Mirror

GeschichteRomanze / P18
Chakotay Kathryn Janeway
24.02.2020
26.03.2020
2
12270
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Mirror – Teil 2
Autor: Dancing Star
Genre: AU, Romance
Pairing: Janeway/ Chakotay
Rating: 18
Inhalt: Ein geheimnisvoller Spiegel befördert Kathryn in ein Spiegeluniversum.
Anmerkungen: Schwierige Geschichte war das! Es gab 4 (!) unterschiedliche Versionen von Teil 2, bis ich zufrieden war. Dies hier ist Nummer 4.
Ich wünsche euch allen in diesen Zeiten nur das Beste. Pass auf euch auf. Wenn ich euch hiermit ein bisschen ablenken kann, freut mich das sehr.

Mirror—Teil 2

Am nächsten Tag las Kathryn das Logbuch zu Ende und traf beim Mittagessen auf B´Elanna. „Hier bist du“, sagte sie energisch, „Ich dachte schon, du verbringst deinen gesamten Urlaub auf dem Schiff.“
„Entschuldigung, Li…“, Kathryn bis sich auf die Zunge, „Entschuldigung, B´Elanna. Gibt es einen Grund, weshalb du sauer bist?“
„Wir waren heute zum Tauchen verabredet…“, B´Elanna ließ sich auf den Stuhl fallen, welcher auf der anderen Seite des Tisches stand, „Da du mich und Tom scheinbar vergessen hast, haben wir uns ohne dich das Korallenriff im Ozean angesehen.“ Es war eine herrliche, bunte Unterwasserwelt und B´Elanna fand, sie hatte viel verpasst. Allerdings war sie auch nicht traurig deswegen, denn so hatten sie und Tom endlich einmal wieder Zeit für sich gehabt.
Aus den Augenwinkeln sahen sie, wie der Captain auf sie zuging. B´Elanna bemerkte den seltsamen Ausdruck auf Kathryns Gesicht, die scheinbar erleichtert war, dass der Captain kurz vor ihrem Tisch doch abbog und ihnen einen schönen Tag wünschte.
„Okay, was ist los?“, wollte B`Elanna wissen, „Du machst schon wieder dieses Gesicht.“ Mit ihrer rechten Hand kreiste sie zweimal vor ihrem eigenen Gesicht. „Das machst du immer, wenn du von enttäuscht bist.“
„Ich…“, Kathryn stoppte, „Also, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Ich bin nicht enttäuscht. Weshalb auch?“
„Wie lange wollt ihr beide noch um umeinander herumtanzen, als wäre nichts zwischen euch?“, fragte B´Elanna plötzlich und Kathryn ließ entsetzt ihre Gabel auf ihren Teller fallen. „Weiß etwa jeder davon?“
„Nicht jeder, aber…. Außerdem hast du selbst gesagt, er gefällt dir: Er ist charmant, stark, intelligent, größer als du… Und du sagtest, der Mann deiner Träume sollte warme, dunkle Augen haben…..Komm schon, Kathryn. Wie lange möchtest du noch misstrauisch sein? Der Captain wird dich nicht so behandeln, wie Mark es getan hat… Ich glaube, dass er wirklich aufrichtig ist.“
Kathryn stand auf. Zum einen, weil sie ihr Mittagessen nun vorzeitig beendet hatte und zum anderen, weil B´Elanna ins Schwarze getroffen hatte. „Und wie du es schon selbst erwähnst, er ist der Captain. Ich bin der Erste Offizier.“ Mit diesen Worten verabschiedete sie sich und ging in ihr Zimmer zurück. Eine Beziehung zwischen dem Captain und dem Ersten Offizier war laut den Regeln der Sternenflotte nicht erlaubt und sie glaubte, daran würde sich auch in diesem Universum nichts ändern. Es sei denn, Captain Chakotay war mutiger als sie….

In ihrem Zimmer blieb Kathryn bis zum Abend und als sie sicher war, dass ihr im Präsidentenpalast, wo die Führungsoffiziere en Garten hinaus, wo sich ein großer Pool befand. Um den Pool herum waren unzählige kleine Lichter aufgestellt und an einigen Stellen im Rasen gab es Liegemöglichkeiten, die Kathryn eher an gemütliche Himmelbetten erinnerten. Dies alles wirkte viel mehr wie eine Ferienanlage, als die Unterkunft eines Regierungsoberhauptes.
Vorsichtig tauchte Kathryn ihren linken Fuß in das hell erleuchtete Wasser um die Temperatur zu prüfen. Es war perfekt, also wurde sie schnell ihr Kleid los, legte es auf eine der Liegemöglichkeiten und steckte ihre langen Haare hoch. Sie stieg nur mit ihrem Badeanzug bekleidet ins Wasser.
Es war schön, den Pool für sich zu haben. Kathryn schwamm einige Bahnen durch das Becken und ließ sich dann auf der Oberfläche des Wassers treiben. Sie fühlte sich leicht, als sie zu den Sternen hinaufschaute, die am Himmel glitzerten. Für einen Moment entging ihr, dass sie nicht mehr die einzige Person war, die die Einsamkeit und die finstere Nacht in dem warmen Wasser genoss. Sie hörte ein Planschen und stellte ihre Füße auf den Boden des Pools. Kathryn sah sich um und entdeckte eine Gestalt, die ebenfalls durch das Wasser schwamm und sie nicht gesehen hatte. Es war ein Mann. Dunkelhaarig und…. Ihr Atem stockte für eine Sekunde. Es war der Captain.
Nun musste Kathryn sich beeilen, denn sie wollte nicht, dass er sie so sah.
„Guten Abend, Kathryn!“, rief er und sie hörte ein plantschendes Geräusch. Es war zu spät: Er hatte sie bereits gesehen. Kathryn blieb in der Mitte des Pools und wartete, bis er sie erreicht hatte. Kathryn hatte jetzt keine Gelegenheit mehr, die Fluch zu ergreifen.
„Was machen Sie hier?“, fragte er sie. Sie waren etwa eine Armeslänge voneinander entfernt.
