Abbitte

von A wie Ana
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Eren Jäger Furlan Church Hanji Zoe Irvin / Erwin Smith Isabel Magnolia Levi Ackermann / Rivaille
19.02.2020
26.09.2020
46
358.647
41
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
16.09.2020 10.715
 
Guten Tag, meine Lieben :)

Huh, jetzt ist es ja doch schon acht Tage her, dass ich das letzte Kapitel hochgeladen habe. Die Zeit vergeht wie im Flug. Aber etwas Gutes hat die Sache: so konnte ich mir in aller Ruhe noch einmal die folgenden Kapitel durchlesen und sie überarbeiten, wenn sie mir nicht gepasst haben.
Ich möchte einmal Danke sagen, an all die tollen Menschen, die sich die Zeit nehmen, mir ein Review dazulassen. Das bedeutet mir echt wahnsinnig viel und ich finde es toll, dass ihr euch die Mühe macht und irgendwie auch zu würdigen wisst, wie viel Zeit, Mühe und Kraft ich in diese Geschichte stecke/gesteckt habe. Danke also dafür!<3

Zu diesem Kapitel muss ich einen Content angeben:
- Gewalt
- Kraftausdrücke
- Sex
- ein kleines Geständnis

Nun, mehr habe ich eigentlich nicht zu sagen. Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Kapitel und würde mich natürlich, so wie immer, sehr über Rückmeldungen freuen.
Liebste Grüße,

A wie Ana



Vierundvierzig

Levi


Als ich aus dieser beschissenen Lagerhalle trete, fühle ich mich dreckig. Beschmutzt. Widerlich. Meine Handgelenke schmerzen und obwohl ich meine Hände gefühlt eine halbe Stunde unter heißem Wasser geschrubbt habe, so fühlen sie sich immer noch so an, als würde Blut daran kleben. Sein Blut. Nicht meines.
Ich fühle nichts, als ich zu meinem Auto gehe. Mein Kopf ist leer, genauso wie mein Herz. Ich fühle rein gar nichts. Stumm öffne ich die Fahrertür, lasse mich auf den Sitz vor dem Lenkrad fallen und bleibe einen Moment einfach nur sitzen und bewege mich nicht. Mein Herz rast. Mein Puls rauscht in meinen Adern. Draußen ist es bereits dunkel. Es riecht nach Regen und nach Metall und nach Blut. Ein Geruch, den ich in den letzten zwei Stunden vehement versucht habe einfach auszublenden. Aber es war nicht möglich. Dieser Geruch klebt in meiner Nase, an meiner Kleidung, an meiner Haut. Ich rieche nach Gewalt. Ich rieche nach Blut. Nach seinem Blut. Nicht nach meinem.
Sein Betteln zu ignorieren war viel leichter. Ich habe zu schnell in diese Rolle zurückgefunden. Aber an diesen Gestank habe ich mich nie gewöhnen können, nie. Früher nicht und heute auch nicht. Er wird mich verfolgen, bis in den Schlaf. Ich könnte mich stundenlang unter die Dusche stellen und meine Haut schrubben, bis sie reißt. Dieser Geruch wird nicht verschwinden. Weil er sich in meinen Kopf gegraben hat wie ein giftiges Insekt.

Mir ist übel und mein Körper ist taub. Ich brauche eine halbe Stunde, ehe ich den Wagen starten und von diesem verschissenen Gelände herunter fahren kann, auf dem ich gerade etwas getan habe, das ich seit mindestens fünf Jahren nicht mehr getan habe. Und das ich auch niemals wieder tun wollte. Nicht so.
Um mich herum ist es still. Der Regen prasselt gegen die Windschutzscheibe, aber ich registriere ihn gar nicht wirklich. Ich kann nur das Rauschen in meinen Ohren hören, viel zu laut, unerträglich laut. Ich kann nicht fassen, dass ich das wirklich getan habe. Dass ich es getan habe, um die anderen vor Kenny zu schützen. Hanji, Isabel, Farlan. Dass ich es getan habe, um jemanden zu schützen, der mir nichts bedeutet. Oder zumindest nicht annähernd so viel, dass ich zurück in alte Muster verfalle. Aber das bin ich. Ich bin wieder zu einer Marionette geworden, zu einer dieser brüchigen Schachfiguren auf Kennys Spielbrett, die er je nach Lust und Laune hin und her schieben kann. Ich habe mich nicht einmal gewehrt. Ich habe es einfach getan. Ich habe meinen Kopf ausgeknipst, jedes Gefühl aus mir vertrieben und getan, was er von mir verlangt hat. Ich kenne den Kerl nicht, dem ich die Scheiße aus dem Leib geprügelt habe. Ich kenne weder seinen Namen noch sein Alter. Und es zählt auch nicht. In solchen Momenten kann ich es mir nicht leisten, über so etwas nachzudenken. In solchen Momenten muss ich mich auslöschen, bis ich nicht mehr existiere, bis ich einfach nur noch eine Maschine bin, die nicht fühlt, nicht denkt. Die einfach nur das tut, was man ihr sagt.
Dabei wollte ich das niemals wieder sein. Ich wollte niemals wieder der sein, mit dem ich vor Jahren abgeschlossen habe. Der das Leben anderer ruiniert hat. Der Petras Leben ausgelöscht hat.
Meine Hände umklammern das Lenkrad so fest, dass es weh tut. Ich bin unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Nur langsam sickert die Erkenntnis in mein Bewusstsein und mit einem Mal sackt jedes Gefühl zurück in meine Gliedmaßen und ich tue mich einen Augenblick schwer damit zu atmen. Ich fahre an den Straßenrand, schalte den Motor aus. Versuche, tief Luft zu holen, aber sie rasselt nur in meinen Lungen. Es gelingt mir nicht. Ich werde überrannt. Hektisch versuche ich, Luft in meine Lungen zu pumpen, mich zu beruhigen, es ist nichts, es war nichts, es wird auch nie etwas sein. Ich habe es getan. Ich sollte es einfach vergessen. Ich lehne meine Stirn gegen das Lenkrad und versuche, meine Gedanken zu sammeln. Mich zu beruhigen. Ich bin völlig außer mir, aber nicht vor Wut. Es ist die kalte Ernüchterung, die sich in mir breit macht.
Ich bin nicht besser als Kenny. Ich bin es nicht. Ich habe mich nicht geändert. Tausend grausame Tode sind nicht genug für jemanden wie mich. Das sind sie nicht. Von allen Menschen auf dieser Welt habe gerade ich es am meisten verdient, qualvoll dahin zu siechen. Es hat sich nichts geändert.

Mir entkommt ein Geräusch, das ich selbst nicht definieren kann. Mein Herz rast und jeder Muskel in meinem Körper ist zum Zerreißen gespannt. Die Unruhe durchflutet mich just in diesem Moment. Früher habe ich es genossen. Ich war gut darin. Und ich bin es immer noch, scheiße ja, viel zu gut. Aber es fühlt sich nicht an wie damals. Es fühlt sich nicht an, als würde jede Last von meinen Schultern abfallen. Es fühlt sich eher so an, als würde sie nur an Gewicht zunehmen, schwerer und schwerer werden, bis sie mich unter sich begräbt, alles in Schutt und Asche legt, in Schall und Rauch. Als würde ich blind werden. Taub. Stumm. Ich kann nichts fühlen. Ich bin nicht einmal wütend. Einfach nur verkorkst. Durch und durch. Ich suche nach dem Gefühl von Reue, von Bedauern, von Schuld und von Angst, aber ich finde nichts von alledem. All das habe ich just in dem Moment aufgegeben, als ich dem Kerl die Fresse eingeschlagen habe.
Ich sehe auf meine Knöchel und mache ein merkwürdiges Geräusch. Die Haut ist rot, aufgescheuert. Die Spuren des Blutes habe ich längst fortgespült, aber ich kann sie immer noch sehen. Ich kann sie riechen. Ich kann sie spüren. Es klebt, es ätzt. Ich umklammere das Lenkrad einen Augenblick lang viel zu fest, ehe ich schnaube und den Motor anlasse, zurück auf die Straße fahre. Ich muss duschen. Ich muss mich beruhigen. Ich muss einen klaren Kopf bekommen. Ich weiß nicht, was ich sonst tun würde. Ob ich mich sonst nicht verlieren würde.
Er wird mich in meinen Träumen verfolgen. Vielleicht nur heute Nacht, aber das wird reichen. Ich werde sein blutiges Gesicht vor mir sehen und ich werde keine Ruhe finden. Es ist schon früher so gewesen. Aber früher war ich besser darin, diese Gesichter einfach auszulöschen, denn ich konnte es mir nicht leisten, irgendeinen Gedanken an sie zu verschwenden. Ich mache ein unwilliges Geräusch, ehe ich in meine Straße einbiege. Was hat sich geändert? Nichts. Ich bin immer noch das verkommenste Subjekt unter dieser Sonne.
Als ich aus dem Wagen steige regnet es noch immer. Es kümmert mich nicht. Ehrlich gesagt erleichtert es mich sogar. Einen Moment lang verspüre ich den irrsinnigen Wunsch, der Regen würde mich einfach fortspülen. Gleich darauf muss ich schmunzeln, obwohl jede Gesichtsregung schmerzt. Tch. Poesie war nie meine Stärke. Petra hätte sich bei meinen Worten halbtot gelacht. Das Schmunzeln vergeht mir. Ich vertreibe diesen Gedanken, ehe er mich unter sich begräbt, und gehe auf die Haustür zu, bleibe stehen, als ich eine dunkle Gestalt unter dem Vordach ausmachen kann.

