Schicksalsgeprägte Liebe

KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Bettina Weiss Hanna Winter Prof. Dr. Alexander von Arnstett
24.02.2020
01.03.2020
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Schicksalsgeprägte Liebe


Endlich war ihre Schicht vorüber und sie freute sich auf das gemeinsame Squashspielen mit Alexander. Dieses Gemeinsame gab ihr nach einer langen, anstrengenden Schicht immer wieder das Gefühl, abschalten zu können.

„Hanna, warte. Es tut mir leid, aber ich muss das heute Abend leider absagen“, rief Alexander ihr hinterher und augenblicklich blieb Hanna stehen. Seine Worte hatten sie getroffen. Schon einmal hatte er genau diese Worte zu ihr gesagt.

„Was? Wieso das denn?“, fragte Hanna überrascht, ließ sich ihren Frust aber nicht anmerken.
„Mir ist etwas dazwischen gekommen“, stotterte er vor sich hin und schaute Hanna dabei nicht ein einziges Mal in die Augen. Direkt wusste sie, dass dies nicht der Wahrheit entsprach und er sich nur wieder drücken wollte. Erst vor wenigen Tagen hatte Hanna es endlich geschafft, ihn wieder zum Spielen zu überreden. Die gemeinsame Zeit mit ihn im Fahrstuhl hatte in ihr ungeahnte Gefühle ausgelöst, doch noch immer war sie sich nicht sicher, ob sie auch mehr für ihn empfand, doch ihr sofort aufkeimender Frust bewegte sie dazu, sich einzugestehen, dass sie mehr als nur diese Freundschaft empfand. Sie hätte sehr wahrscheinlich an diesem Abend mit ihm über ihre Beziehung geredet, denn die Szenen im Fahrstuhl hatten sie bewegt und die gesamte Nacht hatte sie danach mit Betty über den Tag geredet. Betty hatte ihr dabei mehr wie einmal klargemacht, endlich offen mit ihm zu reden.

Immerhin war sie diejenige gewesen, die im Aufzug nach seiner Hand gegriffen hatte.
„Dann holen wir das aber bald nach. Wir haben doch gemeinsam entschieden, dass wir auf die Gerüchte der anderen pfeifen. Sie tun für uns nichts zur Sache und wir sind gute Freunde, die nach dem Feierabend zusammen eine Runde Squash spielen“, entgegnete Hanna, nachdem sie sich wieder gefangen hatte.

„Hanna, das ist es nicht. Ich kann das momentan einfach nicht. Ich brauche etwas Zeit“, erwiderte er stotternd, denn noch immer hatte er die Fahrstuhlszenen im Kopf. Ihre panische Angst ging nicht aus seinem Kopf und ihre zwischenzeitlichen Zärtlichkeiten verunsicherten ihn zunehmend. Er liebte sie, doch Hanna schwankte ihm zu sehr, denn das im Fahrstuhl hätte genauso gut ihre Klaustrophobie sein können, welche langsam aber sicher die Kontrolle über ihren Körper übernommen hatte.

Auf seine Antwort reagierte Hanna nicht mehr, sondern ließ ihn alleine stehen. Hanna verstand ihn einfach nicht und hatte keine Lust, sich immer wieder verstecken zu müssen, nur, weil sie etwas mit ihm machte. Klar, er war ihr Chef, aber das war ihr egal und die Gerüchte würde sie ablehnen und nicht ernst nehmen. Es war ihr schlichtweg egal.
„Hanna, es tut mir leid“, rief Alexander ihr noch hinterher, doch Hanna drehte sich kein einziges Mal mehr um.

Alexander verzweifelte an sich selbst. Wieso konnte er seinen Gefühlen und Gedanken nicht einfach freien Lauf lassen? Wieso vergaß er sie nicht einfach? Doch er hatte Angst, Hanna in irgendeiner Art und Weise zu verletzen. Immer wieder tauchten Hannas Bilder in seinem Kopf auf. Sowohl die schönen, auf denen sie strahlte und ihn anlächelte, als auch die verzweifelten, auf denen sie nach Luft schnappte und am Ende ihrer Kräfte war. Doch in der letzten Zeit hatte sich vermehrt die verängstigte und panische Hanna in seinen Kopf geschlichen. Der Schweiß glänzte auf ihrer Stirn, ihre Atmung war unregelmäßig und ihr Körper zitterte. Er wurde diese Bilder trotz aller schönen Dinge einfach nicht mehr los. Immer wieder waren sie sich nah gekommen und am Ende hatte ihm sogar gesagt, dass sie all dies ohne ihn nicht überstanden hätte.

Während Alexander sich gedankenverloren in sein Auto setzte und noch etwas wartete, damit er seine Gedanken zumindest etwas sortieren konnte, lief Hanna nach Hause, denn Betty war bereits weg, da sie ja eigentlich später kommen sollte. Außerdem brauchte sie die frische Luft, um sich zu sortieren. Ihre Gedanken, Gefühle und ihre Wut überkamen sie alle zugleich und richteten ein wahnsinniges Chaos in ihr an.

„Warum sind Männer eigentlich immer solche Arschlöcher?!“, dachte Hanna sich und fluchte einmal laut.
„EY, was fluchst du denn so?“, vernahm Hanna eine tiefe Stimme von hinten. Augenblicklich zuckte Hanna zusammen und erschrak. Sie kannte diese Stimme nicht. Im Wald war es ohnehin schon immer gruselig gewesen, aber allein in ihrer Verfassung machte es ihr einfach nur noch Angst. Gänsehaut bildete sich an ihrem gesamten Körper und sie begann zu zittern.

Eigentlich hatte sie sich umsehen wollen, doch stattdessen verschnellerte sie ihre Schritte, doch dann spürte sie mit einmal diese Hände, die sie von hinten umschlungen.

„Hey, lassen Sie mich los!“, schrie Hanna und versuchte, sich aus dem klammernden Griff zu lösen, doch die männliche Person festigte ihren Griff und hob Hanna hoch. Sofort begann Hanna, sich zu wehren, doch die Situation war aussichtslos. Der Mann klammerte Hanna regelrecht, weshalb sie anfing zu schreien, denn er war deutlich stärker und größer als sie. „Ey, Sie tun mir weh. Lassen Sie mich auf der Stelle herunter. Das ist Körperverletzung“, rief Hanna immer wieder.

„Du brauchst gar nicht so rum zu schreien. Hier ist weit und breit keiner. Außerdem wird alles dann nur noch schlimmer“, flüsterte der Mann Hanna mit hochgestochener Stimme ins Ohr.
Hanna wusste nicht, was mit ihr geschah, doch der Mann zehrte sie immer weiter in den Wald hinein und sie befürchtete mit jedem Schritt Schlimmeres.


„Was wollen Sie eigentlich von mir?“, fragte Hanna mit verzweifelter Stimme. Ein Ausweg war unmöglich und er festigte seinen Griff mit jedem Fluchtversuch. Hanna spürte bereits, wie sie seine spitzen Fingernägel in ihre Haut bohrten. Das Blut schoss durch ihren gesamten Körper und sie war sich sicher, schon bald deutliche blaue Flecken auf ihrem Körper erkennen zu können. Ihr Kopf begann mit jedem Schritt heftiger anzupochen und all ihre Glieder begannen zu schmerzen.

„Du bist so wunderschön. Mit dir habe ich etwas ganz Besonderes vor“, erwiderte er schelmisch lachend und jagte Hanna mit jedem Wort mehr einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter.

Sie hatte eine leise Ahnung, was er mit ihr vorhatte, doch diesen Gedanken wollte sie gar nicht erst in Erwägung ziehen. Er erschien ihr viel zu weit weg und doch war viel näher, als sie jemals gedacht hätte. Niemals würde man genau dies mit ihr machen. Erneut versuchte sie, sich aus seinem kräftigen Griff zu lösen, doch es gelang ihr nicht. Schmerzhaft drückte er sie auf den Boden und zog sie untenherum aus. Sie spürte, wie die Kälte an ihren Körper drang und sie noch mehr frösteln ließ. Hanna wehrte sich immer stärker, dich sie war machtlos. Er hatte sie in der Hand und übernahm mit jeder weiteren Tat die Kontrolle über ihren Körper. Sie verlor die Kontrolle, konnte sich nicht mehr wehren. Sie schämte sich so unendlich für das, was er ihr antat, und suchte die Schuld bei sich. Sie fühlte sich verraten, machtlos, missbraucht, vielmehr verschmutzt.

Die Sekunden, die vergingen, fühlten sich wie Stunden an. Seine Hände glitten immer wieder an ihren Beinen entlang und Hanna verspürte mit jeder Berührung mehr Schmerz.


Als Hanna das nächste Mal ihre Augen öffnete, lag er nicht mehr auf ihr und vorsichtig erhob sie sich. Ihr gesamter Körper schmerzte. Sie fühlte sich schmutzig. Aus Angst, dass er wiederkommen könnte, schaute Hanna sich vorsichtig um, ehe sie sich ihre Klamotten schnappte, sie überzog und nach Hause rannte. Tränen rannen über ihr Gesicht und sie suchte die Schuld bei sich. Sie hasste sich, sie hasste ihren Körper. Überall verspürte sie Schmerzen, obwohl nichts erkennbar war, doch der innere Schmerz übertraf alles. Sie konnte kaum realisieren, was vor wenigen Minuten passiert war.


