Redemption

von BonnyB
OneshotDrama / P12
Arthur Morgan
10.03.2020
10.03.2020
1
1.262
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
10.03.2020 1.262
 
,,Liebe Bürger von West Elizabeth. So versammeln wir uns heute hier um bei der Hinrichtung von Lyle Morgan beizuwohnen. Ein Dieb, Mörder und Barbar. Das Gesetz soll uns schützen, doch manchmal muss auch dieses barbarisch sein um der Brutalität gerecht zu werden.“
„Hängt dieses Schwein!“, rief eine Frau in einem beige, braunen Kleid voller Inbrunst. In ihrer Stimme lag Hass und Verachtung.
Ein bäuerlich gekleideter Mann nickte ihr zustimmend zu, ohne dabei den Blick von dem Mann der gleich gehängt werden sollte abzuwenden. Gierig schaute die Menschenmeute zu dem zu Tode Verurteilten Mann hinauf, um bloß nicht zu verpassen, wie der Henker den Hebel betätigt der die Falltür unter seinen Füßen öffnen würde.
Ein Junge von 11 Jahren tat es ihnen gleich. Nicht aus Sensationslust, sondern vielmehr um sich die letzten Momente seines Vaters einzuprägen. Vielleicht wäre es besser er wäre nicht erschienen aber etwas Zwang ihn hierher.
So kann es nicht enden, bitte nicht! Ich war ein Narr, so ein Idiot.. Bitte nicht, oh Gott hilf mir! Lyle Morgan sah durch die Mengen und erkannte seinen Sohn unter ihnen. Der Verurteilte sah zu seinem Sohn hinab, direkt in seine blauen Augen. Ein Tuch das ihm um den Mund gebunden war hinderte ihn daran zu reden, dennoch gab er sich Mühe und versuchte es. „Vergib mir Arthur..“. Ein unverständliches murmeln, unmöglich zu verstehen, war alles was die Ohren seines Sohnes erreichten. Wut und Verzweiflung kochten in Lyle Morgan auf. Flehend schaute er abwechselnd zu Arthur und zu dem Henker in der Hoffnung er würde bloß noch seine letzten Worte an Arthur richten können.Oh Arthur, mein Sohn, mein einziger Sohn, vergib mir das ich ein furchtbarer Vater war.. Überrumpelt von seinen Gefühlen der Schuld senkte er den Kopf und schaute auf den Boden.  Verdammt.. Ich kann nichts mehr tun. War es das wirklich? Wird es so mit mir zuende gehen? Wieso bist du hier Arthur, hasst du mich so sehr? Natürlich hasst du mich.. Ein zynisches lächeln trat auf seine Lippen. Ich habe mir schließlich beste Mühe gegeben das du mich hasst. Bitte, Sohn.. Vergib mir.
„Wie lange dauert das denn noch ich muss zur Arbeit“, sprach ein weiterer genervter Mann direkt vor dem Podest und unterbrach dabei seine Gedanken.
Der Henker ließ seine Hände über den Hebel fahren und hielt diesen fest.
Arthur sah noch ein letztes Mal zu seinem Vater hinauf doch er konnte es keinen Moment länger ertragen, er konnte ihm einfach nicht zusehen wie er zappelnd am Strick hängen würde.
„Möge der Herr seiner Seele gnädig sein“, beendete der Pfarrer seine Rede.
Er wand sein Gesicht ab und schaute zum Himmel. Er wunderte sich über sich selbst, schließlich war er genau dafür hergekommen. Er wollte seinem Vater zusehen wie er sterben würde und jetzt fehlte ihm die Kraft dazu.
Er hörte wie der Henker den Hebel betätigte und das erstickende schreien seines Vaters durch den Knebel.
„Na endlich“, sagte der Mann. „Wurde auch langsam Zeit.“
Tropfen benetzten die Haut des Jungen. Es regnete nun schon seit Tagen in West Elizabeth doch heute besonders ergiebig.
Arthur kniff die Augen zu und schickte Stoßgebete es möge schnell vorbei sein.Du hast es verdient, du hast es verdient! Wiederholte er innerlich immer wieder und wieder, bis es auf einmal ganz leise wurde, ohne das er es bemerkte. Er hörte keine nach Luft ringenden Geräusche mehr, kein ziehen am Seil durch das wilde zappeln eines Mannes der um sein Leben kämpfte.
Arthur musste sich  zwingen seinen Kopf zu senken und wieder zu ihm zu sehen.
