Total Eclipse of the Heart

GeschichteRomanze / P18
09.03.2020
09.03.2020
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[Anmerkung: Okay, das hier ist ein One Shot, den ich vor einer gefühlten halben Ewigkeite mal geschrieben habe. One Shots liegen mir eigentlich nicht so sehr und ich wollte immer noch eine Story drumherum schreiben, aber manchmal kommt dann doch etwas anderes dazwischen. Zum “Einstauben” auf der Festplatte aber eigentlich auch zu schade und deswegen lade ich es jetzt hoch. Wie immer viel Spaß beim Lesen :) ]

Regina saß noch immer schniefend auf der grässlichen geblümten Couch ihrer Mutter und starrte in Leere. Sie machte sich bittere Vorwürfe und stellte sich immer wieder die selben Fragen:  Warum hatte sie ihre Mutter nicht beizeiten zum Arzt geschleppt? Warum war sie nur auf diesen Selbstfindungstrip in die Karpaten gefahren? Eigentlich hatte ihr dieser Trip nicht wirklich viel gebracht. All das, was sie über sich selbst herausgefunden hatte, wusste sie im Grunde vorher auch schon. Wenn sie nur hier geblieben wäre, dann wäre ihre Mutter jetzt vielleicht noch am Leben. Sie wusste, dass das so nicht stimmte und dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie etwas hätte tun oder ändern können wenn sie Zuhause geblieben wäre äußerst gering war, aber die Gedanken kreisten und ließen sie einfach nicht Ruhe. Das schlechte Gewissen wollte und wollte nicht verschwinden und sie suchte die Schuld bei sich, obwohl es absurd war.

Dirk Matthies sass neben ihr und suchte nach tröstenden Worten. Seine tiefe Stimme redete beruhigend auf sie ein und auch wenn sie gerade nicht wirklich folgen konnte, merkte sie, dass sie langsam ruhiger wurde. Wie absurd, dass sie unter den gegebenen Umständen jetzt hier zusammen auf der Couch saßen. Sie seufzte und schloss für einen kurzen Augenblick die Augen, schneuzte sich und steckte das gebrauchte Taschentuch in ihre Hose.

Er saß steif und unbeweglich neben ihr und wusste nicht recht, was er tun sollte. Wie gerne hätte er sie einfach in die Arme geschlossen, ihr die Tränen weggeküsst und ihr die Geborgenheit gegeben, die sie jetzt so brauchte, aber das konnte er ja so nicht bringen.

Überhaupt kam er sich ziemlich fehl am Platz vor, denn eigentlich war er ja nicht so ganz der richtige für diesen Job. Aber er hatte Renate auch gekannt, vielleicht sogar besser als er ihre Tochter kannte und sie hatten ein gutes freundschaftliche Verhältnis gehabt. Über all die Jahre seit er zum ersten Mal bei Renate vor der Tür stand und sie ihm quasi ihre Tochter schmackhaft machen wollte.

Ach Renate…

Statt sie einfach in den Arm zu nehmen, bewahrte er Distanz und sprach stattdessen leise auf sie ein, sagte ihr immer wieder, dass sie keine Schuld traf und dass alles wahrscheinlich auch genauso gekommen wäre, wenn sie nicht in die Karpaten gefahren wäre. Dass sie nichts hätte ändern können.

Er litt still mit ihr und es brach ihm fast das Herz, sie so weinen zu sehen. Er fühlte sich hilflos. Renates Tod war ein Verlust für alle, aber vor allem für ihre Tochter. Auch wenn die beiden nicht immer das beste Verhältnis zueinander hatten und oft anderer Meinung waren. Er wäre ihr so gerne nahe, stattdessen traute er sich kaum, sich zu bewegen und starrte ins Leere. Er war zwiegespalten.

Auf der einen Seite wollte er sie trösten auf der anderen Seite war sie seine Chefin und das hier war irgendwie ganz dünnes Eis. Er musste einfach auf Distanz bleiben.

Regina schaute ihn aus rot geränderten Augen an und unterdrückte ein Schluchzen. Er saß einfach nur reglos da und sie hätte seine Nähe jetzt so sehr gebraucht. Aber Dirk Matthies wirkte merkwürdig distanziert.