„Ich hatte den ganzen Tag über keine Gelegenheit, zu schwimmen“, erklärte sie, „Ich wollte es gerne nachholen.“
„Es ist dunkel. Sie sollten nicht alleine hier sein“, ermahnte Chakotay sie, „Das ist gefährlich.“
„Das kann ich nur zurückgeben“, Kathryns Augen fixierten ihn und plötzlich hörte sie ihn lachen.
„Ist schon in Ordnung, Kathryn. Ich schreibe Ihnen nicht vor, wie Sie Ihre Freizeit verbringen sollen…. Es ist eine wundervolle sternenklare Nacht, nicht wahr?“
„Ja", stimmte sie zu. Und es war so still, so das sie nur das leise Plätschern des Wassers und das Zirpen der Grillen hören konnte.
„Sie sind den Sternen sonst viel näher als ich…“
„Was meinen Sie?“, er verstand nicht.
„Sie können von Ihrem Bett in Ihrem Quartier auf der Voyager die Sterne sehen ohne aufstehen zu müssen.“ Sie vermisste das.
Diese Aussage erstaunte ihn ein wenig. „Woher wissen Sie das?“, fragte er. Wann war sie in seinem Quartier, im Schlafzimmer, gewesen?
„Was?“
„Woher wissen Sie, dass mein Bett am Fenster steht?“
„Geraten“, schwindelte sie und wollte an ihm vorbeischwimmen.
„Kathryn, da Sie schon einmal hier sind, muss ich Sie zu einem Wettschwimmen herausfordern.“
„Nein, besser nicht. Wie Sie schon festgestellt haben, sollte ich gar nicht hier sein…“
„Nur eine Runde… Außerdem bin ich jetzt bei Ihnen.“
„Nein, ich muss wirklich gehen.“
„Das würde ich auch sagen, wenn ich Angst hätte, zu verlieren.“
„Ich habe keine Angst, dass ich verliere“, erneut glitzerten ihre Augen und sie schwamm an ihm vorbei. Er hatte sie damit. „Wir schwimmen um die Wette bis zum Ende des Pools und zurück.“
Chakotay war froh, dass sein Erster Offizier sich – genau wie er- noch im Urlaubsmodus befand und so schwammen sie gemeinsam an den Beckenrand. Während sie einige Meter vor ihm schwamm, nutzte er die Gelegenheit um ihren Körper ungeniert zu beobachten. Der Badeanzug stand ihr hervorragend. Sie war schön, attraktiv… Und sie raubte ihm noch den Verstand….!
Am Beckenrand angekommen, riss er sich aus seinen Träumereien und wartete auf ihr Startsignal.
„Auf die Plätze!.... Fertig!... Los!“
Sie beide schwammen so schnell es ihnen möglich war, durch das warme Wasser. Bis zum gegenüberliegenden Ende des Pools war Kathryn ihn Führung, doch als sie sich an der Wand des Pools abstieß um den Rückweg einzulegen verlor sie Zeit. Er war schneller als sie und erreichter als erster das Ziel.
„Das war ein guter Wettkampf“, Chakotay versuchte Luft zu schnappen.
„Ich habe Sie absichtlich gewinnen lassen.“ Kathryn musste zugeben, dass ihr Stolz doch verletzt war. Natürlich sah er, wie eingeschnappt sie in diesem Moment war. Als sie beleidigt an ihm vorbeischwamm, konnte er nicht wiederstehen, ergriff ihre Hand und zog sie an sich. Er hielt sie im Arm und seine Hände wanderten automatisch über ihre Taille. Er erwartete jetzt, dass sie sich ihm entziehen würde.
Nach gestern Abend wollte Kathryn sich tatsächlich ein bisschen von ihm fern halten, damit sie nicht in Versuchung geriet, etwas Dummes zu tun. Gestern Abend… Oh, sie erinnerte sich nur zu gut an die Wärme seines Körpers, als sie gestolpert waren und sie beide zu Boden fielen. Oder wie heftig er mit ihr geflirtet hatte, als er ihr die Legende von Prinzessin Kyssya erzählte.
„Ich…“, begann sie, aber er wollte nicht hören, was sie zu sagen hatte. Stattdessen legte er seine Lippen auf ihre und küsste sie. Kathryn ließ es sich gefallen und er hob sie hoch. Sie stöhnte, als sie seine Hände an ihrem Po spürte. Sie erschreckte sich darüber, wie sehr es ihr gefiel, so von ihm im Arm gehalten zu werden und ihr Kuss wurde noch tiefer und inniger. Sie wusste jetzt, dass er sich genauso nach ihr sehnte, wie sie nach ihm.
Das Geräusch einer Tür, die geöffnet wurde, ließ sie auseinanderfahren. Sie beide fühlten sich fast als ob sie etwas Verbotenes getan hatten. Kathryn nutzte den Moment, stieg aus dem Wasser und griff nach ihrem Kleid. Ohne sich abzutrocknen, ging sie alleine in ihr Zimmer zurück. Dort Ruhe zu finden, gelang ihr nicht, denn noch immer kreisten ihre Gedanken um den Captain, seine weichen Lippen und seinen fordernden Kuss. Das Gefühl von seinen starken Schultern unter ihren Händen…. Kathryn befürchtete, dass sie niemals wieder schlafen könnte sondern für den Rest ihres Lebens an diesen Moment denken müsste.

„Guten Morgen“, sagte Chakotay am nächsten Morgen zu ihr, als sie sich im Garten des Präsidentenpalastes begegneten. Sie hatte ihre Uniform erneut gegen ein schönes Kleid ausgetauscht und ihre Haare hingen offen über ihre Schultern. Kathryn lächelte, als sie ihn sah. „Guten Morgen.“
In dieser Sekunde geisterte ihr Kuss von gestern Abend durch ihre Gedanken und sie wurde rot.
„Würden Sie mich heute Nachmittag zu einer Sitzung mit dem Präsidenten begleiten? Er sagte, wir könnten besprechen, ob wir mit dem Schiff durch das Hoheitsgebiet der Kyssyaner reisen dürfen...“
Sie hoffte, er wollte sie nur dabei haben, weil er ihren Rat als Erster Offizier schätzte.
