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Druidenmacht (zwischen Adventsspuk und Sündenbekenntnisse zu lesen)

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan
08.03.2020
08.03.2020
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Philip Callaghan saß am Schreibtisch des Praeceptors des Legates in Dublin. Der Raum lag im Erdgeschoss des prachtvollen Anwesens und durch die großen Fenster in den Innenhof konnte er in den Innenhof schauen, wo sein und Astartes Adoptivsohn Christian an dem Steinkreis spielte. Der Kreis war ein uraltes Relikt, das wahrscheinlich zur Zeit von Christi Geburt errichtet worden war und das Legat in Dublin war um ihn herum gebaut worden. Es war Mitte Januar und Christian war mit Astarte von einem Aufenthalt auf Norderney, bei Hagiel, dem – wohl eher himmlischen – Vizebotschafter und dessen Frau Mathilde zurückgekommen. Draußen schneite es ein wenig und besorgt vergewisserte sich Philip, dass Christian auch warm genug angezogen war.
Gedankenverloren schüttelte er dann den Kopf und fragte sich immer noch, wie er eigentlich hierher gekommen war. Noch vor einem Jahr war er Priester gewesen und dann war Astarte/Astaroth sehr massiv in sein Leben eingedrungen und hatte ihm klar gemacht, dass er Derek Rayne immer beneidet hatte: Eine spannende, nicht so eingeschränkte Arbeit, eine wunderbare Frau und entzückende Kinder. An Derek Raynes Stieftochter, Katherine Corrigan-Rayne wollte er gar nicht denken, denn er gestand sich ein, dass die für ihn immer unberechenbarer geworden war, was er nicht zuletzt auf ihren Lieblingspaten – den Höllenfürsten und höllischen Botschafter zurückführte. An sich war Philip sogar überrascht, dass der überhaupt die Beziehung von Astaroth/Astarte zu ihm zuließ, denn vor „Lucian Belial Rayne“ – schlicht Lucifer persönlich – hatte er noch mehr Angst als er zugeben wollte.
Leise zu sich selbst murmelte er: „Sieh dich nur an... jetzt sitzt du hier, mit interessanterer Arbeit als das wöchentliche Predigten schreiben, hast eine hübsche Frau an deiner Seite – zumindest wann immer sie Lust auf dich hat...“ unwillkürlich musste er grinsen. Astarte war sehr leidenschaftlich und hatte sehr oft „Lust auf ihn“... was er inzwischen sehr genoss... „und einen Sohn, der dich auch schon Papa nennt obendrauf...“
Plötzlich rieb er seine Augen. Was huschte da zwischen den Steinen des Steinkreises umher? Raben? Nein, es war irgendwas anderes, etwas Gefährlicheres, das spürte er. Unwillkürlich rief er nach Astarte. Astaroth erschien und gab Philip einen Kuss auf die Wange. „Hallo Schatz, du hast ein wenig panisch geklungen. Was ist den los?“ fragte der himmlische Sekretär liebevoll.  Mit ein wenig innerer Genugtuung, das lag ihm als gefallenem Engel offensichtlich einfach im Blut, nahm er wahr, dass Philip sichtlich zusammenzuckte. Als Astarte war er seinem Geliebten lieber, doch Philip musste lernen, dass er geliebt wurde – von Astaroth, der auch Astarte sein konnte...
„Gut, dass du gleich... ähm... gekommen bist... schau mal bitte in den Innenhof – am besten durch das Fenster. Ich habe ein ganz seltsames Gefühl. Irgendwas ist da bei Christian... Ich bin mir nicht sicher, aber... Vielleicht weißt du was das ist... Vielleicht irgendwas, was... was dein Chef geschickt hat um auf ihn aufzupassen?“ meinte der Leiter des Dubliner Legates. Astaroth runzelte die Stirn. „Lucifer? Der hätte mir etwas gesagt. Von dessen Seite kommt es bestimmt nicht.“ antwortete er und sah aufmerksam in den Garten auf den Steinkreis.
„Mist, das ist nicht etwa ein Ding aus der Hölle, das sind Zeitanomalien!“ fluchte er im nächsten Augenblick und war sofort im Innenhof, wo er sich Christian schnappte und das, womit der Kleine spielte. Als er wieder im Arbeitszimmer von Philip erschien, setzte er ihm ein kleines Tier – wobei klein relativ war – auf den Tisch. Es war eine Katze. „Ein junger Smilodon, ein Säbelzahntiger...“ erklärte er Philip. „Ich werde mir das genauer ansehen. Christian, du bleibst bei Philip und ich werde den Säbelzahntiger...“ „Oh Papa Astaroth, bitte, darf ich das Kätzchen behalten?“ fragte der kleine Junge. „Mein Süßer, das ist ein wildes Raubtier, das seit vielen tausend Jahren nicht mehr existiert. Raubtiere sind gefährlich. Wenn du brav bist, bekommst du einen kleinen Hund oder ein Schäfchen?“ „Das ist langweilig! Ich will keinen Hund! Und ein Schaf ist auch langweilig! Das Kätzchen ist klug und zu mir ist es lieb!“ widersprach der kleine trotzig.
Astaroth lächelte, setzte ihn auf den Boden und beugte sich zu ihm hinab. „Christian, bitte sei vernünftig. Wir können auch über eine Katze reden, aber nicht über diesen Säbelzahntiger!“ sagte er freundlich. „Aber der ist doch so klein und hat genau die richtige Größe!“ Philip schwieg etwas entsetzt. Er wollte sich gar nicht vorstellen wie groß ein Säbelzahntiger werden konnte. Astaroth lachte leise. „Ja, jetzt ist er noch klein, aber er wird sehr schnell größer werden und ein Tiger frisst Fleisch und du könntest sehr schnell ein leckeres Häppchen für ihn werden.“ „Tiberia würde mir nichts tun, Papa Astaroth!“ Der gefallene Engel lächelte. „Jetzt sicher noch nicht, aber in ein, zwei Monaten wird Tiberia größer sein als du. Wie ich schon sagte: Du bleibst erst einmal hier und ich sehe mir das da draußen genauer an.“ Traurig nickte Christian und sah zu, wie Astaroth den kleinen Säbelzahntiger nahm und im Innenhof auftauchte. Er setzte die kleine Raubkatze in die Mitte des Steinkreises, wo er sie mit einem Bannspruch festhielt, dann ging er um das Relikt herum und versuchte die Schwingungen zu analysieren, die von den Steinen ausging.
Christian sah ihm durch das Fenster mit Philip zu. Der Legatsleiter war so beschäftigt, dass er gar nicht merkte, wie sein Sohn zum Schreibtisch ging, nach dem Telefon griff und wählte. Es klingelte zwei oder drei Mal, dann meldete sich Euangelion am anderen Ende. „Himmlisch-Höllische Botschaft, Vorzimmer der Botschafter, Euangelion, Sekretär von Botschafter Rayne am Apparat.“ meldete der Engel sich. „Hallo Euangelion, hier ist Christian. Ist Onkel Lucian da? Papa Astaroth hat ein Problem mit Zeitanomalien – hat er gesagt. Bei uns in Dublin, wegen dieses Steinkreises im Hof...“ Entsetzt fuhr Philip herum als er „Onkel Lucian“ hörte und mitbekam, dass Christian telefonierte. Er nahm hastig den Telefonhörer und sagte: „Es ist nicht nötig, Ihren Chef zu behelligen, Euangelion, ich...“ „Callaghan, gib mir meinen Neffen! Euangelion hat deinen Sohn gleich durchgestellt und ich würde gern mit ihm reden!“ hörte er jedoch Belials Stimme. „Da gibt es nichts zu reden, wirklich! Und... Astaroth ist hier. Christian hat alles was er braucht!“  Damit legte Philip den Hörer auf. „Wie konntest du nur in Paris anrufen? Ohne zu fragen! Das möchte ich nicht!“ Christian sah ihn erstaunt an. „Aber Onkel Lucian ist total nett, mein Lieblingsonkel und ein Freund von Papa Astaroth – oder Mama Astarte. Und er ist sehr klug und kann bestimmt helfen – auch, dass ich Tiberia behalten kann!“
Der Fürst der Finsternis starrte fassungslos auf das Telefon in seiner Hand. "Der hat einfach aufgelegt. Das ist doch nicht zu fassen! Der lernt mich jetzt kennen."  Euangelion seufzte. "Was? Hast du etwa Mitleid mit dem...?" fragte er seinen Sekretär hörbar verärgert. "Nicht wirklich Lucifer, aber... Philip Callaghan fürchtet sich ohnehin schon vor dir und wenn du jetzt noch hingehst und ihn runter machst..." Belial sah ihn etwas überrascht an. "Das ist mir scheißegal!" antwortete er lauter als gewollt, "Dieser kleine Sterbliche mag zwar mit Astarte rummachen, aber keiner legt einfach so auf, wenn ich mit meinem Neffen rede!“ und verschwand.
Er tauchte in Philips Arbeitszimmer im Legat in Dublin auf. Noch ehe er etwas machen konnte, wurde er von Christian umarmt. "Onkel Lucian, schön dass du da bist." Belial umarmte ihn kurz und drückte ihn einmal ganz fest. "So jetzt muss ich aber mit... Philip reden. Geh bitte in dein Zimmer!" befahl er streng. Der Junge wollte protestieren, gehorchte dann aber doch. Er ließ seinen Lieblingsonkel los und verließ den Raum.
Belial ging auf den Ex-Priester zu, packte ihn an den Schultern und drückte ihn brutal an die Wand. "Jetzt hör mir mal zu: zum Ersten: Du springst nicht so mit mir um! Leg noch einmal auf wenn du mich am Telefon hast und ich werde richtig ungemütlich. Zum Zweiten: Du weißt genau was ich von dir halte, wäre es damals nach mir gegangen hätte Yaotl deine Seele erhalten. Ich habe es nur Derek zu liebe getan, weil er meinte das hättest du nicht verdient. Das hat mich damals -wie schon bei Derek einiges an Kraft gekostet - bei dir sogar noch mehr, weil du ein Schwächling bist! Rückgratlos und geistig schwach! Derek ist gegen dich wie ich gegen Euangelion! Und dann schnappst du dir auch noch Astarte! Du hast ja keine Ahnung, wie mich das im ersten Moment traf. Meiner Meinung nach hast du Astarte gar nicht verdient und sie etwas viel, viel besseres. Sei froh, dass ich nicht eingegriffen habe, aber das mache ich nicht für dich! Das sollte dir..." Wütend trat die schöne Göttin ein. "Lucifer, lass sofort..." fuhr sie ihn an. Der Höllenfürst kochte vor Wut, weil sie ihn so anging. Er ließ von Philip ab. "Du wagst es mir etwas zu befehlen und dazu noch in diesem Ton? Was glaubst du wer du bist, Astarte? Eine Göttin, ja und dazu noch eine wunderschöne, ein Seraph, wie ich als Astaroth, stimmt... aber ich bin dein Herr und immer noch überlegen, also pass auf was du sagst!" sagte er gefährlich leise. "Lucifer, ich... liebe Philip und..." er war dicht vor sie getreten, hatte sie in seine Arme gezogen und küsste sie leidenschaftlich.
