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05. März: Teamwork par excellence [by - Leela -]

OneshotAllgemein / P6 / Gen
05.03.2020
05.03.2020
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4.111
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05.03.2020 4.111
 
Tag der Veröffentlichung: 05.03.2020

Zitat: "Wenn das Schiff voll Wasser läuft, springt man nicht ab, sondern holt einen Eimer." (Designated Survivor)

Titel der Geschichte: »Teamwork par excellence«

Autor: - Leela -

Hauptcharaktere: Gopher, Isaac, Julie, Adam, Captain Stubing

Nebencharaktere: -/-

Pairings: -/-

Kommentar des Autors: Diese Vorgabe war prädestiniert dafür, um mal für ein anderes meiner kleinen Lieblingsfandoms zu schreiben, das hier noch gar nicht vertreten ist. (Deswegen gibt es leider auch die Kategorie noch nicht.) Herzlich Willkommen zu meiner ersten fertigen »Love Boat«-Fanfiction, und viel Spaß dabei!






Teamwork par excellence

„Herzlich willkommen auf der Pacific Princess. Sie haben Kabine 257 auf dem Aloha-Deck. Das ist durch die Tür dort, die Treppe hinunter und links den Gang entlang.“ Gopher, der Zahlmeister des Kreuzfahrtschiffes, deutete mit einem Lächeln in eine Richtung.
      Das Pärchen bedankte sich und machte sich auf den angegebenen Weg.
      Beschwingt hakte Gopher zwei weitere Passagiere auf seiner Liste ab.
      Bevor er sich dem nächsten Passagier zuwenden konnte, lief gerade der Captain persönlich an ihm vorbei und hielt auf seiner Höhe an. „Gopher? Ich habe hier ein Telegramm, das muß im nächsten Hafen aufgegeben werden. Würden Sie das für mich erledigen?“
      „Natürlich, Captain!“ Pflichtbewußt salutierte Gopher.
      Zufrieden drückte Captain Stubing dem Zahlmeister einen Umschlag in die Hand. „Vergessen Sie es nicht! Es ist sehr wichtig, daß das Telegramm so bald wie möglich zugestellt wird.“
      „Keine Sorge, Captain, wird erledigt!“ Gopher sah Stubing kurz nach, als der seinen Weg fortsetzte, klemmte das Telegramm unter der Passagierliste auf das Klemmbrett und wandte sich den nächsten Gästen zu. Anschließend sah er sich rasch um. Es waren fast alle an Bord. Julie, die Kreuzfahrtmanagerin, fertigte gerade die letzten Mitreisenden ab. Mit einem Lächeln schloß er seinen Anteil der Begrüßungszeremonie ab.
      Gut gelaunt bereitete er sich auf seine kommenden Aufgaben vor. Bald würde das große Kreuzfahrtschiff ablegen und eine neue Reise beginnen, und er würde, wie immer, in der großen Empfangshalle den besten Überblick haben, während er sich um Schiffskonten, Zollgebühren und das allgemeine Rechnungswesen des Schiffes kümmerte.
      Auf seinem Weg zum Tresen kam Gopher der Barkeeper des Schiffes entgegen. Dabei fiel ihm etwas wieder ein. „Oh, Isaac, könntest du mir einen Gefallen tun? Ich habe hier ein wichtiges Telegramm von Captain Stubing, das muß unbedingt im nächsten Hafen aufgegeben werden.“
      „Warum machst du das nicht selbst?“ erkundigte sich Isaac automatisch.
      „Hast du eigentlich eine Ahnung, was ich als Zahlmeister zu tun habe?“ argumentierte Gopher.
      „Naja, nicht viel, wenn alle Gäste zum Landausflug von Bord sind, oder?“ mutmaßte der Barkeeper grinsend.
      Gopher legte kameradschaftlich einen Arm um den Dunkelhäutigen. „Ja, aber sieh es mal so: Wenn alle Gäste von Bord sind, habe ich als Zahlmeister noch mehr zu tun, als du als Barkeeper.“
      Isaac dachte darüber nach. „Das könnte schon sein …“
      „Siehst du? Also, kann ich dich um diesen kleinen Freundschaftsdienst bitten? Ich revanchiere mich auch, versprochen.“
      Isaac lächelte. „Na klar!“ Er nahm den Umschlag entgegen, dann gingen die beiden Freunde wieder auseinander.
      Gopher atmete durch. Eine Sorge weniger, um die er sich kümmern mußte.

