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You Told a Lie

von Nialuna
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Ignaz "Jo" Caspar Marie Hofer Michael "Michi" Mohr Miriam Stockl Sven Hansen
07.03.2020
13.03.2020
3
11.170
3
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Dieses Kapitel
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07.03.2020 2.864
 
Hallo ihr Lieben,
hier kommt das etwas Größere, von dem ich im letzten Kapitel von 'Moments of a Lifetime' berichtet habe! Ursprünglich war es ein Oneshot, ist dann aber so lang geworden, dass ich es in drei Kapitel unterteilt habe.
Ich hoffe ihr habt genauso viel Spass beim Lesen wie ich beim Schreiben hatte! ;-)
Und keine Angst - die Storys, die die beiden noch erzählen werden, werden besser. Das ist ja jetzt erstmal der Anfang.

ACHSOO, fast vergessen: Wenn Sven hier ein bisschen OOC (out of character) wirkt, dann ist das so, weil ich mir gedacht habe, dass er (und Michi auch) sich ja im Verhalten etwas verändert hat als wenn er single geblieben wäre - ist ja eigentlich klar oder? Also ist er hier vielleicht etwas lockerer/entspannter/spaßiger drauf, als man erwarten würde.

Ach und: Ich freue mich nicht nur über Reviews, sie sind praktisch mein einziges Feedback hier - also bitte keine falsche Scheu, ihr Lieben! Denn ja, ich bin so unsicher und oberflächlich, dass ich meinen Wert als Schreiber an ihnen messe :S
Naja, das war genug in die Abgründe meines Seins - hier das erste Kapitel!
Nialuna



******


Michi und Sven waren kein altmodisches Paar. Sie waren sogar ein sehr modernes, wie sie fanden. Ihre Geschichte war nicht so, wie man es erwarten würde – sie hatten sich Zeit gelassen, ihre Liebe war langsam gewachsen. Es war bei weitem keine Liebe auf den ersten Blick gewesen, auch wenn das überraschend viele zu denken schienen, denen sie begegneten.

Nein, ihre Beziehung hatte sich nur langsam entwickelt und das allein war schon ein Grund, warum sie aus dem Raster zu fallen schienen – jedenfalls nach außen hin. Die Menschen schienen gleichgeschlechtliche Beziehungen noch nicht komplett in die Wirklichkeit geholt zu haben und glaubten, es wäre wie im Märchen: Liebe auf den ersten Blick, ein tapferer Kampf gegen den gemeinsamen Feind namens Homophobie, der sie nur noch mehr zusammenschweißte, dann eine perfekte Hochzeit und ein glückliches Leben mit Hund und adoptierten Kindern, bis sie glücklich und zufrieden gestorben waren.

Dass eine homosexuelle Beziehung dieselben Hürden und Probleme zu meistern hatte wie eine heterosexuelle, schien im weiten Bewusstsein nicht wirklich angekommen zu sein. Natürlich stritten sie, zweifelten und hatten ihre Macken. So gesehen waren sie definitiv normaler, als wohl erwartet wurde.

Auf einem anderen Level sah das jedoch wieder anders aus. Da sich ihre Beziehung nur langsam in eine romantische Richtung entwickelt hatte, hatten sie bereits unzählige Erfahrungen miteinander als Freunde vorzuweisen. Sie kannten sich bereits, wussten worauf sie sich einließen und was sie vom Anderen erwarten konnten. Sie kannten den Anderen und seine Grenzen bereits unglaublich gut und waren dadurch viel sicherer und entspannter im Umgang miteinander. Sie waren schließlich nicht nur ein Paar, sondern auch gleichzeitig Freunde.

Und das führte dazu, dass ihr Verhalten manchmal von dem eines Bilderbuch-Paares abwich. Sie diskutierten zum Beispiel über die abwegigsten Dinge („Aber wieso sollten Erdbeeren Nüsse sein wenn sie doch sogar Erdbeeren heißen, Sven?!“), hatten so viele Insider, dass keiner mehr hinterherkam (jedes Mal, wenn das Wort Aloe Vera fiel, lachten die beiden hemmungslos los) und wussten öfter als nicht, was der andere tun oder sagen würde – das Letzte gruselte Jo manchmal mehr als er sich eingestehen würde.


Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen war es jedoch, Wetten abzuschließen. Sven hatte einen fast schon ungesunden Wettkampfgeist und Michi war nicht weit davon entfernt – wenn er einmal angebissen hatte, war er kaum mehr loszukriegen. So war Jo schon Zeuge mehrerer Wetten und Wettstreite zwischen den beiden geworden.

Das letzte Mal war es darum gegangen, wer länger ohne sein jeweiliges Lieblingsgetränk klarkommen würde – Sven ohne Rotwein oder Michi ohne Himbeerlimo. Jo war bei dieser bestimmten Wette selbstverständlich hautnah dabei gewesen und hatte jede Sekunde genossen. Zur Ablenkung hatten sie nämlich fast seine gesamte Getränkekarte durchprobiert. Jo konnte sich immer noch an Svens Gesicht erinnern, als dieser zum ersten Mal ungekühlte Himbeerlimo probiert hatte – der Horror hatte sich langsam von seinen Augen aus über sein ganzes Gesicht ausgebreitet und hatte in einem Ganzkörper-Erschaudern seinen Höhepunkt gefunden. Dann hatte er sich zu Michi gedreht und ihn einen Moment lang fassungslos angestarrt. Michi und Jo hatten fast unter der Theke gelegen vor Lachen.

Doch dieses Mal war das Duell von größerem Ausmaß und sah wie folgt aus: Wer einem ahnungslosen Dritten den größeren Bären über ihre Beziehung aufbinden konnte, gewann. Dabei zählte jedoch nicht nur, was sie erzählten, sondern auch, wie lange sie es durchziehen konnten und wie der andere reagierte. Es war wirklich sehr kompliziert und ausgefeilt, dafür dass es nur eine Wette zum Spaß war. Aber Sven machte nie irgendetwas halbherzig – alles, was er tat, war fast schon pedantisch durchdacht:
Ein Münzwurf würde entscheiden, wer anfing. Sie würden abwechselnd vorgehen und jeder durfte sich so lange vorbereiten, wie er es brauchte. Dafür durften sie aber auch nicht etwas bereits Genutztes erneut verwenden – jede Lüge war einmalig. Und wenn einem nach vier Wochen nichts Besseres einfiel, dann hatte der andere gewonnen. Jeder durfte insgesamt dreimal zum Zug kommen. Jo war, wie schon öfter, die Jury. Jedes Mal, wenn jemand seinen Zug getan hatte, würden sie sich am nächstmöglichen Abend im TimesSquare treffen und es den Anderen mitteilen. Das waren die Regeln.

Jo freute sich ungelogen schon auf die Geschichten, die sie sich ausdenken würden – seine Unterhaltung für die nächsten Wochen war ihm gesichert.


Die Münze hatte Michi zum Beginner erkoren. Und es dauerte auch nur zwei Tage bis sich ihm auch schon eine Gelegenheit anbot...


******

Schwungvoll erklomm Michi die Stufen im Kommissariat zur Etage der Mordkommission. Es war ein wunderschöner Tag und er hatte gute Neuigkeiten für die beiden Kommissare – ein Nachbar hatte etwas für ihren neuen Fall wirklich Interessantes beobachten können. Außerdem freute er sich auf Stockl und vor allem auf ihren Kaffee – den hatte er sich jetzt redlich verdient.

Als er die Tür zum Büro öffnete war jedoch bereits Besuch da: Marie Hofer stand mit der Sekretärin an der Kaffeemaschine und, wie konnte es anders sein, ratschte mit ihr.

„Ja Hallo, Frau Marie!“ grüßte er sie fröhlich.

„Hallo, Herr Michi!“ Ihre Antwort war nicht weniger gut gelaunt und Michi fragte sich für einen Moment, was die beiden wohl gerade besprochen hatten – denn natürlich hatten sie sofort aufgehört als er reingekommen war. Und es schien auch erst mal auf Eis gelegt zu sein, da er jetzt da war. Stockl warf ihm einen leicht verstimmten Blick zu, der in ,Muss das jetzt sein?, hätte übersetzt werden können, sagte aber nichts. Stattdessen nahm sie nur ihre Tasse und ging wieder an ihren Schreibtisch.

Das kümmerte Michi jedoch nicht weiter und er gesellte sich zu der Stadträtin an die Theke. Dabei schaute er in das angrenzende Büro – und bemerkte, dass es leer war. Überrascht drehte er sich zurück zu Stockl.

