Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Sorgenschwer

von ElliG
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Emilie Hofer Katharina Strasser Lorenz König Markus Kofler Mia Steiner Simon Plattner
18.02.2020
08.04.2021
42
93.266
29
Alle Kapitel
336 Reviews
Dieses Kapitel
15 Reviews
 
 
08.04.2021 2.696
 
Guten Morgen zusammen,
vielen lieben Dank für eure Reviews zum letzten Kapitel und für zwei neue Favoriteneinträge. Heute gibt es pünktlich das neue Kapitel und ich habe schon ein wenig Angst vor euren Reaktionen. Wobei... eigentlich bin ich einfach nur super neugierig, was ihr davon haltet ;) Also lasst es mich wissen!
Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen,
Elli

*************

Eine halbe Stunde nach dem gemeinsamen Frühstück auf dem Hof betrat Katharina die Intensivstation und steuerte zielstrebig das Zimmer ihres Liebsten an. Auf der Autofahrt nach Schladming war es ihr nicht wirklich gelungen, die düsteren Gedanken an ihren Traum der letzten Nacht zu verdrängen und so begleitete sie eine gewisse Anspannung, während sie den langen Gang entlangschritt. Doch als Katharina die Schiebetür zum Zimmer öffnete, machte ihr Herz einen kleinen Hüpfer. Markus, der mit Hilfe eines langen wellenförmigen Lagerungskissens auf die linke Seite gedreht in dem großen Intensivbett lag, lächelte sie an. Es war ein zaghaftes Lächeln, aber es war ein Lächeln. Wie sehr hatte sie sich davor gefürchtet, dem ausdruckslosen und kalten Blick zu begegnen, den sie in ihrem Traum hatte ertragen müssen – doch scheinbar war ihre Sorge unbegründet gewesen.
Langsam näherte sie sich dem Bett und sah, dass Markus scheinbar bis vor wenigen Sekunden den Schutzengel in seiner Hand betrachtet hatte. Als er die hölzerne Figur nun sachte auf dem Kissen ablegte und ihr seine gesunde linke Hand ein kleines Stück entgegenstreckte, bekam Katharina vor Erleichterung feuchte Augen. Markus verkroch sich nicht in seinem Schneckenhaus. Er stieß sie nicht weg – nein, er forderte sogar ihre Nähe ein. Sie ergriff seine Hand, verschränkte ihre Finger in seinen und ließ sich behutsam in Richtung Bett ziehen. Der anschließende zaghafte Kuss löste eine wahre Gefühlsexplosion in Katharina aus. Er dauerte nur wenige Sekunden und doch bedeutete er ihr so unendlich viel. Erleichtert ließ sie sich auf dem Besucherstuhl nieder und atmete tief durch. Bisher hatten beide kein Wort gesprochen. Sie blickten sich einfach nur tief in die Augen und versanken im Blick den jeweils anderen.
„Hast du gut geschlafen?“, fragte Katharina schließlich flüsternd und streichelte dabei sanft über seine Hand. Markus nickte und brachte ein krächzendes „Ja“ hervor. Das anschießende Räuspern, mit dem er ein wenig Klarheit in seine Stimme bringen wollte, rief jedoch einen starken Hustenreiz hervor und ließ ihn das Gesicht schmerzerfüllt verziehen.
„Möchtest du was trinken?“ fragte Katharina besorgt und griff nach dem Schnabelbecher, der neben dem Bett bereitstand.
Markus nickte gequält und ließ sich von seiner Freundin dabei helfen, ein paar Schlucke Wasser zu trinken. Eigentlich widerstrebte es ihm, diesen Becher zu benutzen, den er sonst nur aus dem Altenheim kannte. Schonungslos führte dieses Hilfsmittel ihm vor Augen, dass er gerade unselbstständig war, wie ein kleines Kind. Noch nicht einmal dazu in der Lage, aus einem normalen Glas zu trinken. Aber an den Gedanken, dass gerade nichts wie gewohnt funktionierte, musste er sich wohl gewöhnen müssen – wieder einmal.  
„Danke“, brachte er leise hervor, ließ den Kopf erschöpft ins Kissen sinken und schloss für einen Moment die Augen.
Markus konzentrierte sich auf seine Atmung und wartete darauf, dass die Schmerzen, die ihm das Husten bereitet hatten, langsam nachließen. Solange er ruhig im Bett lag und keine nennenswerten Bewegungen mit dem Oberkörper vollzog, war es absolut auszuhalten. Auch die Schmerzen im Rücken hatten merklich nachgelassen, seit der Krankenpfleger ihn heute früh in eine leicht schräge Seitenlage gebracht hatte. Doch jedes noch so kleine Hüsteln erzeugte einen explosionsartigen Schmerz in seiner rechten Seite. Um die Schmerzen im Brustkorb wieder in den Hintergrund zu drängen, richtete er seine ganze Aufmerksamkeit auf die sanften Berührungen auf seinem linken Handrücken. Unaufhörlich streichelte Katharina mit ihrem Daumen darüber und versuchte ihm so ein wenig Kraft und Ruhe zu spenden. Markus war froh, sie an seiner Seite zu haben. Er wollte diesen Alptraum nicht alleine durchmachen müssen – nicht noch einmal. Er brauchte Katharina und er brauchte Mia. Das spürte der Bergretter ganz deutlich.

