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Ozean Love

von Kazume
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Trafalgar Law
10.03.2020
17.05.2022
61
82.226
60
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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14.11.2020 2.065
 
Wenige Minuten zuvor.

Der Schmerz traf Majikku wie eine Ohrfeige. Ebenso wie die Realität.
Sie stand aufrecht, spürte Zorros Wärme an ihrer Seite. Ihr Hinterkopf pochte ebenso dumpf wie ihr unterer Rücken und doch kam dem nur ein Bruchteil ihrer Aufmerksamkeit zu. Denn ihr Blickfeld war plötzlich ebenso scharf wie ihr Geist und sie war sich absolut sicher, dass sie gerade nicht halluzinierte. Es war wahrhaftig Law, der auf der Empore vor einem riesigen Buntglasfenster stand und auf sie herabsah wie ein Todesengel. Und es war dieser Moment, in dem seine sturmgrauen Augen auf ihre trafen, in denen all ihre Sinne auf ein Maximum hochgefahren waren.
Ein schiefes Grinsen bildete sich auf seinen Lippen,  dann löste er seinen Blick viel zu früh von ihrem und sah Ruffy an. Die Geste des Piratenkaisers war unmissverständlich eine freundliche zum Abschied und wie erwartet lösten sich die Hearts eine Sekunde später einfach auf. Law hatte sie mit seinen Kräften teleportiert. Wohin auch immer. Und Majikku hatte das Gefühl, ihr goldener Dolch hätte soeben ihr Herz durchbohrt. Keine Worte zum Abschied, weder von der Crew noch vom Käpt’n. Nur dieser intensive Blick. Und all die Gefühle die er in ihr ausgelöst hatte.

Ihre düsteren Gedanken wurden von der kühlen Nachtluft unterbrochen, die sie so plötzlich umgab. Sie lag in fremden Armen und bewegte sich in unnatürlichen Sprüngen immer weiter auf den Hafen zu. Womöglich war ihr Hauptprozessor doch noch nicht ganz hochgefahren, denn sie benötigte mindestens drei Augenblicke, bis sie realisierte, dass sie gerade tatsächlich in Laws Armen lag und mitsamt der Crew in Richtung des Ozeans geschliffen wurde.
„W-was genau wird das hier?“, fragte Majikku völlig perplex und sprach damit endlich aus, was alle anderen dachten.
„Wonach sieht es denn aus?“, stellte Law die Gegenfrage als wäre deren Antwort absolut trivial. Doch dem war offensichtlich nicht so, denn die Blauhaarige neigte nur fragend den Kopf. Er kam wohl nicht drum herum, sich zu erklären.
„Sie hatten schließlich um eine Entführung gebeten, Mylady.“, erinnerte er sie an ihre Bitte von damals, bevor sie gegen Kaido gekämpft hatten.

Noch bevor Majikku eine Reaktion darauf vergönnt war, erklangen beinahe schmerzhaft laut die Jubelrufe der Hearts, die ihrem Käpt’n gespannt an den Lippen gehangen hatten. Die Tätowierte riss ihre Augen ungläubig auf, als sie in all die vertrauten Gesichter blickte, die sie erwartungsvoll ansahen. Da waren Penguin, Shachi und Uni, die sich aufrichtig zu freuen schienen und dann endlich sah sie ihn. Bepo. Schüchtern hob er zur Begrüßung seine Pfote und schenkte ihr ein schwaches Lächeln.
Majikku wurde warm ums Herz. Jeden Tag hatte sie ihre Kameraden vermisst. Und deren Käpt’n.

