London Stories

GeschichteDrama, Romanze / P18
Undertaker
02.03.2020
16.09.2020
14
49.939
9
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Dieses Kapitel
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16.09.2020 3.637
 
Soooo, ich melde mich aus meinem Urlaub zurück mi einem neuen Kapitel.
Was habt ihr die zwei Wochen so schönes gemacht?

Mein Freund und ich hatten spontan mit ein paar anderen Leuten ein Black Butler Fotoshooting :O
Er als Undertaker und ich als Grell^^
Fotos könnt ihr bei Instagram unter ariella_cos  anschauen
Es hat soooo viel Spaß gemacht <3

So und nun geht es weiter im Text, letztes Kapitel, ein Epilog wird aber dann och folgen :)

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Mir war kalt. Keine Ahnung, wie lange ich bereits auf dieser vermaledeiten Pritsche lag, ich hatte in diesem dunklen Verließ jegliches Zeigefühl verloren. Durch die feuchte Kälte in dem Raum und dass ich nur eine dünne Decke sowie mein Kleid anhatte, plagten mich seit geraumer Zeit Halsschmerzen und ein fieser Husten. Immer wieder wechselte ich zwischen Hitzeschüben und Zittern vor Kälte. Dass ich das letzte Mal so erkältet hatte, war schon eine Ewigkeit her. Erschöpft schaute ich auf das Tablett, was am Eingang neben der Tür auf dem Boden stand. Trocken Brot und eine wässrige Suppe. Da ich eh keinen Appetit hatte ignorierte ich das Essen einfach und drehte mich auf der Liege um. Die Decke enger um mich schlingend döste ich weiter vor mich hin und dachte an bessere Zeiten.

Der Tag, an dem ich Undertaker kennengelernt hatte, kam mir in den Sinn. Wie er die verschlungenen Wege zwischen den Gräbern getänzelt ist und dabei fast schon liebevoll über die Grabsteine mit den Fingern strich. Das silberne Haar glänzte in der Sonne wie flüssiges Silber und gab einen extremen Kontrast zu seinen schwarzen Sachen. Das schrille Lachen von Undertaker drang mir durch mein Gedächtnis, als ich wegen ihn in das Grab gefallen bin. Dieses unverkennbare Gelächter, dass er kaum unter Kontrolle hatte. Ich spürte regelrecht die warmen Sonnenstrahlen, die ich an jenen Tag auf der Bank auf seinem Friedhof genossen hatte. Warme flirrende Luft und Undertakers unverkennbarer Geruch nach Erde und Tannengrün. Ich würde alles geben, um noch einmal mit ihm auf dieser Bank zu sitzen und ihn in seine schönen grünen Augen zu sehen. Die Leichtigkeit, die ich an diesem Tag gespürt hatte, tat mir sehr gut. Ich hatte mich damals in meiner Arbeit vergraben und lebte nur noch für sie. Der skurrile Bestatter hatte mich mit seiner verschrobenen Art immer wieder zum Lachen gebracht und mir somit geholfen, viel lockerer zu werden.

