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THREE CHEERS FOR SWEET DEATH 0.9: A Heart-Shaped Bruise

von Die Hand
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P12 / Gen
Deidara Kushina Uzumaki Minato Namikaze Naruto Uzumaki
17.02.2020
24.02.2021
18
9.702
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17.02.2020 1.958
 
Für jeden, der oder die einen schlechten Valentinstag hatte
Es könnte noch viel schlimmer sein


Deidara hasste es, ein Spielverderber zu sein. Doch er hasste es am Meisten, an Valentinstag ein Spielverderber zu sein.

Während er mit seinem Auto über kurvige Landstraßen fuhr, dachte er an die vergangenen Valentinstage zurück. Für ihn war dieser Tag immer einer von vielen gewesen- doch ironischerweise gelangte er immer an die Partner, die daraus ein großes Ding machten. Egal, ob Mann, Frau oder irgendwer, der sich nicht in diesen Wörtern wiederfinden konnte- jeder einzelne von ihnen machte um diesen Tag ein Drama, als ob sie nicht wüssten, dass sie Deidara auch an den anderen 364 Tagen des Jahres lieben dürften. Zwar zog er eher halbherzig bei diesem Hype mit, doch auch er konnte nicht abstreiten, dass er an manchen Valentinstagen sogar Spaß gehabt hatte.

Und jetzt ruinierte er zwei Liebenden und ihrem neugeborenen Kind diesen Spaß, indem er einen von ihnen sterben ließ.

Wobei „sterben ließ“ in diesem Falle übertrieben wäre. Als Todesengel war es nicht nur seine Pflicht, den Tod nicht nur als nicht gerecht anzusehen, sondern auch Seelen ins Totenreich zu geleiten, wo besagte Seelen darauf warten durften, wiedergeboren zu werden. Es war bei weitem nicht seine Schuld, dass die Menschen genau dann sterben mussten, wenn er seinen Auftritt hatte.

Während er schon an der fünften Jesus-Statue in dieser Gegend vorbeikam, schweiften seine Gedanken ab. Akatsuki ist nicht die einzige Gruppe von Todesengeln, die die Menschen ins Jenseits begleiten… Aber wer kümmert sich um die Tiere? Ich habe immer dann, wenn ich einen Blick auf die andere Seite werfen konnte,  auch Tiere gesehen. Gibt es etwa eine Todesengelbrigade, die nur aus nicht-menschlichen Tieren besteht? Oder sind wir Menschen etwa die einzigen Lebewesen, die Hilfe brauchen, die Welten zu wechseln?

Deidaras Wagen wurde von einem LKW überholt, der sich aufgrund der freien und mittlerweile geraden Fahrbahn keine Mühe machte, richtig schnell zu sein. Der Todesengel warf einen kurzen Blick auf den Anhänger- und aus dünnen, waagerechten Spalten starrten mehrere Schweine zurück.
Ich will nicht wissen, wie viel Arbeit die Schweine-Todesengel aufgrund der Schlachthäuser haben, dachte er, während er anfing, zu zittern. Sein Magen verkrampfte sich. Wenn sie die gesamte Menschheit nicht schon dafür hassen, dass sie kaum etwas dafür tu, um diesen Massenmord zu verhindern… Dann wird sich der Hass durch den ganzen Arbeitsaufwand noch vertiefen! Obwohl, ich frage ich, was Schweine tatsächlich von Menschen denken. Aber ich kann sie leider nicht fragen…

Als er noch jünger war, wollte er immer die Fähigkeit erlangen, mit Tieren zu reden- genau wie der Held einer Filmreihe, er immer gerne angesehen hatte. Dann, als er seine etwas kindlichere Fantasie gegen ein realistisches Weltbild eingetauscht hatte, wollte er unbedingt Tierarzt werden- doch ihm ekelte es sowohl vor Spritzen als auch vor Blut, also gab er diesen Traum auch auf.
Zum Glück wusste ich das vor dem Medizin-Studium… Ich will nicht wissen, wie es sich anfühlt, dies Tage vor dem Abschluss zu erfahren! Es gibt im Internet schon genügend Horror-Geschichten über Leute, die durch diese Erkenntnis ganz orientierungslos waren, da muss sich meine nicht noch dazu einreihen.

Er seufzte.
Ich kann froh sein, dass ich vor meiner Todesengelzeit eine vernünftige Ausbildung bekommen habe. Dabei hieß es doch immer, dass es für einen Hauptschüler ein Ding der Unmöglichkeit wäre, einen Beruf zu kommen, da sich die Betriebe bevorzugt nach Realschülern und Abiturienten umschauen… Ich will allerdings nicht wissen, wie schlimm es wäre, wenn in den USA nicht studiert hätte. Nicht nur wird man dort durch zahlreiche Slice-of-Life-Bücher und -Filme so gehirngewaschen, dass man das Studium an einem College als den einzig richtigen Weg ansieht- wenn man irgendwelchen Kommentaren im Internet glauben kann, hat man es viel schwieriger, einen vernünftig bezahlten Beruf zu finden, wenn man nicht studiert hat- die sagen also das gleiche, was meine Hauptschullehrer mir auch schon immer gesagt haben!