„..Außerdem können Sie sich dafür entschuldigen, dass Sie den Spiegel im Museum angefasst haben“, erinnerte sie.
Das war der Dämpfer, den sie brauchte, dachte Kathryn sich. Trotzdem versuchte sie, tapfer zu lächeln. „Das klingt sehr gut.“
„Schön“, er grinste ebenfalls, „Bis es soweit ist, begleiten Sie mich doch an den Strand und gehen mit mir spazieren. Die Sitzung wird erst am Nachmittag nach dem Essen stattfinden.“
Da war es wieder, dieses kleine verlockende Gefühl. Wie gerne würde sie außerdem mit ihm darüber sprechen, dass sie gestern Abend den Pool so schnell verlassen hatte. Sie musste ihm sagen, dass sie an nichts anderes mehr denken konnte. „Ja, sehr gerne“, antwortete sie fast automatisch.
Der Strand war wunderschön. Nicht einmal auf der Erde hatte Kathryn so viele Palmen gesehen und irgendwann wurden die Touristen- Scharren weniger, der Strand einsamer.
Nach ihrem Spaziergang aßen sie gemeinsam zu Mittag und dann mussten sie sich auf den Rückweg zum Präsidentenpalast machen. Dort empfing sie der Präsident von Kyssya noch einmal, Kathryn entschuldigte sich, weil sie den Spiegel berührt hatte und während Chakotay und der Präsident redeten, klinkte sich Kathryn irgendwann aus dem Gespräch aus. Dies kam er Recht. Sie machte sich alleine auf den Weg nach dem mysteriösen Spiegel zu suchen. Sie hatte Glück, denn der Spiegel befand sich noch immer in dem Raum des Palastes, der als Museum fungierte.
Für eine Sekunde betrachtete sie ihr Spiegelbild und zögerte. Sollte sie wirklich in ihr Universum zurückkehren, wo sie hier doch alles hatte, was sie wollte? Sie dachte an ihr Schiff und ihre Crew und beschloss, dass sie es tun musste. Ihre Fingerspitzen berührten die kalte Oberfläche des Spiegels, doch nichts geschah. Vielleicht musste sie ihre Handfläche darauf legen….
„Commander, hier sind Sie also…!“, sagte plötzlich eine Stimme hinter ihr. Es war der Präsident, der gemeinsam mit Captain Chakotay den Raum betrat. Kathryn fühlte sich ein wenig ertappt und zog ihre Hand von dem Spiegel zurück.
„Wie ich sehe, hatten Sie vor, das Portal zu nutzen…“, meinte der Präsident.
„Sie wissen davon?“ Kathryn war erstaunt, dass er nicht wütend wurde, weil sie den Spiegel erneut berührt hatte. Möglicherwiese lag es daran, dass sie diesmal nicht das Bewusstsein verloren hatte.
„Ich weiß nur, dass meine Vorfahren es das Portal zur Welt der Verlorenen nannten und dass man es nur einmal nutzen kann…“
Ihr wurde leicht schwindelig bei den Worten des Präsidenten. Das bedeutete, war eine Gestrandete in diesem Universum. „Und es gibt keine Ausnahmen?“
„Es gibt eine Ausnahme“, berichtete der Präsident und Kathryn war gespannt, sie zu hören, „Man kann den Spiegel nur mehrfach benutzen, wenn die Oberfläche in beiden Universen zur selben Zeit von derselben Person berührt wird“. Der Präsident klang aufrichtig und wandte sich nun einem riesigen Gemälde eines seiner Vorfahren zu. Er begann, ihnen zu erklären, welch bedeutende Rolle sein Urahne hatte, doch Kathryn hörte nicht zu. Wie sollte sie es nur schaffen, dass sie auch im anderen Universum den Spiegel berührte. Sie wusste doch gar nicht, ob ihr Gegenpart in ihrem Universum überhaupt noch am Leben war…!
Kathryn zuckte zusammen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte und als Chakotay sie leise fragte: „Ist alles in Ordnung?“
Sie nickte hektisch und wünschte sich, es gäbe einen Weg, dieser unangenehmen Situation zu entkommen. „Paris an Janeway“, Tom rief sie in diesem Moment via Com. Innerlich bedankte sie sich bei Tom, dass er sie gerettet hatte.
“Janeway hier.”
“Wäre es möglich, dass du sofort aufs Schiff zurückkommst? Wir müssen etwas bereden….“
„Ich… Ich komme sofort“, sie sah nur kurz in das Gesicht ihres Captains, „Entschuldigen Sie mich bitte…“

Kathryn hatte keine Ahnung, was genau ihr Stiefbrüderchen mit ihr besprechen musste und noch immer fühlte sie sich von der Tatsache, dass der Spiegel nicht mehr funktionierte, wie ausgeknockt. Sie brauchte Zeit, um diesen Schock zu verdauen. Tausend Fragen gingen Kathryn durch den Kopf. Allen voran, wie sie damit zurechtkommen sollte, dass sie eigentlich der Captain war und nicht der Commander dieses Schiffes.
Eine Stunde später erschien sie im Casino der Voyager und ließ sich von Neelix zuerst eine Tasse Kaffee geben. Kathryn setzte sich an den Tisch, an dem bereits Tom und B´Elanna auf sie warteten. Sie stellte fest, dass es wohl keine guten Nachrichten sein mussten: Das konnte sie an B´Elannas besorgten Gesicht sehen.
„Nun, was ist los?“, fragte sie.
Tom sah unsicher von seiner Freundin zu seiner Schwester. „Erinnerst du dich, dass die Kyssyaner für uns die Nachrichten aus der Heimat bereitgestellt hatten?“, fragte er und Kathryn nickte. Sie hatte bisher noch keinen Brief erhalten.
„Es war ein Brief für mich von Phoebe dabei“, machte Tom weiter und dies erstaunte Kathryn. Ihre Schwester hatte ihrem Stiefbruder geschrieben, aber nicht ihr.
