenkte sich auf der nächsten Insel mit einer Anderen ab. Nein, danach stand ihm nicht der Kopf. Vielleicht würde es helfen, wenn -
„Ah!“, schrie Majikku, die direkt vor ihm stand und aufgrund seiner abschweifenden Gedanken genügend Zeit für einen gezielten Schlag hatte. Und zwar aus der Drehung. Dieser Perfektion hätte mein ein Gemälde widmen können. Nicht so dem was folgte. Heftig schlug ihre Faust ein, wieder ein gezielter Treffer in seiner Magengegend.
“Uff.”, Law taumelte einen Schritt zurück. Das hatte gesessen. Wenn auch nicht sehr nachhaltig.
“Sehr gut.”, brummte er und richtete sich auf. Er erwartete einen Ausruf der Freude.
Stattdessen sah Majikku ihn mit schmerzverzerrtem Blick an.
“Aua.”, murmelte sie und hielt sich das Handgelenk vor die Brust.


Er atmete langsam aus. “Zeig mal her” Sie legte ihre Hand in seine. Akribisch betrachtete er ihr Handgelenk, drehte es und dann grinste er schief.
“Wahrscheinlich hast du dir eins der Bänder gezerrt. Oder es ist sogar verstaucht. Das passiert, wenn man mit Kraft zuschlägt. Deswegen musst du es trainieren.“
“Hör auf dich darüber zu freuen.”, brummte sie.
“Auf keinen Fall. Es heißt nämlich, dass du richtig zugeschlagen hast.”, belehrte Law sie.
“Überhebliches Arschloch”
“Hast du noch andere Bezeichnungen für mich, wird mir echt langweilig”, er deutete ein Gähnen an. Sie schlug ihm gegen den Oberarm. Hielt sich aber sofort wieder das Handgelenk. “Verdammte Scheiße!”
“Komm mit, ich mache dir einen Verband.”
“Ähm..ich gehe vorher lieber duschen.”, sie wandte sich zum Gehen.
“Tu dir dabei aber nicht weh, Prinzessin.”, rief Law hinterher.
Sie hob den Mittelfinger ihrer gesunden Hand, bevor sie hinter sich die Tür des Trainingsraums zuschlug.
Gut. Jetzt hatte er Zeit, seine Gedanken zu sortieren.



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Lange Funkstille Ende. Extra langes Kapitel als Versuch der Wiedergutmachung hoffentlich erfolgreich.
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