Philips Gefühle tobten in ihm, eifersüchtig beobachtete er den Kuss, sagte aber nichts aus Angst vor dem Höllenfürsten. Der ließ die schöne Frau nicht los, während er weitersprach. "Ich weiß Astarte. Deshalb... gönne ich dir dein Glück mit diesem kleinen Ex-Priester ja auch. Aber du weißt, dass ich nichts von ihm halte. Und außerdem legt der kleine... Palomalakas am Telefon einfach auf, wenn ich mit ihm rede. So behandelt mich KEINER und DER erst recht nicht! Ich mag dich noch immer sehr Astarte und auch Astaroth. Und das ist der einzige Grund warum ich diese Beziehung widerwillig geduldet habe. Aber ich erwarte in Zukunft mehr Respekt von deinem... Freund... denn sonst lehre ich ihn Respekt. Und ich erwarte jederzeit mit Christian, den ich sehr mag reden zu können, wann immer ich es möchte oder er." "Ich mag dich auch noch sehr Lucifer, du bedeutest mir noch immer sehr viel, aber in sexueller Hinsicht gehöre ich jetzt zu Philip allein. Ich liebe ihn, wirklich!" Sie blickte ihn bittend an, dies auch weiterhin zu akzeptieren. Belial nickte.
"Ich schicke dir Christian runter, während ich mit Philip rede. Komm Liebster!" sagte sie sanft und streckte die Hand aus. Philip ergriff sie und ließ sich mitziehen. Er zuckte zusammen als er fühlte, wie der Höllenfürst in seine Gedanken einbrach. So schmerzhaft wie es ich anfühlte, war es schwarze Magie, die er anwandte. Philip war sich im klaren, dass er bei jedem anderen die Weiße benutzt hätte.
"Sie ist gut im Bett, nicht wahr? Dir sollte klar sein, dass sie von mir eine Menge gelernt hat!" sagte er finster und grinste. Er sah sich in dem Arbeitszimmer um, während er auf seinen Neffen wartete. Er fühlte sich hier nicht wohl, die Art wie dieser Raum eingerichtet war erfüllte ihn mit Unbehagen. Bei genauerem Hinsehen, erkannte er auch warum. Es befanden sich zu viele katholische Reliquien in diesem Raum. Um dieser geballten Sammlung zu entgehen, zauberte Belial sich in den Innenhof, wo er den kleinen Säbelzahntiger im Magischen Feld entdeckte in dem Astaroth das Tier gebannt hatte. Er löste den Bann und versuchte den kleinen Smilodon zu sich zu locken, doch ängstlich wich das Tier zurück. „Onkel Lucian!“ rief in diesem Moment Christian. „Das ist Tiberia, ist sie nicht niedlich?“ Der kleine Säbelzahntiger wich seitlich aus und sprintete auf Christian zu, der ihn auf den Arm nahm. „Ich will sie behalten, aber Mama sagt, sie sei gefährlich...“ Belial kam auf ihn zu – der Tiger fauchte ihn an. Er lächelte belustigt. „Scheint, dass sie dich mag, deine Tiberia. Sie beschützt dich schon vor mir. Ehrlich gesagt... vielleicht ist es sogar ganz gut ein ungewöhnliches Haustier zu haben, allein schon um deinen Vater zu ärgern...“ sagte er. Sein Neffe strahlte ihn an. „Dann redest du mit Mama und Papa?“ Belial grinste. „Klar... denn ich vermute doch mal, du hast mich wegen deiner kleinen Freundin hier angerufen, oder?“ Christian nickte. „Aber nicht nur, ich wollte dir gern mein neues Zuhause hier in Irland zeigen.“
Belial wuschelte ihm durch die Haare und wich lachend der Tatze von Tiberia aus. „Das ist mein Onkel! Sei brav!“ schimpfte Christian mit dem kleinen Tiger. Belial lächelte. „Sie beschützt dich nur. Sie spürt, dass ich gefährlich bin und sie kann nicht richtig einschätzen, dass ich dir nicht schaden würde, weil ich dich mag. Mit ein wenig Geduld lernt sie es aber sicher. Aber jetzt erzähl mal, was wollen wir heute noch machen?“ sagte er und sah seinen Neffen aufmerksam an.
In Gedanken klinkte er sich jedoch in Philip Callaghans Gehirn ein um zu erfahren, was Astarte mit ihrem Geliebten besprach. „Du bist doch wohl nicht gescheit! Wie kannst du Lucifer nur so brüskieren und auflegen? Du hättest dir doch denken können, dass er darauf nicht gerade jubelnd reagiert oder sich das gefallen lässt! Er toleriert dich, aber er mag dich nicht!“
„Das ist mir egal! Ich will nicht, dass er hier ist! Ich mag ihn auch nicht! Er ist der Teufel, der Antichrist und... böse und ich will nicht, dass unser Sohn seinem Einfluss ausgesetzt ist! Außerdem hat er nicht das Recht mich in meinem... Haus "Wichser" zu nennen, auch wenn er mich auf Griechisch beleidigt hat, er weiß, dass ich ihn verstanden habe!“ rief Philip wütend. Astarte gab ihm eine Ohrfeige. Belial grinste im Innenhof, während er seinem Neffen zuhörte. „...Und ich würde gern das „Book of Kelts“ im Museum ansehen. Gehst du mit mir hin, Onkel?“ „Natürlich, ich komme Morgen vorbei und dann sehen wir uns das an.“ „Und auch Kilmainham Gaol?“ Belial sah ihn überrascht an „Das Príosún Chill Mhaighneann? Du willst dir ein Gefängnis ansehen?” fragte er. “Ich mag Geschichte, Onkel Lucian. Ohne Geschichte gibt es keine Gegenwart und keine Zukunft. Aus Geschichte können wir lernen, sagt Mama zumindest immer.” Innerlich seufzte Belial. Als man dem Jungen Bildung seitens des Himmels hatte zukommen lassen nachdem Astaroth ihn völlig vernachlässigt und unterentwickelt in geistiger Hinsicht in der Krippe entdeckt hatte, wo er trotz seines eigentlichen Schulalters von der kurzfristigen Vertretung der Leiterin Madame Brissac hingesteckt worden war, hatte man wieder übertrieben. Nicht nur, dass Christian - neben seiner eigentlichen Muttersprache Französisch - inzwischen auch fließend Englisch, Gälisch und Deutsch sprach, er hatte auch Interessen entwickelt, die nicht zu seinem Alter passten.
Im Wohnzimmer ging der Streit weiter. “Was sollte das? Liebst du ihn etwa? Und wieso kann er hier überhaupt einfach so auftauchen? Auf Angel Island war das nicht möglich?!” Astarte war jetzt offenbar wirklich wütend. “Ich liebe dich, du Idiot! Als Astarte und als Astaroth! Ich genieße das Beisammensein mit dir in beiden Gestalten, du ignorantes Gesäß! Klar, ich hatte eine sehr leidenschaftliche Affäre mit Lucifer, aber das war vor langer Zeit, da hast du noch gar nicht gelebt – oder besser: Ich habe mich noch nicht für Sterbliche interessiert. Falls du das noch nicht begriffen hast, Philip, dann hat Lucifer wohl wirklich recht: Du hast mich nicht verdient!” Belial ballte die Fäuste, als er durch Philips Augen sah, dass die schöne Göttin Tränen in den Augen hatte. “Und was Lucifers Auftauchen hier betrifft: Zum ersten, Philip: Derek ist – auch wenn du das nicht gern hörst – mental sehr viel stärker als du, zweitens ist das Legat und der Posten des Praeceptors seit Generationen im Familienbesitz und Drittens: Auch Rachel hat Lucifer damals abgelehnt! Wenn dir das nicht passt, dass er hier einfach auftauchen kann, Philip, dann müssen Christian und ich gehen, denn wir wohnen hier – durch dein Einverständnis – auch, und wir beide mögen ihn!” Philip wollte Astarte in den Arm nehmen, doch die wehrte ab. „Nein, darauf kann ich verzichten!“ Sie sah ihn plötzlich aufmerksam an und grinste. „Ich vermute, du kannst dir gleich noch eine Strafpredigt von Lucifer anhören... das sollte dir auch beweisen wie viel stärker Derek war. Er hat es immer bemerkt, wenn Lucifer in seinen Gedanken war! Durch dich, Philip, hat Lucifer unser gesamtes Gespräch mitgekriegt, während er sich im Innenhof mit unserem Sohn unterhalten hat. Langsam frage ich mich wirklich, was ich an dir finde, Philip Callaghan!“ Wütend drehte sie sich um und verließ den Raum. Philip sank verzweifelt auf das Sofa und vergrub das Gesicht in den Händen. "Verschwinden Sie aus meinem Kopf!" hörte Belial ihn murmeln.
Mit einem diabolischen Lachen antwortete der Höllenfürst: "Du bist so ein Narr! Einmal Pfaffe, immer Pfaffe. Du hast es gründlich vergeigt das sag ich dir nicht als "Antichrist" sondern als Astartes Freund, als Astaroths Freund. Du hast beiden weh getan und wirst es büßen!" Damit verschwand er aus den Gedanken Philips und sah Astaroth entgegen, der den Innenhof betrat.
„Und, hast du dir den Steinkreis angesehen?“ fragte der Sekretär seines himmlischen Botschafterkollegen. Belial nickte. „Die Steinkreise sind weltweit alle irgendwie verbunden. Angefangen bei diesem kleinen bis hin zu Stonehenge und darüber hinaus. Sie sind an sich schon mächtige Relikte, aber irgendwo wurden Zauber gewoben um Zeitportale zu öffnen. Was ich gespürt habe: Sie gehen nur in die Vergangenheit. Offensichtlich versucht jemand die Gegenwart und Zukunft zu beeinflussen... Stellt sich nur die Frage: Wer tut das und wieso?“
„Irgendwer hat auch versucht, dieses Tor... auszusparen, habe ich das Gefühl.“ murmelte Astaroth und seufzte, als er den kleinen Säbelzahntiger auf dem Schoß seines Sohnes schnurrend liegen sah. „Willst du drüber reden?“ fragte Belial sanft in Astaroths Gedanken. „Du weißt, dass ich durch Philip gelauscht habe, aber... ich habe mir Sorgen gemacht. Wir sind vor langer Zeit einmal sehr vertraut miteinander gewesen... bevor ich Selvaggia getroffen habe... soll ich mit Philip reden?“ „Nein, bitte nicht. Ich werde mit Christian nach Paris kommen. Soll er hier verrotten!“ „Das meinst du doch gar nicht so! Warte ab, mein Freund, und euer Sohn braucht Philip, auch wenn er der Ansicht ist, dass du sowohl als Vater als auch als Mutter viel cooler bist als sein „Papa Philip“. Tatsache ist, dass wir nun einmal Seraphim sind und Christian ist ein Mensch und braucht somit auch menschliche Vorbilder. Bei meinen Kindern und auch bei Metatrons ist das anders... aber selbst Said-Angelo hat jetzt Catherine als menschlichen Faktor in seinem Leben und bei meinen sind es Derek und Rachel, auch wenn sie und meine zwei Patenkinder dank Vaters... Eingreifen jetzt nicht mehr einfach so sterben werden... mein Großer liebt Derek – und ganz nebenbei natürlich auch seine Christina-Luciana... und die Zwillinge freuen sich auch immer, wenn Rachel und Derek da sind... Und vielleicht... Ich weiß, dass du dir – als Astarte – immer Kinder gewünscht hast. Nicht nur eins, sondern mindestens zwei... Ich könnte mit Vater reden. Immerhin will er nicht, dass das Kind von Seraphielle und Sealthiel bei seinen Eltern – die zudem keinen wirklich freien Willen haben – aufwächst... und du könntest die ideale Lösung sein, auch mit diesem – entschuldige – Narren, in den du dich verliebt hast."
