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BITTERSWEET

OneshotDrama, Freundschaft / P12
Gabriela Dawson Leslie Shay Matthew Casey Sylvie Brett
10.03.2020
10.03.2020
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3.445
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Dieses Kapitel
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10.03.2020 3.445
 
TITEL: BITTERSWEET
INSPIRATION: Chicago Fire, Staffel 1-2, Leslie Shays Tod
PAIRING: Gabriela Dawson x Matthew Casey
COVER: https://pin.it/5tR7s5M
STATUS: abgeschlossen, korrigiert 25.03.2020

Herzlich willkommen zu einem weiteren Nebenprojekt von mir meine lieben Leserinnen und Leser! Dieses Projekt hat sich in meinem Kopf entwickelt, während ich den One Shot "FOOTSTEPS" geschrieben habe.

Wenn ihr wollt, könnt ihr dort gerne vorbei schauen. Hier ein kleiner Vorgeschmack, was euch dort erwartet: Kellys Blick blieb an der geschlossen Spindtür von Sylvie hängen, beklebt mit "BRETT" und Kelly runzelte augenblicklich die Stirn, während er von einem beklemmenden Druckgefühl in seiner Brust an Leslies Tod erinnert wurde. So groß waren diese Fußstapfen nicht, weswegen es Sylvie gelingen musste, sie zu überschatten, sie zu übertreten und vielleicht sogar zu zertrampeln, damit er endlich Zeit finden konnte, um sich ehrenvoll an Leslie zu erinnern. One Shot, Chicago Fire, Kelly Severide x Sylvie Brett

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen dieses emotionalen Abenteuers. Persönlich bin ich ganz zufrieden mit dem One Shot.

Ich freue mich über eure Meinungen, Ideen, Verbesserungsvorschläge und Inspirationen für weitere Projekte in den Kommentaren!

Viele Grüße, Aliana Trapp

B I T T E R S W E E T

Gabriela Dawson vermisste Leslie Shay, ihre Partnerin auf der Feuerwache 51, ihre Freundin, ihre Gesprächsgefährtin so sehr, dass sie kaum atmen konnte, als Chief Boden ihnen mit ruhiger Stimme Sylvie Brett vorstellte, die Leslies Platz im Rettungswagen, in Zukunft, neben ihr übernehmen sollte.

Als Gabby die ersten Einsätze mit dem Rettungswagen 61 gemeinsam mit Sylvie Brett fuhr, sie auf dem Fahrersitz, wo zuvor Leslie Shay gesessen hatte, verkrampfte und verengte sich ihr Brustkorb. Ihr Brustkorb wurde so eng, dass jeder Atemzug knisternd schmerzte, als würde sie elektrisierte Funken einatmen. Während sie da saß, auf dem Fahrersitz, auf Leslies Platz, konnte sie nur mit Mühe die salzigen Tränen ihrer bitteren Trauer unterdrücken, weil sie sich so einsam fühlte. Obwohl Sylvie nur eine Armlänge entfernt auf dem Beifahrersitz saß, fühlte Gabby sich erschreckend einsam, weil sie es vermisste, scherzend über ihre Kollegen und schwärmend über Matt zu sprechen. Sie vermisste Leslie Shay mit jeder weiteren Sekunde, die an diesem Tag verstrich, mehr und als sie endlich wieder auf der Wache ankamen, schloss sie sich in den Waschräumen ein, um stumm salzige Tränen zu weinen, weil die bittere Trauer sie erstickte.
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Nachdem Gabby eine ganze Woche und mehrere Doppelschichten gemeinsam mit Sylvie Brett im Rettungswagen durch Chicago gefahren war, hielt sie die erdrückende Stille nicht mehr aus, weswegen sie Sylvie nach Schichtende sanft am Arm festhielt und fragte: "Lust auf ein Bier?“

"Ja, gerne", antwortete Sylvie freundlich und erleichtert, irgendwie glücklich, weil sie nicht alleine nach Hause in ihre Wohnung fahren musste, wo sich noch immer Umzugskartons stapelten und ihr Nachbar, dessen Namen sie nicht kannte, lauthals Musik hörte.

