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Let's Play - Jagd nach dem Arkenstein

von Calmacil
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
06.03.2020
18.03.2021
20
60.665
6
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31.07.2020 3.527
 
Corvinna saß ein wenig nachdenklich auf ihrem Bett. Ihr Handy lag noch in ihren Händen, während sie ihren Kopf aufstützte. Ihre Füße tappten in den pinken Schlappen abwechselnd auf den Boden. Sie war nervös. Sieben Uhr. Sie hatte noch eine Stunde, dann müsste sie am Restaurant sein. Aus mehreren Gründen fuhren sie nicht zusammen. Der ausschlaggebendste war, dass Thorin wohl noch einen Familienbesuch am Nachmittag geplant hatte und von diesem direkt zum Fassreiter fahren würde. Ein keiner Romeo hatte es sich auf dem Teppich gemütlich gemacht und beobachtete sie. Der war die nächsten Stunden ruhig, hatte sie einen halben Marathon mit ihm hingelegt. Als Hundebesitzer war es fast unmöglich unsportlich zu sein. Aber immerhin sah er rundum zufrieden aus. Bis vor wenigen Minuten hatte sie mit seinem Herrchen einen Videoanruf gehabt. Und Romeo war nochmal ganz aus dem Häuschen gewesen Lucien zu sehen. Wenn auch nur auf einem Handydisplay. Dabei hatte der alle Hände voll zu tun gehabt Vin gleichzeitig aufzuziehen, auszulachen und auch noch zu beruhigen. Sie hatte ihm mehrere Nachrichten geschickt und Lucien war beinahe ebenso aus dem Häuschen gewesen. Am Anfang hatte sie gedacht der steigt ins nächste Flugzeug, nur um sie zu knuddeln und mit ihr zu feiern. Aber der gnädige Herr war im Moment irgendwo auf einem anderen Kontinent.

Mit einem tiefen Seufzen erhob sie sich von ihrem Bett und holte die Sachen die Sascha ihr gegeben hatte aus ihrem Schrank. Die Schiebetüren waren verspiegelt und alle Teile wanderten auf ihr Bett. Wenn sie pünktlich sein wollte, dann sollte sie sich jetzt fertig machen. Eine halbe Stunde Fahrt und sie wollte nicht auf den letzten Drücker ankommen. Das hasste sie. Also flog der schwarze seidene Bademantel ebenfalls aufs Bett. Sie hatte Sascha nichts sagen müssen, er hatte von allein einen Bogen um Röcke gemacht. Nicht, dass sie was dagegen hatte, aber das wäre ihr noch zu kalt geworden. Egal ob Wärmelampe oder nicht. Sie hatte zwar genügend schwarze Hosen im Schrank, aber wenn er sich schon die Zeit nahm, dann würde sie nehmen, was er ihr gab. Vor allem waren seine Sachen immer so bequem. Mit einem Augenrollen hatte er ihr eine weiße Bluse mit dunkelroten Details gegeben, auch wenn er einen spitzfindigen Kommentar über die nicht Vorhandensein von Fabre in ihrem Kleiderschrank nicht für sich behalten konnte. Sportsachen zählten für ihn nämlich nicht. An den Ärmel der waren zwei dünne farbige Linien in Form von Blütenranken und was das Kleidungsstück nett zum Ausgehen aber unbrauchbar für die Arbeit machte waren zum einen die offenen Schultern und zum anderen hier und da kleine verspielte Details aus weißer Spitze. Er war eben gut. Und noch ein Pluspunkt. Man sah ihr eigenes Tattoo nicht durch. Wieso die kleine schwarze Feder auf ihrem Körper gelandet war, war etwas, dass tatsächlich nur sehr wenige Menschen etwas anging. Sollte das was Ernstes werden, dann dürfte die Feder auf Dauer nicht unbemerkt bleiben. Aber das war nichts für ein erstes Date.  

