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Gedankentagebuch einer Halbelfe

von Stellaria
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character)
18.02.2020
14.10.2021
139
365.311
5
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14.10.2021 3.632
 
Ich erwachte am Morgen von Guinneys Stimme, die Emeria zu sich ans Fenster rief, weil sie wissen wollte, was Rengal da unten in den Schlamm malte. Als sie fragte, ob es ein Hund oder eine Katze werden sollte, gesellte ich mich gähnend dazu.
Wie sich herausstellte, malte er einen Teleportationszirkel auf den Boden. Emeria schnappte sich Mordai und ihren Umhang und lief aus dem Fenster gerade nach unten. Ich konnte nicht hören, was sie besprachen, aber es sah ganz danach aus, als wollte sie, dass Rengal Mordai mitnahm.
Ich wandte mich wieder ab und machte mich auf den Weg nach unten in den Schankraum, wo ich Sval bereits an einem Tisch am Fenster entdeckte. Ich hatte mich gerade dazugesetzt und meinen Teller mit Frühstück beladen, als Sval sich mit einem Mal ruckartig vom Fenster abwandte und die Augen hinter den Händen verbarg.
Irritiert schaute ich nach draußen – Rengal war verschwunden und auch Dokan war nicht zu entdecken, dafür aber ein Wesen, das auf den ersten Blick wie eine spärlich bekleidete, sehr zierliche junge Frau aussah, die offenbar geradewegs aus dem Wald gekommen war und nun Emeria anstarrte.
Ich schnappte mir mein Frühstück und ging nun ebenfalls nach draußen zu Emeria, die gerade ziemlich verwirrt versuchte, Kontakt mit der Besucherin aufzunehmen, in der ich nun, da ich näher gekommen war, eindeutig eine Nymphe erkannte, die statt Kleidung Blätterranken am Leib trug.
Sval, der mir zwar gefolgt war, sich aber immer noch die Augen zuhielt, war etwas weiter entfernt stehen geblieben, doch ich ging bis zu Emeria, der ich zuflüsterte, dass wir hier eine Nymphe vor uns hätten, ehe ich mich an eben jene wandte und sie auf Sylvan ansprach.
Es dauerte einige Zeit, bis die Nymphe bereit war, wirkliche Informationen mit uns zu teilen. Emeria, die sich nach meinem Hinweis selbst mit dem Zauber belegt hatte, der sie alle Sprachen sprechen ließ, schickte Sval auf unser Zimmer, um Kleidung für die Nymphe zu holen, doch als er mit einer ihrer schwarzen Garnituren zurückkam, lehnte diese ab.
Guinney gelang es schließlich, Sval davon zu überzeugen, dass er die Nymphe, die sich schließlich als Naiana vorstellte, ansehen durfte, weil alles wichtige bedeckt war.
Wir erfuhren nach und nach auch den Grund dafür, warum Naiana sich von ihrer Quelle entfernt hatte, was Nymphen für gewöhnlich nie taten – ihre war von Monstern überfallen worden, die ihrer Beschreibung nach ganz nach Dämonen klangen, darunter einer dieser blauorangen Affen, die laut Emeria Balgura genannt wurden, und einer dieser Riesenmoskitos, die Emeria als Chasme bezeichnete.
Einen Moment betrachtete ich Naiana, dann rief ich nach Guinney, die zum Frühstück wieder in die Nüchterne Eule zurückgegangen war, da sie von dem Gespräch auf Sylvan nichts verstand und sich zu langweilen begonnen hatte. Als sie den Kopf herausstreckte, rief ich ihr zu, sie solle was zum Essen mitbringen und dann wolle ich los und ein paar Dämonen töten.
Kurz darauf saßen wir alle draußen und während wir alles vertilgten, was vom Frühstück noch übrig geblieben war, versuchte ich die anderen zu überzeugen. Sie waren zwar nicht ganz so begeistert und nicht einmal Emeria hielt es in irgendeiner Form für ihre Pflicht, doch nachdem ich mich so lange zurückgehalten hatte, wollte ich endlich mal wieder meine Magie einsetzen und schließlich stimmten alle zu.