„Stockl, Häuptlinge?“

Sofort musste die Sekretärin grinsen. „Der Herr Stadler hatte wohl eine Panne und ist auf dem Weg vom Tatort zum Präsidium liegen geblieben.“ Beide Frauen kicherten und auch Michi musste verblüfft auflachen.

„Naa!“ rief er ungläubig.

„Doch.“ lachte Stockl. Dann fing sie sich wieder. „Deine bessere Hälfte musste ihn abschleppen. Und jetzt ist der Wagen vom Herrn Stadler in irgendeiner Werkstatt irgendwo zwischen Rosenheim und Bad Aibling und die beiden sind auf dem Weg hierher.“

Lachend schüttelte Michi den Kopf, dann wandte er sich wieder seinem Kaffee zu. Wenn die beiden eh noch nicht wieder da waren, dann konnte er auch eine kleine Pause einlegen.

Das Gespräch zwischen ihnen wanderte zu unverfänglicheren Themen – der typische Smalltalk, wie es denn so ginge und lief. Doch nach wenigen Minuten, und Michi wusste nicht genau wie, war plötzlich seine Beziehung mit Sven in den Mittelpunkt der Unterhaltung gerückt. Stockl schien nicht glücklicher über diese Wendung des Schicksals sein zu können und stürzte sich auf jedes Wort wie ein verhungerter Wolf. Dadurch empfand Michi wiederum ohne Scham Schadenfreude, als sie nach nicht mal zwei Minuten zu Herrn Achtziger bestellt wurde. Sie rannte förmlich aus dem Büro um so schnell wie möglich wieder da sein zu können. Michi und Frau Marie plauderten aber ungehindert einfach weiter.

Michi tunkte gerade genüsslich einen Keks in seinen Kaffee als sein Gegenüber eine Frage stellte, die ihm wie eine Einladung vorkam. Im Bruchteil einer Sekunde entschied er sich dafür, seinen ersten Schritt ihres Wettkampfs zu wagen.

„Sagen Sie mal, Herr Michi: Was mögen Sie an Ihrem Herrn Hansen denn am meisten?“ fragte die Teilzeitbäuerin neugierig.

Und Michi sagte nichts. Er runzelte nachdenklich seine Stirn und tat einen langen Moment so, als müsste er wirklich überlegen.

„Hm...“ machte er und nun war wirklich die Zeit vergangen, in der es noch schicklich gewesen wäre, zu antworten. Jetzt sah es nicht mehr so aus, als könne er sich nicht zwischen all den Antwortmöglichkeiten entscheiden, sondern eher so, als würde er ernsthaft darüber nachdenken, was er überhaupt an seinem Partner mochte.

Die Augen seines Gegenübers weiteten sich und sie starrte ihn für ein paar Sekunden ungläubig an. Dann atmete sie geräuschvoll aus und verdrehte ihre Augen.

„Sehr witzig.“ kommentierte sie und Michi musste leicht lachen.

Dann erklärte er ihr die Situation und schon war ihr leichter Ärger auch wieder verflogen. Stattdessen hatte sie geschmunzelt und fasziniert zugehört, als er ihr die Regeln erklärt hatte und sogar gewissenhaft genickt, als er ihr Stillschweigen erbittet hatte.

„Von mir erfährt keiner was.“ versprach sie ihm und man sah ihr die Begeisterung für ihre neue Wette an.

Einen Augenblick später betrat Stockl wieder ihr Büro und sie verfielen erneut in unverfängliches Plaudern bis die Kommissare eintrudelten. Von dem Wettstreit zwischen Michi und Sven sprach jedoch keiner mehr.


******

Für Sven war das nicht wirklich schwer zu toppen gewesen. Es war ein solider, aber dann doch auch sehr harmloser Start gewesen und er brauchte nicht viel Fantasie um sich etliche bessere Szenarien vorstellen zu können.

Noch in der gleichen Woche kam Sven dann auch schon zum Zug.


Sie hatten ihren Fall beendet und Herr Stadler war ausnahmsweise und sehr erfolgreich darum herum gekommen, den Abschlussbericht zu schreiben – er hatte seinen 25. Hochzeitstag und wollte ihn natürlich gebürtig mit seiner Hilde feiern. Sven hatte kein Spielverderber sein wollen und hatte ihn selbstverständlich von seiner Pflicht entbunden.