Zwar hatte mir die Beziehung zu Undertaker einige Probleme bereitet, ganz zu schweigen von der Entführungssache, aber ich war dennoch froh, ihn kennen gelernt zu haben. Kurz stockte ich. Führten wir eigentlich eine Beziehung? Wir hatten nicht mal die Chance, uns richtig auszusprechen. Nach der ganzen Aufregung und dieser wunderbaren Nacht war er ja bereits verschwunden. Ich seufzte laut auf. Eigentlich spielte das keine Rolle mehr. Wir hatten eine wundervolle Nacht zusammen. Er hatte mir seine Gefühle offengelegt. An sich konnte ich mich, was das anging, nicht beschweren. Auch, dass mir der Tod drohte beunruhigte mich merkwürdigerweise weniger, als es eigentlich sollte. Irgendwie war es…. In Ordnung für mich. Ich konnte mich relativ leicht damit abfinden. Nur Undertaker, er sollte leben. Ich wollte nicht, dass er wegen meiner Dummheit sterben musste. Ich hätte ihn damals nicht bedrängen dürfen. Warum musste ich ihm unbedingt meine Gefühle aufhalsen? Hatte er nicht anfangs mir nicht deutlich gemacht, dass er keine romantische Beziehung wollte? Hätte ich mich nur mit Freundschaft begnügt, dann würden wir nicht in dieser Situation stecken. Ich kringelte mich auf meiner Liege noch mehr zusammen, während ich mir immer mehr Vorwürfe machte. Es war meine Schuld, ich hätte auf ihn hören sollen. Doch nun war es zu spät. Ob es noch eine Möglichkeit gab, wenigstens ihn zu retten? Was könnte ich bei meiner Anhörung, die weiß Gott wann stattfinden würde, sagen, damit Undertaker freigesprochen werden würde? Mein Hirn ratterte auf Hochtouren, doch egal, welche Geschichte ich mir aus der Nase zog, alles klang irgendwie unglaubwürdig. Dennoch musste ich es versuchen, Undertaker durfte nicht hingerichtet werden.

Mit diesen Gedanken dämmerte ich langsam wieder weg.



Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen hatte, doch als ich durch das Quietschen der Tür geweckt wurde, fühlte ich mich wie überfahren. Schwerfällig setzte ich mich auf, als mich ein heftiger Hustenanfall durchrüttelte. Mit tränenden Augen, da mein Hals sich wie ein Reibeisen anfühlte, blinzelte ich dem Störenfried entgegen. Augenscheinlich war der Mann vor mir, wie sollte es auch anders sein, ebenfalls ein Schnitter. Seine grünen Augen sowie die schwarz umrahmte Brille zeigten es deutlich. Er trug einen schwarzen klassischen Anzug und nach hinten gegelte schwarze Haare. Kurz warf er einen prüfenden Blick in die Unterlagen, die er vor sich geöffnet in der Hand hielt, ehe er sich mit kühlem Ausdruck mir zuwendete. „Ihre Verhandlung beginnt in Kürze, bitte folgen Sie mir.“ Ohne auf meine Antwort zu warten drehte er sich auf dem Absatz herum und verließ den Raum. Mit wackeligen Beinen folgte ich ihn und betrat den Flur. Es kam mir wie vor einer Ewigkeit vor, dass ich hierhergeführt wurde. Wie viele Tage wohl seitdem vergangen sind?