Naiana hatte über unser Essen nur die Nase gerümpft und dann den Wunsch nach einer Dusche geäußert, also zog ich meinen endlosen Wasserdekanter heraus und übergoss sie mit einem tüchtigen Schwung, was sie tatsächlich ein wenig zu beleben schien.
Während Emeria sich endgültig anziehen ging, versuchte ich herauszubekommen, wo Naianas Quelle lag. Sie meinte, sie wäre drei Tage unterwegs gewesen und es gäbe einen kleinen Berg in der Nähe, doch mehr wusste sie nicht zu sagen. Als Richtung deutete sie grob nach Süden, wo sich ein Wald ungewöhnlich dicht für diese Gegend erstreckte.
Da sie nicht fliegen wollte, die Pferde aber auch nicht besser als wir vorankommen würden, blieb nur es zu Fuß zu versuchen.
Emeria ging also noch einmal in die Taverne, um abzuklären, dass wir die Pferde hierlassen konnten, dann folgten wir Naiana in den Wald hinein. Es zeigte sich, dass ihre eigenen Spuren, denen sie folgte, in ziemlichen Schlangenlinien verliefen. Nach ein paar Minuten wurde deutlich, wo der eigentliche Kurs hinging und ich übernahm ein wenig die Führung – wenn sie die ganzen drei Tage so gelaufen war, dann war die Quelle in Wahrheit vielleicht gar nicht so weit entfernt.
Unterwegs diskutierten wir unser Vorgehen. Da Naiana entschieden dagegen war, dass im Umfeld ihrer Quelle magisches Feuer zum Einsatz kam, überlegten wir, ob wir die Dämonen weglocken oder ob ich die Quelle mit meinem Steinzauber vorübergehend versiegeln sollte.
Nach drei Stunden erreichten wir plötzlich ein Steinplateau, von dem aus wir über den Wald bis zum Horizont blicken konnten. Weit in der Ferne erkannte ich, dass der Wald in den neutralen Streifen überging, der die vier Reiche von Korena abtrennte. Der zum Elfenkaiserreich im Norden, zum Zwergengottkönigreich im Westen und zum freien Iddea im Osten war zumindest von gut begehbaren Pfaden durchzogen, doch soweit ich wusste, hatte sich um den zu den Rauen Landen schon sehr lange niemand mehr gekümmert.
Vor allem Emeria wollte vor einem eventuell bald anstehendem Kampf eine Pause machen, um ihre Magie zu regenerieren, und so richteten wir uns an Ort und Stelle ein. Naiana wies uns dabei beharrlich darauf hin, dass wir ihre Quelle unter gar keinen Umständen beschädigen sollten. Da sie dies plötzlich in der gemeinen Handelssprache tat, wurde deutlich, dass sie uns (und unsere Überlegungen) sehr wohl schon die ganze Zeit verstanden hatte.
Nicht einmal ganz zwei Stunden, nachdem wir erneut aufgebrochen waren, bemerkte ich schließlich, dass Naiana, die nun wieder die Führung übernommen hatte, uns im Kreis führte. Darauf angesprochen gab sie zu, dass die Quelle versteckt sei und nur betreten werden konnte, wenn man in einem ganz bestimmten Winkel zwischen zwei Bäumen hindurch ging, die optisch mit einem dahinter liegenden Felsblock ein Tor bildeten.
Nach einigen Minuten fruchtloser Überlegungen, wie wir weiter vorgehen sollten, fiel mir der Schrumpfkopf ein, mit dem man eventuell einen unbemerkten Blick hinter das Tor werfen könnte, und da Emeria ihn hatte, meinte ich zu ihr, sie solle es mal damit versuchen.
