Kein Morgen mehr

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Derek Morgan Dr. Spencer Reid
29.02.2020
29.02.2020
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Hallo meine lieben Leser! :)

Hier nun eine weitere, neue Story von mir. :D

Bevor es jedoch los geht, muss ich noch ein paar Worte vorwegschicken.

Diese Geschichte ist keine politische Stellungnahme, noch spiegelt sie meine persönliche Meinung zu dem hier beschriebenen Hintergrundthema wider.
Es ist einfach eine Story, in der ich meine Idee dazu, ausgebaut habe.


Nun aber genug der Vorrede. ^^
Viel Spass beim Lesen! :D



Vlg Lady Duchess  :)



Titel: Kein Morgen mehr

Die tiefstehende Sonne zauberte in den eindrucksvollsten Orange- und Rottönen einen beeindruckenden Sonnenuntergang an den westlichen Horizont.

Dieses Naturschauspiel betrachtend, runzelte er kurz die Stirn, als er daran dachte, dass die Sonne den Himmel nun in ein blutrot tauchte.
Ein Farbton, der ihn Schlimmes erahnen ließ.

Eigentlich totaler Quatsch, da er an so etwas wie „Omen“ oder „Vorzeichen“ nicht glaubte.

Nach einem langen Augenblick sich seufzend von diesem Himmelsspektakel abwendend, ging er zurück zu seinem Zelt.
Die Temperatur lag immer noch bei jenseits der 40°C und würde sich auch in der Nacht nur minimal abkühlen.
Eine beginnende Schwüle lag in der Luft, die ihn irgendwie in seiner schlimmen Vorahnung bestärkte.

Erneut diesen absurden Gedanken beiseiteschiebend, sagte er sich zum wiederholten Male, dass er ein Wissenschaftler war und dies Hirngespinste und esoterischer Blödsinn sind.

Seine Hände dennoch ein wenig trotzig in seinen Hosentaschen vergrabend, setzte er seinen Weg fort.

Auch, wenn es noch nicht allzu spät war, hatten sich die meisten Soldaten und Soldatinnen in ihre jeweiligen Gemeinschaftszelte zurückgezogen.

Trotz, dass Morgan und er freundlich aufgenommen wurden, blieben sie lieber unter sich.
Was auch nur allzu verständlich war.

Wahrscheinlich hatte sich niemand hier in dieser Einheit auch nur träumen lassen, dass eines Tages zwei Profiler hier her, mitten in eine der heißesten Gegenden der Erde geschickt wurden, um sie bei der Operation „Final Countdown“, der Stürmung einer Rebellenhochburg mit Zivilisten als Geiseln, unterstützen sollten.
Um ehrlich zu sein: er hätte es selbst nicht einmal ansatzweise gedacht, wenn nicht vor ca. einer Woche, einige hochrangige Agenten des CIA beim FBI um Unterstützung durch zwei Profiler angefragt hätten.

Und niemals hätte er auch nur eine Millisekunde gedacht, dass es ihn treffen könnte!
Eher Hotch oder Rossi. Auch Emily oder JJ wären denkbar gewesen, aber nicht er.

Unglücklicherweise war Hotch ausgeschlossen.
Obwohl er zwar wieder im Dienst war, trotz seines immer noch gebrochenen Handgelenks, dass einer der Muskelbepackten Räuber, in ihrem vorletzten Fall, ihm bei der Festnahme brach und wenn Morgan nicht zu Hilfe gekommen wäre, es wahrscheinlich mehr, als nur ein gebrochenes Handgelenk gegeben hätte.

Somit waren alle anderen aus dem Team, ausgenommen Garcia, wesentlich wahrscheinlicher gewesen.

Da er selbst verhindert war, hatte Hotch Morgan vorgeschlagen und diesem dann den Vorschlag unterbreitet, dass dieser wählen könnte, wen er dabeihaben wollte.
Und die Wahl des Älteren war auf ihn gefallen.

