Of Gods and Fate

GeschichteAllgemein / P18
OC (Own Character)
09.03.2020
25.05.2020
10
21.425
3
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
09.03.2020 2.088
 
Es war bereits tiefster Winter in Norwegen, nur noch vereinzelt sah man Tiere im Wald, die man jagen konnte um sie zu Nahrung und Pelzen weiter zu verarbeiten. Dennoch hatte sich Alvas Vater Thorsteinn entschlossen, nach Kattegat aufzubrechen, gegen den Willen seiner Tochter. Alva war bereits eine Frau und schon längst kein Kind mehr, bis jetzt hatte sie sich geweigert einen Mann zu heiraten. Dennoch reichte es ihrem Vater jetzt. Sie lebten zurück gezogen auf dem Land und waren ärmliche Bauern, wie einst der große Ragnar Lothbrock einer war. Alvas Mutter wurde vor einigen Jahre  schwer krank, weswegen ihr Vater es bis zu diesem Zeitpunkt billigte, das sie keinen Mann ehelichte. Alva arbeite auf dem kleinen Hof wie ein Mann und kümmerte sich liebevoll um ihre Mutter, bis zu ihrem kürzlichen Tod. Die Götter meinten es nicht immer gut mit ihnen, doch wer konnte schon wissen, was die Götter planten?

Auch das fragte sich Alva jetzt, in diesem Moment, auf dem Karren gespannt mit dem einzigen Pferd das sie besaßen. Ihr Vater wollte nicht, das sie als arme, einsame Frau auf dem Hofgut endete, sie wäre viel zu schön hatte er ihr gesagt. Doch das interessierte sie wenig, auch wenn Alva auf einem Hof aufgewachsen und gearbeitet hatte, war sie dennoch eine waschechte Wikingerin. Sie konnte kämpfen wie eine echte Schildmaid, denn ihr Hof wurde öfters von Räubern überfallen, ihr Vater lehrte sie von klein auf das kämpfen. Doch all das wir ihr nun jetzt nichts mehr nützen, in ungefähr einer Stunde würden sie Kattegat erreichen und ihr Vater würde dafür sorgen, das ein ansässiger Mann dort sie zu Gemahlin nehmen wird.



„Vater, bitte, lass uns zurück reisen. Du schaffst es nicht alleine mit dem Hof, du brauchst mich!“, flehte Alva ihren Vater ein letztes Mal an. Thorsteinn grummelte nur etwas vor sich hin und trieb das Pferd an. Ihr Vater, wenn auch liebevoll, war nie ein Mann großer Worte gewesen. Seit dem Tod ihrer Mutter war er sogar um ein einiges Stiller geworden, als er es ohnehin schon war. Konnte das wirklich der Wille der Götter sein? Das sie jetzt hier saß und nach Kattegat fuhr, welches von Ivar dem Knochenlosen, Ragnarson, regiert wurde? Ein lauter Seufzer entfuhr ihrer Kehle, sie wusste, dass sie keine andere Wahl hatte, als sich dem Willen der Götter zu beugen.



Es dauerte nicht lange und Kattegat erschien am Firmament. Jetzt endlich, nach  einer endlosen Welle des Schweigens, meldete sich ihr Vater zu Wort. „Du wirst dich benehmen wie ein anständiges Weib, das bereit ist Kinder zu empfangen und nicht wie eine kämpferische Schildmaid, die unter allen Umständen ihr Land verteidigen will!“ Alva wusste ihr Vater duldete keinen Widerstand und sie musste sich verstellen, sie war keineswegs zur Hochzeit bereit, sondern eher die kämpferisch veranlagte Maid. Sie nickte ihrem Vater stumm zu und musste sich schon jetzt auf die Zunge beißen, um ihm Gehorsam zu geheißen.

Ihr Wagen hielt kurz vor den Toren Kattegats an und ihr Vater stieg ab. Thorsteinn lief um den Wagen herum und half seiner Tochter beim Absteigen, er erwies ihr noch ein letztes Mal die Ehre. Schon bald, so hoffte er, würde dies ihr Gemahl erledigen. Er hatte keinerlei Bedenken, das sie für Alva heute einen Mann finden würden, sie war durchaus ein wunderschönes Abbild einer Frau. Alva hatte lange, blonde Haare die ihr bis zur Hüfte hinab reichten, aber immer mit schönen Zöpfen zurück gebunden waren. Ihre Statur war feminin und durchaus hatte sie für eine Frau, Muskeln. Das machte die jahrelange Arbeit am Hof aus. Sie war eben durch und durch eine echte Wikingerin.



Gemeinsam mit ihrem Vater schritt sie zu den bewachten Eingangstoren. „Was wollt ihr?“, rief ein Bogenschütze, ein Wachmann vom Turm. „Ich bin hier um meine Tochter, Alva zu vermählen.“, lautete die knappe Antwort von Thorsteinn. „Öffnet die Tore, lässt sie herein.“, war der knappe Befehl des Bogenschützen und die Tore öffneten sich unter lautem Knarren. So langsam bekam Alva ein ungutes Gefühl in ihrer Magengegend, sie wollte nicht irgendein Weib sein. Alva wusste, auch wenn sie eine ärmliche Bäuerin war, das sie aus Liebe heiraten wollte und das sie mit ihrem kämpferischen Talent zu mehr bestimmt war. Schweren Herzens lief sie mit ihrem Vater durch das Tor und staunte kurze Zeit später, über die Größe Kattegats. Natürlich wusste sie das Kattegat ein Handelsmetropol war, doch wenn es um Besorgungen ging war es stets ihr Vater, der in die Stadt ging. Noch nie hatte sie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen, so viele Stände an denen Ware angeboten wurde und so viele argwöhnische Augen, die sie unter die Lupe nahmen. „Wo gehen wir hin, Vater?“, fragte Alva unsicher, irgendwie fühlte sie sich nicht wohl unter all diesen fremden Menschen. „Zur großen Halle, du wirst König Ivar und seine Gemahlin Freydis kennen lernen. Ich werde dich bei allen Männern bekannt machen.“, antwortete ihr Thorsteinn ohne aufzustehen, stattdessen beschleunigte sich sein Schritt und er zog seine Tochter, an der Hand mit sich. Alva beruhigte das keineswegs, sie wollte soviel Aufmerksamkeit nicht auf sich ziehen. Dennoch würde sie König Ivar kennen lernen, man erzählte sich er wäre grausam und man hätte ihn lieber nicht zum Feind, doch Alva war neugierig und wollte mit eigenen Augen sehen, was für eine Art Mensch Ivar war.



Angekommen, vor den Türen der großen Halle, blieben die beiden stehen. „Vater, du bist dir sicher, das du deine einzige Tochter in die Hände eines fremden Mannes geben willst?“, fragte Alva ein aller letztes Mal, sie konnte nicht glauben was sich gleich ereignen würde. „Bei Odin, ja Alva. Das ist kein Leben für dich, allein auf dem Land. Kind du bist zu mehr bestimmt als das, glaube mir du wirst ein gutes Weib für jemanden aus Kattegat.“, sagte Thorsteinn und drehte sich das erste Mal, seit ihrer Reise zu ihr. Er sah sie an, mit den liebevollen Augen eines Vaters und drückte ihre Hand. „Leb wohl, geliebtes Kind. Ich kann dich auf deinem weiteren Weg nicht begleiten, mögen die Götter mit dir sein und stets über dich wachen, liebste Alva.“, sprach er und drehte sich zugleich um. Ihr Vater war wie gesagt, nie ein Mann großer Emotionen gewesen, doch bei diesem Abschied hatte er eindeutig Tränen in den Augen. Selbst Alva blieb davon nicht unberührt, noch nie war sie allein unter so vielen Fremden gewesen, noch nie war sie getrennt von ihrer Sippe gewesen. Sie schaute ihrem Vater noch einen Moment hinterher, bis er in der Menge unterging und nicht mehr zu sehen war.



Schweren Herzens drehte sie sich auf der Stelle um und ging auf die große Halle zu. Schon von außen waren viele Stimmen zu hören, es hörte sich an wie ein Fest das gefeiert wurde und in vollem Gange war. Alva betrat den großen Raum und stellte fest, das sie zum bersten gefüllt war. An den Tischen saßen viele Männer mit Hörnern, die mit reichlich Met gefüllt waren. Die Dienerinnen kamen kaum hinterher mit dem nachfüllen, so schien es, wie sie eifrig um die Tische herum wuselten. Am Ende des Raumes konnte sie den prächtigen Thron erkennen, auf dem wahrscheinlich auch Ivar saß, die Frau daneben musste seine Gemahlin, Königin Freydis sein. Alva wusste gar nicht, wie sie sich in dieser Menge Gehör verschaffen sollte, eigentlich wollte sie auch nicht das sich die Köpfe nach ihr umdrehten. Sie ging ein paar Schritte weiter in den Raum hinein, sie wollte mit Ivar persönlich reden und sie wollte ihren König kennenlernen, ihn mit eigenen Augen aus der Nähe sehen. Schließlich hatte sie viele Geschichte über seinen Vater, Ragnar und seine Söhne gehört. Außerdem erzählte man sich Ivar sei ein Krüppel, deswegen auch sein Name, Ivar der Knochenlose.



Kaum war sie ein paar Schritte gegangen, drehte sich bereits ein Mann nach ihr um. Alva wurde unsanft am Handgelenk gepackt und roch eine deutliche Fahne des Mannes vor ihr. „Wer bist du? Ich habe dich noch nie hier gesehen, deine Kleidung ist nicht von hier.“ Alva starrte den Mann nur an, sie musste ihm doch keine Rechenschaft ablegen, außerdem ging es ihn gar nichts an woher sie kam oder was sie hier suchte. Da der Mann keine Antwort bekam brüllte er durch den Raum, „Hey, wir haben hier ein fremdes Weib!“ Das war das Stichwort, alle Köpfe im Saal drehten sich nach der nordischen Schönheit  um. Alva wurde gegen ihren Willen, von mehreren Händen gepackt und nach vorne zum Thron gezerrt. „Lasst mich los, ich kann alleine laufen!“, rief sie ihnen zu, doch es nützte nichts. Sie wurde direkt zu Ivars Füßen gebracht und selbst jetzt ließen sie ihren Griff nicht locker, Gastfreundlichkeit sah definitiv anders aus. Anders als sie es wollte, bekam sie nun die volle Aufmerksamkeit Ivars, der sie neugierig und amüsiert zugleich aus strahlend blauen Augen ansah. Doch es war nicht nur Ivars Aufmerksamkeit, die sie auf sich zog, sondern auch die der gesamten Halle. Stille war eingekehrt und jeder wartete die Reaktion des Königs ab.



