ANTONIO

OneshotSchmerz/Trost / P16 Slash
23.02.2020
23.02.2020
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Danke ladyfangirl, für diese Challenge. Mal schauen, wie es wird.

Personen: Rossi, Hotch
Genre: Schmerz/ Trost
Ranking: P 16 Slash
Wörter: Druckknopf, Ballpumpe, Linse
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Ein paar Jahre später
*********      **********

„Hey, Jack.“
Der Angesprochene gab nur ein unmotiviertes Grunzen von sich, dass von < Leck mich am Arsch, bis Hallo, lieber Dad>, alles heißen konnte.

Hotch nahm seinem Sohn, diese Wortkargheit nicht übel, oder nicht sehr. Es war nun einmal ein ungeschriebenes Gesetz, sich mit 16 Jahren so zu verhalten. Trotzdem startete er einen erneuten Versuch, aus Jack, wenigstens ein einziges Wort heraus zu kitzeln.

„Wie war es in der Schule?“
„Wie immer.“

Wow, dass waren ja sogar zwei Wörter. Wunder passierten eben doch noch.

Hotch quetschte sich in ihrem kleinen Vorzimmer, an seinem ach so redseligen Sprössling, vorbei und griff nach seinem Mantel, der, ganz ungewohnt, zerknüllt auf der Kommode lag, dort wo er ihn gestern, auch völlig untypisch für ihn, achtlos hingeschleudert hatte.

Gestern hatte er ihn da hingeschleudert, und vorgestern, und vorvorgestern, vor einer Woche, vor einem Monat-vor 2 Jahren.

„Fährst du schon wieder zu ihm?“
Jacks Stimme klang genervt, aber auch irgendwie müde-und traurig.

„Ja, ich fahre schon wieder zu ihm.“ So scharf hatte er eigentlich diesen Satz nicht auf Jack schleudern wollen, aber er konnte in diesem Augenblick einfach nicht anders.
Hotch schlüpfte in seinen Mantel, absichtlich umständlich, damit er wenigstens eine Sekunde lang einen Grund hatte, um Jack nicht antworten zu müssen.

„Ich denke nicht, dass das für Dad so gut ist, wenn du ihn so bedrängst.“
„Mache ich das denn, ihn bedrängen?“

Als wenn es ihm plötzlich bewusst geworden war, wie ober uncool es war, so viel Mitgefühl zu zeigen, ja dieses auch laut auszusprechen, seine Bedenken heraus zu posaunen, zuckte Jack, als Antwort nur gleichgültig mit der Schulter, jedenfalls hoffte er, dass es gleichgültig anmutete und verließ das Vorzimmer, die Hände tief in den Seitentaschen seines grauen Hoodie vergraben.

Hotch blickte ihm für einen Moment lang nach. Konnte ein Mensch von einem Liebenden bedrängt werden? Von seinem eigenen Mann?


Ein paar Minuten später saß Hotch in seinem Wagen und fuhr zu Rossi, seinem wundervollen Dave.

Es hatte leicht zu nieseln begonnen und am Himmel zogen grauschmutzige Wolkentürme ihre Bahnen. Ein recht starker Wind peitschte die Tropfen seitlich durch die Luft.

Wie gut, dass sein Mantel keine Kapuze als Highlight Extra hatte, dachte Hotch ironisch. Da konnte er wenigstens dieses tolle Wetterchen, so richtig genießen.


Als der ehemalige BAU Agent am Ziel angelangt und ausgestiegen war, ergoss sich ein wahrer Sturzbach auf ihn herunter.

Hotch verdrehte die Augen, klappte seinen Mantelkragen hoch, fummelte am  untersten DRUCKKNOPF seines schwarzen Kleidungsstückes herum, als wenn das besonders helfen würde, wenn besagter DRUCKKNOPF verschlossen war, und lief danach mit gesenkten Kopf über den Parkplatz, direkt auf Rossis zu Hause zu.


„Daddy!!! Daddy!!“
Der kleine Antonio richtete sich in seinem Sessel auf und streckte Hotch beide Arme entgegen.

„Nicht so wild, junger Mann.“, mahnte Dave ihn mit gutmütiger Stimme. Danach stand er auf, ging auf seinem Ehemann zu und umarmte diesen, mit seiner ganzen, vollkommenen Liebe.

„Bitte entschuldige, aber du weißt ja, wie Jungen in diesem Alter sind.“
Der Angesprochene nickte leicht.

„Wie geht es dir?“
„Ach, ich kann nicht klagen. Nicht wahr Toni, wir beide kommen ganz gut über die Runden.“

Antonio antwortete nicht, da er bereits mit etwas viel wichtigeren beschäftigt war.

„Das ist aber ein schöner Ball.“
„Es ist meiner!“
Besitzergreifend, presste der Junge das runde Spielzeug an seine Brust.

„Aber Toni, sei doch nicht so unhöflich, vielleicht kann dir Daddy ja helfen, ihn ganz aufzupumpen. Hast du mir nicht erzählt, dass du mit der BALLPUMPE nicht zu Recht kommst?“

Toni stieß ein lautes Schnauben aus.
„Ja.“
„Na siehst du. Lass dir von Aaron helfen.“
„Weil Daddy in diesen Dingen viel geschickter, als du bist, Dad?“
Ein amüsiertes Lächeln umspielte da Daves Gesicht.

