Every Time The Rain Comes Down

GeschichteAllgemein / P16
Akashi Seijūro Hayama Kotarō OC (Own Character)
09.03.2020
17.10.2020
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51.798
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09.03.2020 5.225
 
Einen schönen... naja, wir wollen nicht übertreiben. Morgen :)
Es ist sehr lange her, seit ich das letzte Mal eine Fanfiction hochgeladen habe. Ich arbeite auch schon eine ganze Weile hieran. Aber es geht schleppend voran. Meine Vorsätze, erst hochzuladen nachdem ich fertig bin, sind mir abhanden gekommen. Ich hoffe, motivierter ans Schreiben ranzugehen, wenn ich weiß, dass jemand auf ein neues Kapitel wartet^^°
Falls sie überhaupt jemandem gefällt natürlich.
Eines noch vorweg: Ich will mir die größte Mühe geben, die Charaktere möglichst originalgetreu darzustellen. Ich hoffe es gelingt mir. Und sollten die Kapitel doch länger dauern, so kann ich dennoch mit vollster Entschlossenheit sagen, dass diese Geschichte niemals abgebrochen wird. Selbst wenn es mich umbringt, ich werde sie beenden.
Zum Start erst mal ein langes Kapitel. Ich hoffe und freue mich auf eure Meinung.
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1.Kapitel - Und was soll jetzt so toll daran sein?

Manchmal geschehen Dinge die wir uns einfach nicht erklären können. Mag es auch nur ein Regenguss sein, der gerade beginnt, wenn wir aus dem Bus steigen und der uns pitschnass in der Schule oder Arbeit erscheinen lässt. Oder eine Person, die wir überhaupt nicht durchschauen können, weil sie sich völlig widersprüchlich verhält. Oder Welten die aufeinander prallen, miteinander verschmelzen, verknoten und sich dann wieder trennen.
Manchmal können schon gar verrückte Dinge passieren.


“Das darf nicht wahr sein. Versteck mich!”
Glaubt bitte nicht, dass ich mir nicht absolut dämlich vorkam, wie ich mich hinter den Billardtisch duckte, doch ich ging unangenehmen Situationen immer lieber aus dem Weg - meine Art von Schadensbegrenzung.
Elena beugte sich irritiert zu mir hinab. “Kannst du mir mal verraten, was los ist?”
“Erinnerst du dich an meinen Ex von dem ich dir erzählt habe?”
“Der, der zwei Jahre jünger war als du?”
“Er ist hier”, krächzte ich und blickte mich um. “Können wir bitte gehen?” Ich wollte ihn nicht sehen, verdammt. Nicht jetzt. Eigentlich nie.
In den nächsten paar Sekunden voller Verzweiflung und Selbstmitleid hatte Elena alle Kugeln eingesammelt, die Queues gepackt und mir unsere Taschen in die Hände gedrückt. Ich zwang mich, nicht zurückzusehen, doch als Elena zahlte, drehte ich mich doch einmal um und mich durchfuhr ein Stich.
Natürlich, es war ja auch schon ein Jahr her. Vielleicht war das Mädchen dort, mit dem er lachend herum alberte, nicht seine feste Freundin, aber machte das denn einen Unterschied? Wieso hatte ich mir eigentlich solche Sorgen gemacht, entdeckt zu werden? Sie lebten offensichtlich in einer Welt, aus der sie mich gar nicht sehen konnten. Ich war dankbar dafür. Und dennoch wünschte sich ein kleiner Teil von mir, er möge mir nur für einen winzigen Moment in die Augen sehen. Und da passierte es. Unsere Blicke kreuzten sich. Doch nicht er, sondern sein bester Freund war es, der aufgesehen hatte. Als er einen Moment später seinen Kumpel ansprach, wandte ich mich alarmiert um und ergriff die Flucht.