Überrascht und, ja, regelrecht schockiert, hatte er den Anderen erst auf dem Flug hierher fragen können, wieso er von allen aus dem Team ihn gewählt hatte.
Morgans Argumentation war logisch durchdacht, wie auch nicht wirklich widerlegbar.

Da Hotch ausfiel, hätte er gerne Rossi mitgenommen, aber aus Rücksicht auf sein Alter und da es sicher zu extremen Kampfhandlungen kam, wollte er es nicht.
Emily hatte den Vorteil, dass sie einen Teil ihrer Jugend im Nahen Osten verbracht hatte und auch Arabisch sprechen konnte, aber nachdem sie im letzten Jahr offiziell als tot galt, nach dieser brutalen Auseinandersetzung mit Ian Doyle und ihrem unverhofften Wiederauftauchen aus dem Exil, hatte er es abgelehnt, sie erneut in so eine hochgradig gefährliche Situation zu bringen, auch wenn Emily ihm beteuert hatte, dass es ihr nichts ausmache.
Da Garcia ausgeschlossen war, blieb eigentlich nur noch JJ übrig, aber da sie Mutter war, hatte er es vehement abgelehnt sie mitzunehmen und möglicherweise in den Tod zu schicken, und somit riskiert das Henry ohne sie aufwachsen würde.
Nein, dass konnte und wollte der Ältere nicht.

Somit blieb nach dem Ausschlussverfahren nur noch er selbst übrig und hatte so eigentlich keine richtige Wahl, aus Mangel an weiteren Alternativen.
Da Hotch damit einverstanden und er selbst in dem Moment viel zu überrumpelt war, wurde ein weiteres Nachhaken zu der Entscheidung des Anderen auf später verschoben.

Die Antwort, die Morgan ihm später gab, warum er ihn auch ohne das Ausschlussverfahren gewählt hätte, war einfach, wenn auch gleichzeitig etwas seltsam für ihn.
Sein bester Freund hatte gesagt: „Weil ich dich am besten kenne, dir vertraue wie niemand anderem und du mir ehrlich und rational sagen würdest, wenn ich einen Fehler mache oder eine falsche Entscheidung treffe.“

Diese Antwort hatte ihn wirklich verblüfft und er hätte auch niemals mit so einem Argument gerechnet.

Immer noch erstaunt darüber, kam er langsam wieder aus seinen Gedanken und sah, dass er das Zelt, welches er sich mit Morgan teilte, fast erreicht hatte.

Auch wenn in den Gemeinschaftszelten der Soldaten sicherlich zwei Betten für sie frei gewesen wären, hatte der Commander dieser Einheit darauf bestanden, dass sie beide, als Nicht-Soldaten, aber auch nicht wirklich Zivilisten, nicht mit den Soldaten zusammen in einem Zelt schliefen.
Nicht nur, um den geregelten Ablauf nicht zu gefährden, sondern damit sie auch keine Unruhe in die Gruppe reinbrachten.
Sie mochten zwar ausgezeichnete Profiler sein, aber im Kampfeinsatz waren sie blutige Laien, trotz dass sie schon so viel Horror und Gewalt gesehen hatten.

Noch einmal stehen bleibend und Richtung Westen schauend, wo die Sonne nun fast gänzlich untergegangen und der samtenen Nacht mit zahlreichen Sternen, gewichen war, versank er kurz in diesem Anblick, ehe er sich endgültig abwandte und das Zelt, am Rand des Lagers, betrat.

Schlafen würde er wegen der Hitze und dem für morgen vorhergesehenen Gefecht wohl nicht, wo er dann nur versuchen konnte sich mit Lesen abzulenken.

Lautlos darüber aufseufzend, schlug er die Plane des Eingangs zur Seite und betrat das gemeinsame Zelt.



Einige Zeit später.
Aufschreckend, fuhr er aus dem Schlaf hoch und versuchte sich zu orientieren.
Die kleine Campinglampe warf ein minimales Licht und sich ein wenig aufsetzend, rutschte das Buch von seiner Brust in den Schoß.
Also war er mal wieder beim Lesen eingenickt.
Ein Seufzen unterdrückend, blickte er auf seine Armbanduhr.

00.07 Uhr.

Nun wirklich leise aufseufzend, hatte er vielleicht zwei Stunden geschlafen, doch ausgeruht fühlte er sich nicht.
Eher ein wenig ausgelaugt und verschwitzt.
Er würde wohl noch eine kleine Dusche nehmen müssen, ehe er sich wieder hinlegen konnte.

Sich nun ganz aufsetzend, glitt sein Blick, wie automatisch, rechts neben sich, um nachzusehen, ob er seinen besten Freund damit aufgeweckt hatte und wurde überrascht.

Der Ältere war überhaupt nicht da.
Das schmale Feldbett war ordentlich gemacht und sah so aus, als ob es heute noch gar nicht benutzt worden war.

Irritiert und verwundert darüber die Stirn runzelnd, war es schon ziemlich ungewöhnlich, dass der Andere um diese Uhrzeit noch nicht in ihrem gemeinsamen Zelt war.

Sicher, der Dunkelhäutige hatte schnell Kontakt zu der hier stationierten Einheit gefunden und mit einigen Soldaten schon an langen Abenden Karten zusammengespielt oder sich einfach nur unterhalten, jedoch bisher nie länger als 23 Uhr.
Schon allein die hiesige Regel, das nach 23 Uhr alle Lichter gelöscht werden und alle in ihren Betten sein sollten, um sich auch damit vor den Feinden zu verbergen, wurde penibel eingehalten.
Und das galt auch für Morgan und ihn.

Aus diesem Grund verwunderte ihn die Abwesenheit des Anderen sehr.

Kurz lauschte er, ob er etwas oder gar seinen Freund und Kollegen kommen hören konnte, aber nichts.
Alles war ruhig und nur die leisen Schritte, der in einiger Entfernung positionierten Wachposten waren zu hören.

Eilig in seinem Kopf überschlagend, was er jetzt machen sollte und konnte, folgte er einen langen Moment später einfach dem Impuls, warf sein Buch halb auf den sandigen Boden, schnappte sich seine Schutzweste und Waffe, wie auch eine kleine Taschenlampe und verließ das gemeinsame Zelt, um den Älteren zu suchen.

Zunächst führte ihn sein Weg in Richtung der Soldatenzelte, aber dort war keine Bewegung auszumachen, weshalb er dann fast lautlos wieder kehrt machte und in die entgegengesetzte Richtung lief.
Erst zu dem Versorgungszelt, wo sie auch ihre Wasserrationen bekamen, aber auch dieses lag komplett dunkel und verlassen da, weshalb er auch von dort wieder wegging.

Blieb eigentlich nur noch eine Möglichkeit: die improvisierten Bäder.

Sich nun schnell und leise scharf nach links wendend, erreichte er wenige Minuten später auch diese.
Doch wie schon zuvor an den anderen beiden Orten, war auch hier kein Laut zu vernehmen, wodurch er nun entmutigt und resigniert seine Schultern hängen ließ.
Wo konnte der Andere nur sein?

Erneut sich den Kopf zerbrechend und nun alle Fakten mit einbeziehend, was der Ältere in den letzten Tagen gesagt oder sich auch verhalten hatte, kam ihm keine Idee.

Zumindest solange, bis er an eine kleine Begebenheit, nach einer schrecklichen Nachricht von einer komplett vernichteten, anderen Einheit, die nicht allzu weit von ihrer entfernt war, dachte und wie es seinen besten Freund doch irgendwie aufgewühlt hatte.

Genau den Wortlaut des damaligen Gespräches rekonstruieren könnend, durchfuhr ihn plötzlich ein Geistesblitz.

Er wusste nun, wo der Andere war.

Und so gut wie auf dem Absatz kehrt machend, wandte er sich jetzt nach rechts, genau in Richtung Süden und sah nach ein paar Minuten schon die Begrenzung ihres Lagers.
Dieser weiter folgend, konnte er wenig später eine schwarze Silhouette, die beinahe komplett von der Umgebung verschluckt wurde, sehen und steuerte darauf zu.

