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Mein schönster Traum

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Enoch O'Connor Horace Somnusson
21.02.2020
10.04.2020
2
3.198
1
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Dieses Kapitel
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10.04.2020 1.889
 
Mein schönster Traum: Kapitel 2

AN: Hallo zusammen! Ja, ich hab versprochen, dass ich das Kapitel schneller hochlade als letztes Mal (was nie war) und ich hatte es mir auch fest vorgenommen, aber dann ist die Universität wie ein Peitschenschlag gekommen und vor allem seit es Online-Klassen gibt, beende ich eine Hausaufgabe und hab gleich drei mehr vor der Tür stehen. Ein echter Albtraum... Aber für meine Kinder finde ich immer Zeit, selbst, wenn es wenig ist.

Hoffentlich klappt dieses Kapitel, wie es sein sollte. Was ich häufig vergesse, zu erwähnen, die Figuren gehören Ransom Riggs. Mir gehört nur die Bühne. ;-)

*_*_*_*_*_*

Klopf, klopf! Enoch hob aufmerksam den Kopf, seine braunen Augen fielen auf seine geschlossene Tür. Mit einem verärgerten Seufzen ließ er siene neueste Kreation auf seine Arbeitsplatte sinken. Wer würde es wagen, seine Arbeit zu stören? Miss Peregrine wusste über seine Gewohnheiten Bescheid und dass er außerdem allein gelassen werden wollte, wenn er sich ihnen hingab.

Er spähte zu dem Wecker auf dem Nachttisch hinüber, der neben dem behälfsmäßigen Bett stand, das seine Leiterin ihm erlaubt hatte, einzurichten. Enoch arbeitete meistens so lange, dass er hier einschlief. Auch wenn Miss Peregrine das nicht unbedingt guthieß, war diese Lösung besser, als mit dem Kopf auf dem Tisch einzuschlafen. Seine schokoladenfarbenen Augen, schon an die Dunkelheit gewöhnt, erkannten, dass es 3:15 am Morgen war. Wer, der noch bei Verstand war, würde um diese Zeit an seine Tür klopfen? Dem Vogel schienen seine nächtlichen Aktivitäten nicht mehr zu kümmern, also wer?

Das Klopfen fuhr fort, diesmal dringlicher. Der Nekromant knurrte leise, entnervt. Warum konnten sie ihn nicht in Ruhe lassen? Seine Besonderheit gab ihm den Seelenfrieden, den er bitter nötig hatte, ließ es zu, dass seine Gefühle in die Kreaturen einflossen, die er später zum Leben erweckte. Ein weiteres Klopfen, hatte er diesmal nicht ein Wimmern gehört? Eine kleine Vene an seinem Hals schwoll vor Zorn an und er ballte die Fäuste. Wer immer es war, hatte bereits die Atmosphäre zerstört, um sich seiner Tätigkeit hinzugeben. Aus seinen Nasenlöchern ausatmend wie ein Stier, griff er nach dem Türknauf und...

Er sank sofort zusammen wie ein geplatzter Ballon, als er sah, wer es wagte, in sein Heiligtum einzudringen. Vor ihm stand Horace, die Hand noch erhoben. Mit einem Gefühl zwischen Überraschung und Schock betrachtete er sprachlos die Szene vor sich. Sein sonst so gepflegtes Haar zerzaust, sein ganzer kleiner Körper zitternd, nackte Füße auf dem kalten Holzboden. Doch was ihn am meisten beunruhigte, waren die Tränen, die ihm übers Gesicht liefen. Tropfen um Tropfen nässten sie seine Wangen und seinen Hals, seine geröteten Augen sagten Enoch, wie viel er schon geweint hatte. Die beiden Jungen sahen sich schweigend an, einer mit äußerster Verzweiflung, der andere besorgt und ungläubig.

"Horace?", murmelte der Ältere, sein Akzent verstärkte sich vor Sorge. Der Kleine sah aus, als könnte er jeden Moment zusammenbrechen. Und das tat er auch. Als hätte seine Stimme einen Bann zwischen ihnen gebrochen, stieß Horace ein Wimmern aus... und warf sich direkt in Enochs Arme. Mit seinem Gesicht im Stoff seines grauen Pullis vergraben, ließ er sich endlich gehen und, zum regelrechten Horror des Totenbeschwörers, begann heftig zu schluchzen.

Von der Situation und dem plötzlichen Gewicht auf seiner Brust überfordert, verlor Enoch das Gleichgewicht und er fiel nach hinten. Seine Handgelenke schmerzten etwas, als er sich aufzufangen versuchte. Seine Gedanken rasten. Warum war Horace so spät in der Nacht noch wach, noch dazu in so einem miserablen Zustand? Und noch wichtiger, warum war er HIER? Was hätte ihn dazu treiben können, IHN aufzusuchen?