“Warum nur bloß ist die Welt so winzig, winzig klein? Er wohnt am anderen Ende der Stadt und trotzdem musste mir Gott das antun. Will mich das Schicksal auf den Arm nehmen, oder was?” Ich fühlte mich elend, mein Herz wog eine Tonne und verkrampfte sich ständig so unangenehm, als hätte es den Job meiner Gebärmutter übernommen - und dabei hatte ich momentan nicht mal die Periode.
Meine Freundin zog die Augenbrauen zusammen, sie kannte mein Leid bestens. “Wer weiß? Das Schicksal geht manchmal ungeahnte Wege. Da fällt mir ein…”, sie zückte ihr Handy und wischte ein paar Mal mit dem Finger, ehe sie mir den Display zeigte, “Tolle Zeichnung.”
Ich erinnerte mich - das Bild von Kise war vor zwei Tagen fertig geworden. Elenas Like hatte gerade mal fünf Minuten nach dem Upload erfolgt. “Naja… du weißt ja, es gibt bessere. Aber es hat Spaß gemacht, wenn ich auch beinahe daran verzweifelt wäre.”
“Die Wunder hast du jetzt alle durch. Es fehlt nur noch-”
“Akashi.” Ich lächelte gequält, die schwierigste Aufgabe lag noch vor mir.
“Ich kapiers einfach nicht, warum sträubst du dich so dagegen, ihn zu zeichnen?”
Gedankenversunken schielte ich zu den gerahmten Bildern an der Wand von denen ich nie wusste, was sie eigentlich darstellen sollten. Gute Frage. Ich konnte es mir ja selbst nicht ganz erklären. Wobei mich eine leise Ahnung beschlich.
“Oha!”, rief Elena plötzlich und klatschte mit den flachen Händen auf die Tischplatte, was mich schlagartig aus meinen Träumereien katapultierte. “Die Welt geht unter.”
“Was..?” Irritiert folgte ich ihrem Blick hinter mich und staunte nicht schlecht. Durch die riesige Fensterfront, die das ganze Café zierte, konnten wir ungehindert den stürmischen Regen beobachten der mit einem Mal auf den Asphalt donnerte. Die Gäste die zuvor noch draußen gesessen hatten, füllten rasch das ganze Lokal, hinter ihnen die klitschnassen Kellner.
“Angenehm ist es draußen”, grinste einer von ihnen, worauf wir uns das Lachen nicht verkneifen konnten.


Doch nach nicht mal einer Stunde brannte die Sonne wieder auf uns hinab.
“Warum noch gleich willst du bei dieser Hitze shoppen? Ich habe es vergessen.”
“Weil weniger los ist.”
Ich fragte mich, wieso.
In einem Unterwäscheladen traf sie mich dann unvorbereitet in die Seite. Zwischen Spitzenhöschen und D-Cup-BHs sagte sie: “Hast du mal wieder eine Flirt App ausprobiert?”
Sie wich meinem scharfen Blick aus, wusste um das heikle Thema. Ein resigniertes Seufzen entwich mir schließlich.
“Vergiss es. Das ist jedes Mal eine Pleite. Ich bleibe lieber single.” Ein weiterer Fall von Schadensbegrenzung. Aber ich log auch nicht, eine Beziehung war mir einfach nicht wichtig genug. Zumindest nicht mehr.
Elena zog eine unmissverständliche Schnute. “Sei doch nicht so pessimistisch. Ich bin sicher, dein Traumtyp lauert schon hinter der nächsten Ecke.”
“Um mich umzubringen, meinst du.”
“Jetzt wirst du zynisch.”
“Ich bin realistisch.”
“Du bist eine Idealistin.”
“Das kommt darauf an.”
Stöhnend griff sich Elena an die Stirn. “Bitte.”
Als sie danach nichts mehr sagte, dachte ich, sie hätte das Thema endlich fallen gelassen. Doch ich irrte gründlich.
Im nächsten Laden hielt sie sich ein dutzend Ohrringe an die Ohren, ehe sie erneut loslegte.
“Eigentlich würde doch jemand wie Akashi zu dir passen.”
Ruckartig drehte ich mich zu ihr um. “In welchem Universum?”
Sie plusterte sich künstlich auf. “Jetzt tu mal nicht so. Er ist ruhig und höflich und ein perfekter Fall für dich, Frau Doktor.”
Unbemerkt verdrehte ich die Augen. Ging das schon wieder los.
“Ich bezweifle dass er über meine Analysen erfreut wäre.” Zudem konnte er das selbst sehr gut. “Abgesehen davon mag er zwar ruhig sein, aber… wenn man von seinem anderen Ich absieht, ist er zu nett.”
Mit seiner bedachten Freundlichkeit hätte ich niemals umgehen können, dafür war ich in manchen Situationen zu kindlich, zu ausgelassen. Zu sarkastisch. Ich dachte an die Sonderepisode von Kurokos Geburtstag zurück und Furihata Kokis Reaktion bei Akashis Auftritt. So ungern ich es zugab, ich wäre vermutlich nicht anders.
“Oh, dann wäre vielleicht Kise eher was für dich. Er ist ja sehr verspielt.”
“Hmm, durchaus möglich.” Das sagte ich zwar, ich mochte ihn auch, aber ich glaubte nicht daran. “Aber lassen wir das, sie sind sowieso nicht echt. Und ich will nicht weiter darüber reden. Jetzt entscheide dich endlich für ein Paar.”