Mit diesem Gedanken erinnerte sich Markus wieder an das, was ihm seit dem Aufwachen am heutigen Morgen im Kopf herumkreiste. Er hatte Angst vor der Wahrheit, doch noch länger konnte er die Ungewissheit ebenso wenig ertragen.
„Katharina?“, begann er nach einem Moment des Schweigens und schaute seine Freundin aus müden Augen an.
„Ja?“
„Ich glaub‘… ich glaub‘ du musst mir mal ein bisschen auf die Sprünge helfen. Mit dem,… was in den letzten Tagen so alles passiert ist. Irgendwie… funktioniert das da oben noch nicht so richtig“, erklärte er stockend, jedoch mit deutlich klarerer Stimme als noch vor ein paar Minuten, und deutete mit dem Zeigefinger in Richtung Kopf.
„Du meinst den Unfall?“, fragte Katharina unsicher. Zu ihrer Überraschung schüttelte Markus den Kopf.
„Nein… nein, daran kann ich mich ganz gut erinnern… glaube ich zumindest“, erklärte er leise und versuchte dann, seine Erinnerungen an das Unglück wiederzugeben. „Wir mussten ein Mädchen bergen… Maria. Sie hat sich das Bein gebrochen. Als wir sie die Steilwand hochgezogen haben, hat sich das Seil in einer Felsspalte verklemmt. Ich habe mich ausgeklinkt, um das Seil zu lösen und bin… und bin dann… abgestürzt.“
Während Markus diese Worte aussprach, war er zunächst erstaunlich gefasst. In der vergangenen Stunde, in der er bereits wach im Bett gelegen hatte, hatte er seine Erinnerungsfetzen wieder zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Die Bilder in seinem Kopf waren überraschend klar gewesen und so hatte er ganz nüchtern versucht zu analysieren, was falsch gelaufen war. Und egal wie er es drehte und wendete – er war immer wieder zu der gleichen Erkenntnis gekommen.
„Katharina… es… es war dumm von mir“, sprach Markus seine Gedanken dazu leise aus und er hatte plötzlich sichtlich Mühe, diese Worte über seine Lippen zu bringen.  „Dumm und unvernünftig… und verantwortungslos… und… es tut mir leid.“
Mit tränenverschleiertem Blick schaute er seine Freundin an und erkannte, dass auch sie mit ihren Emotionen kämpfte. Er versuchte den Kloß in seinem Hals hinunterzuschlucken, was jedoch misslang.
„Kannst… kannst du mir verzeihen?“, fragte er schließlich mit belegter Stimme.

