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Ozean Love

von Kazume
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Trafalgar Law
10.03.2020
17.05.2022
61
82.226
60
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Dieses Kapitel
1 Review
 
04.06.2021 1.452
 
Majikku hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.
Staubige Luft atmend kletterte sie zum wiederholten Male die hölzernen Sprossen der Leiter hinauf. Langsam glitten ihre Finger von links nach rechts über die alten Buchrücken, während sie leise murmelte. „RG…RH…RI…. Rimth. Hier hast du dich also versteckt.“
Langsam zog sie den schweren Wälzer heraus. Der dabei aufgewirbelte Staub tanzte in der Nachmittagssonne, welche durch das vergilbte Fenster fiel.
‚Die besondere Navigation in den Strömungen der Grandline – von Arthur Rimth‘, stand in aufwändiger Schrift auf dem dunkelbraunen Ledereinband geschrieben. Während des Abstiegs klemmte das Buch unter ihrem Arm und wanderte kurz darauf auf einen großen halbrunden Tisch, welcher das Sammelsurium aus mindestens zwanzig weiteren Büchern, Papierrollen und Karten trug.
An seiner Kante lehnte das Nodachi des Piratenkaisers. Die roten Bänder der Schwertscheide hingen ebenso unmotiviert herab wie Majikku sich fühlte. Sie waren schon einige Stunden hier und es war noch kein Ende in Sicht. Sie seufzte.

Eigentlich hätte sie es wissen müssen. Bepo hatte sich doch sehr auffällig verhalten. Aber warum hatte sich der Eisbär lieber zurückgezogen anstatt mit ihr zu reden, wo sie sich ansonsten doch alles erzählten? Ratlos steuerte Majikku auf das Regal zu, rupfte energisch die Holzleiter aus dessen Schiene und hakte sie in das Gegenüberliegende ein.
‚Außerplanmäßiger Landgang‘, äffte sie den Chirurg des Todes gedanklich nach.
‚Weil er noch was zu erledigen hätte.‘, hatte Law beim Frühstück gesagt. Sie stapfte die Leiter empor. ‚Pah!‘ Der Vize hatte die Orientierung verloren und das scheinbar nicht zum ersten Mal.
Am frühen Morgen war Bepo bei Law im Büro aufgetaucht und hatte es ihm gebeichtet. Mit den dazugehörigen Selbstzweifeln, wie Majikku vermutete. Und da der ehemalige Samurai den Posten des Navigators niemals jemand anderem als seinem fellbesetzten Freund anvertrauen würde, hatte er kurzerhand beschlossen, die nächste Insel mit einer Bibliothek anzusteuern, wenn sie auch – wie diese Insel hier – ansonsten nichts zu bieten hatte.

Sie betrachtete das Papier in ihrer Hand, auf welchem der Schwarzhaarige die notwendige Literatur aufgelistet hatte. Das hatte er ihr vorhin in die Hand gedrückt. Und dann erst war die Erklärung gefolgt. Das war auch das letzte Mal, dass sie miteinander gesprochen hatten. Seitdem hörte sie lediglich seine Schritte auf dem Parkettboden der alten Bibliothek klacken, während er, ebenso wie sie selbst, von Regal zu Regal lief. Es war keineswegs ein unangenehmes Schweigen, obwohl sich Majikku fest vorgenommen hatte, ihn früher oder später zu erdolchen, nachdem er ihr so vor den Kopf gestoßen hatte. Sie schüttelte denselben und zwang ihre Gedanken zur Konzentration. Das hier war wichtig. Für Bepo.


Der schwarzhaarige Kapitän zog ein hellgrünes heftartiges Büchlein aus dem Schrank, in welchem auch die Karten aufbewahrt wurden und steuerte damit auf die Mitte der Bibliothek zu, wo Majikku auf einem übergroßen Sessel saß und bereits mit dem Sortieren begonnen hatte. Ihre Stirn lag in Falten, während sie konzentriert die Seiten durchblätterte.