Die See lag ruhig, und die Pacific Princess zog ihre Bahnen. Fröhliche Gäste tummelten sich überall.
      Doktor Adam Bricker gesellte sich zu Isaac an den Tresen nahe des Pools.
      Der Barkeeper probierte gerade ein neues Rezept aus und stellte ein Glas vor dem Arzt auf den Tisch. „Hier, probier mal, ob man das den Gästen anbieten kann.“
      Adam betrachtete den Inhalt des Glases argwöhnisch. „Meinst du geschmacklich oder aus medizinischer Sicht?“
      „Deine medizinische Sicht interessiert mich nicht. Du sollst mir sagen, ob das ein Renner unter den Gästen werden kann!“ spezifizierte Isaac.
      Der Doktor nahm einen vorsichtigen Schluck und kommentierte den Inhalt mit einem Husten. „Also, ein Renner unter unseren Zombie-Gästen wird der bestimmt!“
      Isaac wirkte etwas nachdenklich. „Hm, vielleicht war es doch eine Spur zu viel Tabasco.“ Er lehnte sich bei dem Schiffsarzt auf den Tresen. Dabei fiel sein Blick auf etwas auf der Ablagefläche. „Oh, kannst du zufällig etwas für mich tun? Ich habe hier ein Telegramm vom Captain, das muß im nächsten Hafen aufgegeben werden. Könntest du das vielleicht machen? Ich habe ehrlich gesagt Angst, daß es hier zwischen den ganzen Zutaten für die Drinks noch Schaden nimmt.“
      „Warum bewahrst du es dann hier auf, und nicht in deiner Kabine?“ wunderte sich der Doktor.
      „Damit ich es immer im Blick habe! Wenn ich es in der Kabine lasse, vergesse ich es noch.“ argumentierte der Barkeeper.
      Der Arzt quittierte die Aussage mit einem nachdenklichen Blick. „Okay, das sehe ich ein.“
      „Bei dir in der Praxis ist doch alles so schön steril. Da kann gar nichts passieren. Bitte!“ versuchte Isaac, seinen ganzen Charme einzusetzen.
      Adam seufzte. „Na, gib schon her!“
      Isaac grinste. „Danke, Mann. Das werde ich dir nicht vergessen!“
      „Solange ich nicht noch mal etwas von deinen eigenen Kreationen trinken muß, ist mir alles recht.“ bemerkte Adam mit einem tiefgründigen Blick.
      Das Lächeln des Barkeepers rutschte etwas ab. Mit einem Schmollen ließ er es dabei bewenden. Solange er nicht mehr an das Telegramm denken mußte, konnte er damit leben.