Sie befestigte ihn an einem langen Stock und dann versuchte sie nach Naianas Beschreibung den richtigen Winkel zu treffen, wobei ich sie zur Sicherheit begleitete. Erst beim dritten Versuch gelang es plötzlich und Emeria verschwand zur Hälfte – nur ihr einer Fuß und Teile des Umhangs waren noch zu sehen.
Wir warteten eine Weile, bis wir schließlich durch die Ohrringe ihre Stimme hörten, die erklärte, sie käme nicht wieder raus. Verwirrt griff ich nach ihrem Fuß und zog kräftig daran, woraufhin sie zurücktaumelte und stürzte, dafür aber wieder ganz sichtbar wurde.
Nachdem ich ihr aufgeholfen hatte, erzählte sie, dass um die Quelle tatsächlich Dämonen hockten, die entfernt Ähnlichkeit mit Kröten hatten, außerdem säße irgendwas deutlich größeres mitten im Wasser.
Als sie wissen wollte, warum sie nicht von allein zurückgekonnt hatte, erklärte Naiana, man könnte die Quelle nicht auf dem gleichen Wege verlassen, auf dem man sie betreten konnte – der Ausgang befinde sich unter Wasser.
Mit dieser neuen Information begannen wir erneut Pläne zu überlegen, bei denen es vor allem darum ging, wie wir die Dämonen (idealerweise einzeln) herauslocken könnten. Wir überlegten gerade, ob ich zusammen mit Naiana unsichtbar eindringen und dann als Köder sichtbar werden sollten, kurz bevor wir die Quelle wieder verließen, als Guinney plötzlich losspurtete und einen Satz in die Höhe machte. Kurz vor dem Durchgang zwischen den beiden Bäumen und ein paar Meter über dem Boden war aus dem Nichts eine Art ziemlich großes Schweineschwänzchen auftaucht.
Guinney gelang es, den Schwanz zu packen, doch genügte ihr Gewicht nicht, um den Dämon, der offenbar mitten auf dem Ausgang saß, herauszuziehen, sodass sie zurück auf den Boden plumpste. Als sie gleich darauf wieder hoch sprang, hörten wir ein unflätiges Geräusch und Guinney wurde von einer offenbar widerwärtigen Wolke eingehüllt, weshalb sie daneben griff.
Im nächsten Moment war der Schwanz verschwunden, doch wir alle hielten uns sogleich bereit, auf das, was auch immer dort oben als nächstes auftauchen mochte zu schießen. Naiana zog dafür den langen Stock, den sie auf dem Rücken getragen hatte, hervor und hielt ihn wie einen Bogen, auf den sie einen unsichtbaren Pfeil auflegte – im nächsten Moment bildete sich eine Sehne, die aussah, als bestünde sie aus einem unendlich dünnen Wasserfaden, und der Pfeil, der ebenfalls erschien, kristallisierte zu hartem Eis.
Als kurz darauf ein Dämonenfuß mitten in der Luft auftauchte, schleuderte ich einen Feuerpfeil darauf ab, der wie die verschiedenen magischen und nicht-magischen Geschosse der anderen hoffentlich schmerzhaft einschlug, ehe der Dämon den Fuß wieder zurückziehen konnte.
Noch ehe wir erneut bereit waren, tauchte das Gesicht des Dämons auf, das wie eine Mischung aus Ork und Wildschwein aussah. Er ließ ein lautes Brüllen hören, dann zog er den Kopf rasch wieder zurück. Ein paar Minuten warteten wir voller Anspannung, überzeugt, dass sie alle gleich herausstürzen und uns angreifen würden, doch als immer länger nichts auftauchte, versuchte Emeria es schließlich, indem sie ihre drei unheimlichen Strahlen auf den Eingang abfeuerte.
Nur einer davon überwand tatsächlich die Barriere und verschwand, doch auch danach regte sich nichts. Wir begannen also erneut zu überlegen, wobei Guinney sich gelangweilt heraushielt – seit sie wusste, dass man die Quelle nur durchs Wasser wieder verlassen konnte, hatte sie überhaupt kein Interesse mehr daran, dort hinein zu gehen, und auch ihre Bereitschaft, Naiana zu helfen, hatte deutlich nachgelassen.