„Völlig richtig, Sportsfreund.“

Dave warf seinem Ehemann einen fragenden, wie bittenden Blick zu.

„Schatz, ich….“
„Komm schon, Aaron, wenn einer mit so einer dämlichen BALLPUMPE fertig wird, dann doch wohl du. Oder erinnerst du dich vielleicht nicht mehr an unserem letzten gemeinsamen Team Ausflug, als du Spence davor bewahrt hattest, sich mit dem Reißverschluss seiner Jacke, nicht die Finger blutig zu schneiden?“

Hotch musste schmunzeln, als er an jenen, vergangenen Tag zurückdachte. Großer Gott, was hatte er sich da beherrschen müssen, um nicht brüllend vor Lachen aus den Schuhen zu kippen.

Aber von wegen, der geschickte Hotch! Die Geschichte war nämlich so ausgegangen, dass er, der ach so geschickte Aaron, sich selbst seine Finger in Spencers Jacke, oder besser gesagt in dessen Reißverschluss, jenes besagten Spencer Kleidungsstückes, eingeklemmt hatte und er von Emily und Morgan, die halb wahnsinnig vor Lachen gewesen waren, befreit werden musste. JJ, Garcia und  Dave, die da bereits gegen einen qualvollen Erstickungstod, hatten ankämpfen müssen, hatten sich dazu schon längst nicht mehr in der Lage gefühlt.

„Toni, gib Daddy die BALLPUMPE.“

Etwas später saß der Junge, Rossis leiblicher Sohn selig lächelnd mit seinem prallen Ball wieder auf seinem Stuhl.

„Sie werden so schnell groß, findest du nicht auch? Nimm Jack zum Beispiel. Wenn alles gut geht, hat er in gut zwei Jahren seinen Schulabschluss in der Tasche. Hat er wenigstens mit dir schon darüber gesprochen, was er danach anfangen möchte? Mich hat er ja seit Ewigkeiten nicht mehr besucht.“

„Na ja, zuerst wird er wohl aufs College gehen wo….“

„Wahrscheinlich bin ich ihm peinlich.“
„Gehen wollen und danach….“

„Klar bin ich ihm peinlich! Ein alter Zausel, der…..“

„Und danach-Ich glaube mich zu erinnern, dass er mir einmal erzählt hat, dass er….“

„Der völlig durch geknallt ist!“

„Dass er sich sehr für Kunstgeschichte interessiert.“


Mit wutverzerrtem Gesicht, sprang Rossi von seinem Stuhl.
„Hotch, kannst du ihn sehen, kannst du Toni sehen??!!“

„Kunstgeschichte. Nun ja, nicht unbedingt eine Tätigkeit, die einem sofort das große Einkommen sichert, aber….“

„Hotch!!!!! Kannst du ihn sehen???!!!!“

„Aber wenn er denn unbedingt Kunstgeschichte studieren möchte, dann….“

„Hotch!!!!!! Kannst du ihn sehen!!!! Großer Gott, kannst du ihn sehen???!!! Kannst du ihn sehen!!!???“

Mit einem Verzweiflungsschrei, der Hotchs Schutzmauer, mit spielerischer Leichtigkeit in sich zusammen fallen ließ, warf sich Dave in Aarons Arme und begann zu weinen.

„Was ist los mit mir Hotch??!! Warum werde ich zu einem Menschen, der nie existiert hat?! Es hat doch nie einen Tony gegeben!!! Und warum, spielst du, täglich diesen Unsinn mit??!!! Weil es dir meine Ärzte geraten haben, dich darum gebeten haben??!! So nach dem Motto, ist doch völlig egal, in ein paar Monaten schmiert der beschränkte Alte ohnehin ab??!!“

Hotch wollte nach Daves Händen greifen, aber dieser wich zurück, schlug kraftlos nach ihm.

„ Die LINSE des Auges, Aaron, ist ein elastischer Körper, der konvex gekrümmt ist. Er bündelt als Sammellinse das durch die Pupille eintretende Licht, so dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entstehen kann. Aber dieser verdammte Körper lässt mich im Dunkeln, Aaron! Er zeigt mir nicht die Wahrheit auf!!!! Er lässt mich nicht sehen, dass ich von Tag zu Tag immer beschränkter werde!!!  Warum Hotch, warum!!!!!! Was hab ich denn nur verbrochen!!!!!“


Eine Stunde später hatte sich Hotch auf dem Heimweg gemacht. Daves Pfleger hatte ihn darum gebeten, Rossi jetzt besser die Ruhe zu gönnen, die er so dringend benötigte.

Jedoch schon morgen, würde Hotch seinen geliebten Ehemann wieder besuchen und wieder würde ihn da zuerst Antonio begrüßen.


Vier Wochen später: Kein Antonio, kein Rossi.

Nur ein nachtschwarzer Rabe saß auf der Parkbank, des Seniorenstiftes, in dem Dave seine letzten Jahre verbracht hatte.

Hotch hatte den Anruf erhalten, hätte daher eigentlich vorbereitet sein müssen.

Er presste die geballten Fäuste in seine Augen hinein, so fest, bis sich in der sicheren Dunkelheit bunte Schlieren bildeten und die vom Licht durchflutende Wahrheit, in ihn hinein drang.

Leise schluchzend sank Hotch vor der Parkbank  in die Knie.


                                                      THE END