Die restlichen Hearts hatten keine Ahnung, was ihr Kapitän auf dieser mickrigen Insel erledigte, aber er hatte bereits angekündigt, dass es überaus zeitintensiv wäre. Generell war es ihm völlig gleich, was die Crew von ihm hielt. Besser sie hassten ihn für seine Launen, als dass die zugegebenermaßen bescheidenen Navigationsfähigkeiten seines Vizen bekannt würden. Und auch wenn Law jedes Mitglied gleichermaßen schätzte, wirklich belesen waren nur die wenigsten. Und niemand davon stand Bepo nahe genug, dass er dieses Geheimnis für sich behalten hätte. Da blieb nur Majikku. Und sie hatte seiner Bitte sofort zugestimmt. Trotz ihrer vorangegangenen. . .Differenzen.
Er schmunzelte bei dem Gedanken daran, wie sie aufgrund seiner Nähe plötzlich verstummt war. Und gleichzeitig ärgerte er sich darüber, dass er diesen Dingen so viel Bedeutung zumaß.

~

Es dauerte noch gut zwei Stunden, bis sie alles zusammengetragen und sortiert hatten. Abschriften, Karten, Anleitungen. Alles was Bepo brauchen würde. Während Law bereits mit dem Kopieren der entsprechenden Ausschnitte begann, drängte sich das nächste Problem auf: irgendwer musste den Inhalt mit dem Eisbären durchkauen. Und aus unerklärlichen Gründen, hatte der Plüschmützenträger Majikku dafür vorgesehen.
„Deinen Optimismus in Ehren, Law, aber wie soll ich Bepo etwas beibringen, von dem ich selbst absolut keine Ahnung habe?“, fragte Majikku seufzend als sie eine Sternenkarte vor sich betrachtete. Das waren einfach helle Punkte, die ihr ähnlich viele Informationen lieferten, wie die Maserung des Holztisches.
„Er ist kein schlechter Navigator. Er braucht nur eine kleine Auffrischung.“, antwortete Law und drehte dabei beiläufig ihre Karte herum, sodass sie nun richtig lag.
Was Majikku absolut nicht weiterhalf.
„Wir sind die letzten 400 Meilen im Kreis gefahren.“, bemerkte sie.
„Weil er die Strömungen nicht kannte. Dafür ist ja das hier.“, dabei tippte er mit seinem langen Zeigefinger auf einen alten Schinken mit braunem Einband.

Law sah die Verzweiflung in Majikkus Blick bevor sie die Luft angestrengt aus ihren Lungen ließ. Sie fuhr sich mit den Händen durch das dunkelblaue Haar, welches dabei wie Siede schimmerte. Die tiefstehende Sonne streifte ihr Gesicht und hob ihre Schönheit so sehr hervor, dass dem Schwarzhaarigen nichts anderes übrig blieb als sie stumm zu betrachten. Dieses Bild wollte er sich ganz genau einprägen.
„Na dann…“, murmelte sie, ohne ihren Blick zu heben. Sie band sich mit geübten Händen einen hochsitzenden Pferdeschwanz, wodurch ihr schlanker Hals freigelegt wurde. Der plötzliche Drang sie zu berühren, ließ seine Finger zucken.
„…schauen wir mal, was Herrn Rimth mir so über die Strömungen der Grandline zu berichten hat.“
Die Blauhaarige öffnete das Buch und begann hochkonzentriert dessen Inhalt zu studieren. Und Law schaffte es erst nach mehreren Seiten seinen Blick von ihr zu lösen und sich ebenfalls der Arbeit zuzuwenden. Genauso wie Bepo an seinen Navigationsfähigkeiten würde er selbst wohl an seiner Selbstbeherrschung arbeiten müssen.

