Six Moments Before We Met || min yoongi

KurzgeschichteDrama, Romanze / P12
OC (Own Character) Suga
21.02.2020
30.06.2020
5
14.301
4
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
30.06.2020 2.396
 
⊱4⊰

     Kraftvoll dröhnte das Instrumental der Demo in mein Ohr, durch die entschieden werden sollte, welche Mädchen nun als nächste Girlgroup debütierten und welche nicht. Es hatte bereits ein Vorentscheid gegeben und nun hieß es für zwanzig Mädchen, sich noch einmal richtig zu beweisen. Darunter war ich.
     Wir hatten bereits den Tanz eingeübt, jeder musste in jeder Position einsetzbar sein. Bevor stand nun nur noch das Singen des Songs. Es fühlte sich ein wenig an wie die Castings, die wir vor unserer Traineezeit hatten absolvieren müssen. Das war nun zweieinhalb Jahre her. Sehr bald würde ich neunzehn werden.
     Ich schaltete das Laufband aus, auf dem ich mich aufgewärmt hatte und ging in den Tanzraum, in dem sich schon einige Mädchen versammelt hatten. Einige Mädchen, die mir schon am Anfang meiner Zeit hier sehr ans Herz gewachsen waren, waren bereits gegangen, weil sie den Druck nicht ausgehalten hatten. Das konnte ihnen keine von uns verübeln. Andere hatten bereits ihr Debüt gehabt, vor allem diejenigen, die schon länger hier gewesen waren. Dazu gehörte auch die Girlgroup für die ich Songs geschrieben hatte. In einem anderen Leben. In einer anderen Zeit.
     Mittlerweile hatte ich mich an den neuen Lauf meines Lebens gewöhnt. Das Training, der Wunsch endlich auf die Bühne zu kommen, der Druck und die Freundschaften zu den anderen Mädchen, die den selben Wunsch, den selben Druck verspürten, lenkten mich ab und ließen mich das Hier und Jetzt sehen.

    Schnell zog ich die Kopfhörer aus den Ohren und setzte mich zu Boyoung und Saja. Die beiden hatten sich untergehakt und sahen den anderen dabei zu, wie sie wieder und wieder irgendwelche Boygroup oder Girlgroup Tänze nachtanzten und dabei entweder locker oder hochkonzentriert aussahen. Sie waren alle nervös, heute fingen die Aufnahmeproben an.
    »Du siehst entspannt aus, Honey Bee. Und verschwitzt. Dieses Laufband hat es dir wirklich angetan, oder?«, fragte Saja und stupste mich an.
    Mittlerweile hatte ich bei meinen Freundinnen den Spitznamen Honey Bee. Wie sie darauf gekommen waren, wusste ich auch nicht, immerhin gab es keine Assoziation dazu außer meinem Namen.
    »Da kann ich mich am besten konzentrieren und mich auf die Aufnahmeprobe heute Abend vorbereiten. Der Text, das Tempo und die Töne sitzen, aber ich muss den Song auch fühlen und diese Gefühle auch hervorbringen können.«
    »Du fühlst jeden Song. Musik wurde dir in die Wiege gelegt. Ich glaube, du musst dir hier von allen am wenigsten Gedanken um Technik und Gefühl machen«, beschwichtigte mich Boyoung und reichte mir eine Flasche Wasser, die ich dankend annahm.
    »Ich meine ja nur. In dieses Concept passen viele rein. Ich will nur sicher gehen, dass ich auch eine gute Wahl bin«, entgegnete ich und erntete leichte Schläge und die Bemerkung: »Hast du uns überhaupt zugehört?« Lachend lehnte ich mich zur Seite und meine Freundinnen stimmten in mein Lachen mit ein.
    »Was mir viel wichtiger ist, ist dass wir alle zusammen in diese Gruppe kommen. Ich weiß nicht, wie ich ohne euch überleben soll«, sagte ich ehrlich, nachdem wir uns beruhigt hatten und eine angespannte, aber auch dankbare Stille machte sich breit.
    Sowohl Saja als auch Boyoung machten sich große Sorgen darum, dass sie für die Gruppe nicht in Frage kamen. Es stand ein düsteres Concept an und beide waren eher süß, gutgelaunt und lustig. Ein mädchenhafteres Concept hätte vermutlich besser zu ihnen gepasst, doch ich wusste, dass sie sich keine Sorgen machen mussten. Sie würden auf jeden Fall genommen werden, aber das konnte ich ihnen natürlich nicht einfach sagen. Sie würden es sowieso bloß für eine Vermutung und eine gutgemeinte Beruhigungsaktion halten.

    Nach und nach verließen die Mädchen den Trainingsraum. Als letzte blieben nur noch Saja, Boyoung und ich übrig.
    »Wir sollten uns langsam auf den Weg machen. Man wartet sicherlich nicht auf uns«, sagte Saja und erhob sich ächzend. Dann hielt sie Boyoung und mir ihre Hände hin und half uns aufzustehen.
    Ein paar Minuten später warteten wir zusammen mit allen in Frage kommenden Mädchen vor einem der Tonstudios und warteten darauf, dass der Assistent uns sagte, welche von uns zuerst dran war. Das ganze zog sich über fünf, zehn, dann fünfzehn Minuten hin und dann kam er zum dritten Mal aus dem Raum und verlangte nach mir. Boyoung und Saja klopften mir fest auf die Schultern und ich betrat den halbdunklen Raum, in dem die Songwriterin, der Aufnahmeleiter und der CEO saßen.
    »Hallo, Bee. Geh einfach in den Aufnahmeraum und mach dich bereit. Wir geben dir ein Zeichen, wenn wir anfangen«, sagte der CEO ein wenig genervt, aber nicht schlecht gelaunt. Ich hatte ihn schon mit weitaus schlechterer Laune gesehen.
    Ich öffnete also die Tür zur Kabine, schloss sie wieder und setzte die Kopfhörer auf, als ich beim Mikrofon ankam. Sogleich fragte mich der Aufnahmeleiter, ob ich ihn hören könne und ich erwiderte mit einem Daumen nach oben und einem breiten, selbstsicheren Grinsen. Ich durfte nur keine Nervosität zeigen, Professionalität war alles.
    »Okay, du wirst jetzt gleich den Debutsong für unsere neue Girlgroup einsingen, damit wir heraushören können, für welche Stellen du am geeignetsten bist. Es ist nichts anderes, als du sonst tust, wenn du einen Song einsingst, nur dieses Mal legen wir deine konkrete Rolle fest. Immerhin bist du für mehrere geeignet«, erklärte der CEO und ich nickte. Er redete so, als wäre schon von vornerein klar gewesen, dass ich in diese Girlgroup kam. Seltsamerweise verwirrte mich das ein wenig, doch ich ignorierte es einfach.
    Als das Signal kam, dass der Song in Kürze startete, machte ich mich bereit und setzte zum richtigen Zeitpunkt ein.

    Ich schaltete einfach alles ab und konzentrierte mich nur auf den Text, die Melodie, den Flow. Irgendwann endete es so, dass ich Teile der Choreo mittanzte und von mal zu mal aggressiver wurde. Die Rap-Parts waren eigentlich nicht meine Stärke, aber an diesem Tag fühlte ich den Text so sehr, dass ich sie herausschmetterte, als würde ich jeden einfach nur beleidigen wollen. Als die Aufnahme endete, war ich vollkommen außer Atmen und merkte, wie meine Körpertemperatur angestiegen war. CEO, Aufnahmeleiter und Songwriterin saßen nickend hinter der Glasfront und schienen zufrieden zu sein.
    Sie teilten mir mit, dass sich nur bestätigt hatte, was sie zuvor mit mir geplant hatten und entließen mich wieder. Vor dem Aufnahmeraum kamen Saja und Boyoung direkt auf mich zugeschossen.
    »Und? Die waren ja echt schnell fertig mit dir, Honey Bee. Wie war's?«, fragte Saja und meine Freundinnen hängten sich an meine Arme, während sie mich beide mit großen Augen ansahen. Verschwörerisch beugte ich mich zu ihnen und wir steckten die Köpfe zusammen.
    »Eigentlich soll ich es noch nicht herausposaunen, aber es sieht so aus, als werde ich die Lead Sängerin unserer Girlgroup und ich soll einen weiteren Song einsingen, als Trailer zu unserem Debut.«
    Saja und Boyoung begannen zu kreischen und ich versuchte sie zum Schweigen zu bringen. Mittlerweile war das nächste Mädchen im Raum verschwunden, aber alle anderen sahen uns verwundert an und konnten sich wahrscheinlich schon denken, dass ich genommen worden war. Damit waren nur noch vier Plätze frei und zwei davon würden meine Freundinnen bekommen. Da war ich mir ganz sicher.



    Ich behielt recht. Unsere Gruppe formte sich aus Saja, Boyoung, Lai, Subin und mir und es folgte ein noch strafferer Zeitplan, als ohnehin schon. Jeder bekam seine eigene Stellung in der Choreographie, seinen eigenen Anteil im Song und ich durfte aktiv an dem Trailersong mitarbeiten, den ich schließlich drei Wochen vor unserem Debut aufnahm. Das Musikvideo für den Debutsong war bereits im Kasten und die Tage nach der Aufnahme des Trailersongs wurde damit verbracht ein paar düstere Aesthetic-Shots aufzunehmen und mich für ein paar Szenen abzulichten. Mit dem Ergebnis eine Woche später waren wir alle zufrieden und die Aufregung war riesig, als der Trailer hochgeladen wurde.
    Schneller als erwartet war dann auch das Musikvideo zu unserem Debutsong hochgeladen und nach harter Arbeit und unzähligen Probeläufen für die Show, stand unsere Debut Stage an. Unsere Bühnenoutfits waren dunkel und elegant-rockig. Ich trug ein lässiges schwarzes Shirtkleid mit glitzernder Korsage und Satinhandschuhen, die anderen waren ähnlich gekleidet, mal lässiger, mal eleganter. Alles in allem wirkte alles perfekt aufeinander abgestimmt, nur fühlte ich mich nicht so freudig aufgeregt, wie noch die Wochen zuvor, nicht so erleichtert die Trainee-Zeit endlich hinter mir zu haben, wie ich gedacht hatte. Ich war aufgeregt, malte mir die schlimmsten Szenarien aus und vor allem dachte ich daran, was passieren würde, wenn ich auf Yoongi stoßen würde. Oder wie ich mich fühlen würde, wenn es nicht passierte.
    »Hey, bist du bereit, Bee? Du bist als erste dran, später folgen wir, vergiss das nicht«, sagte Subin freundlich und tätschelte mir die Schulter. Sie war unser Leader und nahm ihre Rolle, sich um uns zu kümmern, ziemlich ernst.
    »Ja, ich weiß. Ich bin nur nervös«, entgegnete ich und wischte mir die nassen Hände an den Shirtärmeln meines Kleides ab. Normalerweise war ich wirklich nicht der nervöse Typ, aber mein Leben hatte sich um hundertachtzig Grad gewendet und jetzt in diesem Moment kommt es mir so ungewohnt und neu vor, wie schon lange nicht mehr. Es war drei Jahre her, dass ich dort wieder von vorne angefangen hatte, wo Yoongi und ich uns kennengelernt hatten und alles war seitdem anders verlaufen.
    »Ich glaube dir, dass du nervös bist, das sind wir anderen auch. Aber ich weiß, dass du super bist und dass wenn du da rausgehst, wird es sich ganz natürlich für dich anfühlen. Hat es das nicht immer?« Ich lächelte Subin dankend an.
    »Ja, das hat es. Danke.«

    Und dann kam auch schon mein Stichwort. Die Musik setzte ein und ich trat von hinten auf die Bühne und auf ein extra für mich aufgebautes Podest. Lichter strahlten mich an und als ich mit meiner eingeübten Choreografie und dem Text begann, lief alles einfach wie von alleine. Ich spielte mit dem Publikum in der Ferne, sah ab und zu in die Kamera, die über die Bühne gefahren wurde und sprang vom Podest, wie vereinbart, bevor unser Debutsong begann.
    Schwer atmend wartete ich darauf, dass meine Gruppenmitglieder sich aufstellten, während die Musik wieder einsetzte. Ich richtete mich auf und nahm meine Position ein. Alles lief so, wie bei der Generalprobe, doch das zählte jetzt nicht mehr, denn es zählten nur noch der Song, das Publikum und vor allem unsere Girlgroup. In diesem Moment war alles fast perfekt.
    Nach unserem Auftritt wurden wir hinter der Bühne durch einen Gang geführt, während uns die Mikrofone wieder abgenommen und Wasserflaschen gereicht wurden. Die anderen begannen aufgeregt durcheinander zu sprechen, doch ich nestelte mit zitternden Fingern am Schraubverschluss der Wasserflasche. Es war geschafft, ich war glücklich und zufrieden, aber gleichzeitig ...
    Als wurden meine unterdrückten Gedanken erhört, tat sich in dem durchsichtigen Wasser innerhalb der Flasche ein Bild auf und zeigte unsere Gruppe, wie sie lachend durch den schmalen Gang hinter der Bühne lief, sowie eine andere Gruppe, die uns entgegen kam. Yoongi vorne an, den Kopf nach hinten gedreht, um mit Hoseok zu sprechen, der lachend auf ihn einredete. Ich hob den Kopf und wäre beinahe mit ihm zusammengestoßen, wäre ich nicht im letzten Moment ausgewichen und gegen Boyoung gestoßen, die einen überraschten Schmerzensschrei ausstieß.
    »Tut mir leid«, entschuldigte ich mich bei ihr und sah, wie die Member von BTS sich nach und nach zu uns umwandten, während sie weiterliefen. Auch Yoongis Blick huschte kurz zu uns, doch dann wandte er sich wieder nach vorne, als sie weitergescheucht wurden.
    Erleichtert atmete ich aus, aber gleichzeitig erfüllte mich die Sehnsucht nach ihm, wie noch nie. Bei jedem Mal, das ich ihn sah, wurde es nur schlimmer.
    »Hey, Honey Bee, geht es dir gut? Du siehst aus, als würdest du gleich in Tränen ausbrechen, das war doch nur ein kleiner Zusammenstoß, nicht der Rede wert«, sagte Boyoung ruhig und legte mir den Arm um die Schulter, um mich weiterzuziehen. Ich lehnte mich gegen sie.
    »Es war nur der Schreck«, log ich.

    Am Ende dieses langen Tages, der bis in den nächsten Tag hineingegangen war, lag ich nun in einem Zimmer mit Boyoung und Saja und versuchte einzuschlafen, wie die anderen. In den nächsten Wochen folgten noch viele Auftritte, ein paar Interviews und zum Anfang des nächsten Monats bereits der nächste Song. Außerdem war bereits ein Album in Planung und Subin und ich lieferten nicht gerade wenige Ideen, die die Zuständigen sogar berücksichtigten.
    Es gab Tage, an denen genoss ich mein neues Leben, besonders die Tage, an denen wir stundenlang tanzten, Songs aufnahmen, Lives abhielten und den verschiedensten Shows beiwohnten oder eine eigene Miniserie aufnahmen. Das waren die Tage, an denen ich nicht an Yoongi denken musste, außer ich wurde an ihn erinnert, wenn seine Gruppe zur Sprache kam oder sie in einer Sendung liefen, die zufällig eingeschaltet war. Aber es war erträglich. Bis ich mit mir allein war, wenn wir ein paar Tage frei bekamen, unsere Familien besuchen konnten und der ganze Alltagstrubel für eine Sekunde stoppte. Das war bereits genug, um alles zu bereuen, was ich getan hatte. Außer, wenn ich daran dachte, wie gut es Yoongi ging.
    Ich hatte das Gefühl, im Fernsehen lächelte er häufiger, wirkte entspannter. Aber vielleicht sah es für mich auch nur so aus, weil ich es sehen wollte. Ich konnte es nicht sagen, immerhin hatte ich keinen direkten Vergleich zu seinem vorherigen Leben, in dem ich eine Rolle gespielt hatte. Allerdings wünschte ich mir, dass es so war. Er sollte seinen Erfolg genießen und sich keine Gedanken um irgendetwas machen. Und das sollte ich auch nicht.
   Ich tat es trotzdem. Jeden Tag, an dem ich nicht für vierundzwanzig Stunden abgelenkt war und es wurde nur schlimmer, je größer unser Erfolg wurde und je mehr mein Leben in eine Richtung verlief, die ich vor Jahren gehofft hatte, umgangen zu sein, nachdem ich mich gegen Yoongi entschieden hatte und meiner Mom vertraut hatte. Doch einige Dinge ließen sich einfach nicht ändern.







[hola, ich habe nichts zu erzählen. wir lesen uns! ♡]
Review schreiben