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Verlorene Spuren

GeschichteHumor, Fantasy / P12 / Gen
06.03.2020
20.04.2020
2
3.500
5
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
06.03.2020 1.297
 
Hallöchen erstmal, dass du diese FF angeklickt hast, heiß ja schon mal, dass ich mit meiner Kurzbeschreibung nicht ganz so viel falsch gemacht hab, wie befürchtet :)
Ich hab diese Geschichte auf meinem Laptop gefunden und auch, wenn sie schon ein bisschen älter und vom Schreibstil her vermutlich nicht die Beste ist, wollte ich ihr und mir mal einen Versuch geben. Also, hier einfach mal der überarbeitete Prolog, wer weiß, vielleicht gefällt sie dem ein oder anderen ja.
Über Rückmeldung würde ich mich natürlich freuen.
viel Spaß beim Lesen,
eure Mia


Das war es also. Das Horton College. Unschlüssig ruckelte ich den Gurt meiner Schultasche auf der Schulter zurecht und unterdrückte einen Fluch, als ich mir dabei schmerzhaft eine Haarsträhne einklemmte. Irgendwie hatte ich vom Horton College mehr erwartet. Und irgendwie auch nicht. Dafür, dass es mitten in London lag, sah es sogar recht passabel aus. Ein sandsteinfarbener massiver Bau im viktorianischen Stil. Altehrwürdig, edel und vermutlich aufs Penibelste auf die jahrhundertealten Traditionen bedacht.
Ein Gong ertönte. Das war wohl mein Stichwort. Ich unterdrückte ein Stöhnen, atmete stattdessen tief durch und trat widerstrebend auf den breiten Eingang zu. Ich hasste den ersten Tag an einer neuen Schule. Nicht, dass ich davon bis jetzt übertrieben viele gehabt hatte. Genau genommen war das hier erst mein zweiter und das Gefühl war definitiv genauso beklemmend, wie beim ersten Mal. Trotzdem nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und machte den letzten, finalen Schritt in die Schule hinein.
In der Eingangshalle herrschte geschäftiges Treiben. Schüler hasteten von einem Ende des Korridors zum anderen und wieder zurück, an meinem Ohr zischte ein Papierflieger vorbei und eine Lehrerin in einem braun karierten Rock-Anzug, dessen Stoff vermutlich für die Winter in Schottland ausgelegt war, schellte mit hoch erhobenem Zeigefinger einen Jungen aus. Er konnte nicht älter als Zwölf sein, aber man sah ihm an, dass die Schimpftirade der Lehrerin kaum Wirkung zeigte. Ganz im Gegenteil, er schien eher Probleme zu haben, das Grinsen zu verstecken.
Ich schaute mich suchend um. Aber bis auf Madam Schottenrock konnte ich keinen Lehrer entdecken. Also überwand ich mich und bewegte mich behutsam auf die beiden zu, bereit, die Flucht zu ergreifen, sollte der Drache plötzlich wild Feuer um sich speien.
Die Lehrerin schien mit ihrem Gemecker fertig zu sein, jedenfalls huschte der Junge mit beachtlicher Geschwindigkeit davon, just in dem Moment indem ich die beiden erreicht hatte.
Ich räusperte mich, „Entschuldigen Sie?“
Madam Schottenrocks Kopf sirrte wie auf Knopfdruck zu mir herum.
„Ja bitte?“, fragte sie mit einer Stimme, die klang, als wäre sie dauerhaft wegen irgendetwas pikiert.
„Ähm, mein Name ist Cassie Malvet, ich sollte mich hier heute für meinen ersten Schultag melden. Können Sie mir sagen, wo ich das Sekretariat finde?“
„Malvet, ja? Sie sind ein bisschen spät für Ihren ersten Tag am Horton College, nicht wahr?“, fragte sie und wenn sie vorher nicht schon pikiert gewesen war, dann war sie es spätestens jetzt.

„Ihr Spind hat die Nummer 208, das ist im zweiten Stock, was eigentlich keine Erklärung bedürfte.“
Keine halbe Stunde war vergangen und ich hastete hinter Madam Schottenrock her, die leeren Flure entlang. Dafür, dass sie auf Absätzen umherlief, mit denen man bestimmt einen Mord begehen könnte, so spitz wie sie waren, hatte sie ein beachtliches Tempo drauf.
„Ihr Schultag beginnt um Acht. Das bedeutet nicht Punkt Acht, sondern Zehn vor Acht. Spätestens. Ihren Stundenplan haben sie ja bekommen, Bücher auch.“
Dem Gewicht in meinem Rucksack nach zu schließen, hatte ich gleich die ganze Bibliothek bekommen.
„Sie haben die Möglichkeit, sich für Nachmittagsangebote einzuschreiben, da Sie jedoch mitten im Schuljahr zu uns stoßen, könnte es sein, dass einige Ihrer Wunschkurse bereits voll sind.“
Welch ein Jammer.
„Wir haben Ihren Stundenplan mit denen der anderen Schüler abgeglichen und eine Schülerin gefunden, die die größte Übereinstimmung mit Ihnen aufweist.“
Madam Schottenrock – oder auch Mrs. Stiels, wie ich inzwischen erfahren hatte – hielt so abrupt vor einer der vielen Türen an, dass ich glatt zwei Schritte an ihr vorbei sauste. Während ich noch damit beschäftigt war, schlitternd zum Stehen zu kommen, klopfte Mrs. Stiels bereits an besagter Tür an, wartete die höflichen drei Sekunden ab und riss die Tür auf.
„Mr. Peters, entschuldigen Sie bitte die Störung, aber könnte ich mir vielleicht Miss Stratton für eine Minute ausleihen?“
Ich hörte nicht, was die Antwort war, aber wenige Sekunden später kam ein hochgewachsenes Mädchen aus dem Klassenzimmer stolziert. Sie war hübsch, das musste man einfach zugeben. Mit ihren beinahe schon hüftlangen braunen Haaren, der schlanken Figur und diesen blauen blickfangenden Augen, konnte man einfach nicht anders, als ein kleines bisschen neidisch zu werden. Na ja, bis sie den Mund aufmachte jedenfalls.
„Miss Stratton, das ist Cassiopeia Malvet, Ihre neue Mitschülerin, über die wir Sie bereits in Kenntnis gesetzt haben. Wenn Sie sich in der Anfangszeit bitte Ihrer annehmen könnten?“
Miss Stratton nahm eine ihrer überlangen Haarsträhnen, zwirbelte sie zwischen Daumen und Zeigefinger und bedachte mich eines abschätzigen Blickes.
„Cassiopeia? Wusste gar nicht, dass heutzutage noch jemand so heißt.“
Ich zwang mich zu einem freundlichen Lächeln: „Wer weiß, vielleicht bringe ich ja einen Trend zurück.“
Sie funkelte mich kurz angriffslusitig an, als überlegte sie, ob sie sie mit meiner Antwort hatte ausstechen wollen, dann entspannten sich ihre Gesichtszüge, sie zuckte mit den Schultern und reichte mir die Hand. Scheinbar hatte ich die Prüfung bestanden.
„Meine Freunde nennen mich Felicity.“ Aha. Im Freundschaftskreis durfte man das Eure Durchlaucht also weglassen.
„Meine nennen mich Cassie.“
„Wie ich sehe, verstehen Sie sich prächtig.“, schaltete sich Mrs. Stiels wieder ein.
Ach ja, die hatte ich schon glatt wieder vergessen.
„Dann überlasse ich Sie nun Miss Strattons guten Händen. Wir sehen uns in Chemie? Nehme ich an? Es sei denn, Sie entscheiden sich, dort auch unpünktlich zu erscheinen.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, wirbelte Mrs. Stiels herum und stürmte mit klackernden Absätzen davon.
„Ignorier die Schreckschraube einfach, die hat kein Sexleben und lässt es an uns aus.“, meinte Felicity Stratton gleichgültig zu mir, drehte sich wieder zum Klassenzimmer herum und öffnete die Tür, „Eigentlich sitzt meine Freundin Cynthia neben mir, aber weil heute dein erster Tag ist, darfst du ihren Platz haben.“, sprach sie gönnerhaft, während wir das Klassenzimmer betraten.
„Da bin ich aber erleichtert.“, gab ich zurück und ließ meinen Blick durch das Klassenzimmer schweifen.
Ca. 20 Augenpaare blickten mir neugierig entgegen. Allen voran Mr. Peters, mein Englischlehrer, wie sich herausstellen sollte.
Mein Blick fiel auf ein Mädchen in der vorletzten Reihe. Sie hatte langes, goldblondes Haar, ein rundes Gesicht und grüne, ruhig blickende Augen, die mich nachdenklich musterten. Sie war hübsch, keine Frage, aber im Vergleich zu dem Jungen neben ihr, wirkte selbst sie nur noch durchschnittlich. Er. War der schönste Mann, dem ich je begegnet war. Sein weißblondes Haar stand in genau dieser Art von wirr und geordnet ab, die einen glauben ließen, er sei mit der perfekten Frisur aus dem Bett direkt in die Schule getaumelt. Er war groß, muskulös und einfach nur attraktiv. Ich konnte nicht verhindern, unter seinem durchdringenden Blick zu erröten und war froh, dass mich Mr. Peters mit einer fahrigen Begrüßungsrede ablenkte und mich dann wieder Felicity Strattons Macht überließ.
Felicity wies mich an, mich auf den Platz in der ersten Reihe neben ihr zu setzten. Ein Mädchen mit roten Locken musste dafür weichen (aufgrund des finsteren Todesblicks, denn ich dafür zu spüren bekam, schloss ich auf Cynthia) und alle wandten sich wieder dem Unterricht von Mr. Peters zu.
Außer ich. Obwohl ich mehrere Reihen vor dem blonden Schönlingspaar saß, wurde ich das Gefühl nicht los, die ganze Stunde über ihre Blicke auf meinem Rücken zu spüren. Ich konnte nicht sagen wieso, aber von den beiden taxiert zu werden, als sei ich der Hase und sie die Fuchsmeute, sorgte bei mir für ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Und das gefiel mir ganz und gar nicht.
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