Videospiele und Sensenmänner

von Muas
OneshotHumor / P12
Matt Shidoh
04.03.2020
04.03.2020
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Äh, ja, hallo. :'D Ich habe mal einen Oneshot ausgekackt, ich hoffe er gefällt euch. Zu den beiden gibt es deffinitiv zu wenig Content.
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»Sag mal, ist das wirklich so spannend, was du da spielst?«
   Matt schmunzelte und blies eine kleine Wolke Rauch aus seinem Mundwinkel. Die Gestalt hinter ihm, die so massig wie ein Schrank war beugte sich näher zu dem kleinen Bildschirm der Spielkonsole, als würde sie erwarten darin eine geheime Nachricht entziffern zu können.
   Der Junge tippte währenddessen das abgebrannte Ende seiner Zigarette an einer leeren Frittenschachtel ab, bevor er sich sogleich etwas Neues zum Rauchen anzündete. »Ach, is' so la la. Teil 1 und 2 waren besser. Aber ich hab mir nun mal vorgenommen die ganze Reihe zu spielen.«
   Der Todesgott, der ihm so intensiv über die Schulter geguckt hatte, wandte jetzt seine Schlangenartigen Augen zu Matt selbst. Dieser schien sich an Sidohs Nachforschungen eher weniger zu stören. Schon fast wirkte es als würde er ihn einfach ignorieren. Was für Außenstehende ein ziemlich bizarrer Anblick sein musste, denn wenn man den neugierigen Todesgott, dessen Gestalt direkt aus einem Alptraum entsprungen zu sein schien, neben dem unbesorgten Matt sah, könnte man denken, dass sich in dem Raum gerade ein Horrorfilm abspielte.
Doch Matt wusste mit großer Sicherheit, dass Sidoh trotz seines Aussehens und der übernatürlichen Kräfte, harmlos war.

   »Also ... das kann ich jetzt nicht wirklich nachvollziehen. Ich habe aus der Welt der Shinigamis schon oft beobachtet, wie junge Menschen den ganzen Tag an der Konsole sitzen und das sogar Wochen- oder Monatelang. Und teilweise haben sie auch noch die ganze Zeit das gleiche Spiel gespielt!«
   »Is' das in eurer Welt nicht genau so?«, nuschelte Matt, der seine Zigarette zwischen die Lippen geklemmt hatte. »Da zockt ihr doch auch den liebenlangen Tag, oder nicht?«
   Sidoh fuhr etwas zurück, als hätten Matts Worte ihn gerade empört. »A-Aber das ist doch was ganz anderes. Wir Todesgötter haben außer Namenaufschreiben und Schlafen nicht wirklich was zu tun. Wir spielen nicht aus Fanatismus oder Leidenschaft, sondern lediglich um Zeit tot zu schlagen.«
   Schon fast wirkte es tatsächlich so, als ob dieses Thema einen wunden Punkt in Sidoh getroffen hätte. Er wusste, dass es sich nicht lohnte sich über diese Dinge aufzuregen. Vor allem nicht noch mit Matt darüber zu diskutieren, der scheinbar die Welt eh mit einem bloßen Schulterzucken hinnahm.  
   »Außerdem haben mich diese Glücksspielchen eh nie wirklich gepackt. Einfach nur öder Zeitvertreib ist das, wenn du mich fragst.«
   In diesem Moment musste Matt auflachen. »Gib's zu, Sportsfreund, du hast die ganze Zeit nur verloren, stimmt's?«
   »Hab ich gar nicht!«
   Doch Sidohs plötzliche Abwehrreaktion brachte den jungen Mann nur noch mehr zum Lachen, sodass der stickige, runtergekommene Raum in Sekundentakt noch stickiger wurde als die kleinen Rauchwolken nur so aus Matts Rachen gesprudelt kamen. Glücklicherweise machte das dem Todesgott, der höchst wahrscheinlich eh keine funktionierende Lunge besaß, nur sehr wenig aus.
   »Manchmal verstehe ich euch Menschen wirklich nicht.», Sidoh ließ ein genervt anmaßendes Stöhnen raus, nachdem sich sein Zimmergenosse endlich beruhigt hatte und ungestört weiter an seiner kleinen Konsole spielte, als hätte das vergangene Gespräch nie stattgefunden. «Da habt ihr doch schon so viele Möglichkeiten auf der Erde und trotzdem entscheidet ihr euch Zuhause rumzuhocken und euch in fiktive Welten zu verkriechen. Findest du das nicht seltsam?«
   »Schon ironisch, was?«, entgegnete der Angesprochene mit einem Schmunzeln. In seinem Blick, der durch die gefärbten Gläser seiner Fliegerbrille kaum zu erkennen war, lag jedoch auch Hauch von unergründlicher Traurigkeit. Sie war ganz plötzlich aufgetaucht und auch ohne Brille hätte man sie dem Jungen wahrscheinlich nicht einmal angesehen. Und das schon gar nicht von dem Todesgott Sidoh, der von menschlichen Emotionen so viel verstand wie ein Fisch vom Klettern.

