Auf Dirk Matthies!

von MoinSue
SongficFamilie, Freundschaft / P6
Ben Kessler Dirk Matthies Harry Möller Katja Metz Lothar Krüger Nicole Beck
08.03.2020
08.03.2020
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08.03.2020 1.991
 
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Autor: MoinSue
Rating: ab 6 Jahren
Inhalt: Zwei Monate sind vergangen seit einer von ihnen gegangen ist. Gegangen für immer. Das Team trifft sich noch einmal um auf ihren verstorbenen Kollegen und Freund anzustoßen.  Dabei denken sie an die vergangenen Jahre zurück. An all die schönen Momente, die sie mit ihm hatten, wie er ihr Leben beeinflusst hat,  was er für eine Lücke hinterlässt. | Songfic zu "Euch zum Geleit" von der deutschen Band "Schandmaul"
Anmerkung: Die Geschichte ist an keiner bestimmten Folge angelehnt. Spielt rund um den 29.02.2020
Kapitel: 1
Disclamer: Wie üblich gehört mir außer der Idee zur Story nichts. Alle Großstadtrevier-Charaktere sind Eigentum von Studio Hamburg. Diese Songfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Das ist das Lied zu dieser Songfic --> https://www.youtube.com/watch?v=QR7kBBptT1Q

Für Jan Fedder

Es ist schön, euch alle hier zu seh'n,
Durch dieses Ereignis geeint.
Ich weiß, ihr wolltet diesen Weg nicht geh'n,
Ich sehe, dass der eine oder andere weint.

Sie hatten sich in Altona an der Elbe versammelt. Schwach wehte ein kalter Wind über die freie Fläche. Alle waren in dicke Jacken, Schals und Mützen gehüllt, um den winterlichen Temperaturen zu trotzen. Doch so kalt es war, trotzdem waren viele gekommen. Einige der alten Kollegen, wie Lothar, Nicki, Anna und Henning, aber auch aktuellere Kollegen wie Piet, Daniel und Nina, waren der Einladung von Katja, Ben und Harry gefolgt. Selbst Paul war angereist, um sich noch einmal von dem ehemaligen Kollegen zu verabschieden. Katja und Ben hatten die Idee zu diesem Treffen gehabt und hatten eine Kiste seines Lieblingsbieres mitgebracht
Zwei Monate nach seinem Tod wollten sie alle zusammen noch einmal auf Dirk Matthies anstoßen.

Vergießt keine Tränen, erinnert euch heiter
An unsere gemeinsame Zeit.
In euren Herzen lebe ich weiter,
Hinterließ diese Zeilen euch zum Geleit.

Katja hatte sich geschworen heute nicht zu weinen. Zu viele Tränen hatte sie in den letzten zwei Monaten vergossen. Ben war immer an ihrer Seite gewesen, hatte sie in schlimmen Momenten im Arm gehalten und dafür gesorgt, dass sie nicht das Essen und Trinken vergaß.
Der Fußballtrainer konnte die Trauer um den Kollegen, Freund und Mentor gut verstehen. War der Verstorbene doch fast wie ein Vater-Ersatz für seine Freundin gewesen. Er hatte viel in ihrem Leben bewegt, war immer für sie da gewesen, hatte viele Dinge beeinflusst. Auch ihre Beziehung wurde vor allem am Anfang von dem älteren Polizisten angetrieben. Er hatte Katja gut zugeredet, als sie sich nicht sicher war, ob sie ihren Gefühlen folgen sollte, hatte Ben davon abgehalten aufzugeben in all den Jahren. Nur dank Dirk war Ben wirklich am Ball geblieben und hatte all die Jahre weiter daran geglaubt, dass er und Katja irgendwann eine Zukunft zusammen haben würden.

Mir geht's jetzt gut, ich bin dankbar für alles,
Für jeden gemeinsamen Schritt.

Harry ging es ähnlich wie Katja. Der Tod von Dirk hatte sie sehr mitgenommen in den vergangenen zwei Monaten. Sie hatte viele Jahre mit ihm gearbeitet und konnte sich noch kein Leben ohne ihn vorstellen. Ähnlich wie ihre Kollegen, hatte auch sie gedacht, dass sie noch einige Jahre mit dem Ermittler hätte. Aber alle hatten sich getäuscht.
Der kleine Matthies hatte nicht wirklich verstanden, warum seine Mama so viel weinte, aber er hatte alles versucht, um sie zu trösten. Auch Can, der jetzt neben ihr stand, war in den ersten Tagen nicht von ihrer Seite gewichen, seine Werkstatt war wegen des Trauerfalls geschlossen geblieben. Aber nach ein paar Tagen hatte Harry ihn zurück in seine Werkstatt geschickt. Sie wollte ihn nicht von der Arbeit abhalten und außerdem war es schlecht fürs Geschäft.

Wollt ihr mich seh'n, so schließt die Augen,
Wollt ihr mich hör'n, so lauscht dem Wind.
Wollt ihr mich seh'n, schaut in die Sterne,
Wollt ihr mich hör'n, kommt an den Fluss.

Trotz ihres Schwurs konnte Katja ein paar Tränen nicht unterdrücken. Und sie war nicht die Einzige. Auch andere Kollegen, weiblich und männlich, hatten Tränen in den Augen. Sogar Regina Küppers hatte feuchte Augen. So hart sie immer wirkte, Dirk Matthies hatte ihr etwas bedeutet. In den letzten Jahren hatten sie sich angenähert. Sie hatte ihn ab und zu um Rat gefragt, wenn es ein Problem gab und sie keine Lösung sah. So sehr Dirk sie am Anfang ihrer Zeit im 14. aufgeregt hatte, die Chefin war dankbar für die Jahre mit ihm. Sie hatten immer mehr die gleiche Welle gefunden und auch privat hatten sie sich prima verstanden.
Aber nicht nur mit ihm hatte sie sich immer besser verstanden. Auch der rothaarige Mann, der rechts von ihr stand, war ihr immer mehr ans Herz gewachsen.

Ich liebte Wälder, die Berge und das Meer,
Die Sonne, die durch die Nebelwand dringt,
Mit ihrem Schein die Seele wärmt,
Alle Ängste und Zweifel bezwingt.

Hannes Krabbe hielt der Revierchefin eine Taschentuchpackung hin. Dankbar lächelnd zog sie eins der Taschentücher heraus und gab ihm die Packung zurück. Sie tupfte sich ein mal über die Augen und steckte es dann in ihre Jackentasche. Der Polizist lächelte und legte einen Arm um ihre Schulter. Die sonst so streng wirkende Revierchefin lehnte sich etwas an ihn und genoss den Moment.
Heute war es nicht wichtig, wer sie so zusammen sah. Heute konnte es ruhig jeder erfahren, dass sie mehr verband. Dirk hatte es natürlich gewusst. Er war nicht wirklich ein Romantiker gewesen, aber doch hatte er irgendwie eine Antenne für die Gefühle seiner Mitmenschen gehabt.

Hab mein Leben gelebt, geliebt und gelitten,
bekommen, verloren, genommen, gegeben.
Hab gelacht und geweint, mich versöhnt und gestritten.
Ich bin am Ziel und es war schön, dieses Leben.

Alle hingen ihren eigenen Gedanken nach, doch waren sie alle bei dem Mann, der in ihrer Mitte fehlte. Er hatte eine Lücke hinterlassen, die man als Eingeweihter nur schwer übersehen konnte. Egal ob auf der Wache, auf Streife und auf Einsätzen oder privat, jeder hatte viel mit ihm erlebt.
Die Gruppe, die sich jetzt an der Elbe versammelt hatte, war wie eine kleine Familie innerhalb des 14. Reviers. Alle für einen und einer für alle. Sie waren für einander da in guten und schlechten Zeiten. Jeder von ihnen hatte mal auf der Repsold gesessen mit dem alten Seebären, wenn es ein Problem gab oder eine Frage auf der Seele brannte.  

Mir geht's jetzt gut, ich bin dankbar für alles,
Für jeden gemeinsamen Schritt.

Lothar stand neben Nicki und starrte auf den Fluss. Er konnte es immer noch nicht ganz glauben. Klar, waren Dirk und er älter geworden, aber Lothar dachte wirklich, dass sie noch einige Jahre zusammen bei Big Harry bei Apfelschorle und Bier sitzen könnten.
Er sah nach links zu der Brünetten, die neben ihm stand. Immer wieder hörte er sie schluchzen und es tat ihm in der Seele weh. Nicki war damals eine Top-Praktikantin gewesen und er hatte sie nur ungern gehen lassen. Doch leider musste sie ihren Weg im Polizeiapparat weiter gehen. Sie war eine wunderbare Polizistin geworden und Lothar freute sich immer, wenn er sie mal wieder traf.
Für die Braunhaarige war Dirk ein Vorbild gewesen. Zusammen mit Lothar hatte er als Revierleiter einen größeren Anteil an ihrer Ausbildung gehabt, war wie ein Mentor für die junge Frau gewesen und hatte Eindruck hinterlassen. Um so schlimmer war die Nachricht seines Todes für Nicki gewesen.

Wollt ihr mich seh'n, so schließt die Augen,
Wollt ihr mich hör'n, so lauscht dem Wind.
Wollt ihr mich seh'n, schaut in die Sterne,
Wollt ihr mich hör'n, kommt an den Fluss.