“Wohin jetzt?” Langsam konnte ich echt nicht mehr.
Unschuldig blinzelte sie mich an. “Zum Friseur?”
“Abgelehnt”, entgegnete ich nüchtern. “Eher schneide ich sie mir selbst ab, als zum Friseur zu gehen, das weißt du.”
Manchmal konnte sie wirklich nervtötend sein. Ja, die mittlerweile sumpfgrünen Haarspitzen sahen vom vielen Färben kaputt aus, aber es hätte weitaus schlimmer sein können.
“Noch irgendwas, woran du rumnörgeln willst?”
“Nein, das war´s.”
Welch ein Segen.
“Ich hab übrigens letztens wieder eine Fanfiction gelesen, bei der Kise und Aomine-”
“Stopp!” Ich hielt mir die Ohren zu. Wieso hatte ich das nicht vorhergesehen? “Bitte erspar mir das.”
Viel zu oft hatte ich mir schon Geschichten anhören oder lesen müssen, die mich beinahe bis in meine Grundfesten verstörten.
“Aber du weißt, dass ich recht habe. Kise passt perfekt zu Aomine. So etwas muss man einfach denken, wenn man den Anime gesehen hat, es ist unmöglich es nicht zumindest in Betracht zu ziehen.”
Ihr Protest prallte an mir ab, als hätte sie Reiskörner nach mir geworfen.
“Sagt die, die mir den Typen als Freund vorschlägt.”
“Ah…”, Elena wollte noch etwas einwerfen, schwieg bei meinem Blick aber.

“Oh, dort möchte ich noch hin.” Sie zeigte auf einen Laden auf der anderen Straßenseite und anstatt zum nächsten Zebrastreifen zu gehen, bevorzugte meine Freundin die Alternative ‘Einfach mitten durch’. Es kam nicht selten vor, dass ich sie allein gehen ließ und stattdessen bei der nächsten Ampel auf Grün wartete, doch dieses Mal folgte ich ihr ausnahmsweise.
“Vertrau mir, ich werde uns schon rüber lotsen”, sagte sie zuversichtlich.
“Du hast sie ja nicht mehr alle. Lass uns zum Zebrastreifen gehen oder willst du so unbedingt sterben?”
Normalerweise war meine Freundin nicht dumm. Aber manchmal tat sie Sachen, die für mich schlichtweg keinen Sinn ergaben. War das Bequemlichkeit? Oder war sie einfach nur gern lebensmüde?
"Ach, jetzt komm schon.” Sie zog mich plötzlich am Arm mit sich und beinahe wäre ich gestrauchelt. Dann ließ sie mich los und ging mit einem Tempo voran, dass ich ihr gar nicht zugetraut hätte. In dem Moment, in dem ich folgen wollte, passierte es dann. Mir rutschte die Tasche von der Schulter und riss die Tüten in meiner Hand mit sich. Ich blieb stehen, teils aus Schreck und teils aus dem Willen alles wieder einzusammeln. Natürlich war das dämlich. Das Nächste was ich hörte war ein lautes Hupen und das quietschende Geräusch von abrupt bremsenden Reifen.

Ich war nicht sicher alle meine Körperteile zu spüren, als ich die Augen öffnete und die Unterseite eines Autos über mir sah. Aber nachdem ich mich einen Moment gefangen hatte, kroch ich vorsichtig hervor.
"Jo sog amoi, i glaub, i spinn. Wozu glaubst woi, san de Zebrastreifn und Ampön do? Und wem wiard donn wieder die Schuid ‘geb´n, wenn wos passiert? Den Autofoahrarn!”
Ich konnte nur irritiert blinzeln, als der Fahrer sich in typischem Wiener-Dialekt so ausließ, wusste nicht was ich erwidern sollte. Irgendwo in meinem Hinterstübchen bildete sich Wut, aber ich fühlte mich so eingeschüchtert - und irgendwo hatte er ja auch Recht - dass ich nur eine Entschuldigung murmelte und mich aufrappelte. Da erklang nicht weit von mir eine aufgeregte Stimme.
"Ein Krankenwagen…! Kann jemand einen Krankenwagen rufen?!"
Verwirrt und perplex blickte ich zur Seite. Mir blieb für einen Augenblick das Herz stehen, als ich meine Freundin dort am Boden liegen sah.
Ich wollte etwas sagen, aber mir blieben die Worte im Halse stecken. Entsetzt ließ ich mich neben ihr nieder. Ihre Augenlider flatterten, sie stöhnte schmerzerfüllt und hielt sich den Kopf, welcher eine Platzwunde aufwies.
"Alles okay", lächelte sie beschwichtigend. Mittlerweile hatte sich auch der Fahrer zu uns gesellt.
"Es tut mir schrecklich leid. Geht´s dir wirklich gut, Fräulein?" Fahrig strich sich der Mann durchs Haar. Erstaunlich wie anders er im Gegensatz zu dem reagierte , der mich beinahe überfahren hatte.
Abermals lächelte meine Freundin und winkte ab. "Machen Sie sich keine Vorwürfe, ich bin ja selbst schuld. Es ist nur diese Wunde."
"Wir sollten trotzdem ins Krankenhaus", beschloss ich. Auf ihr Nicken hin half ich ihr hoch. Doch kaum stand ich aufrecht, traf mich ihr besorgter Blick. Dabei war sie doch die Verletzte.
"Sugar?"
Ich verstand nicht, wieso dieser fragende und zugleich alarmierte Unterton in ihrer Stimme mitschwang, aber vielleicht lag es daran, dass sich mein Sichtfeld drehte, als befände ich mich in einer Achterbahn. Den Aufprall spürte ich nicht mehr, ich hörte ihn nur. Es klang wie...
"SUGAR!!!!"

***

...Regen...


Ich konnte ihn hören. Ein Geräusch das tief in meiner Seele verankert war, etwas das ich ohne Probleme verstand. Nicht jedoch die Stimme, die an mein Ohr drang. Jemand redete mit mir. Zuerst dachte ich, es läge an dem dumpfen Schmerz in meinem Kopf, der mich nichts verstehen ließ.
Dann war da ein Gemurmel - mehrere Stimmen, aber auch das klang wie Kauderwelsch. Wie ein Schwarm Bienen.
Schließlich öffnete ich die Augen und traf dabei auf grau-grüne. Mein Blick schweifte umher - es regnete tatsächlich, aber es war etwas anderes das mich meine Umgebung nicht erkennen ließ. Mein Sichtfeld klärte sich allmählich und ich bemerkte zum ersten Mal auch die zwei weiteren Personen.
“Wer...?” Ich stockte, starrte stumm meine Gegenüber an. Dann kniff ich nochmal die Augen zusammen und rieb mir über die Stirn - diese Kopfschmerzen waren echt heftig. Als ich den Blick abermals hob, blieb die Situation unverändert.
Wie ein gigantischer und unübersehbarer Felsen lag die letzte Erinnerung vor mir.
Der Beinahe-Autounfall. Meine Freundin hatte es mehr erwischt als mich und dann... dann war das Licht ausgegangen. Stellte sich nun also nur noch die Frage, warum mir diese drei Personen so verflucht bekannt vorkamen und ich nicht wie geplant mit Elena auf dem Weg ins Krankenhaus war.
Hatte es am Ende doch mich erwischt?
Einer der Jungen, der Blondschopf, schien jedoch begeistert, er sagte etwas zu den anderen. Noch immer verstand ich nur Bahnhof, doch endlich wurde mir klar, wieso - wenn auch mit etlichen Fragezeichen hintendran: Sie sprachen japanisch.
Aber die letzten Worte richtete der Junge auf Englisch an mich: “Bist du in Ordnung?”

Der Regen wurde für einen Moment schwächer. Hielt inne, ganz so als würde er starr vor Erwartung den Atem anhalten...


Ich versuchte, mein Entsetzen in Zaum zu halten, wusste nicht, was ich denken sollte. Nein, es war rein gar nichts in Ordnung. Aber meine Verfassung sollte warten.
"Entschuldigt meine Unhöflichkeit...", begann ich gedehnt, ebenso in englischer Sprache, "ihr kennt nicht zufälligerweise einen Jungen mit dem Namen Akashi?" Zum Ende hin konnte ich den Scherz kaum aus meiner Stimme verbannen, die Lage war einfach zu absurd.
Die Frage war idiotisch, absolut blödsinnig, aber die Situation an sich auch, also was hatte ich viel zu verlieren? Und der irritierte Blick meiner Gegenüber ließ mich schon erleichtert aufatmen - kein Wunder, dass sie so ein Gesicht machten, war ja auch eine lächerliche Frage.
"Vielleicht sie hat eine ….Gehirn..attacke...?", fragte der dunkelhäutige Muskelprotz in stockendem Englisch, worauf ihn die anderen beiden mit gerunzelter Stirn betrachteten.
Der Blonde stieß ein Lachen aus und klopfte dem Schrank auf den Rücken, er schien etwas Aufmunterndes zu ihm zu sagen.
Auch wenn das Englisch des Dunkelhäutigen eher schlecht ausfiel, ahnte ich, was er hatte sagen wollen. Offensichtlich hielt er mich für bekloppt; wenn auch in teils besorgter Hinsicht.
Abwehrend hob ich die Hände. "Hey, ich weiß, das war eine dumme Frage, aber ihr hättet sie auch einfach verneinen können."
Ich erhob mich schwankend und klopfte mir den Staub von meiner Kleidung, wobei mir eine weitere Seltsamkeit auffiel.
"Warum trag ich...?", murmelte ich gedankenversunken. Diese Uniform hatte ich bis jetzt zwar nur an Jungen gesehen, dennoch war sie unverkennbar.
"Ich bringe dich zum Krankenzimmer”, meinte der Schwarzhaarige in perfektem Englisch, ehe er wieder ins Japanisch wechselte und sich an die anderen beiden wandte. Und da war etwas in seinen Worten, das mich erstarren ließ.
'Sei-chan'... Das war nicht wahr. Das konnte nicht wahr sein. Und das kurz nachdem ich mit meiner Freundin darüber geredet hatte?! Sollte das irgendso ein Schicksalsding wie in den Filmen sein? Eine Strafe Gottes? Ein Traum wie in ‘Alice im Wunderland’, weil ich zu viel darüber geredet hatte? Oder tatsächlich nur eine simple Gehirnerschütterung? Ich schüttelte den Kopf. Nein, nein, nein, bitte nicht!
"Sag mal... wer ist Sei-chan?", hakte ich vorsichtig nach.
Er schien überrascht, lächelte aber dann."Das ist derjenige, von dem du vorhin geredet hast. Akashi Seijuro."
"A-Aber ich dachte, ihr kennt ihn nicht!" Bitte lass das nicht wahr sein!
Mit zuckenden Mundwinkeln zog er eine Augenbraue hoch. "Nun ja, es war eher deine Frage, die uns verwirrt hat. Denn es gibt wohl niemanden an der Rakuzan, der noch nicht von ihm gehört hat."
"Ach, na wenn das so ist", lächelte ich verständnisvoll und nickte. Und nickte, und nickte, und nickte. Und fragte mich nebenbei, ob ich verrückt geworden war. Langsam gab ich es auf, aber ein Versuch blieb mir noch.
"Ist das eine Cosplay-Convention?", fragte ich immer noch lächelnd, während sich in meinem Kopf ein wahres Massaker abspielte. All die kleinen Sugars darin suchten gerade den Verantwortlichen, der diese kranke - wenn auch etwas faszinierende - Fantasie heraufbeschworen hatte.
"Sehen wir vielleicht wie Animefiguren aus?", wollte der vermeintliche Hayama Kotaro nun leicht beleidigt wissen.
Und wie ihr das tut, ging es mir düster durch den Kopf.
"N...Nein", presste ich schließlich heraus, denn das Ja lag mir immer noch auf der Zunge und brannte darauf, ausgesprochen zu werden.
"Geht es dir wirklich gut?", wollte Mibuchi Reo von mir wissen und fasste mich dabei an den Schultern.
Wenn ich nicht gerade die Bestätigung erhalten hätte, dass ich mich in einem Anime befand, ja, dann ginge es mir halbwegs gut.
"Aber ja, alles in Ordnung", log ich. Richtig glauben konnte ich das Ganze noch immer nicht, aber diese drei schienen mir keinen Bären aufbinden zu wollen. Auch meine Umgebung deutete darauf hin, schließlich stand ich gerade in einem überdachten Gang, welcher wohl die Verbindung von einem Gebäude zum anderen darstellte. Schon das allein erinnerte mich sehr an den typischen Gebäudeschnitt der Schulen in diversen Animes.
"Na gut, dann werden wir jetzt..."
Verwirrt blickte ich an Mibuchi vorbei, welcher mitten in seiner Drehung inne gehalten hatte, und erstarrte ebenfalls. Nicht auch das noch. Kein Geringerer als Akashi Seijuro stand im Türrahmen und sagte natürlich etwas auf japanisch.
Ich runzelte die Stirn, als die Gesichter der drei merklich blasser wurden. Was er wohl gesagt hatte?
Mibuchi antwortete ihm. Ich ahnte, dass er über mich sprach, denn kaum einen Moment später flogen Akashi Seijuros Augen zu mir.
“Beeil dich.”
Erstaunt hoben sich meine Augenbrauen. Ich war mir sicher, dass seine Worte Mibuchi galten und dennoch hatte er mir nichts dir nichts in ein akzentfreies Englisch gewechselt. Doch einen Augenblick später wurde ich mir der Bedeutung seiner Worte bewusst.
Ich räusperte mich. “Es geht schon wieder. Trotzdem vielen Dank. Und euch auch.”
"Bist du sicher?", hakte Hayama zweifelnd nach.
Ich zitterte innerlich so sehr, dass ich fürchtete, man könnte es sehen und mein Magen fühlte sich wie von der Kuh gekaut an - nein, es ging mir nicht gut.
"Ganz sicher.” Mit einem kräftigen Nicken hob ich die Hand zum Abschied und machte mich auf in die entgegengesetzte Richtung. Zu meinem Glück wurde ich nicht aufgehalten.

Während ich durch die leeren Gänge eilte, immer auf der Suche nach einem Ausgang, rasten etliche Gedanken durch meinen Kopf. Ich hätte heulen können.
“Das ist ein Traum”, sagte ich bestimmt. Dunkel erinnerte ich mich an wenige Phrasen zu luzidem Träumen. Aber ich wusste nicht mehr, ob und wie man aus einem möglichen Traum wieder erwachte. Offenbar nicht mit diesem simplen Satz.

Die Dämmerung stand erst am Anfang, als ich den Haupteingang fand und mich auf den Stufen davor niederließ.
Ich warf einen Blick in die Pfütze vor mir - der Regen war endgültig vorbei - und versuchte, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es funktionierte nicht. Verzweifelt raufte ich mir die Haare.
Das war physikalisch doch unmöglich. Und einen Traum schloss ich mittlerweile aus. Müsste sich das nicht irgendwie anders anfühlen? Also was… was verdammt nochmal war mit mir passiert?
Panik und Tränen stiegen in mir auf.
Im Gegensatz zu den Hauptfiguren, die in Fanfictions oft in Animes landeten, sah ich tatsächlich keinen einzigen Vorteil an meiner Situation. Denn wo sollte ich jetzt hin? Ich trug zwar eine Uniform, aber das machte das Ganze sogar noch komplizierter. Auch wenn ich keinen Spiegel zur Hand hatte, die Glasfenster und -türen des Gebäudes zeigten mir mein wohlbekanntes Ich – braunes Haar, spröde, grüne Spitzen - Das konnte nur ich sein. Offenbar hatte ich also niemandes Körper besetzt. Doch was konnte ich mit dieser Information anfangen? Mein Bewusstsein samt Körper wurde durch merkwürdige Umstände in eine andere Dimension, sprich Anime, projiziert - wäre es mein wirklicher Körper, hätte ich nicht die Kleidung gewechselt. Ich gehörte nicht hierher, demzufolge hatte ich vermutlich kein Zuhause und keine Eltern und musste unter der Brücke schlafen. Und was bitte war daran jetzt so toll? Zudem besaß ich nicht mal eine Schulta...
"Huh? Da bist du also, Quest-san. Du hast deine Tasche oben liegen lassen. Zum Glück bist du noch nicht gegangen."
Überrascht blinzelte ich den mir fremden Schüler an, welcher eben aus dem Schulgebäude gelaufen kam. Nicht nur, dass er mich kannte, er sprach mich ganz selbstverständlich auf Englisch an.
"Äh, danke..."
"Ryuzaki Akihito", half er mir auf die Sprünge und schüttelte den Kopf. “Du bist manchmal echt verpeilt.”
"Entschuldige, Ryuzaki-kun, ich war nur vorhin kurz zusammengeklappt und irgendwie bin ich noch ganz durcheinander."
Der Junge sah etwas besorgt aus. "Schon gut. Aber vielleicht solltest du dich noch kurz im Krankenzimmer ausruhen. Der Schularzt ist zwar nicht mehr da, aber der Raum sollte noch offen sein."
"Danke, werde ich vielleicht machen.”
Als er weg war, runzelte sich meine Stirn nachdenklich. Das Süffix war mir fast zu leicht über die Lippen gegangen. Als wäre es etwas völlig Natürliches. Und wie er mich genannt hatte. Quest-san. Das klang seltsam.
Und dann war da noch…
Das Gesicht des Jungen erschien nochmal vor meinem inneren Auge. Nach der Nennung seines Namens war es so, als würde ich mich tatsächlich erinnern. Als würde ich diesen Jungen kennen.

Mein Blick fiel auf die Tasche in meiner Hand - so viel dazu - und ich zog den Reißverschluss auf.
Was mich erwartete, traf mich wie ein Faustschlag. Es waren die Sachen, die ich während des Treffens mit Elena bei mir getragen hatte - und… Schulbücher. Dem ersten Impuls folgend griff ich nach meinem Smartphone - Gott sei Dank, ein Stück Gewohnheit -, doch die Kontaktliste brachte mir den nächsten Schock ein. Japanische Schriftzeichen sprangen mir entgegen und keine der Nummern, die zum Glück arabische Ziffern zeigten, kam mir bekannt vor. Elenas Nummer war nicht vorhanden. Mit jedem weiteren Kontakt den ich nicht kannte und nicht einmal lesen konnte und jener, die ich kannte, aber nicht da waren, glaubte ich mein Herz mit jedem Pochen langsamer schlagen zu fühlen.  
Frustriert sprang ich auf und hätte beinahe das Handy auf den Boden geschmissen.
Großartig, wirklich großartig. Eine weitere Theorie für meine Situation spann sich in meinem Kopf zusammen: Mein Bewusstsein war während meines Ausfalls in der Realität möglicherweise in einem verzerrten Dimensionsfeld menschlicher Fantasien gelandet. Wobei... - wild schüttelte ich den Kopf - das war purer Schwachsinn.
Ein Seufzen entkam mir und ich umklammerte fest meine Schultasche. Es war momentan egal, wo ich mich befand oder wie ich hier gelandet war, Hauptsache war wohl erst mal, dass ich mir eine vorzeitige Lösung für meine Situation überlegen musste. Ich war grundlegend flexibel, aber das sprengte selbst mein Maß an Verständnis. Andererseits hätte es wohl auch schlimmer sein können.


Es wurde langsam dunkel und ich hatte mich keinen Millimeter bewegt. Jetzt einfach drauf loslaufen ohne jegliche Orientierung wäre das Dümmste gewesen. Ich dachte schon die ganze Zeit nach, aber meine Gedanken drehten sich im Kreis und da war dieser kleine Funke an Angst, der nicht mit der Situation umgehen konnte. Nicht mit ihr umgehen wollte.

"Huh? Du.. immer noch... hier?"
Der dunkelhäutige Muskelprotz, Nebuya Eikichi stand vor mir, hinter ihm konnte ich auch Mibuchi Reo und Hayama Kotaro ausmachen. Ironie des Schicksals. Fehlte nur noch...
"Wir sehen uns morgen."
Na bitte, wenn man vom Teufel spricht, ging es mir durch den Kopf, als ich Akashi erblickte. Die anderen gaben einen zustimmenden Laut von sich, ehe sich der Point Guard entfernte.
So unheimlich hatte er in diesem Moment gar nicht auf mich gewirkt, aber meine Aufmerksamkeit konzentrierte sich schnell auf etwas anderes.
Ich nickte ihnen grüßend zu. "Hallo. Danke nochmal für vorhin." Es war einfacher als gedacht, in den Verlauf einzusteigen, so beschloss ich vorerst, dieses Spiel mitzumachen.
"Keine Ursache, aber was machst du noch hier? Wirst du abgeholt oder hast du noch Club?" Interessiert und vielleicht sogar leicht besorgt wurde ich von Mibuchi angeblinzelt, wobei ich es nicht verhindern konnte, gequält den Mund zu verziehen.
"Naja..." Ich kniff die Augen zusammen. Ich könnte ihre Hilfe vermutlich sehr gut gebrauchen. Aber…
“Ich.. wollte nur etwas nachdenken.”
Erstaunlicherweise war es Hayama, der mir einen skeptischen Blick zuwarf.
“Achso. Na dann, schönen Abend noch. Und pass auf dem Heimweg auf dich auf”, sagte Mibuchi und hob die Hand zum Gruß.
Ich erwiderte die Geste: “Ebenso”, und runzelte die Stirn. Warum wunderte es sie nicht, mit mir Englisch sprechen zu müssen?

Als die drei sich entfernten, glaubte ich, wirklich die letzte zu sein, denn es wurde immer dunkler und niemand ging mehr an mir vorbei. Ich schluckte hart. Irgendetwas musste ich jetzt tun.

Wenige Minuten später streifte ich ziellos durch die Stadt, mein Herz klopfte unruhig und ich rieb mir über die Augen. Überall trieben sich noch Leute herum, auch wenn ich nicht genau wusste, wie viel Uhr es war. Doch als ich so an Geschäften und Ständen vorbei schlenderte und hier und da Wortfetzen mitbekam, fühlte ich, wie sich mein Körper langsam zu beruhigen begann. Ich schluckte noch einmal, während sich mein Verstand Stück für Stück völlig klärte und neu zusammensetzte. Es herrschte noch einiges an Treiben, aber die Leute wirkten nicht bedrohlich auf mich, was mir meine Situation schon etwas einfacher machte. Als ich zum gefühlt hundertsten Mal an einem Convenience Store vorbei ging, - die standen echt an jeder Ecke - kam mir eine glänzende Idee. Glücklicherweise hielten meine Eltern mich für vernünftig genug mit einer Bankomatkarte angemessen umzugehen - bis jetzt hatte ich sie nicht enttäuscht.
Eine Stunde später musste ich jedoch frustriert hinnehmen, dass kein einziger Laden eine ausländische Bankomatkarte annahm, geschweige denn überhaupt die Möglichkeit bestand mit Karte zu bezahlen. Oft schon hatte ich den Geldautomaten einen nachdenklichen Blick zugeworfen, aber die Angst, dass meine Karte - aus welchen Gründen auch immer - eingezogen werden würde, war einfach zu groß. Letztendlich gelangte ich zu einer Wechselstube. Es war mir egal, ob ich einen guten Kurs erwischte, ich brauchte etwas zu Essen. Doch als ich der Dame am Schalter die zwölf Euro reichte, die ich als einziges in Bar bei mir trug, runzelte sie die Stirn und betrachtete den Zehner-Schein ausgiebig. Ein ungutes Gefühl kroch in mir hoch.
“Soll das Euro sein?”, fragte sie argwöhnisch.
“Ja”, erwiderte ich verunsichert. Vielleicht war ihr einer der neuen Scheine noch nicht so oft untergekommen. “Den gibt es seit 2014.”
Sie sah auf und blickte mich mit gehobenen Brauen an. Irgendetwas sagte mir, dass sie mich für verrückt hielt. “Wir haben das Jahr 2008.”
Mir wurde auf einen Schlag speiübel. Alles drehte sich. “Oh... Entschuldigung. Aber bitte die zwei Euro wechseln”, murmelte ich wirr. Sie sah mich immer noch misstrauisch an, wechselte mir aber schließlich und gab mir sogar den Zehn-Euro-Schein zurück.
Ich bedankte mich und stürmte hinaus, ging ein paar Schritte und knallte dann mit dem Rücken gegen die nächste Hauswand. Jetzt fiel bei mir der Groschen.

