Neustart

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
OC (Own Character) Sousuke Yamazaki
07.03.2020
26.03.2020
6
20704
4
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5. Chapter


Es war bereits Sonntagabend, Nanami hatte er das Ganze Wochenende nicht gesehen, es machte auch nicht den Anschein als sei sie überhaupt hier. Er war sogar ein paar mal seit Freitagabend bei ihrem Zimmer und klopfte, erhielt jedoch nie eine Antwort. Irgendwie machte er sich Sorgen, er hatte seit mehr als einer Woche nicht mehr mit ihr gesprochen. Er konnte sie ja nicht mal anrufen oder anschreiben, er hatte nie nach ihrer Nummer oder Mailadresse gefragt. Dafür hasste er sich in diesem Moment, genau so sehr hasste er sie in dem Moment das sie ihm immer aus dem Weg ging wenn bei ihr irgendwas passierte. Sie konnte ja zumindest sagen wenn sie übers Wochenende weg fuhr. Das war doch wohl nicht zu viel verlangt. Halt! Stopp! Was dachte er da, sie war ihm keine Rechenschaft schuldig! Nanami musste ihm weder sagen wie es ihr ging oder wo sie sich übers Wochenende aufhielt oder sonst irgendwas. Er raufte sich die Haare, als er im fahrenden Aufzug stand, er war auf dem Weg in die Schwimmhalle. Sousuke brauchte Ruhe und musste seine Gedanken sortieren, sich wieder fokussieren auf das was wichtig war. Er würde ab kommender Woche endlich das Schwimmen in seinem Trainingsplan haben, endlich durfte er wieder ins Wasser. Laut Dr. Tanaka schien seine Schulter besser auszuheilen als erwartet, also gab er sein okay das Sousuke's Trainingsplan erweitert werden konnte. Darauf freute er sich ungemein, auch wenn er wusste dass dieses Schwimmtraining nichts mit einem regulären Training zu tun hatte.

Er lief den schwach beleuchteten Gang entlang, der vertraute Geruch nach Chlor stieg ihm langsam in die Nase. Die ihm wohl bekannte Fensterfront trat in sein Blickfeld, der Pool lag schwach erleuchtet und glitzernd hinter der Scheibe. Er ging wie immer durch die Umkleide ließ seine Schuhe dort und ging barfuß in die Schwimmhalle. Ein kleiner Haufen Kleidung lag auf dem Boden, er schaute sich um, sein Blick blieb auf einer Gestalt hängen die lautlos durchs Wasser gleitete. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus, er trat an den Beckenrand und beobachtete Nanami dabei wie sie durch das Wasser tauchte. Wie lang konnte dieses Mädchen die Luft anhalten? Das war ja unglaublich. Sie glitt allein mit dem Delphinschlag durchs Wasser. Endlich tauchte sie auf und trieb mit geschlossenen Augen auf dem Rücken durchs Wasser, nahe des Beckenrandes an dem er stand. Sie hatte ihn bisher nicht bemerkt, er war sich noch unsicher ob er warten sollte bis sie ihn bemerkte oder ob er sie ansprechen sollte. Er entschied sich zu warten und setzte sich so leise wie möglich an den Beckenrand, streckte seine Füße ins Wasser und betrachtete das schwarzhaarige Mädchen aufmerksam.

Sie hatte ganz entspannte Gesichtszüge, ihre Brust hob und senkte sich gleichmäßig, sie wirkte als würde sie schlafen. Verdammt, er war doch hierher gekommen um nicht über sie nachzudenken, sondern um sich über seine Zukunft Gedanken zu machen, wieso war sie immer dann da, wenn er nicht über sie nachdenken wollte. Die ganze Woche machte sie sich rar, na gut er musste zugeben, er hatte es die ganze letzte Woche auch nicht darauf angelegt sie zu sehen. Er hätte ja auch mal bei ihr vorbei gehen können, was er auch nicht getan hatte. Er wusste ja das sie es offenbar zur Zeit nicht gerade einfach hatte, auch wenn das nur reiner Zufall war. Aber sie hätte ja auch mal mit ihm reden können wenn es ihr nicht gut ging, obwohl er machte das ja auch nicht, das war doch zum davonlaufen wenn man alles erraten musste. So langsam bekam er ein Gefühl dafür wie sich Rin mit ihm fühlen musste, er selbst war ja auch nicht anders wie Nanami was das betraf. Wieso machte er ihr dann einen Vorwurf deswegen? Er verstand sich selbst nicht in dem Moment. Einerseits wollte er wissen was bei ihr los war, andererseits verbot er sich selbst sie danach zu Fragen. Das war doch sinnlos oder? Er wurde aus dem Mädchen nicht schlau, genauso wenig wie aus seinen Gefühlen.