Anna sah lächelnd auf die Menschengruppe, an dessen Rand sie stand. Sie waren immer noch wie eine Familie. Einige Personen hatten sich verabschiedet, dafür waren Neue hinzugekommen. Aber es war genau wie früher. Man konnte die Verbindungen innerhalb der Gruppe spüren. Jeder war für jeden da.
Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum sie nach einigen Jahren Pause wieder in den Polizeidienst zurückgekehrt war. Zurück zur Polizeifamilie, zurück zu den Freunden vom 14.
Und so schlimm so mancher Einsatz auch war, sie wusste wofür sie es tat. Und wenn es mal gefährlicher sein sollte, übte sie ihren Dienst aus mit dem Wissen, dass für ihren Sohn gesorgt war. In dieser Familie wurde keiner alleine gelassen. Auch die Kinder der Beamten nicht. Es wäre jemand da, der dafür sorgte, dass Max zu ihrer Familie gebracht würde. Es war jemand da, der seine Fragen beantworten würde.

Wenn Musik erklingt, lasst mich bei euch sein.
Wenn ihr die Krüge erhebt und feiert ebenso
Bei helllichtem Tag wie bei Feuerschein.
Gedenkt meiner und dann seid bitte froh.

Nina und Daniel hatten nicht so viele Jahre mit Dirk gehabt, wie Lothar, Harry oder Katja, aber auch sie waren für jeden einzelnen Tag mit dem Polizisten dankbar. Beide hatten viel von ihm lernen können und sie würden sich nur schwer an die Wache ohne ihn gewöhnen können.
Aber nicht nur in der Wache würde er fehlen. Auch bei ihren Treffen mit den Kollegen, egal, ob bei Big Harry, an der Repsold oder in irgendeinem Hamburger Park zum Picknick oder Grillfest, sie würden ihn sehr vermissen.

Wollt ihr mich seh'n, so schließt die Augen,
Wollt ihr mich hör'n, so lauscht dem Wind.
Wollt ihr mich seh'n, schaut in die Sterne,
Wollt ihr mich hör'n, kommt an den Fluss.

Ben dachte in letzter Zeit öfter an das Haus zurück, in dem Dirk damals angeschossen wurde. Ohne die Erlebnisse dort wäre er nicht dem Team vom 14. Revier begegnet und er wäre auch kein Teil von ihnen geworden. Wenn er sich vorstellte, dass er weder dieses tolle Team, noch seine Traumfrau getroffen hätte, tat ihm das Herz weh. Die Anfangszeit mit Katja war nicht einfach gewesen, aber spätestens, als seine ehemalige Kollegin Jasmin sie mit dem 14/2 im Fluss versenken wollte, waren sie ein richtiges Team geworden.
Und Dirk hatte einiges dazu beigetragen, dass sie dieses tolle Team geblieben waren. Auch nach Bens Dienstende war der ältere Polizist mit der Kollegin im Schlepptau bei seinen Spielen aufgetaucht und hatte ihn weiter zu Barabenden und Grillfesten eingeladen. So waren die Verbindungen innerhalb des Teams und vor allem mit Katja erhalten geblieben.
Und Ben war zu Dirk auf die Repsold gegangen, bevor er Katja die wichtigste Frage gestellt hatte. Wie bei einem Gespräch mit dem Vater seiner Angebeteten hatte er sich gefühlt…dabei war Dirk nicht wirklich Katjas Vater. Das hatte aber niemanden gestört.
Lächelnd griff er nach der linken Hand der Blondine und strich mit dem Daumen über den silbernen Ring, der am Ringfinger steckte. Sie lächelte ebenfalls und kuschelte sich kurz an ihren Verlobten.

Werd ich ganz nah bei euch sein,
Schließt mich in euren Herzen ein.

Sie alle wussten, dass es ihm jetzt besser gehen würde, egal wo er jetzt war. Die letzten Monate waren für den älteren Polizisten nicht einfach gewesen. Das Alter und das Leben hatten seine Spuren hinterlassen. Dazu seine Arbeit, die auch nicht immer einfach gewesen war. Einige von ihnen waren überrascht, dass er es überhaupt solange in der Wache ausgehalten hatte. Ben hatte mal zu Katja gesagt, dass ihr Freund ohne die Arbeit im 14. Revier eingehen würde wie eine Blume. Und sie musste ihm zustimmen, denn so Unrecht hatte er damit bestimmt nicht.
Harry und Katja fingen an die Bierflaschen aus dem Kasten zu verteilen und Ben gab den Flaschenöffner rum. Nach dem Treffen an der Elbe wollten sie den Abend in Katjas und Bens Haus ausklingen lassen, dass sie im Sommer bezogen hatten.

Besucht mich hier an meinem Stein.

„Auf Dirk Matthies“, sagten sie einstimmig und tranken jeder einen Schluck.
Er würde immer zu ihnen gehören, egal, wo er jetzt war.

Jan Fedder
14.01.1955 - 30.12.2019
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