Diese meinte jedoch nach ein paar weiteren fruchtlosen Überlegungen, sie könnte sich ja mal mit den Bäumen unterhalten, die ja Teil des versteckten Portals waren. Interessiert sahen wir zu, wie sie sich tatsächlich zu dem rechten der beiden Bäume begab und Laute auszustoßen begann, die kaum noch Ähnlichkeit mit einer Sprache hatten.
Noch seltsamer war allerdings, dass der Baum ihr tatsächlich zu antworten schien. Allerdings erfuhr sie auch nach gut zehn Minuten offensichtlich nichts irgendwie hilfreiches.
Sval, der inzwischen ebenfalls ein wenig ungeduldig wurde, bat Emeria um ihre Schrumpfkopfkonstruktion, um selbst einen Blick auf die andere Seite zu werfen. Ihm gelang es offenbar schon beim ersten Versuch, den richtigen Winkel zu treffen und auch rechtzeitig stehen zu bleiben, um nicht selbst durch das Portal zu treten. Dafür meinte er plötzlich, etwas würde von der anderen Seite ziehen, und wir sahen, wie sich seine beeindruckenden Muskeln mit aller Macht gegen eine Kraft spannten, die offenbar am anderen Ende des Schrumpfkopfes zog.
Guinney, die ihn neugierig begleitet hatte, sprang rasch hinzu und zog ihn ebenfalls zurück. Ein paar Sekunden schienen die Kräfte ausgeglichen, dann gab es einen Ruck in unsere Richtung und vor unseren ungläubigen Augen tauchte ein gut fünf Meter großer Dämon auf, den Sval in der falschen Richtung durch das Portal zog.
Der gehörnte Kopf saß auf breiten stachelbewehrten Schultern. Die langen Arme endeten in zwei Greifscheren, doch unter dem ersten Paar Arme saß noch ein zweites Paar, das wie ganz normale Menschenarme aussah und an der Seite aus dem Brustkorb kam.
Während Naiana sich sofort ein gutes Stück zurückzog und dabei zwei unsaubere Schüsse abschickte, ließ Guinney Sval los und begann sogleich auf den Dämon einzuschlagen. Ich selbst zog eine Feuerwand um den Dämon hoch, die leider nicht ganz so viel Schaden wie erwartet anrichtete und zudem noch Sval verbrannte, der das Biest immer noch nicht losgelassen hatte und jetzt auch von diesem angegriffen wurde.
Gleich darauf verlor ich die Kontrolle über meinen Zauber und die Feuerwand verpuffte – offensichtlich war der Dämon nicht nur in gewissem Maße feuerfest, er beherrschte außerdem Magie.
Sval, der schon ein wenig angeschlagen wirkte, zog sich aus der Reichweite des Dämons zurück, wobei er sich einen üblen Schlagabtausch mit diesem lieferte. Guinney sprang ihm bei und drosch weiter munter auf unseren unfreiwilligen Gegner ein, während einer von Naianas Eispfeilen tatsächlich sein Ziel fand.
Ich selbst schleuderte nun ebenfalls erneut einen mächtigen Feuerpfeil, der den Dämon mitten in die Kehle traf und diese nicht nur in Brand setzte, sondern regelrecht explodieren ließ. Mit einem dumpfen Krachen stürzte der Dämon vornüber, wobei er Sval mit sich zu Boden riss.
Noch ehe einer von uns die Gelegenheit zum Luft holen hatte, fielen aus dem Ausgang die drei entfernt krötenähnlichen Dämonen, sodass ich es nun doch für klüger hielt, doch ein wenig mehr Abstand aufzubauen und einen weiteren Feuerpfeil auf die nächstbeste dieser Dämonenkröten abzufeuern.