Keine zwei Minuten später erreichte er diese und erkannte die Umrisse als die typische Silhouette seines besten Freundes, der genau vor dem provisorischen Grenzzaun stand und in unbestimmte Ferne starrte.

Sich vorsichtig dem Anderen weiter nähernd, gesellte er sich wortlos neben ihn und folgte, nach einem kurzen Blick auf diesen, dessen Blick in die Ferne, konnte jedoch nichts erkennen.

Schweigend standen sie nebeneinander und er wusste nicht, was er sagen sollte, da der Ältere irgendwie eigenartig melancholisch zu sein schien.

Doch diese Aufgabe wurde ihm abgenommen, als der Dunkelhäutige plötzlich leise das Wort ergriff und ihn fragte: „Hörst du das?“, und starrte weiter geradeaus in die Dunkelheit.

Fast sofort wollte er die Antwort ‚Nein, ich höre nichts!‘ geben, als er noch einmal innehielt und einen Augenblick brauchte, um die Geräusche zu identifizieren.
Aber noch ehe er etwas sagen konnte, beantwortete sein bester Freund seine gestellte Frage selbst und äußerte: „Das sind Gefechtsgeräusche. Vermutlich aus unserem Nachbarlager in nur ca. 2 km Entfernung.“
„Also ganz nah.“, fiel er dem Älteren ins Wort und konnte nicht verhindern sich etwas anzuspannen.

„Ja.“, kam die leise Entgegnung darauf, ehe sich erneut Schweigen über sie legte.

Beunruhigt von der eben erfahrenen Nähe des Kampfes, wie auch von Morgans seltsamem Verhalten, wusste er nicht, was ihm gerade von beidem mehr Angst machte.
Sollte er den Anderen direkt fragen?, stellte er sich in Gedanken die Frage und wog seine Möglichkeiten ab.

Jedoch unterbrach ihn der Ältere ein weiteres Mal in seinem Gedankengang, als dieser plötzlich flüsternd verkündete: „Ich habe eine Entscheidung getroffen, Pretty Boy!“, was ihn sofort aufhorchen und sich seinem Gesprächspartner zuwenden ließ.
Mit so einer Äußerung hatte er nun gar nicht gerechnet!

Und so fragte er das einzig Logischste: „Was?“, und sah den anderen Profiler abwartend an.

Dieser wandte sich ihm nun auch endlich zu und in dem schwachen Schein seiner Taschenlampe erkannte er einen Ausdruck in dessen Gesicht, den er noch nie gesehen hatte, bevor er antwortete: „Ich möchte nicht mehr vor meinen Gefühlen davonlaufen.“

Sein Gegenüber nun sehr irritiert und verwundert ansehend, verstand er nun gar nichts mehr.
Was hatte das mit ihm zu tun?

Doch die Antwort folgte, kaum, dass er die Frage zu Ende gedacht hatte: „Erinnerst du dich an deine Frage auf dem Flug hierher, warum ich dich hier an meiner Seite haben wollte? Ich sagte, dass ich dich am besten kenne und dir vertraue. Doch dies war nur ein Teil des wirklichen Arguments. Die Wahrheit ist, Ich liebe dich, Spencer.“

Und diese Aussage haute ihn nun sprichwörtlich von den Socken.

Überrascht, erschrocken und immer noch verwirrt, schaffte er es nur zu stammeln: „Du…du…“, ohne dass er Morgans Aussage komplett erfasst hatte, und starrte ihn weiter einfach nur fassungslos an.

„Ja, Spencer, ich liebe dich! Und das auch schon ziemlich lange.“, schob der Ältere nun noch hinterher, ohne ihn dabei auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen, was ihn jetzt wirklich überforderte.
Derek liebte ihn? Und das auch schon sehr lange?!
Was war hier los???

