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Let's Play - Jagd nach dem Arkenstein

von Calmacil
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
06.03.2020
18.03.2021
20
60.665
6
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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09.12.2020 2.935
 
Kleine Seifenblasen stiegen leicht in die Luft, bevor sie zerplatzten und ein angenehmer, beruhigender Duft hatte sich im Badezimmer ausgebreitet. Nach der emotionalen Achterbahn hatte Vin sich ein Bad erlaubt und eine von den vielen Badebomben die Sasha ihr geschenkt hatte darin versenkt. Die Anspannung und der Stress fielen nur langsam von ihr ab, aber sie versuchte es. Sie war hier in Sicherheit. Ihre Atemzüge waren bewusst ruhig und langsam. Autogenes Training. Sie durfte jetzt nicht durchdrehen. Nicht schon wieder. Aber ihr war so übel gewesen, dass sie nach dem Betreten ihrer Wohnung einen Sprint mit abschließendem Hechtsprung vor die Toilette hatte hinlegen müssen, um sich nicht auf den Fußboden zu erbrechen. Diese Sache war aber auch einfach nur zum Kotzen. Der Schüttelfrost hatte auch nicht lange auf sich warten lassen. Während ihre Wanne vollgelaufen war, hatte sie Romeo kurz versorgt. Die kleine Aufgabe hatte ihr auch geholfen nicht völlig planlos auf dem Boden zu Heulen. Der Kleine hatte ihr Mut und ein wenig Sicherheit gegeben. Bis Thorin endlich aufgetaucht war. Es war fast zu schön, um wahr zu sein, wie er zu ihrer Rettung aufgebrochen war. Aber es war so. Es gab keinen Haken an dieser Sache. Und trotzdem traute sie ihrem Glück nicht. Noch nicht.

Jeder hatte Macken. Da wäre Thorin sicher keine Ausnahme und so wie er über die Arbeit sprach schien das auch schon mehr oder weniger die erste zu sein. Und ihm war es ernst. Sonst hätte er ihr dieses Angebot nicht gemacht. Allein das waren schon genügend Gründe, um jede andere Frau dazu zu bringen, diesen Mann nie wieder gehen lassen zu wollen. Aber sie? Sie müsste Thorin erst die ganze Wahrheit sagen. Sonst hätte es keinen Sinn. Sie würde für ihn keinen Sinn machen. Und es wäre einfach nicht fair. Wenn er dann immer noch bleiben wollte, dann wäre dieser Mann wohl der eine unter Millionen. Und ihr langsam wiederkehrendes Bauchgefühl sagte ihr, dass sie sich keine Sorgen machen sollte. Sie wolle auch darauf hören. Sie fing langsam an alles hinter sich zu lassen. Die Ängste, die Panik, das Trauma, diesen Alptraum, den sie so lange durchlebt hatte. Nur genau diese Erfahrungen hatten ihr gezeigt, dass selbst eine perfekte Fassade Abgründe beherbergen konnte.

Ob eine Mutter in solch einer Situation wohl Rat wüsste? Nicht, dass sie die Möglichkeit hätte, nachzufragen. Und sie hatte auch bei weitem keine Lust mehr. Seit Jahren schon. Genauer gesagt, seit sie die blöde Kuh mit irgendwem auf dem Küchentisch überrascht hatte, als sie noch ein kleines Kind gewesen war. Allerdings nicht zu klein, um zu verstehen, was sie da getrieben hatten. Es hatte ihrem Vater das Herz gebrochen, aber sie hatte es nie bereut ihre Mutter verraten zu haben. Ihrem Vater ging es nun auch besser denn je und sie waren diese Frau ein für alle Mal los. Was hatte sie ihr alles an den Kopf geworfen. Sie wäre dumm. Hässlich. Niemand würde sie je für sie selbst lieben. Dass sie sich wünschte, dass sie eine Abtreibung gehabt hätte. Damals hatten diese Worte wehgetan. Aber heute hatte sie fast Mitleid mit dieser Frau. Wie sehr musste sie sich selbst hassen, wie unzufrieden musste sie sein, um einem fünfjährigen Kind, dem eigenen Kind, solche Sachen an den Kopf zu werfen. Luciens Mutter würde ihr sicher Helfen. Aber das konnte sie ja wohl kaum bringen. Insgeheim hoffte sie, dass wussten Lucien und Vin nur zu gut, dass sie doch noch ein Paar werden würden. Aber das würde nicht passieren. Nicht in diesem Leben.

Als ob er wüsste, dass sie gerade an ihn dachte, fing ihr Handy an zu klingeln. Lucien war also wach. Ihr Handy lag auf einem kleinen Hocker neben der Wanne und hatte vorher einfach nur beruhigende Musik gespielt. Mit zweimal Tippen hatte sie ihren besten Freund auf Lautsprecher an der Leitung. „Guten Morgen.“ Ein schweres Seufzen. „Hi.“ Einen Moment war wieder nichts zu hören, sie saß einfach im warmen Wasser und zog die Beine an. „Wie geht’s dir Vin?“ Eigentlich hätte sie gerne empört geschnaubt, aber dazu fehlte ihr die Kraft. „Ich habe keinen Bock mehr auf diesen Mist Lucien. Ich habe wirklich keine Lust mehr.“ Was nur allzu verständlich war. „Ich meine, ich habe vor ein paar Wochen die letzte Rechnung von meinem Therapeuten bekommen. Ich dachte wirklich, es ist alles wieder gut. Und dann das? Jetzt? Das ist doch einfach nur ein beschissener Witz!“ Wütend schlug sie mit einer Hand ins Wasser, was im Nachhinein keine gute Idee für den Fußboden war. Eine ordentliche Menge Wasser schwappte über. Es ging aber auch alles schief.

Sie hatte sich gut gefühlt. Ihr war bewusst gewesen, dass alles seine Spuren hinterlässt und es sie verändert hatte. Aber sie hatte gedacht sie kann wieder normal leben. Ohne sich dauernd umzusehen. Ohne Angst rauszugehen. Sie hatte sogar angefangen wieder Figurbetonende Kleidung zu tragen und nicht nur sackartige Sachen. Statt einer versteckten Narbe hatte sie bei dem Blick in den Spiegel endlich nur die Feder gesehen. Doch jetzt? „Vin, hör mir zu, okay?“ Ihr war alles recht, solange sie ihn irgendwie in der Nähe hatte. „Ich kann dir nicht versprechen, dass das ab jetzt nie wieder passiert. Das weißt du. Verzeih die Formulierung, aber es war nur ein perverser Widerling. Die lauern leider überall.“ Das war ja das Problem. „Aber! Du. Wirst nicht. Gestalkt. Okay? Es wird dir nicht wieder jemand vor der Tür auflauern, du bekommst keine Bilder von dir per Post und auch der ganze andere kranke Scheiß, den dieses Stück Dreck abgezogen hat, wird nie wieder vorkommen. Das kann ich dir versprechen. Denn weder ich noch einer von den Jungs wird das zulassen.“

Vin saß immer noch mit angezogenen Beinen in der großen Badewanne und fröstelte trotz des warmen Wassers kurz. Dieses Psychospiel hatte seine Spuren tief in ihrer Seele hinterlassen. „Es ist vollkommen normal, dass du jetzt Angst hast und dich elend fühlst. Das würde jedem so gehen. Und dass dich das besonders mitnimmt verstehen wir alle. Sei nicht zu hart zu dir selbst. Nur weil du etwas verarbeitet hast, bedeutet das nicht, dass du keine Angst mehr haben darfst.“ Wieder einmal wurde ihr bewusst, wie dankbar sie für diesen Menschen war. Schon als sie noch ganz klein gewesen waren hatte Lucien stets das richtige gesagt oder getan, um sie aufzuheitern. „Kriegst du den nächsten Gehaltsscheck? Du hättest Therapeut werden sollen. Allein deine Stimme beruhigt einen.“ Ein Lachen von der anderen Seite. „Ne, lass das mal lieber. Ich höre dir gerne zu, kleines Vögelchen, aber diese Stimme ist zu Höherem berufen.“ Spinner. Aber trotzdem wahr. „Wie läuft es denn bis jetzt so?“ Er seufzte und dem Geräusch nach ließ er sich zurück ins Bett fallen. Aber sie wollte jetzt nicht mehr darüber reden.