„Na Romeo? Was sagst du? Gehst du so mit mir weg?“ Begeistert bellte der kleine Corgi. Er liebte Aufmerksamkeit in jeder Form. Lächelnd kraulte sie ihm den Kopf, bevor sie mit ihm die Wohnung verließ. Ausnahmsweise mal mit ein paar Pumps unter dem Arm. Die Schlappen zum Fahren könnte sie ebenso gut ihrer Großmutter aus dem Schrank gemopste haben, aber besondere Umstände erforderten eben besondere Maßnahmen. Kaum bewegte sich der Fahrstuhl fing Romeo an zu winseln und steckte den Kopf zwischen ihre Beine. Der und Aufzüge würden nie wieder warm werden. „Wir sind ja gleich unten Romeo. Alles gut.“ So wie er zitterte konnte er einem einfach nur leidtun. Romeo hatte schon gelernt, dass die Glocke mit Schluckauf Ende der Fahrt bedeutete. Kaum hörte er das, schoss er auf die Tür zu. Und wer stand da vor? Eine impertinente Person. Instinktiv griff Vin die Leine kürzer. Zum Glück. Denn Romeo schien Miss Jones auf Anhieb nicht leiden zu können. Ihrem feindlichen Blick und der gerümpften Nase entnahm Corvinna, dass sie sich sehr wohl an die Vorfälle des Abends erinnerte. Leicht knurrend bellte Romeo einmal in ihre Richtung. Die Frau wich sofort zurück, während Vin die Hand hob und Romeo sich setzte. Hatte sie vielleicht Angst vor Hunden? „Ich hoffe sie halten den unter Kontrolle! Sonst rufe ich die Polizei.“ Da war aber jemand sehr nachtragend. Aber wenn sie es so haben wollte. „Der hört aufs Wort. Allerdings hat er gute Menschenkenntnis.“ Ihr selbstgefälliges Grinsen trieb die Ältere zur Weißglut, aber Corvinna hatte keine Lust sich von ihr den Abend verderben zu lassen. Sie hob ihre Nase nur noch höher und als der Fahrstuhl sich gerade schloss, grinste Vin sie noch einmal an. „Ich werde Thorin schön Grüße von ihnen bestellen.“ Dieses Gesicht. Dieses absolut entsetzte Gesicht. Vielleicht war es kindisch, aber dieser Anblick war es wert. Immer noch nervös wie vor ihrem ersten Schultag aber gut gelaunt von diesem kleinen Schabernack ging sie mit dem Hund zu ihrem Auto. Sie wollte heute Abend versuchen Spaß zu haben.  




Thorin trommelte nervös auf dem Lenkrad seines Wagens herum. Die Straßen waren frei und er würde überpünktlich sein. Das half ihm allerdings nur bedingt. Dís hatte ihr Möglichstes getan. Ihm gut zugeredet, ihn zusammengestaucht und ihm die Jungs aufs Auge gedrückt, damit er was zu tun hatte. Und mit einer Sache hatte sie tatsächlich recht. Er müsste sich keine Sorgen machen, dass Corvinna nur hinter seinem Geld her war. Ihr Vater hatte selbst genug und sie schien selbst gut zu verdienen. Einmal hatte er sich blenden lassen und auf ein erneutes böses Erwachen konnte er gerne verzichten. Das Verliebtheit so blind machen konnte. Blind, dumm und naiv. Die Lektion hatte er schmerzlich gelernt. Und deswegen hielt er sich normalerweise von Frauen fern, die in seiner Firma arbeiteten, sofort wussten wer er war oder eben ein bisschen jünger waren als er. Aber vielleicht lag es daran, dass Corvinna in der Gleichen Situation war wie er, dass er ihr vertraute. Sie war selbst Tochter eines Firmenchefs und hatte ihre ganz eigenen Probleme damit. Immerhin war das eine Sache, an der es nicht scheitern konnte. Aber das hieß nicht, dass er es nicht selbst verbocken könnte.

Wieso war er eigentlich so nervös? Es war nur ein Abendessen. Es gab keinen Grund dazu. Sie wohnte ja nur Gegenüber. Hieß, wenn es schieflaufen würde, dann würde es äußerst peinlich werden. Ja. Kein Grund nervös zu sein. Sie war ja nicht seit langem die erste Frau, die sich nicht gleich an seinen Hals warf, nur weil er sie angesprochen hatte und ihn aus irgendeinem Grund so interessierte. Natürlich fand er sie attraktiv, aber da war noch etwas anderes. Es stand also überhaupt nichts auf dem Spiel. Als er an einer Ampel halten musste fragte er sich, ob er jetzt vollends übergeschnappt war. Abgesehen von der flauen Übelkeit hatte er doch ein gutes Gefühl bei der Sache. Vielleicht sollte er sich einfach darauf konzentrieren und sich freuen, dass sie Ja gesagt hatte. Genug Anflug des Teenager Daseins. Das war ja furchtbar! Deutlich entspannter lenkte er seinen Wagen etwas raus aus der Stadt. Das Ganze ging gut, bis auf dem Parkplatz den Motor abstellte. Kaum war der aus sprang die Nervosität aus ihrem Versteck und machte sich breiter als zuvor. Er war zehn Minuten zu früh. Das war ihm lieber so. Er hätte sie ungern warten lassen. Flüchtig warf er einen Blick in den Rückspiegel. Keine niedliche Nachbarin oder ein kleiner Hund zu sehen.  