Law trug sie auf seinen Armen und sah sie permanent an. Als könnte er selbst nicht glauben, dass er sie gerade tatsächlich raubte wie eine Prinzessin. Als die Blauhaarige ihn direkt ansah und vor Freude zu strahlen begann, erhellte sich auch seine Miene zu einem wahrhaftigen Lächeln.
Beinahe hätte Penguin sich die Augen gerieben. Das bildete er sich doch gerade ein.
„Sofort ablegen und abtauchen!“, gab der ehemalige Samurai den Befehl, als sie mit dem letzten Sprung auf dem Deck der Death angekommen waren. Den grinsenden Unterton konnte er dabei nicht vollständig aus seiner Stimme verbergen.
„W-wartet!“, rief Majikku, stoppte so abrupt das übliche geschäftige Treiben auf dem Deck. Acht Augenpaare lagen nun skeptisch auf ihr. In allen lag dieselbe Frage. Würde sie bleiben wollen?
Penguin vermochte es sich vorzustellen. Er hatte sie als überaus aufgeschlossen kennengelernt, vermutlich hatte sie bei den Strohhüten schnell Anschluss gefunden. Zudem hatte Law sie noch immer nicht offiziell gefragt, ob sie ein Mitglied der Hearts werden wollte. Wer könnte er ihr da verdenken?


Obwohl sie längst auf dem Schiffsdeck angekommen waren, hielt Law sie noch immer in den Armen. Ihr Gewicht schien ihm absolut keine Probleme zu bereiten. Bei dem trainierten Körper wunderte sie das wenig. Innerlich tadelte sie sich für diesen Gedanken.
„Ich habe noch meine Sachen auf der Sunny.“, sagte Majikku mit einem breiten Lächeln im Gesicht, wusste sie doch, dass ihre Aussage als Zustimmung für diese Entführung zu verstehen war. Wieder frohlockten die Hearts. Und auch Law lächelte. Keins seiner schiefen und teilweise arroganten oder unnahbaren Lächeln. Nein. Es war ein ehrliches und aufrichtiges. Und es galt nur ihr.
Und dahin war alles, was sich die Blauhaarige so mühselig eingeredet hatte. All die Beleidigungen, die sie dem schwarzhaarigen Kapitän im Geiste gegeben hatte. Genau wie die Vorsätze, nie wieder mit ihm zu sprechen oder ihn bei der nächsten Gelegenheit rückhaltlos zu verprügeln.

Shachis Mundwinkel begannen bereits zu schmerzen.  Seinen Käpt’n so glücklich zu sehen war ungewohnt, aber es überraschte ihn wenig. Schließlich hatte er bereits einen Verdacht woran es lag. Langsam – und vielleicht etwas widerwillig – stellte Law seine geraubte Majikku auf die Beine.
„Shachi, Penguin!“, rief er, ohne eine Sekunde den Blick von ihr zu lösen.
Die beiden Angesprochenen verstanden sofort. „Zu Diensten Käpt’n!“
Majikku schilderte kurz und prägnant, wo ihre wenigen Habseligkeiten zu finden waren. Dabei legte besonderen Wert darauf, dass Shachi ihre persönliche Habe aus ihrer Nachttischschublade nicht vergaß.
„Ihr habt zwei Minuten.“, sagte Law und ließ die beiden in einem neu erzeugten Room verschwinden.
Ein Glück, dass die beiden Schiffe direkt nebeneinander geankert hatten und ihm so diese zeitsparende Möglichkeit einräumten.

Der Teil der Hearts, der auf der Death zurückgeblieben war und die Räuber an der seitlichen Klippe abgeladen hatte, hatte natürlich keine Ahnung von Laws taktischer Kampfansage gegenüber Ruffy, sodass sie schlichtweg aus Gewohnheit neben dem Schiff ihrer Allianz angelegt hatten. Später würde sich herausstellen, dass die auf dem Thousand Sunny verbliebenen Strohhüte eine Rundführung durch die Death erhalten und Lysopp scheinbar großen Gefallen an Ikakku gefunden hatte, als diese zufällig im Maschinenraum aufeinandergetroffen waren. Zumindest erzählte man es sich so. Ikakku stritt es jedoch vehement ab.


