Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Sorgenschwer

von ElliG
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Emilie Hofer Katharina Strasser Lorenz König Markus Kofler Mia Steiner Simon Plattner
18.02.2020
08.04.2021
42
93.266
29
Alle Kapitel
336 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
01.04.2021 1.963
 
Guten Abend zusammen!
Es ist also wieder Donnerstag und damit gibt es ein neues Kapitel für euch. Zum Frühstück habe ich es leider nicht geschafft, aber so gibt es nun ein Betthupferl. Ich möchte mich ganz ganz herzlich für sagenhafte 13 Reviews seit dem letzten Kapitel bedanken. Wahnsinn! Nun sind es tatsächlich über 300 :) Drei neue Favoriteneinträge sind auch noch dazugekommen. DANKE!
In diesem Zusammenhang möchte ich mich der "flammenden Rede" von Katharina (dat snoew) vor dem letzten Kapitel ihrer Geschichte "Wenn ich bloß wüßte wie?!" anschließen. Bitte nehmt euch die Zeit, allen Autoren, deren Geschichten ihr lest, hin und wieder ein kurzes Feedback zu hinterlassen. Das tut auch nicht weh, man braucht keinen Account und kann einfach mit einem selbst gewählten Phantasienamen anonym eine kleine Nachricht hinterlassen. Das motiviert unglaublich, die Geschichte weiterzuschreiben und auch zu beenden.
Nun wünsche ich euch aber viel Spaß mit meinem heutigen Kapitel...

*************************

Die Sonne erhob sich gerade erst über die Gipfel des Dachsteinmassivs, als Katharina durch den Haupteingang der Klinik in Schladming ins Innere des Gebäudes ging. Der Weg zur Intensivstation war ihr mittlerweile mehr als vertraut und nur kurze Zeit später betrat sie das Zimmer von Markus. Der war bereits wach und blickte ihr mit ernstem Gesichtsausdruck entgegen. Zu gerne würde sie ihn wieder lächeln sehen, doch die Traurigkeit und der Schmerz in seinem Blick ließen vermuten, dass sich seine Stimmung im Vergleich zu gestern noch nicht verbessert hatte.
„Hey, guten Morgen mein Schatz. Hast du gut geschlafen?“, fragte Katharina trotzdem mit einem zaghaften Lächeln. Unsicherheit machte sich in ihr breit, als Markus sie weiterhin mit starrem Blick ansah und keine Reaktion auf ihre Frage zeigte. Zögerlich streckt sie den Arm aus und legte vorsichtig eine Hand an die Wange ihres Liebsten – und zu ihrem großen Schrecken drehte er den Kopf von ihr weg und blickte aus dem Fenster.
„Markus, was ist los?“, fragte die Bergretterin mit zittriger Stimme, erhielt jedoch erneut keine Antwort. Behutsam griff sie nach seiner Hand, mit der er unverändert den hölzernen Schutzengel festhielt. Als Markus sich nun auch gegen diese Berührung wehrte und seine Hand wegzog, ergriff Katharina die Panik. War das nun der Moment, vor dem sie sich so gefürchtet hatte? Der Moment, in dem Markus sich in sein Schneckenhaus zurückzog? Würde er sie nun wegstoßen – so wie er es damals, nach seinem Unfall in Peru, mit Lisa getan hatte?
Einen Moment lang saß sie bewegungslos neben dem Bett und hoffte, dass sie die Reaktion einfach nur falsch gedeutet hatte. Ihre Hoffnung wurde jedoch nur Sekunden später jäh zerschlagen.
„Geh bitte“, sagte Markus mit fester Stimme und schaute dabei aus dem Fenster auf die Berge.
Wie vom Blitz getroffen ließ sich die Bergretterin auf den Besucherstuhl fallen. Sie war zu geschockt, um irgendeine vernünftige Reaktion zeigen zu können, und realisierte nur sehr langsam, was hier gerade passierte. Die Erkenntnis, dass ihre größten Befürchtungen gerade wahr wurden, trieb ihr Tränen in die Augen. Zu gerne wollte sie in diesem Moment in die Augen von Markus sehen und darin erkennen, dass er sich selbst bei diesen Worten unsicher war – dass er das, was er soeben gesagt hatte, gar nicht wirklich wollte. Doch als Markus seinen Kopf wie in Zeitlupe wieder in ihre Richtung drehte, gefror ihr das Blut in den Adern. Die Entschlossenheit und Härte in seinem Blick schmerzten wie tausend Nadelstiche auf ihrer Haut.
„Ich habe gesagt du sollst gehen“, wiederholte er seine Aufforderung.
Katharina erschrak über die Kälte, die in seiner Stimme lag. Das war nicht ihr Markus. Das war nicht der Mann, den sie über alles liebte. Die innere Panik stieg ins Unermessliche und sie war nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen.
„Markus, bitte nicht“, flehte sie schließlich mit bebender Stimme. Doch der Bergretter wandte wieder nur seinen Blick ab und starrte aus dem Fenster.
„Markus? Das machst du nicht! Du schickst mich nicht weg, hörst du?“, startete sie erneut einen verzweifelten Versuch und war selbst erstaunt darüber, wie fest und entschlossen ihre Stimme nun klang. „Ich werde nicht zulassen, dass du dich nun in dein Schneckenhaus zurückziehst. So wie damals… in Peru. Du hast versprochen, dass du mich nie wieder alleine lässt. An Weihnachten… weiß du noch? Nachdem du mich aus der Gletscherspalte gezogen hast. Du hast es versprochen. Und Markus… wenn du mich jetzt wegschickst, dann machst du aber genau DAS. Dann lässt du mich alleine… und das ertrage ich nicht. Markus… bitte. Ich kann ohne dich nicht leben.“
Eine gespenstische Stille legte sich über den Raum und nur das monotone Piepen des Überwachungsmonitors war zu hören. Noch immer zeigte der Bergretter keine Reaktion und so erhob sich Katharina von ihrem Stuhl und umrundete das Bett. Sie wollte ihm ins Gesicht sehen, doch er schloss schnell seine Augen und entzog sich auf diese Weise ihrem flehenden Blick. Sie streckte ihre Hand aus, um Markus über die Wange zu streicheln – doch kurz bevor ihre Fingerspitzen ihn berührten, wurde sie wie von einer unsichtbaren Hand von ihrem Liebsten weggezogen. Sie entfernte sich immer weiter und konnte sich nicht gegen den Sog wehren, der an ihr zerrte. Das Bild verschwamm vor ihren Augen und machtlos musste sie mit ansehen, wie der Mann, den sie über alles liebte, immer kleiner wurde und schließlich aus ihrem Sichtfeld verschwand.
„Markus… nein…“, begann sie zu schreien. „Markus, lass mich nicht alleine. Markus…“