Sie trieb langsam auf ihn zu, sie war nur noch wenige Dezimeter von ihm entfernt. Er lächelte sie an, als sie kopf voraus näher auf ihn zu trieb. Sie schlug die Augen auf, schaute ihn ungläubig an und murmelte leise.
"Verdammt, jetzt hab ich schon Halluzinationen von ihm."
Was hatte sie da gesagt? Er grinste sie breit an bevor er ihr belustigt antwortete.
"Na hast du mich vermisst?"
Mit der Reaktion die dann folgte hatte er nicht gerechnet. Nanami zuckte erschreckt zusammen, ging fast unter, ruderte wild mit den Armen und schlug mit den Beinen aus, sie kam prustend zum stehen und starrte ihn schockiert und schwer atmend an. Er hatte sich bereits sein Shirt ausgezogen und wollte ins Wasser. Er dachte wirklich sie ertrinkt. Er hörte selbst die Besorgnis in seiner Stimme.
"Verdammt alles in Ordnung bei dir? Tut mir Leid ich wollte dich wirklich nicht so erschrecken. Das war echt keine Absicht."
Sousuke schaute sie besorgt an, das wollte er wirklich nicht, er dachte wirklich dass sie ihn bewusst gesehen hatte. Sie nickte ihm lediglich zu, ihre Atmung war immer noch unruhig, sie starrte ihn unverwandt an als konnte sie nicht glauben das er tatsächlich da war. Nanami blinzelte mehrmals bevor sie ihm immer noch schwer atmend antwortete.
"Verdammt Sousuke! Hast du mich erschreckt! Das topt echt jeden anderen Horror!"
Ein Lächeln schlich sich langsam auf ihre Lippen.
"Darfst du überhaupt schon schwimmen gehen?"
Was hatte er das echt gefragt? Natürlich durfte sie noch nicht schwimmen gehen mit ihrer Schulter und schon gar nicht Abends um 21:48Uhr in dieser Schwimmhalle, die nur zu Therapiezeiten geöffnet war. Ihm wurde bei seinem Blick auf die Uhr der Schwimmhalle bewusst das er sie tatsächlich fast zwanzig Minuten beobachtet hatte. Sie schüttelte den Kopf.
"Nein eigentlich nicht. Wenn du mich nicht verätst darfst du auch rein kommen."
Er sah dieses schiefe Lächeln wieder auf ihren Lippen das er so unglaublich süss fand in ihr.

"Ich hatte nicht vor zu schwimmen, deswegen hab ich auch keine Badesachen mit."
Ne blödere Antwort fiel ihm offenbar nicht ein, gedanklich schlug er sich mit der flachen Hand ins Gesicht. Er sah wie sie eine Augenbraue hob und mit den Schultern zuckte.
"Ich hab doch auch keine Badesachen an."
Erst bei dem Satz fiel ihm auf das sie tatsächlich mit Unterwäsche im Pool stand, da hatte er sie wirklich fast zwanzig Minuten angestarrt aber das fiel ihm nicht auf. Er schüttelte kurz über sich selbst den Kopf, ehe er sich kurzerhand seine Trainingshose auszog und in Boxershorts ins Wasser sprang. Er glitt durchs Wasser, fühlte sich als wäre er zu Hause angekommen, es fühlte sich richtig an wieder im Wasser zu sein. Er hatte das Schwimmen wirklich vermisst. Er schwamm zwar noch lange nicht so wie früher, da er nicht wusste inwieweit er seine Schulter bewegen durfte, aber es fühlte sich trotzdem richtig gut an. Er war heilfroh das er seine Schulterbandage nur noch zum Krafttraining und in der Physiotherapie tragen musste, bis er sich aus der geschält gehabt hätte, ließ ihn zaudern. Er legte sich im Wasser auf den Rücken und ließ sich einfach treiben und starrte an die Decke. Aus dem Augenwinkel nahm er wahr wie sich Nanami zu ihm gesellte und sich ebenfalls wieder rücklings treiben ließ.

So trieben sie einige Minuten nebeneinander her, ehe ihre Stimme durch das Schwimmbad hallte, er drehte leicht seine Kopf in die Richtung um sie anzublicken.
"Ich muss mich bei dir entschuldigen Sousuke. Also ich mein wegen der letzten Woche. Weil ich von mir weder was sehn noch hören ließ."
Er schaute sie fragend an, als sie ihren Kopf in seine Richtung drehte, sie erklärte sich einfach weiter, ohne eine weitere Reaktion von ihm abzuwarten.
"Also ich mein, das muss doch so ausgesehen haben als hätt ich dich an dem Freitag ins Bett kriegen wollen und dann lass ich nichts mehr von mir hören. Das war aber absolut nicht meine Absicht. Das letzte Wochenende war richtig beschissen, also ab Samstag Mittag mein ich, die restliche Woche war auch nicht besser und dieses Wochenende war bisher noch beschissener als das letzte. Tut mir leid, Sousuke."
Er blickte ihr in die Augen, sie meinte es ernst.
"Was ist denn letztes Wochenende passiert? Wenn du willst kannst du gern darüber reden."

Er wusste zwar zum Teil was passiert war aber er wollte das sie es ihm von sich aus erzählte wenn sie es wollte. Sie schüttelte den Kopf.
"Im Moment möchte ich nicht darüber reden. Aber vielleicht komm ich irgendwann auf dein Angebot zurück. Das letzte Wochenende hat mich die ganze Woche noch verfolgt. Mir kam die ganze Woche so unglaublich anstrengend vor, ich war Abends immer so fertig. Und am Freitag dann der nächste Schock."
Sie seufzte tief, es hörte sich so an als sei der Seufzer aus der tiefe ihrer Seele gekommen, ihr Blick richtete sich wieder zur Decke, so wie seiner auch. Der Dunkelhaarige atmete tief durch bevor er ihr antwortete, seine Stimme hallte genauso durch das Schwimmbad.
"Das selbe könntest du auch von mir denken, also mach dir deswegen mal keine Gedanken. Ich hätte ja auch mal vorbei schauen können. Du hast richtig schlechte Nachrichten von Dr. Tanaka erhalten, es sah zumindest danach aus. "
Aus dem Augenwinkel sah er wie sie ihn fragend anblickte.
"Woher weißt du das?"
Er drehte seinen Kopf wieder in ihre Richtung und blickte sie an, das schwache Licht spiegelte sich in ihren Iriden.
"Am Freitag hatte ich auch einen Termin bei Dr. Tanaka, offenbar direkt nach dir. Habe dann im Wartebereich zufällig mitbekommen was er zu dir sagte. Warst du deswegen übers Wochenende nicht da?"