Während die Hearts zwei ewig lange Minuten auf Penguin und Shachi warteten, betrachtete Law Majikku aufmerksam. Wie sich ihre gelockten Haare teilweise aus der Hochsteckfrisur gelöst hatten und im Wind um ihren Hals tanzten. Wie das Kleid jeden verdammten Zentimeter ihrer sowieso schon sündhaften Figur betonte und wie es ihm in den Fingern juckte, sie zu berühren.
Glücklicherweise bemerkte sie seinen Blick nicht und nachdem die beiden Entsandten zeitig zurückgekehrt waren, folgte sofort die Ansage zum Ablegen.
Law hatte einen Vorwand zum schnellen Ablegen gemurmelt, wollte er doch nicht das irgendjemand – insbesondere nicht Majikku – bemerkte, wer da gerade über das Festland in ihre Richtung gerannt kam. Und zwar in einem unnatürlichen Tempo. Der Chirurg des Todes wurde nervös. Welch Ironie. Der Grünhaarige Strohhut und die Blauhaarige hatten sehr vertraut miteinander gewirkt. Noch mehr als sowieso schon. Und Law hatte schlicht zu wenige Informationen um das Risiko adäquat zu verifizieren, aber wenn es jemand schaffte, sie zum Bleiben zu überreden, dann würde es wohl der Schwertkämpfer sein. Und das wollte er unbedingt verhindern. Also scheuchte er seine Crew förmlich unter Deck und ordnete das Abtauchen erstmals an, bevor tatsächlich alle an Bord und die Luke geschlossen war. Als Ergebnis zog er als letzter die metallische Dachtür hinter sich zu und bekam bereits ein paar Spritzer der Gicht ins Gesicht. Dafür vernahm außer ihm wohl niemand den verzweifelten Ausruf von Lorenor Zorro.

~

Im Inneren des Schiffes umringten alle die Tätowierte. Drückten sie herzlich und redeten wild durcheinander. Sie hielt sich wirklich tapfer. Bis Bepo an der Reihe war. Dann rannen Freudentränen über ihre Wangen, als sie sich endlich in den Armen lagen.
„Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung.“, murmelte der Eisbär wie ein Mantra.
„Endlich habe ich dich wieder….“, schluchzte Majikku und strich ihrem Freund über den fellbesetzten weißen Rücken „…meine kleine Wolke.“

Das freudige Wiedersehen wurde unterbrochen, als Law langsam die Leiter hinabkletterte und sich dann lässig dagegen lehnte. Aufgrund seiner überaus schlechten Laune und der Reizbarkeit in der vergangenen Zeit, waren alle äußerst angespannt. Er war momentan unberechenbar, mehr als sowieso schon. Skeptisch betrachtete seine Crew ihn, Majikku ignorierte ihn jedoch absichtlich.
„Uni?“, sprach sie den großen Smutje an, der direkt neben dem Käpt’n stand. „Wie viele Tage habt ihr eigentlich gefeiert als ihr die News erfahren habt?“
Betretene Stille im Flur.
„Sagt bloß, es ist so sehr eskaliert, dass ihr euch nicht mehr erinnert!“, ungläubig blickte Majikku zwischen ihren Kameraden hin und her. Bis auf das ausgedehnte Saufgelage unterm Sternenhimmel damals in der Elysiumströumg hatte sie keine richtige Party mit den Hearts gefeiert.

„Nicht direkt…“, murmelte Uni betreten und richtete seinen Blick zu Boden.
„Spuck es schon aus, Uni“, forderte Majikku mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. Scheinbar merkte sie nicht, wie die Stimmung langsam zu kippen drohte.
„Genaugenommen-“, begann der Smutje zögerlich und warf einen prüfenden Seitenblick auf seinen Chef, wägte ab, ob er eine ehrliche Antwort womöglich mit körperlichen Schmerzen bestrafen würde.  
„Ehrlich gesagt haben wir nicht gefeiert.“, ergänzte der Rothaarige, der sich aufgrund seiner Position am anderen Ende des Flurs sicherer fühlte.
„WAS?!“, ungläubig starrte sie Shachi an. „Ihr wollt mir ernsthaft verklickern, dass ihr nicht gefeiert habt, dass Law der neue Piratenkaiser geworden ist?“
Die zu Boden gerichteten Blicke beantworteten ihre Frage in derselben Sekunde, in der sie sie ausgesprochen hatte.