Sie seufzte und rückte etwas unbeholfen ein Stückchen an ihn heran. Wenn er sie jetzt abweisen würde, wusste sie wenigstens ein für alle Mal, woran sie bei ihm war. Sie war ja auch selbst Schuld, denn sie hatte sich all die Jahre von ihm distanziert, obwohl sie eigentlich etwas anderes gewollt hätte. Zumindest hatte ihr die Selbstfindung gebracht, dass sie sich zumindest gewisse Dinge endlich eingestehen konnte, aber dafür war es jetzt auch zu spät.

Dirk Matthies rührte sich nicht und dass noch immer steif und unbeweglich und Regina Küppers befürchtete,  dass er ein Stückchen von ihr weg rücken würde , wenn sie näher kam. Seltsam, dabei sprach er die ganze Zeit beruhigend auf sie ein und tröstete sie zumindest verbal. Aber sie hätte sich gewünscht, dass er sie einfach in den Arm genommen und festgehalten hätte.
Sie robbte sich ein Stück in seine Richtung und kämpfte sich immer näher, machte so lange weiter, bis sein Arm um ihre Schultern zu liegen kam.

"Jetzt nimm mich doch endlich in den Arm!", dachte sie bei sich, aber er reagierte nicht. Sie kam sich vor wie ein Hund, der um die Aufmerksamkeit seines Herrchens kämpft. Die Situation war einfach grotesk. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Der Geruch seines Ledermantels und darunter der typische Geruch von Dirk Matthies. Geborgenheit.

Dirk hielt die Luft an und tausend Dinge gingen ihm auf einmal durch den Kopf. Sie gab auch echt nicht auf!

Was machte sie nun denn? Wie sollte er denn so seinen Widerstand aufrecht halten? Das ging ja nun wirklich zu weit! Auch wenn er mehr für sie empfand als er zugeben wollte, war das hier doch nicht die richtige Situation. Er fühlte sich hilflos. Was sollte er denn jetzt machen? Sie kuschelte sich tatsächlich an ihn. Regina Küppers, seine sonst so distanzierte Chefin für die er so viel mehr empfand als er durfte, kuschelte sich an ihn! Regelrecht aufdringlich und sie machte so lange rum,  bis sein Arm irgendwie um sie gelegt war.

Frau Küppers, also wirklich! Er schluckte und begann instinktiv ganz zaghaft  mit der Hand über ihren Oberarm zu streicheln. Über die weiche Wolle ihrer grauen Strickjacke. Es fühlte sich gut an und mit einem Mal waren wieder alle Gefühle da, die er jemals für sie empfunden hatte. Er war eben auch nur ein Mann. Er schloss die Augen und sprach im Geiste mit sich selbst "Denk an was andres, Dirk Matthies…"

Sie saßen eine Weile so da ohne miteinander zu sprechen. Regina schluchzte von Zeit zu Zeit auf und Dirk hielt sie fest. Irgendwann nahm er seinen Arm von ihren Schultern und veränderte seine Position ganz leicht, um seine Jacke auszuziehen. Es war zwar nicht wirklich warm aber der Ledermantel auf Dauer unbequem. Sie beobachtete ihn und schaute ihn bittend an, so dass er sie gleich wieder an sich zog nachdem er die Jacke über einen Sessel gelegt hatte. Was hätte er auch sonst tun sollen?

Allerdings saß er jetzt deutlich bequemer als vorher denn ohne die schwere Jacke konnte er sich besser anlehnen, denn Regina lag inzwischen halb auf ihm. Sie hatte sich auf der Couch zusammengerollt und den Kopf auf seine Brust gelegt. Er streichelte ihr weiterhin liebevoll über den Arm und schließlich auch über die Haare. Es als wäre die Zeit stehengeblieben. Draußen dämmerte es langsam, aber es schien niemanden zu interessieren. Dirk fühlte sie als wäre er in einer Art Vakuum gefangen. Sie verbrachten gefühlt Stunden in dieser Position und sprachen kein Wort.

Irgendwann richtete sie sich auf und schaute ihn traurig an.

“Herr Matthies, ich will Sie nicht länger aufhalten, Sie haben bestimmt besseres zu tun als mir beim Weinen Gesellschaft zu leisten”, sagte sie tapfer, setzte sich hin  und versuchte zu Lächeln.

Das Lächeln misslang ihr gründlich und sie putzte sich wieder die Nase und unterdrückte ein Schluchzen. Wenn sie jetzt eines nicht wollte, dann war es allein sein in diesem großen Haus.