„Bisher ganz gut. Wir mussten noch kein Hotel umbuchen, was mir persönlich nur recht ist und verletzt habe ich mich auch noch nicht.“ „Das bleibt bitte auch so.“ Das letzte Mal hatte er sich fast den Fuß gebrochen, war mehrmals umgeknickt und hatte sich die eine oder andere Schramme geholt. „Ich pass schon auf. Aber ich könnte ein Geschäft für Unterwäsche aufmachen.“ Sein fettes Grinsen konnte sie regelrecht vor sich sehen und verzog angewidert das Gesicht. „Bäh! Ist ja nicht dein Ernst. Wieso schmeißen die ihre Unterwäsche nach dir?“ Er lachte selbst ein wenig verzweifelt. Es gab schönere Dinge als einen BH an den Kopf geworfen zu bekommen. „Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Also doch, ich weiß warum, aber es ist trotzdem schräg und irgendwie unangenehm. Die Bühnenarbeiter holen die zum Glück immer schnell runter.“ Tja. Er war zwar ein großgewachsener, attraktiver Mann, war aber im Inneren ein echter Kindskopf. „Nehmen die Weiber die eigentlich extra mit oder rennen einige dann ohne nach Hause?“ Stille auf der anderen Leitung. „Gute Frage. Aber darüber möchte ich mir den Kopf ehrlich gesagt nicht zerbrechen. Außer du fängst an…“ „Denk! Nicht mal dran Luce!“ Sie wusste ja, dass er das nicht ernst meinte und musste grinsen. Und er lachte unglaublich laut.

„Ich glaube auch da hätte jemand was dagegen. Sagst du ihm die ganze Wahrheit?“ Sie seufzte und spielte mit einer Hand in dem Seifenwasser herum. „Das sollte ich. Bald. Aber nicht jetzt. Ich…ich kann einfach noch nicht.“ Zustimmenden Gebrummel. „Ist okay. Vergiss es nur einfach nicht.“ Wie könnte sie? Aber was sollte sie sagen? Hey Thorin, danke nochmal. Ich hatte echt Angst, weil vor ein paar Jahren ein geisteskranker Stalker hinter mir her war und mein bester Freund und ich sogar Narben davongetragen haben? Nein, lieber nicht. „Werde ich nicht. Drei Wochen. Bis dahin weiß ich hoffentlich auch, ob das wirklich was werden könnte. Und wenn ich es ihm dann nicht guten Gewissens sagen kann, dann hat das alles keinen Sinn.“ Einfach würde das Gespräch so oder so nicht werden. Aber an der Wortwahl müsste sie noch etwas arbeiten. Aber es ihm nicht zu sagen wäre nicht fair. „Gute Entscheidung. Ich erinnere dich dran.“ War ja klar.  „Hey. Und falls es schiefgeht hast du immer noch mich, die Jungs und chinesisches Essen.“ Lachend sank sie etwas tiefer in die Wanne und begann tatsächlich sich richtig zu entspannen. Und Lucien hatte recht. So gesehen war das Leben doch gar nicht so schlecht.



Eine halbe Stunde zu spät marschierte Thorin ins Büro und sämtliche Mitarbeiter huschten aus dem Weg. Seine Augenringe und sein grimmiger Gesichtsausdruck ließen alle die Flucht ergreifen. Bis auf einen. Kaum verpasste er der Tür zu seinem Büro einen Stoß flog sie wieder auf. Frerin. „Und?“ Wortlos fiel er auf den Stuhl und hielt sich die Hand vor die Augen. Er war fertig. Thorin hatte kaum geschlafen. Wie auch. Er hatte nicht zu aufdringlich werden wollen. Er hatte bis in die frühen Morgenstunden wach gelegen, falls sie doch noch klingelte. Jetzt war er übermüdet und hatte sogar verschlafen. Das war ihm noch nie passiert. Es würde ein langer Tag werden. Und wofür das Ganze? Um zu sehen wie einer ihrer Freunde zum Frühstück vorbeikommt.
Immerhin wusste er jetzt wie Miki aussah. Der Mann mit dem Café und dem unmöglichen Bruder. Einer ihrer männlichen Freunde. Ihrer vielen männlichen Freunde. Welche Frau hatte keine Freundinnen? Obwohl es keinen Grund gab begann Eifersucht und Unsicherheit in ihm zu brodeln. Es war ihr gutes Recht befreundet zu sein mit wem sie wollte. Und solange es keine Anzeichen gab sollte er sich nicht unmögliche Dinge ausmalen. Es war ein wenig kindisch, aber er hoffte, dass der Rest ihrer Freunde hässlicher war. Eingeschüchtert fühlte er sich von diesem Miki nicht. Wenn sie sagte er war nur ein Freund, dann müsste er ihr da vertrauen. Er wusste ja nicht mal, ob sie ihn angerufen hatte oder ob er von allein nach ihr sehen wollte. Aber es ärgerte ihn. Denn er müsste nun bis zum Abend warten. Für Antworten und um zu wissen, wie es ihr denn geht.

„Hallo? Thorin, rede mit mir.“ Sein Bruder wedelte mit einer Hand vor seinem Gesicht herum. „Was?“ Knurrend warf er der kleinen Nervensäge einen mahnenden Blick zu. Seine Augen hätten einen Felsen spalten können, aber Frerin konnte das selbst und ließ sich nicht einschüchtern davon. „Was war denn jetzt gestern.“ Seufzend lehnte Thorin sich in dem Stuhl weiter zurück. „Sie war mit Romeo draußen. Also dem Corgi.“ Vielleicht sollte sie sich einen großen Hund zulegen. Irgendwas mit scharfen Zähnen. „Drüben im Park. Und irgendein krankes Stück Sch…“ Er räusperte sich, stand die Tür noch halb offen. Auf sein Nicken hin schloss sein Bruder wenigstens endlich die Tür. „Jemand hat sie verfolgt. Sie war allein, abends in einem Park.“ „Bitte sag mir, dass du rechtzeitig da warst.“ Er nickte und massierte sich die Schläfen. Die pochten wie verrückt und wenigstens machte Frerin sich an der Kaffemaschiene für ihn zu schaffen. „War ich. Ich habe erst niemanden gesehen, aber jemand lief aus den Gebüschen weg. Der Hund hat ihn gerochen. Ihr ist bis auf den Schreck nichts passiert.“ Die Maschine fing an zu brummen und der Geruch von Kaffee verbreitete sich langsam. „Aber dann ist doch alles gut gegangen. Ich meine, natürlich ist es ärgerlich, dass dieser Mistkerl entwischt ist, aber solange es ihr gut geht.“ Frerin versuchte immer noch herauszufinden, ob sein Bruder nur übermüdet war, oder etwas am Abend vorgefallen war. Er glaubte nicht, dass Thorin die Situation ausgenutzt hatte, um der Frau selbst an die Wäsche zu gehen. So war er nicht und wenn doch, dann würde er seinen Bruder nicht mehr kennen.


„Nein, ist es nicht.“ Fragend sah er ihn und reichte ihm den Espresso samt Kopfschmerztablette. Geschwister waren eben auch manchmal für etwas zu gebrauchen. „Ich habe in dem Moment nicht darüber nachgedacht, aber sie hat mir alles gesagt was um sie herum passiert, ohne dass ihr Verfolger es bemerken konnte. Die ganze Zeit.“ Frerin stieß einen anerkennenden Pfiff aus und machte sich selbst eine Tasse zurecht. „Meine Fresse. Die hat ja echt Nerven aus Stahl.“ Also wäre sie wohl tatsächlich in der Lage mit Thorin zurechtzukommen. Doch der schüttelte erneut den Kopf.  „Nein. Übung.“ Er ließ das so stehen und sah wie die Zahnräder hinter den blauen Augen arbeiteten. Und als er begriffen hatte fiel Frerin einfach auf den anderen Stuhl. „Du meinst…“ „Jap.“ Sein Bruder wirkte genauso fassungslos, wie er es gewesen war. „Was…aber…“ Er schüttelte einmal den Kopf und nahm einen Schluck Kaffee, als wäre es ein Schnaps oder ähnliches. „Sieht sie so gut aus?“ „Frerin!“ Er knurrte regelrecht und entschuldigend hob der kleine Idiot die Hände. Er hatte die Stimmung eigentlich lockern wollen.

„Das spielt dabei absolut keine Rolle.“ Wer wusste schon nach welchen Kriterien so jemand seine Opfer suchte. Darüber wollte er gar nicht weiter nachdenken. „Es ist vollkommen egal wie gut sie aussieht. Genauso wie es egal ist, dass einer ihrer netten kleinen Freunde heute Morgen gleich vor ihrer Tür stand.“ Knurrend leerte Thorin seine Tasse und bei Frerin setzte sich das Puzzle endlich zusammen. „Du bist eifersüchtig.“ Deswegen hatte er so miese Laune. Und so sehr er es auch Leugnen würde, für den jüngeren Durin war nun klar, woher die schlechte Laune kam. „Wieso sollte ich eifersüchtig auf einen Mann sein, der jünger ist als ich, sie länger kennt und scheinbar weiß was sie gerne zum Frühstück isst und dem sie so sehr vertraut, dass sie ihm Geld geliehen hat?“ Nein. Natürlich war er nicht eifersüchtig. „Okay, nochmal ganz langsam. Sie hat ihm Geld geliehen? Woher weißt du das denn schon wieder?“ Seufzend erzählte Thorin ihm was er wusste und was er vermutete.