~

Die Sonne hatte sich von der hiesigen Hemisphäre längst verabschiedet als die schwere Holztür der Bibliothek hinter ihnen ins Schloss viel. Gierig sogen Majikkus Lungen die kühle Nachtluft ein. Law trug einen Rucksack voll Wissen und sie ihre Tüte mit Schokolade, während sie langsam in Richtung der Death schlenderten.
„Du kennst das nächste Ziel, Majikku.“, begann der Schwarzhaarige auf halber Strecke.
„Wenn du morgen mit Bepo beginnst solltet ihr binnen einer Woche eine ordentliche Route geplant haben.“
Skeptisch sah sie ihn an. Aber er schien es tatsächlich ernst zu meinen.
„Ich werde mein Bestes geben. Aber ich verstehe nicht, wieso du das nicht übernimmst. Schließlich kennst du dich mit der Thematik zumindest ein bisschen aus. Und außerdem war es deine Idee, das darf Bepo doch ruhig wissen.“
„Darf er nicht.“, antwortete Law ruhig, heftete seinen Blick dabei fest auf den schwarzen Horizont. „Bepo würde sich sicher wieder Vorwürfe machen. Wie damals bei der Sache mit den Seekönigen. Er soll nicht denken, dass ich enttäuscht von ihm wäre.“
„Du bist wirklich ein guter Freund, Law.“, sprach Majikku ihre Gedanken laut aus.
Abrupt blieb der Schwarzhaarige stehen. Sie tat es ihm gleich. Er sah sie direkt an. Durchbohrte sie mit eisigem Blick.
„Ich bin einiges, aber sicher nicht gut. Für niemanden.“, sein Tonfall war ernst. Das Adjektiv klang abfällig, beinahe beleidigend.
‚Daher weht also der Wind‘, dachte Majikku und versuchte sich diese Erkenntnis nicht anmerken zu lassen.

Law stellte sich bereits auf ein Wortgefecht ein, als die Tätowierte nur mit den Schultern zuckte.
„Red dir das ruhig ein, wenn du damit besser in den Schlaf findest.“, sagte sie.
Und noch bevor er etwas erwidern konnte, hatte sie ihren Weg in Richtung des Schiffes bereits fortgesetzt. Stumm schloss er zu ihr auf und betrachtete sie von der Seite. Ihr Gesichtsausdruck wirkte neutral. Beinahe entspannt. Und das trotz der anstrengenden Stunden in der Bibliothek. Für die er sich bisher nicht mit einem Wort bedankt hatte. Aber er war schließlich kein gutherziger Samariter sondern ein Pirat. Von ihm erwartete sie es wohl nicht einmal. Und dennoch war da dieser Drang…

„Majikku?“
Sie drehte ihren Kopf zu ihm. Und plötzlich begannen ihre Augen zu strahlen. Dieses unnatürliche Türkis schien wahrhaftig eine eigene Lichtquelle zu besitzen. Ob seine Faszination darüber wohl irgendwann einmal verschwinden würde? Wahrscheinlich nicht. Breit grinsend sah die Blauhaarige ihn an.
„Was sieht mein geschultes Auge denn da?“, fragte sie offensichtlich rhetorisch und deutete in die Richtung, in die sich Law sowieso gerade drehen wollte. Hätte er sich eigentlich denken können, dass sie nicht ihn so angestrahlt hatte. Sondern das hell erleuchtete Gebäude an der Küste. Eine Kneipe.

Law seufzte gespielt genervt. Nach den zermürbenden Stunden in der Bibliothek könnte er ein kühles Bier ebenso vertragen wie seine versoffene Begleiterin.
„Na schön. Auf alte Zeiten.“, gab er dem Zug der Blauhaarigen an seinem Ärmel nach.

„Du zahlst! Natürlich nur der Nostalgie wegen.“, bemerkte Majikku grinsend als sie kurz darauf über den klebenden Boden zu ihrem Platz schritten.
Der ehemalige Samurai verdrehte die Augen, spürte aber sein eigenes Lächeln auf den Lippen. Diese Frau raubte ihm noch den letzten Nerv. Und vermutlich auch den letzten Berry.

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