“Ich habe heute Abend nichts mehr vor, das ist schon in Ordnung”, antwortete er leise während sie sich erneut die Nase putzte.

Ihr Anblick brach ihm fast das Herz. Aus einem Reflex heraus griff er nach dem Papiertaschentuch in ihrer Hand und wischte ihr ganz sanft die Tränen weg.

“Ach Rübchen, Deine Mutter hätte ganz sicher nicht gewollt, dass Du ihretwegen so viel weinst” , seufzte er leise.

Jetzt war ihm einfach das Du rausgerutscht und er hatte sie auch noch bei ihrem Kosenamen genannt. Dirk Matthies, Du bist echt ein Idiot!

“Nein, das hätte sie sicher nicht”, stimmte sie  mit einem zaghaften Lächeln zu und ignorierte das Du und das Rübchen.

Er hatte ja Recht. Er gab ihr das Taschentuch zurück und ihre Hände berührten sich versehentlich.

Die Situation wurde immer peinlicher.

Er lächelte sie schief an und sie erwiderte seinen Blick. Der Blick war tief und ihm lief ein Schauer über den Rücken als sie ihn so ansah. Er sollte jetzt nicht hier sein.  

Regina rückte schon wieder näher an ihn heran. So verdammt nah. Ihr Gesicht kam seinem immer
näher. Das konnte doch nicht sein! Was führte sie denn jetzt im Schilde? Doch nicht jetzt! Tausend Gedanken gingen ihm durch den Kopf und sein Herz raste.

Im nächsten Moment spürte er ihre Lippe auf seinen und schluckte. Die Situation geriet eindeutig außer Kontrolle!

Als sie seine Lippen auf ihren spürte, begann sie sich augenblicklich zu entspannen und die Anstrengungen der letzten Tage fielen auf eine seltsame Art und Weise von ihr ab. Immerhin hatte er sie nicht abgewiesen und war auch nicht zurückgewichen. Es fühlte sich gut an und für den Moment fühlte sie sich geborgen. Warum hatte sie damit so lange gewartet?

Er machte sich von ihr los und atmete tief durch. Sie war so nah bei ihm, dass er ihr Shampoo riechen konnte.Das hier war nicht richtig und er wollte nicht ihr Trostpflaster sein.

Dirk Matthies kämpfte mit sich selbst. Er sollte gehen solange er noch konnte, aber er wollte nicht. Und er konnte sie doch hier jetzt nicht alleine lassen. Aber DAS ging auch nicht.

Schließlich legte er die Arme um sie und zog sie näher zu sich heran. Sie wehrte sich nicht dagegen und schmiegte sich an ihn. Er seufzte tief und schaute sie an. Sie hatte die Augen geschlossen. Öffnete sie für einen  kurzen Moment um seinen Blick zu erwidern. Dann ging sie dazu über, ihn wieder zu küssen.

Diesmal legte sie nicht nur die Lippen auf seine sondern begann zaghaft, seinen Mund mit ihrer Zunge zu erkunden. Er schloss die Augen und ließ es geschehen, erwiderte den Kuss und stupste ihre Zunge zärtlich an. Eigentlich sollte er dringend gehen, schließlich wollte er die Situation nicht ausnutzen aber der Moment war einfach zu schön. Erde an Dirk Matthies, sieh zu dass Du Land gewinnst, ging es ihm durch den Kopf.

Er genoss den Kuss, der unter anderen Umständen das beste gewesen wäre, was ihm seit langem passiert war, aber Irgendwann löste er sich wieder von ihr und schaute sie streng an .

„Ich sollte jetzt wohl besser gehen“, sagte er ernst “Das hier ist nicht richtig und ich will die Situation nicht ausnutzen. Du bist im Moment nicht Herrin Deiner selbst und außerdem bist Du gerade verdammt verletzlich”, fasst er die Situation in Worte.

“Wir könn´darüber reden, wenn es Dir wieder besser geht”, fuhr er vorsichtig fort.

Sie schüttelte den Kopf, fast erschrocken.

„Bitte bleib“, forderte sie ihn auf.

Er seufzte und schloss die Augen um nachzudenken. Als er sie wieder öffnete, fing er den Blick aus ihren blauen Augen auf.

Er schüttelte den Kopf. “Und führe mich nicht in Versuchung”; dachte er bei sich und schluckte.
„Und dann?“, fragte er.

Sie zuckte verloren mit den Schultern.