Die Pacific Princess war gerade aus dem Hafen ausgelaufen. Gopher ging ein paar Listen durch, als Julie auf ihn zukam. „Hey, Gopher!“
      „Hi, Julie.“ Geistesabwesend checkte er ein paar Posten auf der Liste.
      Die Kreuzfahrtmanagerin lehnte sich zu ihm auf den Tresen. „Du, kann ich dich um einen Gefallen bitten?“ fragte sie vorsichtig an.
      „Sicher, worum geht es denn?“
      „Es geht um ein Telegramm vom Captain, das im nächsten Hafen aufgegeben werden muß. Weißt du, ich habe mich da schon mit einer Freundin verabredet. Könntest du das vielleicht für mich übernehmen?“
      „Na klar.“ sagte er sofort zu.
      „Prima!“ Freudig legte Julie das Telegramm auf den Tresen. „Gut drauf aufpassen! Das ist wichtig!“ Damit war sie rasch wieder aus der Halle verschwunden.
      Als Gopher nach dem Umschlag griff, dachte er noch, daß der Captain viele Telegramme aufzugeben hatte, dieses Mal – als er den Umschlag erkannte, den er vor nicht allzu langer Zeit Isaac in die Hand gedrückt hatte. Es dauerte eine Sekunde, bis die Bedeutung dieser Information in sein Bewußtsein einsickerte. In dem Augenblick der Erkenntnis fuhr ein Schock durch seinen Körper. Die Listen waren vergessen. Statt dessen war Gopher auf dem Sprung zu seinem vermutlich ehemals besten Freund.
      Bei der Bar angekommen lehnte er sich auf die Theke und ließ Isaac gerade noch sein Gespräch mit den Gästen zu Ende bringen. Kurz darauf gesellte sich der Barkeeper gut gelaunt an seine Seite. „Hey, Gopher, was geht ab?“
      „Was abgeht wüßte ich gerne von dir!“ Bedeutungsvoll klopfte der Zahlmeister auf den Umschlag in seiner Hand.
      Als Isaacs Blick darauf fiel, entwich ihm das Lächeln.
      „Kannst du mir mal sagen, was mit dem Telegramm passiert ist, nachdem ich es dir anvertraut habe?“ wollte Gopher wissen.
      „Naja, ich habe es dem Doc gegeben, damit ich es nicht vergesse und es hier in der Bar nicht untergeht.“ gestand Isaac verlegen.
      Gopher sah ihn überrascht an. „Das ist interessant! Ich habe es von Julie zurückbekommen!“ Die beiden wechselten einen erstaunten Blick.
      „Dann muß der Doc … Julie …“ resümierte Isaac.
      „Kann man sich denn hier auf gar niemanden mehr verlassen?!“ entfuhr es Gopher ärgerlich. „Dieses Telegramm hätte im letzten Hafen aufgegeben werden müssen!“ erinnerte er wenig amüsiert.
      Isaac lehnte sich bedeutungsvoll vor. „Letzten Endes bist du aber dafür verantwortlich, daß das Telegramm rechtzeitig ankommt, und niemand sonst! Beziehungsweise warst!“
      „Na, du bist ja ein toller Freund!“ Gopher verfiel latent in Panik. „Wie soll ich das denn jetzt dem Captain beibringen?“
      „Am besten indem du ihm die Wahrheit sagst.“ schlug Isaac vor. „Und um dir zu beweisen, was für ein toller Freund ich bin, begleite ich dich, wenn du es dem Captain sagst, und stehe dir bei.“
      Gopher atmete tief durch. Es hatte ein Timbre, das sagte, daß er gerne ganz darauf verzichtet hätte.
      „Ach komm schon, Kopf hoch. Ich habe hier etwas, das wird dir helfen, da bin ich mir ganz sicher.“ Isaac mixte einen Cocktail zusammen und stellte ihn vor Gopher ab. „Eine neue Kreation von mir. Ärztlich getestet!“
      Mißmutig griff Gopher zu dem Glas, während Isaac aufmunternd lächelte. Schon nach dem ersten Schluck folgte ein Hustenanfall, der seinesgleichen suchte.
      „Hm, wohl immer noch zu viel Tabasco …“ sinnierte Isaac für sich.
      Gopher erholte sich gerade leidlich. In einem zumindest behielt Isaac Recht: Auch wenn es unmöglich schien, wahrscheinlich war das Gespräch mit dem Captain tatsächlich nicht so angsteinflößend wie dieses Getränk …