Entnervt schnalzte der mir unbekannte Shinigami mit der Zunge und ging wieder mit forschen Schritten voran. Um ehrlich zu sein, machte ich mir aber nicht die Mühe ihm hinterher zu eilen, durch meine Erkältung bekam ich kaum Luft und das schnelle Laufen um mit ihm Schritt zu halten würde nicht gerade förderlich sein. Also musste Mister „Ich-bin-total-unter-Zeitdruck-und-genervt“ immer wieder auf mich warten, weswegen er mich mit seinen grünen Augen zu erdolchen versuchte, jedoch nichts sagte. Daher begnügte ich mich damit, mich darauf zu konzentrieren, nicht wieder einen Hustenanfall zu bekommen und folgte ihm stumm wieder durch die langen Gänge bis wir an einen Fahrstuhl gelangten. Nachdem sich die Türen geräuschvoll öffneten und mein Begleiter die Knöpfe betätigte, fuhren wir in einem gemächlichen Tempo nach oben. Auch dies ging dem Mann neben mir anscheinend nicht schnell genug. Immer wieder warf er einen prüfenden Blick auf seine Armbanduhr und tippte ungeduldig mit der Schuhspitze auf den Boden. Wie konnte man nur so unter Strom stehen? Tief einatmend rieb ich mir die nackten Arme, die durch die Zeit im Kerker eiskalt waren. Langsam bekam ich auch wieder ein Gefühl in den Fingern und Zehen.  Nachdem ein leises >>Bing<< ertönte, öffneten sich die Fahrstuhltüren und wir traten hinaus auf den Gang. Einige Meter weiter blieb mein Begleiter vor einer Tür stehen und öffnete diese schwungvoll. „Nehmen Sie bitte im Warteraum Platz. Hier befindet sich auch ein Waschbecken, da können Sie sich ein wenig frisch machen“ Mit einem abschätzigen Blick musterte er mich und schon wurde die Tür hinter mir geschlossen, nachdem ich in den Raum eingetreten war. „Wirklich sehr freundlich. Was kann ich denn dafür, dass man mich tagelang in so ein Loch einsperrt und mir weder Wechselsachen noch eine Dusche anbietet. Eingebildeter Mistkerl.“ Leise vor mich hin schimpfend steuerte ich das Waschbecken an und wagte einen Blick in den Spiegel. Ich war sehr bleich, meine Augen und Nase gerötet, von den tiefen Augenringen ganz zu schweigen. Mein Make Up hatte ich bereits einfach an der Bettdecke in meinem Kerker abgewischt. Nach den ganzen Tagen wäre davon eh nicht mehr viel übrig gewesen. Seufzend wusch ich mir mein Gesicht in der Hoffnung, so etwas frischer auszusehen. Nach einem kurzen Blick über die Schulter, wobei ich feststellte, dass der Raum noch immer vollkommen leer war, verteilte ich etwas Seife auf meinen Handinnenflächen und begann notdürftig eine Katzenwäsche am Waschbecken. Eigentlich war ich ein ziemlich reinlicher Mensch und hasste es, wenn ich mich nicht regelmäßig Waschen konnte. Ich fühlte mich dann immer so unwohl. Nachdem ich fertig war kämmte ich meine Haare mit den Fingern durch, aber es half nichts. Sie standen strähnig in alle Richtungen. Ich schaute mich im Raum um und konnte auf einem kleinen Tisch Kulis und Bleistiften ausmachen. Kurzerhand griff ich nach zwei der Bleistifte und ging wieder zum Spiegel. Mit zittrigen Fingen drehte ich mir die Haare so gut es ging ein und steckte den Haarknoten provisorisch mit den Stiften fest. Kurz begutachtete ich mein Werk, immerhin sah ich nicht mehr ganz so runtergekommen aus.

Ich hatte mich gerade hingesetzt, als die Tür schwungvoll aufgestoßen wurde. Wieder kam der Mann von vorhin herein und bedeutete mir, ihm zu folgen. Schweigen lief ich mit ein paar Schritten Abstand hinter ihm her. Nach kurzer Zeit bleib er wieder vor einer doppelflügeligen Tür stehen, ehe er klopfte, danach trat er ein.

Ich hatte irgendwie einen großen Saal mit diversen Schaulustigen, die auf Rängen auf mich herabsehen, gerechnet. Doch der Raum, den ich betrat, war ein einfaches Büro. Am Schreibtisch vor mir saß ein älterer Mann mit akkurat geschnittenem grau melierten Haar. Seine Brille saß weit vorne auf der Nase, während seine grünen Augen über den Brillenrand mich genau verfolgten. Rechts neben ihm stand ein jüngerer Mann mit schwarzen kurz geschnittenem Haar im Anzug, welcher Unterlagen durchblätterte. Der Shinigami, der mich hierhergeführt hatte, gesellte sich auf die linke Seite an einem kleineren Schreibtisch, auf dem eine Schreibmaschine stand und setzte sich wortlos hin. Mit einem kurzen Nicken an den Ältesten wandte er sich der Tastatur zu und begann zu tippen, sobald der Wortführer anfing zu sprechen. „Nun, Sie sind ein normaler Mensch wohnhaft in London.“ Begann dieser, nachdem er die Unterlagen, die der Schnitter zu seiner Rechten ihm reichte, kurz überflogen hatte. Ich nickte knapp, als er mir einen Blick zuwarf. „Sie wissen, was wir sind?“ wieder nickte ich. „Und Ihnen ist bekannt, was mit Menschen, die hierherkommen, geschieht?“ noch einmal nickte ich. „Können Sie mir erklären, was Sie hier zu suchen haben?“ Sein Blick lag streng auf mir. Ich atmete tief ein, um mich zu sammeln. „Ich habe einen bestimmten Shinigami verfolgt.“ Meine Stimme kratzte furchtbar im Hals und ich hustete kurz auf. „Uns ist bekannt, dass Sie unerlaubter Weise eine Beziehung mit einem Shinigami führen.“ „Nein“ widersprach ich sofort „so ist das nicht“ setzte ich nach, als ich seinen harten Blick sah. „Und wie ist es dann?“ „Ich habe ihn durch Zufall während seiner Arbeit kennen gelernt. Und seitdem verfolgt, weil ich ihn so interessant fand.“ Versuchte ich meine Stalkergeschichte zu beginnen, die ich mir während meiner Gefangenschaft zurechtgelegt hatte. Kurzes Schnauben von dem Mann an der Schreibmaschine. „Und wie haben Sie dann bitte herausgefunden, dass er ein Shinigami ist? Hat er ihnen das nicht aus freien Stücken erzählt?“ Ich schüttelte hektisch den Kopf. „Nein, als ich ihn den einen Abend verfolgt habe, habe ich gesehen, wie er übernatürliche Kräfte benutzt. Er kam mir vorher schon sonderbar vor, aber nachdem ich das gesehen hatte, war ich mir sicher, dass er kein normaler Mensch war.“ Meine Geschichte war eher vage, aber ich hoffte dennoch, dass man sie mir abkaufte. „Denken Sie wirklich, dass wir Ihnen diese Geschichte glauben?“ poltere der rechte Shinigami los, sodass ich erschrocken zusammenzuckte. Der Ältere hob jedoch die Hand und brachte diesen somit zum Schweigen. „Es spielt eigentlich keine Rolle. Ihr ist anscheinend bewusst, dass sie um ihre Strafe nicht drum herumkommt.“ Sein Blick wanderte wieder zu mir „Nicht wahr? Du weißt, dass du sterben wirst.“ Meine Zunge wurde ganz schwer und ich seufzte, ehe ich nickte. „Sie hat es von Anfang an akzeptiert. Eine andere Entscheidung hätte es eh nicht gegeben.“ Nur mit Not konnte ich mir nun ein Schnauben verkneifen. Mir war schon klar, dass die ganze Anhörung eigentlich nur eine Farce war.

„Was den Shinigami angeht. Er hat ohnehin noch einen offenen Prozess wegen Hochverrat, sodass seine Strafe so oder so der Tod sein wird. Los, bringt sie zu Jaroth, er hat schon alles für die Hinrichtung vorbereitet“ Erschrocken sprang ich von meinem Platz auf „Das können Sie nicht machen. Er ist unschuldig! Er wollte doch nur…“

Mit einem furchtbaren Lärm splitterte die Tür auf. Ich konnte mich gerade so vor den Bruchstücken in Sicherheit bringen und drehte mich zu dem Eindringling um. In der Tür stand, von Staubwolken rumwirbelt, eine große Gestalt vollkommen in Schwarz gekleidet. Der lange Mantel schwang noch leicht durch die Bewegung mit und das lange silberne Haar tanzte umher. Seine Gewaltige Sense hielt er lässig über seine Schulter gelehnt. „Undertaker!“ erleichtert stürzte ich in seine Richtung. Ihm ging es gut, er lebte.  Der Bestatter hielt mir sanft lächelnd die Hand entgegen und zog mich an seinen Körper, sobald ich sie ergriffen hatte.

Sofort drückte ich mich fest an ihn. Ich war so froh. Schon wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen, da Undertaker mit schnellen und eleganten Sprüngen Das Büro verlies. Ich selbst sah überhaupt nicht, wo lang wir flüchteten, ich hatte nur Augen für den weißhaarigen Shinigami.













Heute würde der Tag der Anhörung sein, ihre Hinrichtung. Nervös trommelte Undertaker auf dem Holz von Grells Schreibtisch herum. Vor wenigen Minuten haben er und Grell die zwei Wachen vor seinem Krankenzimmer überwältigt und sich nun in Grells Büro zurückgezogen. Es würde nicht lange dauern, dann würde man sein Verschwinden bemerken. Derzeit saßen wohl alle in Ihren Büros und waren in Papierkram vertieft. Glücklicherweise legten die Schnitter hier einen großen Wert auf Pünktlichkeit, sodass er und der rote Shinigami sich einen perfekt ausgeklügelten Plan zurechtgelegt hatten, basierend auf den Tagesabläufen der Anderen. Grell war derzeit noch in der Sensenwerkstatt, um seine modifizierte Kettensäge zu holen. Den Antrag hierauf hatte er noch schnell vor drei Tagen eingereicht. Der Bestatter war dankbar, dass der schrille Schnitter sich ohne zu zögern auf seine Seite gestellt hatte. Auch wenn das den Hochverrat für Grell bedeuten würde und dieser somit ebenfalls zum Geächteten werden würde. Ein prüfender Blick auf die Wanduhr und Undertaker richtete sich langsam auf und verließ das Büro. Es war an der Zeit, Grell müsste bereits auch auf dem Weg zum Treffpunkt sein.  

Gemächlich schlenderte er unbehelligt durch die Gänge, es war gerade keine Schnitter-Seele auf den Fluren zu sehen, bis er vor dem Büro stand, in dem die Anhörung gerade durchgeführt wurde. Leise Stimmen vernahm er durch das massive Holz, ehe er seine als Sotoba getarnte Sense aus dem Mantel zog. Er holte aus, noch während des Schwungs verwandelte sich das Sotoba in eine riesige Sense mit Skelett als Griff, schon splitterte die Tür und flog krachend auf. Verdutzte und ungläubige Blicke wurden ihm daraufhin zugeworfen. Der Staub wirbelte durch den Raum, doch er konnte die roten Haare von Joulietta ausmachen. Ihre müden Augen funkelten auf, als sie ihn erkannte, dann stürzte sie erleichtert seinen Namen ausrufend in seine Umarmung. Sie sah krank aus, ihre Haut fast so bleich wie die seiner Kunden und auch ihre heisere Stimme machte ihm Sorgen. Wie wurde sie die letzten Tage nur behandelt, damit sie sich ihn solch einem Zustand befand? Wut steig in ihm auf, doch er schluckte sie herunter.

Kurzerhand wandte sich der Weißhaarige dann um und verschwand mit unmenschlicher Geschwindigkeit. Noch von früher kannte er die Gänge, auch jene, die selten genutzt wurden, so kamen sie in wenigen Minuten an einem Seitenausgang heraus. Sofort wurden sie von Grell begrüßt, der Joulietta nun mit einem Arm stützte, in der anderen Hand wedelte er fröhlich mit seiner neuen Sense herum. Behutsam zog Undertaker seinen Mantel aus und legte ihm um die zitternde Gestalt der Tätowiererin. „Wir müssen bis rüber zum Waldrand, dort habe ich ein Portal geöffnet.“ Meinte Grell nun mit ernster Miene, während sie schon losliefen. Sie waren noch nicht weit gekommen, da schwang der Bestatter seine Sense durch die Luft und parierte einen Angriff einer als Astschere getarnten Deathscythe. Natürlich wurden sofort Shinigamis auf sie angesetzt, er hatte nichts Anderes erwartet. „Grell geh du mit ihr vor. Ich kümmere mich um unsere Verfolger. Hihi.“ Ein gehässiges Grinsen hatte sich über das Gesicht des Bestatters gezogen, ehe er sich den drei Shinigamis zuwendete.

Der Kampf dauerte nicht lange, war aber heftig. Fast schon wie in alten Zeiten wirbelte der Weißhaarige Schnitter durch die Luft und zeigte seinen jüngeren Kollegen, warum er eine Legende in ihrer Welt war. Er warf einen kurzen Blick zu den Schnittern, die man ihm als Verfolger auf den Hals gehetzt hatte. Ihre Sachen waren mit Blut getränkt und ihre Blicke gingen starr zum Himmel. Sie waren definitiv talentiert gewesen. „Wirklich Schade um so vielversprechende junge Schnitter, aber ich kann euch nicht erlauben euch zwischen Joulietta und mich zu stellen.“ Schon wandte er sich ab und stürmte Grell und seiner Liebsten nach. Am Waldrand angekommen entdeckte er Grell, der der jungen Frau gerade beruhigend über den Rücken streichelte, während sie von Hustenanfällen durchgeschüttelt wurde.

Der Weißhaarige runzelte die Stirn. Ihre gesundheitliche Verfassung besorgte ihn sehr. Dennoch mussten sie zuerst von hier verschwinden. „Grell, können wir? Wir müssen hier so schnell wie möglich weg, bevor die Verstärkung uns aufspürt.“ Grell richtete sich auf und aktivierte mit schnellen Handgriffen das Portal. „Ich habe schon alles vorbereitet, Herzchen.“ Er zwinkerte dem Bestatter zu und grinste breit.

Noch bevor die beiden Shinigamis auch nur den kleinen Finger rühren konnten schrie Joulietta Undertakers Namen und stieß ihn zur Seite. Wann sie überhaupt aufgesprungen war, konnte der Schnitter nicht sagen. Aus dem Augenwinkel konnte er Jaroth erkennen, der seine Sense, die ihn verfehlt hatte, zurückzog. Ein Veteran, ebenfalls wie er selbst. Er war auch als Henker der Shinigami bekannt. Diesem Kampf wollte Undertaker unbedingt aus dem Weg gehen, Jartoh war gefährlich. Die junge Frau und Grell greifend sprang er daher durch das Portal. Glücklicherweise schaltete Grell ebenso schnell und schloss das Portal, sobald sie es durchquert hatten. „Undertaker, bist du verletzt?“ drang die heisere Stimme seiner Geliebten zu ihm durch. Er schüttelte daraufhin den Kopf „Dank dir nicht.“ Sie lächelte ihn glücklich an. „Ein Glück, ich bin so froh…“ Der weißhaarige Bestatter drückte ihren zitternden Körper an sich, ehe er sich wieder Grell zuwendete. „Bekommst du noch ein zweites Portal hin? Wenn Jaroth uns findet, haben wir ein Problem. Am Besten wir verschwinden vorerst aus England und somit aus seinen Aufgabenbereich." Nachdem ein neues Portal geöffnet wurde und Grell hindurchgeschlüpft war, griff er nach der kalten Hand der rothaarigen Tätowiererin. Doch sie hielt ihn zurück. „Joulie, ich weiß, du bist hier in London zu Hause…aber wir müssen sofort weiter. Mit Jaroth ist nicht zu spaßen…“ wieder drehte er sich zu ihr um und erstarrte. Joulietta war in die Knie gegangen und keuchte. „Joulie…was ist…?“ Erst jetzt viel ihm auf, dass rote Flüssigkeit auf das Gras unter ihren Füßen tropfte. Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als er mit zitternden Fingern den Mantel, den er um sie gelegt hatte, zur Seite schob. Ein großes Loch klaffte in ihrem Bauch. Jaroth Angriff ging dem Bestatter sofort durch den Kopf, sie hatte sich vor ihn geworfen um ihn zu schützen. Warum war ihm das nicht aufgefallen? Warum hatte sie nicht gesagt, dass sie verletzt war? Er hatte keine Zeit zu verlieren. Vorsichtig hob er die kleine Gestalt im Brautstil hoch und verschwand durch das Portal. Sachte bekam er am anderen Ende auf einem Gras bewachsenen Hügel festen Boden unter die Füße. Behutsam setzte er die Verletzte ab. Ihr Blick war ganz glasig geworden. Dennoch lächelte sie ihm glücklich entgegen. „Grell, wir müssen unbedingt ihre Wunde verarzten.“ Verzweifelt drückte er seinen Mantel auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen. Besorgt hatte sich Grell über sie gebeugt. „Undertaker…du weißt, dass man nur an einem Ort Wunden einer Todessense behandeln kann…“ Setzte er leise an. „Wir können nicht zurück, die bringen sie um!“ fauchte der Weißhaarige Grell sofort an, sodass dieser den Kopf einzog.

„Nein. Nein. Nicht jetzt. Nicht so. Wir sind doch gerade erst wieder vereint. Joulie, du musst kämpfen.“ Murmelte der Bestatter ihr leise zu. Zitternd hob Joulietta ihre Hand an sein Gesicht und fuhr seiner Kinnlinie lang. „Weißt du noch an dem Tag, wo wir uns auf dem Friedhof getroffen haben?“ setzte sie ebenso leise an. Undertaker schaute ihr verwirrt in die Augen. Ihr Blick verriet, dass sie gerade ganz wo anders war. „Ich dachte >Was für ein unheimlicher Freak<.“ Leise kicherte sie, auch dem Bestatter huschte ein Lächeln über das Gesicht. „An dem Tag hast du Licht in mein Leben gebracht, Undertaker. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich noch einmal so sehr in jemanden verlieben könnte.“ Ihr Blick traf nun wieder seinen. Mit jedem Atemzug, den sie tat merkte der Todesgott, dass sich ihre Seele immer weiter von ihnen entfernte. „Ich danke dir und ich bin froh, dass ich dich noch einmal sehen konnte. Nun weiß ich, dass du in Sicherheit bist.“ Seine Stirn landete auf ihrer „Und wir werden noch viele Jahre miteinander verbringen. Ich lasse nicht zu, dass du stirbst. Ein Leben ohne dich hat für mich keine Bedeutung mehr, Joulie.“ Seine Stimme war ganz heiser. Sein Blick verschwamm immer mehr, irritiert beobachtete er, wie die Frau in seinen Armen etwas auf seiner Wange wegwischte. Ihre Finger waren auf einmal ganz nass. „Nicht weinen.“ Er weinte? Konnte er das überhaupt? Hatte er denn überhaupt schon einmal geweint? Doch die klare Flüssigkeit an ihren Fingern bewies es ihm. Zum ersten Mal in seinem Leben musste er weinen, weinen um jemand anderen.

„Ich mag es viel lieber wenn du so dämlich grinst oder einen Lachanfall hast. Das steht dir viel besser, Undertaker. Bitte lebe… lebe und lache für mich.“ Sie hauchte einen kurzen Kuss gegen seine bebenden Lippen. Kurz ließ er sich gehen, zog ihren schwachen Körper an sich und schloss die Augen. Ihr einzigartiger süßlicher Duft stieg ihm in die Nase.

Der Druck von seinen Lippen verschwand. Undertaker brauchte nicht die Augen zu öffnen, um zu wissen, dass sie nicht mehr da war. Er hörte ihr Herz nicht mehr schlagen und auch nicht ihre Atemzüge, spürte ihren Puls nicht mehr. Noch immer nicht willens die Augen zu öffnen zog er den leblosen Körper fester an sich heran.


Er, der er den Tod bisher immer so geliebt hatte und seine tröstende Präsenz bevorzugte verfluchte ihn nun wie kein Anderer. Denn er hatte ihm das Liebste genommen, was er je hatte.