königin der south side

von darueber
OneshotDrama, Romanze / P16
Mandy Milkovich Phillip "Lip" Gallagher
20.02.2020
20.02.2020
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königin der south side


i.


Mandy ist keine Heulsuse.

ii.

Sie ist kein kleines Kind mehr und weiß, dass das Leben ein Haufen Scheiße ist, der nur darauf wartet zu platzen. Sie ist die Königin der South Side und genießt die Angst, die viele vor ihr und ihrer Familie haben. Das Leben hat ihr mehr beigebracht, als die Schule es je könnte, deswegen geht sie nur sporadisch hin und holt sich am Ende Noten ab, die immer gerade so reichen, um nicht nochmal wiederholen zu müssen. Es gibt da diesen Jungen, von dem Mandy glaubt, dass er es zu etwas bringen wird. Sie trifft die Entscheidung für ihn, schreibt sich unter seinem Namen in Colleges ein und hofft, dass er sie dann zurückliebt. Obwohl sie weiß, dass die South Side ihr Ende ist, hofft sie, dass Lip sie mitnimmt, wenn er geht. (Es geht hier weniger um Liebe als um Hoffnung.)

iii.

Irgendwann kommt sie an einen Punkt, an dem sie vom Abhauen träumt. Es ist nur ein kleiner Gedanke, der kommt und wieder verschwindet. Sie wird den Durchbruch nicht schaffen und auf keinen Fall in die Mittelschicht einziehen, doch sie könnte woanders sein und der South Side entfliehen. Vielleicht ist nicht jedes Ghetto gleich. Sie liebt diesen Kerl, der ihr nicht mal mehr in die Augen sehen kann, seit er das von Karen und dem Unfall weiß. Es zerreißt sie, doch das würde sie nie so sagen. Mandy ist keine Heulsuse und hat beigebracht bekommen, dass man immer selber die Schuld trägt. Er weiß nicht, wie viel Schuld sie tatsächlich trägt. Deswegen bleibt sie bei Lip, lässt sich ficken und verzeiht ihm, wenn er sie anschreit. (Sie weiß nicht, ob sie ihn liebt, oder ob sie bleibt, weil er ihrem Vater sehr ähnlich ist, wenn er wütend wird. Damit kann sie umgehen, das kennt sie.)

iv.

»Lass uns gehen. Wir könnten uns einen Wagen klauen und an den Strand fahren. Wir kennen doch bisher nur das hier. Ich kann nicht glauben, dass wir es beide es noch nie aus Chicago geschafft haben«, murmelt sie an seine Brust und streicht mit einem Finger über sein Tattoo.
»Wir sind hier zu Hause, Mandy. Nur Feiglinge hauen ab«, antwortet Lip, während er eine Zigarette ansteckt und aus dem Fenster starrt.
In ihrem Inneren brodelt ein Vulkan aus Wut und Frustration, weil Lip Talent hat und trotzdem bleiben will. Lip ist nicht wie Mandy, die sowieso keine Zukunft hat. Er wirft seine Zukunft weg, weil er Angst hat, außerhalb der South Side nichts mehr zu sein. Sie ist die Königin der South Side und hat das Regieren so satt.
»Lip, das kann doch nicht das Leben sein, das du dir wünschst.«
»Lauf ruhig weg. Aber komm bloß nicht zurück, sonst endest du noch wie Karen, die den gleichen Fehler gemacht hat.«
»Dann wird mich jemand überfahren?« (So wie Mandy Karen über den Haufen gefahren hat)
»Können wir nicht einfach vögeln?« (Irgendwie geht es immer um Karen.)

v.

Das Beste an Lip und Mandy ist der Sex. Sie treiben es wie wilde Tiere, stöhnen extra laut, damit auch jeder mitbekommt, wie viel Spaß sie haben. Mandy weiß, was Lip gefällt. Sie kennt die geheimen Stellen und steht drauf, wie er zu Wachs unter ihr wird. Sie liebt es, wie er mit seinen Händen ihre Oberschenkel entlangfährt, ihren Bauch küsst und dann immer tiefer wandert. Irgendwann ist Sex alles, was ihnen noch bleibt. (Sie tun es im Stehen und im Liegen, auf Klos, in den Ecken dreckiger Bars, in Autos, die nicht ihnen gehören, sogar auf der Hochzeit von Mickey und Svetlana, auf der Lip endlich die ganze Wahrheit über Karen und Mandy erfährt.)

vi.

Die Trennung bricht Mandy das Herz. Sie hat das mit Karen nur für ihn getan. Sie hat alles nur für ihn getan. Sie ist keine Heulsuse, deswegen lenkt Mandy sich mit einem neuen Kerl ab, der ihr vielleicht irgendwann den Strand zeigt, so wie Lip es nie wollte. Der Neue wird sie mitnehmen und dafür sorgen, dass sie mehr als immer nur Chicago und Lips dämliches (oh gott, sie hat es so sehr geliebt) Feuerwerk sieht. Dafür lässt sie sich von ihm schlagen und ficken und anschreien, denn zwischen all der Gewalt hat sie Hoffnung.

vii.

Mandy weiß, wie man sich verteidigt. Wenn kein Anderer es für sie tut, muss sie eben selber zuschlagen. Es war nicht immer einfach in einem Haus voller Milkoviches, die sich prügeln und anschreien und gegenseitig versuchen umzubringen, wenn jemand auf den falschen Fernsehsender schaltet. Sie hat sich damit abgefunden, dass alles, was ihr im Leben vorherbestimmt ist, dieses schimmlige Haus in South Side ist, in dem irgendwann sie selbst und ihre acht Kinder leben werden. Aus ihr wird nie mehr werden, als der übliche South Side Trash, den der Rest ihrer Familie darstellt. Mandy ist keine Heulsuse, deswegen beißt sie sich durch, auch als Lip sie nicht mitnimmt und der Neue immer weiter prügelt. Sie ist die Königin der South Side und dieses Mal schlägt sie zurück.

viii.

(»You are gorgeous. You are sweet. And you are funny. And you are very smart. You know that, right?«
»Shut up.«
»Hey, hey. I mean it, okay? You’re a good person, Mandy.«
»Thanks.«)


ix.

Mandy ist keine Heulsuse, also geht sie alleine.

(»You know that just 'cause we were born here doesn't mean that we end up here.«)


04.01.18
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