Bevor sein Mut sich mit wehenden Fahnen verabschiedete stieg er aus dem Wagen und sah zu dem mit Holz verkleideten Restaurant. Bilbo hatte damals viel riskiert mit dem Bau, aber es war ein voller Erfolg gewesen. Es schien fast so, als hätte er einen sechsten Sinn was Essen anging. Und es war nie zu einem Laden für aufgeplusterte Geldsäcke geworden. Gehoben, ja. Abgehoben, nein. So war Bilbo nicht. Und das merkte man auch. Der Wind war noch ein bisschen frisch, aber bei ihrem letzten Gespräch hatte er stolz von dem neu renovierten Außenbereich erzählt. Das sollte also kein Problem werden. Und bei dem riesigen Hund, der gerade mit einem Pärchen ankam, dürfte Corvinnas kleiner Corgi sicher niemanden stören.

„Thorin?“ Die Stimme hinter ihm kannte er mittlerweile gut genug. Er hatte einen Moment ganz vergessen, dass er noch auf dem Parkplatz stand. Und da war sie. „Hallo Corvinna.“ Was ihn etwas tröstete war das bezaubernde leicht nervöse Lächeln in ihrem Gesicht. Ihr ging es wohl nicht viel besser als ihm. Von ihren langen brauen Haaren war an diesem Tag nichts zu sehen. Links und rechts je eine Strähne, den Rest hatte sie hochgesteckt. Kleine silberne Ohrringe mit rotem Stein baumelten an ihren Ohren, die man durch ihre Haare sonst gar nicht sah. Ihm war vollkommen gleich was sie unter dem schwarzen Mantel trug. Sie war zauberhaft und so wie sie ihm vor ihm stand erinnerte es ihn an den Tag, an dem sie mit diesen rosa Schuhen vor ihm gestanden hatte. Sie war niedlich. Bevor er sie aber zu lange anstarren konnte begrüßte ihn Romeo mit freudigem Bellen. „Ich glaube Romeo hat eine Schwäche für dich. Jedes Mal, wenn wir raus gehen schnuppert er an deiner Tür.“ Grinsend ging er in die Hocke und kraulte dem kleinen Kerl den Kopf. „Hast du mich vermisst?“ Scheinbar ja, denn der kleine Hund wirkte aufgeregt und glücklich. Es tat ihm ja leid, aber er hatte deutlich mehr Interesse an seinem Frauchen. Und die entschied sich den Kleinen Zusammenstoß mit seiner Heimsuchung für sich zu behalten. Das würde nur den Anfang des Abends verderben.

So nervös Beide auch waren, sie wollten sich das nicht anmerken lassen und in ihrem Beruf mussten sie das oft genug runterschlucken. Also klappte es auch jetzt. Wie von Vin erwartet und Sascha prophezeit war es voll und einige Paare warteten am Empfang, dass vielleicht doch ein Tisch frei wurde. Der Innenbereich war deutlich kleiner als die Außenanlage, aber es wirkte gemütlich im Inneren. Die Devise hier war Qualität über Quantität. Das schloss die Anzahl der Tische mit ein. Wer hier ohne Reservierung erschien, stand sich gerne Mal die Beine in den Bauch. Thorin sah sich kurz suchend um und wurde fündig. Bilbo. Der arme Kerl hatte alle Hände voll zu tun ungeduldige Besucher zu beruhigen. Thorin nickte ihm leicht zu, als er ihn bemerkte und sein Freund nickte nur zurück, bevor er einen Kellner abfing und zu ihnen herüberschickte. Er würde Bilbo wohl an einem anderen Tag noch einmal danken müssen. Sein alter Freund hatte auf seine Bitte hin alles Menschenmögliche getan und ihm versprochen, dass er an diesem Abend noch einen Tisch für ihn auftreiben kann. Auf seine Aussage, dass er ihm etwas schulde, hatte Bilbo nur gelacht. Einem Freund half er immer gern.