Katharina schaute Markus mit großen Augen an. Mit vielem hatte sie gerechnet, aber nicht damit, dass er sie hier und jetzt um Verzeihung bat. Ja, in den vergangenen Monaten hatten sie häufig gestritten, wenn er bei Einsätzen ein zu großes Risiko eingegangen war und er hatte ihr eigentlich versprochen, vorsichtiger zu sein. Häufig war sie wütend auf ihn gewesen, wenn er sich selbst in Gefahr gebracht hatte. Doch nicht in ihren kühnsten Träumen wäre Katharina eingefallen, Markus in dieser Situation einen Vorwurf zu machen. Er musste schon genug ertragen und sie wollte es ihm keinesfalls noch schwerer machen, als es ohnehin schon war.
Im ersten Moment war die Bergretterin viel zu perplex, um eine Antwort geben zu können, und so dauerte es einige Sekunden, bevor sie sich wieder regte. Sekunden, die Markus wie Stunden vorkamen. Umso erleichterter war er, als sich Katharina langsam von ihrem Stuhl erhob, sanft mit ihren Fingern durch sein Haar strich und ihn zärtlich auf den Mund küsste.
„Es gibt nichts, wofür du um Verzeihung bitten müsstest. Und selbst wenn… dann habe ich dir schon längst verziehen“, flüsterte sie und legte ihre Stirn an seine Stirn, so dass sich ihre Nasenspitzen berührten.
Markus schloss erleichtert die Augen, sog ihren unvergleichlichen Duft ein und wünschte sich in diesem Moment nichts mehr, als diesen Augenblick festhalten zu können. Erneut fanden ihre Lippen zu einem innigen und hingebungsvollen Kuss zueinander. Wäre da nicht die störende Sauerstoffbrille, die Markus noch zur Unterstützung brauchte, dann wäre der Kuss wohl noch leidenschaftlicher ausgefallen.
Plötzlich durchbrach ein lautes Piepen die Stille und zerstörte die beinahe schon romantische Stimmung. Beide schreckten auf und Katharinas Blick fuhr ruckartig zum Überwachungsmonitor neben dem Bett. Der Puls von Markus war deutlich in die Höhe geschnellt, doch zur Erleichterung der Ärztin war er bereits wieder im Begriff zu sinken.
„Das ist jetzt aber nicht fair, dass es immer gleich bei mir piept, wenn wir uns mal etwas näher kommen“, stellte Markus trocken fest und schaffte es auf diese Weise, ein zaghaftes Lächeln in das Gesicht seiner Liebsten zu zaubern. Katharina strich ihm noch einmal sanft über die Wange und hauchte einen Kuss auf seine Stirn, bevor sie sich wieder auf dem Stuhl neben dem Bett niederließ.