Es immer noch nicht begreifen könnend, sah er den Anderen einfach nur weiterhin sprachlos an.
Und allmählich begriff er, dass es Dereks absoluter Ernst und die reine Wahrheit war.
Etwas, was er nie für möglich gehalten hätte.

Immer noch zu keinem Wort fähig, ergriff sein bester Freund ein weiteres Mal das Wort und erklärte: „Ich weiß, dass muss jetzt der absolute Schock für dich sein und du wirst es vermutlich kaum glauben können, aber es ist die reine Wahrheit!“, und sah ihn eindringlich an.

Den letzten Teil glaubte er ihm ungelogen.
Aber was sollte er jetzt tun?

Dies äußerte er auch behutsam, das schnelle Klopfen seines Herzens dabei wohlweislich ignorierend: „Und…und wie geht es jetzt weiter?“

Dereks Blick wurde auf einmal weich, tief, und einen Schritt näher an ihn herantretend, so dass er die Nähe des Anderen nun spüren konnte, antwortete der Angesprochene: „Ich weiß, dass klingt jetzt anmaßend, aber ich hätte eine Bitte!“

Ein weiteres Mal verblüfft, wie auch verwundert, entgegnete er ebenso leise: „Was für eine Bitte?“, und konnte sich nicht vorstellen, was der Ältere meinte oder von ihm wollte.

Doch er erfuhr es nur wenige Sekunden später, als Derek ihm flüsternd erwiderte: „Ich möchte, dass du die Nacht mit mir verbringst.“

„Was?“, entfuhr es ihm fassungslos, absolut entgeistert und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen ungläubig an.
Das ging jetzt eindeutig zu schnell!

Jedoch ergriff sein bester Freund wieder das Wort und fuhr fort: „Ich weiß, dass es total egoistisch ist und irgendwie auch idiotisch, als ob du dich jemals darauf einlassen würdest, aber dies ist hier, möglicherweise, unsere letzte, gemeinsame Nacht auf Erden.
Die Kampfgeräusche kommen schnell näher und sobald die Sonne richtig aufgegangen ist, wird es zum Gefecht kommen.
Und ganz ehrlich: es sieht verdammt schlecht für uns aus!
Selbst die beste Statistik und reine Logik sagt eindeutig, dass der morgige Tag ein entscheidender ist und mit höchster Wahrscheinlichkeit unser Letzter.
Es müsste schon ein großes Wunder sein, wenn es, von der bisherigen Lage betrachtet, anders ausgehen würde.
Daher verzeih mir bitte diesen egoistischen Wunsch!
Aber ich musste dies jetzt einfach fragen!“

Sein Gegenüber unterbrach sich, sah ihn immer noch direkt an und fügte noch leise hinzu: „Natürlich ist es deine Entscheidung, aber ich will nichts bereuen, sollte der morgige Tag wirklich mein Letzter sein.“

„Bitte Spence!“, hauchte er noch hinterher und bedachte ihn mit einem tiefen Blick.

Nun schlichtweg überfordert, starrte er den Älteren einfach nur weiter und sicherlich ziemlich entsetzt an.
Sein Verstand brauchte einige Minuten um diese Fülle an Informationen zu sortieren.
Und selbst nach dieser Zeit war es immer noch so, als ob seine Welt nun Kopf stand.

Dereks, nun ja, wirklich letzter Wunsch war schon ziemlich egoistisch, wenn auch als Argument stichhaltig.
Auch er glaubte nicht wirklich daran, dass der Tag morgen gut enden würde.
Aber, dass sein bester Freund, ja, schlichtweg riesige Angst hatte und andernfalls nicht diesen Wunsch geäußert hätte, schockierte ihn tief.
Derek Morgan war niemand, der schnell die Flinte ins Korn warf, auch wenn die Lage wirklich ernst und auch heikel war.
Jedoch, dass es SO in ihm aussah, hätte er wirklich nicht gedacht.
Und bewies aber auch, dass er sich mit den Folgen des heranbrechenden Tages auseinandergesetzt hatte.