„Herr Durin? Ich bringe sie und ihre Begleitung zu ihrem Tisch. Hier entlang bitte.“ „Danke sehr.“ Leicht grinsend konnten Beide beobachten, wie ein paar Frauen ihren Männern vorwerfende Blicke schenkten, da sie nicht an eine Reservierung gedacht hatten. Da würde der Haussegen wohl ein wenig schiefhängen. Draußen standen die dunklen glatt geschliffenen Holztische in großzügigen Abständen auf der gepflasterten Anlage. Flache, breite und gut befüllte Blumenkübel legten kleine Wege an. Es waren ganz unterschiedliche Blumen, aber alles war in warmen Farben gehalten. Das wichtigste waren die Wärmelampen, die geschickt platziert angenehme Temperaturen schafften. Für den Sommer standen Sonnenschirme und Segel eingeklappt ebenso geschickt verteilt. Für angenehme Beleuchtung sorgten LED-Fackeln und zwischen den Blumen versteckte kleine Lampen. Auf den Tischen selbst standen schlichte und dezente Teelichtgläser. Hier draußen hatte Bilbo sich tatsächlich ausgetobt. Und sich selbst übertroffen. Und Corvinna in seinen Augen mit ihrer Kleiderwahl. Er fand sie auch in ihren großen Pullovern niedlich, aber er würde sich sicher nicht über diesen Anblick beschweren.

Der Kellner sauste ziemlich schnell davon, sobald er konnte. Jeder Tisch schien besetzt zu sein und Vin hatte bisher drei andere Hunde entdeckt. Zum Glück mit genügend Abstand, sonst wäre es schwer Romeo an Ort und Stelle zu halten. Er spielte eben gern. So blieb er aber brav neben ihr sitzen. Bevor am Tisch peinliches Schweigen aufkommen konnte griff Thorin das nächstgelegene Thema auf, dass ihm in den Sinn kam. Arbeit. „Ist denn Gestern alles zu deiner Zufriedenheit gelaufen? Bei uns herrscht am letzten Tag von Projekten immer gewaltiges Chaos.“ Sie seufzte nur und sah schräg nach oben. Das musste ja unglaublich mies gelaufen sein. „Irgendwie haben wir das hinbekommen. Die Halbe Belegschaft war immer noch krank und der kleine Kerl hier war auch noch im Büro.“ Romeo hatte sich hingelegt und dämmerte tatsächlich etwas vor sich hin. Der halbe Marathon zeigte Wirkung. „Ich glaube nach dieser Woche hassen sie mich, so wie ich sie gescheucht habe. Ich bin ganz froh, dass ich jetzt Urlaub habe.“ Das müde Lachen war nur auf den Stress zu schieben. Immerhin war das etwas, dass Thorin sehr gut nachvollziehen konnte. Auch wenn er diesen Urlaub aufgebrummt bekommen hatte. Aber jemand sie hassen? Nein, eher nicht.

„Und wie war es bei deiner Familie?“ Ein klares Signal. Sie wollte nicht mehr drüber reden. Am liebsten wollte Corvinna nie wieder irgendetwas über dieses Projekt hören. Das hatte sie zu viele Nerven gekostet und sie könnte stundenlang etwas finden, um sich darüber aufzuregen. Aber das wollte sie an diesem Abend nicht. „Schön aber auch anstrengend. Ich habe zwei kleine Neffen und meine kleine Schwester drückt sie mir oder meinem Bruder manchmal einfach in den Arm, wenn sie etwas erledigen muss oder auch einmal einen Moment Ruhe möchte.“ Sie grinste leicht, klang das in ihren Ohren nach einer ziemlich normalen und gesunden Familie. „Wie alt sind die Zwei?“ „Fíli wird dieses Jahr Elf und Kíli wird Sechs. In zwei Wochen, um genau zu sein. Und meine Schwester plant gerne alles rechtzeitig, also schon seit Wochen, aber heute hat sie mich dann auch endlich über ihre Pläne in Kenntnis gesetzt.“ Und deswegen gleich eine Runde mit den Beiden im Garten gespielt, damit sie nichts merken. Aber er machte das Gern. Für sie und für die Jungs. „Ich kann deine Schwester verstehen. Ich plane auch gern alles durch, wenn es um Feiern geht. Und, was bekommt dein Neffe?“ Interessierte sie das wirklich? Die meisten Leute, mit denen er sonst über seine Familie sprach, mal angesehen von Dwalin, wechselten äußert schnell das Thema. Aber während er von Dís Plänen für Kilis Geburtstag erzählte sah sie weder weg, noch wirkte sie gelangweilt. Im Gegenteil. Die Nervosität war vergessen und der Kellner hatte sich für ihre Bestellung nur kurz blicken lassen und war danach sofort wieder verschwunden.