Emeria, die sich schon früher ein Stück zurückgezogen hatte, hörte ich in diesem Moment wohl bekannte Worte murmeln, und schon waren die anderen beiden Kröten in die Verbannung verschwunden. Sval hatte sich gerade der von mir schon ein wenig angekokelten angenommen, als der Dämon, der wie eine Mischung aus Ork und Wildschwein aussah (und, wie ich jetzt sehen konnte, lächerlich kleine Flügelchen auf dem Rücken hatte), auch noch durch den Ausgang fiel.
Sogleich ging Guinney auf den neuen Gegner, dem sie ja schon mal am Schwanz gezupft hatte, los, während neben mir Naiana auftauchte und ihre Hände zum Himmel streckte. Ich spürte mehr als dass ich es hörte, wie sie magiegetränkte Worte murmelte, und in Sekundenschnelle verdunkelte sich der Himmel über uns und ein Gewitter brach los. Auf ihren Fingerzeig hin schlug ein Blitz in den Krötendämon ein, der sich daraufhin blitzschnell umwandte und mit einem gewaltigen Satz mitten unter uns landete.
Ehe ich reagieren konnte, hatte ich die widerlichen Ausdünstungen eingeatmet. Ein fauliger Geschmack breitete sich in meinem Mund aus und dann spürte ich, wie sich das Gift in meinen Adern ausbreitete.
Wie sich im nächsten Moment zeigte, waren diese Dämonen ungewöhnlich intelligent, denn es schien ganz so, als wäre diesem hier klar, dass es an Emeria lag, dass seine beiden Kollegen verschwunden waren, denn er biss und schlug nach ihr (wobei er einmal leider mich erwischte), woraufhin sie die Konzentration auf die Verbannung verlor und die beiden anderen Krötendämonen wieder auftauchten.
Angesichts der Tatsache, dass mein Feuer bisher bei keinem den erwarteten Schaden anrichtete, und da sie alles in allem doch stärker waren als erwartet, griff ich tief in meine Magie und sandte meine Sinne aus. Um die vier Dämonen kam Leben in zehn herumliegende Steine, die sogleich auf die ihnen nächsten Dämonen losschlugen.
Der Wildschweindämon ließ sich davon jedoch leider weder beeindrucken noch ablenken, sondern stampfte Sval hinterher, der hastig einen Heiltrank schluckte, dann aber daneben schlug. Noch unerfreulicher war, dass sich aus dem Ausgang, unter dem sich Guinney mit den beiden Krötendämonen prügelte, der Moskitodämon zu quetschen versuchte.
Immerhin war der Dämon bei mir, Emeria und Naiana so von den Steinen abgelenkt, dass er auf diese losging, statt auf uns, sodass Naiana einen weiteren Blitz aus dem Gewitter über uns auf die Gegner unten beim Eingang lenken konnte.
Mir selbst war mit der Vergiftung nicht allzu wohl in der Nähe eines dämonischen Gegners und so versetzte ich dem Krötendämon vor uns einen Schockgriff (wofür ich zwei Anläufe brauchte, da es mir heftig widerstrebte, diese Kreatur zu berühren), um sie kurzzeitig zu lähmen, sodass ich und Emeria uns ein wenig zurückziehen konnten, während die verbliebenen Steine weiter auf ihre Gegner einschlugen.
Emeria schickte im Weglaufen ein wenig Heilung zu Sval, dann deutete sie mit ihrem Zauberstab der magischen Geschosse nach hinten und feuerte auf das Vieh ab, das mich vergiftet hatte – das regelrecht zerfetzt wurde.
Leider waren wir beide bei unserem Rückzug nicht schnell genug, denn kaum war der Krötendämon erledigt, da teleportierte der Wildschweindämon mitten unter uns drei. Sval stürmte jedoch sogleich hinterher und schlug weiter auf ihn ein, während Guinney sich ein gutes Stück entfernt immer noch mit den anderen beiden Krötendämonen prügelte, die auch erneut von einem Blitz getroffen wurden.
