Tötet Valentin... oder Shinya!

OneshotHumor, Romanze / P16 Slash
Guren Ichinose Mito Jujo Norito Goshi Sayuri Hanayori Shigure Yukimi Shinya Hīragi
14.02.2020
14.02.2020
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Valentinstag.
Wer hatte sich so einen blöden Tag nur ausgedacht? Die Person gehörte erschlagen, erschossen, erstochen, erhängt und geköpft, mindestens.
Und das alles unter Folter. Qualvoller und unbeschreiblich grausamer Folter!
Wahrscheinlich war ich nicht der Einzige, der so dachte, immerhin kannte ich keinen Valentin. Schienen schon alle getötet worden zu sein.
Ein Glück.
Aber trotzdem feierten wir immer noch den Valentinstag. Schien die Ermordung der Valentine wohl nicht geholfen zu haben...
„Meister Guren?“, tippte mir Sayuri auf die Schulter und lächelte mich an, „Alles in Ordnung?“
„Ja, natürlich“, winkte ich ab, nicht, dass sie noch auf die Idee kam, mich noch weiter nerven zu wollen, „Ich muss nur noch einmal kurz weg.“
„Oh, wohin denn?“
Das war eine sehr gute Frage. Wohin konnte ich gehen, damit sie und Shigure mir nicht folgten?
„Trainieren.“
„Heute? Aber...“
„Ja, heute!“, unterbrach ich sie, „Ich kann es mir nicht erlauben, mein Training zu vernachlässigen.“
„Natürlich, nicht“, stimmte sie mir zu und lächelte mich an. Ich mochte es nicht, wenn sie mich so anlächelte.
„Hör auf damit!“, herrschte ich sie genervt an und erhob mich. Bloß schnell weg hier.
„Womit?“, fragte sie mich unschuldig und verstärkte ihren versucht lieblichen, widerlichen Blick noch einmal. So ein blödes, nerviges Biest!
„Mich so anzusehen. Du siehst aus, als hättest du bei deinem letztem Kampf einen ernsthaften Gehirnschaden erlitten.“
Bevor sie mich noch weiter belästigen konnte, ließ ich sie einfach stehen und stürmte aus der Wohnung.

Erst draußen vor dem Haus, blieb ich einmal kurz stehen. Es regnete in Strömen, ganz wunderbar. Dieser blöde Tag wurde einfach nicht besser.
Genervt stapfte ich um die nächste Hausecke, nicht, dass Sayuri mir doch noch folgte.
Valentinstag sollte echt… ich lief frontal in jemanden hinein und geriet ins Stolpern.
Ich hätte mich zwar problemlos auf den Beinen halten können, allerdings fingen mich zwei Arme auf, was mich überraschte und noch mehr ins Straucheln brachte.
„Ich wusste gar nicht, dass du so romantisch veranlagt bist und mir direkt am Valentinstag in die Arme fliegst“, lachte Shinya gut gelaunt… ausgerechnet dieser blöde Hiragi! Der hatte mir heute wirklich noch gefehlt. Wieso tauchte der Kerl auch ständig da auf, wo ich gerade war?
„Nimm deine Hände von mir oder ich schneide sie dir ab“, funkelte ich ihn an, befreite mich aus seiner Umklammerung und brachte genügend Abstand zwischen uns.
„Du gehst ja ganz schön ran, Guren“, wackelte Shinya mit den Augenbrauen, „Da stehe ich total drauf, dass wird ja immer romantischer hier.“
„Das ist nicht romantisch, du Idiot“, fuhr ich ihn an und setzte meinen Weg, wohin auch immer, fort.
Natürlich ließ er mich nicht Ruhe oder verstarb spontan, nein, er folgte mir, ganz so, als hätte ich ihn dazu aufgefordert.
„War es nicht?“, fragte er mich lachend, „Das überrascht mich jetzt aber. Ich dachte, dass wäre genau dein Geschmack in Romantik.“