„Ich möchte heute Nacht nicht alleine sein“, stammelte sie hilflos. “Hier, in dem großen Haus”, fuhr sie fort und ließ den Blick durch den großen Raum schweifen.

“Wir bleiben anständig!”, sagte er schließlich und sie nickte.

Er konnte sie verstehen, seufzte  und suchte fieberhaft nach einer Lösung. Sein Rücken war schon steif und es wurde langsam merklich kühl im Raum. Er würde sicherlich nicht das Gästezimmer mit ihr teilen. Er schaute sich suchend um. Die Couch war nicht sonderlich breit, aber es würde gehen. Kurzentschlossen nahm er  eines der großen Rückenkissen und legte es auf den Boden neben die Couch. Regina stand auf und tat das gleiche mit dem anderen Kissen. Sie fragte sich, was er vorhatte. Er zog die Schuhe aus und legte sich auf die Couch, so weit wie möglich nach hinten, damit sie noch genug Platz hatte. Er klopfte auf die leere Fläche vor sich.

“Es wird hier niemand die Situation ausnutzen”, sagte er ernst und sie nickte.

Sie nahm zwei kleine Kissen von den Sesseln und gab ihm eins. Er legte es unter seinen Kopf und schaute sie an. Sie legte das zweite Kissen ab und kam seiner Aufforderung nach. Am Fussende der Couch lag eine Wolldecke. Diese  breitete sie schließlich vorsichtig über ihnen beiden aus. Als sie neben ihm lag, schloss sie die Augen. Er legte zaghaft den Arm um sie und hielt sie fest. Sie kuschelte sich an ihn.

„Danke“, flüsterte sie und ihre Stimme zitterte.

„Da nich für“, murmelte er und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.

Dieser vertraute Duft. Und jetzt lag sie hier so nah. Er musste verrückt sein, dass er nicht einfach gegangen war. Aber auf der anderen Seite hätte er sie nicht alleine lassen wollen. Unter solchen Umständen. Er streichelte ihr gedankenverloren über den Arm. Inzwischen war es dunkel draußen geworden und der Raum wurde nur durch das Mondlicht erhellt. Unter anderen Umständen wäre diese Situation romantisch gewesen und wer weiß, was sich entwickelt hätte. Dirk Matthies seufzte von ganzem Herzen.

Regina schloss die Augen und entspannte sich. Sie genoss das wohlige Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Er hatte den Arm um sie gelegt und streichelte ganz sanft und beruhigend ihren Oberarm. Warum hatte sie das nicht schon viel früher zugelassen fragte sie sich. Privates und Dienstliches zu trennen war vielleicht doch nicht immer die beste Wahl. Und überhaupt, nur weil es mit Peter nicht gut gegangen war, hieß das ja nicht, dass das hier auch zum Scheitern verurteilt war. Sie seufzte und für einen Augenblick hatte sie das Bild von Dirk Matthies vor sich, schon Jahre her, vor dem Polizeipräsidium. Mit einem Kaktus in der Hand. Sein Dackelblick und das viel zu weit offene Hemd hatte sie ganz schön aus der Fassung gebracht. Ihr Herz schlug schneller.  Warum hatte sie nicht auf ihre Mutter gehört? Weil sie zu stur war, richtig. Ihre Gedanken fingen an zu rasen und drehten sich wieder im Kreis. Sie war sauer auf Muddel und gleichzeitig spürte sie eine tiefe Verzweiflung. Sie kämpfte schon wieder gegen die Tränen an.

Er lauschte ihrem gleichmäßigen Atem. Ob sie eingeschlafen war? Dirk seufzte. Die Situation war fast ein Bisschen unwirklich.. Er empfand so viel für sie, aber sie hatte ihn über all die Jahre immer wieder eiskalt abblitzen lassen. Und jetzt lag sie hier, in seinem Arm. Aber eigentlich auch nur weil sie gerade verletzlich war und Trost brauchte und kein anderer da war. Besser als gar nichts, dachte er verzweifelt.

Wenn es ihr wieder besser ging, würde er mit ihr reden müssen.

Dirk Matthies  hatte aufgehört, sie zu streicheln. Ob er eingeschlafen war? Regina öffnete die Augen und drehte sich vorsichtig um. Viel Platz war auf der Couch nicht, aber es reichte und die körperliche Nähe war angenehm und warm. Es war kalt in dem großen Raum und sie war sich nicht mal sicher, ob Muddel die Heizkosten noch bezahlt hatte oder ob die Heizung gar nicht mehr ging.

