Geschichte: Fanfiction / Anime & Manga / K / Unsichtbar

Unsichtbar

OneshotSchmerz/Trost / P18
Misaki Yata Niki Fushimi Saruhiko Fushimi
18.02.2020
18.02.2020
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ACHTUNG! Ich spreche hier ganz klar eine Triggerwarnung aus! Der Text enthält körperliche und seelische Gewalt, sowie selbstverletzendes Verhalten!

So meine liebe Rehime, dass hier ist für dich ^^ Ging dann viel schneller, als ich gedacht hätte und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es wirklich geschafft habe, etwas dunkles und grausames zu schreiben… aber fröhlich und nett ist der OS definitiv nicht ^^’
Nun bist du an der Reihe, her mit dem Fluff :p





Unsichtbar


Draußen am Himmel tobte ein Unwetter, dass die kleine Bahnhofstoilette immer wieder in gespenstisches Licht tauchte.
Die Blitze zuckten im Sekundentakt durch die Nacht und erhellten den winzigen und dreckigen Raum, dessen schwaches Licht wohl normalerweise den heruntergekommenen und widerwärtigen Zustand dieses Ortes ein wenig versteckte und abschwächte.
Das winzige Fenster, dessen vergitterte Scheibe zerbrochen war, reichte nicht aus, um gegen den Gestand nach Urin und Schweiß etwas auszurichten, der sich über die Jahre ins Mauerwerk gefressen zu haben schien.
Der Boden unter meinen Schuhen klebte und ich war mir sicher, dass es nicht nur an dem Dreck lag, der die Fliesen verkrustete.
Neben dem Waschbecken, in der Ecke, befand sich eine Lache auf dem Boden, bei der ich mir sicher war, dass es sich nicht um Regenwasser handelte.
Irgendwer hatte dort sein Geschäft verrichtet.
Jemand, der schlau genug war, nicht die vergilbte und vor Fäkalien stinkende Toilette zu benutzen, dessen Klobrille gesprungen, und übersät mit Brandspuren war. Ob von Zigaretten oder von Junkies, die den Rand zum Aufkochen von Drogen benutzt hatten... vermutlich beides. Zumindest sprach das wohl benutze, und nicht heruntergespülte Kondom, dass in dem braunen Wasser in der Kloschüssel trieb, Bände.
Dieser Ort schien in aller Deutlichkeit den Abgrund der Gesellschaft repräsentieren zu wollen.
Ein Ort, an dem niemand sein sollte, den niemand sehen sollte, den niemand kennen sollte... und doch war ich hier.
Allein.

Das Unwetter hatte uns alle überrascht, als wir zusammen losgezogen waren.
Oder eher, als Misaki mit Rikio, Akagi und Eric losgezogen war. Mich hatte niemand gefragt, doch trotzdem war ich, wie selbstverständlich, mitgekommen. Einfach weil es Misaki war und ich irgendwie dabei sein wollte, einfach nur in seiner Nähe, damit ihm bewusst wurde, dass es mich noch gab.
Er hatte mich nicht beachtet und auch kein einziges Wort mit mir gesprochen... und dann brach das Unwetter über uns herein.
Wir hatten alle versucht auf die schnelle Schutz zu suchen und so war ich an diesem Ort gelandet.
Wo die anderen waren, wusste ich nicht. Ich hatte Misaki zwar noch zugerufen, aber durch den Regen, der unbarmherzig auf uns niedergeprasselt war, hatte er mich nicht gehört... oder er wollte mich nicht hören.
Kurz sah ich auf mein Handy.
Keine Nachricht.
Niemanden schien es aufgefallen zu sein, dass ich nicht mehr da war. So als wäre ich unsichtbar.
Nicht gehört und nicht gesehen.
Und vor allem, nicht gewollt.
Ich stützte mich an dem schmutzigen Waschbecken ab und atmete einmal tief durch, was ich sofort bereute.
Meine Augen brannten.
Ob von dem Gestank, der die Luft hier drinnen zu vergiften schien oder wegen etwas anderem, konnte ich nicht sagen.
Und ich wollte es auch nicht wissen.
Wollte nicht wissen, ob Misaki mich vergessen hatte, nachdem er mir gezeigt hatte, dass das Leben auch anders sein konnte. Das es Menschen gab, die einen nicht nur zerstören wollten... wie sehr ich mich doch in ihm getäuscht hatte.

Er war der schlimmste von allen.
Er hatte mich gefunden, hatte mir vorgegaukelt, was Freundschaft war, nur um mich am Ende fallen zu lassen. Das zu zerstören, was mein Vater übrig gelassen hatte.
Hass wallte in mir auf, während ich meine Hände fester um den Rand des Waschbeckens krallte.
Irgendwo, ganz tief in meinem Kopf, konnte ich meinen Vater lachen hören.
Ihm hätte das alles hier gefallen.
Ich allein an diesem Ort.
Am Abgrund.
Fallen gelassen, von dem einzigen Menschen, der mir jemals etwas bedeutet hatte.
Unsichtbar.
Das Lachen in meinem Kopf wurde lauter, sodass ich mir eine Hand an den Kopf pressen musste. Es hallte nicht nur in meinem Kopf wider, sondern schien den ganzen Raum auszufüllen. Das Echo fuhr über jede verdreckte Fliese, erfüllte die Luft und prasselte dann immer lauter auf mich ein.
Ich war so dumm.
Ich hätte wissen müssen, wie es enden würde.
Wie es enden musste.

Stille.

Ich konnte die Präsenz meines Vaters immer noch spüren.
Nicht in meinem Kopf oder in dieser Bahnhofstoilette, sondern tief in mir drin.
In meinem Körper.
Er floss durch jede einzelne meiner Adern und brannte sich seinen Weg durch meinen Körper.
Ich wollte schreien, aber kein Ton verließ meine Lippen, als ich in diesem Strudel, der tief in mir herrschte versank.
Ein weiteres Mal versuchte ich durchzuatmen, aber ich konnte nur zitternd nach Luft ringen, als sich das Brennen in meinen Augen verstärkte und das frei gab, was schon seit vielen Jahren hinter meinen Augenlidern verborgen lag.
Fahrig wischte ich mir über das Gesicht, um die salzigen Spuren, von denen ich mir geschworen hatte, sie niemals an die Oberfläche zu lassen, zu verbergen.
Ich war nicht schwach.
Ich war nicht wie er.
Mein Vater hatte keine Macht mehr über mich.

Angespannt hob ich meinen Blick zu dem kleinen Spiegel, der schief, und verschmiert von Körperflüssigkeiten, an der Wand vor mir hing.
Ein weiterer Blitz erhellte den Raum und gab den Anblick auf mein verzerrtes Spiegelbild frei.
Das war nicht ich, der mir dort entgegen sah. Diese Maske, die mir entgegen starrte war nicht Saruhiko, es war Niki.
Ich wusste nicht mehr, wo mein Vater aufhörte und ich begann. Es schien, als wären wir verschmolzen, nicht nur optisch, sondern auch innerlich.
War ich jemals anders gewesen?
Gab es mich überhaupt jemals wirklich oder war ich schon immer er gewesen?
Ich wollte nicht sehen, wer ich war und schlug mit der Faust auf den Spiegel ein, dessen, mit spiegelnder Folie beklebtes Plexiglas, nur gegen den Dreck an der Wand dahinter knirschte, aber nicht zerbrach.
Immer wieder ließ ich meine Faust darauf nieder krachen, während das Lachen in meinem Kopf wieder einsetzte, immer lauter wurde, bis es mich komplett erfüllte und mir jede Chance auf ein Entkommen nahm.

Zitternd zog ich ein kleines Messer aus meiner Tasche und lächelte dann, als ein Donnergrollen das Lachen meines Vater übertönte.
„Ahnst du etwa, was ich vorhabe?“, fragte ich mein Spiegelbild, als ich mir die Klinge gegen die Schläfe hielt, „Du hast verloren, ich bin nicht wie du.“
Und dann stimmte ich in das Lachen mit ein, als ich mir das Messer in die Haut stieß und langsam bis zum Kinn herunter zog.
„Ich bin dir nicht ähnlich, nicht mehr optisch und schon gar nicht innerlich... ich bin schlimmer.“

Ich drehte mich lächelnd um, öffnete die Tür und trat hinaus in das Unwetter, dass die Klinge in meiner Hand einmal unheilvoll aufblitzen ließ.
Irgendwo hier draußen würde ich dich finden Misaki und dann würde ich dir zeigen, dass ich nicht unsichtbar war, so lange, bis ich dich zerstört hatte und sich mein Lachen für alle Zeiten in deinen Kopf und deine Seele gebrannt hatte...