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Die Sieben Geißlein

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Anubis Ma'at Thoth Caduceus
26.02.2020
26.02.2020
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,,Es war einmal vor langer Zeit eine Mutter Geiß, die hatte sieben junge Geißlein und liebte sie so, wie eine Mutter ihre Kinder liebte. Eines Tages, die Geißlein waren hungrig, musste sie hinaus in den Wald gehen und ihnen Futter holen. Und sie rief ihre Geißlein zusammen und sprach: ,,Meine Kinder, ich werde hinaus in den Wald gehen und euch Futter holen. Hütet euch vor dem Wolf, denn wenn er hineinkommt in das Haus so frisst er euch mit Haut und Haar." Und die Geißlein nickten eifrig und sprachen: ,,Liebe Mutter, wir werden uns in Acht nehmen." Und die alte Geiß machte sich guten Gewissens auf den Weg."

Die blauen Augen des Gottes der Weisheit flogen nur so über die auf die Seiten des Märchenbuches geschriebenen Worte, verblieben nie länger als den Bruchteil einer Sekunde bei einem Wort.

,,Es dauerte nicht lange, da klopfte jemand an der Haustüre und sprach mit rauher Stimme: ,,Macht auf, ihr lieben Kinder, macht auf! Eure Mutter ist da und hat euch Futter mitgebracht!" Aber an der rauhen Stimme hörten die Geißlein, dass es der Wolf war und nicht ihre Mutter. ,,Wir machen nicht auf," riefen die Geißlein gemeinsam, ,,Du bist der Wolf, das haben wir an deiner Stimme gemerkt!" Da ging der Wolf fort und zu einem Händler-"

,,Wie sah denn der Wolf aus?" Einen Moment lang schwieg der Gott, löste seinen Blick jedoch nicht einmal eine Sekunde lang von den Zeilen der Geschichte.
,,Der Wolf hatte schwarzes Fell und große goldene Augen und sein Leib war geziert von wunderschönen Malereien." Fuhr er fort und auch wenn die Veränderung nur subtil war legte sich ein leichtes Lächeln auf die Lippen des Gottes.
,,Kabala." Gab der Totengott neben ihm zufrieden von sich und legte seinen Kopf, den er bis eben noch fragend schief gehalten hatte auf dem Schoß des anderen ab.

,,Da ging der Wolf zu einem Händler und kaufte sich ein großes Stück weißer Kreide. Er fraß es auf und machte damit seine Stimme so hoch und fein wie die der Mutter Geiß. So kam er zurück und rief ein weiteres Mal ,,Macht auf, ihr lieben Kinder, macht auf! Eure Mutter ist da und hat euch Futter mitgebracht!" Und beinahe hätten die Geißlein ihm gehorcht, doch der Wolf hatte seine schwarze Pfote auf das Fensterbrett gelegt, was die Geißlein auch so gleich bemerkten. Und wieder riefen die Geißlein: ,,Wir machen nicht auf! Du bist der Wolf, das haben wir an deiner Pfote gemerkt!" Und ein weiteres Mal machte der Wolf sich auf den Weg von dem Hause weg und dieses Mal zu einem Bäcker."

Der Totengott hatte seine eine Hand vor sein Gesicht gehoben und betrachtete sie nun nachdenklich. Sie war so nah an seinem Gesicht dass er schon beinahe die feinen, schwarzen Haare an seiner dunklen Haut spüren konnte. Die Krallen funkelten im flackernden Licht der Öllampe, die der Gott der Weisheit auf seinen Schoß gestellt hatte um auch im Dunkel der Nacht lesen zu können. ,,Kabala... Bala...?" Auch wenn die einzelnen Worte kaum zu verstehen waren so konnte man die Verwirrung doch deutlich heraushören. Der andere nahm die befellte Hand in die Eigene und drückte sie sanft hinunter, wobei er seinen Blick noch immer nicht von dem Text des Märchens trennte.

,,Und als der Bäcker den Wolf fragte was er wollte da sprach er: ,,Ich habe mir die Pfote gestoßen, bitte streiche mir Teig darüber." Und der Bäcker tat was der Wolf von ihm wollte. Und nachdem der Bäcker ihm den Teig auf die Pfote gestrichen hatte ging der Wolf zum Müller und bat auch ihn um einen Gefallen. ,,Ach Müller, streu mir doch bitte weißes Mehl auf die Pfote." Der Müller, der sich schon dachte was der Wolf verhatte weigerte sich zunächst, doch als der Wolf ihm drohte ihn zu fressen bekam er Angst und gehorchte."

Nun noch verwirrter hob Anubis seine Hand ein weiteres Mal und versuchte sich vorzustellen wie sie aussehen würde wenn sie in Teig und Mehl gestrichen wäre. Er konnte sich nur vorstellen wie unangenehm sich der klebrige Teig im weichen Fell anfühlen würde und schüttelte sich bei dem unangenehmen Gedanken. ,,Hör auf, darüber nachzudenken", wies ihn der Gott der Weisheit mit ruhiger Stimme an und drückte seine Hand ein weiteres Mal herunter. Der andere stimmte mit einem ,,Kabala" zu und drückte seinen Kopf gegen die Hand Thoths, die seine eigene noch immer festhielt. Er rieb sich daran und gab ein genießendes Brummeln von sich als die größere Hand über seinen Kopf strich.