   »Ich schätze, wir Menschen sind einfach nur große Feiglinge. Wir fürchten uns vor der Welt, die wir selber erschaffen hab'n und kommen deshalb nich' mit ihr zurecht. Vor Regeln, die wir uns aufgestellt hab'n. Vor Erwartungen, mit denen wir aufgewachsen sind. Vielleicht auch einfach vor uns selbst und dem wozu wir fähig, oder besser gesagt, nich' fähig sind.«
   Matt nahm die Zigarette aus dem Mund, hob sie gegen das schwach schimmernde Licht der Deckenlampe und drehte sie ein paar Mal zwischen seinen Fingern. Einige abgebrannte Stückchen fielen ihm auf den Bildschirm der Konsole und wurden sogleich von seinem Atemstoß auf den Boden gepustet.
   »Weißte', Kumpel, wenn ich's mir so recht überlege, dann wär' mir so'n Dasein als Shinigami gar nicht mal so unrecht ...«, die Traurigkeit aus Matts Blick war mit einem Mal verschwunden und auch das Gewicht seiner Worte, die er so eben ausgesprochen hatte, schien ihn nicht mehr zu berühren. »Den ganzen Tag Schlafen und mit seinen Monsterkumpeln ein paar Runden zocken. Keine Pflichten oder Arbeiten, niemand der dir an den Kragen will. Das klingt doch nach 'nem Träumchen.«
   Sidoh sah ihn wieder mit diesem stumm verwunderten, aber dennoch irgendwie faszinierten Blick an, als würde er selbst nicht so richtig wissen, was er über diesen Menschen denken sollte.
   »Ach, glaub mir, so toll wie du das beschreibst ist es gar nicht. Schlafen und Glückspiele werden nach Hunderten von Jahren auch irgendwann öde ...«
   »Sicher, dass es bei euch keine hübschen Shinigami-Damen gibt, mit denen man sich vergnügen kann?«, fragte Matt nun mit verschlagenem Grinsen.
   Sidoh machte einen empörten Satz zurück. »I-Ich habe es dir doch schon mal erklärt. Bei uns Shinigamis ist das nicht so wie bei euch!«
   »Ist nicht was so, he?«
   »N-Na ja, a-also ... die S-Sache mit den ä-ähm, Frauen und ... a-also, dem V-Vergnügen ...«
   Wäre Sidohs Kopf nicht von allen Seiten mit Bandagen umringt, dann hätte Matt jetzt mit größter Genugtuung zusehen können, wie das Gesicht des Todesgottes hochrot anlaufen würde. Aber so machte es auch Spaß.
   »W-Wie gesagt!«, räusperte sich der Shinigami laut und stellte sich mit erhobener Brust aufrecht hin. Als ob das irgendwen beeindrucken könnte. »Solche Sachen sind für uns nicht von Bedeutung!«
   »Ach, dann habt ihr in der Shinigami-Welt diese hier gar nicht?!«, Matt hielt Sidoh plötzlich ein aufgeschlagenes Heftchen hin, auf dessen Cover sich eine minimal bekleidete Frau zwischen bunten Laken rekelte.
   »Matt, du Rüpel!«, sofort sprang der Todesgott ein gutes Stück nach hinten und hielt sich verzweifelt die Krallenartigen Hände vors Gesicht. »Pack das sofort wieder weg, du Schwein! Wie kannst du damit einfach so ungeniert herumfuchteln?!«
   Doch anstatt auf den Shinigami zu hören, ließ Matt nur ein weiteres lautes Lachen erklingen. Noch vor einigen Tagen hätte er sich nicht vorstellen können, dass man so viel Spaß mit den wahrhaftigen Göttern des Todes haben konnte. Mal ganz davon abzusehen, sie so genüsslich ärgern zu können.
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