Astaroth seufzte laut. „Mal sehen, momentan eher nicht...“ Christian sah sie aufmerksam an. „Ihr habt gerade in Gedanken miteinander geredet, oder?“ fragte er leise. Belial legte einen Arm um seine Schulter. „Ja, aber es ging nicht um dich.“ „Aber Papa Philip ist doch ärgerlich, dass ich dich angerufen habe und...“ „Christian, Philip ist... schwierig. Weißt du, deine Mama Astarte und ich waren mal sehr... gut befreundet, so wie sie jetzt mit Philip befreundet ist. Das ist zwar schon über 500 Jahre her, aber er ist eifersüchtig... und außerdem... soll ich mal mit meinem Vater reden? Du weißt ja, dass deine Mama keine Kinder bekommen kann, aber es gibt da ein Kind, das bald geboren wird, das eine Familie braucht...“ Christian hatte aufmerksam zugehört, jetzt strahlte er. „Oh ja, bitte! Mam... ähm... Papa Astaroth, können wir das Kind in unsere Familie holen?“ Astaroth seufzte. „Manchmal hasse ich dich, Lucifer. Du weißt, dass ich Christian kaum was abschlagen kann...“ Belial grinste. „Klar, und jetzt lasst uns ins National Wax Museum gehen oder lieber ins National Leprechaun Museum? Ich glaube, wir können alle ein wenig Spaß brauchen.“ Astaroth nickte. „Lasst uns gehen...“ murmelte er und wurde zu Astarte. „Mylady, darf ich bitten?“ sagte Belial charmant und hielt ihr den Arm hin, während er mit dem anderen Christian hochhob. „Und, junger Mann, was schauen wir uns mit deiner Mama an um sie davon abzulenken, dass dein Papa Philip ab und an ein Idiot ist?“ Astarte versetzte ihm einen leichten Hieb. „Rede bitte nicht so vor meinem Sohn von Philip!“ tadelte sie Belial in Gedanken. Der grinste sie nonchalant an. „Ich glaube, das Wachsmuseum ist netter.“ meinte der kleine Junge.
Kurz darauf standen sie vor dem Portal und Belial kaufte die Eintrittskarten. „Vielleicht möchte Ihr kleiner Sohn an der Kinderveranstaltung teilnehmen? In einer halben Stunde machen unsere Museumspädagogin und einer unserer Wachskünstler Handabgüsse aus Wachs mit Kindern.“ Belial lächelte; er hatte beobachtet, wie Christians Ablehnung beim Wort „Kinderveranstaltung“ sich zu Interesse gewandelt hatte, als er „Handabgüsse aus Wachs“ gehört hatte. „Ich glaube, mein Neffe ist dabei, oder Christian?“ Der Junge nickte. „Klar Onkel Lucian.“ Die Kartenverkäuferin lächelte, beschrieb ihnen den Weg zur Veranstaltung und gab ihnen die Karten. „Und danach kannst du auch ins Puppentheater in der „Kid’s World“ gehen, junger Mann.“ Christian lächelte gequält. „Ich schaue mir lieber die Abteilung mit den Wissenschaftlern an und die Geschichtsabteilung. Bob der Baumeister und Peppa Pig sind nicht so mein... Ding. Aber trotzdem danke...“ Erstaunt sah die Frau ihnen nach.
Währenddessen klingelte auf Angel Island das Telefon und als Derek dran ging, hörte er: „Hallo Derek... hier ist Philip. Ich bräuchte einen Rat von dir... einen... na ja... zwischenmenschlichen... wobei... nun... hm... Astarte ist ja nicht grad menschlich... aber gut... und ich bräuchte Hilfe... hier ist in dem Steinkreis ein Säbelzahntigerjunges aufgetaucht und selbst Astaroth ist besorgt, das habe ich ihm angesehen. Und ich habe ein weiteres Problem: Christian hat gleich in Paris angerufen und IHN... Astaroths... Chef... der ist jetzt hier und...“ Derek seufzte etwas genervt und unterbrach seinen ehemaligen Freund. "Um wen geht es eigentlich? Um Astarte oder um Belial?" "Ähm... um beide irgendwie... also der taucht einfach hier auf geht mich an und..." "Stopp Philip!" unterbrach Derek in abermals. "Belial taucht bestimmt nicht einfach so - freiwillig - bei dir auf und er geht dich ganz bestimmt nicht ohne Grund an! Also was hast du gemacht?" hakte Derek barsch nach. "Ich... ähm... Christian den Hörer weggenommen und... aufgelegt, nachdem ich sagte er solle sich von meinem Sohn fernhalten."
"Ach Philip, da wunderst du dich? Erstens: Lässt Belial sich nichts befehlen, außer vielleicht von Gott. Zweitens: Astaroth ist in der Hölle neben Samyaza wohl sein engster Vertrauter. Astarte, nun ja... es ist kein Geheimnis, dass er bis vor ein paar Jahren... vor Selvi noch mit ihr im Bett war und... auch wenn es keine Liebe war, besteht zwischen ihnen dennoch große Vertrautheit und tiefe Freundschaft. Da kannst du ihm nicht verbieten, sie zu besuchen und Christian..." Derek seufzte erneut. "Er mag den Jungen und Christian mag ihn, ob es dir passt oder nicht, er hat ihn zu seinem Lieblingsonkel auserkoren und "Onkel Lucian" wie er ihn nennt, ist wirklich sehr nett zu ihm und... kann wirklich mit ihm umgehen. Wie gesagt - alle drei mögen ihn, da kannst du ihnen nicht den Umgang verbieten." Derek hörte ein Schnauben am anderen Ende der Leitung. "Derek?" "Was?" fragte dieser genervt. "Kannst du bitte... also mir helfen, dass er verschwindet ... also kannst du herkommen?"
Derek seufzte. "Ich überlege es mir. Rachel ruft, dass das Essen fertig ist. Einen schönen Tag noch, Philip." "Warte, da ist noch was anderes - Christian hat mit einem Säbelzahntiger gespielt! Der ist immer noch hier im Innenhof!" rief Philip fast panisch bevor Derek auflegen konnte.
Astarte reicht ihrem Herrn und Freund, der sich lässig an die Wand gelehnt da stand, während er Christian im Auge behielt, der sich interessiert von den Museumsmitarbeitern zeigen ließ, wie man seine Hand in Wachs abnahm, einen Kaffee aus dem Automaten. "Igitt, der schmeckt ja grauenhaft!" riefen beide wie aus einem Mund. Unbemerkt von den anderen Besuchern ließen sie ihre Kräfte wirken und zauberten, so dass der Kaffee genießbar wurde. "Astarte... du solltest nochmal mit Philip reden!" Sie sah ihn etwas verständnislos an. "Und das sagst ausgerechnet du? Du kannst Philip doch nicht leiden." Belial seufzte. "Aber du liebst ihn! Und ich weiß was es heißt zu lieben und auch... vor Sehnsucht zu vergehen, und das über Jahrhunderte. Das möchte ich nicht für dich Astarte, dazu mag ich dich noch viel zu gerne." sagte er mitfühlend, zog sie an sich und nahm sie tröstend in den Arm. "Sag mal was genau ist denn zwischen dir und Philip vorgefallen, der hat mich angerufen und wollte, dass ich ihm einen Rat gebe was Astarte angeht und dann redete er plötzlich von dir." hörte der Höllenfürst Dereks Stimme in seinem Kopf. "Vielleicht sollte ich dich nach Irland holen und du redest mal mit Philip. So von Mensch zu Mensch." antwortete er. Nachdem er Astarte davon erzählt hatte hielt auch sie es für eine gute Idee, Derek herzuholen. "Wenn ihm einer klar machen kann, dass du Christian nichts Böses willst und wir immer sehr enge Freunde sein werden und was diese Freundschaft für uns bedeutet dann er, denke ich." bestätigte die schöne Göttin. Belial, verzog sich in eine Nische des Raumes um Derek her zu zaubern. "Aber ich mache es nicht wirklich für Philip. Eher für dich Astarte!" sagte der als er sich alles aus der Sicht von Belial und Astarte angehört hatte und auch eine Eintrittskarte für das Museum von Belial erhielt, denn der Höllenfürst war der Ansicht, dass "der Pfaffe ruhig noch schmoren könne!" wie er sich ausdrückte.
Christian freute sich sichtlich, als er den Neuankömmling sah. „Onkel Derek, du bist auch da? Da freue ich mich aber! Möchtest du auch eine Wachshand haben? Für Mama und Papa und für Onkel Lucian und Tante Selvaggia habe ich schon je eine gemacht. Meinst du Tante Rachel freut sich?“ Derek begrüßte den kleinen Jungen. „Oh, das hört sich toll an. Gern.“ sagte er freundlich. Der Museumspädagoge lächelte. „Na, da hat aber jemand eine Familie, die einen großen Stellenwert für ihn hat.“  Belial lachte leise. „Na ja... mit seinen Onkeln und seiner Mama, meiner Schwester hier, wird es nie langweilig... und da ich Historiker und Mediavist bin... scheint, ich habe meinen Neffen angesteckt mit Interesse an Geschichte und Museen...“ antwortete er nicht ohne ein wenig Stolz, fügte dann jedoch hinzu: „Wenn er noch einen Wachsabguss haben möchte – ich bezahle das selbstverständlich.“  Die Museumsangestellten sahen einander an. „Also bitte, Sir, wir haben selten so interessierte Kinder und...“ Belial unterbrach den Wachskünstler mit einer Handbewegung. .„Ich denke, eine kleine Spende für die Museumspädagogik wäre eine nette Sache. Und da meinem Neffen das hier so viel Freude macht, wäre es wünschenswert, wenn Sie seiner Mutter Bescheid geben könnten falls es wieder irgendwas Pädagogisches im Angebot gibt. Dann kann er entscheiden ob er mitmachen möchte oder nicht.“
Der Museumspädagoge lächelte. „Das wäre wirklich toll. Die Arbeit mit Kindern kommt manchmal wirklich zu kurz. Wenn Sie so 10 Euro oder 15 spenden möchten, immer gern. Und wenn Christian hier wieder mitmachen möchte, jederzeit. Seine Mutter soll die Mailadresse aufschreiben und...“ Astarte zog eine Visitenkarte und reichte sie dem Mann. „Mrs. A. Roth? Oh, Sie arbeiten in Paris?“ Astarte lächelte. „Ja, aber das ist... durch meinen Arbeitsplatz kein Problem...“ Der Mann schluckte als er las: „Botschaft von Himmel und Hölle, Sekretärin des Himmlischen Botschafters, Seiner Exzellenz Merlin T. St.Cyr.“ Astarte lachte leise. „Mein Chef ist sehr nett. In vier, fünf Jahren bringe ich vielleicht meinen Patensohn Jan mit, seinen Sohn.“
Belial hatte derweil sein Scheckheft gezückt und reichte dem Museumspädagogen einen ausgefüllten Scheck. „Sie meinten ja, zehn reichen...“ sagte er mit einem Grinsen als er sah, dass bei der 5stelligen Summe - einer 10 mit noch drei Nullen dahinter - der Mann nah an einem Herzinfarkt war. „Aber ich warne Sie: Ich bin durchaus in der Lage herauszufinden, ob das Geld wirklich in die Museumspädagogik hier geflossen ist, beziehungsweise fließt... denn ich bin der höllische Botschafter... Haben wir uns verstanden, Dr. O’Donnal?“
Unterdessen saß Philip traurig in seinem Arbeitszimmer. "Warum muss ausgerechnet der Teufel, der beste Freund meiner Freundin sein und was findet Christian nur an ihm?" Er verabscheute den Fürsten der Hölle und er hatte große Angst vor ihm, da er ihn ausschließlich für böse und unberechenbar hielt. Philip wurde klar, dass die Angst der Grund war, warum er ihn nicht in seinem Haus und nicht in der Nähe seines Adoptivsohnes haben wollte. Er traute ihm kein Stück. Und er musste Astarte wieder versöhnen, er wusste nicht genau warum, er plötzlich angefangen hatte sie - und irgendwie auch Astaroth - zu lieben, als sie - oder er - damals in sein Leben getreten war... aber er liebte sie und wollte nicht mehr ohne sie sein.