Selbstsicher stapfte sie zu Law und baute sich vor ihm auf. Sie stemmte die Hände in die Hüften.
Sie hatte mit dem Schwarzhaarigen sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen, nachdem er sie so mir nichts dir nichts bei den Strohhütten gelassen hatte. Den wütenden Blick, mit dem sie ihn gerade strafte, musste sie also gar nicht spielen.
„Das glaube ich jetzt nicht!“
Law zuckte nur mit den Schultern und wand sich ohne eine Miene zu verziehen zum Gehen.
„EY!“, blaffte sie ihn an und wollte gerade nach seinem Ärmel greifen, als er sich in einer schnellen flüssigen Bewegung umdrehte und sie böse anfunkelte. Die anwesenden Hearts hielten ihre Luft gespannt an. Die Blauhaarige missachtete seine Autorität und er war momentan alles andere als gnädig gestimmt. Wie würde er also reagieren?

„Sei nicht so respektlos, sonst schmeiße ich dich direkt wieder über Bord.“, zischte er und niemand zweifelte daran.
„Als ob. Dann hättest du dir sicherlich nicht die Mühe gemacht, mich zu entführen, Law.“, entgegnete Majikku mit einem Augenzwinkern.
„Du bildest dir ganz schön was ein. Du bist nur hier, weil Bepo todunglücklich war und mir mit seinem Geheule auf die Nerven gegangen ist.“, er verengte die Augen zu Schlitzen. „Und es heißt Käpt’n.“
Für ihn war das Gespräch an dieser Stelle beendet. Mit sicheren Schritten schob sich der Plüschmützenträger zwischen den Hearts hindurch, die ihm auf seinem Weg zur Kajüte im Weg standen. Doch Majikku hatte nicht die Absicht, es an dieser Stelle auf sich beruhen zu lassen. Sofort tauchte sie an seiner Seite auf.
„Sag mal…Käpt’n…“, sprach sie ihn mit übertrieben unschuldiger Miene an.
Law hob nur aufmerksam eine Augenbraue.
„Bin ich jetzt eigentlich ein vollwertiges Crewmitglied?“

Der ehemalige Samurai blieb stehen und sah sie an. Im Hintergrund wartete der Großteil der Crew und betrachtete das Konstrukt aufmerksam. Worauf wollte sie hinaus? So schwer von Begriff war sie normalerweise nicht. Nun womöglich war sie unsicher, schließlich hatte er sich mit seiner Entscheidung selbst überrascht, oder sie war schlicht stärker auf den Kopf gefallen als er angenommen hatte.
„Ja.“, war daher seine rationale Antwort. Ein Fehler.
„Wie wundervoll!“, rief Majikku aus und klatschte glücklich in die Hände. „Ich habe gehört, ein neues Mitglied wird bei uns Heart-Piraten mit einer fetten Party gefeiert.“
Wildes Geschrei dröhnte hinter ihr durch das ganze U-Boot. Jubel und Gelächter mischten sich gleichermaßen.
„Wir haben dich so vermisst, Majikku!“, riefen Shachi und Penguin, während sie vor Lachen beinahe weinten. Fest drückten sie ihre Freundin. Endlich wurde Law wieder die Stirn geboten.

Der rollte genervt mit den Augen. Er hatte es ihr nie erzählt, aber er erinnerte sich noch bildlich daran, wie er die Blauhaarige seiner Crew erstmals vorgestellt hatte. Gerade weil diese Situation der jetzigen so sehr ähnelte. Und er wusste, dass er damals die Feier verboten hatte. Mit der Begründung, dass sie nur ein Gast wäre. Verdammt möge sie für ihr gutes Gedächtnis sein. Law versuchte erfolglos sich sein Lächeln zu verkneifen. Er hatte seit Ewigkeiten mal wieder gute Laune und gegen ein ordentliches Saufgelage eigentlich nichts einzuwenden.
„Na schön.“, brummte er. Kurbelte die Freudenrufe damit nur weiter an.
„Aber erst laufen wir anständig aus dem Hafen aus und gehen auf Tiefkurs.“, warnend betrachtete er seine Crew, aber der Schalk saß fest in seinen Augen. „Und dass mir nicht wieder jemand vors Büro kotzt.“
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