„Was machst du hier“, sage ich und Erwin hebt den Kopf, lächelt mich an.
Ich sehe weg. Nach dem, was ich gerade getan habe, kann ich es nicht ertragen. Noch weniger als sonst. Sein Lächeln gräbt sich in meine Eingeweide und kurz verspüre ich den irrationalen Drang, mich einfach wieder umzudrehen und zu gehen. Einfach zu verschwinden, im Regen, in der Nacht, und niemals wieder zurückzukommen. Irgendwohin zu gehen, wo mich diese ganze Scheiße nicht einholt. Wo ich mich erholen kann. Wo ich in Ruhe dahinsiechen kann, ohne es selbst beenden zu wollen. Ich tue es nicht. Ich ziehe nur meinen Schlüssel heraus und gehe zur Tür, schließe sie auf. Im Hausflur ist es kalt, aber wirklich fühlen tue ich es nicht. Erwin folgt mir, obwohl ich ihn nicht darum gebeten habe, aber ich bin zu kraftlos als dass ich ihn groß davon abhalten könnte, und ich höre, dass er hinter mir die Treppe hinauf steigt, ohne ein Wort zu sagen. Es kümmert mich nicht. Ich bin nicht fähig, ihn einfach zum Gehen aufzufordern. Ich bin gerade zu nichts fähig.
Ich schließe meine Wohnungstür auf und schalte das Licht an, entledige mich meiner Klamotten. Auf meinem Pullover klebt ein bisschen Blut und ich ziehe ihn mir über den Kopf, ehe Erwin es sehen kann, der kurz nach mir die Wohnung betritt und die Tür hinter sich schließt. Es ist still zwischen uns. Aber ich habe auch nicht die Kraft, etwas zu sagen. Noch auf dem Weg ins Badezimmer ziehe ich meine Klamotten aus, lasse sie einfach im Flur liegen. Ich kann mich gerade nicht darum kümmern. Jetzt gerade ist es auch nicht wichtig. Ich muss nur diesen Dreck von mir waschen. Diesen Dreck, der nicht wirklich existiert, der nur in meinen Gedanken pocht, aber das reicht aus. Es reicht aus, um mich so fühlen zu lassen als wäre ich der abscheulichste Mensch auf dieser Erde. Beschmutzt. Dreckig. Widerlich.
Völlig neben der Spur drehe ich das Wasser der Dusche auf und stelle mich darunter. Ich verteile fast die ganze Tube Duschgel auf mir, aber bringen tut es nichts, ganz egal, wie fest ich meine Haut schrubbe. Dieser Schmutz haftet an mir. Wie eine zweite Haut. Und ich bekomme ihn nicht runter, dabei schmerzt es, so heftig versuche ich, diesen Dreck von mir zu kratzen bis er gurgelnd im Abfluss verschwindet, zusammen mit meinen Gedanken. Zusammen mit dem, was ich getan habe.
Ich registriere es gar nicht, dass Erwin plötzlich im Türrahmen steht. Sein Gesicht sieht besorgt aus, aber es ist auch voller Fragen. Ich will nicht wissen, was er hier tut. Es ist mir egal. Ich kann ohnehin nicht denken geschweige denn irgendetwas fühlen. Da ist nur das kalte Wasser auf meiner Haut und der verzweifelte Versuch, meine Gedanken zu sammeln, sie in geordnete, in gewohnte Bahnen zu lenken. Es gelingt mir nicht. Es fordert mich ein. Eine Welle von Übelkeit prescht durch meinen Unterleib und ich muss mich bemühen, mich nicht auf der Stelle zu übergeben.
Gerade frage ich mich ernsthaft, wie ich es früher geschafft habe, das alles einfach von mir zu schieben als würde es nichts bedeuten. Wie ich es geschafft habe, trotzdem einfach weiter zu machen mit dieser Scheiße. Dabei wird mir bewusst, dass ich all diese Gedanken und Gefühle wahrscheinlich nur aufgeschoben habe. Weggesperrt habe. In dunkle, unbewusste Gefilde. Ich wünschte, es würde mir just in diesem Augenblick gelingen. Ich kann kaum atmen. Auf meiner Brust liegt etwas Schweres, etwas, das mir jeden Atem raubt und mein Körper fühlt sich taub an. Gefühllos, taub und kalt.
Da ist nichts. Nichts, das mich daran erinnert, dass ich ein Mensch bin. Nichts, nichts und wieder nichts.

„Levi“, sagt Erwin und ich sehe auf. Er steht vor mir und seine Finger greifen nach dem Wasserhahn, drehen ihn zu. Ich sage nichts. Ich kann nichts sagen. Stumm nimmt er eines der Handtücher aus dem Regal und legt es mir um die Schultern. Ich zucke zusammen und er macht ein entschuldigendes Geräusch. Ich registriere es gar nicht wirklich.
„Du stehst jetzt seit fünfzehn Minuten unter der Dusche“, sagt Erwin, als ich immer noch nicht reagiere. Sein Blick ist weich, aber auch besorgt. Er hält mir seine Hand hin. „Komm schon. Du zitterst am ganzen Körper.“
Ich kann mich ein paar Sekunden lang nicht bewegen, ehe ich nach seiner Hand greife und aus der Dusche steige. Meine Beine sind taub. Ich fühle sie nicht. Ich fühle nichts.
Erwin führt mich aus dem Bad in mein Schlafzimmer und ich werfe beiläufig einen Blick in den Flur. Meine Kleider sind verschwunden und kurz erscheint in mir der Gedanke, dass er es gesehen hat, dass er dieses widerliche Blut gesehen hat, das nicht meines ist, sondern seines, aber ich komme gar nicht dazu, mir noch großartig Gedanken darüber zu machen. Erwin öffnet meinen Kleiderschrank und zieht einen Pullover und eine Hose heraus, beides legt er auf dem Bett ab, ehe er mich abtrocknet. Normalerweise würde ich das nicht zulassen. Ich bin kein verschissenes Kind. Aber ich kann mich nicht rühren. Ich habe keine Kraft, um mich zu wehren. Also stehe ich einfach da und starre ins Nichts, nehme nur am Rande seine Hände wahr, die mir den Pullover über den Kopf ziehen und wie in Trance schlüpfe ich in die Ärmel, steige in meine Hose. Ich denke nichts. Ich fühle nichts. Ich stehe einfach nur da und bin hier und doch wieder nicht.
Erwin zögert einen Moment lang, er sieht mich einfach nur an, aber ich kann seinen Blick nicht erwidern. Er dreht sich um und geht aus dem Zimmer.
„Ich mache uns Tee“, sagte er, aber ich bin nicht imstande, etwas darauf zu sagen.
Ich bin innerlich tot. Ich habe verloren. Aber ich hatte keine andere Wahl. Eine Weile bleibe ich einfach nur völlig bewegungsunfähig auf der Stelle stehen und starre überall- und nirgendwohin. Meine Gliedmaßen sind taub. Und da ist immer noch dieser Geruch. Dieser Geruch, den ich niemals wieder loswerde. Ich hole tief Luft. Meine Lungen rasseln. Fühlen sich an, als würde irgendetwas Schweres darin liegen. Auf meiner Brust ist ein Druck, der mir das Atmen schwer macht. Ich verstehe es nicht. Es hat sich nichts geändert. Es ist immer noch alles genauso beschissen wie vorher. Nur jetzt…
„Levi“
Ich drehe den Kopf und sehe Erwin an, der im Türrahmen steht und mich mustert. Er sagt nichts weiter, er nickt nur hinter sich und ich setze mich beinahe automatisch in Bewegung. Meine Beine sind taub. Ich fühle sie nicht. Ich habe keine Ahnung, wie ich es überhaupt schaffe, ihm in die Küche zu folgen. Warum ist er noch hier? Ich verstehe es nicht. Ich verstehe gerade überhaupt nichts. Ich kann auch nichts sagen, als ich die Küche betrete. Die Stille dröhnt in meinen Ohren. Jedes Wort, das ich in meinem Kopf bilde, kann meinen Mund nicht verlassen. Fühlt sich schwer auf meiner Zunge an. Dabei ist es doch nichts neues. Es ist nichts, das ich nicht schon kenne. Nichts, das ich nicht schon früher getan habe, schlimmer und häufiger und erbarmungsloser. Aber diesmal ist es anders. Diesmal kann ich es nicht einfach vergessen. Ich kann es nicht einfach von mir schieben. Ich kann es nicht.