„Hanna, was machst du denn schon wieder hier? Ich habe viel später mit dir gerechnet“, rief Betty verwundert, nachdem sie das Schloss in die Tür fallen hörte. Sie hatte fest damit gerechnet, dass Hanna ins Wohnzimmer zu ihr kam, doch Hanna lief auf direktem Weg nach oben ins Badezimmer. Sie wusste, dass es falsch war, in diesen Momenten zu duschen, aber sie schämte sich so sehr und konnte nicht anders.

Betty war sehr verwundert über Hannas Reaktion, weshalb sie aufstand und die Treppe nach oben passierte. Doch als sie das Wasser laufen hörte, beruhigte sie sich ein wenig. Dennoch empfand sie dieses Verhalten als merkwürdig. Normalerweise würde Hanna zumindest Hallo sagen und nicht gleich verschwinden.

‚Naja, vielleicht ist ja beim Squashspielen irgendetwas vorgefallen oder sie hat einfach so doll geschwitzt‘, dachte Betty sich und ging wieder nach unten ins Wohnzimmer. Auch wenn sie dieser Gedanke zumindest ein bisschen beruhigte, so fand sie es merkwürdig, dass Hanna bereits so früh wieder zurück war.

Obwohl sie nicht wusste, warum sie sich Gedanken machen sollte, konnte Betty sich überhaupt nicht mehr auf den Fernseher konzentrieren. Die ganze Zeit musste sie an Hanna denken, die noch immer im Badezimmer war.

„Sag mal, Hanna. Ist wirklich alles gut? Du bist seit über einer Stunde im Badezimmer“, fragte Betty erneut, nachdem sie eine Stunde unruhig vor dem Fernseher gesessen hatte. Sie fand dieses Verhalten äußerst seltsam und machte sich zunehmend Sorgen um Hanna.
Anstatt etwas zusagen, kam Hanna fertig umgezogen aus dem Badezimmer und lief auf direktem Weg an Betty vorbei. Sie konnte ihrer Freundin einfach nicht in die Augen sehen. Noch immer fühlte sie sich beschmutzt und sie hatte Angst, dass Betty ihr irgendetwas ansehen würde.

„Hanna! Was ist los? Du verhältst dich wirklich seltsam. Ich mache mir Sorgen um dich“, sagte Betty ernst, nachdem sie ihrer Freundin in deren Zimmer gefolgt war.
„Es ist alles gut, mache dir keine Sorgen. Ich werde jetzt einfach schlafen und alles von diesem Abend vergessen und nein, ich will auch nicht drüber reden“, erwiderte Hanna etwas forsch und zog sich die Decke über den Kopf. Eigentlich wollte Betty diese Aussage nicht auf sich ruhen lassen, doch sie sah ein, dass Hanna in diesem Moment auf keinen Fall mit ihr reden würde.

„Dann reden wir halt Morgen.“
Verwundert verließ Betty das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Kopfschüttelnd ging sie wieder ins Wohnzimmer, und obwohl sie eigentlich ihre Serie weiterschauen wollte, konnte sie sich auf keinen einzigen Satz konzentrieren, der gesagt wurde. Pausenlos drehten sich ihre Gedanken um Hanna.


Während Betty verwirrt auf der Couch saß, wusste Hanna nicht, wo sie zuerst mit ihren Gedanken hinsollte. Alexander, der bis vorhin noch so präsent in ihrem Kopf war, war wie ausgelöscht, und alles drehte sich nur noch um die letzten eineinhalb Stunden. Sie schämte sich, sie fühlte sich missbraucht und hatte das Gefühl, in ein unendlich tiefes Loch zu fallen. Sie schloss ihre Augen und wollte nur noch schlafen, doch sie fand nicht in den Schlaf. Immer wieder drehte sie sich von links nach rechts und wälzte sich umher. Als sie endlich in ein leichten, unruhigen Schlaf gefallen war, schreckte sie nach nur einer Stunde wieder aus ihrem Albtraum auf. Und so entwickelte sich auch diese Nacht zu einem Albtraum.

Nach zwei weiteren schlaflosen Stunden entschied Hanna sich dazu, auf zu stehen und mit ihrem Bus wegzufahren. Sie konnte am nächsten Tag nicht zur Arbeit und so tun, als wäre nichts gewesen. Sie wusste einfach ein paar Tage weg.




Hallo,
hier ist er endlich, der neue OneShot. Geworden ist es wohl eher eine Kurzgeschichte. Ich habe gestern fast 10.000 Wörter hier geschrieben und bin nun fertig. Wie ihr bisher gelesen habt, ist es mal etwas anderes, als das, was bisher hier geschrieben wurde.

Ich hoffe, dass es euch gefallen hat. Über Meinungen, egal ob positiv oder mit konstruktiver Kritik, freue ich mich immer sehr. Besonders hier, da es mal etwas anderes ist.

Wann ich es schaffe, den zweiten Teil hochzuladen, weiß ich leider nicht. Eventuell werde ich diesen Teil auch nochmal überarbeiten.

Liebe Grüße,
EndlessDream01












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