Captain Stubing stand mit dem Rücken zum Raum und sah sich das Bild auf dem aktuellen Kalenderblatt an. Auf den zwei Stühlen vor seinem Schreibtisch saßen wie zwei Schuljungen Gopher und Isaac, und warteten nervös auf das, was passieren würde.
      „Ich bedaure sehr, das sagen zu müssen, aber ich bin wirklich enttäuscht von Ihnen.“ sagte der Captain schließlich ruhig. „Eine so kleine, einfache Aufgabe, und nicht einmal das funktioniert.“
      Gopher hatte seine Mütze abgenommen und drehte sie nervös in seinen Händen. Zumindest blieb der Captain ruhig. Das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen.
      „Können wir das Telegramm nicht einfach im nächsten Hafen aufgeben?“ erkundigte sich Isaac, um seinem Freund zu Hilfe zu eilen.
      „Nein, das können Sie nicht, Mister Washington!“ Die Stimme des Captains klang gepreßt. „Was meinen Sie wohl, warum Zahlmeister Smith den Auftrag bekommen hat, es im letzten Hafen aufzugeben? Meinen Sie, das habe ich nur zum Spaß gesagt?“
      Gopher war die förmliche Benennung mit Posten und Nachnamen Stubings nicht entgangen, die sehr deutlich zum Ausdruck brachte, wie enttäuscht er war. Isaac wich dem Blick des Captains kleinlaut aus. „Nein, natürlich nicht, Sir!“
      „Dieses Telegramm war von Bedeutung, damit wir im nächsten Hafen eine exklusive Geburtstagstorte für einen exklusiven Gast haben! Es sollte etwas besonderes werden, etwas, was es so auf der Pacific Princess nicht gibt. Eine Spezialität, die ich nur aus dieser kleinen Konditorei kenne, die eben jenes Telegramm hätte erhalten sollen!“ Erbost deutete Stubing auf den Umschlag, der nun wieder wohlbehalten bei ihm auf dem Schreibtisch lag.
      Isaac ging in der Zwischenzeit im Geiste die Passagierliste durch. „Sie meinen die Lady Vanessa von Sandern!“
      „Ganz recht! Die meine ich! Und es hätte mich hoch erfreut, wenn ich der Lady zu ihrem 25. Geburtstag hier an Bord etwas spezielles zu bieten gehabt hätte! Leider werden wir es jetzt nicht mehr schaffen! Denn jetzt ist die Zeit zu knapp, um noch irgend etwas in die Wege zu leiten! Herzlichen Glückwunsch, an alle Beteiligten, und insbesondere an Sie, Mister Smith! Wie ich mich darauf verlassen kann, wenn ich Ihnen eine Verantwortung übertrage, habe ich ja jetzt gemerkt!“
      Gopher war unter dem Tadel des Captains unwillkürlich zusammengezuckt. Das hatte er nicht verhindern können.
      Der Captain ging ein paar Schritte ruhig durch den Raum, dann wandte er sich zu dem Zahlmeister um, und seine Stimme war um einige Nuancen schärfer, als er fragte: „Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?!“
      Gopher stand wie automatisiert auf, um mit dem Captain ein wenig mehr auf Augenhöhe zu sein, und sprudelte los: „Captain, ich übernehme die volle Verantwortung für das, was passiert ist! Wenn ich das Schiff verlassen soll, dann packe ich meine Sachen und gehe im nächsten Hafen von Bord. Oder zumindest, wenn diese Kreuzfahrt vorbei ist. Oder allenfalls bis Sie einen neuen Zahlmeister haben.“ Er atmete stockend durch und ergänzte: „Egal wie, ich werde die Konsequenzen tragen, und Ihnen nicht weiter zur Last fallen.“
      „Mister Smith! Wenn das Schiff voll Wasser läuft, springt man nicht ab, sondern holt einen Eimer.“ schrie der Captain ihn förmlich an. „Und wenn man dafür verantwortlich ist, dann holt man zwei! Also, sehen Sie zu, daß Sie den Schaden, den Sie angerichtet haben, wieder in Ordnung bringen! Ich will, daß die Geburtstagsfeier der Lady ein Erfolg wird, der ihr in Erinnerung bleibt! Habe ich mich klar genug ausgedrückt?“
      „Ja, Sir.“ Die Antwort kam so automatisiert wie resigniert, während Gopher geknickt zu Boden blickte.
      „Wegtreten!“
      Demoralisiert verließen Gopher und Isaac das Büro.