Am liebsten hätte Gabby geschrien, dass sie jemanden zum Reden brauchte, jemanden zum Lachen und eine zarte Schulter zum Weinen und Trösten, weil Leslie jetzt seit fast einem ganzen Monat fort war und sich alle anderen merkwürdig verhielten, dass sie darüber scherzen wollte, aber nicht wusste, wie, weil die bittere Trauer sie verrückt machte. Dass sie über Matt und ihre Beziehung sprechen wollte, Leslie aber fort war und dass sie nicht wusste, wie sie sich bei Sylvie verhalten sollte, weil sie Sylvie nicht kannte und ein kleiner Teil von ihr, vermutlich der schützende Ritter ihres Herzens, sie nicht kennenlernen wollte.

Obwohl die Stimmen in ihrem Kopf zittrig protestierten, flehten und unter salzigen Tränen, um eine weitere Schonfrist baten, lud Gabby Sylvie auf ein Bier im Molly's ein, weil ihre Augen von all den Tränen gerötet und ihr Herz erschöpft war.

Während sie gegenüber von Sylvie am Tisch im Molly's saß und hin und wieder nickte, halbherzig lächelte und das Lächeln ihre sonst so strahlenden Augen nicht erreichte, erzählte Sylvie ihr von ihrer Heimat und ihrer Familie. Sie erzählte, warum sie nach Chicago gekommen war und wie glücklich, dass Chief Boden ihr diesen unfassbar großen Vertrauensvorschuss gewährt hatte. Doch Gabby fühlte sich mit jedem weiteren Wort, was Sylvie sprach, unwohler in ihrem Körper, auf merkwürdigste Weise schuldig, weil es sich so anfühlte, als wolle sie Leslie ersetzen.

Sobald Sylvie verstummte, erklangen die leisen, diskutierenden Stimmen in ihrem Kopf erneut und als Gabby plötzlich Leslie in ihren Gedanken flüstern hörte, konnte sie die salzigen Tränen nicht mehr zurückhalten, weil sie Leslie so sehr vermisste.
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Am Samstagabend, an dem Gabby nach einer endlos langen Doppelschicht auf der Feuerwache 51 frei hatte, klingelte es an der Tür, es schellte drei, vielleicht auch vier Mal, bis sie endlich die Tür öffnete. Matts eisblaue Augen funkelten so hell in der schwarzen Dämmerung und dem gedämpften Verandalicht, dass sie von einer erschütternden Gefühlswelle überrollt wurde, die ihre Hände frösteln und ihre Beine zittern ließ. Matt stand vor der Eingangstür, die Hände in den Hosentaschen vergraben, mit diesem kleinen, anziehenden und irgendwie charmanten Lächeln auf den Lippen, sodass Gabby die Hände zu Fäusten ballte und sich an die geöffnete Tür lehnte. Keiner sprach ein Wort, und doch erzählten sie sich mit ihren aufgewühlten Blicken alles, was von Bedeutung war und als Gabby flatternd die Augen schloss, kroch das brennende Knistern der bitteren Trauer wieder an die Oberfläche. Sie hielt die Augen für wenige Atemzüge geschlossen, ehe sie die Lider wieder aufschlug und Matts Blick begegnete. Ohne ein Wort trat Matt erst einen halben, dann zwei ganze Schritte näher, bis Gabby seine Körperwärme, vertraut und schützend, spürte.

"Ich vermisse sie auch", murmelte er belegt und heiser, erschöpft und erdrückt. In seinem Hals kratze und pochte die bittere Trauer, um Leslie Shay. Die stechend brannte, als würde sie ihn ersticken wollen, vor allem, als Gabby ihn mit einem matten Funkeln in den Augen ansah. Kaum hatten die Worte Matts Lippen verlassen, begann Gabbys Unterlippe seltsam zu zittern und sie wankte einen halben Schritt zurück, bevor sie erstickt nach Luft schnappte und die Arme um Matts Oberkörper schlang. Sie vergrub das Gesicht an seiner Halsbeuge, atmete zittrig ein und wieder aus, kniff die Augen zusammen und inhalierte Matts einzigartigen Geruch, der sich in diesem Moment wie zu Hause, wie der sicherste aller Orte, anfühlte und umarmte ihn noch ein wenig fester, weil sie Angst hatte, er würde wieder verschwinden, wenn sie es nicht täte. Mit der rechten Hand knüllte sie den Stoff von Matts Jacke in ihrer Faust zusammen und hielt ihn nah bei sich, weil sie genau diese Nähe brauchte, um sich nicht einsam zu fühlen und Leslie Shay nicht alleine zu vermissen.

Gabby spürte, wie er seine Arme, fest und stützend um ihre bebenden Schultern schlang, eine Hand auf ihrem Hinterkopf legte und behutsam ihren Haaransatz küsste, während die Eingangstür leise ins Schloss fiel. Im halbbeleuchteten Flur, aus dem gedämpft die Melodie der Abendnachrichten im Fernsehen klang, presste Gabby sich ein wenig enger an Matt, weil sie glaubte, den Halt zu verlieren. Die schwere Stille, in den vergangenen Wochen, auf der Feuerwache und ganz besonders im Rettungswagen, weil sie Sylvie noch nicht so gut kannte, ließen ihre Gedanken rastlos diskutieren und streiten, fluchen und flehen. Seitdem Leslie Shay sie und Kelly Severide, aber auch alle anderen Freunde und Kollegen auf der Feuerwache verlassen hatte, lachte sie nur noch selten und wenn, fühlte es sich ein kleines bisschen wie Verrat an, weil sie lebte und Leslie Shay nicht. An manchen Tagen schaffte Gabby es, die lauten und drängenden Stimmen in ihrem Kopf in ein leises Murmeln und Flüstern zu verwandeln, sodass sie die Augen schließen und durchatmen konnte. Doch sobald sie wieder im Rettungswagen, neben Sylvie Brett, saß, wollte sie fluchen und schreien, weil die Stimmen in ihrem Kopf wiederkehrten und Leslie Shay mit ihnen gemeinsam flüsterte.

Sie kniff die Augen erneut, dieses Mal, fester zusammen, in der Hoffnung das Flüstern, und Fluchen zu verdrängen. So sehr Gabby sich auch bemühte, die Stimmen in ihrem Kopf verstummten nicht. Nicht einmal, als sie ihre kühlen Fingerspitzen über Matts Nacken tanzen ließ und sie in seine Haare schob, ihn zärtlich auf den Hals küsste, sodass er leicht zusammenzuckte. Ihre Geste war winzig, aber Matt verstand ohne große Worte, wie dankbar sie ihm für diesen stillen Moment war, in dem keiner etwas sagte, und er zuließ, dass Gabby ihren Gedanken in ihrem Kopf nachhing.

Matt hielt sie stumm, ohne Worte im Arm, streichelte zärtlich ihren Rücken und küsste ihren Haaransatz wiederholt, während Gabby salzige Tränen weinte und bitter um Leslie Shay trauerte. Er schwieg, während Gabby schluchzend weinte und Leslie Shay vermisste. Er presste die Lippen fest aufeinander, weil sich sein eigener Brustkorb verengte und sein Herz stechend schmerzte, weil Gabby so sehr litt und Leslie Shay vermisste.
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Zwei Wochen, nachdem Matt Gabby schweigend in den Armen gehalten hatte, während sie Leslie Shay vermisste, setzte sie sich ins Auto und fuhr zum Friedhof, weil sie die erdrückende Stille nicht mehr aushielt und jemanden zum Reden brauchte. Jemanden, der sie kannte und verstand. Jemanden, der in den richtigen Situationen lachte, kicherte, schimpfte oder die Augen verdrehte. Jemanden, wie Leslie Shay, und doch wusste Gabby, dass sie nie wieder mit ihr sprechen würde.
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Nach ihrem ersten Besuch auf dem Friedhof fuhr Gabby jeden Donnerstag aus der Stadt heraus, um, unter den wärmenden Sonnenstrahlen des kommenden Sommers, mit Leslie Shay zu sprechen. Manchmal erzählte sie Leslie von Sylvie Brett, die jetzt im Rettungswagen saß und freundlich und liebenswürdig war. Gabby wusste, dass sie Sylvie eine faire Chance geben musste, als die bittere Trauer sich langsam minderte und Leslie wieder in ihrem Kopf flüsterte.

Doch an diesem Donnerstag waren die Stimmen in ihrem Kopf wieder unerträglich laut und drängender, sogar stechend, sodass in ihrem Bauch zähe Wut brodelte, als sie Kelly Severide am Grab von Leslie Shay sah. Sie blieb stehen, beobachtete, wie er auf die Knie sank und salzige Tränen bitterer Trauer weinte und Leslie Shay genauso, wenn nicht sogar noch mehr, als sie selbst vermisste.
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"Es reicht, Gabby", mischte sich Matt mit harter Stimme ein und sah sie lange und intensiv an,  als Gabby die Fahrertür des Rettungswagen zuschlug, zu fest und Sylvie anschrie.