Er beobachtete sie neugierig.

„Besser?“, fragte er leise und sie nickte.

Mit einer unsicheren Bewegung strich er ihr mit dem Zeigefinger über das Gesicht. Eine Haarsträhne hatte sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst. Er schob sie ihr zärtlich hinter das Ohr. Sie griff nach hinten und öffnete mit einer fließenden Bewegung den Pferdeschwanz.

“Das solltest Du  nicht tun”, flüsterte er heiser, als sich  die blonden Haare über ihren Schultern ausbreiteten.

Der Moment war viel zu intim. Normalerweise trug sie die Haare auf der Arbeit streng zusammengebunden. Das hier war aber nicht die Arbeit, erinnerte er sich. Das hier war ein Ausnahmezustand.

Regina beobachtete, wie es in seinen Augen aufleuchtete, als sie den Pferdeschwanz öffnete. Sie lächelte zaghaft. Wie seltsam.. Sie beide hier, auf der Couch ihrer Mutter... Muddel würde das sicher gefallen. Sie spürte, dass ihr schon wieder die Tränen in die Augen stiegen und blinzelte sie weg. Dirk seufzte.

„Ach Rübchen“, sagte er leise und hilflos.

Sie stützte ihren Kopf auf die Hand und betrachtete ihn. Sie hatten sich vorhin geküsst und es hatte sich so gut angefühlt, erinnerte sich. Er war nicht zurückgewichen sondern hatte den Kuss erwidert. Da war sie sich sicher. Irgendwo musste also doch ein Funke in ihm gezündet haben. Ihr Herz schlug plötzlich schneller und ihr Bedürfnis nach seiner körperlichen Nähe wurde stärker. Sie rückte so nah an ihn heran, wie es nur ging. Er schaute sie erstaunt an, zog eine Augenbraue hoch.

“Du gibs´nich´auf, was?”, flüsterte er und sie schüttelte den Kopf.

Regina hob vorsichtig ihren Kopf und küsste ihn. Schon wieder. Verdammt, warum noch mal war er nicht einfach gegangen?

Aber statt einfach aufzustehen, erwiderte er den Kuss und legte den Arm um sie. Es fühlte sich irgendwie richtig .

„Es tut mir leid, dass ich Privates und Dienstliches so streng und so lange getrennt habe“ sagte sie leise und ihre Stimme klang rau.

„Das fällt Dir jetzt ein?“, fragte er und grinste schief.

“Besser spät als nie”, flüsterte sie und zuckte mit den Achseln.

Er drehte sich auf den Rücken und schaute nachdenklich an die Decke. Im nächsten Schritt rollte sie sich auf ihn und kniete plötzlich über ihm. Sie beugte sich zu ihm herunter und küsste ihn deutlich  leidenschaftlicher als vorhin.. Er schlang die Arme um ihren Körper  und erwiderte schließlich  ihre Küsse. Die Situation war mehr als gefährlich. Warum ließ er sich darauf ein? . Er atmete deutlich schneller und sein Herz klopfte. Er musste hier schleunigst weg! Er würde sich hinterher Vorwürfe machen, wenn er die Situation jetzt ausnutzte.

Ihre Hände waren plötzlich überall, liebkosten ihn und wanderten schließlich unter seinen Pullover. Instinktiv wanderten seine Hände ebenfalls unter das Shirt, das sie unter ihrer Strickjacke trug. Sie ließ für einen Moment von ihm ab und die Strickjacke fiel zu Boden. Es war zwar frisch, aber sie war erhitzt und ihr war warm.

Ihre Hände gingen anschließend wieder auf Wanderschaft. Dirk schluckte. Es fühlte sich gut an, aber er wollte die Situation nicht ausnutzen. Nicht, wenn sie gerade emotional so zerbrechlich war und er nur eine Art Trostpflaster. Er machte sich vorsichtig von ihr los, setzte sich auf so gut es ging und hielt ihre Hände fest.

„Regina“, sagte er ernst. „Ich glaube, das ist keine gute Idee“, fügte er hinzu und sah ihr tief in die Augen.

„Schau mal, Du bist total fertig wegen Deiner Mutter. Und Du brauchst jetzt jemanden...“, er suchte nach Worten. „Der Dich tröstet“ sagte er dann.

Sie hörte ihm aufmerksam zu. „Aber ich will nich' Dein Trostpflaster sein“, sagte er schließlich.