Julie fand Gopher und Isaac, als sie auf dem Rand des Pools saßen und niedergeschlagen vor sich hinsahen. „Was ist denn mit euch los?“ erkundigte sie sich erstaunt.
      Gopher sah müde zu ihr auf. „Das Telegramm ist los. Beziehungsweise, es ist nicht los. Das ist das Problem!“
      „Das Telegramm? Aber wieso, wir sind doch noch gar nicht im Hafen.“ wunderte sich die Kreuzfahrtmanagerin.
      „Naja, es hätte aber im letzten Hafen aufgegeben werden sollen.“ erklärte Isaac. „Bei der Gelegenheit, wie bist du da eigentlich rangekommen?“
      „Der Doc hat es mir gegeben.“ Julie machte eine unbestimmte Geste. „Ihm war ein Notfall dazwischen gekommen, und da hat er mich gebeten, daß ich es aufgeben soll. Ich war aber davon ausgegangen, daß der nächste Hafen gemeint ist, da wir ja schon in den letzten eingelaufen waren …“
      Gopher und Isaac stöhnten synchron auf. „Na, hervorragend!“ kommentierte der Zahlmeister schmollend.
      „Was ist denn mit dem Telegramm?“ wollte Julie wissen und setzte sich zu den Jungs.
      „Gopher hat richtig Ärger deswegen bekommen.“ erzählte Isaac und schilderte in kurzen Zügen, was es damit auf sich hatte. „Jetzt soll er die Kohlen aus dem Feuer holen.“
      „Einen Eimer!“ erinnerte Gopher. „Einen Eimer soll ich holen! Das war doch eine typische Kapitäns-Metapher. Immerhin sind wir hier ja nicht auf der Eisenbahn!“ Er warf verzweifelt die Arme in die Luft. „Wie soll ich denn jetzt noch die Situation retten? Wir werden niemals so schnell einen Geburtstagskuchen organisieren können, der den Anforderungen des Captains entspricht!“
      Julie überlegte. „Hm, das stimmt vielleicht. Aber wir könnten selber backen!“
      Zwei ungläubige Blicke wandten sich ihr zu.
      „Ja, warum nicht?“ Die junge Frau war schon Feuer und Flamme. „Dann haben wir selbst in der Hand, was es wird, und der Captain sieht, daß wir mit vollem Einsatz dabei sind, um das beste aus der Situation zu machen. Dann kann er dir gar nicht mehr böse sein!“
      Isaac grinste. „Ja, warum nicht? Dann kannst du Stubings Befehl auch wortwörtlich ausführen, und Eimer mit Mehl und Zucker holen, und so …“
      „Sehr witzig!“ kommentierte Gopher, konnte sich aber ein kleines Lächeln schon nicht mehr verkneifen. Dann fragte er verunsichert: „Meint ihr denn, das könnte wirklich gehen?“
      „Wir können es zumindest probieren!“ beschwor Julie ihn.
      „Aber dann machen wir alle mit!“ bestimmte Isaac. „Auch der Doc! Wir sind alle verantwortlich für das, was passiert ist, also helfen wir jetzt auch alle gemeinschaftlich Gopher aus der Sache heraus!“
      Julie nickte. „Ja.“