Da hing sein Vater nun, schockiert über den Anblick der sich dem Blonden bot, konnte er seinen Blick nicht abwenden. Seine sonst blauen Augen waren jetzt blutunterlaufen und starrten Arthur leblos an. Sein Gesicht war bläulich gefärbt und sein Körper hing schlaff hinunter.
Das hast du nun davon dämlicher Idiot! War es das was du wolltest? Du hast mich alleine gelassen. Wieso? Wieso lässt du mich alleine.. Ich habe nichts mehr, GARNICHTS! Nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopf. Sein Körper begann zu beben. Er wollte schreien um seinen Frust Platz zu machen aber er beherrschte sich und verbarg seine Gefühle.
Langsam lichtete sich der Platz, die Leute hatten ihre Show bekommen und gingen nun wieder ihrem Alltag nach.
Die Kleidung des Blonden war inzwischen völlig durchnässt, der Regen war noch stärker geworden. Selbst sein Hut bog sich nach unten durch die eingezogene Feuchtigkeit.
Arthur nahm den viel zu großen Hut, den er bei dem letzten Besuch beim Sheriff von seinem Vater geschenkt bekommen hatte ab und starrte ihn an.
Jetzt prasselte der Regen direkt auf seine Haare welche sofort an seinem Gesicht kleben blieben.
Sein letztes Geschenk an ihn.
Tränen sammelten sich in seinen Augen und das leise Schluchzen eines verzweifelten elfjährigen entglitten ihm. Er blinzelte heftig in der Hoffnung die Tränen würden verschwinden und versuchte seine Traurigkeit hinunter zu schlucken doch der Kloß in seinem Hals zwang ihn die Tränen seine Wangen hinunter laufen zu lassen.
Wütend über den plötzlichen Gefühlsausbruch wischte er sich die Tränen  mit seinem Handrücken weg und setzte den braunen Lederhut wieder auf.
Er gab sich große Mühe das Beben seines Brustkorbes zu unterdrücken welche durch das zunehmende Schluchzen zunahmen doch es schien zwecklos.
Einer der Deputies des Sheriffs lief langsam auf die Leiche seines Vaters zu „geh nach Hause Junge, heute gibt es keine weiteren Hinrichtungen mehr“ und schnitt dabei das Seil durch, wodurch Lyle Morgan zu Boden fiel. Ein dumpfes plumpsen ertönte als er den Boden erreichte.
Der Deputie starrte Arthur noch einen Moment fragend an „hör auf zu heulen und hau hier ab oder bist du taub!? Nicht besser wie sein wertloser Vater“ schüttelte den Kopf und sprang von dem Podest hinunter um Lyle an den Füßen hinter sich zu einer Kutsche zu schleifen. Er musste ihn mit Mühe am Oberkörper hochziehen um ihn auf den Karren zu schieben.
Arthur stand regungslos da und lies den Regen weiter auf sich hinab fallen während das Schluchzen langsam wieder abnahm und Arthur wieder seine Fassung zurück gewann.
„Nie war er da. Hör auf zu heulen blöder Idiot“, flüsterte er leise zu sich selbst um sich wieder zu ermutigen.  Ich brauche dich garnicht, hab ich nie.
Kraftlos sah er sich um und begann die Straße hinab zu laufen. Seine Schritte fühlten sich so schwer an als er in die Richtung seines ehemaligen Elternhauses schritt.
Die ganze Zeit wünschte er sich den Tod seines Vaters. Er hatte ihn verachtet dafür das er nie da war. Nie ein Vater gewesen ist. Ihn oft geschlagen hat, manchmal sogar mit seinem Gürtel. Doch nun vermisste er ihn mehr als er sich eingestehen wollte. Sein Vater war alles was er hatte. Alle seine Erinnerungen waren mit ihm. Die meisten schlecht aber auch wenige gute. Arthur musste daran denken wie sein Vater ihn zum ersten Mal zur Jagd mitnahm. Wie stolz er war als er seinen ersten Hasen erlegte und häutete und wie sein Vater ihm den Kopf tätschelte und ihm sagte er sei ein guter Junge. Wehmut und der Schmerz des Verlustes fraßen sich tief in Arthurs Herz.
Langsamen Schrittes näherte er sich dem Gebäude welches er noch vor kurzem sein Zuhause nannte. Der Wind peitschte ihm ungemütlich und kalt den Regen ins Gesicht weswegen er sich zwang zügiger zu gehen.
Er öffnete das Tor des Zauns und lief hinter das Haus auf die überdachte Veranda, wo er sich zusammenkauerte und an der Wand angelehnt hockte.
Seine Augen brannten von den salzigen Tränen. Er schloss sie um sich zu entspannen und ohne es zu bemerken schlief er allmählich ein..
Review schreiben