Falling like a water drop

von dat snoew
GeschichteDrama, Romanze / P16
Dr. Verena Auerbach Emilie Hofer Katharina Strasser Markus Kofler Michael Dörfler Tobias Herbrechter
29.02.2020
27.05.2020
40
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23.05.2020 1.770
 
„Und? Was ist jetzt? Sag schon.“ Ungeduldig tigerte Tobias vor dem Klinikum auf und ab und sah dabei den Piloten an, der immer noch telefonierte. Innerlich zerriss es ihn fast vor Anspannung. Der schwarzhaarige Bergretter wurde aus Michis Gesichtsausdruck einfach nicht schlau. Tobias wandte den Blick ab und starrte er auf den Eingang des Klinikums. War etwas mit seiner Schwester oder mit Markus? Tobias presste die Lippen aufeinander. Die Hände steckten in seinen Hosentaschen. Was quatschte denn der Pilot da ewig mit seiner Freundin, er wollte doch nur eine einzige Sache wissen. Nach einer gefühlten Ewigkeit legte Michael endlich auf und sah zu Tobias herüber. Seine Gesichtszüge entspannten sich merklich. „Verena gibt Entwarnung. Es ist weder etwas mit Katharina, noch was mit Markus“, sagte Michi erfreut und lächelte seinen Kollegen an.
„Aber was war denn dann das eben mit Thomas?“, fragte Tobias weiterhin irritiert. Noch immer hing ihm ein großer Kloß im Hals und es dauerte bis die gesagten Worte bei ihm richtig ankamen.
„Kannst du Katharina ja selber fragen. Sie ist aufgewacht und wir dürfen zu ihr“, teilte Michi ihm fröhlich mit.
Tobias packte den Piloten voller Begeisterung mit beiden Händen an der Schulter und rüttelte leicht an diesen. „Dein Ernst?“, fragte er glücklich. All seine Anspannung fiel gerade von ihm ab.
„Ja, Verena erwartet uns auf der Intensivstation. Komm“, meinte Michi und steuerte auf den Eingang zu.
Das ließ sich Tobias nicht zweimal sagen. Euphorisch betrat er sogar noch vor Michael das Klinikum und mit schnellen Schritten eilten sie gemeinsam zur Intensivstation. Der Pilot hatte große Mühe Tobias hinterher zu sprinten. Aber auch er war unheimlich glücklich darüber, dass sie zu Katharina durften. Nur was war mit Markus? Darüber hatte Verena vehement geschwiegen. Vielleicht würde er gleich etwas genaueres aus ihr rausbekommen.

Tatsächlich wurden sie von Verena vor der Intensivstation erwartet. „Was ist eigentlich jetzt mit Markus?“, fragte Michi direkt und ohne Begrüßung, als er seine Freundin erblickte.
Verena zog die Stirn kraus. „Wie wäre es mit einem Hallo? Schließlich haben wir uns stundenlang nicht gesehen“, erwiderte Verena grinsend, nahm es ihm aber nicht übel. Die Anspannung konnte sie in beiden Gesichtern erkennen.
„Tut mir Leid. Hallo Spatzl.“ Michi sah Verena leicht beschämt an und zog sie in seine Arme. Ihre Lippen trafen sich zu einem kurzen Kuss.
Verena löste sich aus seinen Armen. „Markus ist auf dem Weg der Besserung. Die Anzeichen der Sepsis gehen deutlich zurück, die Wunde sieht besser aus und auch sein Fieber ist gesunken. Wenn er weiterhin so stabil bleibt, können wir in ein paar Stunden ein CT von ihm anfertigen.“
„Endlich mal positive Nachrichten und Katharina ist wirklich wach?“, fragte Tobias, der bisher still daneben gestanden und Verenas Erzählung gelauscht hatte. Irgendwie konnte er es noch immer nicht so richtig glauben.
„Ja, wir konnten sie heute Vormittag aus dem künstlichen Koma holen. Die schwere Lungenentzündung bereitet ihr beim Atmen und beim Sprechen noch große Schwierigkeiten. Deine Schwester muss sich unbedingt schonen und sollte sich nicht unnötig aufregen. Aber es wird ihr gut tun, euch zu sehen“, sprach Verena und lächelte.
„Habt ihr schon ihre Verletzungen abklären können? Eine genauere Untersuchung war bei ihr doch auch nicht möglich. Oder verschweigst du uns was?“, fragte Tobias leicht besorgt.
„Nein Tobias, warum sollte ich das machen? Deine Schwester hat sich zu ihrem schweren Schädel-Hirn-Trauma, einen Schlüsselbeinbruch und eine Beckenfraktur zugezogen. Zusätzlich sind ein paar Rippen angeknackst. Ansonsten hat sie sich nur einen Haufen Prellungen zugezogen, aber sie kann von Glück sprechen dass es nur bei diesen Verletzungen blieb. Es hätte weitaus schlimmer kommen können. Warum bist denn so skeptisch?“, fragte Verena nach.
„Muss sie operiert werden?“, fragte Tobias weiterhin besorgt, ohne auf ihre Frage einzugehen. Die Verletzungen seiner Schwester und das seltsame Verhalten von Thomas bei ihrer Begegnung  verunsicherte ihn. Mit diesen Verletzungen würde eine Weile aussetzen müssen. Im Oktober sollte doch ihr Praxissemester stattfinden, wäre sie bis dahin wieder fit? Wahrscheinlich würde die Zeit dafür nicht ausreichen, denn sie hatten ja bereits August.
„Soweit wie es momentan aussieht kommen wir um eine Operation herum. Die Beckenfraktur ist stabil und wenn die Lungenentzündung soweit abgeklungen ist, können wir sie auf Station verlegen. Was ist eigentlich los? Erst der Anruf und nun all die Fragen.“, meinte Verena irritiert. Sie verstand ihre Fragen überhaupt nicht.
Erleichtert atmete Tobias durch. „Tut mir leid, Verena. Thomas ist uns vor der Klinik in die Arme gelaufen. Er sah total fertig aus. Ich würde fast behaupten, er hatte Tränen in den Augen. Hast du meinen Vater eigentlich schon über Katharinas Zustand informiert?“ Tobias blickte sie fragend an.
Verena schüttelte verneinend den Kopf. „Hatte ich noch keine Zeit zu. Aber was da mit Thomas war, weiß ich ehrlich gesagt nicht.“
„Denkst du Vater darf sie auch besuchen kommen?“, hakte Katharinas Bruder nach.
„Ja, aber auch nur kurz. Darum bitte ich übrigens auch euch beide. Beide brauchen wirklich absolute Ruhe!“ Drohend hob Verena den linken Zeigefinger. Sie kannte die Beiden einfach zu gut. Wahrscheinlich müsste sie die Beiden rausschmeißen, weil sie übertrieben.
„Wieso beide? Dürfen wir auch zu Markus?“ Jetzt war es der Pilot, der seine Freundin erstaunt ansah.
„Lässt sich wohl oder übel nicht vermeiden. Sie liegen zusammen auf einem Zimmer“, seufzte die Ärztin.
Verblüfft warfen sich die beiden Herren einen Blick zu. War es etwa das was Thomas eben so aus der Fassung geworfen hatte? „Vielleicht war das ja der Grund für Thomas' Auftritt?“ Neugierig beäugte der Pilot die Ärztin.
„Kann sein. Erfreut war er nicht darüber. Ich wusste gar nicht, dass er heute schon wieder da war.“
Tobias zuckte mit den Schultern. „Der hat uns gar nicht richtig für voll genommen, ich dachte schon es wäre etwas mit Katharina.“
„Oh je“, stöhnte Verena auf als ihr einfiel, dass sie die beiden Betten zusammengeschoben hatte. Auf einmal konnte sie sich sehr gut vorstellen, was Thomas so dermaßen aus der Fassung gebracht hätte. Die Ärztin seufzte auf. „Ich glaube, den Grund soll euch Katharina wohl besser selber erzählen. Tobias, jetzt informiere du bitte schnell euren Vater. Ich muss nämlich weiterarbeiten und kann hier nicht ewig warten.“

Thomas hatte wütend und enttäuscht auf dem Fahrersitz Platz genommen. Seinen Kopf vergrub er auf dem Lenkrad zwischen seinen Händen. Seine Schultern zuckten vor Schluchzen in die Höhe. Tränen strömten über seine Wangen und befeuchteten das Lederlenkrad. Aber das war ihm in diesem Moment so etwas von egal. War das gerade wirklich passiert? Hatte ihm Katharina gerade wirklich den Laufpass gegeben und dann auch noch ausgerechnet für diesen Almöhi! Was hatte dieser Kofler nur an sich, was er ihr nicht bieten konnte? Er konnte ihre Entscheidung einfach nicht verstehen. Es gab nur eine sinnvolle Erklärung. Sie war geblendet, geblendet von den Geschehnissen am Berg. Das zusammen mit ihrer Gehirnerschütterung und den Medikamenten ließen sie nicht klar denken. Sie war von ihren Emotionen überwältigt. Normalerweise brachte ihn nichts so schnell aus der Fassung. Aber in diesem Augenblick zerriss es ihm sein Herz in Stücke. Er liebte diese Frau so sehr! Er würde doch alles für sie tun und was  machte sie? Warf ihre gemeinsame Zukunft hin für einen einfachen Bergretter. Was konnte er ihr schon bieten? Am Abend würde er das Gespräch noch einmal zu ihr suchen wollen. So einfach konnte sie nicht mit ihm Schluss machen. Er würde sich nicht so einfach von ihr abservieren lassen! Sie bildete sich momentan etwas ein, was nicht der Realität entsprach. Das würde er ihr schon irgendwie klar machen.

Tobias war erstaunt darüber, dass sein Vater bereits von Thomas wusste, dass Katharina aus dem künstlichen Koma erwacht war. Das kränkte den Bergretter doch ein wenig. Wieso konnte Thomas seinem Vater darüber Bescheid geben, aber hielt es nicht für nötig ihn darüber in Kenntnis zu setzen? Ja, er hatte während der Brückenreparatur lange Zeit kein Netz gehabt. Aber er hatte es ja nicht einmal versucht. Kein angezeigter Anruf in Abwesenheit und noch nicht einmal eine kurze SMS. War das echt so schwer? Thomas besaß schließlich seine Nummer seit dem Treffen an der Waldhäuslalm. Außerdem hatte Thomas ihn schon angerufen! Somit brauchte er auch nicht behaupten die Nummer verlegt zu haben. Sein Verhalten machte ihn leicht fassungslos. Ja, er hätte es auch nicht so toll gefunden Thomas zu informieren, aber er hätte es zumindest getan. Von seinem Vater wusste er, dass dieser vorhatte, am späteren Nachmittag im Krankenhaus zu erscheinen, um Katharina zu besuchen. Er musste nur noch im Hotel etwas fertig machen und würde sich dann direkt auf den Weg machen. Tobias fragte sich noch immer, was Thomas so aus der Bahn geworfen hatte. Katharina und Markus würden ja wohl nicht seit gerade eben erst auf einem Zimmer liegen. Da musste irgendwas anderes passiert sein. Er musste zugeben, dass er durchaus gespannt auf den Grund dafür war.. Aber zuerst würde er sich persönlich bei Katharina nach ihrem Gesundheitsstand erkundigen. Sie musste bei den ganzen Brüchen höllische Schmerzen haben und dazu noch eine schwere Lungenentzündung. Die genannten Verletzungen reichten wirklich aus, aber Verena hatte Recht. Es hätte sie noch viel schlimmer treffen können, wenn nicht sogar müssen. Genau das bereitete Tobias richtige Sorgen. Wenn seine Schwester schon so schwer verletzt war, was würde dann bei Markus rauskommen? Das CT, was sie nachher wohl noch durchführen wollten, würde sicher darüber Aufschluss geben. Aber auch eine andere Frage beschäftigte ihn, was war am Berg genau passiert? Tobias hoffte Klarheit darüber zu erhalten. Nach dem Besuch bei seiner Schwester müsste Tobias Emilie noch von all dem in Kenntnis setzen. Am liebsten hätte er sie direkt angerufen, aber Verenas durchdringender Blick ließ ihn innehalten. Sonst würde die Ärztin sie hier stehen und im Unklaren lassen. Sie durften ja auch nur kurz zu ihr. Das würde seine Frau mit Sicherheit verstehen. Also steckte Tobias sein Handy wieder weg und folgte Verena auf die Intensivstation.


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Wieder einmal ist Samstag ;) Ich finde, die Zeit rennt ganz schön. Eigentlich würde es am Mittwoch einen Break gegeben, da ich nämlich für knapp über 2 Wochen nicht daheim gewesen wäre. Ich hätte mich eigentlich auf Menorica gesonnt, aber nachdem die Reise jetzt ausfällt, werde ich euch weiter mit Kapiteln füttern ;) Nur ist es möglich, dass ich Besuch bekomme und dann vielleicht doch mal eins ausfällt, weil wir unterwegs sind. Aber das ist vom Wetter abhängig und davon, ob alles offen hat. Aber das kann man ja momentan nicht so genau sagen ;) Bisher sieht es ganz gut dafür aus. Aber mal sehen ;)

Ich hoffe, dass euch das Kapitel wieder einmal gefallen hat. Ich möchte meinen fleißigen Reviewern danken. Dankeschön, dass ihr immer wieder so nette Worte an mich richtet.

Bis spätestens Montag oder bereits morgen bei meiner Where do I belong Geschichte :)

Liebe Grüße, bleibt gesund.

Katharina
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