Unwohle Distanz

von ccccddd
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Alex Vause Larry Bloom Piper Chapman
19.02.2020
19.02.2020
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19.02.2020 1.226
 
Wassertropfen rannen ihren Körper herunter. Klar, so funktioniert das bei einer Dusche, doch dieses monotone Gefühl auf ihrer Haut geeint mit der Wärme ließen Piper automatisch entspannen. Das Gefühl legte sich wie ein schützender Umhang um ihre Haut und als ihr dass klar wurde, merkte sie, dass alte Wunden noch immer stachen.
Irgendwo in einer vollen Bar. Laut, trunken, zeitlos. Besser gesagt auf der gerade einzig verfügbaren Toilette, die noch nicht voll gekotzt war. Schnell, aber mit präziser Handführung noch einmal den Eyeliner nachziehen- gewollten Blickkontakt mit ihrem Spiegelbild...erlauben. Wieso auch nicht?! Alex runzelte die Stirn, wobei diese Geste durch die exakt durch Schminke betonten Augenbrauen gewichtiger schien als sie vermutlich gemeint war. Hey, es war ein erfolgreiches Jahr gewesen, abenteuerreich und luxuriös, genau nach ihrem Geschmack, wie immer. Wieso also genau zu der Zeit im Jahr trübselig werden?
Diesmal ließ sie sich Zeit mit der Körperflege. In ihrer eigenen Welt aus warmem, waberndem Dunst war für diesen Moment das einzige, was wirklich bedeutend war, das exakte Falten ihres Handtuchs, mit welchem sie gedankenverloren über ihre Haut rubbelte. Ließ sie sich jetzt noch einen weiteren Moment fallen, wäre es wirklich um diesen Abend geschehen. Sie seufzte. Jesus, musste dies jetzt geschehen? Gerade im unpassendsten Augenblick- ihr Typ wurde draußen verlangt und wo sie doch generell den Tag über nun schon so melancholisch drauf war, brach eine Welle an Erinnerungen über sie herein und ließ sie durchtränkt zurück, unsicher, was der nächste Schritt war. Länger würde sie der Flut an Gedanken nicht mehr standhalten können und sich ihr hingeben wollen. Fast traute sie sich nicht mehr, gleich dem Bad zu entschlüpfen, mit dem Umdrehen des Schlüssels schien etwas beschlossen. Außerdem hatte sie noch randvoll zu tun ehe der angenehme Teil des Abends beginnen konnte; das gute Geschirr musste noch rausgeholt und entstaubt, das Gemüse geputzt und schnell noch der Rest des Weihnachtsschmuckes im Wohnzimmer angebracht werden, sodass später ein gemütliches Ambiente entstehen konnte...
Mitten in ihrer ohnehin schon slow motion Bewegung hielt sie nun endgültig inne. Was war das bloß für ein altertümliches Denkmuster? Entsprach sie nun gänzlich dem Klischee einer Hausfrau, welche sich am meisten um sauberen Spinat- welcher gewiss eh wieder verkochen würde- und blanke Treppengeländer kümmerte? Nun ja, sie hatte es eben gerne rein, so hatte ein Haus zu sein, nicht? Ha!, das brachte sie glatt dazu, verbittert aufzulachen bei der Standartaussage, wie sie nur eine Hausfrau in der Werbepause reimen würde. Dabei ertappte sie sich bei dem Gedanken, wer hier mit ihr aufgelacht hätte- oder sogar über sie?
Mit dem Sentimental-Sein hatte Alex es nicht wirklich am Hut(jedenfalls nicht vor anderen Leuten), was sie auch nicht bereute. Es entsprach nicht wirklich ihrem Rhythmus, traurig innezuhalten und um verflossene Momente aus "der Vergangenheit" zu trauern. Das dies nicht ganz stimmte merkte sie nicht nur an den Tagen, wo sie sich die sorgfältig in einem Fotobuch aufbewahrten Bilder ihrer Mutter anschaute, nicht selten ohne ein paar Tränen oder auch mehrere zu vergießen, sondern- in den gaaaanz seltenen Fällen- zu einer weiteren Schachtel mit Erinnerungsstücken an...vergangene Zeiten griff. Nun gut, so selten tat sie dies nun auch nicht, es war mehr ein Ritual geworden sich daran zu erinnern, diese verdammte Kiste nicht zu öffnen und endlich zu verbrennen, als das sie sie wirklich nicht anrührte. Auch zu diesem Zeitpunkt musste sie sich ermahnen, einfach weiterzugehen in ihrem bisherigen Leben, längst nicht war dies eine Sache, die sie aus der Bahn warf und ihren- Lebensinhalt aufgeben ließ. Lebensinhalt konnte man es durchaus nennen, besonders wenn man die zahlreichen Partys und das damit verbundene Feiern bis in den Morgengrauen nicht außer Acht ließ...und die weiblichen Erscheinungen fügte sie noch schmunzelnd hinzu. Ihr Blick trübte sich rasch wieder bei diesem aufkommenden Gedanken, sobald ihr wieder die Feststellung klar wurde, welche sie doch eigentlich erfolgreich begonnen hatte zu verdrängen...mehr oder weniger, wie sie ja jetzt sah. Denn ob es ihr gefiel oder nicht, darum schienen sich ihre Gefühle und Emotionen keinen Dreck zu scheren, als sie folgendes bemerkte...ihr Herz und nervigerweise auch überwiegend ihr ganzes Empfinden waren  tatsächlich noch gepolt auf...
Pipers Irrationalität ärgerte sie ja selbst- in keinster Weise war es eine Schande, den Zügen einer Hausfrau zu gleichen, nur räumte ihr dieser Vergleich das Zugeständnis ein, dass sie eben mit der Hausfrau auch das eher gemäßigte, immer wieder auf dasselbe Ziel hinauslaufende Leben verband, welches sie doch endlich einmal nicht einschlagen wollte; welchem sie seit ihrer frühen Jugend- vielleicht sogar schon früher- hatte ausbrechen wollen. Noch immer hatte sie manchmal -wie jetzt auch- das einprägsame Bild ihrer Mutter im Kopf, welches in solchen Momenten wie ein rotes Warndreieck aufleuchtete. Und nun stand sie hier, sinnierte darüber nach, genau wissend, das dies doch bloß eine Metapher für ein ihr sehr am Herzen liegendes Thema war, von welchem sie doch angenommen hatte, ganz gut dabei zu sein, dies zu verdrängen- wohl eher nicht, wie ihr jetzt auch wieder klar wurde. Genau jetzt schien ihr bedauerlicherweise das Zentrum ihrer Wünsche ziemlich klar vor Augen. Das mit dem Verdrängen schien wohl auch einfach nichts werden zu wollen, denn irgendwo in ihrem Unterbewusstsein wollte anscheinend ein Teil von ihr an diesem einen, ihr Sein beherrschenden Kernpunkt festhalten. Egal ob es schmerzte oder nicht, egal, ob es, wie sie bereits befürchtete, ihren alltäglichen Rhythmus von neuem aus der Bahn werfen würde- der Drang nach dem verlockenden Gedanken, nicht zu wissen was kommt, ließ sie nicht los. Der Drang, etwas besonderes zu bewirken, ja, sie knirschte leicht mit den Zähnen bei diesem unbehaglichen Geständnis, wichtig zu sein und ein Abenteuer nach dem anderen zu erleben. Und all dieses Ersehnte war nicht ohne jemanden bestimmtes komplett. Nicht ohne...
*Klopf Klopf*. Das energische Schlagen auf das Holz der Tür schreckte sie aus ihren Gedanken. Nocheinmal ertönte das Geräusch."Piper !". Larrys Stimme erklang vom Flur her. Ein leicht hitziger Unterton schwang mit. Am liebsten hätte Piper wirklich gerne laut aufgestöhnt, all diese Last ausgeröchelt, wortwörtlich hing sie ihr gerade zum Halse heraus; verbunden mit Larrys im Gegensatz zu ihren so profan und lächerlich wirkenden Beweggründen, unruhig zu werden, was schon eine besondere Verhaltensweise bei ihm war. Super, heute war wirklich der Kotz-dich–aus-über-alles-mögliche-Tag. Sie konnte sich ja fast selber nicht mehr ertragen. Doch sie war nun eben drin in ihren unglücklichen Gedankenverkettungen und eine Weile würden sie diese auch noch in ihren Bann ziehen...
Wow. Wer hätte gedacht, das sie beim Irren durch ihre Gedankenspirale nun derartige Weisheit erlangen würde. "Soll ich jetzt jubeln?", fragte sie sich. Echt, das war doch zum Verrückt werden. Und wenn sie ehrlich war, dann war das schlimmste daran die Tatsache, dass es wahr war. Vielleicht mit das Wahrste was sie sich je eingestanden hatte, gleich nachdem, dass sie einer nicht für sie existierenden Fantasie eines super Daddys hinterhergelaufen war. Fakt war und blieb, dass sie sich hiermit einmal mehr ihrer nicht gerade günstigen Gefühlslage bewusst wurde. Und das in einem so bescheidenen Ambiente, welches zu keiner Situation ein Ort wäre, den sie sich ausgewählt hätte um an derlei „Dinge" überhaupt einen klaren Gedanken zu verschwenden. Hatte sie doch alles sonst so schön akribisch unter Kontrolle, dies suchte sie wie diese sie begleitende Umgebung heim. Allerdings, dachte sie säuerlich, hatte sich der Werdegang von ihnen beiden nicht in so einem Klosett entschieden?