„Dafür hab ich Dich viel zu gerne“, er kniff die Augen zusammen. Jetzt war es raus.

Sie dachte kurz über seine Worte nach und überlegte, was sie antworten sollte. Sie saß immer noch auf ihm, ihre Hände in seinen.

„Du bist nicht mein Trostpflaster“, flüsterte sie leise und zog ihre Hände zurück. Sollte sie es ihm sagen? Klang das jetzt nicht abgedroschen?

Er hörte ihr aufmerksam zu und zog schon wieder die Augenbraue hoch und wartete auf eine weitere Erklärung.

Kein Trostpflaster hatte sie gesagt. Aber was denn? Er schaute sie an und verlor sich in ihren blauen Augen. Überhaupt ,sie sollte ihn nicht so anschauen!

“Was bin ich dann?”, fragte er schließlich.

Sie ließ die Frage unbeantwortet im Raum stehen und beschloss, keine weiteren Worte zu verschwenden.

Sie legte die Hände an ihre Hüften und zog sich das Shirt über den Kopf. Dirk schluckte. Er wollte etwas erwidern, aber sie küsste ihn wieder, so dass er nichts mehr antworten konnte. Er fühlte sich überrumpelt. Die Bewegungen, die sie auf seinem Schoß machte, verfehlten ihre Wirkung genauso wenig wie der schwarze BH den sie trug.

„Regina?“, fragte er vorsichtig und schnappte nach Luft, aber sie schüttelte nur den Kopf und legte den Finger auf ihre Lippen.

Er überlegte ernsthaft, ob er sie nicht einfach von der Couch schmeißen sollte um das ganze zu beenden.

„Pssst“, machte sie leise und ließ ihre Hände wieder unter sein Shirt gleiten.

Er begann schneller zu atmen, sein Herz raste bereits und sein Widerstand bröckelte.. Es fühlte sich so gut an und er hatte so eine Ahnung, in welche Richtung das gerade führte. Dirk wusste, wenn er jetzt mit ihr schlief, würde er es hinterher bereuen. Und sie auch. Aber würde er das nicht auch, wenn er jetzt ginge?

Schließlich schob sie seinen Pulli mitsamt dem Shirt darunter nach oben und er half ihr, es auszuziehen. Regina  streichelte zärtlich über seine Brust. Er zog sie an sich, wollte ihre Haut auf seiner spüren. Sie küssten sich wieder, Reginas Küsse waren jetzt weitaus fordernder und schließlich öffnete sie vorsichtig seine Hose. Dirk stöhnte auf.

Es dauerte nicht lange, bis seine Hose auch zu Boden ging und sich Regina an ihn schmiegte. Er ließ seine Hände in ihre Hose gleiten, massierte zärtlich ihren Hintern und schließlich wanderte seine Hand nach vorne, um vorsichtig den Knopf zu öffnen. Kurz darauf streifte sie ihre Hose ab.

Dirk Matthies war sich sehr wohl bewusst, wie ernst die Lage war. Er schluckte. Regina lag auf ihm und sie  hatten beide kaum noch etwas an. Reginas dunkle Satin-Unterwäsche, die er im Halbdunkel gerade noch so erkennen konnte,  machte es auch nicht besser. Sie bemerkte seine Blicke, beugte sich vor und küsste ihn wieder. Dabei öffnete sie geschickt ihren BH und ließ ihn zu Boden fallen.

“Regina…”, stammelte er und zog sie an sich.

Nur noch mit dem Höschen bekleidet schmiegte sie sich an ihn. Regina verspürte nur noch den Wunsch, seine Haut auf ihrer zu spüren, so nah wie möglich. Sie küssten sich immer wieder und immer wilder und leidenschaftlicher und sie merkte seine Erektion deutlich zwischen ihren Beinen.

Der Wunsch, ihm so nah wie möglich zu sein, wurde immer stärker und sie nestelte an seinen Boxershorts, schaffte es, sie ihm nach unten zu ziehen. Er streifte sie schließlich ab.
Sein Herz raste. Er konnte es kaum aushalten. Nachdem ihr Höschen zu Boden gegangen war, war er fast verlegen.

„Regina, willst Du das wirklich?“, flüsterte er atemlos.

Sie nickte nur und bewegte sich vorsichtig. Im nächsten Moment hatte sie ihn in sich aufgenommen.