Erwin hat eine Kanne Tee gemacht und mir eine Tasse eingeschenkt, aber ich kann sie nicht einmal würdigen. Ich lasse mich auf dem Stuhl fallen und ich kann dann nur auf den Tisch vor mir starren, absolut bewegungslos. Ich kann nicht reden. Ich kann nicht denken. Ich kann nicht fühlen. Was stimmt nicht mit mir? Ich kenne es doch. Ich habe es früher so häufig getan, dass es mich nicht tangieren sollte. Ich war nur deshalb so gut darin, weil es mich nicht berührt hat. Es hat mich nicht gekümmert. Was also stimmt nicht mit mir? Gerade jetzt fühle ich mich einfach nur widerlich.
„Was ist passiert“, fragt Erwin dann und seine Stimme klingt überraschend fest. Nicht besorgt, nicht bestürzt, nicht verängstigt, nicht mitfühlend. Sie klingt gefasst. Gerade in diesem Moment beneide ich ihn darum. In mir herrscht ein einziges Chaos. Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Ich antworte eine ganze Weile lang nicht. Ich starre nur weiterhin auf die Holzmaserung des Tisches und ich kann mich erst dann losreißen, als Erwin meinen Namen sagt. Leise, aber laut genug, dass es in meinen Ohren hallt. Dieser Name. Ein Name bedeutet nichts. Aber just in diesem Augenblick verabscheue ich ihn. Er verbindet mich mit dem, was ich getan habe. Mit dem, der ich früher war und mit dem, der ich jetzt bin. Aber warum kümmert es mich? Es hat mich auch früher nicht gekümmert.
„Nichts“, bringe ich schließlich heraus, endlich, und Erwin betrachtet mich forschend. Er weiß, dass es eine Lüge ist. Seine blauen Augen sind regungslos. Gut so. Ich wüsste nicht was ich tun würde, sollte ich zu viel Gefühl in ihnen sehen. Wahrscheinlich würde ich fliehen. Ihn einfach in meiner Küche sitzen lassen und gehen, irgendwohin, wo ich sicher bin. Wo mich die Scheiße nicht einholt.
„Okay“, sagt er schließlich und mit einem Mal fällt alle Anspannung von mir ab. Was sollte ich auch sagen? Dass ich heute einen Kerl verprügelt habe, den ich nicht kenne, nur weil Kenny es mir befohlen hat? Dass ich es getan habe, um ihn und Hanji und Isabel und Farlan zu schützen, nicht nur vor Kenny und Walter, nein, auch vor mir selbst? Dass mir das Blut um die Ohren geflogen ist und dass ich mich widerwärtig gefühlt und dennoch nicht aufgehört habe? Dass ich immer weiter auf ihn eingeschlagen habe, obwohl er um Gnade gefleht hat? Dass ich diesen Dreck an mir riechen kann, obwohl er schon längst fort ist?
Nein. Nichts von alledem kann ich sagen. Wozu auch? Es würde nichts ändern. Ich bin in die Falle getappt. Ich habe einen Fehler begangen. Und nun bezahle ich dafür. Mit allem, was ich habe und was am wichtigsten ist: mit meiner eigenen, trügerischen Freiheit, die wohl nie so existiert hat, wie ich es mir eingeredet habe. Ich war nie frei. Ich bin immer nur der Gefangene gewesen und Kenny mein Kerkermeister. Ich bereue es. Alles. Ich hätte mich einfach umdrehen sollen. Ich hätte einfach ein bisschen tiefer schneiden sollen, damals in dieser beschissenen Küche. Dann wäre ich jetzt nicht hier. Und ich wäre nicht in dieser Situation. Es ist armselig. Ich habe doch nicht wirklich geglaubt, dass ich diese Scheiße einfach von mir streifen könnte wie Seife unter der Dusche.
Es ist lächerlich. Ich bin niemals frei gewesen. Kenny stand immer über mir und hat mich beherrscht. Die Ruhe vor dem Sturm. Jetzt hat er, was er wollte. Er bekommt immer, was er will. Jedes einzelne, verfickte Mal.

„Levi“, sagt Erwin und ich sehe auf. Sein Gesicht ist von jeglichen Gefühlsregungen geglättet. „Wenn du nicht darüber reden willst, kann ich dich nicht zwingen. Aber irgendetwas ist passiert, nicht wahr? Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen.“
Wenn er wüsste. Wenn er wüsste, wie viele Geister mich verfolgen. Vielleicht weiß er das auch schon längst. Aber er darf nicht zu einem dieser Druckmittel werden, die Kenny gegen mich verwendet. Dabei weiß ich, dass es dafür schon längst zu spät ist. In meiner Magengrube entsteht ein Gefühl von Übelkeit. Ich wusste, dass ich mich darauf nicht hätte einlassen dürfen. Nur ist mir nie in den Sinn gekommen, dass diese ganze Scheiße die Quittung dafür wäre. Es war vorher schon schwer. Aber jetzt…
...jetzt ist es ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Berg, den ich nicht überwinden kann. Mit meiner Entscheidung habe ich nicht nur mich in die Scheiße geritten. Natürlich nicht. Es hat sich nichts geändert. Ich ziehe jeden da mit hinein. Ich zerstöre immer alles um mich herum. Deshalb ist es besser, wenn ich allein bin. Dann passiert das nicht. Aber es ist zu spät. Ich wusste, dass es ein Fehler war.
„Er hat mir keine andere Wahl gelassen“, höre ich mich schließlich sagen, dabei weiß ich gar nicht, warum ich es überhaupt sage. Es ist doch egal, oder nicht? Ich kann es nicht mehr ändern. Warum also spreche ich es aus? Es ist längst nicht mehr wichtig, weil…es zu spät ist.
Erwin legt den Kopf schief, scheint nicht zu verstehen. Ich mache ein missbilligendes Geräusch, aber es klingt eher heiser. Ich muss den Blick abwenden, als Erwin mich ansieht. Ich kann es nicht ertragen. Nicht jetzt.
„Kenny“, erkläre ich und irgendetwas in Erwins Gesicht verändert sich, ich weiß nur nicht genau, was es ist. Ich versuche ein abfälliges Schnauben, aber es misslingt mir kläglich. „Ich…wollte das nicht tun. Aber…der Bastard lässt mir keine Wahl. Er will das Geld nicht. Er will mich.“
„Levi“, sagt Erwin leise und der Ausdruck in seinen Augen wird so besorgt, dass ich ihn nicht ansehen kann. Ich starre auf die Tischplatte und grabe meine Finger so fest in den Stoff meiner Hose, dass es sich anfühlt, als würden meine Knochen brechen. Wäre vielleicht besser. Mit gebrochenen Händen schlägt es sich nicht leicht. Vielleicht sollte ich mich einfach zu einem Krüppel machen. Dann wäre ich zu nichts mehr zu gebrauchen.
Ha. Wie lächerlich. Ich kann nicht darüber lachen.
„Levi“, wiederholt Erwin und ich sehe auf. Er versucht ein Lächeln, aber es gelingt ihm nicht. Das erste Mal gelingt es ihm nicht. Ich sehe weg. Seine Hand greift über den Tisch und umfasst mein Handgelenk. Ich muss mich losreißen. Ich kann es gerade nicht ertragen.
„Lass das“, sage ich und Erwin wirkt verwirrt. Lässt die Hand sinken. „Du weißt nicht, was ich getan habe. Also...lass es. Bitte“, füge ich hinzu und es ist das erste Mal, dass ich dieses Wort ihm gegenüber ausspreche. Wann ist alles so schwierig geworden? Ich habe es nicht mehr unter Kontrolle. Dabei dachte ich, es würde besser werden. Einiges ist auch besser geworden. Aber vieles schlimmer. Dabei war es eigentlich schon immer beschissen. Und ich stecke mittendrin, bis zum Hals stecke ich in der Scheiße und weiß nicht, wie ich mich wieder aus ihr hervorkämpfen kann. Vielleicht kann ich das auch gar nicht. Tch. Es ist armselig.
„Levi“, sagt Erwin und ich schüttele den Kopf.
„Nein. Lass es“ Meine Stimme wird lauter. „Misch dich einfach nicht ein. Ich mache, was er sagt und Ende der Geschichte. Und danach töte ich ihn.“

Als ich diese Worte ausspreche, rührt sich nichts in mir. Der Gedanke ist da und er ist real. Ich werde es tun, wenn mir nichts anderes übrig bleibt. Ich werde es tun und ich werde es mit Genugtuung tun. Der Gedanke an die Strafe schreckt mich nicht einmal ab. Wenigstens bin ich ihn dann los. Ihn und die ganze andere Scheiße, die mein Leben ruiniert. Ich muss fast lachen. Dann müsste ich auch mich selbst loswerden. Denn ich bin es, der immer alles ruiniert. Ich und niemand sonst.
Erwin starrt mich an. Aber er wirkt weniger entsetzt als ich es vermutet habe. Er sagt auch nichts. Er versucht nicht, es mir auszureden. Vielleicht denkt er, ich würde es nicht tun. Aber der Gedanke daran, Kenny einfach das Licht auszuknipsen, mit meinen verfluchten, bloßen Händen, erfüllt mich mit Genugtuung. Er hätte es verdient. Er und ich haben es verdient. Vielleicht würde ich dabei ebenfalls draufgehen. Und es wäre mir egal. Irgendeiner von uns muss den Löffel abgeben. Wir können nicht zeitgleich existieren. Wir beide sind zu viel. Was für ein dramatischer Gedanke.
Aber er ist wahr.
Ich nehme mir die Zigaretten und zünde mir eine an. „Hast du schon mal jemanden halbtot geprügelt, Erwin?“, frage ich und er schüttelt den Kopf. Sein Gesicht ist von jeglichen Gesichtsregungen geglättet. Ich schmunzele und es schmerzt. „Tch. Es ist gar nicht so schwer, weißt du. Irgendwann gewöhnt man sich dran. Und man hört die Schreie gar nicht. Es tut auch nicht weh. Man riecht es nur. Das Blut und die Angst, wie die von einem Tier, das gejagt wird. Ich kriege diesen Geruch nicht mehr aus der Nase“
Ich mache ein Geräusch, das ich selbst nicht eindeutig definieren kann und die Kippe fällt mir aus der Hand. Ich stehe auf, lasse sie einfach liegen, und gehe zum Waschbecken, drehe den Wasserhahn auf und klatsche mir zwei Hände kaltes Wasser ins Gesicht. Es beruhigt mich. Aber der Geruch verschwindet trotzdem nicht. Er hängt an mir. Wie Parfüm.
Ich drehe mich zu Erwin um und er sieht mich einfach nur an. Mein Mundwinkel zuckt nach oben, obwohl ich es gar nicht will. „Er klebt an mir“, sage ich und mir wird übel. „Ich kriege ihn einfach nicht aus der Nase. Es ist abartig. Dabei…ist es doch egal, oder nicht? Es ist ja auch nicht so, als hätte ich es nicht schon früher oft genug getan.“ Ich wende mich ab und nicht einmal fünf Sekunden später spüre ich Erwins Arme, die sich um mich schlingen. Fast automatisch spanne ich mich an, aber es beirrt ihn nicht. Er drückt seine Nase in meine Halsbeuge und mir entkommt ein merkwürdiges Geräusch, das ich nicht ganz definieren kann. Mir ist übel. In meiner Brust sticht etwas, das ich kenne, das ich aber nie wieder verspüren wollte. Ha. Wie lächerlich.
Ich werde mich niemals ändern.

„Erwin“, sage ich warnend, als er mich ein wenig fester an sich drückt. Ich hebe die Hand, will ihn von mir schieben, aber er fängt sie noch in der Bewegung ein und hält sie fest. Irgendetwas in mir implodiert. Irgendetwas bricht. Es ist kaum zu ertragen. Als würde ich überlaufen. Als würden die Mauern brechen, an manchen Stellen, und als würde Wasser hindurch quellen, direkt auf diesen beschissenen Boden.
Ich fahre mir über die Augen, aber da sind keine Tränen. Es wird niemals wieder welche geben. Sie sind versiegt, schon vor Jahren. Ein einziges Mal - und das letzte Mal.
„Du riechst nach Seife“, murmelt Erwin in meine Halsbeuge und ich spanne mich an. Er seufzt. „Nach Seife und Tee und nach Büchern. Ein bisschen nach Rauch, ein bisschen nach Regen. Aber du riechst nicht nach Blut. Da ist keines, Levi. Da ist kein Blut.“
Ich schnaube, aber es klingt jämmerlich.
„Tch“ Mehr bringe ich tatsächlich nicht heraus, aber Erwin scheint es nicht zu stören. Er steht einfach nur hinter mir und umarmt mich und es ist das erste Mal, das ich nicht am liebsten einfach fliehen würde. Was stimmt nicht mit mir? Ich will das gar nicht. Aber womöglich würde ich in mich zusammen fallen, würde er mich jetzt loslassen. Womöglich würde ich zusammen klappen, wie eine scheiß Marionette, deren Fäden man durchgeschnitten hat. Was stimmt nicht mit mir? Warum kann ich es nicht einfach beiseite schieben? Es hat sich doch nichts geändert. Doch. Alles hat sich geändert.
„Vergiss es einfach, Levi“, sagt Erwin leise. Er atmet tief ein und aus. „Es ist nichts mehr davon übrig, hörst du? Es tut mir leid, dass du das tun musstest. Dass du davon eingeholt wirst. Und ich werde dir helfen, wenn du willst.“
„Erwin“, fange ich an, aber er schüttelt den Kopf.
„Ich werde mich nur einmischen, wenn du das willst“, sagt er. „Sag mir, wenn ich etwas für dich tun kann. Es tut mir leid, dass du das durchmachen musstest. Das tut es wirklich. Aber die Zeit rückgängig machen kannst du nicht. Versuch einfach, es hinter dir zu lassen. Diesmal endgültig.“ Er macht eine kurze Pause. „Mach dir um uns keine Sorgen. Wir passen auf uns auf. Du musst dich nicht immer um andere kümmern, hörst du? Das Wichtigste ist, dass du heil aus dieser Sache herausgehst. Und damit abschließen kannst. Endgültig.“
„Das ist nicht so leicht“, schnaube ich und Erwin lässt mich los. Sein Gesichtsausdruck ist ernst. Er weiß das. Er weiß es, aber er bleibt dennoch hier. Trotz dessen, was ich getan habe. Obwohl ich Blut an meinen Händen kleben habe, das ich nicht so ohne Weiteres wegwischen kann. Es wird immer daran haften bleiben. Und mich verfolgen. Tch. Es stimmt nicht. Ich bin nicht wie Kenny. Ich bin es niemals gewesen. Sonst würde ich jetzt nicht so denken, wie ich just in diesem Moment denke. Das würde ich nicht.

„Levi“, sagt Erwin und ich sehe auf. Er beugt sich ein Stück zu mir hinunter und küsst mich auf den Mund, ganz sanft. Es ist ein ganz normaler Kuss. Kein Kuss, dem gezwungenermaßen Sex folgt. Es ist einfach nur ein Kuss. Aber jetzt gerade...Ich weiß nicht, wann es angefangen hat sich irgendwie normal anzufühlen. Wann ich für mich festgestellt habe, dass das, was er da tut, das, was ich niemals wieder tun wollte, das, was ich mit Petra begraben habe, etwas geworden ist, mit dem ich zurecht kommen kann. Etwas, das in mir immer noch irgendwo und irgendwie diesen Widerwillen auslöst, aber gleichzeitig…
Wir stehen einfach nur da, in dieser beschissenen Küche, und küssen uns. Es ist nur ein halber Kuss. Ich kann ihn nicht erwidern. Ich bleibe untätig. Ich stehe einfach nur da und Erwin küsst mich und als er sich von mir löst, lächelt er leicht. Ich hatte niemals Schwierigkeiten damit, in seinem Gesicht zu lesen. Seine Emotionen waren immer klar verständlich, selbst für mich, für mich, der nichts von alledem versteht. Der niemals auch nur ansatzweise irgendeines dieser Gefühle verstehen oder nachvollziehen oder gar selbst fühlen konnte. Und jetzt ist es ganz genauso. Da ist dieser eine, besondere Ausdruck in seinen Augen, der mich davontreibt und der mich näher an ihn heranzieht. Vielleicht habe ich nicht nur in einer Hinsicht verloren. Dieses Ding zwischen uns, dieses ganze, merkwürdige…
Ich mache einen Schritt auf ihn zu und grabe meine Finger in seinen Kragen, ziehe ihn zu mir hinunter. Presse meine Lippen auf seine. Er wirkt kurz überrascht und da ist ein seltsamer Widerwille auf seinem Gesicht, ein Widerwille, den ich jetzt gerade irgendwo nachvollziehen kann, auf den ich aber keine Rücksicht nehmen kann. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Vielleicht fühle ich mich nur so…abartig hilflos, weil mir alles über den Kopf wächst. Alles entgleitet mir. Die Sache mit Kenny, die Sache mit Walter. Isabel. Farlan. Hanji. Die Drogen. Der Sex. Diese Sache mit Erwin, die ich nicht bereit bin zu benennen, die noch keinen Namen hat und vielleicht auch niemals einen haben wird. Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Ich habe keine Ahnung, welche Entscheidungen ich treffen soll. Ob das, was ich tue, richtig oder falsch ist. Ob ich nicht von einem Schlund der Hölle in den nächsten trete, immer tiefer und tiefer hinein, bis die ganze Welt über mir zusammenbricht. Was stimmt nicht mit mir?
Meine Gedanken sind wirr. Sie überrennen mich. Ich weiß nicht, was ich tun soll.
„Schlaf mit mir“, sage ich aus einem Impuls heraus, als ich mich von ihm trenne. Meine Hände in seinem Kragen verkrampfen sich. Ich schmecke Tee auf meinen Lippen, Zigaretten. Erwin. Ich muss schlucken, als irgendetwas in meiner Brust sticht. Es zieht mich nach unten. Vor meinen Augen verschwimmt alles. Vielleicht stimmt es ja. Vielleicht würde ich dann wieder etwas fühlen. Vielleicht würde die Taubheit endlich aus meinen Gliedmaßen fliehen. Vielleicht würde ich mich wieder wie ein Mensch fühlen, obwohl ich weiß, dass es dafür längst zu spät ist. Vielleicht würde es mir helfen. Vielleicht würde es dafür sorgen, dass ich vergesse, was geschehen ist, wenn auch nur für einen winzig kleinen Moment. Vielleicht würde ich dann endlich diesen Geruch von mir streifen können, diesen widerlichen Geruch von Blut, der an mir haftet wie eine zweite Haut. Vielleicht wäre ich dann endlich wieder ich selbst.
Ich kenne mich so nicht. Was stimmt nicht mit mir? Es ist mir niemals so schwer gefallen, mich zu durchschauen. Gerade jetzt erkenne ich mich selbst nicht. Und ich weiß nicht, was ich tun soll.