Plötzlich musste er an ein sehr schlechtes Buch denken, das er vor einiger Zeit gelesen hatte. Aber nicht immer muss man mit einem abgeschlossenen Studium auch einen Job  finden. Es muss sehr niederschmetternd sein, zu erkennen, dass der Arbeitsmarkt doch nicht so gut ist, wie es einem immer vorgeschwärmt wurde, und dass man auch nicht in der Anwaltskanzlei arbeiten kann, die man im Blick hatte, ist auch nicht besonders aufbauend- da konnte ich noch die drei Hauptcharaktere verstehen. Aber das Studium einfach so abzubrechen? Kurz vor dem Abschluss? Und dann noch illegal als Anwalt zu arbeiten? Ich weiß eher gesagt gar nicht, warum der Autor des Buches dies für eine gute Idee hielt oder was sich die Hauptcharaktere dabei gedacht haben- wahrscheinlich gar nichts. Besonders, da sie nie außerhalb der Stadt ihres Studiums arbeiten wollen… Zu schade, dass ich den Namen dieses Meisterwerkes an Scheißigkeit vergessen habe. Am Liebsten würde ich jetzt  im ganzen Internet vor ihm warnen- egal, ob auf Buchreview-, Porno- oder Drogenmarktseiten. Und selbst wenn ich den Namen noch kennen würde, ich habe jetzt wirklich wichtigeres zu tun!

Während er langsamer wurde, um auf eine kurvige Landstraße abzubiegen, verkrampfte sich sein Magen bei dem Gedanken, was in wenigen Stunden passieren würde. Arme Kushina. Neun Monate Schwangerschaft, mehrere Stunden Wehen und eine lebensgefährliche Fahrt nach Hause… Und das nur, um vier Tage nach der Geburt deines Sohnes sterben zu müssen!

Eigentlich hätte Kushina Uzumaki schon vor zwei Wochen sterben müssen- doch in dem Moment, in dem Deidaras Chef Obito erfuhr, dass die schwanger war, machte er von einem uralten Grundgesetz des Universums gebrauch:
Laut ihm hatte man insgesamt ein ganzes halbes Jahr Zeit, nach dem Todesterminvorschlag des Universums die Seele auch abzuholen, und diese Verlängerungen war in manchen Fällen auch bitter nötig, denn manchmal verschwanden Menschen einfach spurlos und Mitglieder einer Spezialeinheit aus Todesengeln mussten sie suchen. (Deidara selber war schon in seiner Tätigkeit als normaler Todesegel ausgelastet genug und er hoffte, dass er nie in eine Situation kommen musste, in der er nach einer entlaufenen Seele suchen musste.) Da die Todeskandidaten auch nur dann starben, wenn der ihnen zugewiesene Todesengel in der Nähe war, musste sich keiner Sorgen darum machen, in einer gefährlichen und illegalen Nacht-Und-Nebel-Aktion in irgendwelchen Gräbern herumwühlen zu müssen. Das hieß aber nicht, dass Todesengel und Todeskandidaten nicht auf einem Friedhof aufeinander treffen konnten… (Deidara wollte schon immer eine Menschenseele auf einem Friedhof einsammeln- tatsächlich hatte er jedoch nur einmal das Glück, das zehn Meter von einem Friedhof entfernt zu tun, da er überschätzt hatte, wie viel Zeit die Menschen tatsächlich an Gräbern verbrachten.)

Im Grunde tat sie ihm auch leid- doch es wurde mit der Zeit immer schwieriger, Mitleid zu fühlen, da es immer mehr von Hass und Genervtheit ersetzt wurde.
Hass auf das Universum, dem es egal war, wie die Menschen fühlten oder, wer den Tod oder das Leben verdiente. Auch, wenn Obito ihm immer wieder einredete, dass der Tod nicht gerecht wäre, konnte Deidara nie die Hoffnung aufgeben, dass es doch eine Art von Gerechtigkeit oder greifbare Logik gäbe, die ihm das ganze erklärte. Besonders in Fällen wie diesen konnte er das Ganze nicht nur als Arbeit ansehen, die es zu erledigen galt, sondern als tragische Wende des Schicksals.
Und Genervtheit aufgrund seiner Kollegen, die ihm immer dafür bemitleideten, dass er so etwas an Valentinstag tun musste. Er wusste doch, dass es schlimm war, warum mussten die anderen es ihm immer wieder vorkauen?

Im zwanzig Kilometer entfernten Algiz ahnte keiner, dass das Unheil bereits in der Gestalt eines attraktiven, blonden, leicht weiblich wirkenden Mannes ahnte. Dort kümmerte sich der ebenfalls attraktive, blonde Minato gerade um ein Problem, das sich Windeln nannte.

