Briefgeheimnis

OneshotRomanze / P12 Slash
Bang Chan Hwang Hyunjin I.N / Yang Jeongin
08.03.2020
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„Meine Güte, Jeongin. Bist du vollkommen durchgeknallt?! Kannst du mir mal verraten, was du dir bei dieser Aktion gedacht hast?"

„W..Was?" Jeongin hatte überhaupt nicht mitbekommen, dass ihm jemand in die Umkleideräume des Entertainments gefolgt war. Er drehte sich langsam zu Bang Chan um, der sich kochend vor Wut vor ihm aufgebaut hatte, aber in dessen Augen er zugleich einen winzigen Schimmer an Sorge erkennen konnte. Schnell verbarg er den Brief, den er gerade geschrieben hatte, hinter seinem Rücken, so das der andere davon nichts mitbekam.

„Was sollte das denn, verdammt nochmal," fauchte ihn sein normalerweise stets ausgeglichener Bandleader – und bester Freund – wutschnaubend an und raufte sich verzweifelt die kurzen, blonden Haare. „Du kannst doch nicht einfach mitten in einem wichtigen Interview – ohne ersichtlichen Grund wohlgemerkt – aufstehen und.....und gehen."

Unwohl betrachtete Jeongin seine Zehenspitzen und friemelte mit der einen Hand nervös am Saum seines Hemdes herum, während sich die Hand hinter seinem Rücken verkrampfte und den Brief unschön zu einem unförmigen Papierknäuel zusammen drückte.

„Tut mir leid, Hyung," murmelte er ehrlich zerknirscht. Natürlich war dem Stray Kids Maknae bewusst, dass seine dumme, unbedachte Aktion, als Person des öffentlichen Lebens, absolut unprofessionell gewesen war und Stray Kids in ein schlechtes Licht rücken könnte. Beschämt wagte er es deswegen nicht seinem Hyung in die Augen zu sehen. War ja nicht so, als hätte er das mit Absicht gemacht, aber er konnte Chan immerhin schlecht sagen, dass der Grund seiner abrupten Flucht lediglich dumme Gefühle waren. Wenn es etwas gab was noch weniger professionell war, als aus einem öffentlichen Interview zu rennen – und das war schon eine harte Nummer, wie Jeongin zugegen musste – dann war es Gefühle für einen Member aus der gleichen Gruppe zu bekommen. Dazu die Tatsache, dass besagtes Mitglied auch noch das gleiche Geschlecht hatte und voilà; fertig war der Skandal.

Chan seufzte tief ein und versuchte seine Wut einfach wieder herunter zu schlucken, etwas was er nicht zum ersten Mal in seiner Position als Leader versuchte. Statt der hitzigen Wut übernahm nun die Sorge um seinen besten Freund die Oberhand. Wie ein Friedensangebot legte der blonde die Hand auf Jeongins Schulter, der sich immer noch nicht traute dem Älteren in die Augen zu sehen. Chan konnte ihn verstehen, es kam wirklich nicht oft vor, dass er aus der Haut fuhr, aber wenn, dann umso intensiver.

„Frieden?"

Aber Jeongin hielt weiter den Blickt strikt auf den Boden gerichtet, so akribisch, dass Chan tatsächlich für einen kurzen Moment vor sich hin schmollte, weil der andere ihm keine Aufmerksamkeit schenkte. Die Wut war verflogen; Das war so typisch Bang Chan.

„Sieh mal, Innie, ich mache mir doch einfach nur Sorgen um dich. Hmm, kleiner? In letzter Zeit bist du allgemein so abwesend, als würde dich irgendetwas bedrücken. Willst du mir nicht sagen was los ist, ich bin doch dein bester Freund?"

Jeongin hatte während Chans Ansprache nur ein noch schlimmeres Gewissen bekommen, hatte er es doch schon seit ihrer Debutzeit gehasst Chan etwas zu verschweigen oder ihn anzulügen. Das war doch kein Umgang zwischen besten Freunden und trotzdem schaffte er es nicht seine innere Blockade zu überwinden und Chan von seinen Gefühlen zu erzählen. Er durfte nicht vergessen, dass der Australier zwar sein bester Freund, aber zugleich auch der Leader von Stray Kids war und weder eine unerwiderte Liebe noch eine heimliche Beziehung zwischen zwei Membern würde der Gruppe nutzen. Viel eher entstanden Risiken: Was wenn es heraus kommen würde; was wenn es Streit aufgrund verletzter Gefühle gäbe oder – die schlimmste Vorstellung – wenn jemand von Stray Kids eine Abneigung gegen Homosexualität hatte und ihn/ sie nicht akzeptieren würde?
Nein, er würde Chan auf keinem Fall von dem täglichen Herzklopfen oder von den ständig vor Nervosität schwitzenden Händen erzählen. Und schon gar nichts von den Selbstzweifeln, die sich wie gierige Maden in seinen Körper gruben und langsam zu seinem Herz vorkämpften.