Horace schien mit jeder Minute mehr die Fassung zu verlieren, seine Schluchzer zerrissen seine zarte Kehle. Mittlerweile bekam Enoch langsam Angst. Wie sollte er seinem jungen Bruder helfen? Er war gut im Umgang mit toten Sachen, hatte seine Puppen wie Babys im Arm gehalten, mit ihnen gesprochen. Aber lebendige Kinder? Er stützte sich zögernd auf seiner Hüfte ab, um seine Arme um Horace zu schlingen und, erwartungsvoll den Atem anhaltend, begann er ihm mit kleinen Kreisen den Rücken zu streicheln.

Der Jüngere lehnte sich in die Berührung hinein, die Bewegung schien scheinbar seine Ängste zu lindern. "Bitte, mach weiter...", hörte Enoch ihn schluchzen und fuhr augenblicklich mit seiner Liebkosung fort. Nach einer Weile begann er ihm durch das blonde Haar zu fahren und fühlte die Weichheit unter seinen Fingerspitzen. Er entspannte sich spürbar, als das Weinen langsam, aber sicher nur zu Schluchzern wurde und der angespannte Körper sich lockerte.

Der Nekromant schluckte und war überrascht, als er merkte, dass seine Kehle wie zugeschnürt war, seine Augenwinkel etwas brannten und sich Hitze in seiner Brust ausgebreitet hatte. Erst war er verwirrt, doch dann merkte er, dass es Zuneigung war. Er wusste nicht, wie er darauf kam. Obwohl er so etwas noch nie gefühlt hatte, wusste er es einfach. Es war wie ein Licht am Ende eines schwarzen Tunnels, ein winziger Hauch im Wind...

Enoch zog den jungen Propheten noch näher zu sich heran und vergrub das Gesicht in seinen Haaren. Es duftete leicht nach Tannennadeln und dem Parfüm, das sich Horace am Morgen auftrug. "Es klingt dumm und klischée, aber alles wird gut, Horace.", flüsterte er, liebevoller als er je geflüstert hatte. Horace löste sich vom Pulli des Jungen. Seine Augen und sein Gesicht waren rot vom Weinen. "Willst du mir deinen Traum erzählen? Vielleicht... hilft reden ja..."

Beide Jungen konnten die Situation noch immer nicht ganz fassen, in der sie sich befanden. Auf der einen Seite war Enoch, der offen zugab, dass er manchmal richtig biestig sein konnte und der nun seinen Bruder ohne das geringste Problem im Arm hielt und eine Vollständigkeit fühlte, die ihm neu war. Auf der anderen Seite war Horace, der ebenso erleichtert und verwirrt wie der Ältere war, dass sich seine letzte Hoffnung erfüllt hatte, doch der sich geehrt fühlte, Enochs menschlichere, zärtlichere Seite zu Gesicht zu bekommen.

"Ok. Vielleicht hilft es mir ja wirklich...", seufzte er und wischte sich die Tränen von den Wangen. "Ich habe geträumt, dass ein neuer Junge in unsere Zeitschleife kam. Sein Name ist Jacob und er ist Abes Enkel. Er kann Hollows sehen, genau wie er. Und dann... waren wir plötzlich an einem anderen Ort! Wir waren eingesperrt, alles war dunkel... Fiona war nicht da und Emma auch nicht! Ich habe Schreie gehört. Es waren Miss P- Miss Peregrines Schreie, sie war schwer verletzt! Und... und zwei Dämonen haben in der Bibliothek von Avaton gekämpft, sie haben alles zerstört! Wir werden alle sterben..." Sein letzter Satz endete mit einem gebrochenen, verängstigten Wispern, als ihn seine Gefühle abermals übermannten und Horace brach erneut in Schluchzen aus.

Obwohl Enoch nur die Hälfte von Horaces sorgenvollem Redeschwall verstanden hatte, spürte er, wie sich ein Stachel der Angst in sein sonst so stoisches Herz bohrte. Er hatte normalerweise nur wenig bis gar nicht im Unterricht in seiner alten Zeitschleife aufgepasst, aber er wusste, dass die Bibliothek von Avaton der Ursprung ihrer besonderen Kräfte war. Falls sie je in Gefahr sein sollte, würden die Konsequenzen gravierend sein...

Obwohl ihm ein eisiger Schauer den Rücken herunterlief, versuchte er seine eigenen Ängste zu verdrängen und presste seinen Zeitschleifen-Bruder wieder an seine Brust. Er fühlte, wie sich sein Körper unwillkürlich um ihn krümmte, wie ein Wolf, der seine Jungen beschützt. "Schh, das hört sich wirklich furchterregend an, aber gerade jetzt sind wir in Sicherheit, oder?", flüsterte er sanft, "Versuche im Hier und Jetzt zu leben, Junge der Zukunft. Wie nennt man das wieder? Direm cape?"