Das hieß aber, und das hatte er nicht ganz zu Ende gedacht, dass er noch am selben Abend Überstunden schieben musste. Michi hatte sich bereits vor zwei Stunden verabschiedet. Sven hatte ihm versprochen, dass er so bald wie möglich nachkommen würde. Dieses sobald wie möglich rückte jedoch mit jedem Wort, das er schrieb, in immer weitere Ferne. Abschlussberichte hatten leider die unangenehme Angewohnheit, immer länger und länger zu werden, wenn man sich einmal an sie heransetzte. Sven war es bisher noch nie gelungen, die Zeit, die er letztendlich für so einen Bericht brauchte, von vornherein richtig einzuschätzen. Sein Schreibtisch war inzwischen ein einziger Haufen aus Akten, Berichten und Beweisen.

Aber wenigstens war er nicht allein – auch ihre Sekretärin schien heute länger als üblich im Büro zu sein. Er konnte sie immer wieder durch die angelehnte Tür fluchen hören. Ihre Aufgabe war mindestens genauso unerfreulich wie die seine und das ließ ihn einen Anflug von Verbundenheit zu ihr spüren.


Nach weiteren 15 Minuten, in denen sich Tippfehler und geistige Abwesenheit, entsprungen aus Langeweile, gehäuft hatten, beschloss Sven eine kleine Kaffeepause einzulegen – wenn das so weiterging würde er noch eine Nachtschicht einlegen müssen. Und da war es dann auch egal, dass er noch 19:00 Uhr abends Kaffee trank.

Als er die Tür zum angrenzenden Büro öffnete wurde er von einem verzweifelten Schwall bayrischer Flüche empfangen, von denen er nicht mal die Hälfte verstand.

Auch Frau Stockls Schreibtisch befand sich im Chaos – Hefter, Abrechnungen und Mappen bildeten eine Mauer zwischen der Sekretärin und dem Rest der Welt. Er schnitt eine mitleidige Grimasse.

„Das klingt aber nicht gut.“ merkte er vorsichtig an.

„Naa, ist es auch nicht. Diese blöden Akten zusammen mit diesem neuen Computersystem rauben mir noch den letzten Nerv! Und ich habe noch nicht mal die Hälfte.“ Verzweifelt starrte sie auf ihren Bildschirm. Und Sven wusste nur zu gut, wovon sie da sprach. Auch er schlug sich mit ihrem neuen System herum und seine Bemühungen diesbezüglich waren öfter von Misserfolg als von Erfolg gekrönt.

„Wissen Sie, was da hilft?“

„Was?“ Ihr resignierter Blick landete auf ihm.

„Eine Pause. Ich mach uns einen Kaffee und Sie gehen sich mal etwas zum Essen holen. Es ist ja schließlich schon sechs Stunden her, seit Sie das letzte Mal etwas gegessen haben.“ sagte Sven während er hinüber zu den Fenstern ging um sie zu öffnen.

Die warme Luft des Sommerabends strömte zwischen den Fensterflügeln langsam nach innen und durchdrang gemächlich die stickige, frustrationsgeschwängerte Büro-Luft. Weiche Sonnenstrahlen leuchteten herein und tauchten den Raum in ein angenehm entspannendes Licht. Vogelgezwitscher wehte zu ihnen herüber und für einen Moment genossen beide die ruhige, leichte Atmosphäre.

Dann seufzte Frau Stockl auf. „Wissen Sie was? Sie haben Recht.“

Sie tippte noch ein paar Worte in ihren Computer, dann schien sie bereit für eine Pause. Währen Sven an die Kaffeetheke trat stand sie auf und nahm sich ihre Tasche.

„Soll ich Ihnen auch was mitbringen?“

„Nein, danke. Michi wollte heute groß kochen, das kann ich ihm nicht antun.“ lehnte Sven lächelnd ab. Sie erwiderte sein Lächeln.

„Gut, ich bin dann gleich wieder da.“ Damit verschwand sie.

Summend setzte Sven einen letzten Kaffee für den Tag auf – das hoffte er jedenfalls. Er sollte spätestens halb neun zuhause sein, sonst konnten sie das mit dem Essen vergessen. Michi wollte ein neues Rezept ausprobieren – Mango-Avocado-Salat mit einem so kompliziert zubereiteten Hühnchen, dass Sven gar nicht erst seine Hilfe in der Küche für heute Abend angeboten hatte.

Während der Kaffee durchlief rief Sven Michi an und gab ihm Bescheid, dass er noch etwas brauchen würde. Die Enttäuschung, die er daraufhin erwartet hatte, blieb jedoch aus. Stattdessen begegneten ihm ein erleichterter Seufzer und eine hastig folgende Erklärung. Michi hatte zufällig einen Freund aus Schulzeiten getroffen und sich wohl so sehr verratscht, dass er noch nicht mal angefangen hatte zu kochen – und das Hühnchen brauchte mindestens anderthalb Stunden (warum auch immer...). Sven musste beim schuldschwangeren Tonfall seines Freundes so überrascht auflachen, dass er sich fast an seiner eigenen Spucke verschluckte. Die Reaktion war vielleicht etwas übertrieben, aber wenn man seit vier Stunden in einen Computerbildschirm gestarrt hatte, war man für jede Abwechslung dankbar.

Als er seine Überraschung überwunden und Michi der Situation angemessen geneckt hatte, sprachen sie noch für einen kurzen Moment, dann legten sie wieder auf – Michi wollte schließlich endlich anfangen zu kochen.

Einen Augenblick später öffnete sich die Tür zum Büro und Frau Stockl kam wieder herein. Sie schien schon deutliche besserer Stimmung zu sein.

„Und? Erfolgreich geworden?“ fragte er sie.

Als Antwort hielt sie lediglich eine Pappschachtel in die Höhe.

Sie hing ihre Tasche an die Garderobe und stellte sich ihm gegenüber an die Theke. Dann kramte sie eine Gabel aus dem Schränkchen darunter hervor. Als sie wieder auftauchte klackte die Kaffeemaschine. Während Sven ihnen beiden Kaffee einschenkte und Frau Stockl begann, ihren Couscous zu essen (Danach sah es jedenfalls aus und: Nein, Sven war nicht neidisch!), plauderten sie locker. Unter anderem kamen sie auf Sven und Michi zu sprechen, was Sven in keiner Weise auch nur im Ansatz überraschte – seit sie zusammen waren gab es nichts, worüber Frau Stockl lieber sprach. Doch es störte ihn nicht – die Stimmung war viel zu entspannt, als dass er sie hätte ruinieren wollen, und der Anflug von dem Verbundenheitsgefühl zu ihr war immer noch da - sie waren ja eh nur zu zweit.

„Sagen Sie mal, Herr Hansen, was mögen Sie denn am meisten am Michi?“

Amüsiert von ihrer Unverblümtheit und dem Fakt, dass Frau Hofer Michi exakt die gleiche Frage vor zwei Tagen gestellt hatte, nutzte er die gleiche Chance, die sein Partner auch schon ergriffen hatte. Nur spiegelte er ihr ihre Direktheit ungeniert wieder:

„Puh, das frage ich mich auch oft.“ sagte er und runzelte verzweifelt seine Stirn.

Empört schnappte Frau Stockl nach Luft. Sie setzte schon zu einer Tirade an, in der sie ohne Zweifel Michis Ehre wieder gerade rücken wollte, da schnitt Sven ihr das unausgesprochene Wort ab.

„Das war nur ein Scherz, Frau Stockl.“

Gereizt zog sie eine Augenbraue nach oben und sah ihn forschend an. Sven hob beschwichtigend die Hände und machte sich daran, die Situation zu erklären – sonst hätte er wahrscheinlich kein Wort mehr mit ihr in den nächsten Tagen wechseln dürfen.


Von diesem Tag an waren die beiden Frauen eingeweiht. Und sie hatten durchaus ihren Spaß daran, die beiden Männer bei ihrem Wettstreit zu beobachten. Sie wurden sogar als Ehrengäste in die Jury mit aufgenommen, da Michi Jo, nachdem er Svens Antwort besser bewertet hatte als Michis, nicht mehr ganz vertraute, was seine Parteilosigkeit anging. So hatten sie jeder ein beeinflusstes Jurymitglied (Jo als Svens bester Freund und Frau Stockl als Michis unerschütterlich loyale Unterstützung) und eine komplette Neutrale: Frau Hofer.



Es vergingen zwei Wochen ohne ein Anzeichen, dass Michi bereit für seinen nächsten Zug war. Sven fing schon langsam an, sich in Sicherheit zu wägen, da Michi eigentlich nie so viel Geduld vorweisen konnte und so langatmig plante. Zwei Wochen ohne eine Regung – da konnte man schon mit dem Hoffen anfangen.

Doch nach weiteren vier Tagen, die Sven damit verbrachte, sich seines Sieges immer sicherer zu werden, ging Michi in die Offensive...
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