Am Abend stürmte Christian ins Arbeitszimmer. "Schau Papa was ich gemacht habe, als ich mit Mama und Onkel Lucian im Museum war." Philip nahm den Handabguss entgegen und zwang sich zur Ruhe als sein Sohn so freudig von seinem höllischen Onkel erzählte. "Der ist für dich, Papa." sagte der Junge strahlend und umarmte ihn liebevoll. Es klopfte an der Tür. "Ja?" antwortete er traurig. Er sah enttäuscht aus, als Derek eintrat und nicht Astarte. "Hallo Philip, können wir mal kurz reden?" Der ehemalige Priester nickte. "Christian, lässt du Derek und mich einen Moment alleine?" fragte er liebevoll. Der Junge nickte verständnisvoll und verließ das Arbeitszimmer seines Adoptivvaters. "Nur um es mal klarzustellen ich bin nicht ausschließlich wegen dir da, auch wegen Astarte/Astaroth, die ich sehr gerne mag. Eigentlich gibt es nur zu sagen... arrangiere dich mit Lucifer! Du wirst Astarte, Astaroth und Christian verlieren, wenn du dich gegen ihn stellst. Und Belial wird dir das Leben zur Hölle machen, solltest du dich ihm gegenüber weiterhin so benehmen. Er kann sehr nett sein und ein loyaler Freund, aber auch ein unerbittlicher Gegner, das sagte man zu mir auch, als ich mich gegen ihn gestellt habe. Bis ich merkte wie sehr er eigentlich um meine und auch um Rachels Freundschaft gekämpft hat. Und denke immer daran, er hat sowohl mich als auch dich vor Yaotl bewahrt. Und ich an deiner Stelle würde mir den Fürsten der Hölle nicht zum Feind machen! Mach dir darüber mal Gedanken. Und übrigens hat Belial Astarte davon abgehalten sofort mit Christan in die Botschaft nach Paris zu ziehen. Schönen Tag noch, mein Freund." sagte er kühler als früher als Philip hin und wieder für das Legat in San Francisco gearbeitet hatte und Freundschaft und Vertrauen zwischen den beiden geherrscht hatte.
Derek verließ den Raum und begab sich wieder in den Salon zu Lucifer und Astarte. "Auch ein Glas Rotwein, Derek?" fragte die Hausherrin freundlich. "Bei Wein bin ich immer dabei." zwinkerte der Praeceptor des Legates auf Angel Island. "Was hat es denn jetzt eigentlich mit dem Säbelzahntiger auf sich? Und vor allem wo kommt er denn her?" erkundigte sich Derek neugierig.
Belial und Astarte sahen einander an, dann begann die schöne Frau zu erklären: „Derek, alle diese... Steinkreise sind miteinander auf eine magische Weise verbunden. Stonehenge mit dem im Innenhof dieses Legates, mit den Menhiren in Frankreich, mit vielen anderen rituellen und spirituellen Orten auf der Erde, wozu auch die Pyramiden gehören und einige Orte in Palmyra, Tempelruinen in Rom und auch Delphi und Dordona, die zwei großen Orakel der Antike, das des Zeus und das bekannteste, das mit Pythia, dem Apollon geweiht. Wie diese Orte jetzt genau verbunden sind und wie genau man sie verbindet ist erstmal unwichtig. Tatsache ist jedoch, dass die Aktivierung dieses Magiekreises nicht von einer einzelnen, auch nicht von einer Handvoll Personen initiiert werden kann, die zudem noch der Magie kundig sein müssen, sondern weltweit, kontrolliert. Zudem sollte der Steinkreis im Innenhof... ausgespart werden. Das ist nicht gelungen. Diese Orte sind... Portale... irgendwie... Je nachdem wie man sie öffnet... und wer... Lucifer und ich könnten beispielsweise – allein durch unsere Kräfte – ein Portal in die Hölle öffnen oder auf andere Planeten oder auch in die Zukunft. Die Menschen können nur in die Vergangenheit reisen.“
Derek sah Astarte nachdenklich an. „Aber was würde das bringen? Und was will jemand in einer Zeit wo es noch Mammuts und Säbelzahntiger gab?“ Belial lächelte. „Gar nichts... Durch den Versuch zu verhindern, dass dieses Portal hier... geöffnet wird, sozusagen, sprang die Verbindung weiter zurück als die Verbindungen, die man haben wollte.“ Derek sah beide aufmerksam an. „Und bis wohin sollte die Verbindung zurückgehen?“ Belial und Astarte seufzten unisono. „Vermutlich in die Antike. Zu welchem Zweck können wir nur vermuten. Stell dir eine Welt ohne Christentum vor. Eine Welt in der du noch in Europa lebst, vielleicht so gar nicht als Derek Rayne existierst, das Legat in San Francisco nicht da ist und dein Vater vielleicht noch leben würde und Druide wäre und du auch Druide in Ausbildung... Amerika wäre... anders... noch mit seinem alten Glauben und auch sonst... Vater würdest du als „Odin“ kennen, ich wäre höchstens Loki... Aber gewisse Kreise haben an irgendwas in der Richtung Interesse und ich möchte an sich nicht wissen, wieso...“ murmelte Belial. „Aber wir werden in Erfahrung bringen müssen, wieso...“ fügte Astarte hinzu. „Und ich hätte Rachel nicht getroffen und vieles andere! Um Himmels Willen, Belial!“ rief Derek entsetzt. „Und ich Selvi nicht, Metatron Cassandra nicht... – ganz zu schweigen davon, dass wir einander wohl nie begegnet wären...“
Astarte lächelte. „Ihr wäret einander wohl irgendwie begegnet... Und als Loki, Lucifer, hättest du schon einen anderen Ruf gehabt als im christlichen Glauben.“ murmelte sie. „Wer weiß – auf jeden Fall bin ich nicht scharf drauf das rauszufinden!“ knurrte Belial. „Ich auch nicht...“ stimmte Derek ihm zu. „Aber ich glaube, ich würde jetzt gern nach Angel Island zurück – oder nach Paris. Nimm es mir nicht übel, Asta, aber... Philip und ich sind halt nicht mehr so gut befreundet wie noch vor... fünf, sechs Jahren. Er hat als Seelsorger versagt, er hat als Freund versagt... und er hat Kat verletzt.“ Astarte sah Derek an. „Ja, ich weiß... es... ich hätte gern, dass es anders wäre, dass er... er Verständnis gezeigt hätte... vor allem nachdem Lucifer ihn damals vor Yaotl... bewahrte. Aber du musst zugeben, dass er doch besser verstanden hat, nachdem er in Acactili war und mit ihm die Seele getauscht hat...“ versuchte sie ihn zu besänftigen. Derek lachte traurig. „Asta, lass es, hat keinen Sinn. Er hat mein Vertrauen verloren und ich bin niemand der leichtfertig Vertrauen schenkt. Du weißt selbst wie lange Belial um mein Vertrauen und meine Freundschaft kämpfen musste! Du weißt, was er dafür riskiert hat! Aber egal. Es war ein netter Abend mit dir, meine Liebe, aber es wird Zeit.“ „Ja und nein... Derek... durch Vaters Willen seid ihr... unsterblich... ihr werdet auf der Erde sein bis ans Ende der Welt und danach wird im Garten Eden für euch immer ein Extra-Plätzchen sein, für euch und eure Kinder. Übrigens... es muss ja nicht bei den Zwillingen bleiben... Ich meine... vielleicht könntest du ja überlegen ob ihr, Rachel und du... ob ihr Philip eine Chance als Pate geben könntet...“
Derek seufzte. „Also zunächst: Erstmal haben wir die Zwillinge, das reicht momentan. Zum Zweiten: Philip so weit... wieder in unsere Familie zu lassen, dass er Pate wird... das braucht Vertrauen und das wird er nicht so schnell wieder erringen... zumindest nicht meins, wohl auch Rachels nicht und schon gar nicht Kats und du weißt, dass viele Entscheidungen bei uns Familienentscheidungen sind. Nichts für ungut, Asta, aber... wenn Rachel und ich nochmal ein Kind kriegen, wären wir uns sicher fix einig, dass du Pate wirst... aber nicht er!“  Astarte nickte sichtlich bekümmert.
„Lass uns nach Paris. Dann holen wir Rachel und die Kinder und machen es uns dort gemütlich...“ flüsterte Belial in Dereks Gedanken. Er nickte, spürte, wie Belial einen Arm um ihn legte und dann tauchte er in Paris mit ihm auf, wo Rachel mit den Zwillingen gerade aus dem Portal trat. „Onkel Lucifer!“ riefen die Kinder begeistert und rannten in die Arme ihres Patenonkels. Der lachte, nickte Rachel mit einem Zwinkern zu und umarmte die Kinder. „Hallo ihr zwei Rabauken, wie geht es euch?“ begrüßte er sie. „Toll, du, ist Luciano da? Und Luca und Sophia – können wir schon mit denen spielen?“ fragte Christina-Luciana. Belial lachte. „Luciano ist bestimmt im Spielzimmer – vielleicht sogar mit Samantha, denn vorhin war Alexandra mit ihr da. Der freut sich bestimmt, wenn du kommst, Herzchen! Und du weißt doch, dass seine Geschwister gerade mal ein paar Monate alt sind und noch in die Windeln machen. Die zwei schlafen viel und sind noch nicht alt genug um mit euch zu spielen.“ Das kleine Mädchen nickte nachdenklich, gab ihm einen Kuss und wand sich aus seiner Umarmung. „Ich bin dann im Spielzimmer!“ rief sie und rannte davon.
Belial lachte herzlich. „Sie ist wie ein kleiner Kobold, eure Tochter.“ meinte er zu Derek und Rachel. „Du verwöhnst sie auch maßlos... unsere beiden Kinder übrigens!“ seufzten die Eltern. Belial grinste. „Genau wie ihr meinen Lausebengel. Aber jetzt lasst uns noch ein wenig Salzgebäck und eine gute Flasche Wein holen und plaudern – oder... wollt ihr schlafen? Ich meine,...“ Rachel lachte. „Ach Belial, ich wäre sicher nicht mit den Kindern hier und würde sie noch mit Luciano spielen lassen, wenn morgen nicht Samstag wäre. Die Kinder müssen nicht in die Kita, Derek hat keine Vorlesung und im Legat können wir innerhalb von Minuten sein, abgesehen davon, dass er hier auch ein Arbeitszimmer hat, das jedem anderen den Eindruck vermittelt er sei auf Angel Island, inklusive gesicherter Leitung – von deinen höllischen Informatikern extra gesichert und von dir und Metatron dazu noch magisch... zu seinem Computersystem! Also bitte!“
Belial grinste lausbübisch. „Wie immer, meine liebreizende Freundin, hast du natürlich Recht...“ antwortete er charmant. Rachel lachte. „Ach ja... meine Güte, wie hätte ich dich in unserm Leben vermisst, Belial!“ Er legte je einen Arm um seine Freunde und zog sie mit sich ins große Wohnzimmer, wo bereits eine Flasche Wein stand, neben drei Gläsern und großen Schalen mit salzigem Popcorn, verschiedenen Chipssorten und Erdnussflips, Salzstangen und Reisgebäck. Irgendwann kamen auch Selvaggia, Metatron und Cassandra hinzu, die Kinder sagten Gute Nacht und wurden von Belial ins Bett gebracht, wo sie auch einschliefen, nachdem Belial ihnen das Gotteslob vorgesungen und eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt hatte.
Am nächsten Morgen erwachte Rachel und beschloss, da Derek in seinem Arbeitszimmer war, mit Cassandra einen Spaziergang durch Paris zu machen. Metatron bot sich an, sie zu begleiten, da Derek und Belial versprochen hatten, die Kinder zu hüten. Und so traten sie vor die Tür und machten sich auf den Weg zur Metro, trotzdem der Seraphim in ihrer Begleitung diese ungern nutzte. „Place d’ Esus“? Wann haben die denn die Station umbenannt?“ fragte Rachel überrascht. „Vor allem ist Jesus so falsch...“ „Nicht Jesus, Esus, Schatz...“ unterbrach Metatron seine Frau. „Esus ist eine keltische Gottheit, die an sich... lange in Vergessenheit...“ Er sah sich um. „geraten ist... und das ist nicht mal das Einzige, was mir seltsam vorkommt... guckt euch mal genauer um...“ Rachel schaute und keuchte auf. Statt der eleganten neuklassizistischen weißen Häuser des Boulevard Haussmann waren es hohe Gebäude, gebaut aus gebrannten Ziegeln! „Wieso ist uns das nicht... aufgefallen?“ fragte sie verblüfft. „Weil wir nicht so darauf geachtet haben und ich im „Menschenmodus“ bin, sozusagen... Ich habe meine gesamten Kräfte runtergeschraubt.“ murmelte Metatron und im nächsten Moment spürte Rachel – ebenso wie Cassandra – wie er seine Kräfte leicht aktivierte und Belial und Derek informierte. „Kommt zurück! Sofort!“ befahl der Höllenfürst auch für die Frauen hörbar. „Ich bitte dich! Ich bin sehr gut in der Lage auf Rachel und meine Frau aufzupassen!“ antwortete Metatron ihm ebenso.
„Wir müssen uns beraten!“ Cassandra schnaubte leise. „Teile ihm mit, dass wir schauen, was uns noch auffällt. Ich würde vorschlagen, wir schauen mal was wir am Marsfeld vorfinden und was mit Notre Dame und Pierre Pasquieu ist...“ „Vielleicht eine gute Idee...“ murmelte der himmlische Botschafter und bekam als Antwort, dass Belial ihnen Gadreel und Armaros nachgeschickt hatte, die auch gleich darauf erschienen. „Dann mal auf zum Marsfeld...“ murmelte Cassandra und studierte die Linienkarte. „Ich finde die Station nicht!“ flüsterte sie. „Aber das „Champs d’ Ollodius“ – Ollodius war ein keltischer Beiname von Mars...“ raunte Gadreel.
Kurz darauf waren sie in der Metro. „Wir haben es dankenswerterweise vor Jahrhunderten - dank unserer Druiden diesen anmaßenden Römern ordentlich zeigen können! Pah! Die haben Lutetzia nicht mal gegründet und haben sich angemaßt es Parisia zu nennen, nur weil die Parisii hier ihr Gebiet hatten.“ „Ach, Genoveva, mein Mann Arminix meinte mal...“ Die zwei Frauen verließen plaudernd die Bahn. „Lutezia?“ fragte Rachel leise. „Der keltische Name von Paris...“ flüsterte Metatron ihr zu.
Die vier stiegen am „Champs d’Ollodius“ aus und gingen die Stufen hoch. Auf dem Feld stand eine riesige hölzerne Statue und um diese herum machten viele Männer Waffenübungen.  Zwischen ihnen gingen Gestalten in weißen Kapuzenmänteln umher. „Ist das barbarisch...“ flüsterte Cassandra. „Die Gallier sind ein stolzes Volk. Und du hast doch die Asterix-Comics von Uderzo und Goscinny gelesen.“ „Du meinst, die werden von Miraculix und seinen Kollegen da unten trainiert?“ Metatron nickte. „Was bedeutet: Keine Missionare, keine... Römer, die Gallien besetzt hatten... Das ist ganz böse...“ Seine Frau merkte, dass er sich konzentrierte und mit Belial in Verbindung trat.
„Kommt zurück! Sofort!“ befahl der Höllenfürst so bestimmt, dass selbst Metatron gehorchte und mit Armaros und Gadreel, samt der beiden Frauen, im Boulevard auftauchte. Im Wohnzimmer saß ein etwas betreten wirkender Julien-Noel mit Kat im Arm und ein in eine weiße Druidenkutte gekleideter Mann, der wie Pierre Pasquieu aussah – nur mit langem Haupthaar und langem Bart. Belial und Derek sahen besorgt aus. „Was lungerst du hier rum? Du solltest bei deinen Eltern in Rotomagus sein und dich auf deine Druidenweihe vorbereiten!“ blaffte er gerade seinen Patensohn an. Julien erhob sich verärgert. „Druidenweihe? Du bist der Erzbischof von Paris! Und ich bin... bei dir aufgewachsen! Verdammt, Onkel Pierre!“
Sein Onkel sah ihn eindringlich an und murmelte etwas, was ohne Wirkung blieb – offenbar zu Pierre Pasquieus Überraschung. „Vergiss es Onkel, ich bin ein Dynameis und damit deinem Einfluss entzogen. Du kannst mich nicht behexen mit deinem heidnischen Firlefanz!“ sagte Julien mit Trauer in der Stimme.
„Was ist ein Dynameis? Rede keinen Unsinn! Du bist mein Neffe und offensichtlich schon besser ausgebildet als dein Vater dem hohen Rat berichtet hat!“ erwiderte Pierre Pasquieu. Belial lächelte finster. „Es gibt einige Dinge die ihr Druiden nicht könnt und nie können werdet – dein Neffe hingegen kann das spielend... Er kann mit Einverständnis des Höchsten die Naturgesetze ignorieren und aushebeln...“ Julien sah den Höllenfürsten fragend an, der nickte ihm zu. Mit einem spöttischen Lächeln ließ der junge Mann über dem Kopf seines in Druidengewänder gekleideten Onkels eine Regenwolke erscheinen, die den augenblicklich bis auf die Haut durchnässte. Mit einem Aufschrei sprang Pierre auf. „Beim Teutates! Neffe! Welche Zauber hast du dir angeeignet?!“ rief er mit einer Mischung aus Entsetzen und Begeisterung. „Keine Zauberei, Onkel, nur... Macht Dinge zu tun, die dir niemals möglich sein werden – aus Gründen die du ohne... Theologiestudium – christliches Theologiestudium - nie verstehen wirst...“ „Du wendest dich von unseren Göttern und der Natur durch diese seltsame Anwandlung der Römer ab?“ „Ich habe mich diesen seltsamen Göttern der Gallier nie zugewandt, Onkel – und ich bin mit der Natur die uns alle umgibt anders und stärker verbunden als du oder deine Druidenkumpane.“ Belial schüttelte leicht den Kopf. Julien nickte – es war wohl wirklich besser für den Moment zu schweigen.
„Wer ist überhaupt das Mädchen, das du die ganze Zeit hältst? Dir ist es vor deiner Weihe nicht gestattet, dich den Frauen hinzugeben und auch sonst haben deine Eltern schon die Tochter von Dumnorix vorgesehen, dem Hochdruiden von Bibracte und...“ „Vergiss es! Katherine-Lucia-Merina ist meine Wahl vor Gott, durch Gott und vor der Welt!“ fauchte Julien. „Julrix! Du vergisst deinen Gehorsam gegen die Bruderschaft!“ Belial schlug mit der Hand auf seinen Schreibtisch. „Katherine ist die Tochter von Derek Rayne, einem großen Gelehrten und Druiden aus dem alten nordischen Geschlecht der Ragin... und seiner Frau Rachel Corrigan aus der Linie der O’Corrigan-Heilerinnen!“ sagte Belial finster lächelnd. Pierre Pasquieu wurde blass. „Wir... wir haben seit Jahrzehnten versucht ein Bündnis mit den Ragin und den O’Corrigans zu schmieden und nun...“ Er sah Kat auf einmal mit Hochachtung an.
„So, und wo wir das geklärt haben, dass Julien – oder wie du ihn nennst: Julrix – mit Katherine eine zukünftige Frau haben wird, die sicher mehr als akzeptabel ist und würdiger als die Tochter von diesem Dumnorix: Wer ist hier in Lutezia für die Chroniken zuständig?“ „Die Chroniken? Was wollen Sie mit den Chroniken? Und wieso duzen Sie mich so unverschämt? Ich bin der Oberste Druide von Lutetia!“ empörte Pierre sich. „Und ich bin sehr gefährlich und Pierix... ein sehr gefährlicher Mann, der dich an sich als unkomplizierten, über den Tellerrand von Dogmen und Lehrmeinungen hinaus sich ein eigenes Bild verschaffenden, auf seinen gesunden Menschenverstand vertrauenden Burschen kennt! Als Pierre Pasquieu – so habe ich dich kennen gelernt – und schätzen dazu – weißt du sehr wohl, dass ich dich mit einem Heben der Augenbraue zu Asche verbrennen könnte! Also: Wo ist die Chronik untergebracht?“ fragte Belial drohend. Ein wenig eingeschüchtert antwortete der Gefragte: „Im Tempel des Ollodius am Champs d’Ollodius... aber... Wozu wollen Sie die sehen, die Chronik?“
Julien legte seinem Onkel eine Hand auf die Schulter. „Weil einige Sachen seltsam gelaufen sind. Du schilderst mir ein Leben, das ich angeblich in Rotomagus – einer Stadt, die ich als Rouen kenne – führe. Ich habe es aber nie so kennen gelernt. Mein Leben ist hier in Lutetia – oder Paris – mit und bei dir abgelaufen, da meine Eltern in der Realität die ich kenne tot sind. In meiner Realität bist du kein Druide, sondern Priester – christlicher Priester – und der Erzbischof, der höchste Priester in Lutetia oder Paris. Und ich bin ein Engel, Onkel, seit einiger Zeit bereits...“ sagte er freundlich und ließ vorsichtig seine Flügel erscheinen. Pierre Pasquieu starrte seinen Neffen an und schlug ein Pentagramm zur Abwehr.