„Levi - “, fängt er an, aber dann unterbricht er sich. Sein Blick ist nicht zu deuten, als er mich eindringlich ansieht.
Just in diesem Moment weicht jede Anspannung aus mir. Ich lasse ihn ruckartig los und mache einen Schritt zurück. Ich fühle mich nicht. Warum fühle ich mich nicht? Ich kann auch nichts sagen. Kein einziges Wort will meiner Kehle entkommen, dabei bilde ich sie auf meiner Zunge, ich bilde jedes einzelne von ihnen und doch…Mit einem Gefühl in der Brust, das ich nicht ganz deuten kann, wende ich mich ab. Zwischen uns ist es still. Mein Puls rauscht in meinen Ohren. Ich setze mich in Bewegung, ohne es wirklich zu merken. Gehe an ihm vorbei, streife seinen Handrücken, nur zufällig, ich registriere es gar nicht. Auf meiner Brust liegt etwas Schweres. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr atmen kann. Ich muss raus.
„Levi“
Ich höre seine Stimme, aber ich drehe mich nicht um. Ich gehe durch den Türrahmen, als ich seine Hand an meinem Arm fühlen kann, die mich zurückzieht, zurück in diese beschissene Küche, zurück zu diesem beschissenen Erwin, den ich just in diesem Moment nicht ansehen kann. Was tun wir hier? Was tut er hier? Gerade jetzt will ich ihn nicht sehen. Ich kann nicht. Wenn er mir nicht einmal das geben kann, warum sind wir dann hier? Das ist das einzige, das ich annehmen kann. Was also will er von mir?
„Levi“, wiederholt er und jetzt hebe ich den Kopf und sehe ihn an. Er erwidert meinen Blick. Er wirkt aufgewühlt. Aber da ist auch Resignation auf seinem Gesicht. Er lässt mich los und so schnell habe ich mich noch nie bewegt. Ich kralle meine Finger in seinen Kragen, ziehe ihn an mich heran und unsere Lippen treffen sich hart, viel härter als sonst. Ich lasse meine Zunge in seinen Mund gleiten und grabe meine Finger in dieses beschissene Stück Stoff, und er zögert nur einen Moment lang, ehe er den Kuss erwidert. Vorsichtig, sanft, genauso, wie er es immer getan hat, aber das reicht mir gerade nicht. Es reicht mir nicht.
Ich löse mich nur kurz von ihm, ziehe mir den Pullover über den Kopf, er fällt auf den Boden, aber es ist mir egal, küsse ihn erneut, dränge ihn zurück, immer weiter zurück und Erwin wirkt überrumpelt, er stolpert fast, aber jetzt gerade kümmert es mich nicht. Wir fallen gegen die Küchenanrichte, ich spüre den Widerstand, als sein Körper mit dem Holz kollidiert, aber wir trennen uns keine Sekunde voneinander. Ich kann es gerade nicht. Das hier…das alles…Ich beiße ihm reflexartig in die Unterlippe und er macht ein schmerzerfülltes Geräusch und gerade jetzt ist es genau das, was ich will. Einen anderen Schmerz. Meinetwegen auch einen Schmerz, den ich auslöse. Es ist mir egal. Ich zerre fast an seinem Pullover, ziehe an dem dünnen Stoff, gleite darunter und meine Finger bohren sich in seine Haut, auf der sich sofort eine irre Gänsehaut ausbreitet. Sein ganzer Körper ist angespannt, ich kann die Muskeln unter meinen Händen fühlen und plötzlich existiert nichts anderes mehr in meinem Kopf. Nur er.
Wann ist es passiert? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Aber ist es nicht auch schon längst egal? Ich bin gefallen. Und gerade jetzt will ich nicht aufstehen. Ich küsse ihn leicht, nur ganz leicht, und seine Hände fahren plötzlich, wie aus dem Nichts, über meinen Rücken, krallen sich in meine Hüfte. Wir können es beide nicht. Aufhören. Dafür ist es schon längst zu spät.

„Fick mich jetzt“, sage ich, als wir uns voneinander lösen um Atem zu schöpfen, und ich grabe meine Zähne in seine Unterlippe, und sein Atem beschleunigt sich. Ich lasse meine Hand seine Hüfte hinuntergleiten, greife in seinen Schritt, und er spannt sich augenblicklich an und ich dränge mich ihm entgegen, er ist mir so nah, dass ich ihn riechen kann. Sein Atem schlägt gegen meine Lippen, wird schwerer, als ich den obersten Knopf seiner Hose öffne und meine Hand hineingleiten lasse, sie um die samtige Haut schließe, die mich gierig macht.
„Levi“, sagt er, seine Augen haben einen merkwürdig widerwilligen Ausdruck, aber ich bleibe stumm, ich verstärke nur den Druck meiner Finger und seine Hand krallt sich in meinen Rücken, so heftig, dass es wehtut und scheiße, es schmerzt so sehr, dass es meinen Kopf völlig leerfegt. Ich ziehe ihn mit meiner anderen Hand erneut zu mir hinunter und meine Zunge bahnt sich einen Weg in seinen Mund und Erwin…
...Erwin heißt mich willkommen, reißt das Ruder an sich, erobert meine Lippen absolut kompromisslos und ich seufze in seinen Mund und sein Griff an meiner Taille festigt sich, er schiebt mich ein Stück zurück und ich spüre die Kante des Tisches in meiner Hüfte, spüre seine Hand, die plötzlich in meinen Schritt greift, so grob, dass ich aufkeuche. Er packt mich am Kinn, als er sich von mir löst und der Ausdruck in seinen Augen jagt einen Schauer über meinen Rücken. Er sagt nichts. Er sieht mich nur an. Ich suche nach seinen Lippen, lasse meine Zunge über seine Unterlippe gleiten, beiße hinein, nur leicht und ihm entkommt ein Geräusch, das so unkontrolliert klingt, dass es mir zwischen die Beine schießt.
„Ich will, dass du mich fickst“, raune ich gegen seine Lippen, als ich mich von ihm trenne und sein Atem beschleunigt sich. Er hört nicht auf mich anzusehen und seine Hand an meinem Kiefer verkrampft sich bei meinen Worten. Ich lasse meine Finger über seine Länge tänzeln, schließe sie so fest darum, dass er erstickt aufkeucht. „So hart, wie du kannst.“
Sein Gesichtsausdruck wandelt sich. Irgendetwas passiert darauf, dass ich so nicht benennen kann. Das ich so auch noch nicht gesehen habe. Eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Rücken aus und ich packe so fest zu, wie ich kann, schiebe meine Hand noch ein Stück weiter in seine Hose und er stöhnt auf, als ich seine Eichel berühre, nur kurz darüber streichele, und dann lässt er mich ruckartig los, stößt mich fast nach hinten und ich spüre plötzlich das Holz des Tisches in meinem Rücken und Erwin ist so schnell über mir, dass ich kaum reagieren kann.
Fuck, wie er aussieht. Sein Haar ist zerzaust, die Wangen gerötet, der Ausdruck in seinen Augen hart. Einen Moment lang bin ich sogar überrumpelt. Weil ich nicht erwartet habe, dass das passiert. Ich habe es nicht erwartet. Er zieht meine Hand aus seiner Hose und pinnt sie auf dem Esstisch fest, so grob, dass es schmerzt und ich hebe die andere Hand, will nach ihm greifen, ihn zu mir ziehen, aber er schlägt sie weg und greift nach meinem Kinn, damit ich ihn ansehe. Wie er mich ansieht. Scheiße.

„Lass die Hände auf dem Tisch“, sagt er rau und ich bin einen Augenblick lang völlig unfähig, etwas zu erwidern. Ich starre ihn nur an. Das Blau seiner Augen ist eisig und dennoch…Er lässt mich ruckartig los und richtet sich ein Stück auf, zieht mir die Hose von der Hüfte, mit fahrigen Fingern, ungewohnt, und dann kniet er sich vor mich hin. Ich stützte mich auf meinen Ellenbogen ab, versuche, irgendwie einen besseren Blick auf das zu bekommen, was er da tut, aber er hebt die Hand und schiebt mich zurück, so grob, dass meine Brust schmerzt, und er packt meinen Oberschenkel, drückt ihn zur Seite und dann ist sein Mund auf einmal zwischen meinen Beinen.
Seine Küsse sind hart. Ungewohnt hart. Er beißt und leckt sich einen Weg über meine Haut, krallt die Finger in meinen Oberschenkel, hält ihn an Ort und Stelle. Ich kann ihn nicht sehen. Ich fühle ihn nur. Fühle seine Lippen, die über meine Haut gleiten, fühle seine Zähne, die sich in das Fleisch graben, nicht schmerzhaft fest, aber so fest, dass ich weiß, dass ich es auch morgen noch würde sehen können. Meine Hände verkrampfen sich und mein Oberschenkel zuckt erwartungsvoll, als ich seine Lippen an meinen Hoden fühlen kann und nur kurz, ganz kurz, an meiner beschissenen Erregung, die sich bereits jetzt viel zu heiß anfühlt, aber er entfernt sich wieder davon und schiebt seine Hand von meinem Oberschenkel auf meinen Bauch, drückte mein Becken nach unten.
Sein Griff ist fest. Ungewöhnlich fest für ihn. Seine andere Hand schlingt sich um mein Bein, drückt es ein Stück zur Seite, hält es fest, und dann ist sein Mund auf einmal an meinem Schwanz, ich kann gar nicht schnell genug reagieren. Seine Zunge leckt über meine Eichel, gleitet nur darüber, ganz langsam, unerträglich langsam, und löst sich sofort wieder, unterbricht den Kontakt, nur um meinen Unterleib erneut zu küssen. Ich hebe den Kopf, sehe zu ihm hinunter und plötzlich zieht er mich an meinem Oberschenkel ein Stück in seine Richtung, mein Kopf knallt zurück auf den Tisch und dann kann ich sie fühlen, seine beschissenen Lippen, die sich um meine Spitze schließen, mit einem leichten Druck. Mein Bein zuckt unter seinem Griff, als er mich wieder aus seinem Mund entlässt, nur um meinen Schwanz erneut hineingleiten zu lassen, tief, so, so tief und ich keuche auf, meine Hände verkrampfen sich, suchen reflexartig nach irgendetwas auf dieser Tischplatte, an denen sie sich festhalten können, aber da ist nichts. Nichts, nichts, nichts. Meine Hüfte zuckt in seine Richtung, aber er drückt mich mit seiner Hand zurück auf den Tisch und lässt meinen Schwanz aus seinem Mund gleiten, so, so langsam, mit einem Geräusch, das in meinem Unterleib widerhallt.
Er richtet sich ein Stück auf und dann löst er die Hand von meiner Hüfte, seine Finger gleiten über meine Brust, bis hinauf zu meinem Kiefer, über meine Unterlippe, bahnen sich ihren Weg in meinen Mund. Er hört nicht auf mich anzusehen. Seine Hand krallt sich in meinen Oberschenkel. Sein Blick geht mir unter die Haut.

„Leck sie“, sagt er und seine Stimme klingt so hart, kompromisslos, autoritär, dass ich ganz automatisch tue, was er mir sagt. Er beobachtet mich dabei, wie ich meine Zunge um zwei seiner Finger kreisen lassen, und dann nimmt er noch einen Finger dazu, wartet ab, und er sieht mich immer noch an. Scheiße. Wie er mich ansieht. Seine Augen sind so eindringlich auf mich gerichtet, dass ich nicht wegsehen kann. Ich kann nicht wegsehen, während ich an seinen Fingern sauge, und dann geschieht irgendetwas auf seinem Gesicht, er entzieht mir seine Hand fast ruckartig. Und er hört nicht auf mich anzusehen, als seine Hand zwischen meinen Pobacken verschwindet, sein Finger über die empfindsame Stelle streichelt, ehe er ihn hineingleiten lässt. Ich mache ein merkwürdiges Geräusch, ein Geräusch, das ich so nicht von mir kenne, und hebe die Hand, will nach ihm greifen, meine Hüfte bewegt sich unruhig, aber er lässt meinen Oberschenkel los und schlägt sie weg, er lässt sich wieder vor mir nieder, sein Finger schiebt sich etwas tiefer in mich, er senkt den Kopf und dann…
Scheiße. Ich kann gar nicht wegsehen. Ich kann ihn nur anstarren, seine Lippen, die sich um mich schließen, sie sind so wahnsinnig heiß, und dann nimmt er noch einen Finger dazu, krümmt ihn und trifft damit diesen einen Punkt, diesen Punkt, der mich Sternchen sehen lässt und mir schießt all mein Blut direkt in meine Körpermitte. Ich presse mir eine Hand auf den Mund, um das Geräusch zu dämpfen, das meiner Kehle entkommen will, aber er wirft mir nur einen Blick zu, einen Blick, der bewirkt, dass mir heiß und kalt wird und ich nehme sie weg, stöhne unterdrückt auf.
Der Blick aus seinen blauen Augen wird beinahe wachsam, shit, wie der eines Raubtiers, das seine Beute beobachtet, und mein Oberschenkel zuckt, wie aus einem Reflex heraus bewege ich mich unruhig, will mich von ihm wegbewegen, aber er packt meine Hüfte mit seiner freien Hand und hält mich an Ort und Stelle, ohne mich aus seinem Mund zu entlassen. Seine Finger in mir spreizen sich plötzlich und ich mache ein Geräusch, das ich so schon lange nicht mehr von mir gehört habe, hebe die Hand, kralle meine Finger in sein Haar und drücke ihn nach unten als wäre er die Schlampe und nicht ich, als er sich von mir lösen will.
Fuck, nein. Noch nicht. Ich bin so kurz davor, verflucht, mein Schwanz ist so hart, dass es fast weh tut und sein Mund um mich herum irrsinnig heiß, irrsinnig feucht. Mein ganzer Körper ist angespannt, bis zum Zerreißen, und die Hitze in mir beinahe unerträglich und seine verfluchte Zunge…er lässt meinen Schwanz aus seinem Mund gleiten, ehe er ihn sofort wieder mit seinen Lippen umschließt und ich zucke zusammen, lege den Kopf in den Nacken und fuck, ja, es ist beschissen gut; ich spüre seine Augen, die sich fast in mich bohren, ich fühle seinen Blick, aber jetzt gerade ist es mir verflucht egal, es ist zu gut, und dann schiebt er noch einen dritten Finger in mich, es ist jetzt schon fast zu viel, aber es ist gut, scheiße, ja, das ist es, und ich keuche auf, schiebe mich ihm ein Stück entgegen und er lässt seine Finger hinausgleiten, nur um sie gleich wieder einzuführen. Shit.

Mir ist so wahnsinnig heiß. Irrsinnig heiß. Um mich herum ist es so feucht. So eng. Mein Schwanz pocht in seinem Mund, und er entlässt mich, zieht mit seiner Zunge sanfte Kreise über meine Eichel und ich zucke wie automatisch zusammen, meine Finger in seinem Haar verkrampfen sich und er stoppt, nur ein paar wenige Sekunden, aber das ist schon zu viel. Ich stöhne frustriert auf, verzweifelt, weil…ich kurz davor bin zu kommen, so kurz davor, und er…fuck. Ich sehe ihn an, ungeduldig, überreizt, ich weiß es, und sein Mundwinkel zuckt nach oben, als ich unwirsch meine Hüfte bewege, ihm meinen Schwanz entgegen schiebe, weil…verfluchte Scheiße.
Er öffnet den Mund, nur leicht, seine Lippen legen sich um meine Spitze, saugen leicht daran und ich lege den Kopf in den Nacken, beiße mir im selben Moment so heftig auf die Unterlippe, dass ich Blut schmecken kann. Mein Blut. Nicht seines. Ich schließe die Augen, die Muskeln in meinen Beinen verkrampfen sich und da ist immer noch sein verfluchter Mund, der meinen Schwanz ummantelt wie etwas wohlig warmes, etwas weiches, und ich stöhne auf, als er ihn tiefer gleiten lässt, nur, um mich sofort wieder zu entlassen. Mein Schwanz zuckt und seine Finger bewegen sich noch einen Moment in mir, ehe er sie hinausgleiten lässt und dann lässt er von mir ab, kommt zurück zu mir nach oben und küsst mich, tief und hungrig. Ich schmecke mich selbst, leicht bitter, leicht süß, und ich keuche in seinen Mund, rutsche auf dem Tisch herum, versuche, irgendwie Reibung zu schaffen, dabei ist es unmöglich, ich weiß es. Er löst sich von mir.  
„Ich hätte nicht gedacht, dass du so schnell an dein Limit kommst“, murmelt Erwin gegen meine Lippen und seine Hand bewegt sich nach oben, streicht durch mein Haar, krallt sich kurz überraschend fest hinein. Er löst sich nicht eine Sekunde von mir, wir sind uns so nah, dass ich jede verschissene Facette seiner Augen sehen kann. Er drückt seine Lippen auf meine, lässt seine Zunge in meinen Mund gleiten und seine Hand lässt mich los, legt sich an meinen Kiefer, hält mich fest.
Ich mache ein atemloses Geräusch, als er sich von mir trennt und mich ansieht.
„Fick dich“, bringe ich heraus und er schmunzelt. Seine Lippen wandern über meine Wange bis hinauf zu meinem Ohr. Er leckt kurz über die Stelle unter meinem Ohrläppchen, ehe er seine Lippen darum schließt und anfängt daran zu saugen. Mein Kopf fällt zur Seite. Ich genieße das viel mehr als ich wohl wirklich sollte. Aber scheiße, Erwin weiß einfach, wo er mich anfassen muss. Jetzt gerade weiß er es. Er weiß es besser als irgendjemand sonst. Und just in diesem Moment ist es das einzige, das mir das Gefühl gibt, dass ich wirklich noch da bin. Seine Lippen, seine Hände. Sein Atem, der fast meine Ohrmuschel verbrennt.
Er muss mich anfassen. Überall. Sonst explodiere ich. Sonst zerspringe ich in tausend Teile, die ich nicht mehr zusammenkleben kann. Sonst verliere ich mich. Dabei habe ich doch schon längst verloren. Immer und immer wieder. Mir bleibt nichts. Nur…das hier.