Die beiden versanken noch für einen Moment im Blick ihres Gegenübers und die müden Augen von Markus blitzten für den Bruchteil einer Sekunde auf. Doch sein blasses und eingefallenes Gesicht zeugte gleichzeitig von den Strapazen der vergangenen Tage und die zahlreichen Kratzer, das große Pflaster an seiner rechten Schläfe und die Sauerstoffbrille ließen ihn krank und zerbrechlich aussehen.
Der Blick von Markus wanderte zu dem kleinen Schutzengel, der neben ihm auf dem Bett lag und der Anblick der hölzernen Figur erinnerte ihn an die Frage, die er Katharina ursprünglich hatte stellen wollen. In seine müden Augen kehrte augenblicklich auch ein Ausdruck von Angst zurück, der von Katharina nicht unbemerkt blieb.
„Was macht dich so nachdenklich?“, fragte sie sanft.
Markus überlegte krampfhaft, wie er das Chaos in seinem Kopf am besten in Worte fassen sollte und brauchte einen Moment, bevor er auf Katharinas Frage antworten konnte.
„Ich… ich weiß nicht, ob mir mein Gedächtnis da einen Streich spielt… aber…“, begann er stockend und hielt einen Moment inne. Wieder erschien ihm diese Erinnerung wie ein böser Traum. Ein gemeiner Streich seines Gehirns, der eigentlich nicht der Realität entsprechen konnte. Aber es half nichts – er brauchte Gewissheit. „Stimmt es… stimmt es, dass der leibliche Vater von Mia aufgetaucht ist?“
Erwartungsvoll blickte er seine Freundin an und hoffte inständig, nur ein irritiertes Kopfschütteln als Reaktion auf seine Frage zu erhalten. Doch stattdessen presste die Frau, die er über alles liebte, die Lippen aufeinander und nickte stumm. Resigniert schloss Markus die Augen und er hatte das Gefühl, als würde sein Herz für einen kurzen Moment aussetzen. Er hatte sich die Begegnung mit Lorenz König also nicht eingebildet – das wäre auch zu schön gewesen.
„Weiß die Mia schon davon?“, stellte er schließlich die Frage, die für ihn gerade die höchste Priorität besaß.
„Nein,… nein sie weiß noch nichts“, antwortete Katharina mit einem Kopfschütteln. „Ich habe in den letzten Tagen immer wieder überlegt, ob und wie ich es ihr sage, aber… aber ich glaube,… dass sie es von dir erfahren sollte.“
Markus nickte stumm. Der Bergretter wirkte gefasst, denn tief in seinem Inneren hatte er bereits gewusst, dass die Begegnung mit Lorenz König wirklich stattgefunden hatte… dass der leibliche Vater von Mia tatsächlich aufgetaucht war… und dass ihm diese Begegnung Angst gemacht hatte – und noch immer große Angst machte.
Katharina konnte beobachten, wie ihr Liebster seine Stirn in tiefe Falten legte. In seinen Augen erkannte sie die Sorge, die ihn erfüllte, und nur zu gerne würde sie ihm diese nehmen.
„Aber… wir müssen nichts überstürzen Markus“, erklärte sie deshalb schnell. „Wir haben etwas Zeit, denn Lorenz ist vorgestern wieder zurück nach Zürich gefahren. Emilie… hat ihm klar gemacht, dass jetzt gerade ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt dafür ist, Mia ihren leiblichen Vater vorzustellen.“
Markus signalisierte Katharina durch ein kurzes Kopfnicken, dass er verstanden hatte und ein wenig Erleichterung machte sich in ihm breit. Auch wenn er wusste, dass der Moment der Wahrheit irgendwann kommen würde, nahm die Tatsache, dass Lorenz König vorerst wieder abgereist war, ein wenig den Druck raus.
„Ich glaube, Mia sollte sich erst einmal von dem Schock erholen, dass du so schwer verunglückt bist“, versuchte Katharina zu erklären, wie die aktuelle Gefühlslage des Mädchens aussah. „In den letzten Tagen sind bei ihr die ganzen Erinnerungen an den Unfall von Carola wieder hochgekommen. Sie war unglaublich tapfer, aber es war nicht leicht für sie.“
Augenblicklich nahmen die Augen von Markus wieder einen feuchten Glanz an und er presste die Lippen fest aufeinander. Übermannt von Schuldgefühlen verfiel er fast in eine Art Schockstarre und fixierte dabei den kleinen Schutzengel mit starrem Blick. Was hatte er seiner Familie da nur angetan? Was hatte er Mia angetan? Was war er nur für ein Vater? Sein Mädchen sollte nicht schon wieder solche Ängste durchstehen müssen, wie damals beim Tod ihrer Mutter. Sie sollte unbeschwert aufwachsen, Kind sein dürfen und sich nicht fürchten müssen. Bei seinem risikoreichen Verhalten am Berg hatte er nicht an die möglichen Konsequenzen gedacht. Die Konsequenzen, die er selbst zu tragen hatte und die Konsequenzen für seine kleine Familie.
„Kannst du… Mia herholen?“, fragte er nach einigen Minuten des Schweigens mit kratziger Stimme und schaute Katharina dabei fest in die Augen.
„Mh ja, wenn du das möchtest“, antwortete die Bergretterin ein wenig unsicher und strich ihm liebevoll über die Hand. „Aber…meinst du…“
„Ich schaffe das!“, antwortete Markus entschlossen, bevor Katharina ihre Frage beenden konnte. „Ich will sie einfach nur sehen. Bitte!“
Katharina nickte verständnisvoll. Langsam erhob sich von ihrem Stuhl und küsste Markus innig. Sie wusste nicht, ob es tatsächlich eine gute Idee war, aber sie wollte und konnte ihm diesen Wunsch nicht abschlagen. Die Entschlossenheit in seinem Blick zeigte ihr, wie sehr er seine Tochter nun brauchte. Und sie wusste auch, wie sehr sich Mia danach sehnte, ihren Papa endlich wieder wach zu sehen. Also schenkte sie Markus noch ein liebevolles Lächeln und verließ dann das Zimmer in Richtung Kinderstation, um das Mädchen zu holen.