„Phoebe schreibt, dass Mutter vor einem Jahr verstorben ist.“
Es dauerte einige Sekunden, bis diese Nachricht in Kathryns Hirn ankam. „Was?“, fragte sie und unbewusst versagte ihre Stimme. Tränen sammelten sich in ihren Augen. „Wie?“
„Mom ist eines Nachts eingeschlafen und an nächsten Morgen nicht mehr aufgewacht“, berichtete Tom. B´Elanna griff auf dem Tisch beruhigend nach der Hand ihres Freundes. Dieser verstand die Reaktion seiner Schwester nicht: Er wollte sie lediglich darüber in Kenntnis setzten, dass Gretchen nicht mehr lebte, doch das sie weinte, damit hatte er nun nicht gerechnet. Es war viele, viele Jahre her, seit sie ihre Mutter zuletzt gesehen hatte. Kathryns Austritt aus der Sternenflotte führte eigentlich zum Bruch mit dem Rest der Familie. Dass sie zumindest zu ihrem Stiefbruder ein halbwegs gutes Verhältnis hatte, verdankte sie nur dem Umstand, dass die Voyager im Delta- Quadranten verschollen war.
Kathryn nickte. „Ich muss gehen“, sagte sie und stand auf. Sie hörte noch, wie B´Elanna sie fragte, ob sie etwas für sie tun könnte, doch Kathryn ignorierte es ausnahmsweise.

Kathryn hasste die Person, die in diesem Universum aus ihr geworden war! In der Zeit, die sie benötigte zu ihrem Quartier auf dem Schiff zu gelangen, hatte sich herumgesprochen, dass die Kyssyaner keine weiteren Nachrichten für die Crew aus der Heimat hatten. Und da Kathryn noch immer keinen Brief erhalten hatte, nahm sie an, Phoebe hatte ihr auch nicht geschrieben. Ihre Familie redete nicht mehr mit ihr, ihre Mutter lebte außerdem nicht mehr und der Spiegel, welcher sie wieder in ihr ursprüngliches Universum bringen könnte, funktionierte nicht.
Sie saß in der Finsternis ihres Quartiers und wartete. Worauf, das wusste sie nicht. Sie wollte weinen, aber aus irgendeinem Grund ging es nicht. Stattdessen blieb sie niedergeschlagen auf ihrer Couch sitzen und fragte sich, warum dieser Alptraum nicht bald ein Ende haben würde.
Dann meldete sich jemand an der Tür ihres Quartiers und Kathryn ließ den Besucher herein. Es war der Captain. Genau wie sie trug er jetzt wieder Uniform.
„Tom hat mir berichtet, was geschehen ist“, sagte er mitfühlend, „Das tut mir leid.“
„Ja, mir auch“, stimmte Kathryn zu. Nun sagte keiner von ihnen ein Wort, aber Chakotay sah ihren unfassbar traurigen Gesichtsausdruck. Also ging er zu ihr, setzte sich neben sie und zog sie an sich. Für eine Sekunde fragte er sich, ob er damit nicht zu weit ging, aber er fühlte sich auch bestärkt, weil sie keinen Widerstand leistete.
„Was ist nur aus mir geworden?“, fragte sie ihn, „Scheinbar verdiene ich es nicht, dass sich zuhause jemand um mich Sorgen macht.“ Gleichzeitig wusste Kathryn noch immer nicht, wie sie sich je damit abfinden sollte, dass sie eigentlich der Captain dieses Schiffes war, und nicht der Erste Offizier. So, wie es in diesem Universum der Fall war.
„Sagen Sie das nicht“, seine Stimme war sanft, „In den letzten drei Jahren haben Sie sich zu dem besten entwickelt, was aus Ihnen hätte werden können. Kathryn, Sie sind ein wunderbarer Mensch. Es gefällt mir, dass Sie einen derart guten Draht zur Crew haben. Und ich finde es bewundernswert, wie Sie für Ihre Werte einstehen. Sie sind stark und unabhängig.“ Dass er genau diese Eigenschaften an ihr sehr anziehend fand, erwähnte er nicht.
Kathryn fühlte sich wie benommen, von seinem Geruch und seinen Herzschlag, den sich spüren konnte. Und davon, dass er sie noch immer in den Armen hielt.
Sie sah das PADD, welches er dabei gehabt hatte, aber auf ihrem gläsernen Tisch abgelegt hatte. „Was ist das?“, fragte sie.
„Ein Brief von meiner Verlobten von der Erde…“, Chakotay sah ihren Blick, „Meiner Ex- Verlobten“, korrigierte er, „Seska hat vor zwei Jahren einen anderen geheiratet und erwartet mittlerweile ihr erstes Kind.“
Kathryn bedauerte, dass es so für ihn gekommen war und sie wusste sehr genau, was sein eigentliches Problem war: Er glaubte, seine Ex- Verlobte liebte ihn nicht genug, wenn sie bereits ein Jahr nach seinem Verschwinden einen anderen heiratete. Andererseits bedeutete es auch, dass er frei für eine Andere war. Mit einem Male erschrak Kathryn, denn so hatte sie es noch nie gesehen. Im Grunde war Captain Chakotay genau wie sie. Und sie beschloss, dass sie nicht einmal die Gewissheit brauchte, ob ihr Verlobter im Alpha- Quadranten vielleicht mittlerweile ebenfalls eine andere Frau gefunden hatte. Verdammt, sie musste dringend mit Chakotay reden, wenn sie es wieder in ihr Universum schaffte….!
„Das tut mir ebenfalls sehr leid für Sie“, Kathryn war erstaunt, dass ihr Mund diese Worte fast automatisch sprach.
„Kathryn, ich….“, er schüttelte den Kopf, „Ich bin frei. Als ich es noch nicht war, war ich nicht in der Lage, mir meine Gefühle für dich einzugestehen, weil ich keine von euch beiden verletzen wollte. Ich dachte, die Frau, die unerreichbar fern von mir ist, ist meine Verlobte, aber in Wahrheit bist das du. Und gestern Abend im Pool, das war….“ Eine Offenbarung ihrer Gefühle füreinander, ergänzte er im Stillen und er sprach die Worte nicht aus. Kathryn sah, wie er für eine Sekunde zögerte, dann lächelte er resigniert und erhob sich von seinem Platz auf der Couch. Egal, was er nun sagte, er sah ein, dass er ihr den Eindruck vermittelte sie war nur die zweite Wahl weil seine Ex- Verlobte im Alpha- Quadranten nicht auf ihn gewartet hatte.