Dirk stöhnte leise auf und zog sie an sich, so nah wie es ging. Sie klammerten sich aneinander wie Ertrinkende und bewegten sich so wenig wie möglich. Irgendwann konnte er es nicht mehr aushalten und begann, sich vorsichtig zu bewegen. Sie nahm seinen Rhythmus sofort auf. Als sie den Höhepunkt erreichte, stöhnte Regina leise auf.

Dirk Matthies, was bist Du nur für ein Hornochse! dachte er bei sich als er wieder klar denken konnte und das Adrenalin, das durch seine Adern floß langsam weniger wurde

Sie war danach fast sofort eingeschlafen. Er hatte sie im Arm gehalten und es dauerte nicht lange, bis er ihrem gleichmäßigen Atem lauschen konnte. Er war erschöpft,  nicht nur körperlich sondern auch geistig.

Er war sich immer noch nicht sicher, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Einfach so mit ihr zu schlafen. Hinterher fiel ihm siedendheiß ein, dass sie nicht mal über Verhütung gesprochen hatten! Auch soetwas war ihm noch nie passiert. Dirk Matthies, wie bekloppt bist Du eigentlich? , fragte ser sich.

Er seufzte und schaute nach oben. Wahrscheinlich hatte Renate Küppers das alles eingefädelt und saß jetzt auf ihrer Wolke und freute sich. Er musste unwillkürlich grinsen.

Regina wurde mitten in der Nacht wach und hörte Dirks gleichmäßige Atemzüge. Ein Glücksgefühl machte sich in ihr breit. Es war also doch nicht falsch gewesen, auch wenn sie besser vorher mal über gewisse Dinge hätten sprechen sollen. . Aber selbst das konnte sie jetzt nicht aus der Ruhe bringen. Sie starrte an die Decke, die vom Mondlicht zumindest teilweise erhellt wurde und musste tatsächlich an ihre Mutter denken.

„Ich weiß Muddel, am Ende behältst Du immer Recht“, murmelte sie grinsend und schlief schließlich wieder ein.

Am nächsten Morgen wachte sie auf. Es dämmerte noch und der Raum war ausgekühlt. Regina  griff nach der Strickjacke und zog sie über. Neben ihr schlief Dirk immer noch. Sie wollte überhaupt nicht aufstehen. Eigentlich wollte sie nirgends hin. In diesem Augenblick zählte nur das hier und jetzt. Sie seufzte leise und kuschelte sich an ihn, deckte sie beide sorgfältig zu und hoffte, dass er nicht gleich aufwachen würde damit sie das Gefühl der Geborgenheit noch so lange wie möglich auskosten konnte.Wer wusste schon, was der morgen brachte.

Dirk wachte langsam auf. Als ihm einfiel, wo er war und was er getan hatte, war er schlagartig wach. Regina lag noch immer neben ihm und hatte sich fest an ihn gekuschelt. Er schmunzelte und fragte sich, was jetzt kommen würde. Ob sie ihm jetzt sagen würde, dass er gehen konnte und dass es ihr besser ging? Er schluckte. War er doch nur das Trostpflaster für eine Nacht gewesen?
Sie drehte sich zu im um und lächelte. Ihre blauen Augen strahlten und sie sah nicht mehr so traurig aus wie am Abend zuvor und auch nicht mehr so verheult.

„Guten Morgen“, sagte sie lächelnd und gab ihm einen zaghaften Kuss auf die Wange. Er starrte sie an.

„Guten Morgen“,antwortete er überrascht.

Er überlegte, was er sagen sollte.

„Was heute Nacht passiert ist, tut mir leid. Wir hätten das nicht tun sollen“, stammelte er entschuldigend, aber sie schüttelte den Kopf.

„Doch hätten wir“, sagte sie leise und grinste verschmitzt.

„Echt jetzt?“, fragte er und ein leises Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus.

„Natürlich“, sagte sie selbstbewusst.

Er dachte  einen Moment lang angestrengt nach und suchte nach den richtigen Worten.

„Und was heißt das jetzt...?“, begann er vorsichtig.

Sie lachte. „Genau das heißt es“, sagte sie.

Er zog eine Augenbraue hoch.

„Das heißt, dass meine Mutter am Ende doch Recht behält“, sagte sie lachend und küsste ihn
liebevoll.

Er schüttelte den Kopf und schaute kurz nach oben. Dann umarmte er sie. Und er würde sie nicht mehr loslassen!