„Klingt so, als wird das der beste Geburtstag den ein Sechsjähriger haben kann. Deine Schwester legt sich ja ganz schön ins Zeug.“ Ja, das tat sie. Den recht traurigen Grund dahinter würde er vorerst noch für sich behalten. „So war sie schon immer. Und die Jungs sind ihr ein und alles. Hast du keine Geschwister?“ Sie schüttelte den Kopf und zuckte leicht mit den Schultern. „Einzelkind. Eigentlich gibt es nur Dad und mich. Aber meine Freunde sind wie Familie für mich. Und dann hätte ich neun Geschwister.“ Sie lachte dabei und bei der Vorstellung musste er schmunzeln. „Das wäre ein volles Haus.“ „Oh ja. Und laut.“ Feiern mit den Jungs machte Spaß, aber die konnten ganz schön laut werden. Und anstrengend. Und verfressen. „Ich sollte meinen Vater vermutlich öfter besuchen. Im Büro sehe ich ihn auch kaum.“ Sie klang ein wenig schuldbewusst. Aber nicht wie jemand, der immer wieder vergaß seine Familie zu besuchen. „Ist vermutlich gar nicht so leicht. Ich kenne das von meinem Vater. Der lebt auch beinahe in seinem Büro.“ Sie nickte leicht und grinste dabei. Das war wohl überall so. „Es würde mich nicht überraschen irgendwann ein Bett da zu finden, aber so weit ist es zum Glück noch nicht.“ In Thorins Augen machte sich plötzlich der Schalk breit und er wackelte nur vielsagend mit den Augenbrauen. „Nein…nicht dein Ernst…“ Sie schien noch nicht recht zu wissen ob sie Lachen oder entsetzt sein sollte. „Ein Bett ist es nicht, aber Dad schlief eine Weile regelmäßig auf der Couch in seinem Büro. Er hatte sogar einen Anzug zum Wechseln im Schrank.“ Sie fing an zu Lachen und versteckte keine Sekunde später ihr Gesicht in ihren Händen. „Entschuldige. Aber die Vorstellung ist…tut mir leid.“ Ihm tat es nicht leid. Ihr Lachen hatte etwas Freies, beinahe unschuldiges an sich. Es war ein hübsches Lachen und nicht so ein übertrieben Schrilles oder aufgesetzt. Das durfte er sich dank seines Jobs ja oft genug antun. „Falls jemand fragt, das hast du nicht von mir.“ Grinsend zwinkere er über den Tisch und sie nickte. In ihren Augen machte sich nun ebenfalls etwas an zu funkeln. So schlecht lief es doch gar nicht.

„Mein Vater golft im Büro.“ Das war auch mal eine Idee. Aber unpraktisch. „Ist das in einem Raum nicht ein bisschen klein?“ Sie grinste und schüttelte den Kopf. „Ich meine die ganze Etage. Was meinst du wieso die Fenster bei uns alle aus Panzerglas sind? Er schafft es mittlerweile einen Ball aus seinem Büro, über den Flur ins Nachbarbüro zu schlagen. Also…manchmal. Falls du jemals von einem Loch in der Wand hörst…er wars.“ Sie grinste einfach breit, war es zu witzig, dass sie hier gegenseitig ihre Väter verrieten. Scheinbar hatte jeder doch so seine kleinen Macken. Aber sie waren eben alle Menschen. „Und was ist dein Laster im Büro?“ Thorin konnte sich nicht vorstellen, dass sie auch zum Golfschläger griff. Vin seufzte und spielte leicht an ihrer Kette herum, die aus den gleichen kleinen roten Steinen bestand wie ihre Ohrringe. „Abgesehen von einem vermutlich leicht zu Hohen Kaffeekonsum?“ Berufskrankheit. Kannte er selbst. „Ich habe einen alten Gameboy in meinem Schreibtisch. Und eine Yogamatte im Schrank.“ Die Kombination war höchst ungewöhnlich, aber genau deswegen passte irgendwie zu ihr. „Naja...ich weiß offiziell nichts davon, schließlich sind wir alle hochprofessionell.“ An der Stelle schien sie sich selbst kaum glauben zu können und auch er verkniff sich das Lachen oder einen eindeutigen Blick. Natürlich waren sie alle zu jeder Zeit professionell. „Aber in einer Etage gibt es tatsächlich regelmäßig so etwas wie Karaoke und ich will nicht wissen wie viele von diesen Nerf Guns in unserem Gebäude versteckt sind.“ Sie räusperte sich leicht und sah ihn dann auffordern an. „Und du so?“ Da musste er wohl nun auch durch.

