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Let's Play - Jagd nach dem Arkenstein

von Calmacil
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
06.03.2020
18.03.2021
20
60.665
6
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03.07.2020 3.045
 
In der Lobby herrschte einen Moment eisige Stille. Dafür funkelten sich die beiden Frauen an, es hätten ebenso gut Blitze aus ihren Augen schießen können. Angriffslustig und hasserfüllt zuckte das eine Paar leicht hin und her, so als wären dort drei Paar graue Augen, die sie gleichzeitig anfunkeln mussten. Corvinna hatte das kleine bisschen verbliebenen Respekt vor der Frau verloren. Egal ob sie älter war oder etwas anderes. Wenn sie sich so aufführte, dann hatte sie auch keinen Respekt verdient. Sie wusste, es war auch nicht sonderlich erwachsen oder reif die Jones nun auch noch herausfordernd und angewidert anzufunkeln, aber ein kleiner Teil in ihr wollte diese impertinente Person weiter demütigen. Und wie ginge das besser, als einen Angriff ihrerseits abzuwehren und sie in einen Klammergriff zu nehmen? Für irgendetwas musste das Training ja mal wieder gut sein. Wehtun wollte sie ihr nicht. Dann hätte sie ein Problem, das war ihr klar. Aber das Ego dieser Frau gehörte in den Boden gestampft. „Ich warte. Habe ich mich klar genug ausgedrückt? Ja oder nein? So schwer ist die Frage nicht.“ Gut. Sie legte es drauf an. Diesen Tonfall hatte sie eigentlich für die Arbeit reserviert, aber es half ja alles nichts. Das konnte man ihr doch nicht übel nehmen. Oder?  

Der arme Thorin spuckte derweil ein Blütenblatt aus, dass ihm halb im Mund gehangen hatte. Auch seine Geduld war am Ende angelangt. Und wenn Vin das nicht schon übernommen hätte, dann wäre ihm jetzt gehörig der Kragen geplatzt. „Gefällt es ihnen etwa nicht, wenn man die Wahrheit ausspricht sie kleine…“ „Ich denke sie sollten jetzt gehen. Sofort.“ Er fiel ihr beißen, ja beinahe schon grollend ins Wort und deutete einfach nur auf den Fahrstuhl. Aber so etwas musste weder er noch seine Nachbarin sich bieten lassen. Die reichlich angeheiterte Dame wandte sich wieder ihrem Lieblingsopfer zu und der leichte Hundeblick sah wieder aus, als wäre etwas mit ihrer Verdauung nicht in Ordnung. Aber keinesfalls niedlich oder erweichend. Thorin folgte vielmerh Corvinnas Beispiel und blickte angewidert drein. „Aber…“ „Sofort! Und kommen sie mir nicht mehr unter die Augen.“ Er hasste es Frauen anzubrüllen. Bei seiner Stimme zuckte sogar seine Nachbarin leicht. Aber wenn er wütend war, dann war mit ihm wahrlich nicht zu spaßen. Und es musste wahrlich jeden verdammten Rest seiner Selbstbeherrschung zusammenkratzen, um nicht völlig aus der Haut zu fahren. „Ist alles in Ordnung die Herrschaften?“ Die Lage war so angespannt, dass der Hauswächter aus seinem kleinen Zimmer kam. Dieses Drama war schließlich nicht zu überhören gewesen. Die Frage war allerdings unnötig. Ein Blick auf die drei reichte um zu sehen, dass gar nichts in Ordnung war. Dabei dufte man nicht vergessen, dass der Mann nicht zögern würde die Polizei zu rufen, um die Ordnung im Haus zu wahren. Das war schließlich sein Job.

„Ob alles in Ordnung ist? Ha!“ Miss Jones lachte gekünstelt auf und warf sich ihre leicht ramponierte Frisur über die Schulter. Als ob das etwas ändern würde. Ihre Wangen waren vor Wut und Alkohol gerötet, ihr Make-up war leicht verlaufen, ihre Augen schienen sich auch kaum noch auf einen Punkt konzentrieren zu können und auch an ihr hing das ein oder andere Rosenblatt. Sie sah aus wie eine Furie und nicht wie die gesittete Buchhalterin, die sie gerne darstellte. „Aber sicher! Alles in bester Ordnung. Was soll denn nicht in Ordnung sein?“ Der hysterische und patzige Ton sprach für etwas anderes. Unter weiteren dramatischen Ausführungen darüber, wie in Ordnung doch alles war, donnerte sie Corvinna die Überreste des Blumenstraußes vor die Füße. Die kümmerte das herzlich wenig, dennoch ließ sie die Frau nicht aus den Augen. Unter Alkoholeinfluss waren Menschen unberechenbar. Das hatte sie schon demonstriert. Selbst Kleinkinder legten so ein Verhalten nicht an den Tag und hatten sich schneller wieder im Griff, falls das Toben nicht den gewünschten Erfolg erzielte. Es war zum Fremdschämen. „Alles in beschissener Ordnung!“ Beinahe stampfend lief sie in ihren Stilettos zum Aufzug und donnerte ihren Fuß so hart auf, dass einer der dünnen Absätze brach. Der unterdrückte schrille Aufschrei ging in ihrem Gekeife fast unter.

Corvinna hatte für diesen einen Augenblick Mühe nicht laut loszulachen, als die Frau sich gerade noch so halten konnte und erneut anfing zu fluchen. Wäre die Lage nicht so ernst und kurz vor einer Eskalation hätte sie sich nicht halten können vor Lachen. Doch ihr Gelächter hätte sicherlich dazu geführt, dass die Frau ihr an die Gurgel sprang und doch die Polizei auftauchen musste. Wie eine Besessene hämmerte Miss Jones in ihrem Alkoholrausch auf den unschuldigen Fahrstuhlknopf ein. „Scheiß doch auf alles!“ Fluchend und schimpfend wie ein Rohrspatz stolperte sie in den kleinen Raum und krachte beinahe gegen die Wand, da sie nun doch Probleme hatte ihr Gleichgewicht zu halten. Mitleid hatten die Beiden jedoch keines mit ihr und der arme Portier wusste kaum was geschah. Wütend funkelte sie aus dem Fahrstuhl, den Blick auf die junge Frau gerichtet. Das würde wohl noch nicht vorbei sein. Aber die Dame sollte es sich gut überlegen sich mit Corvinna anzulegen. Denn die konnte zu Weilen äußerst nachtragend sein. „Gute Nacht Miss Jones.“ Das übertrieben freundliche Lächeln konnte Vin sich leider nicht verkneifen, kurz bevor die Türen sich schlossen, aber sie war auch nur ein Mensch. . Man hörte noch das sie nach Luft schnappte, aber dann war endlich Ruhe war.

Zurück blieben zwei verstörte Männer, ein heilloses Chaos und eine genervte Corvinna. Die Blumen lagen verteilt auf dem Boden und ein paar kleine Überbleibsel hingen noch an Thorin. Ein tiefes und schweres Seufzen konnte Vin nicht länger für sich behalten. So gut es auch getan hatte dieser Person endlich mal die Meinung zu geigen, es war fürchterlich anstrengend gewesen. „Man…wie kann man sich so gehen lassen? Und sowas schimpft sich bei jeder Gelegenheit Dame.“ Trotz voller Hände massierte sie wenigstens mit den Fingerspitzen ihre Schläfen und schloss einen Moment die Augen. Wie konnte man sich nur so aufführen? Egal von welcher Seite man es betrachtete, es ergab keinen Sinn. Dafür bereitete es ihr Kopfschmerzen. Zusätzlich kündigte sich eine regelrechte Fressattacke an. Jedes Mal, wenn sie sich zu sehr aufregte bekam sie Hunger. Und Himmel, sie war kurz vorm Platzen. Das sie vorher schon hungrig gewesen war half kein bisschen. Solche Frauen waren ein Alptraum. Dabei hatte Vin gedacht mit ihrer Mutter hätte sie schon alles erlebt. Falsch gedacht. Die hatte sich zwar ab und an auch reichlich Alkohol genehmigt, aber nie die Kontrolle verloren und sich so kindisch benommen. Vermutlich hätten sich die Beiden Biester ganz hervorragend verstanden. Bei dem Gedanken bekam sie regelrecht Schüttelfrost. Eine grausige Vorstellung.  

Mit einem tiefen Atemzug stieß sie auch etwas von der angestauten Wut aus. Von einer der Beiden Frauen hatte sie seit Jahren nichts gehört und das würde hoffentlich so bleiben. Nur leider war das von Miss Jones hinterlassene Durcheinander immer noch da und sie stand mitten drin. Ihr leicht verstörter Nachbar eingeschlossen. Thorin schien irgendwo zwischen Fassungslos, Empört und kurz vor einer Anzeige zu hängen. „Was machen wir jetzt mit diesem Chaos?“ „Machen sie sich keine Gedanken. Bitte. Ich kümmere mich darum.“ Der Portier. Der schien sich bereits wieder von seinem Schock erholt zu haben. Der hatte schließlich nur das Ende dieses Dramas erlebt. „Oder… brauchen sie mich für etwas?“ Beide tauschten einen Blick, doch Thorin schüttelte den Kopf. „Ich denke nicht?“ Auch Vin schüttelte den Kopf. Wenn sie jeden der sie beleidigte Anzeigen würde, dann würde es kein Ende nehmen. „Hoffen wir, dass wir die Sache alle einfach so schnell wie möglich vergessen können.“ Der Mann nickte und ging eilig zurück in den kleinen Raum, bevor sie es sich anders überlegen konnten. Ironischerweise dürfte es der Furie am leichtesten Fallen alles zu vergessen. Es war gut möglich, dass sie zwar einen gewaltigen Kater haben dürfte, sich am nächsten Morgen aber an nichts mehr erinnern würde.