Aber…, regte sich eine winzig kleine Stimme in ihm, hätte er dies nicht auch tun sollen, er als rationaler Kopf und Wissenschaftler, der stets auf empirische Daten und Statistiken vertraute?
Theoretisch schon. Aber praktisch nicht.

Nun aufseufzend und seinen Blick Richtung Boden lenkend, tat er es nun, und sein Verstand analysierte die Situation.

Wenn er wirklich ehrlich gegenüber sich selbst war, fand er den Anderen schon immer faszinierend. In vielerlei Hinsicht.
Auch seine, nun ja, vielleicht kitschig-romantische Träumerei, von einem Kuss des Älteren gehörte dazu.
Dem war er wahrlich nicht abgeneigt.
Doch mit der Zeit hatte er diese Träume und Wünsche begraben.
Einfach, weil es keine Hoffnung mehr dafür gab und es sinnlos war.
Und nun, in einer extremen Ausnahmesituation, gestand ihm Derek, dass er ihn liebte und ihn bat, mit ihm zu schlafen. Praktisch als letzter Wunsch, falls es wirklich übel ausging im Gefecht.

Ein Kuss war das Eine, Sex was ganz Anderes.

Er bezweifelte nicht, dass es mit Sicherheit wunderbar wäre, aber so von jetzt auf gleich?
Konnte er das überhaupt?
Vertraute er dem Anderen soweit, sich ihm ganz hinzugeben, mit Leib und Seele?!

Er wusste es nicht.
Doch viel Zeit darüber nachzudenken, hatte er nicht.

Unsicher, nervös und auch etwas ängstlich, wagte er es den Blick wieder zu heben und sah in Dereks immer noch liebevolles Gesicht.
Dessen Gesichtsausdruck war entschlossen und er wusste, der Andere würde seine Bitte nicht zurücknehmen.

Kurz schluckend und noch einmal überlegend, nahm er schließlich seinen ganzen, restlichen Mut zusammen und gestand nun ebenfalls leise: „Ich weiß gar nicht, wann genau es mir bewusst wurde, aber ich fand dich schon immer faszinierend und interessant.
Viele Dinge, die du besitzt, habe ich mir zu anfangs auch immer gewünscht.
Sei es deine körperliche Stärke, dein Durchsetzungsvermögen, nicht nur gegenüber Verdächtigen, wie auch deine Fähigkeit manchmal so stark mit den Opfern mitzufühlen oder mitzuleiden und alles daran zu setzen, den Schuldigen zu schnappen.
Das habe ich immer bewundert an dir und tue es noch.“

Er unterbrach sich, bevor er nun doch etwas verlegen, leise sagte: „Und ich leugne auch nicht, dass ich vor langer Zeit immer von einem Kuss mit dir geträumt habe. Einfach, weil du wirklich so faszinierend und ja, liebenswürdig bist.
Ich weiß nicht, ob man das noch Mögen oder schon Liebe nennt.“

Wiederum brach er ab, schluckte noch einmal, sah den Anderen dann direkt an und fuhr erklärend fort: „Ich verstehe deinen Wunsch und es ist sicher großartig, aber ich weiß nicht. So etwas Intimes zu teilen, ist dann doch etwas anderes, als nur ein Kuss.“
Ein weiteres Mal brach er ab, und setzte einen Augenblick später auch schon fort: „Versteh mich bitte nicht falsch! Dein Angebot, wenn man es denn so nennen kann, ehrt mich sehr und macht mich irgendwie glücklich, aber ich…ich weiß nicht. Ich…“, und an der Stelle brach er ab und wandte gleichzeitig sein Gesicht ab.

Verlegen, nun noch nervöser und mit der Überzeugung alles vermasselt zu haben, wartete er mit hektischem Herzklopfen auf Dereks Reaktion oder enttäuschende Worte.
Zu seiner Verblüffung spürte er im nächsten Moment, wie Dereks Arme um seine Hüfte lagen, ihn dicht an den Anderen zogen und dann dessen rechte Hand ihn sanft zwang, ihn wieder anzusehen.

