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Die Forderung, geliebt zu werden, ist die größte aller Anmaßungen

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dr. Elena Eichhorn Dr. Kathrin Globisch Dr. Rolf Kaminski
07.03.2020
05.06.2020
3
2.337
5
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05.06.2020 646
 
Tief empfundene Sehnsucht, echte Sehnsucht ist die Sehnsucht, jemandem nah zu sein.
„Elena, ist alles in Ordnung? Soll ich Sie untersuchen“ „Nein danke, es geht schon. Ich habe nur leichte Kopfschmerzen, wahrscheinlich eine leichte Gehirnerschütterung“ „Gut, dann legen Sie sich in den Bereitschaftsraum. Wir haben ohnehin schon alles genauestens besprochen. Ruhen Sie sich aus, Sie müssen morgen schließlich für die OP fit sein, ich will mir nämlich keine neue Assistenz suchen müssen.“ Er schaute ihr hinterher, als sie den Raum verließ. Kurz bevor sie um die Ecke bog, drehte sie sich noch einmal und blickte zurück, doch da schaute Dr. Kaminski schon aus dem Fenster. Nach ungefähr einer Stunde, die er den Akten gewidmet hatte, überlegte er nach Hause zu fahren, doch er verwarf den Gedanken wieder. Was wäre schließlich, wenn seine Kollegin doch eine schwerere Verletzung, was sehr unwahrscheinlich war, davongetragen hatte. Schließlich war er an der Situation nicht ganz unschuldig und er machte sich schreckliche Vorwürfe. Deshalb begab er sich auf den Weg in den Bereitschaftsraum, blieb allerdings vor diesem kurz stehen, um sicherzugehen, dass er nicht beobachtet wurde. Er wusste selbst nicht genau, warum er es tat, denn es war schließlich nicht verboten, diesen Raum zu betreten. Leise öffnete er die Tür, bedacht darauf sie nicht zu wecken doch sie lag friedlich schlafend auf der Couch. Da sie nicht zugedeckt war, legte er behutsam eine Decke über ihren zarten Körper. Anschließend nahm er sich einen Sessel und setzte sich neben die Couch und sah sie einfach nur an, da er seinen Blick nicht von ihr lassen konnte. Doch was passierte hier gerade mit ihm?

Er ärgerte sich über seine eigenen Gefühle, dachte lange darüber nach, wie er sie am besten Verdrängen konnte, doch in diesem Moment konnte er nicht anders, als ihre Hand in seine zu legen und sie sanft zu streicheln. Schließlich schlief sie tief und fest und bekam von alldem nichts mit. Nach einiger Zeit merkte er, wie es auch ihm immer schwerer fiel, die Augen offenzuhalten und irgendwann gab er der Müdigkeit nach und schlief mit seiner auf ihrer Hand im Sessel ein. Am nächsten Morgen um 6:00 Uhr wurde Dr. Eichhorn zuerst wach und wunderte sich über die Decke, mit welcher sie sorgfältig zugedeckt war. Soweit sie sich erinnern konnte, hatte sie sich lediglich hingelegt und nicht zugedeckt. Nach diesem kurzen Moment des Orientierens, schaute sie sich im Raum um und ihr Blick blieb an Dr. Kaminski hängen, welcher schlafend in dem Sessel neben ihr saß. Erst jetzt bemerkte sie seine Hand, die ihre sanft umschloss. Sie musste lächeln, denn so fürsorglich hätte sie Ihren neuen Kollegen nicht eingeschätzt. Im Laufe des gestrigen Tages hatte sie schon einiges über den neuen Kollegen gehört und die meisten hatten nur wenig Gutes zu berichten. Er sei arrogant, besserwisserisch und zynisch, doch ihr war er aus unbekannten Gründen sympathisch. Sie beobachtete ihn eine ganze Weile beim Schlafen. Als sie jedoch das nächste Mal auf die Uhr schaute und diese bereits 6:25 Uhr zeigte, beschloss sie ihn aufzuwecken, da ihr Dienst bald begann.

Sanft streichelte sie über seine Hand. Nach kurzer Zeit wurde er wach und blickte in ihre Augen. Es war ihm sichtlich peinlich in dieser Lage von jemandem gesehen worden zu sein und er versuchte seine Unsicherheit zu überspielen. In die Stille hinein fragte Frau Dr. Eichhorn: „Sind Sie die ganze Nacht neben mir gesessen?“ „Ja, … naja … ehm fast.“ Etwas leiser gab er dann zu: „Ich hatte Angst, dass Ihnen bei unserem Zusammenstoß doch mehr passiert sein könnte und wollte nur auf Nummer Sicher gehen.“ Frau Dr. Eichhorn erwiderte nichts, freute sich allerdings insgeheim darüber. Langsam setzte sie sich auf und musterte ihren Kollegen, ehe sie aufstand. „Glauben Sie aber ja nicht, dass ich zu Ihnen anders stehe als zu all den anderen Kollegen.“ Dr. Eichhorn drehte sich um und nickte leicht lächelnd. „Das war mir bewusst.“
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