Thorin dagegen war mit seinen Nerven am Ende. Ihm wurde regelrecht übel, wenn er nur daran dachte, dass dieses Weibsbild ihre Hand sonst wo hingeschoben hätte. Er bekam Gänsehaut. Und nicht die Gute. „Ist alles in Ordnung?“ Corvinna. Sie sah ihn ein wenig besorgt an. Nach außen sah es so aus als hätte sie sich schon wieder gefasst, doch in ihren Augen blitze es noch gefährlich. Was die Jones ihr an Kopf gedonnert hatte war auch alles andere als schmeichelhaft gewesen. Dabei kannten sie sich so gut wie gar nicht. Er hatte eben erst erfahren wie alt sie war. Sie hatte ihm nur helfen wollen. Schon das zweite Mal. „Ja. Alles in Ordnung. Ich…vielen Dank. Ich habe immer ein paar Probleme Damen gegenüber ausfallen zu werden.“ Natürlich war er ein wenig neugierig.  Sollte sie in ihrem Alter tatsächlich genug Geld verdienen, um sich die Wohnung allein leisten zu können, wäre das beachtlich. Aber solange sie nichts anderes verlauten ließ würde er genau davon ausgehen. Und ihr nicht so etwas unverfrorenes unterstellen. So etwas dreistes war ihm in seinem Leben noch nie untergekommen.

„Schon gut. Das ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes.“ Im Gegenteil. Es gefiel ihr. Egal wem gegenüber, es gab selten gute Gründe dafür ausfallend zu werden. Schon gar nicht in so einem Ausmaß. „Vielleicht ist es auch besser so. Sie hätte ihnen sonst etwas anhängen können. Wenn sie das zur Anzeige gebracht hätten hätte es jeder für einen Witz gehalten, aber wehe sie hätte nur eine Kleine Andeutung gemacht. Dann wären alle auf ihrer Seite. So viel zum Thema ausgleichende Gerechtigkeit.“ Ihr Blick war immer noch ziemlich ernst, aber leider hatte Vin recht. Sie wusste ganz genau wie die Welt funktionierte. Unfaire Dinge miteingeschlossen. Immerhin machte sich langsam ein zerknirschtes Lächeln auf ihrem Gesicht breit. „Jetzt denkt wenigstens jeder es war ein Zickenkrieg. Und ich fürchte, dass war nicht die letzte kratzbürstige Dame, die mir begegnen wird.“ Das kleine Lachen klang eher etwas verloren und so als würde sie gleich selbst durchdrehen, aber das tat sie nicht. „Nun…sie scheinen auf jeden Fall Übung mit solchen Kratzbürsten zu haben? Ich hoffe sie macht ihnen jetzt nicht noch mehr Probleme.“ Sie prustete los und ihr flog fast ihr Handy aus der Hand dabei. Er konnte nicht wissen, wie recht er damit hatte.

„Nett ausgedrückt. Aber leider ja. Ich konnte unsere liebe Miss Jones allerdings noch nie leiden, also ist das nicht weiter schlimm, wenn sie mich hasst.“ Eigentlich war das kein Grund zu lachen. Es war eher traurig, aber so ging sie eben damit um. Und dieses Weibsbild sollte ruhig versuchen sich mit ihr anzulegen. Das würde übel für sie ausgehen. „Aber was Miss Jones angeht…ich denke solange sie die Finger vom Alkohol lässt ist sie nur eine immens neugierige Nervensäge. Damit komme ich klar.“ Thorin musste nun selbst leicht lachen. Das war die Untertreibung des Jahrhunderts. „Hat sie sie auch direkt gefragt ob sie alleinstehend sind?“ Sie nickte und stemmte die Hände in die Hüfte. „Oh Hallo Herzchen. Sind sie neu hier? Wie heißen sie denn? Mit wem sind sie eingezogen? Ihrem Freund? Sind sie lange zusammen? Und in welches Stockwerk. Hach, die erste eigene Wohnung, das muss ja so aufregend für sie sein.“ Sie äffte sie erstaunlich gut nach. Allerdings schüttelte sie sich regelrecht danach. „Widerlich. Ich meine, hat diese Frau noch nie etwas von Privatsphäre gehört?“ Sie wurde abrupt still und sah für einen Moment aus, als hätte sie etwas unglaublich dummes gesagt, dann lachte sie los. „Okay, die Frage war zwar eh rhetorisch aber hiernach völlig unnötig. Ich hatte ja fast schon ein schlechtes Gewissen wegen meiner Abfuhr, aber jetzt nicht mehr“  

„Was haben sie gemacht?“ Sie gab sich sichtlich Mühe, doch den leicht bösartigen Grinser konnte sie nicht verstecken. Sie musste herzallerliebst gewesen sein. „Ich habe sie gefragt ob sie kein eigenes Privatleben hat, um das sie sich kümmern kann oder ob das so langweilig und einsam ist, dass sie sich ungefragt so aufdrängt. Und was ihr denn einfallen würde mich Herzchen zu nennen, wenn sie nicht mal weiß wie ich heiße. Passenderweise ging da gerade der Fahrstuhl auf und ich bin gegangen bevor sie antworten konnte.“ Das hätte er gerne gesehen. Zugegeben, es war nicht besonders nett gewesen, allerdings konnte einen diese Frau in kürzester Zeit zur Weißglut treiben und Corvinna schien mit eben solchen Personen kurzen Prozess zu machen. „Vielleicht hätte ich das auch so handhaben sollen. Sie war vermutlich ganz entzückt davon.“ Sie zuckte mit den Schultern aber grinste weiterhin. So schwer war es also doch nicht mit ihr zu reden. Ihn musste nur erst jemand anfallen. „Sie hat mich seitdem angesehen, als wäre ich eine Aussätzige. Aber vermutlich war das besser. Wenn sie gewusst hätte, dass ich als arme kleine Single Frau allein da oben wohne, direkt neben ihnen, dann wäre sie vermutlich gleich auf mich losgegangen.“ Also doch? Ein kleiner Teil dankte gerade Miss Jones für ihren Auftritt. So leicht hätte er das sonst nicht erfahren. Aber diese Information hatte er teuer erkauft.

„Entschuldigung. Dürfte ich?“ Der Portier war mit einem Besen und Kehrblech zurück. Sie standen immer noch in diesen gerupften Blumen. „Oh, natürlich.“ Ihr tat der Mann schon etwas leid, dass der dieses Chaos jetzt beseitigen durfte. Allerdings musste sie beim Anblick von Thorins Haaren lachen. Der sah sich verständnislos um. „Tut mir leid aber… Sie haben Brautstrauß im Haar.“ Na wundervoll. „Wo?“ Er fuhr such schon durch die Haare und sah es nur so rieseln. „Ziemlich genau in der Mitte vom Hinterkopf. Eine ziemliche Menge dieses feinen Grünzeugs und ein paar Silberfäden oder was auch immer das war.“ Das musste wahrlich dämlich aussehen, so wie sie grinste. Er versuchte das Zeug aus seinen Haaren zu pflücken und es kam ihm vor, als hätte er eine ganze Gärtnerei auf dem Kopf. „Ich dachte der Strauß liegt am Boden. Wie kann denn so viel Zeug…“ Er fluchte leise vor sich hin, allerdings erbarmte sich Corvinna ihm. „Soll…ich ihnen helfen?“ „Bitte.“ Immer noch mit reichlich amüsiertem Gesichtsausdruck trat sie hinter ihn und schüttelte den Kopf. Die Frau hatte ganze Arbeit geleistet. „Würden sie das kurz halten?“ Sie reichte ihm ihr Handy samt Portemonnaie nach vorn. Kaum nahm er die Sachen zog sie vorsichtig die Einzelteile aus seinem Haar. „Ich muss zugeben, ich hätte nicht erwartet, dass Blumen so schmerzhaft sein können.“ Corvinna verdrehte leicht amüsiert darüber die Augen. Dieses Grünzeug hatte sich regelrecht in seine Einzelteile aufgelöst. „Und ich hatte nicht gedacht, dass manche Frauen sich tatsächlich so benehmen. Die Dame hat zu viele Filme geguckt.“ Wo sie Recht hatte…