Zur selben Zeit in über 500 Kilometern Entfernung schlenderte Lorenz König am Ufer des Zürichsees entlang und genoss die Ruhe der Morgenstunden. Unter der Woche war zu dieser Zeit hier nicht viel los und das wollte er ausnutzen. Spiegelglatt lag der blaue See vor ihm und lediglich ein paar weiße Schwäne durchzogen das Wasser. Nachdenklich ließ er sich auf einer Bank nieder und sog die Sonnenstrahlen auf, die sich in diesem Moment durch die Wolken schoben.
Lorenz mochte sein neues Leben, ohne die Firma und ohne den ganzen Stress, den sein Beruf mit sich brachte. Finanziell war er gut aufgestellt und musste sich für die nächsten Jahre nicht sorgen. Doch etwas fehlte ihm, seit er seinen alten Job an den Nagel gehängt hatte. Er fühlte sich einsam. Natürlich hatte er ein paar Freunde in der Stadt, doch er sehnte sich nach Familie – nach einer Frau und Kindern.
Seine Gedanken kreisten an diesem Morgen, wie so häufig in den letzten Tagen, um Mia. Wie gerne würde er diesen Spaziergang gemeinsam mit seiner Tochter unternehmen, ihr die Stadt mit all den Lieblingsplätzen ihrer Mutter zeigen und einfach nur für sie da sein. Es war eine Entscheidung der Vernunft aber keinesfalls des Herzens gewesen, die Ramsau wieder zu verlassen – ohne Mia offenbart zu haben, dass er ihr Vater war. Doch je länger er wieder in Zürich war, desto stärker zog es ihn zurück in die Steiermark. Zu Mia… und zu Emilie.
Gedankenverloren beobachtete der dunkelhaarige Mann die wenigen Spaziergänger auf dem Weg, als eine kleine Familie ungewollt seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Eine hübsche blonde Frau mit Kinderwagen, ein kleines Mädchen auf ihrem rosafarbenen Laufrad, und ein junger Familienvater… im Rollstuhl. Lorenz musste schwer schlucken und dachte sogleich an Markus Kofler – an den Mann, dem Carola ihr Kind anvertraut hatte, und der mit schwersten Verletzungen auf der Intensivstation lag. Lorenz wusste zwar nicht, welche Verletzungen genau der Leiter der Bergrettung bei diesem Einsatz erlitten hatte, aber solch ein Sturz aus großer Höhe, wie ihn der Pilot Emilie beschrieben hatte, konnte schnell in einer Querschnittlähmung enden. Was war, wenn der Bergretter bleibende Schäden davontragen sollte? Was war, wenn ihm ein Leben im Rollstuhl bevorstand? Würde er sich um Mia kümmern können? Und war er dann noch der Vater, den Carola sich für ihre Tochter gewünscht hatte?
Immer mehr zweifelte Lorenz an der Richtigkeit seiner Entscheidung, zurück nach Zürich zu fahren und Mia in der Ramsau zurückzulassen. Ein Leben mit einem Vater, der ständig auf Hilfe angewiesen war? Das wollte er nicht für seine Tochter. Das wollte und das konnte er ihr nicht zumuten. Emilie hatte gesagt, dass jetzt der falsche Zeitpunkt war, um Mia kennenzulernen. Aber was war, wenn der Zeitpunkt genau der richtige war? Vielleicht war es Schicksal, dass er genau jetzt erfahren hatte, dass er eine Tochter hatte. Vielleicht hatte es ganz genau so sein sollen. Und vielleicht war es nun seine Aufgabe, Mia vor einem Leben voller Sorgen zu bewahren.
In diesem Moment traf Lorenz König eine Entscheidung: Morgen würde er zurück in die Ramsau fahren. Und dieses Mal, würde er sich nicht so einfach wieder wegschicken lassen.


***********

Ich verstecke mich dann mal...
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast