Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

01. März: Geschichten der Gebirge [by Driakuna]

OneshotFantasy / P12 / Gen
01.03.2020
01.03.2020
1
1.448
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
01.03.2020 1.448
 
Tag der Veröffentlichung: 1 März

Zitat: "Houston wir haben ein Problem." (Apollo 13)

Titel der Geschichte: Geschichten der Gebirge

Autor: Driakuna

Hauptcharaktere: Iroka
Nebencharaktere: ----
Pairings: ------
Kommentar des Autors: Ich hoffe ihr habt Spaß beim Lesen ^^





Mit einem Japsen schaffte es Iroka gerade noch so in die kleine Aushöhlung in der Felswand zu hechten.
Sie hörte noch die scharfen Krallen am felsigen Boden entlang schaben und ein schrilles, empörtes Kreischen die Luft erfüllen, bevor die Kreatur fast lautlos vor ihrem Versteck landete.
Schaudernd wich Iroka soweit wie möglich an die Wand zurück, während sie beobachtete wie der Shrike etwas ungelenk auf den Felsspalt zu stakste, bevor er seinen Kopf neigte und mit hungrigen roten Augen zu ihr hinein stierte.

Ein tiefes Grollen verließ seine Kehle, als es Iroka nicht erreichen konnte.
Ohne die Augen von dem Biest abzulassen, tastete die junge Frau blind herum, bis sich ihre Finger um einen faustgroßen Stein schlossen.
Ohne lang zu überlegen, hob sie ihn auf und warf ihm dem Biest in das Gesicht.
Mit einem Heulen riss es seinen Kopf von der Spalte weg und sprang zurück in die Luft.
Erschöpft ausatmend lehnte sich Iroka an die Felswand und schlang ihre Arme fröstelnd um sich selbst, als ein stechender Schmerz in ihrer Seite aufbrüllte und sie aufkeuchte.

Iroka wartete einen Moment lang bis der Schmerz ertragbarer wurde, bevor sie vorsichtig ihre Jacke öffnete und das Hemd darunter anhob.
Eine wunderschöne tiefrote Schwellung, machte sich über ihren rechten Brustkorb breit.
Eine Grimasse schneidend zog sich Iroka wieder an und versuchte einem Blick nach draußen zu erhaschen, ohne gleich von dem, immer noch herumlungernden, Eishowler entdeckt zu werden.

Sie fragte sich noch immer woher die Tiere gekommen waren. Sie hatte doch so darauf geachtet Routen zu nehmen, die sicher waren.
Vorsichtig, auf ihre Wunde achtend, schob sie sich an den Eingang des Überhangs und versuchte ihre Situation zu sondieren.
Etwas den Hang hinunter, bei einem verschneiten Pass, sah sie neben einem toten Tanton, noch ein paar Überreste der Handelskutsche, die sie in den Weiler, auf der anderen Seite der Berge bringen sollte.
Der Rest war wahrscheinlich mit dem zweiten Tanton in die Tiefen der Schlucht abgestürzt.
In der Nähe des toten Pflanzenfressers saßen ein paar Eishowler. Bei genauerem Hinsehen fiel Iroka auf, das sie noch recht jung waren und noch das matte grau-braune Farbkleid von Halbstarken hatten.
Fauchend stritten sie sich um den Kadaver.
Schaben von Krallen direkt über ihr, lenkten ihre Aufmerksamkeit von den Streithälsen ab.
Einem Instinkt folgend, krabbelte sie zurück unter den Vorsprung, dabei zog sie zischend die Luft ein, als ihre Seite mit Schmerz anfing zu pochen.
Wie es schien keine Sekunde zu früh. Denn keinen Moment später, landeten klauenbesetzte Füße vor ihr im Schnee.
Knirschend gab die weiße Masse unter den Füßen des wesentlich größeren Icehowlers nach, als dieser witternd nach ihr suchte, bis sein Blick auf dem Felsspalt hängen blieb, in dem sie sich versteckte.
Fauchend fixierte es sie mit seinem starren roten Blick, bevor er versuchte seinen Kopf zu ihr in die Spalte zu stecken.

Panisch drückte sich Iroka an die Felswand, als der Icehowler seinen Kopf immer weiter in die Spalte zwängte.
Warmer Atem stieß ihr entgegen, als es versuchte sie zu erreichen.
Für einen Moment wünschte sie sich auf ihre Schwester gehört zu haben, und nicht losgezogen zu sein.
Sie hoffte nur, dass sie ohne Iroka zurechtkam.
Innerlich abschließend starrte sie dem Icehowler entgegen, der sich Zentimeter für Zentimeter, weiter in den Spalt hineinschob, um sie zu erwischen.
Irgendwie hatte sie sich ihren Tod anders vorgestellt.
Nicht umgeben von Icehowlern im Solgebirge, aber man konnte daran wohl nichts ändern.
Das geifernde Maul hatte sie fast erreicht, sie konnte schon den fauligen Atem riechen.
Doch bevor die tödlichen Kiefer sie erreichen konnten, hielt das Biest inne, bevor es in Schmerzen aufheulte, den Kopf aus der Spalte zog und sich wild herumwarf.
Mit rasendem Herz konnte Iroka ihr Glück nicht fassen. Vielleicht hatte sie ja doch eine Chance aus der ganzen Sache lebend heraus zu kommen.

Das sie aber verletzt war, und dazu noch mitten in einem tief verschneiten Gebirge, übersah sie gepflegt.

In diesem Moment hoffte sie nur, das sich der Howler und egal was ihn angriff gegenseitig töteten.
Das laute Fauchen eines Hanggleiters ließ sie jedoch aufhorchen.
Es war anormal für Hanggleiter-Drachen sich um diese Jahreszeit hier aufzuhalten.
Der Neugierde nachgebend und trotz besseren Wissens, kroch sie wieder ein Stück an den Eingang der Felsspalte, um das Geschehen zu beobachten.

Fasziniert sah Iroka dabei zu, wie der Howler kreischend versuchten den jungen Hanggleiter von sich zu werfen, indem er sich von einer Seite auf die andere warf.
Doch der Jungdrache krallte sich eisern am Rücken des fliegenden Biestes fest, und versuchte immer wieder nach ihm zu schnappen, schaffte es aber selber nicht ihn zu erwischen.

Für einen Moment schien der Drache durch seine Position die Oberhand zu haben, bis sich der Howler plötzlich um entschied und sich selbst, samt dem Jungdrachen, wiederholt in den Felshang hineinrammte. Bis der Hanggleiter schließlich los ließ und wie ein nasser Sack zu Boden fiel.
Freudig tschirpend, hob der Howler seinen Klauen besetzten Flügelarm, um den Drachen zu töten.
Ohne zu überlegen, rutschte Iroka aus ihrem Versteck und ignorierte den stechenden Schmerz ihrer Verletzung. So schnell sie konnte hastete Iroka zu dem Howler, zückte ihren kleinen Dolch, sprang dem Biest auf den Rücken, rammte ihm den Dolch in die Schulter und drehte ihn herum.
Das Ergebnis bekam sie fast zeitgleich zu hören, als der Howler sich kreischend aufbäumte und herumwirbelte, um den Angreifer los zu werden.
Mit einem erschrockenen Japsen, verlor sie den Halt an ihrem Dolch und segelte in einem eleganten Bogen durch die Luft, bevor sie unsanft auf dem Boden aufkam und sich überschlug, bevor sie vor Schmerzen stöhnend liegen blieb.

Vielleicht war das doch nicht so eine gute Idee.
Wobei sie heute schon relativ viele ungute Entscheidungen getroffen hat, da hatte wohl eine weitere nicht mehr geschadet.
Dunkle Punkte tanzten vor ihren Augen, als sie langsam aber sicher den Kampf gegen die Bewusstlosigkeit verlor.
Kurz bevor die Schwärze sie ganz verschluckte, sah sie noch wie der Howler mit einem wütenden Kreischen auf sie zukam.

Das war es dann wohl.
Gestorben wegen einer dummen Entscheidung.
Wie glorreich.

Das erste was sie wieder spürte, und das verwunderte Iroka, war abartiger Schmerz der sich durch ihren Körper fraß.
Mit einem gequälten Stöhnen versuchte sie sich zu bewegen, doch mehr als ein jämmerliches Zucken ihrer Finger bekam sie nicht zustande.
Langsam wurde der Schmerz erträglicher und sie nahm etwas mehr von ihrer Umgebung wahr.
Wie zum Beispiel der eisig, harte Grund auf dem sie lag, oder die warme Schnauze, die sich in ihren Rücken drückte und an ihr schnupperte.
Der einzige Gedanke, der ihr in diesem Moment durch den Kopf schoss, war der, warum sie noch lebte.
Die Schnauze wanderte weiter und keinen Moment später, wurde ihr warmer Atem in das Gesicht geblasen.

Mühsam versuchte sie erneut sich zu bewegen.
Angestrengt öffnete sie ihre Augen, während sie sich langsam auf ihre Arme stemmte, wobei ihr ganzer Körper vor Schmerzen schrie.

Überrascht sah sie in eisblaue Iriden, die in einem schwarzen Meer schwammen, während sie das sorgenvolle Tschirpen nur von fern erreichte.
Der Drache war noch da.
Und sah sie bekümmert an.

Erneut versuchte Iroka sich aufzurichten, doch sie kam nur soweit ihren Körper anzuheben, bevor die Schmerzen zu stark wurden und sie wieder stöhnend in sich zusammen sank.
Wieder gurgelte der Drache besorgt, bevor er sie vorsichtig an ihrer Kleidung packte und weg zog.
Iroka war immer noch zu sehr vom Schmerz übermannt, als sich wirklich dafür zu interessieren, was mit ihr geschah.
In ihrem Delirium fragte sie sich, ob der Drache sie vielleicht zu ihrem Nest schliff, um sie ihren Jungen zum Futter vorzuwerfen.

Dementsprechend war sie überrascht, als der Hanggleiter sie zurück unter den Felsspalt zerrte und sich schützend um sie legte und sie sanft liebkoste, bevor sie sich hinlegte.

Immer noch benommen lehnte sie sich vorsichtig an und überlegte, ob sie vielleicht doch lebend aus der ganzen Sache heraus kam.
Doch jetzt war sie erst mal zu erschöpft, um sich mehr Gedanken zu machen.
Die konnte sie sich machen, wenn die Schmerzen weniger wurden.
Das sanfte Gurren des Drachens ließ sie aber Hoffnung schöpfen.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Der dritte Monat beginnt mit dieser wirklich schön umgesetzten freien Arbeit. Das Zita, wenn auch nicht wortwörtlich erwähnt, kam hier toll zur Geltung. Driakuna entführt einen in eine phantastische Welt, die voller Gefahren, aber auch voller Schönheit ist. Das hat mir sehr gefallen.

Eure lula-chan
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast