When Gunshots Sound Like Fireworks

OneshotDrama, Freundschaft / P16 Slash
Gilberto Weasel Iduna Nobel Rayscent Crazyrabbit The Mother / Freya
26.02.2020
26.02.2020
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26.02.2020 2.201
 
Ein Knall. Draußen, vor dem Haus, malten Feuerwerke bunte Bilder in den schwarzen Nachthimmel, versetzten Kinder ins Staunen und ließen selbst Erwachsene für einen Moment lang in einer Art von Ehrfurcht innehalten während sie zu den bunten Funken aufsahen die in so vielen verschiedenen Farben durch den Himmel tanzten. Manche Leute jubelten und machten so noch mehr Lärm, welcher jedoch unter dem stetigen Knallen weiterer explodierender Feuerwerkskörper unterging, manche Leute hielten sich etwas zurück, unterhielten sich mit leicht gehobener Stimme um sich über den Lärm der Feier zu verstehen während sie den köstlich duftenden Glühwein tranken der an jeder Ecke verkauft wurde. Doch nicht jeder konnte all diese positiven Gefühle teilen, nicht jeder konnte sich beteiligen an den Festlichkeiten.

Die dicken Vorhänge waren zugezogen, das Haus lag in vollkommener Dunkelheit und nicht einmal das laute Aufflackern des von den Feuerwerkskörpern erleuchteten Himmels konnte das Wohnzimmer erleuchten. Dennoch waren die massiven Steinwände nicht stark genug, um das laute Knallen der Explosionen im Himmel vom Haus abzuhalten und so saßen dort auf dem Sofa, dicht aneinander gedrückt, zwei junge Männer. Eine weiche Decke mit Pfotenabdrücken auf ihr über ihre zitternden Körper gezogen, der Kopf des Kleineren gegen die Brust des Größeren und die Hände auf die Ohren gedrückt.
,,Mach dass es aufhört...! Ray...! Ray bitte...!"
Immer wieder öffnete sich der Mund des Kleineren nur leicht um immer wieder die selben Phrasen hervor zu keuchen in seiner Panik, die Stimme gedämpft von dem gelben, mit schwarzen Sonnen bedrucktem Stoff von Rays Hemd. Dieses hatte Ray in seiner Unruhe aufzuknöpfen versucht, mit seinen zittrigen Händen jedoch nicht geschafft die Knöpfe durch die Knopflöcher zu drücken.  Rays Hand fuhr durch die kurzen, schwarzen Haare seines Partners, zitterte dabei aber ebenso wie der Rest seines Körpers. Er wollte etwas sagen, wollte seinen Partner beruhigen, ihm versichern dass alles in Ordnung war, doch als er versuchte die Worte in seinem Mund zu formen fühlte es sich an wie eine Lüge und er brachte kein Wort heraus. Er drückte nur weiter schweigend den jungen Mann an sich, genoss die angenehme Körperwärme die ihn daran erinnerte dass er nicht alleine war, nicht so alleine wie in dieser einen Nacht.

Die Erinnerungen rissen an ihm wie strömendes Wasser. Es war eine dunkle Nacht gewesen. Der schwarze Himmel war verhangen von dicken, grauen Wolken, der Regen prasste zu Boden, der Wind peitschte über das Land. Ab und an zuckte ein heller Blitz mit einem Knall den Nachthimmel und schlug irgendwo in einen Baum oder in ein Häuserdach ein.