"Misch dich nicht ein, Matt", zischte Gabby und hob warnend die Hand, als Matt näher kam, um sie am Arm beiseitezuziehen und zu beruhigen. Matt zögerte zuerst, blieb dann aber stehen und sah zuerst Gabby, dann Sylvie an, die aufgewühlt und verletzt wirkte, aber vor allem verständnisvoll. Sie schwieg, während Gabby fluchte und tobte, weil sie im letzten Einsatz ein kleines blondes Mädchen verloren hatten. Sylvie presste stumm die Lippen zusammen und ließ Gabbys Worte über sich ergehen, während alle sie beobachteten.

Nachdem Gabby aus der Fahrzeughalle gestürmt war, legte Matt eine Hand auf Sylvies Schulter und lächelte entschuldigend. Doch Sylvie schüttelte den Kopf und lächelte dabei so zart und einfühlsam, dass es Matt den Atem raubte.

"Schon okay, Casey", murmelte Sylvie. Ihr Blick schweifte umher, blieb an Kelly Severide hängen, der auf seltsamste Art und Weise die Fahrerseite des Rettungswagens ansah. "Ich verstehe das, wirklich. Ich bin nur hier, weil ihr alle einen hohen Preis dafür bezahlt habt.“

Während Sylvie Brett die aufgewühlten Emotionen auf der Feuerwache 51 ertrug, weinte Gabby erneut stumm salzige Tränen der bitteren Trauer in den Waschräumen, während Kelly Severide am Tisch der Rüstgruppe 3 saß, an Leslie Shay dachte und sie so sehr vermisste.
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Am Abend nach der Schicht auf der Feuerwache 51, in der Gabby geschrien und getobt, geweint und vermisste hatte, klingelte sie an Matts Haustür und küsste ihn viel zu verzweifelt, zu sehnsüchtig und zu drängend, als er die Tür, nach einigen Momenten, öffnete.

Er erwiderte ihren Kuss überrascht und atemlos, weil Gabby ihn so sehr überrumpelte, dass er beinahe einen halben Schritt zurück wankte. Matt legte beide Hände an Gabbys Wangen, ehe er eine über ihr Kinn und danach in ihren Nacken wandern ließ, wo er sie festhielt und erneut küsste. Er küsste sie mehrmals, langsam und zärtlich, sehnsüchtig und leidenschaftlich, bis er glaubte, Gabbys aufgewühlte Gefühle gemildert zu haben. Ihm entwich ein leises Keuchen, als Gabby die Arme um seinen Brustkorb schlang, ihre Finger im Stoff seines T-Shirts vergrub und ihn wiederholt küsste. Sie hinderte ihn daran, auch nur wenige Zentimeter von ihr abzulassen, weil die Küsse sie von den Stimmen in ihrem Kopf ablenkten und sie diese erfrischende Ruhe so sehr genoss.

Matts Brust hob und senkte sich unregelmäßig, während er hörbar ausatmete und seine Stirn gegen Gabbys legte, als er sich langsam von ihr löste. Sein Herzschlag raste, pochte gegen seine Haut und er spürte, wie das Blut durch seine Adern pumpte. Er zögerte einen kurzen Augenblick, als Gabby ihn zu einem erneuten Kuss heranziehen wollte, weil in seinen Ohren ein leises Klingeln summte. Anstatt sie sofort wieder zu küssen, lächelte er sie sanft und warm an.

"Hey", flüsterte er rau von all den Küssen. "Geht's dir gut?", fragte er und zeichnete unsichtbare Muster auf ihre Wangen, hinterließ mit der sanften Berührung seines Daumens eine Gänsehaut.

"Bei dir gehts mir gut, Matt." Ihre Stimme klang ein wenig heiser und trunken wegen all der Küsse, und doch hörte Matt noch immer den bitteren Geschmack ihrer Trauer aus den Worten heraus, weswegen er Gabbys Kuss erwiderte, als sie ihn erneut zu sich heranzog. Er spürte all ihre Emotionen, als er den Kuss vertiefte und mit seiner Zunge zärtlich über ihre Unterlippe leckte. Gabby öffnete den Mund nur so weit, dass er mit seiner Zunge ihren Mund erforschen konnte. Matt küsste sie lange und hingebungsvoll, versuchte die Stimmen in Gabbys Kopf zu verscheuchen und als sie sich noch ein wenig enger an ihn schmiegte, wankte er einen halben Schritt zurück. Sein Rücken stieß gegen die kühle Flurwand, woraufhin er leise stöhnte und Gabby ihm nahtlos folgte.

"Gabby", flüsterte er atemlos und senkte die Stirn gegen ihre, seine Nasenspitze berührte ihre und als er wiederholt mit dem Daumen über ihre Wange strich, spürte er plötzlich vereinzelte, salzige Tränen auf ihrer Haut.

"Es tut mir leid, Matt. Wie können wir glücklich sein, während Leslie fort ist", hauchte sie, als Leslie Shay auf einmal wieder in ihrem Kopf flüsterte.

"Gabby", murmelte er, jetzt leise und weniger heiser, versuchte die salzigen Tränen auf ihrer Haut zu trocknen, sie hinfort zu streichen. "Ich vermisse sie doch auch. Leslie hätte gewollt, dass du glücklich bist", fügte Matt leise hinzu und fragte sich, ob diese bittere Trauer irgendwann ein Ende finden würde. Obwohl er Leslie Shay ebenfalls vermisste, fluchte eine kleine Stimme in seinen Kopf, weil Gabby so sehr litt.

"Ich weiß, Matt."

Aus vereinzelten Tränen wurde ein ganzes Tränenmeer, und ehe Matt sich versah, hielt er Gabby erneut im Arm, während sie salzige Tränen der bitteren Trauer weinte, weil sie Leslie Shay, nach all den Tagen, nach den Wochen, nach diesen zwei Monaten, immer noch so sehr vermisste.
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Einen Tag, nachdem Gabby Matt zuerst amtslos geküsst und später salzige Tränen in seinen Armen geweint hatte, saß sie mit Sylvie Brett im Molly's und gab ihr eine faire Chance. Dieses Mal hörte Gabby zu und lächelte aufrichtiger, als Sylvie ihr von sich erzählte und vielleicht milderte es ihre bittere Trauer, weil Matt sie am Abend zuvor so schützend im Arm und später so zärtlich berührt und geliebt hatte, dass es ihren Schmerz betäubte. Nach all den langsamen und zärtlichen, sehnsüchtigen und leidenschaftlichen Küssen diskutierten und flüsterten die Stimmen in ihrem Kopf nicht, sie schwiegen. Das erste Mal seitdem Leslie Shay fort war, herrschte in Gabbys Kopf friedliche Stille, und so hörte sie Sylvie zu, wie sie über Chicago sprach.

"Hör zu, Sylvie. Ich möchte mich bei dir entschuldigen...ich hab es dir wirklich nicht einfach gemacht. Es ist nur...", Gabby zögerte, biss sich auf die Lippe, weil sie nicht genau wusste, wie sie ihre bittere Trauer und die salzigen Tränen erklären sollte.

"Schon gut, Gabby", Sylvies weiche Stimme klang so verständnisvoll, so zart, dass sie keine weiteren Worte oder Erklärungen benötigte, worüber Gabby sehr froh war. Ihre Mundwinkel hoben sich leicht, verzogen sich zu einem kleinen, dankbaren Lächeln und in diesem Moment fühlte es sich zum ersten Mal so an, als würde ihre Trauer milder werden, nicht mehr ganz so bitter und salzig pochen.
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Am Ende einer endlosen Doppelschicht auf der Feuerwache 51, in der sie wiederholt ausgerückt waren, zu einem schweren Verkehrsunfall und drei Wohnungsbränden, ging Gabby gemeinsam mit Sylvie, und nicht mit Matt, in der Innenstadt frühstücken. Während sie auf der hohen Terrasse eines kleinen, gemütlichen Cafés saßen und die Sonnenstrahlen, hell und wärmend, auf sie herab schienen, lösten sich die salzigen Tränen und die bittere Trauer langsam auf, weil Sylvie langsam zu einer Freundin und Gesprächsgefährtin wurde.
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Anfang September, als die Temperaturen langsam sanken und die Sonne sich öfter hinter Wolken versteckte, fuhr Gabby wie jeden Donnerstag aus der Stadt raus, um mit Leslie Shay zu sprechen. Dieses Mal fuhr sie nicht alleine, sondern gemeinsam mit Sylvie Brett, weil sie nicht alleine erzählen, lachen und scherzen wollte. Sie standen zu zweit vor Leslie Shays Grabstein und während Gabby über Chicago und Kelly Severide sprach, wie sehr er Leslie vermisste und litt, hielt Sylvie Gabbys Hand, weil in ihren Augen salzige Tränen brannten.