Zum ersten Mal war er dankbar für die Dunkelheit der Nacht. Hatte er das jetzt wirklich gemacht? Hatte ein Kind beruhig, seine Ängste vertrieben und ihm philosophische Ratschläge erteilt? Beim Vogel, wurde er selbst zu einer Ymbryne?! Begann er sich tatsächlich zu kümmern?

"Ich denke, du meinst Carpe Diem!", lachte Horace durch seine Tränen und löste sich von Enochs Pullover. Es war seltsam, wie sie seine himmelblauen Augen betonten, sie glitzern ließen, dachte der Totenbeschwörer... So schnell sein Lächeln erschienen war, so schnell verschwand es auch wieder und Horace lehnte sich gegen den Nekromanten, seinen ruhigen gleichmäßigen Herzschlag im Ohr. "Enoch... Kann ich heute Nacht bei dir schlafen?"

Enochs Herz setzte einen Schlag aus. Horace wollte WAS mit WEM?! Sein Gehirn protestierte - Wie würde das aussehen?! Millard würde die Situation schamlos ausnutzen! Was wenn es nicht genügend Platz gab und einer von ihnen herunterfiel und sich verletzte? Aber nachdem er den Blonden für eine gute Minute lang angestarrt hatte - mit dem wohl dümmsten Gesichtsausdruck, den er je gehabt hatte -, lächelte er sanft und sagte: "Natürlich..."

Er half Horace auf die Füße und führte ihn zu seinem Bett, die Decken zurückschlagend. Horace schlüpfte hinein und legte sich auf die Seite, den Kopf auf einer Hand abstützend. Nach kurzem Zögern zog sich Enoch den Pullover und das Hemd aus. Er kickte die Schuhe von den Füßen und legte sich neben seinen Freund. Sein unerwarteter Besucher bemerkte seine Beklommenheit und streckte einfach die Hand aus , um ihn leicht zu berühren. Horace war nicht dumm, er konnte sich denken, warum der ältere Junge so angespannt war. "Danke, dass du für mich da warst, als ich es am meisten brauchte... Gute Nacht, Enoch.", flüsterte er und schloss die Augen.

Der dunkelhaarige Teenager atmete zittrig aus und zwang seinen Kopf, ausnahmsweise mal sein Herz sprechen zu lassen. Horace war froh über das, was er getan hatte und es fühlte sich... bereichernd an, auf eine Weise erfüllend, die nicht einmal Olive in ihm erwecken konnte. Er verscheuchte all seine Konflikte und Ängste und hab es zu: Enoch O'Connor, 17-jähriger Nekromant, hatte Horace Somnusson gern... Sich eine Träne der Erleichterung abwischend, rollte er sich auf die Seite und umarmte seinen kleinen Bruder. Nicht Zeitschleifen-Bruder, nicht Ersatzbruder, nein. Einfach nur Bruder. "Danke DIR für alles...", flüsterte er zurück, bevor er ihm ins Traumreich folgte.

Der junge Prophet wurde noch zwei Mal in dieser Nacht wach, von einem bösen Traum aufgeschreckt, doch Enoch war immer da, um seinen zitternden Körper zu umarmen und ihn weinen zu lassen, bis Hypnos ihn wieder einlullte. Millard fand die zwei Jungen am Morgen, dicht aneinandergekuschelt.

Zuerst war er drauf und dran, zu Miss Peregrine zu rennen und mit den neuesten Nachrichten zu prahlen, aber etwas ließ ihn stehen bleiben... Er trat leise auf sie zu und beugte sich über sie. Ihre Gesichter waren friedlich und ungestört in ihrem Schlaf. Millard war erstaunt über das nahezu wundersame Leuchten und Lächeln auf dem Gesicht des sonst so finster dreinblickenden Nekromants. "Was in des Vogels Namen ist denn hier letzte Nacht passiert?", fragte sich der unsichtbare Junge. Dann lächelte er nur breit und schloss lautlos die Tür hinter sich. Er musste ja nicht alles wissen...

                                                                         ENDE KAPITEL 2
*-*-*-*-*-*-*-*

Soooo, da wären wir am Ende angelangt. Meine erste Fanfiktion von hoffentlich vielen, vielen mehr. Ich hoffe, euch hat diese kleine Fic etwas Licht in diese trostlose Dunkelheit gebracht, die die Welt gerade umhüllt.

Passt gut auf euch auf und bis zum nächsten Mal.

Küsschen und Kuchen,
Yuna McHill
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