"Achso. Ja ich war zu Hause, ich musste hier raus, nach Freitag. Ich musste die Information erstmal sacken lassen. Ich hatte zwar damit gerechnet, aber das es mich dann doch so umhauen würde hätte ich nicht gedacht. Ich dachte wirklich das ich damit gut umgehen könnte. Weisst du bis zur letzten Meisterschaft, hatte ich nicht wirklich Ehrgeiz. Ich bin einfach geschwommen weil ich das schon mein Leben lang schon tat, weil ich es nicht anders kannte und weil es von mir erwartet wurde. Es hatte mir zwar schon irgendwie Spaß gemacht, aber mit Leidenschaft war ich nie wirklich dabei. So lang die Leistungen stimmten, war mein Vater damit zufrieden, das war alles was ich wollte. Nur deswegen habe ich an Wettbewerben teilgenommen, nicht weil ich selbst es wollte. Erst seit den letzten Meisterschaften hat mich der Ehrgeiz gepackt, war ich mit Leidenschaft dabei. Ich hab keine Ahnung wieso es genau dann war, es hatte einfach klick gemacht und ich wusste das wollte ich tun, das will ich wieder spüren. Die Anspannung, das Adrenalin, das Gefühl wenn die Anspannung mit dem Sprung ins Wasser sich auflöst. Das Gefühl wenn man auf die Anzeigentafel schaut, das Glücksgefühl wenn man realisiert dass man als Erste im Ziel war. Vielleicht lag es auch daran das ich mich zum ersten Mal aufs Schwimmen konzentriert hatte, vor den Meisterschaften und in den Wochen davor. Ich hab das Schwimmen als Ablenkung gesehen, es hat mich von anderen Dingen abgelenkt, mir geholfen andere Dinge zu verarbeiten. Ich habe im Wasser schon immer Klarheit in meinen Gedanken gefunden, konnte beim Schwimmen meine Gedanken sortieren. Es hat mir geholfen das Wesentliche zu erkennen. Ich hatte mich endlich gefunden, wusste wo ich hinwollte, wusste wie mein Weg aussah. Dann kam der Unfall und ich hab mich wieder verloren, weiss wieder nicht wo ich hin will oder wo überhaupt mein Weg ist. Deswegen bin ich heute auch hier runter gekommen, bin ins Wasser und habe gehofft irgendeine Antwort zu bekommen. Aber ausser Leere is da nichts im Moment."

Sie seufzte tief als sie ihren Monolog beendete, ihr Blick richtete sich wieder zur Decke. Sousuke betrachtete sie weiterhin, er dachte über das nach was sie gerade gesagt hatte. Das war verdammt viel was sie gerade von sich preisgegeben hatte. Er verstand ihr Gefühl sich jetzt verloren zu fühlen, ihm ging es dsmals genauso. Er dachte darüber nach ob er noch schwimmen würde wenn er nicht mit Rin befreundet gewesen wäre. Er wusste es nicht. Konnte es nicht sagen. Aber er wusste genau was sie mit der Leere meinte, die sie nun empfand, die hatte er auch empfunden. Er wusste damals genau so wenig was er tun sollte, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Erst als er sich damit abgefunden hatte, nicht mehr schwimmen zu können, konnte er anfangen sich darüber Gedanken zu machen was er stattdessen mit seinem Leben anfangen wollte. Er hatte jedoch das Glück eine zweite Chance zu bekommen, worüber er sehr dankbar war, er wollte sie nutzen. Er fragte sich ob sie nicht wütend über die Situation war, er war es damals, hätte am liebsten die ganze Welt zerstört. Jetzt wollte er es wissen, er warf seine Erkenntnis dass ihn das eigentlich nichts anging über Bord, es war ihm egal, ob er sich die ganze Nacht deswegen um die Ohren schlagen würde. Er betrachtete sie immer noch, während Sousuke sie leise ansprach.
"Bist du nicht wütend über die Situation? Ich war damals so furchtbar wütend auf mich, auf die anderen die weiter schwimmen konnten, auf die ganze scheiss Welt war ich wütend. Du wirkst so brutal ruhig."
Die Schwarzhaarige richtete ihren Blick wieder auf ihn, sie grinste schief, ihre Stimme war unheimlich ruhig.
"Oh glaub mir ich war wütend, ich habe regelrecht getobt. Deswegen war ich auch zu Hause. Ich war froh das meine Eltern zur Zeit beide geschäftlich unterwegs sind, so dass ich meiner Wut freien Lauf lassen konnte. Ich hatte selbst Angst vor mir, so kannte ich mich gar nicht, ich war noch nie so wütend, nicht mal als sich mein Exfreund gegen mich entschieden hat. Und seit heute hab ich einfach das Gefühl leer zu sein. Das fühlt sich fast noch schlimmer an als die Wut. Ich hab das Gefühl an diesem Wochenende alles im Schnelldurchlauf erlebt zu haben, jedes Gefühl das man haben kann."

Er nickte einfach um ihr zu zeigen das er sie verstanden hatte, er sah ihr zu wie sie ihren Blick wieder an die Decke richtete als würde sie da ihre Antworten finden. Er betrachtete sie weiter, er hatte keine Ahnung was er ihr darauf entgegnen sollte. Es gab damals keine Worte die ihn getröstet hatten, genauso wenig hatte er jetzt welche die sie trösten konnten. Aber irgendwas wollte er tun, ausser sie anzustarren. Sousuke sah wie sich ihr eine Träne aus dem Augenwinkel stahl und im Poolwasser verschwand. Aus einer Träne wurden zwei, drei, vier, es wurden immer mehr. Er wollte nicht das sie weinte, er wollte sie nicht weinen sehen. Er wollte nicht dass sie weinen musste, er wollte sie vor allem beschützen was sie zum weinen bringen konnte. Es schnürte ihm die Kehle zu. Er stellte sich in den Pool ging langsam auf sie zu, wischte ihr wie von selbst einzelne Tränen aus dem Gesicht. Sie stellte sich ebenfalls in den Pool, rieb mit ihren Fingern die Tränen weg, es half alles nichts. Es kamen immer mehr.

"Ich hab keine Ahnung warum ich jetzt weine, tut mir leid."
Ihre Stimme klang viel zu heiser, der Dunkelhaarige nahm sie einfach in den Arm und drückte sie an sich, er hatte keine Ahnung was er sonst tun sollte. Nanami versteifte sich kurz, bevor sie ihren Kopf an seinem linken Schlüsselbein bettete und sich ihre Arme um seinen Brustkorb legten. Ihr Atem streichelte warm seine Haut, ihre Tränen flossen heiss an seiner Haut entlang. Er hatte keine Ahnung weshalb er jetzt hier stand mit Nanami im Pool, beide in Unterwäsche, er fand diesen Umstand absolut absurd. Er verfluchte sich selbst, warum er sie und ihre Geschichte so an sich ran ließ, er war doch nicht in dieses dunkelhaarige Mädchen verliebt! Er sollte sich auf sich selbst konzentrieren, statt auf die dunkelhaarige junge Frau in seinen Armen! Warum tat er dann das alles? Warum berührte ihn das so? Warum hatte er ein schlechtes Gewissen das er in den Schwimmsport zurück konnte und sie nicht? Warum fühlte sich dass dann alles so absolut richtig und gut an? Was machte diese junge Frau, nur mit ihm? Warum reagierte er so auf sie? Warum sog er jede Information die er von ihr erhielt wie ein Schwamm auf? Warum fühlte er sich in ihrer Nähe so gut? Er hatte keine Antworten auf diese Fragen, egal wie sehr er darüber auch nachdachte fand, er die Antworten darauf nicht. Das ärgerte ihn maßlos, er war wütend auf sich selbst das er die Antworten nicht kannte.

Sie löste sich langsam von ihm, blickte ihn von unten her an. Das schwache Deckenlicht spiegelte sich in ihren feuchten dunklen Augen, er fand sie in diesem Moment wunderschön. Er hob seine Hand, strich ihr einige feuchte Strähnen aus dem Gesicht. Ließ seine Hand einfach auf ihrer Wange liegen, strich mit dem Daumen sachte über ihre Lippen. Er schaute in ihre Augen in der Hoffnung, dort die Antworten auf seine Fragen zu erhalten. Aber er fand sie auch dort nicht. Er hatte nur eine Erkenntnis, das die Antworten auf seine Fragen in diesem Moment egal waren. Es fühlte sich in diesem Moment einfach gut an, also war es auch richtig wenn er die Antworten nicht kannte. Sie küsste sachte die Kuppe seines Daumens, ihr Blick brannte sich in sein Gedächtnis. Er überbrückte die restliche Distanz zwischen ihren Lippen legte seine Hand in ihren Nacken, er wollte das sie hier blieb, bei ihm in diesem Moment. Das sie ihm alles erzählte was es über sie zu erzählen gab, die guten und schlechten Sachen. Das sie alles über ihn wusste, was er erlebt hatte, das sie wusste was er fühlte. Diese Erkenntnis traf ihn in dem Moment als sich seine Lippen auf ihre legten, als sie den Kuss erwiderte sich an ihn drängte. Sie Umschlang seine Hüfte mit ihren Beinen, seinen Nacken mit ihren Armen. Drängte sich seinen Lippen entgegen. Ihre Zungen trafen aufeinander, drängten sich gegeneinander. Dieser Kuss war fordernd, raubte ihm den Atem, dieser schien Dinge zu versprechen. Machte ihm Lust auf mehr. Seine Hände lagen auf ihrem Hintern, drückten ihn, hielten sie an ihn gepinnt. Sie löste atemlos den Kuss, grinste ihn schief an. Sein Atem ging genauso schwer wie ihrer.

Ihrer beiden Blicken richteten sich auf den Lichtschein der durch die Fensterfront vom Gang herein schien. Nanami riss entsetzt die Augen auf, ihre Stimme war nur ein leises Zischen.
"Scheisse Sousuke, wir müssen sofort hier raus. Der Typ vom Nachtdienst macht seinen Rundgang!"
Sie löste sich von ihm zog ihn an der Hand mit sich zur Treppe die aus dem Pool führte. Sie klaubte die Kleidung vom Boden auf, drückte sie ihm in die Hand. Nahm sich seine andere Hand zog ihn weiter zu den Damenumkleiden und schubste ihn in eine der Umkleidekabinen, sie kam hinterher schloss vorsichtig die Tür. Ihre Stimme war ein aufgeregtes Flüstern, brachte ihn zum Lächeln.
"Hoffentlich kommt er erst hier rein wenn das Licht wieder aus ist sonst haben wir ein riesen Problem."
Sie drückte sich an ihn, grinste ihn an. Er flüsterte seine Antwort direkt in ihr Ohr.
"Was passiert wenn wir erwischt werden?"
Sie grinste ihn noch breiter an.
"Im schlimmsten Fall würden wir aus der Rehaklinik geworfen. Aber ich denke es würde erstmal eine knackige Verwarnung geben, zumindest für dich."
Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen, einen Rauswurf konnte er sich nicht leisten, das war eine Katastrophe. Das Licht ging aus, sie standen in der Dunkelheit. Er hörte wie die Türe geöffnet wurde, das Licht wieder anging. Nanami und er hielten beide die Luft an. Schritte hallten durch die Umkleide, er hörte ein tiefes Seufzen gefolgt von einer männlichen Stimme.
"Verdammt nochmal denkt hier eigentlich niemand dran seine Schuhe mitzunehmen?!"
Er hörte wie die Tür wieder geöffnet und geschlossen wurde.

Nanami sackte leicht zusammen als sie tief ausatmete, lehnte sich an ihn. Ihr nasser Büstenhalter drückte sich an seine Brust, sie zitterte leicht. Seine Stimme war immer noch ein Flüstern.
"Hey Nanami, alles okay? Du zitterst. Ist dir kalt?"
Sie nickte leicht, blickte zu ihm auf. Ihre Lippen waren bläulich verfärbt und bebten. Sie fühlte sich eiskalt an, er wusste nicht wie lange sie schon im Wasser war bevor er kam. Gemeinsam waren sie fast eine Stunde darin. Er drehte sie um damit sie mit dem Rücken zu ihm stand, öffnete ihren Büstenhalter streifte ihn ihn von den Schulter. Sie blickte über die Schulter blickte ihn fragend an, fragte ihn mit zusammengezogen Augenbrauen.
"Sousuke, was machst du da?"
Seine Stimme klang barsch als er ihr zischend antwortete.
"Du musst aus den nassen Sachen raus, sonst erkältest du dich. Wenn du das unter den trockenen Sachen anlässt wird dir nicht warm. Also runter damit."
Damit zog er ihren Slip runter, als er wieder aufstand suchte er aus dem Kleiderbündel unter seinem Arm ihre trockenen Sachen heraus. Der Dunkelhaarige hielt ihr ihre Trainingsjacke hin damit sie problemlos hineinschlüpfen konnte. Sie schloss sie komplett, ehe er ihr die Kapuze überzog. Er reichte ihr ihre Trainingshose, damit sie diese anziehen konnte. Er selbst zog sich sein Shirt über, bevor er sich seiner Boxershorts entledigte und seine Trainingshose anzog. Er fragte sich ob Umkleidekabinen schon immer so eng waren, diese kam ihm extrem eng vor. Er grinste sie an, nach dem er sie aus der Kabine geschoben hatte.