,,Ein drittes Mal ging der böse Wolf zu der Haustür, klopfte an und sprach: ,,Macht auf, ihr lieben Kinder, macht auf! Eure Mutter ist da und hat euch Futter mitgebracht!" Aber die Geißlein, die von den vorherigen Tricksereien des Wolfes bereits misstrauisch geworden waren riefen: ,,Zuerst zeig uns deine Pfote damit wir wissen, dass du auch wirklich unsere Mutter bist!" Und als der Wolf seine Pfote, vom Mehl noch immer so weiß wie das Fell der Mutter Geiß, an das Fenster legte so glaubten die Geißlein ihm und öffneten ihm die Türe."

Thoth konnte spüren wie sich die sehnigen Muskeln in Anubis´ schlankem Körper anspannten und er konnte den verunsicherten Blick des Gottes nahezu spüren, obwohl er seinen Blick noch immer nicht vom Buch abgewandt hatte. Er strich ein weiteres Mal über die dunklen Haare und über die nackte dunkle Haut um dem verunsicherten Gott etwas Sicherheit zu spenden und ihn etwas von der Normalität der Situation zu versichern.

,,Doch wer aber hereinkam war der Wolf. Als die Geißlein dies sahen erschraken sie und wollten sich verstecken. Eines sprang unter den Tisch, doch verriet sein lautes Weinen es schnell und der Wolf fand und fraß es als aller erstes. Das zweite versteckte sich im Bett, doch konnte die frechen Kommentare nicht lassen und verriet sich sich so an den Wolf. Das dritte hatte sich in dem Ofen zusammengekauert, doch war es zu dumm gewesen um die Gefahr zu erkennen und wurde zu einem guten Mahl. Das vierte hatte sich in der Küche versteckt, wo der Wolf es zusammen mit vielen anderen Leckereien auffand und verspeiste. Das fünfte hatte sich in dem Schrank versteckt, doch der Wolf hatte mit seinen feinen Ohren das Knarzen der alten Holztüren gehört und das Geißlein so entdeckt. Das sechste, welches sich unter der Waschschüssel versteckt hatte fand er ebenso schnell. Einzig das siebte und jüngste, welches sich im Kasten der Wanduhr versteckt hatte, wurde nicht vom bösen Wolf entdeckt.

Nicht lange danach kam die alte Geiß aus dem Walde wieder heim. Ach, was mußte sie da erblicken! Die Haustür stand sperrweit auf, Tisch, Stühle und Bänke waren umgeworfen, die Waschschüssel lag in Scherben, Decke und Kissen waren aus dem Bett gezogen. Sie suchte ihre Kinder, aber nirgends waren sie zu finden. Sie rief sie nacheinander bei Namen, aber niemand antwortete. Endlich, als sie das jüngste rief, da rief eine feine Stimme: "Liebe Mutter, ich stecke im Uhrkasten." Sie holte es heraus, und es erzählte ihr, daß der Wolf gekommen wäre und die anderen alle gefressen hätte. Da könnt ihr denken, wie sie über ihre armen Kinder geweint hat!

Endlich ging sie in ihrem Jammer hinaus, und das jüngste Geißlein lief mit. Als sie auf die Wiese kam, so lag da der Wolf an dem Baum und schnarchte, daß die Äste zitterten. Sie betrachtete ihn von allen Seiten und sah, daß in seinem angefüllten Bauch sich etwas regte und zappelte. Ach, Gott, dachte sie, sollten meine armen Kinder, die er zum Nachtmahl hinuntergewürgt hat, noch am Leben sein? Da mußte das Geißlein nach Hause laufen und Schere, Nadel und Zwirn holen. Dann schnitt sie dem Ungetüm den Wanst auf, und kaum hatte sie einen Schnitt getan, so streckte schon ein Geißlein den Kopf heraus, und als sie weiter schnitt, so sprangen nacheinander alle sechse heraus, und waren noch alle am Leben, und hatten nicht einmal Schaden erlitten, denn das Ungetüm hatte sie in der Gier ganz hinuntergeschluckt. Das war eine Freude! Da herzten sie ihre liebe Mutter, und hüpften wie Schneider, der Hochzeit hält. Die Alte aber sagte: "Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, solange es noch im Schlafe liegt." Da schleppten die sieben Geißerchen in aller Eile die Steine herbei und steckten sie ihm in den Bauch, so viel als sie hineinbringen konnten. Dann nähte ihn die Alte in aller Geschwindigkeit wieder zu, daß er nichts merkte und sich nicht einmal regte.

Als der Wolf endlich ausgeschlafen hatte, machte er sich auf die Beine, und weil ihm die Steine im Magen so großen Durst erregten, so wollte er zu einem Brunnen gehen und trinken. Als er aber anfing zu gehen und sich hin und her zu bewegen, so stießen die Steine in seinem Bauch aneinander und rappelten. Da rief er:

"Was rumpelt und pumpelt
In meinem Bauch herum?
Ich meinte, es wären sechs Geißelein,
Doch sind's lauter Wackerstein."

Und als er an den Brunnen kam und sich über das Wasser bückte und trinken wollte, da zogen ihn die schweren Steine hinein, und er mußte jämmerlich ersaufen. Als die sieben Geißlein das sahen, kamen sie eilig herbeigelaufen und riefen laut: "Der Wolf ist tot! Der Wolf ist tot!" und tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den Brunnen herum."

Anubis sah Thoth völlig entgeistert an, aber als der Gott der Weisheit keine weiteren Worte von sich gab sondern nur das Buch zuschlug und es auf den Nachttisch legte kuschelte sich der Totengott an seinen Freund und ließ ein tiefes, kehliges Brummeln hören.

Thoth legte die Flügel um den Kleineren, welcher sein Gesicht in die weißen Federn drückte und in diese hereinschnurrte.
,,Jetzt schlaf." ,,Kabala!" ,,Ich liebe dich auch."

Und damit löschte der Gott der Weisheit das Licht.
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