„Du schmeckst so gut“, flüstert er mir ins Ohr und seine Hand lässt mich los, gleitet meine Brust hinunter, verharrt auf meinem Bauch, ehe er anfängt, meine Haut zu streicheln. „Alles an dir. Ich will dich anfassen. Überall. Bis du mich anbettelst, es zu Ende zu bringen.“ Seine Finger gleiten hinunter und legen sich um meinen Schwanz.
Ich zucke wie automatisch zusammen, stöhne dann auf, als sein Daumen über meine Eichel streicht, mit einem leichten Druck. Shit. Ich kann ihn fühlen. Überall auf meiner Haut. In mir drin, in meinem Kopf. Ich fühle ihn. Ich fühle mich. Ich sehe ihn an und er sieht zurück. Ich brauche mehr davon. Ich muss es vergessen. Ich muss es aus meinen Gedanken streichen. Ich will nicht denken. Ich will nur etwas fühlen, das gut ist. Das mich verbrennt. Das mich tötet vor Sehnsucht. Ich will ihn. Jetzt mehr denn je. Ich wüsste sonst nicht, was passieren würde. Wahrscheinlich würde ich sterben. Langsam und qualvoll dahin siechen. Ich will, dass er mich anfasst. Überall. Damit ich meine eigene Furcht, meine Abscheu einfach vergesse. Damit ich sie nicht hören, damit ich sie nicht riechen kann. Ich muss weg davon.
Irgendetwas in Erwins Gesicht verändert sich. Er sieht mich einen Moment lang an, beobachtet mich wachsam, er lässt mich keine Sekunde aus den Augen, während ich den Rücken durchbiege und ihm meine Hüfte entgegen schiebe. Er zögert und ich mache ein Geräusch, das ich so nicht von mir kenne. Der Ausdruck in seinen Augen wird weich. Er versteht es. Erneut.
Warum versteht er es? Es hat niemals jemand verstanden.
„Erwin“, sage ich heiser, fordernd, und er verstärkt seinen Griff um meinen Schwanz, sein Daumen kreist immer noch über meine Spitze, und er beobachtet mich, Himmel, ich glaube nicht, dass ich es jemals weniger ertragen habe. Aber ich wende den Blick nicht ab. Ich sehe ihn an. Und er sieht zurück, während er mich berührt und ich langsam auf meinen Höhepunkt zugehe, mich winde, kurz versucht bin, seine Bewegungen einfach zu beschleunigen, es fühlt sich anders an, es fühlt sich quälend an, es ist intensiv, es ist genau das, was ich brauche damit ich einfach vergehe, und ich will nach ihm greifen, aber er packt meine Handgelenke mit seiner freien Hand und pinnt sie über meinem Kopf zusammen, ohne aufzuhören. Er fährt mit seinem Mund über meinen Hals, über meine Brust, seine Zunge leckt über eine meiner Brustwarzen, viel zu langsam, quälend langsam, shit, ehe er sie zwischen die Lippen nimmt, daran saugt und seine Zähne leicht in die dünne Haut vergräbt. Ich unterdrücke das Stöhnen, das meiner Kehle entkommen will, dränge mich seiner Hand und seinem verfluchten Mund entgegen. Er hält kurz in seiner Bewegung inne, fährt leicht, federleicht über meine Länge und ich keuche auf.
„Wie hart du bist. Von fast nichts.“ Er kommt zu mir nach oben, küsst mich, nur ganz kurz und grob, wandert mit seinen Lippen zu meinem Hals. Gräbt seine Zähne in die feine Haut, ehe er sich wieder weiter nach oben arbeitet, bis zu dieser Stelle unter meinem Ohr, die Zunge darüber gleiten lässt, und ich stöhne leise auf. Seine Hand verharrt über meiner Eichel, ehe er anfängt, leicht darüber zu streicheln, viel zu leicht, viel zu intensiv, oh Himmel, shit. Ich drehe den Kopf weg und bewege mich unruhig, meine Oberschenkel sind bis zum Zerreißen gespannt. Shit.

„Und wie du klingst“, murmelt er gegen mein Ohr und mir schießt die Regung direkt zwischen die Beine. Es ist kaum mehr auszuhalten. Ich bin so hart, aber er hört jedes Mal auf, seine Hand zu bewegen, hält inne, bis die Vorwellen des Orgasmus abklingen, nur um dann weiter zu machen, sanft und leicht wie zuvor.
„Fuck“, stöhne ich auf und schiebe ihm meine Hüfte entgegen, aber er drückt mich mit seinem Gewicht zurück auf die Tischplatte. Seine Augen sind so wachsam auf mich gerichtet, dass ich fast das Gefühl habe, sie würden mich durchleuchten. Er kann in mich hineinsehen. Jetzt gerade mehr denn je. Wann habe ich entschieden, dass es okay ist? Wann habe ich entschieden, mich einfach fallen zu lassen? Es ist unerträglich. Ich verliere die Kontrolle, ich…Seine Lippen wandern über meine Wange, stoppen kurz vor meinen und ich drehe den Kopf, ich will ihn küssen, ich will, dass er sich mir ergibt, aber er weicht mir aus. Das Lächeln auf seinen Lippen ist fast diabolisch.
Er ist ein verfluchter Sadist. Ich wusste es. Er hat längst jede Kontrolle über mich. Jetzt mehr als jemals zuvor. Mir entkommt ein Geräusch, das ich nicht eindeutig definieren kann. Shit. Es macht mir nichts aus. Er soll mich überrennen. Er soll mich übermannen. Er soll über mich kommen wie ein Sturm, den ich ohnehin nie habe aufhalten können. Ich war von Anfang an nicht fähig dazu. Dieser eine Abend im Eden hat mein Schicksal besiegelt.
„Was ist, Levi“, flüstert er mir entgegen und umspielt mit dem Daumen meine Eichel, grauenhaft langsam. Ich presse den Kiefer aufeinander, aber das Stöhnen entkommt mir trotzdem. Verfluchte Scheiße. Er grinst. „Was willst du, Levi? Willst du, dass ich weitermache? Oder dass ich aufhöre?“ Er leckt über meine Unterlippe und ich schnappe fast nach seinem Mund, aber er lächelt nur, weicht mir aus. „Hm, Levi? Was willst du, das ich mit dir mache?“
Ich presse die Lippen aufeinander, versuche, mich aus seinem Griff zu winden, aber er drückt meine Hände so fest auf den Tisch, dass es beinahe weh tut. Wahrscheinlich wäre ich sowieso nicht mehr in der Lage, mich ihm zu entziehen. Shit. Mein ganzer Körper ist angespannt. Jeder Nerv einzig und allein auf seine Berührung ausgerichtet. Ich beiße mir so fest auf die Unterlippe bis ich Blut schmecke, lecke dann darüber und Erwins Augen folgen der Bewegung meiner Zunge und irgendetwas in seinem Gesicht verändert sich.
Ich atme tief aus. „Mach weiter“
In seinen Augen erscheint ein fast weicher Ausdruck. Er verschließt unsere Lippen zu einem Kuss und legt seine Hand um meinen Schwanz, verstärkt den Druck, ehe er sie auf und ab bewegt, immer noch quälend langsam, aber er hört nicht auf. Er hört nicht auf. Fuck, würde er es tun, würde ich sterben. Ich würde zerspringen.

Ich stöhne in seinen Mund, als seine Bewegungen plötzlich heftiger werden und er lässt meine Handgelenke los, ich hebe die Hände, fahre mit den Fingern durch sein Haar und kralle sie in seinen Nacken, schiebe ihm mein Becken entgegen und er hört nicht auf, Himmel, er hört nicht auf und doch habe ich das Gefühl, ich stehe nur auf der Klippe zum Orgasmus, denn er weitet sich nur aus, schreitet näher und näher, aber er kommt nicht, shit, es ist kaum auszuhalten. Ich klammere mich an seinen Nacken, als mein Oberschenkel zuckt und er seinen Griff um mein Glied festigt, presse meine Lippen auf seine, beiße ihm in die Unterlippe. Meine Hände rutschen über seinen Rücken bis hinunter zu seiner Hüfte, zerren an seiner Hose und Erwin entlässt mich endlich aus seiner Hand, endlich, schiebt sie ohne viel Federlesens von seiner Hüfte, drückt seinen Schwanz zwischen meine Pobacken und ich fühle seine Spitze, die verflucht hart und feucht ist. Er greift nach meinem Kinn und küsst mich, hält dann inne.
„Levi“, sagt er leise und ich öffne die Augen, ich habe nicht einmal gemerkt, dass ich sie geschlossen habe, und ich sehe ihn an, beiße ihm in die dünne Haut seiner Unterlippe und er seufzt auf. „Levi, ich habe nichts da“
Ich mache ein Geräusch, das ich nicht eindeutig definieren kann, lasse meine Hand über seine Taille gleiten und greife zwischen uns, greife nach seinem Schwanz, der in meiner Hand zuckt. Er stöhnt unterdrückt auf und presst sich an mich, seine Haut unter meinen Fingern ist wahnsinnig heiß, und Himmel, ich bin so fucking hart, dass es kaum zu ertragen ist. Ich will, dass er mich fickt. Genau jetzt und genau so, auf diesem beschissenen Küchentisch und so lange bis ich alles um mich herum vergesse. Bis nichts mehr wichtig ist. Bis mir das alles, was geschehen ist, nur noch wie ein dunkler Alptraum vorkommt.
„Scheiß drauf“, murmele ich und packe ihn fester, so fest, dass es schmerzen muss, aber er stöhnt nur dunkel auf, schiebt sich mir fast schon entgegen. Der Griff um meinen Kiefer wird beinahe schmerzhaft fest und er lehnt seine Stirn gegen meine, verharrt über meinen Lippen und ich will ihn küssen, Himmel, ja, aber er weicht mir immer wieder aus. Ich hasse ihn. Er weiß ganz genau, wie beschissen erregt ich gerade bin und natürlich nutzt er das aus. Natürlich. Er hat mich schon so weit. Er hat mich schon so weit, dass ich es sogar zulasse. Er hat mich überrannt. Und ich ergebe mich. Ich muss es. Nur heute. Nur für diesen Moment.
„Schlafzimmer“, keuche ich schließlich resigniert, als er nicht einmal die Anstalten macht, seinen scheiß Schwanz in mich zu schieben, ihn nur gegen mich reibt, quälend langsam, und er wirkt erleichtert, lässt mich los und ich höre Schritte, höre eine Tür auf und zu gehen, höre das Geräusch von Gummi, als er sich das Kondom überzieht und zu mir zurückkommt, nach gefühlten Minuten, dabei waren es nur Sekunden, und unsere Lippen zu einem Kuss verschließt. Seine Hand greift an meinen Hals, wandert hinunter bis zu meinem Brustbein und verharrt dort, ehe er mit seiner anderen Hand mein rechtes Bein ein Stück in Richtung meines Oberkörpers drückt, sich dazwischen platziert und dann schiebt er sich in mich hinein, langsam und vorsichtig, so, wie ich es von ihm gewohnt bin, aber es ist trotzdem...

Ich reiße die Augen auf und versuche, Luft in meine Lungen zu pumpen, denn scheiße, es war das letzte Mal schon echt schwer zu ertragen und diesmal...ich schnappe nach Luft. Aber er bewegt sich nicht, er verharrt nur und wartet darauf, dass ich mich daran gewöhne, dabei muss er das nicht. Wenn das jemand ertragen kann, dann ja wohl ich. Aber er tut es. Warum tut er das? Ich kenne die Antwort.
Seine Hand schiebt sich hinauf bis zu meiner Kehle und er beugt sich ein Stück zu mir hinunter, küsst meinen Mundwinkel, küsst meine Wangen, ganz sanft und fürchterlich langsam, es ist ein extremer Kontrast zu der Art und Weise, wie er mich gerade eben berührt hat, und ich schlinge die Arme um ihn, ziehe ihn an seinem Nacken zu mir hinunter, presse meine Lippen auf seine und er öffnet den Mund leicht und ich gleite hinein. Es ist ein irrer Zungenkuss, wie ein beschissener Kampf, und ich bewege mich unruhig, öffne die Augen. Sehe in seine, die lustverschleiert sind, und scheinbar bemüht er sich gerade extrem darum, nicht einfach in mich zu stoßen wie ein notgeiler Teenager.
Er soll es tun. Er soll mich so hart ficken wie er kann. Ich beiße in seine Unterlippe, lecke kurz über die malträtierte Stelle und sein Griff an meiner Kehle wird kurz unerwartet fest. Es ist mir egal. Mir ist fucking heiß.
„Mach schon“, knurre ich, als er sich immer noch nicht bewegt und er zögert kurz. Ich drücke mich seinem beschissenen Schwanz entgegen, fuck, er soll es einfach tun, und er zieht sich endlich ein Stück heraus und stößt gleich wieder in mich, endlich, fängt an, sich in mir zu bewegen und ich lasse ihn reflexartig los, mein Kopf fällt zurück auf die Tischplatte. Ich öffne den Mund, aber es kommt kein Ton heraus. Shit. Eigentlich ist sein Schwanz viel zu groß für mich, definitiv gewöhnungsbedürftig, aber gleichzeitig gibt es nichts Besseres als das.
Der süße, heiße Schmerz, der sich durch meinen Arsch zieht, bis hinauf in meine Lenden und ich keuche unterdrückt auf, als seine Stöße ein bisschen schneller werden, ein bisschen heftiger, schlinge mein linkes Bein um seine Hüfte, um ihn noch tiefer in mich zu ziehen. Sein Kiefer spannt sich an und mir entkommt ein lautes Stöhnen, viel zu laut. Fast automatisch presse ich mir eine Hand auf den Mund, um dieses Geräusch zu dämpfen, fuck, aber er lässt meinen Oberschenkel los, zieht sie weg und drückt sie auf die Tischplatte, seine Finger graben sich in meine Haut und er hört nicht auf in mich zu stoßen, langsam, tief und...shit. Es schmerzt. Ich fühle es. Es ist großartig.
Er lässt seinen Schwanz plötzlich aus mir hinausgleiten und seine Hände lassen mich los, packen mich an der Hüfte, und er dreht mich ruckartig auf den Bauch, stößt gleich wieder in mich und ich presse die Zähne aufeinander, um das Stöhnen zu unterdrücken, das sich aus meiner Kehle löst. Seine Hände greifen so fest in meine Hüfte, halten mich an Ort und Stelle, dass es weh tut, während er mich fickt, ungewohnt hart und ungewohnt unkontrolliert, aber fuck, es ist genau das, was ich gerade brauche. Ich muss weg von meinen Gedanken. Ich muss etwas fühlen, das mir sagt, dass es noch nicht zu spät ist. Dass ich nicht verloren habe. Dass es immer noch eine Chance gibt.
Es ist überhaupt nicht so wie das letzte Mal und es ist gut so. Erwin verliert die Kontrolle über sich und ich gewinne sie wieder. Ich kann mich endlich wieder fühlen. Meinen rasenden Herzschlag. Den Puls, der durch meine Venen jagt. Meine Rippen, meine Arme, meinen Kopf. Ich kann mich fühlen. Ich bin nicht tot. Ich bin es nicht.

Seine eine Hand löst sich von meiner Hüfte, gleitet über meinen Rücken, drückt meinen Kopf seitlich auf die Tischplatte, während er seinen verfluchten Schwanz hinein und hinaus gleiten lässt, hart, viel härter als das letzte Mal, und ich keuche auf, sehe ihn an und er erwidert meinen Blick fast wild, wie ein beschissenes Tier. Der dunkle Blick aus seinen Augen schießt ohne Umwege direkt in meine Körpermitte und ich stöhne heiser, seine Finger krallen sich fast in meinen Nacken, drücken mich auf den verfluchten Tisch, ohne dass er aufhört in mich zu stoßen.
Shit. Er hat ein wahnsinniges Zielvermögen. Er streift meine Prostata nicht nur, er trifft sie, jedes einzelne, verfickte Mal. Es dauert nicht einmal drei Minuten, ehe ich komme, mit einem unterdrückten Fluch und so heftig, als wäre ich überhaupt noch niemals gekommen. Mein Schwanz zuckt, reibt gegen dieses beschissene Holz, es ist schwer auszuhalten, es fühlt sich so quälend und nervenaufreibend an, dass ich meine Finger in den beschissenen Rand des Küchentisches graben muss, mich festhalten muss. Der Orgasmus hat mich vollkommen überrollt. Mein Schwanz fühlt sich fast wund an und meine Oberschenkel sind so angespannt, dass es schmerzt. Ich muss mir auf die Unterlippe beißen, um das Geräusch zu dämpfen, das meiner Kehle entkommt, als sein Griff an meiner Hüfte beinahe unerträglich fest wird, er seine Hand fester in meinen Nacken krallt, seine Bewegungen werden heftiger, ehe er sich in mir ergießt, mit einem „Shit“, das ich nicht erwartet habe. Ich habe ihn noch nie fluchen hören.
Seine Hand gleitet von meinem Nacken in mein Haar, er gräbt die Finger hinein und beugt sich zu mir hinunter, drückt seine Lippen auf meine, küsst mich tief, atemlos und ich erwidere diesen Kuss, ignoriere das heiße Ziepen in meinem Arsch, als er mich mit seinem Gewicht in das Holz drückt, denn Himmel, es war gut. Es war verflucht gut. Unter mir und auf meinem Bauch ist es warm und klebrig, aber jetzt gerade interessiert es mich herzlich wenig. Ich bin atemlos. Ich bin wieder unter den Lebenden. Ich bin nicht tot. Ich bin am Leben.
Ich löse mein Finger von der Tischplatte, es schmerzt fast, so stark war mein Griff, fuck, und drehe den Kopf weg, will mich von ihm lösen, aber seine Hand in meinem Haar zwingt mich ihn anzusehen. Der Ausdruck in seinen Augen ist so weich und sanft, dass ich am liebsten wegsehen würde. Ich tue es nicht.
Er küsst mich auf meinen Mundwinkel, ganz zart und leicht. „Ich liebe dich, ganz egal, was du getan hast. Ganz egal, was noch passieren wird. Okay?“, sagt er leise, wandert mit seinen Lippen über meine Wange, über meinen Hals, sanft und langsam, bis zu meinem Nacken. Ich fühle seinen Atem, der über meine Haut streicht, und meine Hände ballen sich kurz zu Fäusten, ganz automatisch, ehe jede Anspannung aus mir weicht, jede Kraft, und ich ihn einfach dort lasse, wo er ist. Ich spüre sein Lächeln auf meiner Haut und seine Hand, die fast entschuldigend über meine Hüfte streichelt. Er versteht es. Er versteht es besser als irgendjemand sonst.
„Ja. Ich weiß“, sage ich und Erwin scheint nicht mehr zu erwarten. Er erwartet nicht, dass ich es erwidere. Weil er weiß, dass ich es nicht kann. Nicht heute und niemals.




So. Okay. Das war nun also mein zweiter Abbitte-Smut. Anders als der erste, oder? Was sagt ihr? Irgendwie bin ich ganz zufrieden. Keine Ahnung wieso. Ihr könnt mir ja eure Meinung dazu mitteilen, das würde mich wirklich brennend interessieren xD
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