Sie nahm seine Hand und lief mit ihm durch die Umkleide und auf den Gang hinaus. Sie liefen den Schwach erleuchteten Gang entlang, als ihre Stimme die Stille durchbrach.
"Das war aufregend! Sag mal wie war eigentlich dein Termin bei Dr. Tanaka?"
Die nassen Klamotten in seiner anderen Hand und ihre Schulterbandage fühlten sich plötzlich bleischwer an. Daran hatte er gar nicht mehr gedacht, sollte er ihr die Wahrheit sagen? Oder ihr doch lieber eine Notlüge auftischen. Er hasste es wenn er angelogen wurde, also entschied er sich ihr die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie ihn dafür hassen würde. Er war ja schliesslich nicht in sie verliebt und würde sie nach der Reha wohl auch nicht wiedersehen, also konnte es ihm egal sein, redete er sich Gedanklich ein.
"War eigentlich ganz gut, meine Schulter verheilt besser als gedacht. Ab morgen wird Schwimmtraining in meinen Rehaplan integriert. Für ein Comeback sieht es gut aus."
Er erhielt eine Reaktion mit der er nicht gerechnet hatte, sie lächelte ihn strahlend an. Er hatte eher damit gerechnet das sie wütend wurde, so hätte er zumindest in der Situation reagiert wenn ihm das damals jemand gesagt hätte. Sie traten gerade in das schwach erleuchtete Foyer der Klinik als sie ihm antworte.
"Is doch super, freut mich für dich. Komm das muss gefeiert werden."

Sie zog ihn mit zum Getränkeautomaten, die Geräusche ihrer beiden nackten Füsse auf dem Boden machten hallende Geräusche. Sie kramte Münzen aus der Tasche ihrer Trainingshose und zog zwei Dosen Cola aus dem Automaten eine reichte sie ihm. Sie schritt auf die Lounge zu die im Foyer stand und setzte sich auf das Sofa. Er fühlte sich perplex, er hatte mit allem gerechnet aber nicht mit so einer Reaktion, er starrte sie entgeistert an. Sie blickte ihn fragend an, ihre Stimme hallte genauso durch das Foyer wie die Schritte.
"Was ist los? Wenn es doch gut aussieht wegen deiner Schulter versteh ich jetzt nicht wieso du so entgeistert schaust."
Sie holte ihn damit aus seiner Starre, er schüttelte kurz den Kopf und schritt ebenfalls auf das Sofa zu. Die nassen Klamotten legte er auf dem Boden ab, bevor er sich zu ihr setzte und ihr leise antwortete.
"Naja… Also...irgendwie hab ich mit einer anderen Reaktion von dir gerechnet."
Sie blickte ihn fragend an, als würde sie darüber nachdenken was er von ihr erwartet hatte. Mit hochgezogenen Augenbrauen antwortete sie ihm.
"Hast du etwa gedacht ich reisse dir deswegen den Kopf ab? Oder flippe aus? Naja ich muss zugeben das ich als erstes gedacht habe: was hat der Arsch doch für ein scheiss Glück! Und ein wenig neidisch bin ich auch, wenn ich ehrlich bin. Aber ich kann durchaus zwischen deiner und meiner Situation unterscheiden,die sind komplett unterschiedlich. Zwischen deiner und meiner Schulterverletzung liegen Welten, das kann man nicht miteinander vergleichen. Also ich freu mich wirklich für dich. Also guck jetzt nicht so grimmig und freu dich darüber, dein Ziel rückt in greifbare Nähe."
Sie knuffte ihn mit dem linken Ellenbogen leicht in die Seite, bevor sie ihre Dose öffnete und daraus trank. Er grinste sie an, Nanami überraschte ihn jedesmal aufs Neue, sie war echt was besonderes.

*****


Hallo zusammen,

Hier bin ich wieder mit dem nächsten Chapter im Gepäck.

Wie immer gilt über Reviews mit konstruktiver Kritik, Lob und anderen Anmerkungen freue ich mich riesig.

Genauso wie über weitere Favoriten-Einträge und Emofehlungen.

Danke an die fleissigen Reviewschreiberinnen. :) das motoviert mich immer sehr.

Bleibt Gesund!

Lieben Gruss
Yuki