Schweißgebadet schreckt Katharina hoch und brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass sie sich nicht im Zimmer auf der Intensivstation in Schladming befand. Kerzengerade saß sie im Bett, dass sie nur Sekunden später als das Bett von Emilie identifizierte. Wie auf Kommando spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Sie drehte sich um und blickte in das besorgte Gesicht ihrer Freundin.
„Hey, alles ok?“, fragte diese vorsichtig.
Katharina war nicht in der Lage zu antworten und musste sich noch immer orientieren. Ein Blick in Richtung Fenster verriet ihr, dass es draußen stockfinster war. Es war also noch mitten in der Nacht und all das, was sie in den letzten Minuten erlebt hatte, war nur ein böser Traum gewesen. Zaghaft nickte sie, um die Frage von Emilie zu beantworten.
„Katharina, du hast gerade im Schlaf geredet. Du hast immer wieder nach Markus gerufen… und ihn angefleht, dass er dich nicht alleine lässt“, äußerte diese besorgt.
Die Bergretterin schluckte schwer und ließ sich wieder in die Kissen gleiten. Sie rollte sich auf der Seite zusammen und blickte ihrer Freundin in die Augen.
„Ich habe eine scheiß Angst, dass Markus genauso reagiert wie damals,… nach seinem Unfall in Peru“, erklärte Katharina mit zittriger Stimme.
Mehr Worte brauchte es in diesem Moment nicht, denn Emilie wusste sofort, worauf ihre Freundin anspielte. Auch sie war dabei gewesen, als Markus davon berichtet hatte, wie er Lisa verlassen und weggestoßen hatte. „Ich wollte das beste Leben für sie und das war von da ab… ohne mich.“ – das waren seine Worte gewesen, die ihr in diesem Moment wieder in den Kopf kamen. Es zeichnete Markus aus und ehrte ihn auch irgendwie, dass er stets an das Wohl seiner Mitmenschen dachte. Doch in diesem Fall würde eine solche Entscheidung mehr Leid verursachen, als dass sie seinem Umfeld Gutes tat.
„Hat er denn gestern sowas in der Art gesagt?“, fragte Emilie besorgt.
Katharina schüttelte energisch den Kopf.
„Nein,… nein das hat er zum Glück nicht. Aber ich habe gerade davon geträumt. Er hat mich weggeschickt. Er war so… so anders. So gefühlskalt und… und entschlossen.“
Beim Gedanken an den Ausdruck in seinen Augen, den sie im Traum gesehen hatte, musste sie schlucken.
„Katharina, ich habe zwar noch nicht mit Markus gesprochen, aber ich glaube nicht, dass er das noch einmal machen würde… dass er sich wieder so entscheiden würde wie damals. Die Situation ist eine völlig andere. Er liebt dich und die Mia über alles und er trägt eine große Verantwortung für euch beide, insbesondere aber für die Kleine“, versuchte Emilie die Situation einzuordnen, hatte jedoch nicht das Gefühl, dass ihre Worte Katharina erreichten. „Vielleicht hat er ja auch aus der damaligen Situation gelernt. Wer weiß, vielleicht hilft es ihm sogar, dass er schon einmal so schwer verunglückt und trotzdem wieder ganz gesund geworden ist.“
Katharina bewunderte den Optimismus ihrer Freundin und nickte ihr dankbar zu. Sie versuchte, ähnliche positive Gedanken zu entwickeln – merkte jedoch, wie viel Mühe ihr dies bereitete. Immer wieder tauchte der kalte und entschlossene Blick von Markus vor ihrem inneren Auge auf und jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Es war schwer, der negativen Gedankenspirale zu entkommen und wenn sie in diesem Moment nicht Emilie an ihrer Seite gehabt hätte, die ihr immer wieder beruhigend über den Oberarm strich, wäre sie wahrscheinlich durchgedreht. Es dauerte lange, bis sie die Müdigkeit wieder einholte und ihr langsam die Augen zufielen. Doch schließlich fand sie doch noch ein paar Stunden Schlaf, der traumlos und erholsam war.

Am nächsten Morgen wurde Katharina sanft durch die Sonnenstrahlen geweckt, die durch das kleine Fenster fielen. Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee strömte durchs Haus und wenn sie nicht alles täuschte, dann hatte Emilie sogar frische Brötchen gebacken. Die Bergretterin fühlte sich schon viel besser als am gestrigen Abend und merkte, dass sie ordentlich Appetit und Lust auf ein ausgiebiges Frühstück hatte. Trotzdem richtete sie sich nur ganz langsam auf und spürte dabei achtsam in ihren Körper hinein. Zu ihrer großen Erleichterung blieb der befürchtete Schwindel aus.
Bei der Erinnerung an die vergangene Nacht zog sich ihr Magen jedoch krampfhaft zusammen. Was wäre, wenn Markus heute tatsächlich so reagieren würde, wie in ihrem Traum? Was wäre, wenn er sie wegschickte? Schnell schob sie diese Gedanken wieder bei Seite und versuchte, die positiven Gedanken zuzulassen, die Emilie in der letzten Nacht ausgesprochen hatte. Zu gerne wollte sie daran glauben, dass alles anders werden würde als nach dem Unfall und Peru und dass ihr Liebster sie in dieser schweren Zeit an seiner Seite haben wollte. Gewissheit hätte sie aber wohl erst, wenn sie bei Markus war und mit ihm sprechen konnte – und so konnte sie es kaum erwarten, zu ihm ins Krankenhaus zu kommen. Schnell zog sie die Kleidung an, die über dem Stuhl neben dem Bett lag und machte sich im kleinen Badezimmer ein wenig frisch.
Wenige Minuten später stieg Katharina die Treppe hinab in die untere Etage, wo sie in der Küche freudig von Emilie und Franz begrüßt wurde.
„Guten Morgen! Wie geht’s dir?“, erkundigte sich Franz als erster und dabei lag noch immer eine große Portion Besorgnis in seiner Stimme.
„Schon viel besser“, versuchte die Bergretterin ihn zu beruhigen. Sie hatte beinahe ein schlechtes Gewissen, dass sie dem alten Mann gestern so einen Schrecken eingejagt hatte und konnte nur hoffen, dass sein Herz das alles gut weggesteckt hatte.
Das anschließende gemeinsame Frühstück und eine große Tasse schwarzer Kaffee verliehen Katharina nochmals neue Energie und die Gesellschaft der beiden anderen Hofbewohner tat ihr gut. Emilie ließ es sich nicht nehmen, ihrer Freundin auch gleich eine Brotzeit zuzubereiten, die sie hoffentlich gut durch den Tag bringen würde. Es sollte nicht noch einmal vorkommen, dass sie so stark unterzuckerte und der Kreislauf schlapp machte. Gott sei Dank war von dem starken Schwindel nichts mehr zu spüren, was sich insbesondere der immer noch besorgte Senior gleich mehrfach bestätigen ließ.
Gegen neun Uhr machte sich Katharina mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch auf den Weg in die Klinik und hoffte inständig, dass der Tag keine bösen Überraschungen für sie bereithielt.


*************************

Ich freue mich über eure Meinungen zu diesem Kapitel und eure Spekulationen, wie es weitergeht. Nächste Woche gibt's dann mehr von Markus ;)
Bis dahin wünsche ich euch erholsame Ostertage und wenn ihr Lust und Zeit habt, dann schaut doch gerne mal bei Tabula Rasa - Neubeginn? vorbei! Ich habe die Inhalte der beiden Geschichten so gestaltet, dass sie zusammenpassen und sich nicht widersprechen.

Viele Grüße
Elli
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast