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Die neuen Könige von Narnia

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
der Löwe Aslan OC (Own Character)
19.02.2020
13.09.2020
30
30.252
4
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19.02.2020 706
 
Dicke, schwere Wolken hingen vom Himmel.
Der Himmel muss traurig sein, dachte Louisa Williams, als sie die Regentropfen beobachtete, die gegen die Scheibe prasselten.
„Schwer zu glauben, dass Sommer sein soll“, riss eine bekannte Person Louisa aus ihrem Tagtraum.
Sie blickte in dem Moment auf, indem ihre große Schwester sich setzte. Vor sich ein Tablett mit zwei Mahlzeiten. Louisa, die keine Lust hatte, sich in die Schlange einzureihen, nahm sie einen Teller von dem Tablett.
„Was soll das denn sein?“, fragte sie mit verzogenem Gesicht.
„Laut der Karte ein Gulascheintopf“, erklärte Susanna und zog sich den roten Blazer ihrer Schuluniform aus. Ordentliche hing sie ihn über ihre Stuhllehne.
„Das sieht aus wie schon mal gegessen“, schimpfte Louisa naserümpfend.
„Lou!“, tadelte Susanne, doch natürlich hatten die falschen Leute es bereits gehört.
Wie immer.
Eine Gruppe aus vier hübschen Blondinen näherte sich dem Tisch der Williams-Schwestern. Insgeheim nannte Louisa die vier Mädchen die Barbie-Puppen.
Sie erreichten den Tisch und blieben herablassen blickend, direkt davor stehen.
„Ist der Prinzessin das Essen nicht fein genug?“, fragte die Oberbarbie gehässig. Trotz des Uniformenzwangs meisterte es die Oberbarbie meisterhaft, in ihrer rot-weißen Uniform hübsch auszusehen.
Louisa spürte die Röte in ihrem Gesicht und hätte Susanna sie unter dem Tisch nicht getreten, dann hätte Louisa vermutlich ihren angeblichen Eintopf genommen und ihn der Oberbarbie in die Haare einmassiert.
Die beiden Schwestern ignorierten die Mädchen und denen wurde es offensichtlich zu langweilig jemanden zu schikanieren, der gar keine Reaktion zeigte. Denn mit wallenden Mähnen zogen sie von dannen.
„Warum können sie uns nicht leiden? Im Grunde sind sie doch wie wir“, überlegte Louisa, während sie ihr undefinierbares Essen über ihren Teller schob.
„Warum können wir sie nicht leiden?“, fragte Susanna altklug zurück.
„Na weil es Zicken sind“, sagte Louisa sofort und ihre Schwester seufzte.
„Das war eigentlich eine rhetorische Frage“, murmelte diese.
„Hä?“, fragte Louisa mit vollem Mund und ihre Schwester schüttelte resigniert mit dem Kopf.
Was Louisa damit meinte „sie seien wie die Barbies“ war einfach erklärt. Denn die Williams Schwestern gingen auf eine hochangesehene, reine Mädchenschule, die in anderen Gesellschaftsschichten gerne als „protzige, elitäre Schule“ geschimpft wurde.
Die meisten Mädchen dieser Schule hatten reiche Eltern, die wenigen, bei denen dies nicht zutraf wusste man, dass sie über Vitamin B an ein Stipendium gekommen waren.
Doch beim Geld und dem Platz an dieser „highsociety“ Schule hörten die Gemeinsamkeiten mit den Barbies auch schon auf.
Nach der Pause ging es für Louisa und all die anderen wieder in den Unterricht. Ihre Gedanken wanderten jedoch keineswegs zum Unterricht hin. Stattdessen dachte sie weiter an die Mädchen.
Vielleicht, so überlegte Louisa, während ihre Mathelehrerin die Tafel in ein mathematisches Kunstwerk formte, ist das ja der Grund, weshalb sie uns nicht mögen.
Wobei sich Louisa nicht mal sicher war, ob die Mehrheit nur sie nicht mochte.
Denn warum sollte man Susanna nicht mögen? Sie war bildhübsch, superklug und noch dazu Wortgewand. Sie könnte glatt eine dunkelhaarige Barbie werden.
Nicht selten hatte Louisa beobachtet, wie ihre große Schwester von Klassenkameradinnen umringt, aus dem Klassenzimmer kam.
Ihre Mutter pflegte immer zu sagen, dass Susanne wie ihre Großmutter war.
Sogar die Namen glichen sich.
Verträumt kritzelte Louisa nicht mathematische Gestalten in ihr sonst ordentlich geführtes Heft und wartete sehnsüchtig auf das erlösende Klingeln.
Und während Louisa auf das erlösende Ende wartete, lieferte sich Susanna, vier Klassenstufen höher, eine hitzige Debatte mit ihren Mitschülerinnen.
Ein ausschlaggebendes Argument auf der Zunge saß Susanna zappelig auf ihrem Stuhl. Sie müsse den anderen auch eine Chance geben, so ihre Lehrerin. Doch waren ihre Mitschülerinnen bei weitem nicht so überlegt wie Susanna und so sprudelten ihr die Worte einfach so über die Lippen. Mathilde, das Mädchen, welches Susanna gerade unhöflich unterbrochen hatte, blickte sie irritiert an.
„Verzeihung“, beeilte sich Susanna zu sagen und ihrer Lehrerin bricht schmunzelnd die plötzliche Stille.
„Es sieht so aus, als habe Miss Williams sehr viel zu dem Thema zu sagen.“
Es wurde gelacht, doch keineswegs gehässig. Man könnte glatt sagen, dass die gesamte Klasse ausschließlich an Susannas Lippen hing. Verlegen und ein wenig peinlich berührt strich sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr und lächelte.
Eine Klassenkameradin griff Susannas Argument auf und die Debatte flammte neu auf.
Susanna lächelte stolz, während sie gedanklich schon weitere Argumente sammelte.


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