„Eigentlich bin ich schon vor langer Zeit aufgewacht und habe gemerkt, wie viel du mir bedeutest. Ich liebe dich und ich hasse den Gedanken, dass du irgendwann einen anderen heiratest und drei oder vier Kinder bekommst, die nicht meine sind. Weil ich nicht in der Lage war, ehrlich zu dir zu sein und dir zu sagen, ich weiß, du liebst mich auch. Also wenn du ebenfalls…“ Er wollte sagen, wenn sie ebenfalls Gefühle für ihn hatte, sollte sie auch zu sich ehrlich sein. Doch stattdessen sah er ihren erschreckten Blick und glaubte, sie würde ihn jeden Moment hinaus werfen.
War er doch zu weit gegangen? Seinem Ersten Offizier zu gestehen, dass er sie liebte, war ein hohes Risiko. „Entschuldige die Störung“, er war dabei, zur Tür zu gehen um ihr Quartier zu verlassen.
„Einen Moment noch“, Kathryn erhob sich von der Couch, auf der sie saß.
Chakotay beobachtete, wie sie auf ihn zu kam und direkt vor ihm stehen blieb
Sie ließ ihn nicht weitersprechen, sondern trat einen Schritt auf ihn zu und küsste ihn. Damit war hoffentlich seine Frage beantwortet ob sie Gefühle für ihn hatte und falls ja, welcher Art ihre Gefühle waren. Als sie sich von ihm löste, sahen sie einander an und lächelten.
„Du liebst mich?“
„Ja. Aber ich möchte nicht, dass du denkst du wärst nur ein Trostpflaster… Oder dass ich deine Trauer um deine Mutter ausnutzen möchte….“
Als Chakotay sicher war, dass sie sich nicht herabgesetzt fühlen würde, zog er sie in seine Arme und begann, sie noch einmal zu küssen. Diesmal war er leidenschaftlich und innig.
Kathryn stieß rückwärts gegen einen Gegenstand und als sie keine Möglichkeit hatte, ihm auszuweichen, griffen seine Hände erneut nach ihrem Körper. Sie hatten keine Ahnung, wie lange sie nur aufeinander konzentriert waren und sie beide wären gerne weiter gegangen. Stattdessen verabschiedete er sich von ihr. „Wir sehen uns morgen früh“, seine Stimme war leise, „Ich kann es kaum erwarten.“
„Geht mir genauso.“
„Bis dann…“, sagte er zu ihr und Kathryn beobachtete ihn, während er ging.
„Ja, bis dann.“ Obwohl er nicht geblieben war, war sie in diesem Moment unheimlich glücklich.

Natürlich war der Kuss schön, aber Kathryn plagte auch das schlechte Gewissen, dem Chakotay gegenüber, der auf sich auf ihrer Voyager vielleicht um sie sorgte. Was war eigentlich mit ihr in ihrem Universum geschehen? War sie tot? War sie vielleicht spurlos verschwunden? Das wüsste sie nur zu gerne…. Und je länger sie an ihn dachte und je länger sie die gesamte Situation überdachte, desto mehr kam sie zu dem Entschluss, dass sie in ihr Universum zurückkehren musste. Jetzt, wo sie und Chakotay sich näher gekommen waren und sie wollte mehr. Aber sie hatte dennoch ein schlechtes Gewissen, wenn sie an den Chakotay dachte, der auf ihrem Schiff vermutlich vor Sorge fast umkam, während sie sich hier in diesem Universum mit Captain Chakotay vergnügte. Aber sie wusste jetzt, wie es ich anfühlte, darauf zu warten und sich schmerzlich danach zu sehnen, dass die Person die man liebte, endlich ihre Gefühle erwiderte…
Sie und Chakotay trafen sich am nächsten Morgen im Turbolift, als sie auf dem Weg zur Brücke waren. „Captain…“, begrüßte sie ihn höflich, weil zusätzlich zu ihnen noch Fähnrich Billings im Turbolift stand. Sie waren erleichtert, als der Fähnrich auf Deck zwei ausstieg und sie alleine waren.
„Computer, Turbolift stoppen“, sagte Chakotay, sobald sich die Türen des Lifts geschlossen hatten.
„Endlich…“, kam es über seine Lippen, bevor er sie an die Wand des Turbolifts drückte und küsste. Kathryn reagierte sofort und küsste ihn zurück.
Nachdem sie sich beruhigt hatten, sagte er schließlich: „Wir müssen über das reden, was gestern Abend passiert ist…“
Sie nickte. „Du bereust es.“ Kathryn hatte nichts anderes erwartet, er war genau wie sie, was diese Angelegenheit betraf und darüber musste er in der vergangenen Nacht nachgedacht haben….
„Nein“, seine Antwort kam prompt, „Ganz im Gegenteil. Es hat mir gefallen.“
„Mir ebenfalls.“ Sie lächelte verunsichert. Kathryn überraschte es selbst, wie ehrlich sie plötzlich zu ihm sein konnte.
Chakotay stützte sich nun mit beiden Händen links und rechts neben ihrem Kopf an der Wand des Turbolifts ab. Er blockierte ihren Fluchtweg, jedoch bemerkte sie, dass sie keinen Fluchtweg brauchen würde. „Das beruhigt mich. Ich kann es nämlich kaum erwarten, dich erneut zu küssen“, er grinste, „Aber nicht hier. Sehen wir uns heute Abend zum Dinner? Sagen wir, um 20 Uhr in meinem Quartier.“
„Einverstanden.“
Er ließ sie nun los, richtete seine Uniform und befahl dem Turbolift weiterzufahren.

Kathryn sehnte das Ende ihrer Schicht auf der Brücke herbei und beinahe ein wenig zu schnell ging sie um 18:00 Uhr. Sie lief in ihr Quartier und suchte dort nach einem passenden Kleid für ihre Verabredung. Bisher hatte sie sich nicht um den Kleiderschrank ihres Gegenparts auf diesem Schiff gekümmert, doch zum Glück besaß Commander Janeway einige Kleider. Sie wählte ein kleines Schwarzes, welches nicht zu schick war. Unbewusst wählte sie keine besondere Frisur: Ihre Haare hingen offen über ihre Schultern. Erst als sie sich selbst im Badezimmerspiegel sah, erinnerte sie sich daran, dass Chakotay zu ihr gesagt hatte, er fand sie mit offenen Haaren schön. Sie bemerkte, wie sehr sie sich doch auf ihre Verabredung freute und sie hoffte außerdem, dass sie ihren Kuss wiederholten. Kathryn musste sich eingestehen, dass sie sich ebenfalls in ihn verliebt hatte und sie fand, es wurde Zeit, dass sie es ihm sagte. Bisher hatte sie kein Wort darüber verloren…
Mit einem leichten Kribbeln machte sie sich auf den Weg zu seinem Quartier, weil sie dort verabredet waren. Er begegnete ihr jedoch bereits im Korridor. „Ich habe eine bessere Idee“, begrüßte er sie, bot ihr seinen Arm an, den sie dankbar annahm. Zu zweit machten sie sich auf den Weg zum Holodeck, er startete das Programm und sie traten ein.
Kathryn sah, dass er offenbar ein Programm aufgerufen hatte, welches einen Wald zeigte. Es gab eine Sternenflotten- Standardbehausung und vor dem Haus brannte ein Lagerfeuer. Auf den zweiten Blick bemerkte Kathryn, dass sie für ein Camping- Abenteuer nicht passend angezogen war, denn sie war von einem schönen Abendessen ausgegangen.
„Hätte ich lieber ein anderes Programm auswählen sollen?“, fragte er, während sie sich gemeinsam auf einen Baumstamm setzten, der sich neben der Feuerstelle befand.
„Nein, es ist schön…. Obwohl ich mich auch für die Bucht von San Francisco bei Sonnenuntergang, begeistern könnte…“, Kathryn lächelte. Sie saßen dicht beieinander und wenn sie ihn küssen wollte, musste sie sich nur zu ihm lehnen.
„Ich bin froh, dass wir gestern nichts überstürzt haben“, sagte er, denn er wollte auf keinen Fall, dass sie glaubte, sie sei nur die zweite Wahl.
„Ja“, stimmte sie zu und lehnte sich nun an ihn.
Einige Zeit sprach keiner von ihnen ein Wort, doch dann wollte sie wissen, ob sie ihm eine Frage stellen durfte.
„Immer.“  Er nahm einen Schluck von dem Wein, der er für sie und sich selbst in je ein Glas geschenkt hatte.
„Hast du keine Angst? Jetzt, wo wir uns näher gekommen sind?“ Gespannt wartete Kathryn auf seine Antwort.
„Oh, das habe ich. Ich habe Angst davor, dass wir irgendwann einander verlieren könnten…“
Kathryn nickte, denn sie kannte dieses Gefühl nur zu gut.
„….Aber ich könnte mich nichts Schöneres vorstellen, als für immer mit dir zusammen zu sein und dann wird mir bewusst, dass meine größte Angst darin besteht, dass wir es nicht zumindest versucht haben“, er wartete eine Sekunde, was sie darauf antworten würde.
Kathryn fand, er war wirklich sehr viel mutiger als sie. „Ich liebe dich“, sagte sie kaum hörbar. Chakotay schlang einen Arm um sie, zog sie an sich um sie zu küssen. In diesem Moment verloren sie beide den Halt und fielen von dem Baumstamm. Sie landeten im holografischen Gras und Kathryn lag noch immer in seinen Armen. Als sie ihn anlächelte, fühlte er sich ermutigt, doch weiter zu gehen.
„Ich liebe dich ebenfalls.“ Er lehnte sich zu ihr um sie zu küssen.
Aber etwas stimmte in diesem Moment nicht. Er fühlte es auch. Sie beide nahmen eine schwache Vibration des Bodens unter ihnen wahr, die langsam stärker zu werden schien. „Was ist das?“, fragte Kathryn beunruhigt und setzte sich in dem Gras auf. Mit einem Male waren sie von einem hellen Licht geblendet und keiner von ihnen konnte noch etwas sehen.

„Captain?.... Commander, sie wacht auf!“, hörte Kathryn eine Stimme sagen und die Stimme gehörte definitiv dem holografischen Doktor der Voyager.
Kathryns Augen schmerzten erneut, als sie auf der Krankenstation erwachte. „Wo bin ich?“, fragte sie.
„Sie sind auf der Krankenstation“, seine Stimme hatte den leicht besserwisserischen Ton wie immer und er klang fast ein wenig enttäuscht darüber, dass der Captain es nicht sofort erkannte.
„Ich war zuletzt auf dem Holodeck mit…“, sie stoppte und schüttelte den Kopf. Als erstes fiel ihr die Halbglatze des Doktors auf und, dass er ein bisschen größer war als Kes. „Wie geht es ihr?“, fragte Chakotay und sogleich begann der Doktor sie zu scannen. „Keine Sorge, Commander, die Lebenszeichen des Captains sind normal“, er klappte seinen Scanner zu und ließ sie alleine.
Chakotay schätzte, dass der Doktor sich zurückzog und sie beide alleine ließ. Sanft griff er nach Kathryns Arm und half ihr, sich auf dem Biobett aufzusetzen.
„Captain, Sie waren die letzten Tage bewusstlos. Sie haben auf Kyssya einen goldenen Spiegel berührt und Lieutenant Torres und Paris haben Sie im Anschluss auf die Krankenstation gebracht. Wir haben uns große Sorgen um Sie gemacht…“
„Das heißt….“, Kathryn war verwirrt. Sollte alles, was sie erlebt hatte, nur ein Traum gewesen sein? Er hatte sie soeben Captain genannt. Das bedeutete, sie war wieder in ihrem eigenen Universum.
Chakotay musterte sie besorgt. „Ist wirklich alles in Ordnung, Kathryn?“
„Ja, ich…“, sie versuchte tapfer zu lächeln, „Ich denke, ich brauche nur einen Moment, bis ich mich wieder orientieren kann.“ Sie erinnerte sich an ihren Vorsatz, dass sie dringend mit ihm reden musste. Aber nicht hier. „Helfen Sie mir auf“, bat sie Chakotay und er bot ihr seinen Arm an.