2008

Das musste in der Zeit gewesen sein, als der Manga oder Anime entstanden und veröffentlicht worden war. Oder irgendwo dazwischen. Ich konnte froh sein, dass die Frau nicht die Polizei gerufen hatte. Nebenbei fiel mir ein, dass meine Bankomatkarte in dem Fall vermutlich auch nicht erkannt und tatsächlich eingezogen worden wäre. Und nun hielt ich läppische knappe zweihundertdreißig Yen in der Hand.
Ich lief weiter und gelangte irgendwann in eine ruhigere Gegend mit mehr Wohnhäusern und weniger Geschäften. Im nächsten Conbini konnte ich mir gerade mal einen Schokoriegel leisten, aber ich genoss jeden Bissen, als wäre es mein letzter. Der Zucker beruhigte mich zusätzlich etwas und kurbelte mein Denken an. Dennoch brachte mir das relativ wenig. Ich war sowas von am Arsch.
Doch just in diesem Moment schien mir tatsächlich das Schicksal zu Hilfe kommen zu wollen.
“Was machst du denn hier?”
Ich stand immer noch vorm Store, als plötzlich ein Blondschopf in meinem Sichtfeld auftauchte. Und ich war so froh ein bekanntes Gesicht zu sehen, das ich ihm beinahe um den Hals gefallen wäre - aber nur beinahe eben. Er war leger gekleidet, vermutlich wohnte er in der Nähe.
Oh, was für ein Klischee.
“Du trägst ja noch immer die Schuluniform. Verfolgst du mich etwa?” Auf einmal erstrahlte seine Miene so dermaßen, dass ich ein ganz, ganz schlechtes Gefühl bekam. “Bist du ein Fan von mir? Oder eine Stalkerin?!” Und mit diesen Worten zeigte sich ein abrupt geschockter Ausdruck in seinem Gesicht. Doch den Umschwung fand ich so lustig, dass meine Mundwinkel unkontrolliert zuckten. Es war merkwürdig, jemandem in dieser Art gegenüberzustehen, den man nur aus bestimmten Szenen kannte.
“Lachst du mich etwa aus?”
Ehrlich gesagt ja.
Abwehrend hob ich die Hände. “Aber nein, wo denkst du hin.” Den sarkastischen Unterton konnte und wollte ich nicht aus meiner Stimme verbannen.
Hayama schien sich nicht daran zu stören, sein Mund verzog sich zu einem verschmitzten Grinsen. “Ganz schön frech für den ersten Jahrgang - warte.. du bist doch im ersten Jahr, oder? Ich meine, von einer Austausschülerin gehört zu haben, die kürzlich aus Österreich hergezogen ist.”
Austausschülerin? Das würde einiges erklären. Über meinen Jahrgang wusste ich trotzdem nichts. Doch Hayamas Aufmerksamkeit richtete sich gen Boden. “Oh, du hast etwas verloren.” Er hob ein kleines Papierschild vom Boden auf - woher war das plötzlich gekommen? “Ich wusste es. Klasse 1-2. Moment-”, er runzelte die Stirn. “Heißt du wirklich Quest Sugar?”
Ich überging sein darauffolgendes Lachen geflissentlich, das war ich bereits gewohnt.
Dass ich Spott für diesen Namen erntete, hätten meine Eltern eigentlich wissen müssen. Ich hatte keine Ahnung, wie so ein Name in Amerika ankam, aber in Österreich war er mehr als außergewöhnlich. Meine Mutter jedoch hatte immer gesagt: ‘Heutzutage gibt es doch auch bei uns die ungewöhnlichsten Namen. Deiner ist wenigstens nicht altmodisch.’
Recht hatte sie. Und trotz des gelegentlichen Spotts gab es auch Menschen, die ihn mit Begeisterung sagten.
“Das ist cool.”
Aus den Gedanken gerissen besah ich irritiert den nach oben gereckten Daumen und das Zähne-bleckende Grinsen.
Genau. Diese Reaktionen waren am schönsten.
“Aber ungewöhnlich. Ich dachte, in Österreich heißen alle Leute… ääh.. Flanzo oder Geltlude.”
Ich musste prusten ob seiner schlechten Aussprache der Namen, die wohl Franz und Gertrude heißen sollten, worauf er sich peinlich berührt am Hinterkopf kratzte.
“Tja, Österreich ist eine bunt gemischte Kultur, könnte man sagen.”
Unser einstimmiges Lachen schallte über den menschenleeren Parkplatz. Dann traf mich plötzlich ein ernster Blick.
“Aber mal ehrlich jetzt. Was machst du hier?”
Das hab ich mich auch schon gefragt.
Meine Augen hefteten sich auf ein Fenster in einiger Entfernung, welches sich von mir aus gesehen genau neben seinem Kopf befand. Die Jalousien waren heruntergelassen worden und nur schmale Spalten an Licht gelangten hinaus und zeichneten noch dünnere Streifen auf den Boden.
“Ich bin nur spazieren gewesen.”
Er wollte gerade etwas erwidern, doch da begann die Einkaufstüte in seiner Hand zu tropfen.
Er fluchte auf japanisch - das hätte vermutlich jeder verstanden. Kurzerhand zog er eine kleine Tüte, von der ich annahm, es handelte sich um ein Eis am Stiel, aus dem Plastiksäckchen und beförderte sie in den Müll. “Warte hier.” Mit diesen Worten marschierte er nochmal in den Conbini und kam kurze Zeit später mit zwei solcher Tüten zurück und drückte mir eine davon in die Hand. “Setzen wir uns erst mal.”
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