Nachdem sein Bruder sich den ganzen Frust und die Wut von der Seele geredet hatte, fiel er wie erschlagen in den Bürostuhl zurück und sackte etwas zusammen. Er musste dieses Mädchen ja wirklich mögen, wenn ihn das so mitnahm. „Ich verstehe zwar was du meinst, aber solltest du ihr da nicht einfach einen Vertrauensvorschuss geben? Wenn sie die nämlich tatsächlich schon alle so lange kennt, dann war da entweder mal etwas, dass vorbei ist, oder sie sind tatsächlich so gut befreundet, dass sie diese Kerle als Brüder sieht und nicht als potenzielle Liebhaber.“ Mit dem Vertrauen war das nur so eine Sache. Da hatte er sich nämlich einmal gehörig verbrannt und das reichte ihm. Den Fehler wollte er nicht nochmal machen. „Was soll ich denn deiner Meinung nach machen? Ich will nicht wie ein eifersüchtiger Idiot dastehen, der sie nicht einmal in Ruhe ihre Freunde treffen lässt.“ Frerin zuckte darauf nur die Schultern. „Ganz einfach. Dann sei es einfach nicht.“ Sehr witzig.
„Ich meine das ernst. Du kennst sie jetzt wie lange? Ein paar Wochen? Du hast selbst gesagt sie ist anders und dass du sie magst. Also gib dem ganzen eine Chance. Vertrau ihr ein bisschen und wenn es doch merkwürdig wird kannst du sie immer noch drauf ansprechen.“ Manchmal hasste Thorin es, wenn sein kleiner Bruder recht hatte und sein breites Grinsen zeigte, dass er sich dessen auch bewusst war. „Und sei doch mal ehrlich und versetz dich in ihre Lage. Hättest du nach so etwas nicht auch gerne jemanden um dich herum, der dich kennt und dem du vertraust. Und der ganz sicher weiß, dass sie das nicht zum ersten Mal durchmacht?“ Er hatte ja recht. Vermutlich war er einfach nur besorgt durch seine letzte Beziehung. „Wir wollten langsam mal an die Arbeit gehen.“ Allerdings machte sein Bruder keine Anstalten zu verschwinden. Ihm war irgendeine Idee gekommen, so wie es in seinen Augen blitzte. Das verhieß nichts Gutes.  

„Wieso lädst du sie nicht zu etwas Spaßigem ein?“ Argwöhnisch hob Thorin die Augenbraue. Spaß lag manchmal doch sehr im Auge des Betrachters. „Nein, nein, hör erstmal zu. In drei Wochen steigt irgendeine Feier. Keine Ahnung von wem ehrlich gesagt, aber viele unserer Kunden sind dort. Und Vater will das ich hingehe. Du weißt schon. Ein bisschen Honig ums Maul und Süßholzraspeln. Also. Im Geschäftlichen Sinne.“ Das war selbst Thorin klar. Mit Kunden sollte man Grundsätzlich nichts anfangen. Das konnte böse enden. „Allein habe ich keine Nerven für so einen Abend, aber wenn du mir ein bisschen hilfst, dann halte ich dir den Rest der Zeit den Rücken frei und du kannst etwas Zeit mit ihr verbringen.“ „Du weißt ich hasse diese Veranstaltungen.“ Frerin grinste und nickte. „Ja, du schon. Aber sie ja vielleicht nicht. Und sonst nutz das für deinen Vorteil. Wenn sie solche Abende auch schrecklich findet, dann kannst du ja um moralische Unterstützung bitten.“ Zwinkernd erhob der kleine Mistkerl sich. „Außerdem lernt man sehr viel über einen Menschen auf solchen Feiern. Denk zumindest drüber nach.“ Und damit verschwand er aus seinem Büro. So sehr es Thorin auch missfiel, die Idee war gar nicht so schlecht. Aber darüber könnte er später grübeln. Jetzt sollte er tatsächlich arbeiten.
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