Mit traurigen Augen schaute Jeongin endlich zu Chan auf, der das Schmollen schnell sein lies und nicht länger das Gefühl hatte auf den Fußboden eifersüchtig sein zu müssen, weil Jeongin diesem mehr Aufmerksamkeit schenkte als ihm.

„Ach, ich hatte nur in letzter Zeit wieder öfter Heimweh nach meiner Familie. Das kennst du ja auch.." Er gab sich Mühe seinen Tonfall unbeschwert zu halten, um Chan zu überzeugen, der skeptisch die Augenbrauen zusammen gekniffen hatte. Aber selbstverständlich hatte er die Rechnung ohne Bang Chan gemacht, der mit seiner Sturheit manchmal wirklich an einen alten Esel erinnerte.

„Du hast doch so gut wie nie extrem starkes Heimweh und wenn doch, dann rufst du deine Mutter gefühlt zehn Mal am Tag an und redest ununterbrochen von deiner Familie! Aber dadurch bist du nicht mehrere Wochen lang nicht richtig bei der Sache und rennst mit kaum überschminkbaren Augenringen herum, geschweige denn, dass du aus Interviews fliehst." Chans dunkelbraune Augen glitzerten besorgt, als er dem Jüngern seufzend durch die dunklen Haare strich.

„Ach, Jeonginie...Du weist doch, dass du immer – wirklich IMMER – mit mir reden kannst? Wir sind doch Freunde."

Bei seinem verletzten Tonfall zuckte Jeongin erschrocken zusammen, gab sich dennoch einen Ruck und umarmte seinen besten Freund wortlos. „Es tut mir ganz schlimm leid, Chanie, aber ich bin noch nicht bereit es dir zu erzählen," nuschelte er in seine Brust und genoss die Sicherheit, die der andere ausstrahlte.

Nach einer Weile drückte ihn Chan etwas von sich und sah ihm ernst in die Augen. „Ist schon gut, ich will nur, dass du weist, dass ich für dich da bin," sagte er energisch und machte mit der einen Hand verschmitzt ein Fingerherz. Ein leichtes Lächeln stahl sich dadurch auf Jeongins Lippen und er vergaß den Brief in seiner Hand vollkommen.
Kein Wunder also, dass dieser ihm aus der Hand glitt und unter einer Schuhbank der Stray Kids Umkleide liegen blieb.

《................................................》

Zwei Tage nach dem Vorfall saß Jeongin entspannt auf dem Sofa im Wohnzimmer des Stray Kids Dorms und verbrachte ihren freien Tag mit einem seiner Lieblingsbücher. Seine unbedachte Aktion bei ihrem Interview hatte erstaunlich wenig Konsequenzen mit sich gezogen, er hatte lediglich ein Statement abgeben müssen, nach dem Motto, dass sie zur Zeit viel Stress um die Ohren hatten und er etwas überarbeitet war – was auch irgendwie die Wahrheit war, nur halt nicht die Ganze – und es hatte Klatschartikel gegeben, die aber niemanden interessierten. Sogar seine Member hatten ihn nicht auf das Thema angesprochen, sondern es bei ein paar besorgten Blicken belassen. Jeongin vermutete stark, dass er diese Tatsache Chan zu verdanken hatte. Auf seinen besten Freund war wirklich verlass.

Vor sich hin schmunzelnd wollte er die nächste Seite seines Romans umblättern, als ihm ein Gedanke kalt über den Rücken lief und ihm das Lächeln regelrecht aus dem Gesicht kippte.

Sein Brief!

Für einen Augenblick machte sein Herz einen Satz und er hatte kurzzeitig das Gefühl, als würde ihm schwarz vor Augen werden. Hastig stand Jeongin auf, pfefferte sein Buch auf das Sofa und eilte – genau wie zwei Tage zuvor bei ihrem Interview – ohne Erklärung, dafür aber mit einem rekordverdächtigen Tempo aus dem Raum, die verdutzten Blicke und Rufe der anwesenden Member ignorierend. Panisch hetzte er durch die Straßen bis zum Entertainment und stürmte regelrecht in ihre Umkleidekabine, wo er den Brief zweifelsohne verloren haben musste. Allerdings war ihm da wohl jemand zuvorgekommen.

Auf der Bank, wo er vor zwei Tagen noch seinen Bruef verfasst hatte, hockte ein großgewachsener Junge mit schwarzen, weichen Haaren, rosigen Lippen und beinahe femininen Gesichtszügen, aus denen Jeongin, gut bekannte, dunkelbraune Augen fixierten.

Hyunjin.

Lautstark schnappte Jeongin nach Luft, ob wegen der Raserei oder dem überraschenden Anblick, war ihm selbst nicht ganz klar, und starrte den Älteren entgeistert an. Hyunjin, der schnell auf seinen Dongsaeng aufmerksam geworden war, blickte von dem zerknitterten Zettel auf, den er bis gerade eben noch genaustens studiert hatte und der Jeongins Zettel verdammt ähnlich sah.

Das durfte doch wohl nicht war sein! Er hatte aber auch echt kein Glück, dachte Jeongin mit wild pochendem Herzen und versuchte sich einigermaßen zu beruhigen.

Für den Bruchteil einer Sekunde schaute Hyunjin ertappt drein, setzte allerdings schnell ein gleichmütiges Gesicht auf.

„Sag bloß der ist für Chan," sagte er mit hochgezogener Augenbraue und hielt Jeongins Brief in die Höhe.

„Wie kommst du darauf, dass ich den geschrieben habe?" murmelte Jeongin trotzig, während sich in seinem Inneren alles zusammen zog.

Hyunjin schnaubte eingeschnappt. „Das ist deine Schrift, Jeongin. Auch wenn mich der Inhalt ehrlich verwundert, ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet du Liebesbriefe an ein Bandmitglied schreibst."

Jeongin erstarrte und riss voller Panik die Augen auf.

„Erwischt," kommentierte Hyunjin mit seltsam neutralem Gesicht.

„Wen hast du bei was erwischt?" fragte da wie aus dem Nichts eine Stimme scharf und Chan stellte sich mit verschränkten Armen neben seinem besten Freund auf, wie ein Bodyguard. Hyunjin grinste freudlos. „Wusstest du, dass unser süßer Maknae einen Liebesbrief geschrieben hat? An dich?" Die Stille die auf Hyunjins Worte folgte, fand Jeongin fast noch schlimmer, als dessen Worte. Überrascht und mit einem Ganz Hoffnung, den Jeongin jedoch überhaupt nicht wahrnahm, warf Chan dem hübschen Jüngeren einen verdutzen Blick zu. Jeongin schenkte dem allerdings keine Beachtung, dafür war er viel zu sehr auf Hyunjin fixiert.

„Hör auf zu Lügen, Jinnie. Da stand kein Name auf dem Brief und er ist bestimmt nicht Chan gewidmet. Wir sind nur beste Freunde."

„Ach ja?" Hyunjin sah ihn herausfordernd an. „Und für wen ist er dann?"

Jeongin schluckte schwer. Vor dieser Situation hatte er sich schon so lange gefürchtet, aber die Worte ruhten sowieso schon zu lange in ihm, um sie zurückhalten zu können. Zugleich spürte er Chans fragenden Blick auf sich und Hyunjins Drang sein Geheimnis heraus zu finden.

„Der Brief war für dich," antwortete er Hyunjin schließlich fest und blickte ihm so selbstbewusst er konnte in die durchdringenden Augen. Zum ersten Mal war er mutig genug zu sich selbst und zu seinen Gefühlen zu stehen.
Auf Chans Gesicht konnte Jeongin ein wissendes, wenn auch leicht wehmütiges, Lächeln erkennen. Hyunjin dagegen schaute ihn nur sprachlos an, die dunklen Augen weit aufgerissen und zum ersten Mal wirkte der andere leicht hilflos. Doch dann verzogen sich seine schönen Lippen, die Jeongin so gerne küssen würde, zu einem glücklichen, breiten Grinsen, als er schließlich hauchte: „Das wollte ich hören!"

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Uwu, diesen OS habe ich schon vor einer ganzen Weile geschrieben und dachte mir einfach mal, ich überarbeitete ihn. (Dass es mitten in der Nacht ist, bitte ignorieren. Nachts habe ich immer die kreativsten Phasen. xD)

Also wenn er euch gefallen hat, würde ich mich ganz doll über etwas Rückmeldung freuen oder natürlich auch Kritik. :3

Alles Liebe und eine gute Nacht,

Eure MissZ :)
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