„Nun…was das angeht kann ich dir versichern, es ist nicht ratsam den eigenen kleinen Bruder im selben Gebäude zu haben und das mein bester Freund auch bei uns Arbeitet macht es sicher nicht besser.“ Sie ahnte fürchterliches und wollte alles hören. Das versprach äußerst amüsant zu werden. „Lass mich raten. Ihr stachelt euch gegenseitig zu irgendwelchem Blödsinn an?“ Ein kleines Nicken. Kompletter Volltreffer also. Männer waren eben auch nur große Jungs. „Aber du hast mir bei meiner letzten Rache sehr geholfen?“ „Wie das denn?“ Ihre hübschen grauen Augen sahen ihn nun mit zwei riesigen Fragezeichen darin an. „Mein bester Freund, mein Bruder und ich haben die Eigenschaft im Büro ein wenig…herumzualbern. In gewissem Maße versteht sich.“ Sie nickte. Alle glaubten immer ihr Job wäre nur ernst, aber das lag nur daran, weil niemand die Bürokomplexe betrat. Jeder alberte rum. Egal wo er arbeitete. „Nach seinem letzten kleinen Scherz habe ich mich an meinem Bruder gerächt. Ich habe ihm deine Hausschuhe bestellt und ihn vor vollendete Tatsachen gesetzt. Ich habe es leider nicht selbst gesehen, aber Dwalin hat es gefilmt. Er ist den ganzen Tag im Büro damit rumgelaufen.“ Vin hatte in dem Moment Probleme nicht laut loszulachen. Aber das konnte sie nicht bringen. Nicht hier. Ihr ganzer Oberkörper zuckte von dem Lachen, das sie unterdrückte und Thorin sah wieder wie sich ihre Nase kraus zog. „Darf ich das irgendwann mal sehen?“ Ihr Kichern war leise, weil sie kaum noch Luft bekam, aber er nickte. Dieses Video würde niemals verschwinden. Niemals.


An sich lief der Abend besser als von Beiden erwartet. Peinliches Schweigen kam nicht auf, auch nicht als das Essen kam. Aber ein erstes Date ohne irgendeine kleine Schwierigkeit oder Unannehmlichkeit? Das wäre zu schön gewesen. Thorin hatte sie gerade gefragt, was sie in ihrem Urlaub geplant hatte, als Romeo plötzlich anfing zu Knurren. „Was hast du denn?“ Das sah ihm überhaupt nicht ähnlich. „Stimmt etwas nicht?“ Auch Thorin sah verwirrt zu dem kleinen Hund, der in seiner Gegenwart sonst so wirkte, als könnte er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Er blieb zwar an Ort und Stelle sitzen, aber er bleckte immer noch die Zähne. „Ich weiß auch nicht was er hat, normalerweise…das darf nicht wahr sein.“ Sie hatte gefunden, was das Problem war. Oder besser gesagt wer. Denn Romeo hatte ein verhasstes Ziel im Blick und ließ es nicht aus den Augen. Ihre nahmen unterdessen einen ungläubigen Ausdruck an, bevor sie sich entschied den Tisch anzustarren und ihr Gesicht mit einer Hand abzuschirmen.  Mit der anderen fasste sie Romeos Leine, die vorher nur um die Armlehne gehangen hatte. Und sie hielt sie so kurz, dass der Corgi vermutlich keinen halben Meter weit kommen könnte. „Corvinna, was ist denn los?“ Besorgt lehnte Thorin sich etwas nach vorn und sie flüsterte nur eine Entschuldigung. Bevor sie mehr sagen konnte offenbarte sich das Problem von selbst. „Corvinna? Bist du das? Was für eine nette Überraschung.“
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