Eine Weile zupfte sie schweigsam das Zeug aus seinen Haaren. Das hing wie die Pest. „Du.“ „Wie bitte?“ Sie konnte sein Gesicht in diesem Moment nicht sehen und das war ihm auch ganz recht so. Sonst hätte sie gesehen wie nervös er war. „Wenn sie wollen. Ich habe im Büro eigentlich genug von der steifen Etikette.“ Und irgendwie würde es sich merkwürdig anfühlen sie nach diesem Vorfall weiterhin zu siezen. „Gern. Geht mir auch so.“ Er konnte es zwar nicht sehen, aber dafür konnte er hören wie sie lächelte. Und innerlich feierte er diesen kleinen Erfolg. Vielleicht war es altmodisch danach zu fragen, aber sie mochte es. „Und die Antwort ist übrigens Essen gehen.“ Wie bitte? Verwirrt sah er über die Schulter und sah den Ansatz des leicht frechen Grinsens. „Sie…du hattest gefragt wo ich noch hinwollte. Essen gehen.“ Das hatte Thorin schon wieder vergessen nach diesem Attentat. „Oh! Ach so. Ja…dann, pass nur auf draußen. Wie gesagt, es ist recht frisch und reichlich spät.“ Große Klasse. Jetzt fing er an wie bei seiner kleinen Schwester. Dieser Abend entwickelte sich zu einem Supergau. Dabei war es ihm schon schwer genug gefallen ihr das Du anzubieten.

„Danke. Aber ich wollte eh den Wagen nehmen, weil…“ Sie stockte und klang ein wenig beunruhigt. Lucien. Sie hatte vollkommen vergessen, dass sie dem ja noch eine Nachricht schicken wollte. Und der wusste wie lange sie durchschnittlich für einen späten Besuch beim Chinesen brauchte. „Stimmt etwas nicht?“ „Wie spät ist es?“ Er warf einen Blick auf die Uhr und Vin zupfte gerade das letzte Stück Pflanze aus seinem Haar. „Kurz vor halb elf.“ Sie gab einen kleinen erleichterten Seufzer von sich. Das heißt Lucien würde noch genau fünf Minuten warten, bevor er im Wechsel anrufen und Nachrichten schicken würde. Das war mehr als genug Zeit, um ihrer liebsten Nervensäge eine Nachricht zu schicken. „Ich denke ich habe alles erwischt.“ Zumindest konnte sie keinen Grünen Fitzel mehr in seinen dunklen Haaren sehen. „Danke.“ Er gab ihr ihre Sachen zurück und kaum hielt sie ihr Handy in der Hand fing sie an darauf herum zu tippen. Kurz darauf schien sie mit der Nachricht zufrieden zu sein, denn sie drückte noch einmal auf den Bildschirm und sperrte ihr Telefon danach wieder.

„Entschuldigung. Mir ist nur etwas eingefallen.“ Aber einen panischen besten Freund braucht sie an diesem Abend wirklich nicht mehr. „Macht doch nichts. Dann…fahr nur vorsichtig?“ Er würde sich vielleicht einfach erschießen gehen. Er hatte sich seit Jahren Sorgen um Dis gemacht und jetzt fiel er in dieses Verhaltensmuster zurück. Wieso musste er so ein Trottel sein? Sollte er Dís anrufen und fragen ob er es verbockt hatte? Ja. Das war die bessere Idee. „Werde ich, aber es ist zum Glück nicht weit. Und …ruh dich am besten etwas aus.“ Allerdings biss Vin sich nach dem Satz auch auf die Zunge. Sie klang genauso schlimm wie er. Trotzdem rang sie sich ein Lächeln ab und winkte ihm leicht, bevor sie die Tür zur Tiefgarage ansteuerte. Sie hatte schon die Klinke in der Hand, als sie noch mal über die Schulter sah. Trotz seiner Statur wirkte ihr Nachbar unglaublich entkräftet und geknickt. Irgendwie tat er ihr leid. Und leider, leider konnte sie sich sehr gut vorstellen wie der sich im Moment fühlen musste. Seufzend ließ sie die Türklinke los und tauchte mit dem Schluckaufklingeln neben Thorin auf. „Möchtest du vielleicht mitkommen? Falls du dich noch etwas über diese Frau aufregen möchtest? Ich verspreche ich mache mit und halte dicht.“ Sein Gesichtsausdruck war so perplex, irgendwie war das niedlich. Er hatte wohl nicht mal ansatzweise damit gerechnet. „Und ich weiß nicht wie es dir geht, aber wenn ich mich aufrege bekomme ich danach immer Hunger und…“ „Gerne.“ Zwar war es nicht die feine Art ihr ins Wort zu fallen, aber er wollte verhindern, dass er im letzten Moment kalte Füße bekam. „Ich komme gerne mit.“
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