„Captain, ich begleite Sie in Ihr Quartier…“
In dem Moment, in dem sie von dem Biobett aufstand, wurde ihr schwindelig und der Commander bemerkte es sofort. „Stützen Sie sich auf mich, Kathryn.“
„Danke, Chakotay.“

Als Kathryn am nächsten Morgen die Augen aufschlug, war sie im ersten Moment verwirrt: Sie fand sich in einem Quartier wieder, welches nicht ihres war. Für eine Sekunde, war sie nicht sicher, ob sie sich in ihrem Universum befand, oder im Spiegel- Universum, wo dieses Quartier ihr Zuhause war. Kathryn nahm sich den Tag frei und blieb ihn ihrem Quartier. Ihr fiel wieder ein, wie der Präsident von Kyssya den Spiegel in ihrem Traum genannt hatte. Seine Vorfahren nannten es das Portal zur Welt der Verlorenen. Und Kathryn wusste jetzt, warum. Vielleicht war das Portal auch der einzige Weg aus ihrem Traum heraus gewesen, doch es gab jetzt keine Gelegenheit mehr, es heraus zu finden. Was sie jedoch wusste, war, was sie wollte. Der Traum hatte es ihr deutlich gezeigt. Kathryn vermutete, dass der Tod ihrer Mutter in ihrem Traum darauf hindeutete, dass sie sich im Grunde sehr davor fürchtete, alleine zu sein.
„…Der Doktor war eine Frau?“, fragte Chakotay ein wenig ungläubig nach und er klang auch amüsiert, als er und Kathryn am Abend gemeinsam auf der bequemen Couch in ihrem Quartier saßen. Sie hatte ihn zum Abendessen eingeladen und im Anschluss hatten sie eine Flasche Wein geöffnet. Eine Kerze erhellte das Quartier und er hatte gestaunt, als er sah, dass sie für ihre Verabredung ein schlichtes, schwarzes Kleid gewählt hatte. Es betonte die Farbe ihrer langen Haare und ihrer blassen Haut nur noch mehr. Im Stillen sagte Chakotay zu sich selbst, dass er sie besser nicht so anstarren sollte…
„Der Doktor war deswegen nicht einfühlsamer“, bestätigte Kathryn, „Und Tom Paris war mein Stiefbruder. Offenbar hatte er einen guten Draht zu meiner Familie. Ich hatte diesen dafür nicht: Es stellte sich heraus, dass meine Familie kein Wort mehr mit mir redete.“
„Das ist schade“, stimmte er zu und sah ihren traurigen Blick und er beschloss, sie abzulenken,  „Sonst noch etwas, von dem ich wissen sollte?“
„Sie waren der Captain und ich der Erste Offizier“, rückte sie schließlich mit der Sprache heraus und wartete auf seine Reaktion.
„Das klingt….“, er suchte nach einem geeigneten Wort, „interessant.“
„Oh, glauben Sie mir, es gab auch einige Dinge, die sich niemals ändern…. Aber Sie als Captain sind deutlich mutiger als ich.“
„Was meinen Sie?“
„Als Sie herausfanden, dass Ihre Verlobte im Alpha- Quadranten einen anderen geheiratet hat, beschlossen Sie, dass Sie für eine andere Frau frei wären“, unbewusst rutschte sie näher zu ihm, „Wir fanden heraus, dass wir beide noch immer viel füreinander empfinden….“
Er bemerkte, wie nahe sei bei ihm saß und wie ihre Augen die seinen musterten.  
„Ich weiß jetzt ganz genau, was ich will“, fuhr sie fort, „Ich will dich.“
„Kathryn…“ er brauchte sich nur zu ihr lehnen, wenn er sie küssen wollte. Mit einem Male fühlte er sich aufgeregt und er beschloss, seine Chance zu nutzen. Ihr Kuss war vorsichtig und sanft. Fast, als ob sie mit seiner Zurückweisung rechnete. Kathryn entspannte sich, als seine Hände um ihren Körper glitten.
Irgendwie hatten sie es in ihr Schlafzimmer geschafft. Ohne ihren Kuss zu unterbrechen zog er sie langsam aus und sie half ihm ebenfalls. Kathryn schauderte, als sie seine Hände auf ihrer Haut spürte. Forschend strich er über ihren Rücken, ihre Taille und schließlich über ihren Po. Er war so zart zu ihr.
Der Duft ihrer Haut vernebelte ihm die Sinne. Seine Hand glitt über ihren Bauch. Insgeheim forderte sie ihn auf, schnell tiefer zu gehen. Sein Gesicht war nur Zentimeter von ihrem entfernt. Unbewusst öffnete sie sich für ihn und sah ihn lächeln. Er ging nun tiefer, hielt ihre Hüften auf dem Bett fest und Kathryns Atem stoppte, als sie seinen zarten Kuss auf der Haut ihrer Brust und dann auf ihrem Bauch fühlte. „Was hast du vor?“, fragte sie, dabei wusste sie es genau.
„Es gibt noch so viel zu erforschen“, sagte er, „Wir sollten keine Zeit verschwenden. Ich kann es kaum erwarten, dich zu kosten….“ Kathryns Leib prickelte, als sie über seinen letzten Satz nachdachte. Ihr Körper bäumte sich auf, als er sein Ziel schließlich fand. „Mein Gott…“, ihre Stimme war ein leises Schluchzen und sie schloss verzückt ihre Augen, während er fordernd an ihr saugte. Kathryn wollte ihm entkommen, gleichzeitig wollte sie mehr. Doch in diesem Moment ließ er von ihr ab. Kathryn gab einen Laut der Frustration von sich. Wie konnte er es nur wagen…? Ihr Körper war bereit, für ihn zu singen und er hörte einfach auf.