„Weißt du, was schade ist?“, murmelte er genervt.
„Dass die Kinder nicht mit der Fähigkeit, zu reden und auf Klo zu kommen, auf die Welt kommen können. Das würde mir so einiges an Drama sparen…“
„Bist du immer noch wütend, weil er dich gestern beim Windelnwechseln angepinkelt hat?“, frage Kushina, die auf einem Hocker neben dem Wickeltisch saß, ausweichend.
„Das Problem ist nicht, dass er sich nicht zurückhalten konnte“, betonte er, „sondern, dass er dabei noch gelacht hat! Ich hoffe, ich war als Kind nicht auch so schadenfroh… Und sag bitte nicht, dass er nur ein Baby wäre. Das macht es irgendwie noch schlimmer, weil die Antwort…“
„…nur um den heißen Brei herumredet, ich weiß. Um ehrlich zu sein… Manchmal glaube ich, du willst nicht wahrhaben, dass auch Kinder fies sein können, obwohl es sich irgendwie falsch anfühlt, Naruto so zu nennen. Du… Du weißt ganz genau, dass ich schon in der Grundschule wegen meiner roten Haare gemobbt wurde, da du mich schon ein paar Mal von einigen durchgeknallten Mobbern retten musstest, die echt nicht mussten, wann genug war. Und trotz allem scheinst du immer noch Probleme damit zu haben, zu erkennen, dass nicht jeder, besonders Kinder, auf irgendeine Weise herzensgut ist!“„Wer nur an das Schlechte im Menschen glaubt, wird die Welt nicht verändern können. Oder: Wer nicht bereit ist, an ein höheres Ziel zu glauben, wird nichts ändern können. Deutschland wäre schon lange klimaneutral…“
„Ich weiß, der Klimawandel ist ein Problem, aber musst du jedes Mal auf ihn hinweisen, wenn du so eine Rede schwingst? Sogar Greta Thunberg wäre von deinen ständigen Aufforderungen, etwas zu tun, und deinen ständigen Kritiken an der heutigen Konsumkultur genervt!“
„…Wann hast du noch einmal deinen Namen ändern lassen?“, witzelte er, während er Narutos Hose hochzog. „Ich muss dann mal aber echt los. Mein Bericht schreibt sich wirklich nicht von selbst, so gerne ich das auch hätte!“
„Was für einen Artikel musst du denn heute schreiben?“, fragte sie, während sie ihren leicht schläfrigen Jungen an sich drückte.
„Es geht dieses Mal um die Auswirkungen von Your Name auf die Popkultur dieses Landes. Zwar muss ich diesen Artikel erst in wenigen Monaten abgeben, aber ich habe mir dieses Jahr bekannterweise vorgenommen, weniger zu prokrastinieren, deshalb muss ich jetzt schon fleißig an die Arbeit!“
„Obwohl du diesen Film nicht mochtest, schreibst du über ihn.“„Irgendwie muss ich uns drei doch durchfüttern. Naja, unwichtig. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es sehr wichtig ist, dass ich heute nicht wirklich viel schreibe… Bist du dir sicher, dass du nicht krank bist? Oder es bald wirst? Ich kann das Gefühl nicht abschütteln, dass ich mich bald ganz allein um unseren kleinen Buben kümmern muss…“
„Wenn ich krank wäre, hättest du es doch schon lange bemerkt oder ich hätte es dir zumindest gesagt… Aber mach dir keine Sorgen um mich! Mein Immunsystem ist so gut, dass ich den Rest meines Lebens krankheitslos überstehen werde. Eigentlich solltest du dich mehr um den Bus sorgen, den du gleich erwischen wolltest!“
„Ach, verdammt!“
„Nutz dieses Wort bitte nicht vor Naruto!“
„Keine Sorge, Süße“, rief er scherzhaft, während er schnell aus dem Haus rannte, „ich werde in seiner Nähe nie wieder ‚ach‘ sagen!“
Später wird er sich dafür verfluchen, dass seine letzten Worte an sie so bedeutungslos und unwichtig wirkten.

Kaum hatte Kushina ihren Sohn in seine Wiege gelegt, klingelte es schon unten an der Haustür. Sie seufzte, als Naruto anfing, zu weinen.
„Mach dir keine Sorgen! Das wird wahrscheinlich nur dein Vater sein, der irgendetwas vergessen hat.“

Verstohlen sah sich Deidara vor der Haustür um. Um sicher vor überneugierigen Nachbarn zu sein, hatte er seine Fähigkeiten als Todesengel genutzt, um sich unsichtbar zu machen- außerdem hatte er vier Straßen weiter geparkt. Da er aber nicht wirklich sehr gut darin war, unsichtbar zu bleiben, konnte es leider sehr gut sein, dass er wieder sichtbar wurde, ohne es zu merken. Er strich sich gedankenlos über das Haar- genau in diesem Moment öffnete Kushina die Tür. Sie sah schockiert in seine Richtung, dann brach sie zusammen.

Deidara seufzte, dann griff er nach kurzem Zögern nach ihrer Hand und nahm ihre Seele an sich…
 
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