Als ich bemerkte, dass sich der Moskitodämon endlich erfolgreich durch den Ausgang zu uns gequetscht hatte, verpasste ich dem Wildschweindämon ebenfalls einen Schockgriff und rannte dann an ihm vorbei, ehe ich mich auch noch durch den Nebel bewegte, um meine Spur zu verwischen.
Auch Emeria nutzte die kurzzeitige Lähmung und Ablenkung durch die attackierenden Steine und zog sich in meine Richtung zurück, wobei sie Sval erneut ein wenig Heilung schickte und über ihre Schulter einen Zauber abfeuerte, der hell aufleuchtend in dem Wildschweindämon einschlug, der nur noch ein überraschtes Grunzen hören ließ und dann platzte.
Leider zog sie sich damit offensichtlich die Aufmerksamkeit des Moskitos zu, das auf sie zu flog, wobei seine Flügel ein seltsames Brummen erzeugten, das sich in mich hineinzuvibrieren schien – ich spürte noch einen unangenehmen Schmerz in meinen Ohren, dann wurde meine Sicht schlagartig schwarz.

Ein brennender Schmerz auf meiner linken Wange riss mich wieder ins Bewusstsein. Verwirrt sah ich mich um: Emeria stand ganz in meiner Nähe, nicht viel weiter weg entdeckte ich den toten Moskitodämon und ich sah gerade noch rechtzeitig zu den beiden verbliebenen Krötendämonen, um zu sehen, wie Sval die eine erschlug, während Naiana die andere mit zwei gut platzierten Pfeilen zurück in den Abgrund schickte.
Emeria kam nun sehr vorsichtig auf mich zu und heilte mich von der Vergiftung, wobei sie seltsamerweise zu denken schien, ich würde sie wegen der Ohrfeige, von der ich vermutete, dass sie sie mir verpasst hatte, angreifen. Da ich jedoch nicht anders gehandelt hätte, wischte ich ihre Sorgen unwirsch beiseite und ging dann mit ihr zu den anderen hinüber, die sich vor dem Eingang zur Quelle versammelt hatten.
Da die Gefahr nun gebannt war, lud Naiana uns alle ein, ihr in ihr Reich zu folgen und so traten wir alle durch den geheimen Eingang. Auf der anderen Seite der Barriere war es zu meiner Überraschung Nacht, doch leuchteten die Sterne und der Mond so hell, dass alles in silbriges Licht getaucht ohne Schwierigkeiten zu erkennen war.
Die Quelle selbst plätscherte ganz leise in ihrem Bassin aus hellem Stein, umgeben von ungewöhnlich schönen und gesund aussehenden Pflanzen. Während Naiana uns wie versprochen einen Algensalat zubereitete, erlaubte sie uns, dass wir uns in ihrer Quelle erfrischten, was nach diesem Kampf auch dringend nötig war.
Sogar Guinney, die ganz vergessen hatte, dass sie nur durch das Wasser auch wieder raus kam, plantschte entspannt am flachen Rand. Das Wasser hatte eine unendlich angenehme Temperatur und als wir schließlich von Naiana bewirtet wurden, fühlte ich mich ungewöhnlich erholt.
Als die Zeit zum Aufbruch kam, schenkte Naiana uns noch eine von ihr selbst gemachte Fischskulptur, die ganz aus dem uns gut bekannten grauweißem Erz der Corath Mylgins bestand, wodurch es ein sehr wertvolles Geschenk darstellte, auch wenn die Nymphe das gar nicht zu wissen schien.
Emeria verstaute die Skulptur in ihrem Beutel und ich bot Naiana als Gegengeschenk verschiedene Dinge aus meinem an. Sie entschied sich für die unterarmgroße goldene Statue eines Menschen, die ich im Chimärahort gefunden hatte. Dann bedankte sie sich noch einmal für unsere Hilfe und wir tauchten durch die Quelle (Guinney brauchte ein wenig Hilfestellung), bis auch wir mit einem Mal zwischen den Bäumen aus der Luft plumpsten.
Da wir diesmal wussten, wo es hin ging und auch keiner etwas gegen den Teppich einzuwenden hatte, traten wir den Rückweg durch die Luft an und erreichten so sehr spät am Abend erneut das Gasthaus Zur nüchternen Eule, wo wir erneut Zimmer für die Nacht nahmen.
Während Guinney und Emeria in ihren Betten recht schnell einschliefen, wollte sich der Schlaf bei mir nicht so richtig einstellen. Unruhig rollte ich mich von der einen auf die andere Seite oder zuckte zusammen, wenn unsichtbare Nadelstiche meinen Körper trafen. Ich wollte nachsehen, ob irgendwelche Mücken im Zimmer waren, doch auf meinen Augen lastete eine derart bleierne Müdigkeit, dass ich sie einfach nicht öffnen konnte.

Unvermittelt reiße ich sie auf und finde mich in meinem Kopf wieder, umgeben von den Säulen, die die Wege zu denen aufzeigen, die sich in mir festgesetzt haben. Überrascht stelle ich fest, dass ich die Runen und Markierungen wiedererkenne – und dass die Reihenfolge eine andere ist, als bei meinem Besuch mit Emeria.
Ich lasse meinen Blick schweifen: Lolth, Maske, Orkus, Rotun und das Säulenpaar, dass mich beim letzten Mal aus meinem eigenen Kopf geworfen hat. Ich rufe in die Stille, frage nach Rotun, warte, doch nichts rührt sich. Ich denke an Emeria und wende mich dem Orkusgang zu. Ich habe schon einen Schritt in die Richtung gemacht, als ich aus den Augenwinkeln glaube, ein neues Symbol zu erkennen.
Vorsichtig gehe ich ein paar Schritte näher an das mir noch unvertraute Säulenpaar heran und entdecke auf beiden tatsächlich ein Zeichen: es sieht aus wie ein einzelnes Auge, das rechts, links und darüber von Händen eingerahmt ist, die eine Art Dreieck darum bilden und von der Seite gezeichnet sind. Die Finger sind wellenförmig geschwungen.
Einen Moment noch starre ich das Symbol an, versuche, es mir so gut wie möglich einzuprägen, dann wende ich mich ab und schreite entschlossen zwischen den Säulen hindurch, die mich zu Orkus führen müssten.
Die Treppe, die sich beständig nach oben zieht, verschwindet schnell in vollkommener Dunkelheit. Ich taste mich weiter, allein in der Stille, die nur von dem leisen Geräusch meiner Füße auf den Stufen erfüllt wird. Sind es Stunden oder Sekunden? Das Geräusch verändert sich und mit einem Mal stehe ich auf einem Zikkurat, dass von einer massiven Kugel aus Stein umgeben ist – mit Ausmaßen, um ein Vielfaches größer als in Eiden.
Ich blicke nach unten. Das Zikkurat besteht aus Knochen.
Ich trete zum Rand und blicke auf ein Meer von Untoten. Skelette und halb verweste Körper. Manche so groß wie Halblinge, andere von erschreckenden Ausmaßen und monströsen Formen.
Das Meer aus toten Leibern erstreckt sich in alle Richtungen soweit ich blicken kann. In der Ferne erkenne ich weitere Zikkurats. Eins schimmert grünlich und ich erkenne darauf so etwas wie eine humanoide Gestalt, nur riesig. Sie hebt einen skelettierten Arm und grüßt in meine Richtung.
„Hallo.“
Die Stimme erfüllt die Luft, kommt von allen Seiten und aus meinem Kopf und wieder schließt sich die Dunkelheit um mich. Aus ihren Tiefen kommt mir etwas entgegen, springt mich an. Bleich wie ein Knochen im Mondschein. Eine grässliche Fratze, erfüllt von kalter, grausamer Bosheit.
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