Lächelnd blickte sein bester Freund ihn an, was ihn sehr verwunderte.

Weiterhin lächelnd, sagte sein Gegenüber nur leise: „Und wenn ich dich überzeugen kann?“

Ihn fragend anblickend, verstand er gerade überhaupt nichts.

Sich erklärend, fügte Derek noch leise hinzu: „Eigentlich hast du dir die Antwort schon selbst gegeben, Spencer! Und auch, wenn meine Bitte ziemlich überraschend kommt, hat dein Herz schon zuvor eine eigenständige Entscheidung getroffen, die du nur nicht ganz verstanden hast!“

Jetzt richtig ratlos dreinblickend, lachte der Ältere leise auf, ehe er dicht vor seinen Lippen flüsterte: „Ich beweise es dir!“, und gab ihm im nächsten Augenblick einen unglaublich liebevollen und süßen Kuss auf den Mund.

Kaum berührten ihn die weichen Lippen des Anderen, schoss sein Herzschlag in die Höhe, ihm wurde mehr als nur warm, seine Wangen fingen an zu Glühen und nie gekannte Hitze kroch plötzlich in ihm hoch.

Keinen klaren Gedanken fassen könnend, wirbelten sie chaotisch in seinem Kopf herum und nur ein Gedanke schien sich breit zu machen: Mehr davon!
Mehr von dieser Wärme und Hitze, die ihn fast augenblicklich verzehrte und zu überwältigen drohte.

Derek veränderte etwas den Kuss und er folgte dessen Führung.
Zärtlichkeit und Hingabe und das überwältigende Gefühl von Glück, nur von diesem Kuss, war ein wirklich stichhaltiges Argument.

Sich langsam in dem Kuss verlierend, war seine Entscheidung schon längst gefallen, ohne sein bewusstes Zutun.
Diese Nacht würde sie beide und alles zwischen ihnen verändern., war noch sein letzter Gedanke, bevor sein Verstand völlig verstummte.



Eine leichte, warme Brise ließ ihn erwachen.
Kurz erschrocken darüber, sah er sich müde um und blickte schließlich rechts neben sich.

Dort lag Derek nur minimal von ihrer Kleidung bedeckt, die sie sich notdürftig als Decke gegen die Kühle der Nacht in den frühen Morgenstunden übergeworfen hatten.
Die Decken ihrer Feldbetten hatten als Unterlage auf dem sandigen Boden dienen müssen, um es halbwegs bequem zu haben.
Den Anderen mit einem tiefen Blick beim Schlafen betrachtend, schlich sich unwillkürlich ein überglückliches Lächeln auf sein Gesicht.

Es war wirklich eine unglaubliche Nacht gewesen!
Derek hatte sein Versprechen mehr als gehalten, und war mehr als nur sanft und einfühlsam, aber auch liebevoll und leidenschaftlich gewesen.
Und für sein erstes Mal mit einem Mann hätte er sich wirklich nichts Besseres wünschen können.

Sein Lächeln wurde breiter und sein Blick ruhte weiter auf der schlafenden Person neben ihm.

Einen Moment lang den aufkommenden Impuls unterdrücken wollend, gab er doch nach und streckte die Hand nach dem Anderen aus und strich behutsam über dessen Wange.
Es war wirklich wunderschön gewesen.
Und jetzt im Nachhinein, bereute er auch nicht seine instinktiv getroffene Entscheidung, Dereks Bitte nachzugeben.

Weiterhin über die Wange streichend, betrachtete er den Älteren einfach nur und versank leicht lächelnd in seinen Gedanken.

Zumindest solange, bis der Andere sich regte und er aus seinen Gedanken kam und er in seiner zärtlichen Geste, innehielt.

Beobachtend, wie Derek sich weiter regte, schlug sein Freund einen Augenblick später die Augen auf und sah ihn fast sofort an.

Zunächst schlich sich auch auf dessen Gesicht ein glückliches Lächeln, dass sich bis zu seinen Augen erstreckte, bevor er sich aufsetzte.

