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Even for me life had its gleams of sunshine

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Anne Shirley/Blythe Diana Barry Gilbert Blythe
14.02.2020
07.09.2020
3
4.592
13
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
07.09.2020 1.101
 
Ees ist nicht viel. Aber vielleicht kommt demnächst noch ein bisschen mehr. Wir werden sehen :)

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„Ich bin jetzt eine Dame!“ sagte Mini May und rümpfte die Nase, als sie Anne die Tür öffnete. Die Rothaarige deutete einen Knicks an. „Ist denn Ihre Schwester hier?“ fragte sie und versuchte, sich die Niedergeschlagenheit vor dem kleinen Mädchen nicht anmerken zu lassen. Mini May rümpfte die Nase noch ein bisschen mehr und sah ihrer Mutter dabei erschreckend ähnlich. „Wir sind nicht vorbereitet für Besuch.“ „Mini May!“ ertönte Dianas Stimme aus dem Inneren des Hauses und die kleine Dame zuckte vor Schreck zusammen. Sie drehte sich mit grimmigem Blick um und fauchte: „Es ist nur Anne!“ Nur Anne. Das schien die ganze Welt so zu sehen. Nur Anne. Diana trat neben ihre kleine Schwester und beim Anblick ihrer besten Freundin war sofort klar, was passiert sein musste. Sie drängte Mini May zur Seite, griff nach ihrem Hut und schlüpfte nach draußen. „Aber“, setzte Mini May an, kam aber nicht weit weil Diana ihr unwirsch das Wort abschnitt: „Sag Mutter ich bin zum Abendessen zurück.“

„Er hatte wahrscheinlich wirklich zu viel zu tun. Das hatten wir doch ohnehin schon befürchtet“, sagte Diana und hakte sich bei Anne unter. Die Shirley-Cuthbert seufzte. Kein aufgesetztes, überdramatisches Seufzen – sondern ein echtes. Ein Seufzen aus tiefster Seele. „Ich habe trotzdem gehofft“, gab sie zu. In ihren Augen brannten Tränen, die sie auf keinen Fall vergießen wollte. Obwohl sie jetzt zu vergießen, zweifelsohne besser gewesen wäre, als sie heimlich des nachts zu weinen. Sie hatte genau gehört, dass Matthew vor ihrer Zimmertür gestanden hatte. Vermutlich unsicher, ob er hineinkommen sollte oder nicht. Er hatte es nicht getan und Anne war gleichermaßen enttäuscht und glücklich darüber gewesen. Dabei war es doch Matthew, der die Enttäuschung der Liebe ebenso gut kannte.

Diana sah sie von der Seite her an. „Schreib ihm. Schreib ihm und ich wette er wird sofort seine Koffer packen und alles liegen lassen, nur um dein Herz zu schonen.“ Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht. So breit, dass Anne trotz all der Traurigkeit ebenfalls lächeln musste. Doch sie schüttelte den Kopf. „Nein. Es ist sein Traum Arzt zu werden. Er hat schon meinetwegen Paris aufgegeben – und Winnie.“ Diana rollte die Augen. „Er hat sie nicht deinetwegen aufgegeben. Er hat sie seinetwegen aufgegeben. Er hat sie nicht geliebt. Niemand sollte jemanden heiraten, den er nicht liebt. Das wäre Winniefred gegenüber nicht fair gewesen und er hätte ebenso wenig glücklich werden können.“ Ein dünner Zweig streifte Anne am Arm – sie gingen den Waldweg entlang, der Jahrelang ihr gemeinsamer Schulweg gewesen war. „Weißt du noch, als wir dachten, die Bäume wären Geister?“ fragte Anne und ließ den Blick über die Baumkronen schweifen. Sie wollte nicht länger über Winniefred und Gilbert sprechen. Diana folgte ihrem Blick und schauderte. „Wochenlang hatte ich Angst, diesen Weg allein zu laufen.“

Ein Knacken irgendwo in der Ferne ließ die beiden Mädchen erschrocken innehalten. „Hast du das gehört?“ fragte Diana flüsternd. Ein Windhauch strich durch die Blätter und sie lauschten angestrengt in die ungewöhnliche Stille des Waldes. Wieso zwitscherten keine Vögel? Ein erneutes Knacken ließ sie zusammenzucken. Diana klammerte sich fester an Annes Arm. „Als hätten die Geister nur darauf gewartet, dass wir uns an sie erinnern“, raunte Anne und erschauderte beim Klang ihrer eigenen Stimme. „Hör auf damit“, flüsterte Diana zurück, „Lass uns gehen.“ Entschlossen zog sie Anne mit sich und beschleunigte ihre Schritte, um dem Wald möglichst schnell zu entkommen. Der Weg machte eine ausladende Kurve und sie folgten ihm. Immer wieder warf eine der Beiden einen flüchtigen Blick über die Schulter, um sicher zu gehen, dass niemand sie verfolgte. Fast wären sie mit Jerry zusammengestoßen, der ebenfalls hastig aus einem Seitenweg bog. Diana schrie vor Schreck auf, doch Anne atmete erleichtert auf. Sicher hatten sie nur ihn gehört.

„Jerry!“ strahlte sie. Erst als seinen Blick zu Diana bemerkte, wurde ihr klar, dass sie vermutlich die einzige war, die sich über diese Begegnung freute. Die Anspannung war beinahe greifbar in der Luft. Ihre beste Freundin vermied den Blick zu dem Jungen und starrte angestrengt auf ihre Schuhe. Jerry jedoch sah Diana so sehnsüchtig an, dass selbst Annes Herz zu zerspringen drohte. „Alles in Ordnung? Wohin gehst du?“ fragte sie den Jungen, der aus seiner Trance erwachte. Er richtete die dunkelbraunen Augen auf sie und zwang sich zu einem Lächeln. „Nach Hause“, sagte er, „Meine Mutter ist krank, deshalb hat Matthew mir freigegeben, damit ich mich um meine kleinen Schwestern kümmern kann.“ Jerry hatte unglaublich viele Geschwister. Anne hatte sich oft gefragt, wie es war, in einer so großen Familie aufzuwachsen. Immer jemanden um sich zu haben, der einen liebt. Im Waisenhaus waren immer andere Kinder um sie herum gewesen – nur geliebt hatte sie dort keiner. „Sollen wir helfen?“ fragte sie und drückte leicht Dianas Arm, die zögerlich aufsah. Jerry warf der Brünette einen flüchtigen Blick zu und schüttelte dann hastig den Kopf. „Nein, nicht nötig, Danke. Ich muss los. Bis später, Anne!“

Diana und Anne blieben stehen, bis Jerry zwischen den Bäumen verschwunden war und auch seine Schritte von der Stille des Waldes verschluckt worden waren. „Er tut mir so leid“, flüsterte Diana und nun war sie es, die den Tränen nahe war. „Du solltest ihm das sagen“, erwiderte Anne, als ihre beste Freundin den Kopf an ihre Schulter lehnte und seufzte. „Egal was ich sage – ich werde es nie wieder gutmachen können.“ „Blödsinn!“ widersprach die Rothaarige heftig, „Man kann alles wieder Gut machen.“ Diana schüttelte resigniert den Kopf. Ohne Vorwarnung blieb Anne stehen und zwang auch ihre Busenfreundin dazu. „Mit was könnte man Jerry eine Freude machen?“ fragte sie nachdenklich und überlegte fieberhaft. Ihr Gegenüber schüttelte erneut den Kopf und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich bin einfach froh, wenn wir wieder in der Stadt sind. Dort werde ich ihm auf jeden Fall nicht über den Weg laufen.“ „Diana!“ rief Anne vorwurfsvoll aus. Sie konnte nicht fassen, dass ihre Freundin diesem Konflikt noch immer lieber aus dem Weg gehen wollte, als ihn endlich zu lösen! Schon damals hatten sie sich deshalb gestritten – und noch immer konnte sie nicht fassen, dass Diana bereit war, Jerry einfach so links liegen zu lassen.

„Schreib ihm, dass es dir leidtut. Entschuldige dich und ich bin sicher, Jerry und du ihr könnt wieder Freunde sein.“ „Ich weiß nicht“, murmelte Diana niedergeschlagen.
„Komm schon! Wir sammeln ein paar Äpfel für ihn auf Gilberts Hof und machen einen Apfelkuchen. Vielleicht ein paar Blumen. Und du könntest ihm deine alte Tafel schenken!“ Anne war hellauf begeistert von ihrem Plan, doch Diana schien alles andere als überzeugt. Dennoch ließ sie sich überreden.
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