„Ganz sicher nicht! Was findest du denn romantisch?“, fragte ich Shinya genervt und trat mit meinem Stiefel gegen eine billige Plastikrose, die anscheinend irgendwer verloren hatte. Vielleicht war sie auch mutwillig weggeschmissen worden. Sehr wahrscheinlich war sie das...
„Töten“, grinste Shinya mich an, „Wir könnten ja jemanden töten.“
„Und wen?“, fragte ich, trat ein weiteres Mal gegen diese widerliche Plastikblume, die sich daraufhin in meinem Schnürsenkel verfing und nun ekelerregend an meinem Schuh baumelte.
„Zu erst einmal solltest du deinen Schmuck ab machen, ansonsten wird dich niemand ernst nehmen“, grinste er mich an, bückte sich und befreite mich von dem Plastikteil. Manchmal war er netter, als er aussah...
„Bitte schön, schenke ich dir“, lachte er, während er immer noch vor mir kniete und hielt mir die Rose entgegen.
...und manchmal noch bescheuerter, als er aussah.
„Danke, du kannst sie behalten.“
„Du gibst mir eine Abfuhr? Und das am Valentinstag? Schande über dich, Guren! Wie kannst du nur mein Herz brechen, wo ich so romantisch vor dir knie?“
„Erstens hast du kein Herz, dass ich brechen könnte, und zweitens fandest du eben noch töten romantisch.“
„Erstens hast du Recht, und zweitens auch“, stimmte er mir grinsend zu, „Gut, dann werde ich dich wohl töten, damit ich noch zu ein bisschen Romantik heute komme.“
„Und wer bekommt dann diese wunderbar scheußliche Plastikrose?“
„Mist“, seufzte er theatralisch, „Dann werde ich dich wohl doch nicht töten können. Jetzt nimm das wunderschöne Blümchen endlich, der Boden ist kalt.“
„Selber Schuld, du hast dich ja einfach so vor mich gekniet.“
„Unglaublich, wie unsensibel du bist“, streckte er mir die Zunge raus, drückte mir einfach die Rose in die Hand und stand auf, „Da du nun meine Blume, die ich dir bei einen Kniefall gegeben habe, angenommen hast...sind wir jetzt verlobt?“
„Nur über meine Leiche“, zischte ich, „Eher bringe ich dich um, du Idiot.“
„Unerhört! Ich lasse mich scheiden.“
„Du kannst dich nicht scheiden lassen, da wir nicht verheiratet sind.“
„Dann löse ich eben unsere Verlobung“, warf er beinahe filmreif die Arme nach oben, nur sein verschmitztes Grinsen wollte nicht ganz zu seinem gespielten Drama passen.
„Zum Glück“, sagte ich trocken und wollte schon weitergehen, als er mich am Arm packte. Er wollte heute wohl noch ganz dringend sterben.
„Ha! Du gibst also zu, dass wir verlobt sind?“
„Nein, sind wir nicht, du hast sie aufgelöst, schon vergessen?“
„Nein, habe ich nicht, ich wollte nur noch mal hören, das du die Verlobung akzeptiert hattest.“, lachte er vergnügt, „Da verbringe ich den Tag der Liebe also mit meinem Ex-Verlobten, dass ist fast so romantisch, wie jemanden töten.“
„Fühlt sich auch fast gleich an, die reinste Folter.“
„Du trägst dein Herz mal wieder auf der Zunge, da weiß ich gleich wieder, warum ich dich heiraten wollte.“
„Wann wolltest du mich heiraten?“
„Als ich dir eben so romantisch den Antrag gemacht habe, wann denn sonst?“, fragte er mich lachend und schien bester Laune zu sein.

„Du bist echt gestört“, sagte ich genervt und versuchte den Drang herunter zu kämpfen, nach meinem Schwert zu greifen und ihn zu köpfen…warum eigentlich? Tod würde er mir wesentlich besser gefallen...
„Du bist gestörter als ich.“
„Ich denke kaum, dass das möglich ist.“
„Doch. Du findest es gestört, wenn dich jemand heiraten will, aber du findest es anscheinend ganz normal, wenn jemand töten romantisch findet.“
„Dich zu töten wäre wirklich romantisch.“
„Wir sollten wirklich heiraten, die Ehen, in denen man sich gegenseitig umbringen möchte, sind die Besten.“, grinste Shinya verschmitzt und wackelte schon wieder so widerwärtig mit den Augenbrauen.
„Wir wollen das nicht nur, wir werden uns irgendwann gegenseitig umbringen.“
„Ich kann es kaum erwarten, es wird so...
„...Romantisch werden.“
„Genau.“
„Wunderbar. Genau so habe ich mir meine Zukunft immer vorgestellt.“
„Wusste ich es doch, das du dir vorstellst mich zu heiraten.“, griff er sich überschwänglich ans Herz und legte mir seine andere Hand auf die Schulter.
„Eigentlich stelle ich mir nur eine Zukunft vor, in der ich dich irgendwann umbringen werde.“
Ich schüttelte seine Hand ruppig von meiner Schulter und ging einen Schritt schneller. Leider verstand Shinya diesen Hinweis von mir, dass er mich in Ruhe lassen und endlich verschwinden sollte, nicht.
„Weil du ein sehr romantischer Typ bist, ich habe es immer geahnt.“
„Vergisst du da nicht etwas?“
„Was denn?“
Du bist derjenige der töten für etwas romantisches hält.“
„Stimmt, du bist ja nur der, der findet, dass wenn jemand findet, das Töten romantisch ist, dass normal ist.“
„Ich bin mit dir befreundet, dass sagt doch schon alles.“
„Das du dich nur mit dem Besten abgibst?“
„Eher, dass ich doch gestörter bin, als mir bewusst ist.“, rieb ich mir genervt über die Nasenwurzel.
„Ich finde dich nur ein kleines bisschen gestört, falls es dich tröstet. Nur diese Plastikblume, die du immer noch so krampfhaft festhält...“
„...Lass meine wunderbar hässliche Plastikrose aus dem Spiel.“
„Magst du sie also doch? Oder erinnert sie dich an schöne Zeiten, als wir beide noch verlobt waren zum Beispiel?“
„Diese Zeit war die schlimmste in meinem Leben. Aber die Rose ist praktisch. In dem Plastikstiel ist ein ziemlich harter Draht, den kann ich jemanden ins Auge stechen...“
„...Mir gefällt deine Art zu denken...“
„...Vorzugsweise dir.“
„Sehr schön. Du willst mir also mit einer Plastikblume ein Auge ausstechen?“
„Beide Augen.“
„Und da sag du nochmal, du bist nicht romantisch. Es knistert doch gerade ganz schön zwischen uns.“
„Ich spüre es auch“, sagte ich ernst, blieb stehen und sah mich um, „Irgendwas liegt in der Luft.“
„Liebe?“, grinste Shinya, blieb dann aber ebenfalls stehen und musterte genauestens die Umgebung.

Wir hatten sogar beide für einen Moment aufgehört zu atmen, ich umklammerte immer fester die Plastikrose vor Anspannung, während wir uns instinktiv dichter nebeneinander stellten.
„Vampire?“, fragte Shinya leise und versuchte in der Luft um uns herum, nach einer Antwort zu suchen.
„Nein, viel schlimmer“, grummelte ich, drehte mich blitzschnell um und ließ die Plastikrose hervor schnellen.
Nur einen Millimeter vor Goshis‘ Auge hielt ich inne.

„Na, wenn das mal keine nette Begrüßung ist“, lachte er gut gelaunt, trat dann allerdings einen Schritt zurück, nachdem ich keine Anstalten machte, den Plastikstiel zurück zu ziehen.
„Was willst du hier?“
Ich eigentlich gar nichts und was treibt euch bei diesem Wetter nach draußen?“
Der Selbsterhaltungstrieb.
Ich war vor Goshi, Mito, Sayuri und Shigure geflohen. Eigentlich auch vor Shinya, aber das hatte ja nicht geklappt.
Keine Ahnung wie der Kerl das immer wieder schaffte, er fand mich überall.
„Verzieh dich wieder, bevor noch...“
„Ach, du hast sie gefunden!“, rief Mito da auch schon gut gelaunt und kam auf uns zu gelaufen.
Mir blieb heute aber auch nichts erspart.
„Wieso schreist du nicht noch lauter? Es hat vielleicht noch nicht jeder gehört, das ihr uns gefunden habt“, seufzte ich genervt.
„Ich wusste nicht, das ihr alleine sein wolltet“, zuckte Goshi gut gelaunt die Schulten.
„Doch, wollen wir aber“, sagte Shinya unschuldig lächelnd, „Immerhin haben Guren und ich eine besondere Beziehung.“
„Meister Guren!“, kam Sayuri angestürmt und blieb atemlos vor mir stehen, „Bei diesem Wetter solltet ihr wirklich nicht draußen sein, und dann habt ihr noch nicht mal einen Regenschirm dabei!“
Wunderbar...wirklich.
Und wo Sayuri war, war auch Shigure nicht weit.
„Kann man nicht einmal, nur einen Tag mal, seine Ruhe haben?“, fragte ich genervt. Es hatte schon seinen Grund, warum ich eigentlich alleine los gegangen war.
„Aber heute ist doch Valentinstag“, grinste Sayuri mich an und ihre Wangen verfärbten sich leicht rosa, „Den Tag verbringt man doch mit der Person, die man besonders mag.“
„Genau deswegen waren Guren und ich ja ohne euch unterwegs, weil wir uns eben ganz schrecklich lieb haben und ich ihm sogar diese wunderschöne Plastikrose geschenkt habe“, deutete Shinya gut gelaunt auf meine Plastikblume.
„Lass endlich meine Blume aus dem Spiel, ich hatte dir schon erklärt, das sie von großem Nutzen ist!“
„Wie konnte ich das nur vergessen, entschuldige Liebling, deine ganzen romantischen Gefühle, als wir eben heiraten wollten.“
„Ei, Ei, Ei, was seh‘ ich da, ein verliebtes Ehepaar, noch ein Kuss, da...“
„Noch ein Wort, Goshi...“, unterbrach ich ihn, hatte einen Schritt auf in zugemacht und hielt den Stiel der Plastikrose so dicht an sein Auge, das sie wahrscheinlich schon leicht über seinen Augapfel kratzte, „...und ich spieße dein Auge auf.“
„Ich hab nichts gesagt“, grinste er und ging vollkommen unbeeindruckt erneut einen Schritt nach hinten.
„Warum nennt er dich eigentlich Liebling?“, fragte Mito und warf einen aufmerksamen Blick auf Shinya und mich.
Wahrscheinlich wollte sie herausfinden, ob wir vorgehabt hatten, uns gegenseitig zu töten.
Und wie wir das vorgehabt hatten!
„Ja, warum eigentlich?“, fragte ich Shinya scharf und verengte meine Augen.
„Petze!“, grinste er Mito an, „Er hatte es so schön überhört, dass wäre meine Gelegenheit gewesen, ihn ewig damit zu nerven.“
„Kannst du ja immer noch“, lachte Goshi, ging aber sicherheitshalber auf etwas mehr Abstand zu mir.
„Werde ich auch“, sagte Shinya vergnügt, „Nur ob ich ihn jemals küssen werde...ich denke nicht.“
Er zwinkerte Goshi zu, drehte sich um, legte einen Arm um Sayuri und schien nun sie, mit seiner Anwesenheit, in den Wahnsinn treiben zu wollen.

So sehr sie mich manchmal, oder eher oft, sehr oft, auch nervte, aber gerade tat sie mit sogar etwas Leid.
"Wartet ihr auf mich?"
Aha, da war Shigure also. Beinahe hätte ich sie in diesem Teufelskreis schon vermisst.
„Aber sicher doch“, drehte Shinya seinen Kopf etwas zu uns um, so weit, dass er mich belustigt anfunkeln konnte, und es sah so aus, als ob er Sayuri noch etwas fester umarmte.
„Hiragi“, murmele ich wütend und warf die Rose auf ihn.
Bei allen anderen wäre sie wahrscheinlich tödlich gewesen, doch Shinya fing sie knapp vor seinem rechten Augen ab.
Wenn ich gekonnt hätte, dann hätte ich ihn auf der Stelle mit meinen Blicken getötet.
Auch in seinen Augen funkelte die pure Mordlust.
„Da liegt eindeutig was in der Luft“, stieß Goshi einen Pfiff aus.
Shinya und ich mussten beide kurz schmunzeln bei Goshis‘ Worten, bevor wir unsere Blicke voneinander lösten.

Und wie da was in der Luft lag. Es knisterte regelrecht, ich konnte es sogar körperlich beinahe spüren. Zwischen Shinya und mir gab es etwas. Etwas schönes und berauschendes, etwas romantisches... die stille Übereinkunft, dass wir uns eines Tages gegenseitig töten würden.
Und diesen Tag konnte ich kaum erwarten.

„Es ist ja schon ein bisschen gruselig, wenn Guren lächelt, oder?“, sagte Mito leise zu Goshi und beide grinsten sich an.
„Vielleicht hat er ja mittlerweile die Bedeutung von Valentinstag verstanden?“, schmunzelte er, „Komm her, Shigure! Wir wollen alle den Tag gemeinsam verbringen.“

Vielleicht hatte Goshi Recht, und vielleicht, ganz vielleicht, war der Tag, Valentinstag, doch gar nicht so fürchterlich.
Es war ein Tag, den man mit den Menschen verbrachte, die man mochte.
Oder in meinem Fall, Menschen die man zumindest mehr mochte, als den Rest ... weniger hasste und verabscheute.
Freunde.
Das waren sie alle irgendwie. So ähnlich, wie bei einer Familie. Die konnte man sich ja auch nicht aussuchen und ich hatte mir diesen Trümmerhaufen auch nicht ausgesucht.
Aber wir waren immerhin so etwas wie eine Einheit, die Elite, die Besten. Ich vertraute ihnen und eigentlich verbrachte ich meine Zeit sogar gerne mit ihnen. Zumindest manchmal ... ganz selten.
Und irgendwann, eines schönen Tages, würde ich die Hälfte von ihnen töten, allen voran Shinya.
Nicht gerade an Valentinstag, denn den Sinn dieses Tages hatte ich nun verstanden, aber mir blieben ja noch alle anderen Tage des Jahres um meine Phantasie wahr werden zu lassen...