Julie hatte die Bordküche für sie organisiert. Jetzt standen Gopher, Isaac, Adam und sie vor dem großen Tisch in der Mitte des Raumes, vor sich eine Packung Mehl, eine Tüte Milch und ein paar Eier.
      „Ein bißchen mehr als ein einfacher Topfkuchen muß es aber schon werden!“ bemerkte Adam.
      Julie studierte bereits ein Kochbuch. „Wie wäre es, wenn wir etwas mit einer Creme machen? So etwas kommt doch immer gut an.“
      „Wenn wir das hinkriegen, ja.“ bemerkte Gopher.
      „Schaut mal, was ich gefunden habe!“ Isaac hatte die Schränke durchstöbert und hielt eine riesige, rechteckige Kuchenplatte hoch.
      „Das sieht schon mal sehr hilfreich aus.“ freute sich Julie.
      Gophers Blick drückte latente Panik aus.
      „Das wird schon!“ beruhigte Julie ihn.
      „Du hast gut reden! Deine Karriere steht nicht auf dem Spiel!“ kommentierte Gopher mißmutig.
      „Ach, jetzt sieh nicht alles so negativ. Wir haben hier eine top ausgestattete Kreuzfahrtschiff-Küche. Die ist auf große Mengen ausgelegt.“ Julie legte das Buch aufgeschlagen in die Mitte. „Was haltet ihr davon?“
      Die vier sahen sich das Rezept mit dem schönen bunten Bild an, welches schon recht imposant wirkte.
      Gopher winkte ab. „Viel zu kompliziert!“
      „Gar nicht kompliziert!“ entgegnete Julie. „Das sind ganz einfache Biskuit-Böden. Die Creme kommt einmal dazwischen, und als Topping obendrauf, deswegen sieht der Kuchen auf dem Bild auch so schön bunt aus.“
      Der Zahlmeister fing ihren Blick ein, und in seinen dunklen Augen lag ein verheißungsvoller Glanz. „Ich sage ja: Viel zu kompliziert!“
      „Ach, kommt, Leute!“ mischte Issac sich ein. „Wir sind zu viert! Wenn wir alle mit anpacken, dann wird das was!“
      Julie schickte ihm einen dankbaren Blick, der den leicht skeptischen des Doctors in den Schatten stellte. „Also, fangen wir an!“
      Gopher und Adam gaben sich geschlagen. Bei dem Enthusiasmus, den die Kreuzfahrtmanagerin und der Barkeeper an den Tag legten, konnten sie nur einen resignierten Blick tauschen.
      Issac hatte bereits eine große Schüssel organisiert. „Also, wir brauchen ja viel Teig. Das heißt, wir müssen nur die Mengen aus diesem Rezept hochrechnen, richtig?“
      „Das klingt nach einem Plan.“ kommentierte Gopher.
      „Sehr gut. Das ist eine Aufgabe für euch zwei.“ bestimmte Julie. „Und ich und der Doc kümmern uns um die Creme!“
      „Was?“ ließ sich Adam aufgeschreckt vernehmen.
      „Das ist nicht schwer.“ behauptete sie. „Dazu müssen wir auch nur die Zutaten zusammenrühren. Wir müssen uns nur entscheiden, es gibt nämlich drei Varianten: Himbeere, Zitrone und Minze.“
      „Ich würde sagen Himbeere!“ empfahl Gopher, der bereits Eier in die Schüssel schlug.
      Isaac beschäftigte sich damit, Mehl und Zucker abzuwiegen.
      „Ihr wißt, daß ihr zwei flache Böden backen müßt, oder?“ erinnerte Julie, als sie ihre Zutaten zusammensuchte.
      „Du kannst auch einen Boden backen und ihn mit einem Faden oder Draht teilen.“ wußte Isaac.
      Julie hielt in der Arbeit inne. „Traut sich das jemand von euch zu?“
      Die vier blickten sich verunsichert an.
      „Wir machen zwei schmale Böden!“ entschied Isaac.
      „Dann paßt auf, daß ihr nicht zu viel von dem Teig in die Form füllt. Der Teig geht noch auf!“ warnte Adam, der bereits Julies Zutaten zusammenrührte.
      Gopher lief aufgeregt durch den Raum. „Das wird nie was. Das wird nie was!“
      „So nicht, das ist richtig!“ kommentierte Adam und nahm die Schüssel mit der Creme, um sie mit dem Mixer aufzuschlagen.
      „Wir müssen es zumindest versuchen!“ pflichtete Isaac bei.
      Gopher hörte schon kaum noch zu. Fix und fertig ließ er sich auf einen Platz fallen und vergrub das Gesicht in den Händen. Das wurde nie etwas, da war er sich sicher. Und dann war er seinen Job los, den er so sehr liebte. Wie hatte das alles aber auch passieren können …?

Isaac stand ratlos am Tisch. Eigentlich hatte alles gut geklappt, sie hatten zwei Kuchenböden und die Creme kühlte im Kühlschrank, aber … „Es ist noch so viel Teig übrig. Ich glaube, wir haben es etwas übertrieben.“
      „Na, besser zu viel als zu wenig!“ behauptete Adam.
      „Ja, aber was machen wir jetzt damit?“ fragte Isaac hilflos.
      Gopher, dem es etwas besser ging, seit die ersten Schritte so gut geklappt hatten, stand mit am Tisch und schaute sich die Lage an. „Das ist die Chance zum Teig naschen! Das haben wir uns auch verdient!“
      „Wenn du den ganzen Teig naschst, wird dir schlecht!“ prophezeite Adam.
      „Mir fällt etwas dazu ein!“ rief Julie plötzlich. „Haben wir von den Kastenformen zufällig noch andere Größen? Dann können wir doch einen Schichtkuchen machen!“
      In Isaacs Augen begann es zu leuchten. „Das ist eine gute Idee!“ Schon war er auf dem Sprung, um nach weiteren Kastenformen zu suchen und fand sie auch wenig später in dem Schrank, in dem er die große From gefunden hatte.
      Gopher war noch nicht ganz davon überzeugt. „Meint ihr, wir kriegen das hin?“
      „Ausprobieren!“ kommentierte Adam lediglich.
      Isaac war schon dabei, die kleinere Form mit Teig zu füllen. Julie stand mit der Creme bereit und wartete auf ihren Einsatz, und so gingen Gopher und Adam ihr dabei zur Hand, den ersten schon fertigen Boden mit der Creme zu bestreichen und den zweiten Boden darauf zu setzen.
      Als Julie die restliche Creme auf dem zweiten Boden verteilt hatte, bemerkte Adam nachdenklich: „Das sieht schon gut aus, mit mehreren Etagen wirkt es aber tatsächlich professioneller.“
      Julie sah derweil in die leere Schüssel in ihren Händen. „Ja, nur, wir haben jetzt keine Creme mehr! Wir müssen noch etwas nachmachen.“
      „Na, darin haben wir doch jetzt schon Übung.“ Da fiel Adam etwas ein. „Dann können wir ja doch noch die Zitronencreme machen!“
      „Ja!“ Plötzlich wurde auch Julie ganz aufgeregt. „Wenn wir drei Schichten machen, dann können wir sogar alle drei Varianten machen!“ Sie schob Gopher das Buch zu. „Du kümmerst dich um die Minzcreme. Nimm dafür am besten die halbe Menge, dafür haben wir nachher die kleinste Form. Und ich mache die Zitronencreme!“
      Adam konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. „Im Kommandieren ist unsere Julie echt gut, was?“
      Auch Gopher konnte nicht anders als zu schmunzeln. Jetzt, wo das Projekt so langsam Form annahm, kam auch in ihn wieder mehr Elan. Wenn jetzt nur alles gut ging, vielleicht wurde dann doch alles gar nicht so schlimm …

Die vier Verschwörer standen vor der fertigen Torte und staunten selbst. Die dreistöckige Torte mit den drei verschiedenfarbigen Etagen hätte von einem Konditor nicht besser erstellt werden können. Julie gab ihr mit Sahne, Schokodekor und Zuckerschrift den letzten Schliff. Dann war das Meisterwerk fertig.
      „Ich finde, wir haben uns selbst übertroffen!“ freute sich Isaac.
      „Hoffentlich sieht der Captain das genauso!“ bemerkte Gopher, noch etwas verunsichert.
      „Bestimmt!“ Julie lächelte verzückt.
      „Wir haben unser bestes gegeben.“ brachte Adam es auf den Punkt. „Mehr können wir jetzt nicht mehr tun.“
      Trotz des Zuspruchs seiner Freunde wirkte Gopher noch etwas nervös. Es behagte ihm nicht, daß seine Karriere jetzt an einer Torte hing.
      Und Captain Stubing? Nachdem die Torte ihren Weg vom Kühlraum auf den Geburtstagstisch der Lady gefunden hatte, war von dem Ärger nichts mehr geblieben. Jedem, der es wissen wollte, erzählte er stolz, daß es sich um eine Pacific Princess Eigenkreation handelte, die von seinem besten Team ausgearbeitet worden war, wobei er mit breitem Lächeln auf die vier Zufallskonditoren deutete, die an einer Seite des Tisches standen, und das Spektakel mit Stolz und Erleichterung beobachteten.
      Isaac lehnte sich zu Gopher herüber und meinte leise: „Ich hoffe nur, daß wir jetzt nicht jedes Mal dazu verpflichtet werden Torten zu backen, wenn es einen besonderen Anlaß gibt.“
      Gopher entglitt automatisch etwas das Lächeln. „Das hoffe ich auch. Und eines verspreche ich dir: Dafür werde ich das nächste Mal ganz genau darauf achten, daß jedes Telegramm rechtzeitig aufgegeben wird, darauf kannst du dich verlassen!“





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Mal wieder ein Fandom, das ich nicht kenne, und obwohl ich die Charaktere nicht kenne, haben mir Leelas Beschreibungen gereicht, um zumindest die Zusammenhänge zwischen den vorkommenden Charakteren zu erkennen.
Mit viel Humor hat sie diese Geschichte erzählt. Ich musste öfters mal grinsen.

Eure lula-chan
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