„Wer ist dieses Weib? Warum stört sie unsere schöne Feier?“, fragte Ivar nun in den Saal hinein, seine Augen funkelten neugierig und sahen sie unverhohlen an. Einer der Männer zu Alvas rechten, wollte gerade etwas sagen und öffnete den Mund, doch Alva kam ihm zuvor und ergriff das Wort. „Ich bin Alva, aus dem Süden des Reiches. Mein Vater brachte mich zur Vermählung hierher nun stehe ich vor dir, oder besser gesagt ich werde gezwungen vor euch zu Knien, mein König.“ Ihr durchaus freches, aber mutiges Mundwerk zauberte ein Lächeln in Ivars Gesicht. Alle anderen im Raum waren sprachlos, scheinbar empfanden sie es als eine Art Dreistigkeit von ihr, einfach so das Wort zu ergreifen. Offensichtlich hatte sie nun die volle Aufmerksamkeit Ivars, denn dieser begann sich aufzurappeln und stützte sich auf eine Krücke. Schneller als gedacht, war er von seinem Thron runter und stand vor ihr. Alva musterte ihn neugierig, sie musste zugeben Ivar strahlte etwas aus, das sie bis jetzt noch nicht kannte, außerdem fand sie ihn äußerst attraktiv. Seine braunen Haare waren von einem Zopf zurück gebunden, was seinen blauen Augen nur noch mehr Ausdruck verlieh. „Sag mir Alva, warum bist du in solche Lumpen gekleidet, wenn dein Vater dich zur Vermählung hierher brachte?“, fragte Ivar sie nun direkt. Mit einem Kopfnicken deutete er den Männern an, Alva loszulassen. Sofort erhob sie sich und stand nun selbstbewusst vor Ivar, sie sah ihm direkt in die Augen, auch wenn er ein wenig größer war als sie, und sprach: „Wir sind einfache Bauern, mein König. Jetzt da meine Mutter Tod ist und ich das einzige Kind meiner Eltern bin, dachte mein Vater es wäre an der Zeit, das ich unseren Hof verlasse.“

Ivar lauschte interessiert und nickte ihr zu, während sie sprach. „Eine wirklich bemitleidenswerte Geschichte die du da erzählst. Doch Alva, verzeih bitte, du bist hier in Kattegat, da wird dir Schönheit allein wenig nützen. Kannst du mit einer Axt und einem Schild umgehen? Du musst wissen die Frauen in Kattegat sind richte Wikingerinnen.“, kaum sprach Ivar diese Worte aus, wurde ihr auch schon ein Beil zugeworfen. Ivar selbst schnappte sich das nächstgelegene und wendete es in seiner Hand. Alva fing das Beil und machte sich auf einen Angriff gefasst, die Menschen hier unterschätzten sie gewaltig. Als sie sich in der Menge umsah, fiel ihr Blick auf Königin Freydis, Ivars Treiben schien ihr nicht sonderlich zu gefallen.

Doch ehe Alva genauer darüber nachdenken konnte, musste sie sich blitzschnell ducken, Ivars Axt sauste in hohem Tempo an ihrem Kopf vorbei und schmetterte in den nächsten Holzpfeiler. „Knapp daneben, ihr unterschätzt mich, Ivar. Ich habe seit Kindheitstagen gegen die Räuber draußen gekämpft und kann mich durchaus behaupten.“, lächelte sie ihn verschmitzt an. Ivar durchaus beeindruckt, kam Alva näher und packte ihr Gesicht. „Das glaube ich dir. Du darfst vorerst bleiben in Kattegat.“, sprach er laut, sodass jeder es hören konnte. Doch noch war er nicht fertig mit ihr, er ließ ihr Gesicht nicht los und kam ihr gefährlich nahe, nur um ihr ins Ohr zu flüstern: „Du wirst hier bei mir bleiben, in meiner Nähe und ich werde dich im Auge behalten, liebste Alva.“



Alva wusste nicht genau was das zu bedeuten hatte, doch sie freute sich trotzdem darüber, sie wollte Ivar besser kennen lernen und ehrlich gesagt, jeder andere der ihr so Nahe gekommen wäre, hätte sich einen Faustschlag eingefangen. Bei Ivar in ihrer Nähe breitete sich ein ganz anderes Gefühl dagegen aus. Er ließ sie los und ging zurück zu seinem Thron. Alva bemerkte das Freydis aufgestanden war und ihr einen wütenden Blick zuwarf, bevor sie verschwand.
Review schreiben