Ohne Worte zog Derek ihn nahe an sich heran und küsste ihn liebevoll.

Erneut schnellte sein Herzschlag in die Höhe und er spürte wieder dieses leichte innere Zittern vor Glückseligkeit und Wärme in sich.
Sich ein wenig an den Anderen schmiegend, erwiderte er nun etwas weniger schüchtern, als in der vergangenen Nacht, den Kuss.

Gerade als Derek den Kuss vertiefen wollte, trat jemand dicht vor ihren Zelteingang und meldete in einem ernsten und militärisch-harten Ton: „Agent Morgan? Der Kommandant bittet Sie in sein Zelt zu letzten Lagebesprechungen.
In 30 Minuten startet Operation „Final Countdown“.
Alle anwesenden Streitkräfte begeben sich zu den gestern besprochenen Positionen!“

Es folgte ein Salut, was nur als Schatten ins Zelt drang, ehe sich der Soldat entfernte.

Sich schon zu Beginn der Meldung voneinander gelöst und den Worten des Soldaten gelauscht habend, sahen sie sich jetzt eindringlich an.

Er wusste, in seinen Augen würden sich jetzt Angst, ein klein wenig Panik und die Ablehnung der eben gehörten Meldung, spiegeln.
In Dereks Augen las er Sorge, aber auch Entschlossenheit, Bedauern und ein Hauch Angst.

Sie wussten beide, dass der Moment kommen würde.
Nur war es gestern bei der Lagebesprechung anders gewesen, als jetzt, nach dieser Nacht.

Die aufsteigende Hilflosigkeit und beginnende Panik gegenüber der Situation fühlend, wurde sein Blick jetzt flehentlich.
So sollte es nicht enden!

Dem Anderen schien es ähnlich zu gehen, denn er zog ihn an seine Brust, umarmte ihn fest und flüsterte dabei in sein Ohr: „Ich liebe dich, Pretty Boy! Ganz egal, was heute passiert, ich liebe dich! Falls es heute wirklich übel ausgehen sollte, war diese Nacht mit dir, das Allerbeste was mir je passiert ist!“, und er hörte wie dessen Stimme leicht dabei brach.

Einen Moment lang hielt Derek ihn noch beinahe krampfhaft fest im Arm, ehe er ihn zurücklehnte, ihn mit einem leichten Schleier vor den Augen ansah und noch einmal wiederholte: „Ich liebe dich, Spencer! Vergiss das nie!“, gab ihm noch einen langen, leidenschaftlichen Kuss, bevor er sich hastig von ihm löste und von ihrem improvisierten Bett auf dem Sandboden aufstand und sich seine Kleidungsstücke zusammensuchte.
Schnell zog er sich an, inklusive schusssicherer Weste und Dienstwaffe, ging zum Zelteingang und kurz bevor er hinaustrat, noch einmal innehielt, und nun fast lautlos hauchte: „Ich liebe dich, Pretty Boy!“, ihm noch einmal direkt in die Augen sah und dann ohne einen weiteren Blick aus dem gemeinsamen Zelt verschwand.

Im ersten Moment sah er Derek einfach nur hinterher, ehe er die aufsteigenden Tränen fühlte und verstand, dass dies ein endgültiger Abschied war.
Keiner wusste, was bald passieren würde.
Und noch während er versuchte den Gedanken daran zu verdrängen und gleichzeitig die Tränen zu unterdrücken, womit sein Herz einfach ausdrücken wollte, dass es das nicht akzeptierte und er selbst nicht darüber nachdenken wollte, wenn wirklich der schlimmste Fall eintreten sollte, stand er nun ebenfalls auf und zog sich an.
Als er nur wenige Minuten nach dem Älteren und immer noch von vor fast zerreißendem Herzschmerz das Zelt verließ und sich kampfbereit machte, betete er zu allen Mächten, die er kannte, dass der heutige Tag nicht ihr Letzter sein würde und kämpfte erneut gegen die Tränen der Verzweiflung an.



-Ende-
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