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10 Minuten

Kurzbeschreibung
CrossoverAllgemein / P12 / Gen
23.02.2020
27.05.2021
24
6.920
 
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Dieses Kapitel
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02.03.2021 362
 
20:30 Uhr.

Tagebücher, Journals, Schmierblätter, Notizen am Handy... sie waren meine besten Freunde, engste Vertraute. Liesen mich Stunden über Stunden erzählen, liesen mir alle Gefühle in Worte packen, alle Worte von der Seele schreiben. Sie hatten Geduld, waren nachsichtig. Konnte immer und zu jeder Zeit dem Fluss freien Lauf lassen, ohne verurteilt zu werden. Muss keine Angst vor Zurückweisung haben. Da war nichts, was mir sagte, ich schriebe zu viel oder rede zu lang. Weit und breit nichts und niemand, der*die*das sich über ellenlange Aufsätze, ewig dauernde Audios beschwert.
Man nimmt mich, man lässt mich.
Es ist nicht wie mit all den anderen... den Eltern, den Freunden, den Bekannten. Keiner würgt mich ab, keiner unterbricht mich. Keiner verdreht mir die Wörter im Mund.
Ich kann einfach sein. Ich kann einfach reden. Kann einfach schreiben. So lang ich will, so viel ich will, so ausführlich ich will. Und wenn es Seiten über Seiten reiner Nonsense ist, es schert keinen.
Anne Frank hat recht: "Paper has more patience than people".
Ich weiß schon, immer schneller, immer weiter, immer besser. Da ist keine Zeit für die belangenlosen Gefühlsergüsse einer jungen Frau. Da ist generell kein Platz für Gefühle. Keine Kapazität für Zuhören. Man muss weiter kommen, schneller werden, besser sein. Schon klar.
Aber ich brauch' das. Ich brauch' das wirklich.
Jemanden, der*die mir zuhört. Der*die mir Aufmerksamkeit schenkt. Meinen Gedanken, Gefühlen, all meinen Worten Wertschätzung schenkt. Sie ernst nimmt. Mich ernst nimmt. Mir glaubt.
Ich brauch' das Gefühl, dass ich es wert bin, ob ich Scheiße laber' oder nicht. Ich will nicht nur gut genug sein, wenn ich über Sachen rede, die die Leute interessieren. Ich will nicht nur wichtig sein, wenn es um andere geht. Ich will es wert sein, weil ich es bin. Will wichtig sein, weil ich es bin. Ich, wie ich bin. Nicht ich, wie man mich gerne möchte. Denn ich bin ich. Ich. Einfach ich. Nicht irgendeine Illusion aus irgendwelchen Tagträumen oder irgendein Ideal aus fremden Vorstellungen. Ich bins. Schaut mich nicht nur an, seht mich. Hört mir nicht nur zu, hört, was ich sage..

20:40 Uhr.
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