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Auf Wiedersehen, Sweetheart

GeschichteDrama / P16
Deutschland Italien
14.02.2020
18.02.2020
2
5.070
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
14.02.2020 2.123
 
Kurzes Vorwort:

Diese Geschichte ist ursprünglich ein englischsprachiges Werk von dem Author "George deValier", dessen Fanfiction Account samt seinen Geschichten im August 2019 spurlos verschwand und somit bleiben viele seiner wundervollen Hetalia Geschichten leider unvollendet.

"Auf wiedersehen, Sweetheart" ist eine seiner beendeten Geschichten und ich wollte sie in das Deutsche übersetzen.

This story belongs to George deValier. Hetalia belongs to Hidekaz Himaruya.

Mit Erlaubnis von Geroge deValier:
https://www.wattpad.com/824926927-george-devalier-2015-profile-transcript-george
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Kapitel 1


Feliciano wusste sich nicht anders zu helfen. Konnte dieser schreiende Offizier nicht sehen, dass er offensichtlich kein Deutsch sprach? Feliciano versuchte erneut seine kleine weiße Flagge zu wedeln, noch schneller als zuvor. Er hatte sie immer für solche Situationen bei sich, aber heute schien es nicht zu funktionieren.

„Ich verstehe dich nicht! Kein Deutsch! Ich würde dir gerne antworten, aber ich habe keine Ahnung was du sagst! Sprechen Sie Italienisch? Englisch?“

Auch das funktionierte nicht. Der Deutsche schrie ihn einfach noch lauter an. Feliciano erschauderte unter der verbalen Attacke und hätte sich am liebsten in Luft aufgelöst. Das war absolut unfair! Alles was er doch wollte, war zum Markt zu gehen, um Mehl zu kaufen und jetzt wurde er von diesem deutschen Soldaten aufgehalten, der wegen irgendetwas aufgebracht war und ihn in dieser unbekannten Sprache anschrie. Feliciano war es mittlerweile gewohnt deutsche Soldaten in dem Dorf zu sehen, aber so etwas ist ihm bisher nicht untergekommen. Er war entsetzt.

„Es tut mir leid!“ rief Feliciano verzweifelt als der Deutsche noch aufbrausender wurde und seine Stimme ohrenbetäubend laut schallte. „Ich weiß nicht was du…“ Felicianos Herz setzte einen Schlag aus, als der Soldat seine Waffe aus dem Holster zog. Die Straße schien sich samt den umliegenden Feldern zu überschlagen. Aber der Deutsche zielte nicht mit der Waffe – er hielt sie über seinen Kopf und Feliciano sah zu, wie der Griff der Waffe auf ihn zugeflogen kam. Er kniff seine Augen zusammen und wartete auf den Schmerz. Doch er kam nicht. Stattdessen erreichte der Klang eines anderen Deutschen seine Ohren und er wagte sich ein Auge zu öffnen, um nach oben zu schielen.

Der neue Deutsche war groß, breit, blond und redete wütend auf den anderen Soldaten ein, dessen Arm er fest im Griff hatte. Er schien wie aus dem Nichts gekommen zu sein. Feliciano beobachtete mit großen Augen, wie der blonde Offizier noch einige harsche Worte mit dem Soldaten tauschte bevor er ihn aus seinem Griff befreite und forsch wegtreten ließ. Der Soldat salutierte hastig und eilte davon. Feliciano umklammerte seine weiße Flagge, nahm einen tiefen Luftzug, und wartete verkrampft darauf was als nächstes passieren würde. Der Offizier schaute zu ihm runter und fing an etwas auf Deutsch zu sagen, brach aber direkt ab. Nach einigen angespannten Sekunden sagte er, „Ich nehme nicht an, dass du Englisch sprichst?“

Feliciano seufzte vor Erleichterung. „Oh, Gott sei Dank! Ja, ich spreche Englisch! Dieser Soldat, er hat mich nur angeschrien und ich wusste nicht was er denn von mir will, und er war so laut und furchteinflößend, und vielen Dank, dass du ihn aufgehalten hast mich zu schlagen, und wirst du mich jetzt festnehmen?“

Der Deutsche schaute ein bisschen verdutzt drein. „Gern geschehen. Nein, ich werde dich nicht festnehmen.“

„Oh, gut!“ Feliciano lächelte und der Offizier pausierte bevor er weitersprach.

„Entschuldige ihn bitte. Er wollte deine Identifikationspapiere sehen.“

„Oh.“, sagte Feliciano als er in seiner Hosentasche rumorte, um die Papiere herauszuholen. „Hier sind sie, Ich...“

„Nein…“ Der Deutsche hielt seine Handfläche in einer Geste nach oben. „Alles in Ordnung, wirklich. Bist du… bist du in Ordnung?“

Feliciano strahlte erneut. Das war der netteste deutsche Soldat, dem er je begegnet ist, auch wenn er streng aussah und nicht lächelte. „Ja, mir geht es gut. Danke.“

Der Deutsche nickte flüchtig. „Gern geschehen“, sagte er wieder. Feliciano wartete aber der Deutsche sprach nicht weiter und schaute ihn nur aufmerksam an. Feliciano spürte, wie sein Atem schneller ging als er zurückstarrte. Es fühlte sich fast so an, als würde der Deutsche direkt durch ihn durch starren. Seine Augen waren das Blauste, was Feliciano je gesehen hatte.

„Also…“ sagte Feliciano endlich, so als ob er einen Bann gebrochen hätte. „Kann ich jetzt weiter zum Markt gehen? Ich soll Großvater nämlich Mehl kaufen und ich bin schon spät dran und ich möchte nicht, dass sich Großvater sorgen muss.“

Der Deutsche blinzelte ein paar Mal bis seine Augen sich aufschlugen, um an Feliciano vorbeizusehen. „Bitte.“ Er warf eine Geste um Feliciano vorbei zu lassen.

„Dankeschön! Netter deutscher Soldaten Mann!“ Feliciano rannte vorbei, weiter an den engen Feldstraßen in Richtung des Dorfes entlang. Nach einigen Schritten, unwissend weshalb, schaute er zurück. Der Deutsche sah ihm nach, drehte sich aber schnell weg.

Feliciano beschloss, dass dies sein Glückstag sein musste. Nach dem Vorfall mit den deutschen Soldaten schaffte er es reichlich Mehl auf dem Markt zu finden, auch Äpfel und sogar ein kleines bisschen Zucker, welcher fast unmöglich aufzutreiben war, seitdem der Krieg ausbrach. Feliciano rannte heiter aus dem Dorf, grüßte die Bewohner auf dem Weg und machte sich den schmalen Feldweg entlang in Richtung seines kleinen Bauernhäuschens. Die späte Abendsonne badete die Straße, die Bäume und die weit offenen Felder in einem warmen orangen Schein, und Feliciano summte glückselig vor sich hin als er den Korb mit den Einkäufen an seiner Seite baumeln ließ.

Er liebte die ländliche Gegend an Tagen wie diesen. Er konnte fast die deutschen Truppen im Dorf vergessen, fast die tosenden Echos explodierender Bomben aus den Bergen überhören, fast den Anblick des zerstörten und ausgebrannten Panzers am Wegrand übersehen. Es war fast friedlich. Als er weiterzog, fragte er sich was den deutschen Offizier dazu brach, ihn vor dem anderen Soldaten zu retten. Feliciano hatte nicht viel mit den Deutschen zu tun, versuchte ihnen verzweifelt aus dem Weg zu gehen, aber sein Großvater und Bruder erzählten immer davon wie scheußlich und boshaft sie waren. Der Offizier schien aber ganz und gar nicht schrecklich oder gemein zu sein. Feliciano konnte nicht anders als sich zu fragen, ob er ihm jemals nochmal begegnen würde. Aber das sollte er nicht denken. Ihn sollte das nicht kümmern. Aber wieso tat es das?

Feliciano bog in die Richtung seiner Haustüre ab und wurde direkt von lachenden und singenden Geräuschen begrüßt. Er grinste und rannte auf das Haus zu. Als er in den vollgestopften Eingang trat, wurde er von Jubel gegrüßt. Lovino stand auf dem Tisch im Wohnzimmer, spielte seine Gitarre und führte den Rest der Meute in einem Revolutionslied an. Feliciano lachte… Lovino musste bereits sehr betrunken sein. Der Raum war nicht groß und wirkte noch kleiner, wenn er mit feiernden Revoluzzern gefüllt war. Großvater Roma kreuzte den Raum und nahm Feliciano den Korb ab, ersetzte ihn durch eine Weinflasche und zog ihn in eine Umarmung. „Willkommen zuhause, Feliciano! Oh, du hast Äpfel und Zucker bekommen, guter Junge!“

„Großvater, was ist hier los?“, fragte Feliciano, wundernd was die Meute an diesem Abend wohl feierte.

„Heute ist ein guter Tag für ein freies Italien!“

Feliciano wusste was das bedeutete. Er hat es bislang schon oft genug gehört. „Was war der Preis heute?“

„Eine Lieferung Munition aus den Bergen.“ Roma drehte sich und rief in den Raum, „das ist eine ganze Ladung Kugeln, die die Deutschen nicht feuern werden!“

Der Raum brach wieder in Hochrufen aus. Feliciano applaudierte mit ihnen, dieses Mal war er aber nicht richtig von Herzen dabei. „Waren es viele von euch? Geht es allen gut?“

„Die Verluste liegen heute komplett bei den Deutschen!“ Roma ergriff Felicianos Hand und riss sie samt Weinflasche in einen Salut. Er nahm einen großen Schluck bevor er letztendlich Felicianos Hand freigab. „Drei Fahrer, sieben Wachen. Dein Großvater hat drei davon allein plattgemacht!“

„Gut gemacht, Großvater!“ Feliciano nahm einen Zug von dem Wein und versuchte durch das laute Singen, Reden und Jubeln der Revoluzzer zu denken. Er hatte noch nie darüber nachgedacht. Großvater sagte immer, der einzige gute deutsche Soldat, ist ein toter deutscher Soldat. Aber plötzlich dachte sich Feliciano, dass die drei getöteten Soldaten genauso wie der nette Offizier sein konnten, den er heute auf der Straße getroffen hatte. Es war seltsam… Großvater hatte ihm schon oft über Soldaten erzählt, die er getötet hatte und Feliciano hat nie ein zweites Mal darüber nachgedacht. Aber nun hatte dieses grausame Deutsche, welches ihm zu hassen gelehrt wurde, ein Gesicht. Ein Gesicht mit Augen so blau wie der Himmel.  

„Also trink, Feli, und feiere einen weiteren Sieg für La Resistenza!“

Die lauten und heiteren Resistenz Mitglieder jubelten erneut. Feliciano kannte sie alle… Dorfbewohner und Farmer, die der deutschen Militärpräsenz entgegentreten und sich verbündet hatten, um sie zu bekämpfen und ihre Pläne zu sabotieren. Sie trafen sich oft auf dem Hof der Vargas oder einer kleinen Cantina in dem Dorf, normalerweise um eine Mission zu planen oder eine gelungene zu feiern. Sie waren La Resistenza… die italienische Resistenz… und sie waren derzeit unter den meist gesuchten Menschen in Italien. Deutschen Nachschub unterbrechen, Autos und Panzer zerbomben, taktisch wichtige Informationen sammeln; La Resistenza arbeitete unermüdlich daran die Bemühungen des deutschen Militärs in Italien zu sabotieren. Und wenn sie feierten, feierten sie mit der gleichen Passion und Vollständigkeit.

Lovino beendete den Refrain des Lieds, hüpfte vom Tisch und warf seinen Arm um Feliciano. „Hey Feli!“ Feliciano lag richtig… Lovino hatte definitiv schon zu viel Wein getrunken. Er war nur so glücklich und gesellig, wenn er einige Gläser intus hatte und einen maßgebenden Sieg in der Tasche hatte.

„Du warst doch aber nicht in der heutigen Mission involviert, oder?“ fragte Feliciano, plötzlich besorgt. Es war schlimm genug, dass Großvater sich immer in solche Gefahren und Risiken begab. Er wollte sich nicht auch noch um seinen Bruder sorgen müssen.

Lovino rollte mit den Augen. „Schön wärs.“ Lovino drehte sich zu Roma. „Wann lässt du mich endlich auf eine richtige Mission gehen? Ich habe es satt nur Bomben in Autos zu platzieren. Ich möchte mehr Action sehen!“ Roma lachte nur und warf seinen freien Arm um Lovino.

„Ihr wisst, dass ich meine geliebten Enkelsöhne nicht gerne in Gefahr sehe.“, sagte Roma und zog Feliciano und Lovino nah zu sich.

Feliciano lachte. Großvater musste sich keine Sorgen um ihn machen. Er war wohl der Erste, um zuzugeben dem Ärger so weit wie möglich fernbleiben zu wollen. Er brachte sich in der Resistenz dennoch ein, im Regelfall, in dem er so viele Informationen über die deutschen Truppen sammelte wie er konnte. Feliciano war dankbar, dass Großvater Roma ihn in beschützen wollte, aber gleichzeitig wusste er, dass er manchmal noch wie ein kleines Kind behandelt wurde. Lovino wiederum verzehrte sich danach in die Aktionen draußen involviert zu werden, auch wenn Großvater ihm immer sagte, dass der Sinn der Resistenz darin lag, so wenig wie möglich gesehen zu werden und direkte Konflikte selten waren. Aber mit jeder Aufgabe und Verantwortung die Großvater an Lovino übergab, wollte er mehr.

„Nächstes Mal, Lovino, Ich verspreche es dir.“, sagte Roma heiter lächelnd und wuschelte Lovino durch die Haare.

„Das sagst du immer.“, grummelte Lovino als er Romas Hand wegschlug.

Roma lachte nur und nahm die Gitarre aus Lovinos Händen. „Kopf hoch, Lovino. Feier und sing mit uns!“

Roma schlug die Gitarre an, drehte sich und verbeugte sich vor dem Raum, dann spielte er eine unverkennbare Melodie. Die Meute brach sofort in anerkennenden Jubel aus. Dann sang Roma lauthals ein Lied, das mittlerweile für alle allzu bekannt war.

“Una mattina mi son svegliato,
O bella, ciao! Bella, ciao! Bella, ciao, ciao, ciao!
Una mattina mi son svegliato,
e ho trovato l'invasor.”

Die Revoluzzer stimmten sich mit ein. Lovino, in seiner weingetränkten Heiterkeit vergas augenscheinlich sofort seine angespannten Nerven und tanzte ausgelassen mit einem der Dorfmädchen. Feliciano konnte nicht anders als abzuschweifen. Er trank etwas Wein aus der Flasche und sang mit den anderen mit. Er grüßte verschiedene Menschen fröhlich, wenn sie auf ihn zukamen, um mit ihm zu sprechen. Er lachte und feierte und hörte sich Geschichten von Siegen an, rief laut mit den anderen damit Großvater Roma das Lied nochmal spielte. Er tanzte und jubelte und sang das Lied wieder und wieder, bis die finale Strophe kam, bei der jeder so laut mitsang, dass Feliciano sich sicher war, dass man sie noch im Dorf hören könne.

“È questo il fiore del partigiano,
O bella, ciao! Bella, ciao! Bella, ciao, ciao, ciao!
È questo il fiore del partigiano,
morto per la libertà!”

Diese Nacht, erschöpft, satt und glücklich, versuchte Feliciano zu Lovinos Schnarchen aus dem Bett direkt neben ihm einzuschlafen. Er verbrachte den Abend essend, trinkend und Lieder der italienischen Freiheit singend, mit den Mitgliedern der Resistenz. Aber als er die Augen schloss und friedlich in den Schlaf fiel, war das letzte Bild vor seinen Augen der blonde, blauäugige, deutsche Offizier, der im Sonnenlicht stand und zu ihm heruntersah.
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