Gabby war so unendlich froh, dass Sylvie ihre Hand hielt und sie in eine wärmende Umarmung zog, als die bittere Trauer wieder an die Oberfläche kroch und sie erneut salzige Tränen weinte, weil Leslie ihr, Kelly und allen anderen so sehr fehlte.

Während Sylvie Gabby tröstete, begann sie, allmählich zu begreifen, in was für große Fußstapfen sie getreten war und warum, Kelly Severide es ihr auf der Feuerwache 51, aber auch bei ihm selbst, so schwer machte und so sehr litt.
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Als die letzten wärmenden Sonnenstrahlen den lauwarmen Winden und kunterbunten Baumkronen wichen, es langsam Herbst in Chicago wurde, fühlte Gabby sich auf seltsamste Art und Weise schwerelos, während sie aus dem Schlafzimmerfenster ins Matts Wohnung sah. Das chaotische Hupen der Autos auf den lebendigen Straßen drang nur gedämpft zu ihr durch, obwohl das Fenster geöffnet war, weil sie die letzten Sonnenstrahlen auf ihrer Haut genoss. Während Chicago im morgendlichen Chaos versank, fühlte sie sich das erste Mal, seitdem Leslie Shay fort war, erholt und entspannt. Während in den vergangenen Monaten lautstarke und drängende Stimmen in ihrem Kopf diskutiert und geschrien, gefleht und gebettelt, gemurmelt und geflüstert hatten, herrschte jetzt eine seltsame Friedseligkeit in ihren Gedanken. Ihre rastlosen Gedanken schwiegen, was sich so merkwürdig anfühlte, weil Gabby sich so sehr an das drängende Chaos gewöhnt hatte. Sie öffnete flatternd die Augen und drehte die erwärmte Kaffeetasse in ihren Händen, bevor sie einen Schluck trank und lächelte.

Hinter ihr erklangen dumpfe Schritte nackter Füße auf dem Holzboden, sodass sie leise seufzte, als Matt die Arme von hinten um ihre Taille schlang, den Kopf an ihren lehnte und kurz und sanft ihren Hals küsste. Sie legte ihre Hände über seine, lehnte sich gegen seine Brust, die sie wärmte und genoss den Augenblick. Während die gedämpften Geräusche von den lebendigen Straßen immer leiser wurden, stellte sie die Kaffeetasse auf die Fensterbank und drehte sich zu Matt herum und schlang die Arme um seinen Nacken. Je länger Gabby Matt beobachtete und ihn einfach nur ansah, mit diesem kleinen Lächeln auf den Lippen, löste sich das verengende Druckgefühl in ihrer Brust langsam wieder auf. Das erste Mal, seitdem Leslie Shay fort war, konnte Gabby wieder vollständig ein und ausatmen, ohne ein brennendes Knistern zwischen ihren Rippen zu fühlen. Während das Druckgefühl einer unbekannten, fast vergessenen Weite wich, streichelte Gabby Matts Wange.

"Ich liebe dich, Gabby." Matts Hände schlangen sich um ihren Oberkörper, eine Hand auf ihrem oberen Rücken, die andere an ihrer Wange. Sein Daumen zeichnete Muster auf ihre Haut, da, wo vor so vielen Nächten salzige Tränen gebrannt hatten.

"Ich liebe dich auch, Matt", antwortete Gabby murmelnd und schloss kurzzeitig die Augen, als Matt seinen Daumen über die Kurve ihrer Unterlippe wandern ließ. Ihr stockte der Atem und als Matt sich vorbeugte und sie küsste, seufzte Gabby leise. Ihre Lippen fanden zueinander, bewegten sich im Einklang, während in Gabbys Ohren dumpf das Hupen der Autos klang. Matt küsste sie lange und intensiv, mehrmals und als sie sich atemlos voneinander lösten, zögerte Gabby einen Augenblick, der nur zwei, vielleicht drei Wimpernschläge lang war, weil sie Leslie Shay kurzzeitig so sehr vermisste. Doch als Matt eine Hand in ihre Haare schob, die Finger um ihren Nacken wölbte, verspürte sie das erste Mal, seitdem Leslie fort war, ein süßes Gefühl. Dieses süße Gefühl vermischte sich mit ihrer bitteren Trauer und plötzlich fühlte sich der Schmerz nicht mehr nur bitter oder nur süß an, sondern bittersüß.
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