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Come back to us

DrabbleFamilie, Schmerz/Trost / P16
Lance Corporal William Schofield
19.02.2020
19.02.2020
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19.02.2020 573
 
Disclaimer: Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte und besitze auch keine Rechte an allem, was aus dem Film 1917 übernommen wurde. Ähnlichkeiten zu lebenden (oder mittlerweile verstorbenen) Personen sind nicht beabsichtigt.
Beim Titel handelt es sich um ein Zitat aus dem Film.

Kurzbeschreibung: [„1917“] Schofield hat es geschafft. Es ist vorbei, der Auftrag ist ausgeführt und doch… [Lance Corporal William Schofield; mentions of: Lance Corporal Thomas Blake, Lieutenant Joseph Blake][Spoiler!]

A/N: Es handelt sich hierbei um ein Straßendrabble zu Sam Mendes’ Film 1917.






Come back to us


Er atmete, schloss die Augen und atmete einfach nur. Der Baumstamm, an dem er lehnte, stützte, hielt ihn. Die Rinde war genauso warm wie die Sonnenstrahlen auf seinem Gesicht. Hinter ihm im Feldlazarett schrien verwundete Soldaten und riefen Sanitäter nach einem Arzt, einer Säge und Verbandzeug.

Vielleicht würde einer von ihnen einen Orden bekommen.
Vielleicht ein paar der verwundeten, sterbenden oder schon toten Männer.

Vielleicht auch Blake.

Ein Stück Metall an einem bunten Band. Ein nutzloses Ding, das nicht einmal hübsch anzuschauen war, das man Blakes Mutter nach Hause schicken würde. Doch ihren Schmerz würde es genauso wenig lindern können wie den seines Bruders.

Er hatte es in Lieutenant Blakes Augen gesehen, auf seinem Gesicht, an seiner gesamten Haltung, obwohl der Mann sich alle Mühe gegeben hatte, sie zu wahren. Gelungen war es ihm bestenfalls oberflächlich und vielleicht auch nur der Männer unter seinem Kommando wegen.
Aber wer wusste das schon?
Und wer war er denn, darüber zu urteilen?!

Er atmete. Die Luft roch nach dem ersten sonnenwarmen Hauch von Frühling und nach Stahl und Blut und Exkrementen.

Vielleicht bekam er ebenfalls einen Orden.

Noch einen.

Noch ein Stück nutzloses Metall, nutz-, aber nicht wertlos, denn er würde es versetzen können. Erneut. Sobald er jemanden traf, der ihm eine Flasche Wein dafür anbot oder besser noch eine Flasche Schnaps. Irgendetwas mit dem es ihm gelang, die Schreie und den Klang der Artillerie für ein paar Stunden zu vergessen und traumlosen Schlaf zu finden.

Tiefen, traumlosen Schlaf, in dem ihn auch der Hunger nicht mehr erreichen konnte.

Die Sonne war warm auf seiner Haut, seinem Gesicht, seinem Hals, seinen Händen und ihre Wärme kroch langsam auch durch seine feuchte Uniform. Nachdem der Fluss ihn fast bis ans Ziel getragen hatte und seitdem kaum mehr als ein paar Dutzend Augenblicke vergangen waren, klebte der schwere Stoff noch immer an ihm und eigentlich… Ein heißes Bad und trockene Kleider wären vonnöten. Nichts von beidem würde er hier bekommen können.

Mit einer Hand tastete er nach der flachen Blechdose in der Brusttasche der Jacke.

Er war hier, die Dose war hier und in ihrem Inneren all das, was ihm hier mitten in den Wirren zwischen Schlachtfeldern, Schützengräben, eigenen und feindlichen Linien noch wichtig war. Das Einzige, das wirklich etwas bedeutete.

Come back to us.*

Seine Frau hatte es auf die Rückseite der Fotografie geschrieben. Vier kleine Worte und für ihn die ganze Welt. Der Anker, der ihn hielt. Ein Funken Hoffnung, der ihn weitergehen ließ, wenn er eigentlich nicht mehr weitergehen wollte und konnte. Seine Familie.

Er musste zurückkommen.
Er würde zurückkommen.

Sein Kind durfte nicht ohne Vater aufwachsen.
Sein Kind würde nicht ohne seinen Vater aufwachsen.

Hinter ihm schrien Verwundete.
Und die Sonne schien warm auf seine müden Glieder.

[456 Wörter]




***

* Zitat aus dem Film

Bei Interesse findet ihr meinen zweiten Beitrag, einen Oneshot zu 1917 hier: Bottle of wine

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