Er suchte ihren Blick und wurde wahnsinnig, als ihre blauen Augen ihn vorwurfsvoll ansahen. Schweiß glänzte auf ihrer Haut, als sie ihre Hände nach ihm ausstreckte. Sanft schob Chakotay ihre Schenkel auseinander und kam zu ihr. Sein Gewicht auf ihr fühlte sich angenehm an. Beinahe ungeduldig schlang Kathryn ihre Beine um ihn und er half ihr sogar dabei, bevor ihre Lippen erneut miteinander verschmolzen. Ihr wurde angenehm schwindelig, als sie registrierte, wie tief sie verbunden waren. Gleichzeitig war ihr Hirn leer. Dies hier war der schönste Rauschzustand. Kathryn wand sich unter ihm, wackelte sanft mit ihren Hüften und endlich hielt auch er es nicht mehr aus. Sie bewegten sich miteinander und sie beide wurden bei jedem Stoß lauter. Sie genoss sichtlich, dass er die empfindliche Stelle in ihrem Inneren gefunden hatte, die sie um den Verstand brachte. Mit jedem Moment verlor Kathryn mehr und mehr die Kontrolle über sich. Wie gut er sich anfühlte…! Es war überwältigend schön und sie genoss jede Sekunde davon.
Sein Mund verließ den ihren, glitt fordernd über ihren Hals zu ihrem Ohr. Ihre Blicke begegneten sich. Mit einem Male explodierte alles in Kathryns Kopf.
Ihr Anblick, das Gefühl von ihr wie sie hilflos um ihn zu flattern begann und wie sie vor Vergnügen quiekte, das alles führte dazu, dass er sich selbst kaum mehr beherrschen konnte. Mit einem letzten tiefen Stoß fand er Erlösung und er blieb in ihr um sie vollständig auszukosten. Es war unglaublich. Sie war unglaublich.
„Kathryn“, er sprach ihren Namen leise aus, „Süße Kathryn.“ Während sie noch immer außer Atem war, versiegelte er ihren Mund mit einem zarten Kuss. Nach diesen leidenschaftlichen Ausbruch fühlte sie sich zufrieden und erschöpft. Gleichzeiten fühlte es sich herrlich an, ihm die Kontrolle zu überlassen. Beinahe erschreckte sie sich selbst ein wenig darüber, wie leicht es ihr plötzlich fiel, ihn in ihre Nähe zu lassen. Wo war nur die strenge Captain Janeway geblieben, die stets darauf bestand, eine gewisse Distanz zu ihrer Crew aufrecht zu erhalten?
Aneinandergeschmiegt gönnten sie beide sich die Pause, die sie brauchten und dann liebten sie sich noch einmal. Diesmal war es zärtlich und ausgiebig. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen war es nur um Lust gegangen und die Entfesselung ihrer Sehnsucht. Aber das hier… Das hier war Liebe. Später lag Kathryn in seinen Armen und schloss selig ihre Augen. Sie beide waren müde.  Kathryns Kopf ruhte auf seiner Schulter und sie hatte ein Bein um seines geschlungen. Sie schwitzte noch immer und ihr Puls raste.
„Ich entschuldige mich für diesen überfallartigen Überfall“, sagte sie irgendwann und Chakotay legte die Stirn in Falten. Offenbar war ihr Hirn von ihm noch genauso vernebelt wie seines wegen ihr.
„Was?“, er lachte leise.  
„Naja… Dafür dass ich dir kaum Zeit ließ zu antworten und dir praktisch die Uniform vom Leib gerissen habe….“
„Ach das….. Das war ziemlich gut.“
Er hörte sie ebenfalls amüsiert schnauben. Kathryn war dankbar, dass er ihr aus der Verlegenheit half. „In deinem Traum, hattet der Captain und du….?“, fragte er.
Sie verstand sofort. „Nein. Aber dank seiner Hilfe, wurde mir bewusst, wie viel du mir bedeutest.“ Sie sah zu ihm auf. „Ich liebe dich.“
Chakotay grinste schief. Er hatte lange darauf gewartet, das von ihr zu hören. „Ich liebe dich auch… Scheint also, als wäre es ein sehr schöner Traum gewesen…“
„Das war es….“, sie war erleichtert und schmiegte sich an ihn. Leichtigkeit breitete sich in ihr aus. „Ich habe außerdem jede Menge Ideen für Ausflüge auf das Holodeck. Zum Beispiel wäre die Bucht von San Francisco bei Sonnenuntergang bestimmt sehr schön. Oder wir unternehmen einen Ausflug nach New Earth. Es gibt eine wunderschöne Legende von Prinzessin Kyssya, die du mir unbedingt noch einmal erzählen musst.“
„Woher kennst du die Legende?“
„Du hast sie mir erzählt... Ich finde das Ende sehr schön….“
Das verwirrte Chakotay noch mehr. „Am Ende der Gesichte geraten Prinzessin Kyssya und Prinz Kerlon in ihrem Kanu in einen Sturm, das Boot kentert und die beiden ertrinken“, klärte er sie auf, „Die Schlange, welche vom Häuptling den Auftrag erhalten hatte, die beiden zu verfolgen und zu fangen, war darüber so wütend, dass sie mit ihrem Körper auf das Wasser peitschte und ihre Wut einen riesigen Graben entstehen ließ…. Mein Volk glaubt, dass so die Großen Wasserfälle auf der südlichen Hemisphäre von Dorvan V entstanden sind.“
„Ich habe es ein wenig anders in Erinnerung….“
Chakotay fragte sich noch immer, woher sie diese Geschichte kannte. Aus der Datenbank der Voyager vielleicht? Unmöglich, denn er selbst hätte diese Gesichte dort niederschreiben müssen. Also hätte er ihr die Geschichte selbst erzählen müssen. Und während er überlegte, woher sie die Legende kannte, begann sie ihm ihr alternatives Ende für die Legende von Kyssya und Kerlon zu erzählen. Es war genau das Ende, welches er sich ausgedacht hatte, weil ihm das richtige Ende der Geschichte nicht gefiel. Es war das Ende, welches er ihr erzählen würde um ihr klar zu machen, dass ihr gemeinsames Leben damals auf dem einsamen kleinen Planeten etwas Gutes hatte.
Verdammt, woher kannte sie diesen Teil der Geschichte? Er würde sie dringend fragen müssen. Später jedenfalls...



Fin
Review schreiben