Seine Truppe war schon Tage lang gelaufen, die Erschöpfung leckte wie eine Flamme an seinen Beinen und verlockte ihn dazu, einfach aufzugeben. Sein Bauch schmerzte vor Hunger und er erwartete bereits gierig den Moment, endlich das nächste temporäre Lager aufzuschlagen und sich mit seinen Kameraden Brot und Brühe zu teilen. Schritt für Schritt fühlte sich jede einzelne Bewegung an wie eine Qual und auch seinem Partner neben sich schien es so zu gehen, denn dieser gab bei jedem Schritt ein leises Keuchen von sich und wirkte wie viele andere der Soldaten auch alles andere als entschlossen. Die kleinen Hände umklammerten in seiner Angst den Griff seiner Pistole und bei jedem ungewöhnlichen Geräusch bewegte sich der Finger ein wenig auf den Abzug zu. Die schwarzen Haare waren unordentlich wie immer, wenn nicht sogar noch etwas unordentlicher durch Wind und Wetter. Es brauchte ein wenig Kraft, doch letztendlich brachte der Soldat doch noch ein paar Worte an seinen Partner hervor, leise durch das laute Prasseln des Regens und das Grollen des Donners.
,,Wir sind bald da, Gil. Es ist nicht mehr lange."

Er wusste nicht ob er mit diesen Worten Gil oder doch sich selbst zu trösten versuchte, doch egal was seine Absicht war, sein Versuch scheiterte kläglich. Dennoch fühlte es sich gut, sich um jemandem zu sorgen. Bevor er Gil traf war es immer nur wichtig gewesen, dass es nicht er war der von den Schüssen des Gegners getroffen wurde, nicht er war dem von den Explosionen das Fleisch vom Körper gerissen wurde, nicht er war der schrie weil seine Augen aufgehört hatten zu sehen, nicht er war der in seinen Schmerzen nach seiner Mutter weinte und sie anflehte die Schmerzen doch endlich stoppen zu lassen. Sie schrien immer nach ihren Müttern.  Er dachte an seine eigene Mutter, die er zuhause zurückgelassen hatte, mit dem Versprechen heil zu ihr zurückzukehren. Er dachte an das Lächeln auf den Lippen seiner Mutter und an die Begeisterung seiner kleinen Geschwister. Für sie war er ein Held. Seine geliebte Familie. So sehr wünschte er sich zurück, zurück zu seiner Familie, zurück zu seinem geliebten Venedig. Gil schwieg nur und sah seinen Partner aus müden, von dunklen Schatten untermalten Augen an. Dieser Blick von Hoffnungslosigkeit ließ Ray erzittern, denn Gil hatte stets, all diese Zeit lang, eine Hoffnung mit sich gezogen die Ray immer wieder erstaunte und selbst dazu antrieb, noch einen weiteren Tag zu leben. Er wusste nicht was schlimmer war, seine eigene Hoffnungslosigkeit oder doch die blinde Hoffnung Gils, die einen zwar eine Zeit lang durch das Schlimmste trug, am Ende jedoch doch nur Enttäuschungen mit sich brachte. Denn am Anfang konnte sich keiner der jungen, unerfahrenen Soldaten vorstellen wie der Krieg werden würde, getrieben von der Propaganda die für neue Soldaten warb hatten sich viele junge Männer Geld erhofft, Geld das viele von ihnen doch so dringend brauchten. Ray war schließlich nicht der einzige hier, der Zuhause eine Familie sitzen hatte - Anders als er hatten viele eine Frau zuhause sitzen die gemeinsam mit ihren Kindern auf die Ankunft ihres Mannes wartete, oder Stunden lang auf gute Nachrichten hoffte.

Auch Ray hatte viele Briefe geschrieben, doch nie schickte er die Briefe ab die die Wahrheit enthielten. So oft saß er noch spät nachts wach und schrieb Dinge nieder die seine Familie nie erfahren sollen würde, in einem verzweifelten Versuch sein Leid doch wenigstens ein wenig zu lindern. Denn wem sollte er schon von seinen Sorgen erzählen wenn nicht sich selbst? Keiner seiner Kameraden würde es ertragen können, stolperten sie doch selbst schon gefährlich nah am Abgrund der in Wahnsinn führen würde. Und seiner Familie könnte er es nicht antun, sie in dem Wissen zu lassen wie sehr ihr ältester Sohn hier litt, nicht nachdem ihnen so lange nur all diese positiven Nachrichten überbracht wurden. Er könnte ihnen nicht sagen wie oft er erwachsene Männer weinen gehört hatte während er selbst nur zusah und wie alle anderen nur bedeutungslose Worte des Trostes hervorbringen konnte. Er könnte ihnen nicht sagen wie wenig er sich noch wie ein Mensch fühlte nachdem er so vielen Leuten die nicht mehr Schuld trugen als er selbst das Leben geraubt hatte.

Eines Tages hatte er ein kleines Mädchen in einem der verlassenen Häuser eines ausgeraubten Dorfes gefunden, der Bauch offen und die Eingeweide feucht schimmernd freigelegt. Ray hatte sie ohne zu Zögern zurück in den kleinen Körper geschoben und mit zitternden Händen dort festgehalten, doch der Feldarzt hatte nur den Kopf geschüttelt und war weiter gegangen als Ray mit Tränen in den Augen und dem Kind in seinen Armen zu ihm gerannt war, ihn anflehte etwas, irgendetwas zu tun, dieses Kind nicht hier sterben zu lassen. Für die wenigen Minuten in denen das Kind noch gelebt hatte hatte Ray sich gezwungen gefasst zu wirken, hatte ihr immer und immer wieder versprochen dass sie ihr helfen würden, dass sie ihr zu ihrer Familie zurückbringen würden. Das Mädchen starb in seinen Armen. Seine Uniform war in Blut getränkt als er sich wieder seinem Partner beim Durchmarsch anschloss. Das war der Tag an dem er aufhörte zu beten. Mit blutigen Händen hatte er die Kette mit dem Kreuz von seinem Hals gelöst und sie in einen der leeren Brunnen geworfen. Er hatte seinen Glauben verloren. Welch grausame Person musste dieser Gott auch sein, wenn er solch ein Leid zuließ? Sein Partner musste ihm die Waffe abnehmen aus Angst, was der verstörte Soldat sonst tun würde. Mehr als einmal hatte er sich bereits das Gewehr an die Schläfe gehalten in einem Versuch seinem erbärmlichen Leben ein Ende zu setzen, die Stimmen seiner Opfer in seinem Kopf die um Gnade flehten zum Verstummen zu bringen.

Dies war eine weitere Sache die er niemals seiner Familie erzählen könnte. Er beendete noch immer jeden seiner Briefe mit einem liebevoll geschriebenem ,,God bless" und einem kleinen gemalten Kreuz, denn er wollte seiner Familie ihren Glauben lassen, denn er war es was sie und bis vor kurzem auch noch ihn durch diese schwere Zeit getrieben hatte. Es mochte egoistisch klingen, doch er wollte dass seine Familie ihn als Helden in Erinnerung  behielt und nicht als einen Mann der jede Nacht weinte und nichts anderes wollte als endlich zuhause zu sein. Es war nicht so als könnte er sich an jeden Tag erinnern, viele Tage verbrachte er benebelt von Alkohol oder von Fieber, wenn er sich eine Entzündung in einer Wunde eingefangen hatte, doch es waren diese gewissen Momente die sich für immer in sein Gedächtnis eingebrannt hatten.

Und dann war da noch dieser eine Tag. Dieser eine Tag der sein gesamtes Leben auf den Kopf stellte. Es war ein Kampf wie jeder andere. Er wurde angeschossen, ja, aber er wurde so oft verletzt. Er würde nicht sterben. Es würde nicht ihn treffen. Es traf nie ihn. Nie, außer an diesem einen Tag. Ein Schuss fiel und Ray sah sich um um sicher zu gehen dass keiner seiner Kameraden gefallen war, doch zu seinem Schrecken lagen die Blicke nicht auf dem Kampfgeschehen oder auf einem anderen Soldaten, sie lagen auf ihm. Er sah an sich herunter. Eine blutige Wunde klaffte in seinem Bauch, und noch bevor er Zeit hatte etwas zu sagen oder auch nur irgendwie auf die Schmerzen zu reagieren fiel ein zweiter Schuss. Seine Augen. Er konnte nichts sehen, alles war schwarz, Gil... Dann verlor er dass Bewusstsein.

Als er aufwachte war da eine Frau. Sie war wunderschön, ihre langen, violetten Haare waren gepflegt, ihre Figur war weiblich und kurvig, ganz anders als die ausgehungerten Frauen die er durch die Straßen Venedigs huschen sah. In diesem Moment wusste er noch nicht, dass diese Frau seine Rettung gewesen war, dass sie für viele weitere Jahre einer seiner besten Freunde sein würde. ,,Hallo, Miss.." Brachte der Soldat mit schwacher Stimme hervor. Während der S-Ton am Ende des Wortes über seine Lippen ging spürte er etwas ihm Unbekanntes. Er fuhr mit der Zunge über seine Zähne und zuckte zusammen als ein Schmerz ihn auf die nun spitze Form dieser aufmerksam machte. ,,Was macht jemand so Schönes wie sie denn in dieser Einöde?" Die junge Frau streckte ihm ihre Hand hin. ,,Machen sie sich keine Mühe, Miss. Für mich ist es zu spät." ,,Ist es nicht. Du bist okay." Sie hatte eine Rolle mit Verband darauf in der Hand, ergriff mit der anderen Rays Hand und zog ihn zu sich hoch. Sie wickelte den Verband um sein Gesicht, dessen Haut um die Augen herum zerfetzt war. Zwar würden die Wunden heilen, eine Entzündung wäre dennoch nur lästig und zu vermeiden. ,,Ich bin okay?" Der Soldat klang verwirrt und ihm fiel nun erst auf wie gut es ihm ging, zu gut für die Schüsse die er abbekommen hatte.

,,Komm mit mir, dein Partner wartet schon."

Sie nahm sanft Rays Hand und führte ihn, jeder seiner Schritte zögerlich. Dann plötzlich hörte er Gil. ,,Sorry Partner, dass ich vor dir gestorben bin!" Er war vor ihm gestorben? Sein Partner war vor ihm gestorben und er hatte es nicht einmal mitbekommen? Er hörte Fußschritte auf dem rauen Boden immer näher kommen, dann wurde er in eine Umarmung gezogen. Er drückte den viel kleineren Mann dicht an sich und spürte den schnellen Herzschlag seines Partners an seiner Brust. Erst nach einigen Minuten waren sie bereit sich aus der Umarmung zu lösen, doch Rays Hand ruhte noch immer auf Gils Schulter. Er musste ihn bei sich behalten, musste sich versichern dass er wirklich da war und dies alles nicht nur ein Traum war. ,,Mein Name ist The Mother." Die junge Frau lächelte. ,,Willkommen in der Familie."

,,Gil, Ray?" The Mother betrat das dunkle Wohnzimmer, Hand in Hand mit ihrem Eve, der jungen Bastlerin Iduna. ,,Was macht ihr denn hier?" Fragte die Blonde. ,,Du weißt, wie ich meine Abkömmlinge wähle, richtig?" Nach einigen Sekunden klickte es im Kopf Idunas, sie nickte und wurde still, ließ die Hand ihrer Freundin los als diese zu ihren Abkömmlingen ging. Sie setzte sich zu den Boden. ,,Es ist okay." Ihre Stimme war so ruhig wie immer. ,,Es ist vorbei. Ihr seid sicher." Sie fuhr sanft durch die schwarzen Haare der beiden jungen Männer, darauf bedacht sie nicht einzuengen. ,,Es ist nur ein Feuerwerk. Niemand tut euch weh." Als die Blicke in den roten Augen sich etwas klärten schloss sie die beiden in die Arme und auch die Blonde schloss sich ihnen an. ,,Nee-Chan, Miss Tinker.." Flüsterte der Kleinere. ,,Bleibt bei uns, ja.."? ,,Natürlich." Die Stimmen der zwei Frauen waren beinahe synchron. ,,Wir sind doch eine Familie. Wir passen auf euch auf." ,,Familie.." Ray lächelte. ,,Familie klingt schön, Boss."
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