„Friede sei mit dir, Onkel. Sei ohne Sorge und lass uns die Zeitlinien wieder in eine führen die wir beide kennen...“ sagte Julien sanft. „Muss ich mich mit meinem Kollegen und unseren Sekretären und deinem Neffen in den Tempel zaubern oder kommst du mit und wir bekommen deine offizielle Erlaubnis?“ fragte Belial ungehalten. „Ihr... mit Erlaubnis... ich...“ augenblicklich standen sie vor dem Tempel des Ollodius und der Druide brach erschrocken ab und sah auf Gadreel und Armaros, die ebenfalls neben ihm standen. „Wir sollten schauen, wie die Schlacht bei Bibracte – 58 vor Zeitrechnung – gegen Caesar lief... und wie der Stamm der Haedurer sich entschieden hat. Laut „De bello Gallico“ von Iulius waren sie wertvolle Verbündete und haben entscheidend zur Eroberung Galliens beigetragen...“ informierte Gadreel alle.
Am nächsten Vormittag saßen Selvaggia, Cassandra, Mathilde und auch Rachel zusammen in der Küche des Boulevard Haussmann 13 und spekulierten darüber, was passiert sei, als plötzlich ein total aufgeregter Sariel auftauchte.
"Wo sind Lucifer, Metatron und Hagiel? Catherine ist verschwunden, ich muss sie wieder finden!"  Die vier Frauen starrten ihn verwundert an. "Selvaggia nahm ihn liebevoll in den Arm. "Setz dich erst mal und trinke einen starken Kaffee, denn ich glaube den brauchst du momentan." sagte seine Schwägerin - oder Schwester im irdischen Leben und schob ihn auf einen Stuhl, während Mathilde ihm einen Kaffee machte. "Danke Tilly." flüsterte er traurig, als die Küchenhexe ihm eine Tasse mit duftendem Kaffee hinstellte. Er trank einen großen Schluck. "Erzähl erst mal was los ist. Warum ist Catherine verschwunden?" erkundigte sich Rachel. "Sie scheint gar nicht zu existieren. Keiner kennt sie in Rom. Unsere Nachbarn haben sie nie gesehen. Auch im Krankenhaus wo wir beide arbeiten... kennt keiner eine Hebamme namens Catherine Dubois, nicht mal Kollege Rocalli." erklärte er sehr traurig, was den Frauen nicht entging. "Seit wann ist das denn der Fall?" wollte Cassandra wissen. "Seit der Zeitverschiebung - es ist fast so als hätte sie nur in meiner Phantasie existiert. Ich will sie wieder haben, ich..." seine Stimme versagte und eine Träne rann ihm die Wange hinunter.
"Du liebst sie, oder?" fragte Mathilde mitfühlend. Sariel nickte. "Ja... ich, ich hatte nur noch nicht den Mut ihr meine Liebe zu gestehen. Ich führe sie aus, ich trage sie auf Händen, schenke ihr Blumen, aber... Lucifer... ahnt es glaube ich auch schon lange wie sehr ich Catherine liebe." gestand er den vier Frauen. "So ist es Brüderchen!" ertönte die Stimme des höllischen Botschafters, der mit seiner leeren Kaffeetasse in der Küche erschien. Ich wollte mir nur eine weitere Tasse Kaffee holen, bevor ich mit meinem Höllenkram weiter mache. Samyaza wollte mal eine Abwechslung und ist mit den anderen im Archiv der Druiden.  Was ist denn mit Catherine? Gibt es ein Problem?" fragte der Höllenfürst seinen Bruder. Sariel blickte ihn traurig an, während sich dieser einen Kaffee machte. "Lies meine Gedanken das geht schneller." Belial tat es und drang in Sariels Gedanken ein. Er schloss betroffen die Augen, als er auch Sariels Gefühle für Catherine und die Traurigkeit über ihr Verschwinden wahrnahm.
"Du musst sie finden, Lucifer! Bitte hilf mir, ich... ich liebe sie." Der Fürst der Hölle nickte. "Das werde ich Sariel, versprochen! Wenn wir den Fall lösen und alles wieder in die richtige Zeitlinie bringen können, dann kommt auch Catherine wieder zurück!" versprach er, und setzte sich anschließend mit seiner nun vollen Kaffeetasse an den Tisch neben seine Frau.
„Wieso erinnern wir uns an Catherine, aber offensichtlich niemand in Rom?“ fragte Rachel. Sariel sah sie mit einem traurigen Lächeln an. „Weil ihr alle aus der Zeit gerückt seid und – man könnte fast sagen über der Zeit steht. Selvaggia und Mathilde als... man könnte sagen „begnadete und begnadigte Hexen und inzwischen „Weiße Dämoninnen“ und Frauen hochrangiger Engel – egal ob gefallen oder nicht, denn Rachel: Auch wenn Hagiel „nur“ ein Dynameis und Archai und einer ihrer Fürsten ist, so ist er keinesfalls der Geringste. Auch in den höheren Rängen gibt es Engel die... weniger Einfluss haben.“ antwortete er mit erzwungener Ruhe. Mathilde errötete.
„Du musst nicht erröten, du passt sehr gut zu ihm. Du machst ihn über die Maßen glücklich, Tilly.“ sagte Sariel lächelnd, dann fuhr er fort. „Kat und Cassandra sind selbst Engel und so auch außerhalb der Zeit, genauso wie Julien.“ Rachel runzelte die Stirn. „Ja, gut, aber ich bin ein normaler Mensch! Ich erinnere mich aber an Catherine Dubois, Juliens Vorfahrin!“ Sariel schmunzelte – ebenso Belial. „Schwesterchen... sicher, du bist an sich noch menschlich, aber... erinnere dich an die Hälfte der Frucht aus dem Garten Eden, die ich dir auf Vaters Geheiß gegeben habe und geben sollte. Abgesehen davon, dass ich es auch wollte... Aber das rückt dich und Derek ebenso aus der Zeit und dann kommt mein steter „schlechter Einfluss“ dazu.“
Rachel sah die beiden sprachlos an. Cassandra dachte nach. „Aber ich habe mich heute Morgen gerade mit Madame Brissac und ihrer Stellvertreterin unterhalten – und zufällig war auch Consuela Fernandez dabei und die trauen sich fast nicht nach Hause und erinnern sich auch irgendwie daran, dass es anders sein müsste da draußen...“
Belial und Sariel seufzten unisono. „Ja... das kommt daher, dass sie eng mit uns – Metatron und mir, aber auch Euangelion und Astarte/Astaroth zusammenarbeiten. Ich denke, auch Philip Callaghan dürften die Unterschiede in Irland auffallen...“ „Ähm... ich mag ihn ja nicht unbedingt. Immerhin hat er Derek im Stich gelassen als dieser eines Freundes und Seelsorgers bedurfte und meine Tochter Kat wurde von ihm als Ketzerin und Heidin abgestempelt... aber wenn dieser Druidenglaube in Irland auch herrscht... was ist dann mit dem Legat in Dublin?“ Belial lächelte. „Astaroth passt auf Philip auf, Rachel. Du weißt doch, er ist als Astaroth und Astarte in diesen kleinen Schnösel verliebt – für mich völlig unverständlich – aber gut...“
Sariel schmunzelte – über seine Trauer hinweg. „Oh ja, genauso unverständlich wie das ganze Konzept von Liebe dir angesichts deiner Familie ist...“ neckte er Belial, dann wurde er ernst und fragte: „Hast du in der Hölle eigentlich Informationen über Catherines Ehemann aus dem Mittelalter?“ Belial runzelte die Stirn. „Willst du sie im Mittelalter zum Ehebruch anstiften?“ Sariel verschränkte die Arme vor der Brust. „Und wenn? Sie gehört zu mir!“ Belial seufzte. „Ja, das tut sie offensichtlich. Wer würde besser zu einem Heiler passen als eine Hebamme, eine Heilerin, Bruder. Aber du kennst die Gebote Vaters: Du sollst nicht ehebrechen gehört dazu...“ „Das ist mir egal! Ich werde sie aus dieser Zeit holen und...“ „Sariel! Sei vernünftig! Bewahre Geduld! So schwer es dir auch fällt! Wenn du das nicht schaffst, ich schwöre dir, ich lasse dich in der Hölle inhaftieren! Im Mittelalter laufen die Uhren anders. Du gehst in gewisser Weise in dein Selbst zurück und empfindest somit auch wie im Mittelalter! Du gehst zurück in der Zeit, ja, du wirst dich auch erinnern, dass du Catherine Dubois suchst, sicher, aber du wirst deinen freien Willen und somit auch die Gefühle für sie nicht haben! Ich kann heute Vaters Häuser wieder betreten, aber weißt du, welche Probleme ich hatte als ich das erste Mal ins Mittelalter reiste? Da gab es dieses Privileg nicht, das Vater übrigens auch Astaroth gewährt hat. Aber anders als du haben weder Astaroth noch ich jemals unseren freien Willen eingebüßt!“ unterbrach Belial ihn energisch.
„Ver... Meine Güte, Lucifer! Ich kann nicht einfach nur hier rumsitzen oder in Rom und Däumchen drehen! Und weißt du wie sehr Said seine Mama Catherine vermisst?!“ Selvaggia räusperte sich. „Schick ihn so lange zu uns, dann hat er seine Tanten um sich und... na ja...  Das macht es ihm vielleicht etwas leichter.“ Sariel lächelte traurig. „Er will in Rom bleiben, Selvi. Ich habe meinen Kleinen gefragt und momentan passt Raphael auf ihn auf.“ „Na gut, aber wann immer er möchte, bring ihn bitte. Die Kinder freuen sich immer, wenn er da ist.“ Sariel lächelte ein wenig traurig. „Danke, Schwesterherz.“ murmelte er.
„Du sagtest, dass auch in Rom alles anders sei – inwiefern?“ fragte Belial nachdenklich. Sariel überlegte kurz: „Nun, Rom ist schon christlich, aber irgendwie scheint es, dass die Völkerwanderung im 4. und 5. Jahrhundert nicht stattgefunden hat. Es ist noch ein sehr konservatives und eher orthodoxes Christentum. Außerdem arbeite ich nicht am Gemelli-Klinikum sondern im Universitätsklinikum der Kaiser Konstantin I. Universität. Neben italienisch, das allerdings – was für unsereins ja kein Problem ist – wesentlich mehr lateinische Vokabeln enthält, wird dort auch plötzlich von vielen fast fließend Griechisch gesprochen. Ehrlich gesagt, mag ich diese Version von der Klinik nicht. Der Leiter ist verbohrt und in der Chirurgie, die ich ja offiziell leite, muss ich mich täglich um die „Elite-Patienten“ kümmern, sprich die, die dem Krankenhaus Geld und Prestige bringen, darf mich aber nur kaum um die Patienten kümmern, die meine Hilfe brauchen. In „meiner“ Klinik bekam ich zu hören: „Sie machen das schon, Professore Dottore Bragi! Wenn Sie sagen, dass auch der Assistenzarzt den Eingriff durchführen kann, dann wissen wir alle, dass das klappt!“. Jetzt dagegen bekomme ich einen Operationsplan für die ganze Abteilung und muss oft kleine Eingriffe machen, während schwierige Sachen von den Assistenzärzten gemacht werden, die damit teils sogar überfordert sind.“
In Sariels Stimme schwang Abscheu und Frustration mit. „Dann lässt du dich beurlauben. Bis wir das hier wieder in richtige Bahnen gekriegt haben kommst du hierher nach Paris. Dein Sohn hat nicht viel von dir in der momentanen Situation, wenn du frustriert bist, weil deine Arbeit dir keinen Spaß mehr macht.“ bestimmte Belial. „Aber ich kann meine Patienten...“ „Die werden mit der „alten Zeit“ sowohl ihren Arzt als auch eine ausgezeichnete Hebamme zurückbekommen! Vater wird schon dafür sorgen, dass bis dahin – wie eigentlich immer – sein Wille geschieht." „Ich kann meine Patienten nicht im Stich lassen! Und die Assistenzärzte auch nicht! Versteh mich bitte, Lucifer, auch wenn das nicht „meine“ Gemelli-Klinik ist, sondern das Kaiser Konstantin I. Universitätsklinikum: Ich habe eine Verantwortung für meine Patienten und auch für die Ärzte die unter mir arbeiten!“ „Gut, dann schick deinen Sohn aber doch zu uns nach Paris! Gabriel und Raphael sind ja ganz okay um mal als Babysitter einzuspringen, aber hier hat er wenigstens ein wenig mehr weiblichen Einfluss und einen Einfluss, der durch Selvaggia und Tilly doch mehr an Catherine erinnert. Immerhin sind die zwei auch keine Töchter des 20. Und 21. Jahrhunderts.“
Sariel lächelte. „Ich glaube, auf Norderney könnte es meinem Kleinen gefallen. Er fand es Silvester und Neujahr schon so schön und hat die Strandspaziergänge mit Hagiel und das Spielen mit den Inselkindern toll gefunden. Und soweit ich von Hagiel weiß, haben die auf Norderney interessanterweise auch keine Probleme. Irgendwie ist diese vorübergehende Anomalie an der Insel vorbeigegangen wie es scheint.“
Belial sah ihn überrascht an. „Wie? Auf Norderney ist alles wie gewohnt?“ Sariel nickte. „Laut Hagiel und Tilly schon... Ich vermute ja, dass „zu viele“ von uns im Dezember auf der Insel waren und dazu unser Bruder immer ständig... Tja... und dann mussten wir alle so ziemlich offenbaren wer wir wirklich sind... allen voran du, was wohl neben dem Geständnis von Astarte, dass sie auch Astaroth ist, so ziemlich der größte „Klopfer“ für die Leute auf der Insel war. Und die Leute haben das wirklich gut weggesteckt, wenn du mich fragst. Und dann war da noch das Feuerwerk, das nachträgliche Hochzeitsgeschenk der Dynameis für Hagiel und Mathilde... da haben sie gewollt und mit voller Absicht die Insulaner mit einbezogen – und Vater hält auch noch dazu die Hand über die Insel...“
„Hm... Ich glaube, wir sollten unsere „Zentrale“ lieber nach Norderney verlegen. Paris ist irgendwie nicht mehr Paris und soweit ich gesehen habe, ist unser „Gegenüber“ hier vom Boulevard bis zur Hälfte die „Druidenbruderschaft“ und die haben wegen Kita und Schule bereits... geschrieben, dass sie Kontrollen durchführen wollen. Vor allem wegen des Religionsunterrichtes, den ja auch einige unserer Brüder übernommen haben, zumindest zu Anfang und außerdem war den Typen auch sonst vieles am Lehrplan suspekt.“ „Und was willst du machen? Schule und Kita schließen?“ fragte Sariel. „Die Schule vielleicht, da rede ich mit Metatron, die Kita nicht. Da können sie uns nicht viel.“
In diesem Moment erschien Julien und warf mit einem Wutschrei seine Bücher auf den Tisch. „Was ist denn mit dir los?“ fragte Rachel überrascht. „Ich studiere Theologie, Schwiegermama, soweit so gut, aber anstelle von Professor Dr. Leroc kommt plötzlich ein Druide namens Gaulix in den Vorlesungssaal und erzählt uns etwas über verdammte heidnische Götter. Gut, ist ja so gesehen kein Problem. Gadreel hat mir so sämtlichen Schwachsinn mal erklärt an was wir Menschen – oder die Menschheit – mal geglaubt haben oder hat... aber die Sorbonne ist nicht mehr die Sorbonne, sondern die Trainingsanstalt für zukünftige Druiden, die da irgendwelchen – angeblich magischen – Schwachsinn lernen. Das ist total lächerlich. Ich bin Dynameis und schnipse einmal mit dem Finger und schon sind die Naturgesetze außer Kraft und die rühren für bewusstseinserweiternde Tränke mehrere Tage in Kesseln in den Laboren und ich soll so einen Mist auch zusammenbrauen!“
„Allerdings dürftest du als Sohn des Oberdruiden von Rouen – oder Rotomagnus – und als Neffe des Oberdruiden von Lutetia – oder Paris – doch leichtes Spiel haben.“ meinte Sariel nachdenklich. Julien seufzte. „Dieser Gaulix ist mir fast hinten reingekrochen, Sariel! „Oh, Julix, ist übrigens der Neffe unseres geschätzten Oberdruiden Pierix... bla bla bla...“ Und dann kam irgendwas von wegen, dass Onkel Pierre begeistert gemeint habe ich sei ja schon sehr viel weiter als gedacht und als ich dann noch spielend mit den Aufgaben fertig wurde und über dem Professor habe eine Wolke abregnen lassen, weil ich so ärgerlich war, dass er Schwachsinn erzählte von wegen Opfer, Beschwörung und Regentänze helfen, wenn es nicht regnen will und meinte, da helfe nur ein Gebet und das Hoffen, dass der HERR einen Engel schickt, der es in seinem Namen regnen lässt, da musste ich mich beschimpfen lassen. Ich wäre vom rechten Glauben abgekommen, ich wäre des Unterrichts verwiesen um bekloppte Demuts- und Läuterungsübungen zu machen. Da hat mich die Wut gepackt und ich habe diesen Gaulix in eine sprechende Schreibtafel verwandelt und bin gegangen...“
„Du hast dich zu WAS hinreißen lassen?!“ fragte Belial hörbar entsetzt. „Du hast richtig gehört, Chef, Belial, however. Sorry, vielleicht bin ich in der Hölle ein wenig... zu aufmüpfig für einen lieben netten Engel geworden, aber er hat es verdient! Er hat den HERRN geleugnet und...“ „Verdammt Juliel! Dieser arme Kerl weiß es nicht besser! Du bringst das in Ordnung, sofort! Und ich werde mit Metatron reden, damit wir die Gedächtnisse – auch der anderen Druidenschüler – löschen!“ Sariel räusperte sich. „Wieso eigentlich? Ich denke gerade, wie interessant das ist... diese Druidenbruderschaft wird nach Rouen berichten wie mächtig Julien ist – oder Julix...  und wenn die jetzt gleich schnallen wie gefährlich er ist und wenn er ganz klar sagt von WEM er seine Kräfte hat, dass es sich dabei nicht um Pseudohokuspokus handelt, sondern um sehr viel mehr, um Kräfte mit denen er spielend leicht die Naturgesetze manipuliert, ja außer Kraft setzt, dann wird einigen das zu denken geben. Und sie könnten aus dem Nähkästchen – oder dem Geschichtsbuch plaudern. Ich könnte mir vorstellen, dass es einige von Juliens neuen Kommilitonen geradezu darauf anlegen auch mächtig zu werden...“
„Sariel! Du bist ein Seraph! Noch dazu einer von Oben!“ fuhr Belial auf. „Ja, aber immerhin bin ich...“ Sariel grinste, „des Teufels Schwager – laut meines Passes... glaub mir, das färbt ab und zu wohl was ab...“ Belial starrte ihn sprachlos an. „Auf jeden Fall, Julien, wäre es gut, wenn du weiterhin an der Sorbonne – oder der Druidentrainingsanstalt bleibst. Du bist ein Dynameis, ja, aber du bist auch genug... gefallener Engel durch deinen Aufenthalt und dein Training in der Hölle... Ich bin sicher, dass die Nachkommen der Männer die für diese Zeitverschiebung gesorgt haben auch heute noch Einfluss haben... und seit Jahrhunderten dafür sorgen, dass ihre Familien den auch behalten. Sie könnten damit prahlen... und dann haben wir Namen und können über den Stammbaum zurückgehen.“ „Sariel, ich... du kannst nicht so hinterhältig denken!“
Der Seraph schnaubte abfällig. „Ich habe einen freien Willen und ich liebe eine bemerkenswerte Frau, die ich vermisse! Glaub mir, ich bin zu vielem bereit um Catherine wieder zurück zu bekommen! Ich liebe diese Frau! Sie ist eine Hexe, gut, ja – aber Mathilde auch!“ Hagiels Frau räusperte sich. „Ich bin eine schwarze... ähm... Catherine war immer eine weiße Hexe, also ich denke... ihr passt besser... irgendwie von der... ähm... Logik her, meine ich.“
Sariel lächelte. „Ach Tilly, du passt wunderbar zu Hagiel. Er ist durch dich regelrecht aufgeblüht und er liebt dich über alles. Er hat immer nur ein Thema: Meine Tilly – oh, nein, seit Anfang des Jahres bekomme ich – wenn wir uns sehen – auch zu hören: Wir kriegen drei Mädchen... Kommst du mit Catherine auch bestimmt zur Entbindung? Meinst du es geht alles gut, Sariel?“ sagte er mit hörbarer Zuneigung in der Stimme. „Und ja, Mathilde, ich werde da sein und Catherine hoffentlich auch. Euer kleines Trio wird gesund und munter auf die Welt kommen – was anderes würde Vater nicht zulassen und ich auch nicht wirklich. Also mach dir keine Sorgen, ja?“ Er legte ihr freundschaftlich eine Hand auf die Schulter.“
Metatron, Hagiel, Samyaza, Astaroth, Euangelion und Derek kehrten von ihren Nachforschungen aus dem Tempel des Ollodius zurück und erschienen sofort in der Küche des Boulevards, wo sich die beiden Engel gerade mit den Frauen bei einer Tasse Tee oder Kaffee unterhielten. "Habt ihr etwas Wissenswertes herausgefunden?" erkundigte sich der Höllenfürst etwas barsch. "Ja, das haben wir! Du brauchst uns aber nicht so anfahren!" antwortete Hagiel. Metatron seufzte. "Ach Hagiel, reg dich darüber doch nicht auf, Lucifer kann manchmal nicht anders." Belial verdrehte gereizt die Augen. "Bevor ihr berichtet, was ihr herausgefunden habt... Sariel sagte, dass auf Norderney alles normal wäre und Vater seine Hand schützend über die Insel hält. Was mich betrifft ... ich würde mich in vertrauter Umgebung - sprich der richtigen Zeit wohler fühlen." Er wandte sich jetzt an Hagiel und Mathilde. "Euer Haus ist groß genug und hat Zimmer für alle, wenn ihr nichts dagegen habt, dann würde ich die Fallbearbeitung bitte gerne nach Norderney verlegen. "Von mir aus gerne. Mit "Alle" meinst du alle Familien die mit dem Boulevard zu tun haben nehme ich an?" fragte die Küchenhexe ihren Herrn.
Belial nickte. "Samyaza, bring bitte Alex, Nick und die kleine Sam auch nach Norderney. Ihr anderen packt bitte ein paar Sachen und kommt dann auch, Käthchen du bringst deine Familie mit. Julien, du zauberst dich dann zum Unterricht an die Sorbonne... ähm die Druiden... -anstalt und berichtest uns dann was dort vor sich geht wie Sariel es vorgeschlagen hat." Astaroth räusperte sich. "Ich kommen nur mit wenn... Philip und mein Sohn auch..." Hagiel unterbrach ihn. "Selbstverständlich Astaroth!" Der Höllenfürst seufzte. "Und von dir erwarte ich, dass du dich zusammenreißt, Lucifer." Der Fürst der Finsternis funkelte ihn düster an. "Der fängt doch immer an mich bis aufs Blut zu reizen!" "Bitte Lucifer, versuch es!" flüsterte Astaroth fast und sah seinen Herrn und Freund traurig an. "Bitte geh sie holen, ich möchte allerdings, dass Philip nicht dazwischenfunkt, wenn ich mich mit Christian unterhalte oder etwas mit ihm unternehmen möchte. Ich mag den Jungen sehr. Das sollte er akzeptieren!" Astaroth nickte. "Ich rede mit ihm." antwortete er bevor er nach Irland verschwand um seine Familie zu holen.
Nach und nach trafen alle im Hansenhaus auf der Insel ein. Nachdem alle ihre Zimmer bezogen hatten zauberten Mathilde, Selvaggia und Rachel gemeinsam ein leckeres Abendessen für alle. Als sie nach Essen noch zusammen am Tisch saßen, erschien Sariel mit Said Angelo. "Ich bringe Said jetzt doch vorbei, er scheint mir hier sicherer als in Rom. Lucifer, kann ich dich mal sprechen bitte, unter vier Augen wie man bei den Menschen so schön sagt." Der Höllenfürst sah ihn etwas überrascht an. "Sicher. Hagiel, dürfen wir kurz dein Arbeitszimmer benutzen?" Hagiel nickte.
Mathilde lächelte Said an. "Magst du Kekse, mein Kleiner?" Begeistert rief der Kleine: "Klar, Tante Tilly! Deine Kekse sind die besten auf der ganzen weiten Welt!" Mathilde lachte. "Na, so gut? Dann setz dich schon mal hin, ich habe auch Kakao gekocht." Dankbar nickte Sariel Mathilde zu und verließ mit Belial die Küche.
Im Arbeitszimmer Hagiels ließ der Höllenfürst sich in einen der dort stehenden Sessel fallen. "So, was willst du mit mir unter "vier Augen" klären?" erkundigte er sich interessiert.
"Wo ist Catherine jetzt?" Belial starrte ihn an. "Vermutlich in ihrer Zeit, im Mittelalter." antwortete sein höllischer Bruder. "Meinst du es geht ihr gut?" Belial seufzte. "Woher soll ich das denn wissen?" kam eine mitfühlende Antwort. "Lucifer! Du weißt genau wie es ist, wenn man liebt! Könntest du... na ja... vielleicht einfach ins Mittelalter reisen und nachsehen... ich meine..." Der Fürst der Hölle unterbrach ihn. "Sariel, ich kann nicht so einfach ins Mittelalter reisen. Vater würde mich dafür... bestrafen. Ich frage selbst immer um Erlaubnis, wenn es um Zeitreisen geht. Die sind sehr gefährlich, wenn man nicht aufpasst." Sariel sah ihn bittend an. "Aber du warst doch schon im Mittelalter, bitte Lucifer! Ich muss wissen ob es ihr gut geht. Ich halte das nicht aus. Vater hat es mir nicht gestattet in Catherines Zeit zu reisen! Ohne eine mir plausible Erklärung." sagte der sonst so ruhige Erzengel aufgebracht. "Ach Sariel, er wird dich nicht gehen lassen. In andere Zeiten zu reisen ist nicht gerade... angenehm und es ist anders... ich sagte ja schon, dass die Gefühle für dich anders wären und... Vater hat bisher noch keinen seiner Engel... außer mir in eine andere Zeit gehen lassen und das auch nur, weil es zur Lösung eines Falles wichtig war. Denn würde man etwas gravierend verändern beziehungsweise... auffallen, wer wir wirklich sind, dann hätte das fatale Folgen." Der Erzengel sah ihn traurig an und eine Träne rann ihm die Wange hinunter. "Hilf mir bitte, ich muss es wissen, ich liebe Catherine und sorge mich um sie. Ich will sie am liebsten sofort wieder haben."
Der Höllenfürst schloss kurz betroffen die Augen. Er konnte Sariel verstehen. "Frag Vater um Rat. Vielleicht kann er es dir sagen und dir deine Sorge etwas nehmen, erkläre ihm wie du dich fühlst - bei mir hat er in manchen Situationen schon öfter nachgegeben. Oder mir eine alternative Lösung angeboten." Er erhob sich und legte ihm tröstend einen Arm auf die Schulter.
"Ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst. Ich weiß nicht was ich machen würde, wenn Selvi... frag einfach Vater, wenn ich dir dann irgendwie helfen kann, dann werde ich das tun."
Sariel nickte. "Passt du bitte auf Said Angelo auf. Ich möchte nicht, dass er momentan in Rom ist. Ich gehe zu Vater rede mit ihm und... werde dann vielleicht wieder in die Klinik gehen." Belial lächelte. "Natürlich mache ich das, genau wie auch die anderen, er ist hier gut aufgehoben!" Sariel nickte. "Danke Lucifer. Ich hoffe der... Mist hat bald ein Ende." sagte er und verließ den Raum. "Das hoffe ich auch!" flüsterte der Höllenfürst und ließ sich wieder nachdenklich in den Sessel fallen.
Nach einer Weile begab er sich wieder in die Küche, wo er auf die Hausherrin traf, die gerade dabei war die Küche fertig zu machen. "Ganz allein?" fragte er seine Freundin und gab ihr einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange. Anschließend machte er sich einen Kaffee, während Mathilde die Spülmaschine einräumte. "Ich habe alle weggeschickt, ich mache die Küche am liebsten allein sauber. Was wollte denn Sariel von dir? Wenn ich fragen darf... Er wirkte so... anders als sonst." Der Höllenfürst nickte und trat neben die Hexe und legte ihr einen Arm um die Schultern. "Sag mal... hast du noch etwas von dem leckeren Rum da...? Den du mir bei meinem letzten Besuch hier mal im Kaffee serviert hast? Das macht den Kaffee noch besser." meinte er grinsend. "Klar habe ich den noch da." Sie griff in einen Schrank über sich, holte eine Flasche heraus und reichte sie ihm. "Dankeschön!" antwortete er erfreut und gab einen ordentlichen Schuss in die Tasse. "Meinst du nicht, dass der Schuss Rum... etwas zu viel war?" Er grinste frech. "Nicht wirklich es schmeckt hervorragend. Hast du Angst ich könnte mich betrinken? Warum denn nicht? Ich trinke öfter und vertrage einiges... außerdem kann ich die Wirkung reduzieren." Jetzt grinste sie. "Was du aber sehr selten machst, wie ich dich kenne." Er lächelte. "So ist es Tilly!" antwortete er und verließ die Küche um in das große Wohnzimmer zu gehen, wohin sich die anderen zurückgezogen hatten. "Ist mit Sariel alles in Ordnung?" erkundigte sich Selvi besorgt. "Er macht sich Sorgen wegen Catherine." Sie nickte. "Verständlich." sagte sie und sah ihren Mann aufmerksam an. "du machst dir Sorgen wegen Sariel?" fragte sie dann. Belial nickte kurz. "Ja, ich habe ihn noch nie zuvor so traurig und niedergeschlagen gesehen. Ich hoffe er macht nichts Unüberlegtes."
In diesem Moment klopfte es leise. Belial sah überrascht hoch als Mathilde mit einem Tablett eintrat. „Du hast dir zwar Rum in deinen Kaffee getan, aber ein guter Pharisäer ist es darum noch lange nicht! Ich habe dir einen richtigen gemacht – und für dich, Selvi, eine „Tote Tante“ – allerdings nur mit Rumaroma, nicht mit Rum... Das ist zwar kein richtiger Ersatz, aber ich glaube, wir warten mit dem richtigen ein paar Monate.“ Sie zwinkerte Selvaggia zu und stellte das Tablett auf das kleine Tischchen. Belial lachte leise. „Du bist die beste Küchenhexe der Welt, Tilly.“ Sie errötete. „Ich bin nur Hausfrau... das ist alles...“ „Unsinn! Du bist meine Freundin!“ sagte Selvaggia energisch.
„Bleib gleich hier, Tilly, die anderen kommen auch gleich und dann hören wir mal, was Astaroth und die anderen berichten von dem, was sie herausgefunden haben.“
Im nächsten Moment hörten sie die anderen bereits. Astaroth trat als Erster ein. Er wirkte erschöpft. Belial zog eine Augenbraue hoch, als er das merkte. „Ärger in deinem kleinen irischen Paradies?“ fragte er. Astaroth seufzte. „Ich musste Philip geradezu her schleifen und ihm mit Trennung drohen – auch von Christian... und er weiß, dass ich Christian hätte vergessen lassen können, dass er existiert. Ich denke fast darüber nach, ob das nicht besser ist...“ Astaroth sah zur Seite und wischte sich – wie er dachte – unbemerkt eine Träne weg. Mathilde und Selvaggia sahen einander an. Genau wie Belial hatten sie sehr wohl gesehen, dass Astaroth sehr traurig war.
„Entschuldigt mich bitte... ich kann zu dem Fall nicht viel beitragen, außer ein gutes Essen oder besser einen schönen Kuchen und Getränke...“ sagte Mathilde entschlossen, stand auf und verließ den Raum.
Einen Augenblick später klopfte sie energisch an das Zimmer von Philip Callaghan. „Herein?“ rief dieser. Merklich verärgert trat Mathilde ein. „So, Mr. Callaghan, solange Sie Hagiels und meine Gastfreundschaft genießen, ob freiwillig oder nicht spielt dabei keine Rolle, da es zu Ihrer und Christians Sicherheit dient, werden Sie aufhören hier die beleidigte Leberwurst zu spielen! Das tut Astaroth weh, denn er liebt sie – oder sie, wenn er Astarte ist. Außerdem können Sie zur Lösung des Falles sicher mehr beitragen als ich! Also bewegen Sie gefälligst ihren Hintern in den kleinen Salon wo gerade der Bericht losgehen dürfte!“ fuhr sie ihn ohne Begrüßung an. Philip starrte die sonst so ruhige und gutmütige Köchin an. „Zügig! Zufällig zähle ich Astaroth und Lucifer zu meinen besten Freunden und wer den beiden komisch kommt, dem komme ich auch komisch! Notfalls mit schwarzer Magie – ungern zwar, aber mir könnte ein Spruch rausrutschen! Haben wir uns verstanden?!“ Ein wenig eingeschüchtert stand Philip Callaghan auf, nickte und begab sich umgehend in den Salon.
Mathilde lächelte Christian zu. „Said-Angelo ist auch da, möchtest du einen Kakao, Chris?“ Der Junge lächelte. „Klar, gern, Tante Tilly. Ich glaub auch nicht, dass Mama Astarte was dagegen hat. Sie war ziemlich traurig, weil Papa Philip hier nicht her wollte, weil Onkel Lucian das angeordnet hatte...“
„Na, ich hoffe, er hat dir nicht wieder... Blödsinn erzählt von wegen „Böser Teufel“...“ Christian grinste. „Da glaube ich lieber dem was ich fühle – und ich mag Onkel Lucian. Mir ist egal ob er der Teufel ist, er ist mit Sicherheit einer der coolsten Onkel die man haben kann.“ Mathilde lächelte, „Ja, nicht wahr? Dann komm mal mit. Ich bin sicher, deine Mama hat auch nichts gegen ein paar Kekse zum Kakao.“
 
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